Pfeil rechts

'nabend allerseits !


Bin ziemlich neu hier und wollte mal schau'n, ob's hier sowas wie "leidensgesossen" gibt.
Ich befinde mich in einer art teufelskreis und "finde den ausgang" nicht:
Kurz gesagt bin ich depressiv, weil ich die einsamkeit nicht ertrage und bin einsam, da ich depressiv bin. Mit kurzen unterbrechungen war das eigentlich schon immer so und die letzte dieser "unterbrechungen" ist auch schon wieder "verdamp' lang' her".

Daß man irgendwann depressiv wird, wenn man zulange im "eigenen saft schmort" ist - glaub' ich - eher trivial und bedarf wohl keiner weiteren erläuterungen. Durch meine depressionen habe ich jedoch irgendwann (bereits in kindertagen) eine soziale phobie entwickelt. Ich schäme mich deswegen, es ist mir schlicht peinlich. Ich spüre genau: es macht mich zumindest uninteressant (besonders frauen reagieren entprechend ablehnend). Oft werde ich regelrecht apathisch durch die innere leere und die müdigkeit. Ich bin also phasenweise mehr oder weder abwesend (mitten im gespräch). Das scheint andere menschen regelrecht zu erschrecken bzw. zu verstören, so daß ich andersherum feststelle: "depressionen machen ziemlich einsam".

Ich bin jedenfalls soweit, daß ich kaum noch (bzw. sehr eingeschränkt) die kraft habe, diesen depressiven ausdruck respektive diese sichtbaren depressiven reaktionen zu überspielen. So daß quasi jeder mir diese sofort ansieht (insbesondere frauen scheinen das förmlich zu "riechen"). Ich glaube auch nicht, daß die ablehnenden reaktionen fehlwahrnehmungen bzw. -inrepretationen meinerseits sind. Ich zitiere aus J. Rivette's "Die Geschichte von Marie und Julien": "...man muß sich vor unglücklichen menschen hüten, wenn man überleben will". Alles, was auch nur irgendwie krank wirkt, wird gemieden - das scheint ein biologisches paradigma zu sein.

Ich kann also kaummehr auf andere zugehen und aktiv den kontakt suchen, da ohnehin recht schnell alles sichtbar würde bzw. das überspielen bereits nach kürzester zeit wahnsinnig anstrengend für mich würde (authentisch wäre es überdies nicht). Jetzt meine fragen:
Gibt es hier evtl. leute, die gleichermaßen festgestellt haben, daß sie wg. ihrer depressivität gemieden werden ?
Hat schonmal jemand von denen diese natürliche barriere für längere zeit oder gar endgültig durchbrochen ?
Wenn ja: wie ??
Kennt jemand 'ne kotakt- bzw. singlebörse für leute mit depressionen oder sonstigen psychischen problemen (für 'ne "normale" single-"börse" ist mein "kurs" einfach zu niedrig) ??


Gruß
Harry Haller
(Odysseus24)

09.03.2008 19:03 • 02.04.2008 #1


22 Antworten ↓


herzlich willkommen an dich.
ich weiß nicht ich finde es gibt so viele verschieden arten wie depressionen sich auswirken.ich glaube es geht vielen so,daß sie ein gefühl haben gemieden zu werden.
als ich vor jahren in einer heftigen depression war fühlte ich mich am wohlsten unter "gleichgesinnten".sprich in einer tagesklinik.heute habe ich noch kontakt zu einer die ich dort kennenlernte.wir können dann immer herrlich über unsere erfahrungen quatschen,was jemand der mit depressionen noch keine erfahrung hat vielleicht nicht verstehen kann.

damals habe ich tabletten genommen,was aber nicht immer einfach war gerade für meinen mann.ich war sehr schläfrig und habe nichts auf die reihe bekommen.immer mit der angst auch mal ohne tabletten klar zu kommen.dann lernte ich eine heilpraktikerin kennen.mit ihrer hilfe habe ich es geschafft auch ohne tabletten durchs leben zu kommen.
wenn ich heute merke ich stecke etwas länger in einer krise,dann sagt mein mann immer versuch es ruhig ohne.ich hole mir dann einen termin bei meiner therapeutin und dann geht es eigentlich.

ich denke schon,daß ich es geschafft habe den teufelskreis zu durchbrechen,aber meine lebensumstände haben sich auch geändert.
schon alleine dadurch geht es mir besser.
von grund auf bin ich ein sehr einfühlsamer und sehr empfindlicher mensch der es wahrscheinlich immer schwer haben wird.also damit meine ich,daß ich schneller in eine krise geraten könnte wie jemand der alles nicht eng sieht.

eine sehr gute idee mit der single börse wo sich "gleichgesinnte" treffen.
vielleicht hast du glück wenn du ein wenig googelst.ich bin sehr gespannt von dir zu hören.
alles liebe diana

09.03.2008 20:43 • #2



Teufelskreis

x 3


Dank Dir, Diana !


