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Dear All,

wahrscheinlich wird mich so mancher für einen totalen sozialen Krüppel halten.
Das ich psychisch irgendwie neben der Spur bin, weiß ich, hat man mir in Therapien auch schon so oder ähnlich versucht klar zu machen.
Doch ich muss über meine Empfindungen schreiben, die so unterschiedlich von denen anderer Menschen sind.

Es geht um die Einsamkeit, die ich als befreiend empfinde.
Kurz zu mir, ich habe lange hier nicht geschrieben, bin oft zu sehr neben der Spur.
Also, ich bin 50 geworden, ein Ruhrgebietsgewächs und ein absolut glücklicher weiblicher Single ( und das , jetzt nicht wundern , seit 48 Jahren ). Wie sich das erklärt.
Gut, ich habe 1989 jemanden kennengelernt, war zwei Jahre mit der Person zusammen und bin dann ausgestiegen. Ich konnte die Nähe nicht ertragen. Das war 1991. Bin ausgezogen, zurück in die Wohnung meiner Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin.
War also vom 28. bis 30. Lebensjahr kein Single. Danach bis heute wieder. Ich muss sagen, es gibt für mich nichts besseres.

Jetzt kommt die Weihnachtszeit und jeder meint, er müsse mir soziale Kontakte vermitteln. Vor allem meine Arbeitskollegen, die, so gern ich sie auch mag, für mich absolut keine Gesellschaft darstellen, mit der ich meine Feierabende verbringen möchte.
Diese sehen nämlich so aus, das ich, sobald ich zuhaus bin, sofort ins Bett gehe, ein wenig fernsehe und dann Licht aus, der nächste Arbeitstag ruft.
An den Wochenenden sieht es ähnlich aus.
Kurz, ich mache gar nichts.

Was nicht heißt, das ich keine Interessen hätte. Nur leider würden diese es mit sich bringen, das ich mich unter Menschen wagen müsste, was mir seit der Kindheit ein unendliches Greuel ist.
Oft stehe ich eine ganze Weile vor einem Aufzug und warte bis wirklich keier mehr im Flur ist, nur um allein fahren zu können.

Bin ich ein unsoziales Wesen? Bisher hat auch keiner herausfinden können, warum das so ist.
Schon in der Schule habe ich mich nie um Freundschaften gekümmert, das war mir alles lästig und zu sehr verpflichtend. Beziehungen machen nur Probleme.

Wem geht es ähnlich? Oder gibt es sowas gar nicht noch ein zweitesmal?
Wen stört Einsamkeit auch nicht ?

Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet

Ein komisches Menschenkind

19.12.2011 13:49 • 29.07.2012 #1


24 Antworten ↓


Du bist Dir selbst genug ! Perfekt ! Daran gibt es doch nichts auszusetzen !

19.12.2011 14:42 • #2



Soziale Kontakte ? Ich hasse sie.

x 3


Bis zu einem gewissen grad bin ich auch gerne alleine. Das hat jedoch seine grenzen.

19.12.2011 14:58 • #3


Ich kanns bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich kann gut allein sein und mir fehlen soziale Kontakte selten.
Ein Leben ausschließlich in Isolation zu verbringen wäre allerdings nix für mich.
Wie sieht es mit Kontakten zur Verwandtschaft aus? Familie? Sind sie dir auch lästig?

Was genau empfindest du an Freundschaften eigentlich verpflichtend? Füreinander da zu sein, jemandem helfen zu müssen oder einfach gemeinsame Freizeit verbringen zu müssen? Persönlich bevorzuge ich bei einer Freundschaft die Kommunikation und den Austausch von Gedanken. Den Rest brauche ich nicht.
Wichtig ist sicher auch, herauszufinden, ob du aus Angst die Gesellschaft von Menschen vermeidest, z.B. Erwartungen nicht gerecht zu werden oder so. Denn an und für sich ist es ja nichts schlimmes allein sein zu können und damit zufrieden zu sein.
Nur weil die meisten Menschen das nicht können, ist es ja nicht krank oder falsch.

