Pfeil rechts
18

Kairi
Es ist so weit, der 24.12...

Die Weihnachtsfeiertage beginnen. Im Idealfall sitzt man mit seinen Liebsten gemütlich zusammen, isst, singt, hat Freude und mancher Mensch hat sogar heute Urlaub.

Bei mir ist, bis auf den Urlaub, nichts davon der Fall.

Erschwerend kommt hinzu, dass heute mein Geburtstag ist. Zwei, heute, erdrückende Ereignisse. Warum? Weil ich sowohl heute als auch die nächsten Tage alleine sein werde.

Eigentlich sollte ich heute arbeiten. Aber mein Chef hat mich gestern überrascht und mich über die Weihnachtsfeiertage vom Dienstplan genommen. Eine sehr süße Überraschung, da ich erst seit ein paar Monaten dort arbeite. (Da wir im Betrieb keine Feiertagszuschläge bekommen ist es finanziell irrelevant).
Leider auch eine extrem kurzfristige Überraschung.

Ich habe einen Jahresdienstplan und da ich fest damit gerechnet habe heute eine 24 Stunden Schicht abzuarbeiten, haben meine Mutter und meine älteren Brüder beschlossen bis zum 27.12. in den Urlaub zu fahren. Das hat sie sich mehr als verdient und ich freue mich für sie. Mehr Familie habe ich nicht. Meine Großeltern sind verstorben, mein Vater leider auch.

Meine Lebensgefährtin verbringt die Feiertage bei ihrer Familie, 200 km entfernt von Köln, ist gestern Abend los gefahren.

Freunde habe ich hier noch keine, da ich nicht aus NRW komme. Meine beste Freundin wohnt 500 km entfernt

Und ich.. ich bin alleine. Ich habe kein Problem damit alleine zu sein. Eigentlich bevorzuge ich das sogar nach stressigen Arbeitswochen (Rettungsdienst/Berufsfeuerwehr).
Aber heute ist mein Geburtstag und Weihnachten, das "Fest der Liebe".
Als ich der festen Überzeugung war, dass ich heute arbeiten muss war alles gut, ich wusste, dass ich statt zu feiern etwas sinnvolles tun werde. Ich wäre beschäftigt gewesen. Aber heute morgen haben sich schlagartig die Depressionen sowie die Zwangsstörungen zurückgemeldet.
Die Depressionen sind auf dem gleichen Level wie immer aber die Zwangsstörungen sind um ein vielfaches extremer und beeinflussen mich ohne Ende.
Und ich habe Panik davor, dass es in den nächsten Tagen noch schlimmer wird. Das ist das erste Mal seit langem, dass ich richtige Angst verspüre. Ich wünsche mir einfach nur, dass die Feiertage endlich rum sind und das normale Leben wieder seinen lauf geht. Ist das absurd?

Zu meines Lebensgefährtin zu fahren ist keine Option. Sie will ihrer Familie noch nicht sagen, dass sie wieder eine Freundin, weil ihre Mutter erzkonservativ ist und das akzeptiere ich. Als sie sich outete ist die Reaktion ihrer Mutter mehr als negativ gewesen.
Sie hat mir zwar Angeboten es ihrer Familie anders zu verkaufen aber das möchte ich nicht. Es werdeb dort acht mir gänzlich fremde Leute sein. Mich dort reinzuschmuggeln als "eine Freundin", an Weihnachten, finde ich unpassend (v.a., weil Weihnachten für ihre Mutter das heilige Fest der Familie ist) und ich möchte ihre Eltern nicht anlügen. Objektiv betrachtet sieht man mir nicht an, dass ich gleichgeschlechtlich bin aber ich denke nicht, dass ihre Familie sich für dumm verkaufen lässt. Plus: ich möchte sie nicht anlügen.

Also.. sitze ich hier. Mit meinen Karnickeln. Trinke meinen Kaffee und rauche. Und frage mich ob es überzogen ist, dass ich mich so miserabel fühle. Ob ich mir einfach sagen soll "Ja sch*** drauf, ist doch nur Weihnachten und Geburtstag." so wie meine beste Freundin mir das gesagt hat. Mache ich da eine zu große Nummer drauß? Ist es übertrieben, dass ich mich so einsam wie seit langem nicht mehr fühle? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass dieses Gefühl erdrückend ist...

24.12.2016 10:24 • 24.12.2016 #1


13 Antworten ↓


petrus57
Zitat von Kairi:
Ich wünsche mir einfach nur, dass die Feiertage endlich rum sind und das normale Leben wieder seinen lauf geht. Ist das absurd?