Zum thema tabletten:
Mein psychiater versucht auch ab und zu, mich zur einnahme von antidepressiva zu bewegen - hab's auch schon mit SSRIs versucht - leider ohne erfolg. Demnächst wäre ein trizyklisches antidepressivum dran. Das hatte ich auch schon mal in der verzögerten form ("retard") - hatte heftige vegetative nebenwirkungen. Aber ich glaube, wenn meine stimmung besser wär', würde ich die depressivität wohl auch nicht so ausstrahlen bzw. besser kompensieren können und dann evtl. besser in kontakt kommen. Deshalb werde ich erstmal den versuch mit tabletten wagen...

Was die singlebörsen angeht, habe ich mir gestern die finger wund gegoogelt. Millionen ergebnisse - leider nix spezielles für depris wie mich. Aber es gibt welche für leute mit handicap. Na ja, ist ja irgendwie auch eines mit depressionen. Mal sehen, ob ich dort empathische kontakte bekomme...


Gruß
Harry Haller
(Odysseus24)

10.03.2008 16:03 • #3


ja ich denke auch,daß es eine art handicap ist.jedenfalls fühle ich mich so.
komisch sonst findet man alles was das herz begehrt.
ich weiß vor längerer zeit war ich in einem forum für depressive erkrangungen,aber das ist wahrscheinlich auch zufall das es single mäßig für dich passt.das war jetzt nicht böse gemeint.

ich denk an dich und drück dir die daumen.

lg diana

10.03.2008 21:49 • #4


Hallo Odysseus24,

bin ganz neu hier gestrandet.

Deine Beschreibung des Teufelskreises
fiel mir beim Lesen im Forum auf, denn sie spiegelt auch meinen Seelenzustand wider, seit ich ca 13 Jahre alt war.
Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der mir dieses Monster nicht im Nacken saß.

Eine Mischung aus tiefster Trauer, Verlassensein, Verwundbarkeit, und Ausgeliefertsein.

Ein sehr guter Freund, dessen Offenheit bez. meines sog. "handicaps" manchmal niederschmetternd ist, verglich meinen Zustand mal mit dem innerhalb eines Wolfsrudels:
Trotz / oder gerade aufgrund des komplexen Sozialverhaltens innerhalb eines solchen Rudels, ist es so,
daß verwundete, verletzte Mitglieder vom Clan gemieden werden.

Sie werden nicht vertrieben, nicht attackiert, nicht getötet. Sie werden isoliert, da von ihnen eine Gefahr für die soziale Struktur und die Sicherheit des Rudels ausgeht.
Die Verwundeten bekommen ihren Anteil der Mahlzeit, aber weit ab von der Gruppe.

Sobald sie aber genesen sind, werden sie freudig und aufmunternd wieder in die Gruppe aufgenommen und es ist,
als wäre es nie anders gewesen.

Ich habe diesen Teufelskreis noch lange nicht durchbrochen, aber ich habe mittlerweile gelernt (mit Hilfe von außen), wie es sich anfühlen kann, wenn man Gesundung nach außen demonstriert.
Zunächst etwas gezwungen, sehr kräftezehrend, aber irgendwann begann sich diese Offenheit zu verselbständigen.

Hört sich blöd an, aber manchmal sollten wir uns ganz ehrlich und schonungslos fragen:
Wollen wir denn überhaupt gesunden?
Oder fühlen wir uns nicht sogar ganz wohl in dem Sumpf mit "niedrigen Kurs"?

Trauen wir uns nicht, den Kurs selbst anzuheben?
Wollen wir vielleicht gar nicht zurück ins Rudel, weil wir es vielleicht gar nicht ertragen könnten, freudig begrüßt zu werden?.....

(Oh, ist etwas länger geworden- sorry )

Was mich interessieren würde Odysseus24, wenn Du antworten magst:

Möchtest Du wirklich eine "verwundete" Gefährtin finden, oder wünscht Du Dir nicht eigentlich auch eine gesunde ?
Hast Du schon mal eine Therapie gemacht?

Liebe Grüße
die schwänin

14.03.2008 14:12 • #5


Hallo schwänin !