23.12.2011 15:08 • #4


Hallo,
ich würde sagen das ist eine Art von Agoraphobie. Also die Abneigung oder Angst vor vielen Leuten, großen Plätzen und der Offensichtlichkeit. Ich kann mich noch gut an dieses Gefühl erinnern, wenn man in der Schule vor die Klasse musste, da stand man da und wollte am liebsten weg sein.
Es ist nicht schlimm, wenn man sich alleine wohl fühlt. Ich bin selbst mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen. Habe alleine in einer fremden Stadt ein Zimmer gehabt und meine Ausbildung gemacht. Habe niemanden gehabt, der mit irgendwohin fährt, kein Auto, nicht viel Geld usw. Und man verläßt sich auf sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten und wird nicht enttäuscht von jemanden, der nicht hält was er verspricht. In einer Beziehung kann man nicht gewinnen, man muss für jedes Gefühl ein Gegengefühl geben, für jede Tat einen Gegenleistung bringen... das ist anstrengend. Was meinst du warum viele Beziehungen an dem leidigen Thema "du liebst mich nicht" scheitern... obwohl das Problem ist, das sich die meisten selber nicht lieben.
Man könnte allein sein als negativ ansehen, muss es aber nicht. Jeder ist so glücklich, wie er es braucht. "wie man sich bettet, so liegt man". Also nicht rechts und links schauen und alles so weitermachen wie bisher, solange es sich gut anfühlt.

23.12.2011 22:06 • #5


vielen Dank für die Postings.
Ja, ich möchte zunächst @schmitzi antworten:

Zitat:
Wie sieht es mit Kontakten zur Verwandtschaft aus? Familie? Sind sie dir auch lästig?

Ich bin in der (für mich ) sehr guten Situation keinerlei Familie mehr zu haben.
Das letzte Mitglied meiner Family, meine Tante, ist 2000 verstorben.
Ich bin froh, das ich mich nicht mehr mit der Verwandtschaft herumschlagen muss.
Mir waren die immer lästig, ich konnte das nie verstehen das besonders zu großen Festen wie Geburtstage oder Weihnachten die Wohnung immer voll mit diesen Leuten war.
Da habe ich meine Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin, nie verstanden.
Mag sich für viele komisch anhören.
Ich wollte auch nie eine Familie gründen, das wäre mir alles zuviel geworden. Jetzt bin
ich bis auf zwei gute Freunde allein.

Wenn ich nicht arbeiten müsste, dann würde ich gar nicht mehr aus dem Haus gehen.
Aber so muss ich ja leider.

Einkaufen gehe ich meißt spät abends, unser supermarkt hier hat bis 23 Uhr auf und acuh sonstiges erledige ich früh morgens bzw. abends.

Von mir aus könnte mein Leben auch jetzt enden. Ich hänge nicht dran

Grüße aus dem Ruhrgebiet

11.01.2012 16:32 • #6


revierlady = ruhrpottgirl?

12.01.2012 02:15 • #7


Zitat von GastB:
revierlady = ruhrpottgirl?

Gut erkannt.

16.01.2012 10:04 • #8


Zitat von ruhrpottgirl:
Zitat von GastB:
revierlady = ruhrpottgirl?

Gut erkannt.


Ich musste mich neu registrieren, da ich sehr lange nicht im Forum war.
Es war zuviel passiert, konnte eine ganze Weile nichts schreiben.

16.01.2012 10:38 • #9


Zitat von ruhrpottgirl:
Zitat von ruhrpottgirl:
Zitat von GastB:
revierlady = ruhrpottgirl?

Gut erkannt.


Ich musste mich neu registrieren, da ich sehr lange nicht im Forum war.
Es war zuviel passiert, konnte eine ganze Weile nichts schreiben.

Pass nur bitte auf, dass du nicht die Nicks wechselst, sonst wirkt das irreführend.

16.01.2012 12:18 • #10


Lieber GastB,

keine Sorge. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich noch im Griff habe.

18.01.2012 21:34 • #11


Also ich kann das sehr gut verstehen,
besonders das mit der Verwandschaft.

18.01.2012 21:54 • #12


Zitat von ruhrpottgirl:
Lieber GastB,

keine Sorge. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich noch im Griff habe.

? Ist dir doch grad erst hier im Thread passiert. Deswegen habe ich das ja aufgegriffen.

18.01.2012 23:34 • #13


Hallo,

mir sind soziale Kontakte auch sehr lästig, ich verachte andere Menschen sogar oft - ohne Grund. Ich vermeide jede Begegnung mit Anderen, durch große Menschenmassen gehe ich möglichst schnell hindurch und fühle dabei Panik aufsteigen. Mit jemandem reden zu müssen - es gibt nichts schlimmeres, ja ich habe sogar Angst davor, jemanden anzurufen, selbst die eigenen Kinder. Mein Alltag sieht genau so aus, wie Deiner.
Aber - und jetzt kommt's - ich LEIDE unter der Isolation und Einsamkeit und den Ängsten, die Depression ist mein einziger Begleiter. Ich leide unter dem, was ich am meisten will: allein sein. Brauche Kontakte, will und kann sie aber nicht knüpfen, will keine Erwartungen erfüllen und keine Verpflichtungen eingehen. Und Hilfe holen kann ich mir auch nicht, denn dazu braucht es ja Kontakte - und Anrufe. Hilfe will ich aber haben - ein Teufelskreis.