Ganz und gar nicht. Mir geht es genauso und das obwohl ich schon seit Jahren arbeitslos bin.

Welche Zwangsstörungen quälen dich denn so?

Schicke dir hiermit mal die besten Wünsche zu deinem Geburtstag.

Petrus

24.12.2016 10:49 • x 1 #2



Mein persönlicher Supergau

x 3


kleinerIgel
Hallo liebe Kairi,

willkommen hier im Forum

und alle liebe zum Geburtstag

und, auch wenn dir nicht danach ist, frohe Weihnachten


...soo viel auf einmal. Ich verstehe gut, wie du dich fühlst und nein, ich finde nicht, dass du übertreibst. So plötzlich und unerwartet alleine zu sein an so einem Tag... Aber so ganz alleine bist du doch nicht...hier im Forum werden sicherlich einige Leute unterwegs sein, die auch alleine sind.
Weiss nicht so ganz, was ich dir nun raten soll..Ich wünsche dir, dass du den Tag doch irgendwie schön rumkriegst

Liebe Grüße vom kleinen Igel

24.12.2016 10:51 • x 1 #3


Happy birthday "Weihnachtsgeburtstagskind" hat man ja nicht so oft...

Du bist ja nicht alleine...nur gerade räumlich aber nicht innerlich.
Du hast eine Partnerin und eine Familie,auch,wenn sie klein ist so wie meine (hab auch nurnoch meine Eltern).
Das ist ein grosses Geschenk!

Trotzdem kann ich Deine - ich nenne es mal Melancholie - verstehen.Die darf ruhig dasein,man darf sogar darin schwelgen...ist doch mehr als verständlich,die wenigsten sind an Heilig Abend gerne alleine.
Dafür hast Du aber auch keine "Zwangsharmonie" zu erdulden,die in einigen Familien vorherrscht und kannst ganz entspannt machen,was Du willst,ich finde,das hat auch was!

Was Deine Freundin betrifft: die kann ich auch gut verstehen,wenn sie schon so Probleme mit ihrem Outing hatte,dass sie da nicht ausgerechnet an Weihnachten die neue Freundin vorstellt,da findet sich sicher eine passendere Gelegenheit.

Ja,was soll ich sagen,mach es Dir so schön wie möglich und nicht soviel grübeln,lieber die Ruhe geniessen...

24.12.2016 10:55 • x 3 #4


Sophie56
[quote="Kairi"]Es ist so weit, der

Ob ich mir einfach sagen soll "Ja sch*** drauf, ist doch nur Weihnachten und Geburtstag." so wie meine beste Freundin mir das gesagt hat. Mache ich da eine zu große Nummer drauß?

...

Genau das solltest Du Dir sagen...und ja, Du machst eine zu große Nummer drauß.

Du steigerst Dich in die, auch von außen suggerierte, Vorstellung des Friede-Freude-Eierkuchen-Familien-Weihnachtsfestes. Dass es auch andere Formen des Weihnachten-Feierns gibt, ist dir nicht bewusst bzw. verdrängst Du. Klar ist es doof, dass Du so kurzfristig umdisponieren musst, aber es ist nicht der Weltuntergang.

Mach es Dir Zuhause gemütlich und genieße die paar Tage das Alleinsein. Denke daran, dass ganz viele Menschen nicht nur an ihren Geburtstagen und an Feiertagen alleine sind, sondern danach auch. Du aber nicht...Deine Lebensgefährtin kommt nach Weihnachten wieder.

Ich gratuliere Dir zu Deinem Geburtstag und wünsche Dir ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.2016 11:12 • x 1 #5


Sophie56
Zitat von Flame:
Happy birthday "Weihnachtsgeburtstagskind" hat man ja nicht so oft...

Du bist ja nicht alleine...nur gerade räumlich aber nicht innerlich.
Du hast eine Partnerin und eine Familie,auch,wenn sie klein ist so wie meine (hab auch nurnoch meine Eltern).
Das ist ein grosses Geschenk!

Trotzdem kann ich Deine - ich nenne es mal Melancholie - verstehen.Die darf ruhig dasein,man darf sogar darin schwelgen...ist doch mehr als verständlich,die wenigsten sind an Heilig Abend gerne alleine.
Dafür hast Du aber auch keine "Zwangsharmonie" zu erdulden,die in einigen Familien vorherrscht und kannst ganz entspannt machen,was Du willst,ich finde,das hat auch was!