Ich glaub' eine ebenso einsame wölfin wäre mir wohl deutlich lieber. Verständnis und empathie gibt es oft nur bei mitgliedern der gleichen art. Ich kann mich zwar begrenzt in die artfremde welt gesunder einfühlen - widererkennen kann ich mich dort aber kaum noch. Und ich möchte andersherum so wahrgenommen werden, wie ich mich fühle. Das fällt den "normalen" rudeltieren aber offenbar auch nicht so leicht.

Was das vorspielen von "gesundheit" angeht: das gelingt anscheinend immer nur bedingt. Hinter der "guten-laune-maske" schimmert ohnehin stets die wahre seelenlage durch. Zudem ist diese darstellung enorm anstrengend. Seit meiner kindheit versuche ich es. Mit zumeist sehr bescheidenem erfolg. Doch mangels kraft habe ich es dann vor einigen jahren aufgegeben. Diese überforderung hat mich nur noch tiefer in die depression gedrückt.

Es scheint so, als habe der rabe bei E.A. Poe mit seinem "nimmermehr" nicht ganz unrecht. Nimm es als zeichen von passivem "selbstmitleid" oder nicht...

lg
Harry Haller
(Odysseus24)

14.03.2008 14:44 • #6


p.s. Ich gäbe meine rechte hand für ein wirklich stimmungsaufhellendes antidepressivum. Authentisch positive ausstrahlung ohne mimische quälerei. Das würde ich hundertmal dem sumpf vorziehen. Aber solch ein medikament habe ich noch nicht kennengelernt. Ich nähme es sogar bereitwillig ein - wenngleich ich von "chemischen keulen" eigentlich gar nix halte - soweit bin ich bereits. Ganz so toll ist's in diesem sumpf nämlich durchaus nicht...

lg
Harry Haller
(Odysseus24)

14.03.2008 15:00 • #7


Hallo Odysseus24,

auch dieses Gefühl kenne ich nur zu gut:
Vorspielen von guter Laune.
Diesen Spannungsbogen von innerem Gefühl und Äußerer Wirkung zu halten. Jahrelang, mit zunehmendem Kraftverlust.

Aber DAS ist es nicht, was ich meine, wenn ich von "Gesundung demonstrieren" spreche.
Ich mußte das auch ersteinmal lernen. So, als würde ich neu laufen lernen.
Kein gequältes Lächeln a la "mir geht`s prima- danke der Nachfrage".

Eher ein Lächeln mit der Botschaft: "Sieh her zu mir, ich bin da. Ich bin interessiert daran, bei Dir zu sein, DICH zu sehen, bin dabei aber noch sehr unsicher.-
Ich möchte ein Teil von Euch sein, aber es gelingt mir ohne Eure Hilfe noch nicht."

Schwierig zu beschreiben. Aber es fühlt sich entspannter an. Authentischer.

Ich denke, wir sind allzeit auf der Hut, daß das Außen nicht erkennt, wie es in uns aussieht.
Und in gewissem Sinne ist das vielleicht auch besser so.
Das Außen ist völlig hilflos, wenn es uns mit leidendem Blick und voller Aussichtsloslosigkeit in den Augen wahrnimmt.
Aber wenn wir freundlich, wenn auch unsicher, um Hilfe bitten-
ich hab`s erfahren, dann ist man plötzlich "drin".

(Zugegebener Maßen ist man auch genauso schnell wieder draußen. Denn diesen Zustand zu halten, bedeutet den nächsten Kraftakt).

Aber wir haben die Kraft!
Wenn Du überlegst, was wir bisher alles ertragen haben. Das soll uns ein
""Gesunder"" erst mal nachmachen.

Mit Therapie meinte ich übrigens keine Medikamente.
Eigentlich tragen wir unser eigenes Antidepressivum in uns.

Lg,
die schwänin

14.03.2008 15:36 • #8


Hallo nochmal, Schwänin !


Ja, therapie hab' ich auch schonmal gemacht: von '96 - '98 - 110 stunden tiefenpsychologisch. Das ging dann aber in eine ganz verkehrte richtung - hab' ich aber damals nicht gemerkt. Konnte mich irgendwann einfach nicht mehr drin wiederfinden - ich kannte mich damals aber auch noch nicht so gut und konnte das alles nicht so auf den punkt bringen. Habe damals noch tierisch gegenan gekämpft, depressiv zu sein bzw. zu wirken. Anfang '07 hab' ich dann nochmal kurz einen zweiten versuch gestartet und bald darauf wieder abgebrochen. Mein psychiater rät mir derzeit zu einer gruppentherapie. Gegenwärtig fühle ich mich jedoch etwas überlastet. Mal sehen, vielleicht in ein paar monaten...