Viele Grüße
Tomsel

19.01.2012 13:32 • #14


Hallo zusammen,
was mir hier auffällt sind die Beschreibungen "Verwandte sind mir lästig ", "ich hasse soziale Kontakte", da blinkt soviel Frust und Wut heraus, daß ich das "es geht mir damit gut" nicht so recht glauben kann. Für die Oberfläche mag das "es geht mir damit gut" gelten, aber tief innen drin wohnt doch das Unglück, oder?
In diesen Worten kann nur schreiben, wer enttäuscht ist. Und warum ist man enttäuscht? Weil Erwartungen nicht erfüllt wurden. Daher rate ich an mal zu überprüfen, was denn von anderen erwartet wurde. Erwartungen an andere sind es, die das größte Leid bescheren.
Hakt man die Erwartungen ab, allerdings liebe- und verständnisvoll und nicht aus Verletztheit heraus, dann lebt man besser, wenngleich nicht unbedingt weniger einsam.

27.01.2012 11:42 • #15


Hi revierlady,
solange du mit deiner Situation zufrieden bist finde ich es ok wie du fühlst. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Auf der anderen Seite ist der Mensch aber ein sehr soziales Wesen und zieht sich nur aus der Gesellschaft zurück wenn er Probleme hat. Jeder Mensch braucht und träumt von Liebe, Nähe und Zuneigung. Wie *Paula* schon angedeutet hat, hört sich das was du schreibst auch ein wenig verbittert an.

Aber es mag sein das es Menschen gibt die auch ohne Verbitterung oder schlechte Erfahrungen die Einsamkeit und Ruhe vor den anderen suchen, das kann ich persönlich nicht so gut beurteilen. Es ist nur wichtig das du das auch wirklich möchtest und nicht von irgendwelchen Problemen oder negativen Gefühlen dazu gezwungen wirst.

Just my 2 Cents

Mit lieben Grüssen ins Revier

BM

27.01.2012 12:15 • #16


Zitat von *Paula*:
Hallo zusammen,
was mir hier auffällt sind die Beschreibungen "Verwandte sind mir lästig ", "ich hasse soziale Kontakte", da blinkt soviel Frust und Wut heraus, daß ich das "es geht mir damit gut" nicht so recht glauben kann. Für die Oberfläche mag das "es geht mir damit gut" gelten, aber tief innen drin wohnt doch das Unglück, oder?
In diesen Worten kann nur schreiben, wer enttäuscht ist. Und warum ist man enttäuscht? Weil Erwartungen nicht erfüllt wurden. Daher rate ich an mal zu überprüfen, was denn von anderen erwartet wurde. Erwartungen an andere sind es, die das größte Leid bescheren.
Hakt man die Erwartungen ab, allerdings liebe- und verständnisvoll und nicht aus Verletztheit heraus, dann lebt man besser, wenngleich nicht unbedingt weniger einsam.



Hallo Paula, hallo Ihr,

das hast Du sehr sehr schön formuliert und geschrieben. Ich würde dem gerne hinzusetzen, das für mich soziale und familiäre Kontakte nur dann ohne Angst und Grauen gepflegt werden können wenn man gelernt hat wie man damit umgeht, wie quasi die Spielregeln, Erwartungen, Befürnisse und die Kommunikation hierfür sind. Wurden einem in der Kindheit die Spielregeln nicht beigebracht kann das erdrückend, belastend, grausam, grauenhaft und ebend auch lästig sein sich mit anderen Menschen zu beschäftigen.

27.01.2012 12:19 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Was mir aufgefallen ist: "Soziale Kontakte? Ich hasse sie."

"Ich brauche sie nicht." hätte besser zu dem Text gepasst....

27.01.2012 12:24 • #18


Zitat von revierlady:
Dear All,

wahrscheinlich wird mich so mancher für einen totalen sozialen Krüppel halten.
Das ich psychisch irgendwie neben der Spur bin, weiß ich, hat man mir in Therapien auch schon so oder ähnlich versucht klar zu machen.
Doch ich muss über meine Empfindungen schreiben, die so unterschiedlich von denen anderer Menschen sind.