Eher ein Lächeln mit der Botschaft: "Sieh her zu mir, ich bin da. Ich bin interessiert daran, bei Dir zu sein, DICH zu sehen, bin dabei aber noch sehr unsicher.-
Ich möchte ein Teil von Euch sein, aber es gelingt mir ohne Eure Hilfe noch nicht."

Okay, genau dieses lächeln probier' ich vorm spiegel immer - haut nur noch nicht so ganz hin
Aber im ernst: eigentlich versuche ich (besonders leuten, die ich kaum kenne) nicht zu zeigen, wie allein ich mich fühle (etwas falsches versuche ich aber ebenso wenig vorzutäuschen). Wenngleich man mir sicher so einiges ansehen kann. Ich könnte nicht so "mit der tür in's haus fallen" bzw. mich anderen aufnötigen. Ich möchte nicht, daß jemand meint, er/sie solle sich mal "um mich kümmern". Das muß von selbst kommen - ohne aufforderung, ohne darum bitten zu müssen. In 99% aller anderen fälle wäre das ergebnis wohl auch eher ablehnend, was dann irgendwie demütigend für mich wäre.

Ich glaube, daß frau es sich aber auch tendenziell eher leisten kann, schwach und bedürftig zu wirken. Viele männer fühlen sich davon sogar angezogen. Umgekehrt ist es doch noch etwas anders: mann darf proll, dauerbreit und zur not auch noch ein aggressives A* sein - nur eines nicht: schwach. Das ist unverzeihlich. Also schonmal gar nicht depressiv.

Aber wir haben die Kraft!
Diese (auto-)suggestion klappt bei mir ja seit geraumer zeit nicht mehr so richtig...

Schwänin, was führt Dich denn nun hier in's forum ? Ist's Dein lächeln mit der Botschaft: "Sieh her zu mir... aber es gelingt mir ohne Eure Hilfe noch nicht." ?


lg
Harry Haller

14.03.2008 19:51 • #9


Ich leide unter einer mittleren Depression und lebe mittlerweile auch in einsamen Verhältnissen. Die Annahme, durch Vortäuschung von Euphorie zu einer gesünderen Lebensweise unter menschen zu gelangen scheint mir momentan genauso irrealistisch wie der Glaube an die Genesung durch Medikamente, da dadurch die Ursachen nicht beseitigt werden.

Die Ursachen meiner Depression und Einsamkeit sind, soweit ich es beurteilen kann, das soziale Leben in dieser unsolidarischen und teilweise kaltblütigen Leistungsgesellschaft.

Mein Freund, auch ich werde von Frauen gemieden, wenn sie meine Depressionen spüren. Diese Erfahrung habe ich einige Male gesammelt.

Noch Sprüche dazu wie "machs gut, pass auf dich auf" brauen in mir Agressivitätsladungen auf.

15.03.2008 23:44 • #10


Danke für den zuspruch, worldcitizen !

Habe auch oft den eindruck, daß das oft als meine "persönliche wahrnehmung" abgetan wird. Sagt jedenfalls mein psychiater (klingt für mich eher nach gesundbeten). Kann schon sein daß es unter zehntausend frauen drei gibt, die mich so auch irgendwie interessant finden könnten. Nur werde ich jetzt nicht wagen, (erwartungsgemäß) 3333 "fräuleins" meinen "arm anzutragen". Meine sog. "selbstwertproblematik" ist aus meiner sicht eher die konsequenz aus dieser aussichtslosigkeit jemanden kennenzulernen. Der status quo jedenfalls ist nicht gerade dazu angetan, mein selbstwertgefühl zu heben. Das alles auf diese subjektiven faktoren abzuschieben heißt, das problem als "selbstgemacht" zu deklarieren und somit zu de-objektivieren. Das ist's, was ich nicht mehr hören kann...

Gruß
Harry Haller

16.03.2008 02:18 • #11


Welche Lösungswege bei der Partnerfindung bieten sich an, wenn drei von 10000 Frauen deine bzw. unsere depressive Stimmung akzeptieren? Jednfalls hast du dir möglicherweise kehr Gedanken darüber gemacht.


Der Smiley oder ein Lachen "könne" Wunder bringen. Aus Herzen Lachen kann ichz.B., wenn ich so einen Unsinn wie "positives Denken" höre. Was das auch immer bedeuten mag, "positiv"? Geladene Teilchen (Protonen) sind damit jedenfalls nicht gemeint.
Und diese ganze Literatur von "positiver Lebensbewältigung" spricht mich auch nicht an.
Ich gehe öfters alleine in Bistros, Cafes und seltener in Parties. Es braucht eine ganze Menge Mut, alleine eine unbekannte Gesellschaft zu betreten. Gespräche mit Personen bzw. Frauen blieben selten in derartigen Gesellschaftlichkeiten, und die einzigen Gespräche fingen dort an und endeten dort.
Es mag zwar sehr hilfreich sein, aber eine unbekannte Person anzulächeln liegt halt auch nicht in meiner Natur, was möglicher weise sehr schwer zu ändern ist.

16.03.2008 19:41 • #12


Für ein authentisches lächeln oder eine echte "positive" ausstrahlung mag das ja durchaus gelten. Aber wenn nun die stimmung tatsächlich "negativ" ist, hilft das natürlich herzlich wenig. Und so eine grundstimmung läßt sich einfach nicht gewaltsam umdrehen - hab' ich ja auch schon lange genug versucht und hat mich nur noch mehr angestrengt bzw. überfordert und noch weiter in die depression geführt.

lg
Harry Haller

16.03.2008 20:50 • #13


Hallo Odysseus24,
sorry für die verspätete Antwort.
Zitat von Odysseus24:
Schwänin, was führt Dich denn nun hier in's forum ? Ist's Dein lächeln mit der Botschaft: "Sieh her zu mir... aber es gelingt mir ohne Eure Hilfe noch nicht." ?
lg
Harry Haller

Ja, so ist es.
Ich habe ja oben schon geschrieben, daß ich den Teufelskreis noch lange nicht durchbrochen habe.
Ich war seit 20 Jahren als schwer, und seit 16 Jahren als schwerst depressiv und suizidgefährdet "diagnostiziert".
Irgendwann hatte ich mich damit abgefunden, weil ich ein unbeschwertes Lebensgefühl überhaupt gar nicht kannte.

Wie gesagt, es ist, wie ganz neu Laufen lernen.
Früher hätte ich es nicht einmal gewagt, in einem Forum wie diesem Offenheit zu zeigen. So sehr isoliert lebte ich.

Ich freue mich, jetzt auf diesem Weg die Fühler auszustrecken, und in "guten Phasen" (vielleicht!)
sogar anderen ein wenig Mut machen zu können.
(Momentan habe aber auch ich keine gute Phase. )

Und nochmal: Ich sprach niemals vom unehrlichen, gequälten Lächeln.
Es geht darum, aufrichtiges Interesse am Gegenüber zu entwickeln.
Denn wenn man DAS gibt, kriegt man es auch zurück.
Meine ganz persönliche Erfahrung ist, daß wir zu sehr darauf hoffen, daß "die anderen" uns retten..... Aus welchem Grund sollten sie das tun??

Aber auch ich mußte lernen:
Das geht wahrscheinlich nur, wenn man sich irgendwann vor die Wahl gestellt sieht:
Entweder aufgeben, oder ALLES ändern.

Übrigens es ist nicht wirklich so, daß Frauen Chancen
beim anderen Geschlecht durch ihre Bedürftigkeit erlangen
Das gilt vielleicht für ungeschicktes Tragen von Einkaufkörben oder Öl-Stand überprüfen.
Kein Mann will ein bedürftiges Kind an seiner Seite.......

LG, Schwänin

17.03.2008 12:59 • #14


Hallo Schwänin (da bist Du ja wieder ) !


Ich freue mich, jetzt auf diesem Weg die Fühler auszustrecken, und in "guten Phasen" (vielleicht!)
sogar anderen ein wenig Mut machen zu können.
(Momentan habe aber auch ich keine gute Phase. )

Umsomehr dank an Dich, daß Du noch mut und kraft findest, Dir die beiträge eines "armen irren" wie mir durchzulesen . Gleiches gilt für Deinen zuspruch aus Deiner weniger guten phase heraus. War es denn auch die einsamkeit, die Dich 'runtergezogen hat oder war die depression eher veranlagung ("endogen") ?

Wie gesagt, es ist, wie ganz neu Laufen lernen.
Wahrscheinlich bist da schon etwas weiter gekommen als ich, dem immer wieder die beine versagen...

Und nochmal: Ich sprach niemals vom unehrlichen, gequälten Lächeln.
Es geht darum, aufrichtiges Interesse am Gegenüber zu entwickeln.
Denn wenn man DAS gibt, kriegt man es auch zurück.