Es geht um die Einsamkeit, die ich als befreiend empfinde.
Kurz zu mir, ich habe lange hier nicht geschrieben, bin oft zu sehr neben der Spur.
Also, ich bin 50 geworden, ein Ruhrgebietsgewächs und ein absolut glücklicher weiblicher Single ( und das , jetzt nicht wundern , seit 48 Jahren ). Wie sich das erklärt.
Gut, ich habe 1989 jemanden kennengelernt, war zwei Jahre mit der Person zusammen und bin dann ausgestiegen. Ich konnte die Nähe nicht ertragen. Das war 1991. Bin ausgezogen, zurück in die Wohnung meiner Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin.
War also vom 28. bis 30. Lebensjahr kein Single. Danach bis heute wieder. Ich muss sagen, es gibt für mich nichts besseres.

Jetzt kommt die Weihnachtszeit und jeder meint, er müsse mir soziale Kontakte vermitteln. Vor allem meine Arbeitskollegen, die, so gern ich sie auch mag, für mich absolut keine Gesellschaft darstellen, mit der ich meine Feierabende verbringen möchte.
Diese sehen nämlich so aus, das ich, sobald ich zuhaus bin, sofort ins Bett gehe, ein wenig fernsehe und dann Licht aus, der nächste Arbeitstag ruft.
An den Wochenenden sieht es ähnlich aus.
Kurz, ich mache gar nichts.

Was nicht heißt, das ich keine Interessen hätte. Nur leider würden diese es mit sich bringen, das ich mich unter Menschen wagen müsste, was mir seit der Kindheit ein unendliches Greuel ist.
Oft stehe ich eine ganze Weile vor einem Aufzug und warte bis wirklich keier mehr im Flur ist, nur um allein fahren zu können.

Bin ich ein unsoziales Wesen? Bisher hat auch keiner herausfinden können, warum das so ist.
Schon in der Schule habe ich mich nie um Freundschaften gekümmert, das war mir alles lästig und zu sehr verpflichtend. Beziehungen machen nur Probleme.

Wem geht es ähnlich? Oder gibt es sowas gar nicht noch ein zweitesmal?
Wen stört Einsamkeit auch nicht ?

Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet



Ein komisches Menschenkind



Hallo komisches Menschenkind,

Ich bin auch so und es wird ganz vielen Menschen so gehen.
Alles was Du geschrieben hast kann ich eins zu eins wieder geben. Jeden einzelnen Punkt. Es ist nichts Schlimmes daran.......wenn Du damit glücklich und zufrieden bist!

Uns unterscheidet, dass ich mit damals 21 in einer Therapie mein Leben komplett auf den Kopf gestellt habe und 12 Jahre lang lernen "mußte" mich mit anderen Menschen zu "arrangieren".

Jetzt im Nachhinein gesagt hätte es mich nicht besser treffen können. Wenn ich überlege das ich nun in Deinem Alter bin und das hier schreiben würde, würde es auch bedeuten das ich die Freude und die "menschlichen" Geschenke niemals erfahren hätte. Darüber zu schreiben macht mich schon traurig.

27.01.2012 12:41 • #19


Zitat von SteffiK.:
Hallo Paula, hallo Ihr,

das hast Du sehr sehr schön formuliert und geschrieben. Ich würde dem gerne hinzusetzen, das für mich soziale und familiäre Kontakte nur dann ohne Angst und Grauen gepflegt werden können wenn man gelernt hat wie man damit umgeht, wie quasi die Spielregeln, Erwartungen, Befürnisse und die Kommunikation hierfür sind. Wurden einem in der Kindheit die Spielregeln nicht beigebracht kann das erdrückend, belastend, grausam, grauenhaft und ebend auch lästig sein sich mit anderen Menschen zu beschäftigen.


Hallo Steffie,
da hast du natürlich recht, der Umgang damit ist erst zu lernen, ohne Handwerkszeug steht man in solchen Situationen hilflos da und ich kenne niemanden, dem dieses Handwerkszeug im Laufe seines Erwachsens mit auf den Weg gegeben wurde, leider.
Aber man kann es sich eben selbst aneignen, jetzt, wo man 'groß' ist, ebenso, wie man eine Fremdsprache oder Tauchen oder sonstwas lernen kann.
Fatal wäre nur, die eigene Hilflosigkeit mit dem Mangel aus Kindertagen zu rechtfertigen (wozu wir alle erstmal neigen, denn das ist ja das einfachste und dafür muss man auch nix an sich tun) und das als Grund zunehmen eben nichts zu verändern. Wer sich dafür entscheidet, bleibt im Leid stecken und es ist erschreckend, wieviel Leid wir bereit sind zu tragen, bis wir mit dem Rücken an der Wand und vor der Entscheidung stehen endlich etwas zu tun oder eben nicht mehr zu leben (sei das Suizid oder ein stumpfes Dahinvegetieren, was man ja auch nicht als Leben bezeichnen kann).

28.01.2012 17:52 • #20



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