Dein "lächeln" ist vermutlich als ein stellvertreter gemeint für eine art von offenheit. Ich habe mir oft gesagt: "wenn es mir gelingt, meinem gegenüber mitzuteilen, wie es mir geht und sie/er nicht schreiend davon läuft, dann interssiert sie/er sich wirklich für mich". Doch kann ich mich damit nicht sofort outen - jedenfalls nicht verbal (oder geht das wirklich nonverbal, nur mit einem lächeln ?). Ich fürchte mich halt davor, daß sie/er tatsächlich davonläuft. So hoffe ich dann eben, erstmal genügend vertrauen aufbauen zu können - bislang vergebens. Bis dahin ist schon jegliche kommunikation erloschen. Was mich außerdem davon abhält, derart offensiv damit umzugehen: ich finde es einfach erniedrigend, mit meinen bedürfnissen "hausieren" zu gehen (hier im forum jedoch ist diese art von offenheit irgendwie leichter)...

Entweder aufgeben, oder ALLES ändern.
Das zeigt mir, daß Du Dir noch etwas erhoffst vom leben.
Doch ALLES ändern hieße doch, daß wirklich ALLES falsch ist, was man so macht und ist. Ich glaube jedoch, das ist zu rigoros formuliert. Es gibt richtiges neben falschem, denke ich. Das macht es ja so schwer: das falsche und das richtige zu unterscheiden bzw. es als solches zu identifizieren. Es gibt da einfach sehr viel mehr an kombinationsmöglichkeiten als nur das komplette gegenteil in ALLEM (soweit der vortrag zur theorie der kombinatorik ).

Übrigens es ist nicht wirklich so, daß Frauen Chancen
beim anderen Geschlecht durch ihre Bedürftigkeit erlangen
Ich sehe das so, wie Juliette Binoche (gefragt danach, was eine frau anziehend macht): "It's the need" (war in Englisch geführt, das interview - obwohl Frz. produktion). Wenn es authentisch ist und es den gegenüber anspricht... War es nicht genau dies, was Du mit "aufrichtigem Interesse am Gegenüber" meintest ? (irgendwas habe ich da wohl doch nicht ganz verstanden)

Kein Mann will ein bedürftiges Kind an seiner Seite.......
Jeder ist alles zugleich: kind, geliebte(r), freund(in), elternteil... (sage nicht bloß ich, sondern u.a. die transaktionsanalyse). Entweder mann (bzw. frau) will alles oder aber bloß "rosinenpicken".


lg
Harry Haller

17.03.2008 17:05 • #15


Und nochmal hallo Odysseus
Zitat von Odysseus24:
War es denn auch die einsamkeit, die Dich 'runtergezogen hat oder war die depression eher veranlagung ("endogen") ?

Ich denke heute, daß es sich bei meinen Problemen nicht um eine endogene Erkrankung handelt.
Auch wenn ich das jahrelang glaubte und mich entsprechende "kompetente" ambulante Therapeuten darin bestärkten.
Ich denke, es war der von Dir beschriebene Teufelskreis, bei dem das eine das andere bedingt.
Was zuerst da war, das "Huhn oder das Ei", kann ich bis heute nicht sagen.
Sicherlich trage ich eine gewisse Veranlagung in mir, extrem sensibel auf die Welt und Menschen zu reagieren- positiv wie negativ- wie dies wahrscheinlich viele hier tun.
Kränkungen haben mich schon früh in die innere Isolation getrieben, da
man mir nie gezeigt hat, und ich es nie gelernt habe, wie ich mit dieser "Veranlagung" gut und achtsam umgehen kann.
Wie gesagt, daß trainiere ich dann heute mühevoll.

Ich glaube, wir unterscheiden uns nicht einmal grundlegend in unseren Ansichten. Wir gehen vielleicht anders damit um. (Ich erst seit kurzem ).

Zitat:
Ich habe mir oft gesagt: "wenn es mir gelingt, meinem gegenüber mitzuteilen, wie es mir geht und sie/er nicht schreiend davon läuft, dann interssiert sie/er sich wirklich für mich". ...So hoffe ich dann eben, erstmal genügend vertrauen aufbauen zu können - bislang vergebens.

Habe früher auch immer gedacht, daß es darum ginge, daß "der Andere" mich so nehmen müsse, wie ich bin, oder gar nicht.
Mit all meiner schlechten Laune, meiner Bedürftigkeit, meinen Ängsten und Depressionen.

Aber DIESEN Anspruch an ein erwachsenes Gegenüber muß man sich, meiner Ansicht nach, um überhaupt Kontakte zu schließen, zunächst einmal aus dem Kopf schlagen.
Was später wird, kann man nicht wissen.....

Diese tiefe innere Sehnsucht, daß man mir ins Herz schaut, und mich vom ersten Moment an so liebt und akzeptiert einfach nur, weil ich da bin, ist ein gaaaanz altes, kindliches- ein Urbedürfnis.
Das hat man- wenn man Glück hat- genau einmal im Leben:
Bei seiner eigenen Geburt.

Und wenn wir schon bei der Transaktionsanalyse sind:
JETZT leben und knüpfen wir Beziehungen auf der erwachsenen Ebene.
Das heißt nicht, daß unser Kind-Ich unter den Tisch fallen muß, aber das Gegenüber ist zunächst einmal nicht dafür zuständig, unsere kindlichen Bedürfnisse zu befriedigen (was meist unsere frühen, engeren Bezugspersonen versäumt haben zu tun).

Zitat:
Doch ALLES ändern hieße doch, daß wirklich ALLES falsch ist, was man so macht und ist.

Ne, nicht falsch.
Aber destruktiv.
Zumindest in meinem Fall.
Und- wenn man sein Leben lang nur rückwärts gelaufen ist und schließlich mit dem A... Rücken an der Wand steht, KANN man nur noch vorwärts gehen.

Zitat:
Ich glaube jedoch, das ist zu rigoros formuliert.

Ich sehe ein, daß das so klingt, aber wenn Du nur noch E I N E Wahl hast:
Leben oder sterben,
und Dein erwachsenes Ich entscheidet sich FÜR das Leben, dann gibt es nur schwarz oder weiß.

Aber, das ist MEINE Erfahrung.

Zitat:
Wenn es authentisch ist und es den gegenüber anspricht... War es nicht genau dies, was Du mit "aufrichtigem Interesse am Gegenüber" meintest ? (irgendwas habe ich da wohl doch nicht ganz verstanden)

Unter aufrichtigem Interesse am Gegenüber verstehe ich:
Mal einen Augenblick die eigene vertrocknete kindliche Seele zum Schweigen bringen, sich einen Moment lang aus der Fixierung auf die EIGENEN Wunden lösen und schauen, was ICH "dem da draußen" geben kann.
Gewagter Griff in die Platitüdensammlung:
"Die beste Art einen Freund zu finden, ist, einer zu sein"

LG
die Schwänin

18.03.2008 12:54 • #16


Neuerliches hallo, Schwänin !


Sorry, aber ich glaube, Dein weg dürfte mich genau in die sackgasse führen, aus der ich komme und heraus möchte.

1. das "kindliche bedürfnis" nach nähe und aufgehoben-sein ist alles, was mich je ausmachte, was ich je war. Das steht einfach nicht zur disposition bzw. nur um den preis meiner selbst. Wenn ich mich aber selbst aufgäbe, könnte ich mir auch gleich "die kugel geben".

2. "Kommunikation" (besser: konversation) respektive beziehung, in der ich nicht selbst vorkomme, "blutet mich aus". Sie wäre nicht authentisch, ohne wirkliches interesse, rein synthetisch, willentlich (intellektuell) gemacht. Und daher anstrengung, streß und überforderung pur (und zudem ohne, daß ersichtlich würde ob und wann denn mal "etwas für mich abfallen" würde). Streß habe ich aber für alle leben schon genug gehabt - ich kann einfach nicht mehr. Ergo: ich kann mich nicht von vornherein aus dem kontakt ausklammern - nur als "ich selbst" kann ich wirklich kommunizieren.


"Hey You - don't tell me, there's no hope at all !
...together we stand, devided we fall..."


lg
Harry Haller

18.03.2008 17:23 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Menno Odysseus

vielleicht bin ich auch der Sprache einfach nicht mächtig genug.
Habe doch nie davon gesprochen, das kindliche Selbst AUFZUGEBEN.
Es ist nur an uns SELBST, dieses Kind mit Nachsicht und Wärme zu erfüllen.

Zu 1) Wir dürfen es einfach nicht von Fremden EINFORDERN, denn SIE sind nicht für uns verantwortlich- vor allem nicht schon beim ersten "Fühlung-Aufnehmen".
OB und WANN SIE dann entscheiden, sich auch unserer kindlichen Bedürfnisse anzunehmen, müssen wir IHNEN überlassen.
(Aber es soll Menschen geben, die dies wirklich tun )
Möchtest DU denn JEDE arme Seele retten?

zu 2) Habe ich gesagt, daß Du innerhalb einer Konversation nicht vorkommen darfst?
Es geht um die innere Haltung. Erwarte nicht zuviel,
gib, was Du zu geben bereit bist und schau, was von der anderen Seite kommt.
Es ist ein Wechselspiel. Zwischen zwei oder mehreren Menschen.
Mal nimmt der eine, mal der andere.

Ein bißchen habe ich das Gefühl, daß DU in DEINEM Standpunkt sehr rigoros bist. Ich kann mich auch irren
Gibt es nur schwarz oder weiß bei DIR?
Wenn man das "Gegenüber" nur als Bedürfnis-Befriediger betrachtet, wird er schnell das Weite suchen.
Denn mit dieser Haltung entwertest Du nicht nur Dich selbst, sondern auch den anderen-
und der kriegt sowas im Bruchteil einer Millisekunde spitz.

(etwas provokativ/ nicht bös gemeint gefragt:)
Magst DU eine(n) übellaunige(n) Egoisten/-In zum/-r Freund(in), der/die nur darauf wartet daß:
Zitat:
.....und wann denn mal "etwas für mich abfallen" würde
"....?
Zitat:
ohne wirkliches interesse

Und hier schließt sich der Kreis.
"Aufrichtiges Interesse" entwickeln (lernen!)- davon sprach ich weiter oben.-Ein Nehmen UND Geben.
Und nicht, weil eine eigennützige Absicht dahinter steckt.
Keiner hat gesagt, daß das leicht ist.
Und ich weiß auch, daß jeder sein eigenes Tempo finden muß- wenn er denn will.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Kraft , diese Eisentür irgendwann einmal aufzuschließen.
- Naja, zumindest mal am Schloß zu rütteln .
Es kann funktionieren. Vielleicht glaubst Du mir das?

Liebe Grüße

Die Schwänin

18.03.2008 18:52 • #18


Hallo Schwänin (die 7.) !


Kann schon sein, daß ich Dich nicht richtig verstehe. Umgekehrt scheint es mir jedoch auch teilweise der fall zu sein. Allerdings mag es durchaus sein, daß ich mich mehr für andere interessieren müßte. Manchmal geht das sogar kurzzeitig, doch sind die voraussetzungen dafür zu selten erfüllt:

Ersteinmal muß schon sympathie + empathie vorhanden bzw. irgendwie zu spüren sein. Dann muß es mir körperlich gut gehen und ich darf keine müdigkeit verspüren. Sonderlich beschäftigen darf mich auch nichts. Und wenn mich dann am gegenüber etwas spezielles interessiert, dann ist es oft für den anfang zu persönlich (oder es mangelt mir an diplomatischem repertoire, um es angemessen anzusprechen). Falls aber zufällig doch soetwas wie ein echtes gespräch zustande kommt, gehen mir nach spätestens fünf minuten die "lichter aus". Ich kann dann oft nicht mehr folgen und bräuchte eigentlich eine pause. (Diese störung von aufmerksamkeit, konzentration und merkfähigkeit nennt sich wohl "Pseudodemenz" und gehört irgendwie zur depression.)

Schließlich kommen irgendwann zwangsläufig themen, wo "die lichter" gar nicht erst "an gehen" (wetter, autos, esotherik, mode, kochrezepte, telenovelas, sport, charts, Dieter Kohlen & Veronika Geldbusch...). Das ist dann spätestens der zeitpunkt, wo ich unwiderruflich in mein inneres refugium abgleite. Es sei denn, ich gehe soweit über meine grenzen, daß mir schwindelig wird (früher besonders gerne mal). Damit bin ich jedoch ebenfalls nicht mehr wirklich "bei" meinem gegenüber (selbst wenn ich mit gewalt den anschein eines anscheines aufrecht erhalte); das "echte interesse" ist längst passé und läßt sich auch so schnell nicht wieder herstellen. Bestenfalls stunden später (nach ausgiebiger erholung und verarbeitung) entsteht wieder soetwas wie echte neugierde für die betreffende person.

Ich weiß gar nicht, ob ich das ALLES wirklich will bzw. kann (tatsächliches interesse läßt sich eben, auch mit letzter anstrengung, nicht so einfach generieren - das ist gar keine frage des lernens). Und was am ende dieser Via Dolorosa auf einen wartet, hab' ich schon mal irgendwo gehört ...


lg
Harry Haller

19.03.2008 21:01 • #19


Zur Abwechslung mal jemand, der die soziale Phobie und Depression überwunden hat.

Ich war 14 Jahre depressiv und wegen sozialer Phobie in der Psychiatrie. Es ist nicht leicht, aber es ist möglich. Aber nur mit Hilfe. Ich bin mit einem Freund gemeinsam diesen Weg gegangen, zumindest den Rest des Weges. Wir haben viel geredet, irgendwann wieder angefangen zu arbeiten, beide Therapie gemacht. Ich habe immer noch viel zu überwinden. Ich bin traumatisiert.

Wollte Euch nur Mut machen.

21.03.2008 18:15 • #20



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Dr. Reinhard Pichler