Was Deine Freundin betrifft: die kann ich auch gut verstehen,wenn sie schon so Probleme mit ihrem Outing hatte,dass sie da nicht ausgerechnet an Weihnachten die neue Freundin vorstellt,da findet sich sicher eine passendere Gelegenheit.

Ja,was soll ich sagen,mach es Dir so schön wie möglich und nicht soviel grübeln,lieber die Ruhe geniessen...



Guter Beitrag

24.12.2016 11:13 • x 2 #6


Kairi
Erstmal danke für die Glückwünsche an euch alle!

Hallo Petrus,

es ist eine nette Kombi aus Zwangsgedanken, welche sich als Grübelzwang äußern und ein Ordnungszwang. Momentan laufe ich auf Hochtouren und räume wie eine Irre alles an den Platz auf den es gehört.
Netterweise hat meine Lebensgefährtin alle in einem chaotischen Zustand hinterlassen, so dass ich hier den Spaß meines Lebens hab... nicht


Dir auch frohe Weihnachten, kleiner Igel.

Ja, da gebe ich dir natürlich vollkommen Recht. Es wird viele Leute geben, die heute alleine sind. Ich wage mal zu behaupten, dass ich vermutlich v.a. hier ein paar Leute finden wird, denen es ähnlich geht (das soll jetzt keinen Falls abwertend gemeint sein.) und irgendwie... beruhigt (?) mich das auch. Kann ich das so schreiben? Ich weiß nicht. Aber es ist irgendwie gut zu wissen, dass ich nicht die einzige Person bin, die das durchleben muss. Und, dass es Menschen gibt, die mein Gefühl grade nachempfinden können und eventuell Ratschläge geben können bzw. aufmunternde Worte finden. Oh Gott, das klingt irgendwie böse, oder?


Hallo Flame,

ja, das für mich größte Geschenk ist sowieso, dass es meiner Familie gut geht, dass meine Mutter sich endlich mal den Urlaub gönnt, den sie verdient hat und, dass es meiner Freundin + Familie gut geht.

Wenn es mal nur Melancholie wäre. Ich fühle mich, als würde ich in Selbstmitleid baden, obwohl ich sowas hasse. Deswegen habe ich auch so lange überlegt.. soll ich drüber schreiben, soll ich's lassen?

Ohja, ich liebe Zwangsharmonie. Das ist super. Ha. Aus der Sicht habe ich das noch gar nicht betrachtet.

Das denke ich auch. Deswegen habe ich das auch gestern Abend kategorisch abgelehnt. Das kann sich alles noch ergeben und ich habe kein Interesse, dass sie eine riesen Diskussion an Weihnachten losbricht.


Sophie,

das ist das, was ich mir auch denke. Ich versuche so gut es geht mich selbst zu therapieren und sage mir dauernd: "Was willst du eigentlich? Mal ganz ehrlich, es gibt Menschen die haben es schlimmer als du also heul nicht rum". Ich weiß nicht ob es an den Hormonen liegt (PMS incoming) oder ob ich einfach nur eine Mimi bin. Aber es fühlt sich irgendwie falsch an deswegen rumzuquängeln.




Euch allen übrigens auch nochmal: Frohe Weihnachten

24.12.2016 11:23 • x 3 #7


Zitat von Kairi:
Ich fühle mich, als würde ich in Selbstmitleid baden, obwohl ich sowas hasse.


Ich mach das auch manchmal.In letzter Zeit sogar ziemlich oft,wenn ich genauer drüber nachdenke.
Finde,das befreit,denn wenn man sich genügend selbst bemitleidet hat,geht es einem nach einer Weile automatisch besser.
Gefühle wollen halt gefühlt werden,auch die nicht so angenehmen.Dann gehen sie aber auch von ganz alleine wieder und es ist wieder "Platz" im Inneren für die Freude.

24.12.2016 11:35 • x 1 #8


Icefalki
Liebe Kairi, bist doch ein Christkind, herzliche Glückwünsche zum Geburtstag.

Und Christkindchen tragen nunmal ein bissle an der Last der Welt. Ist echt dumm gelaufen, aber nicht so geplant.

Eine Verkettung der Umstände. Also, nicht traurig sein, genieße deine Ruhe, mach es dir gemütlich und denke nicht negativ.

Vielleicht kaufst du noch eine Kleinigkeit und überrascht deine Kollegen, die arbeiten müssen. Hängst dort ein bisschen ab und alles ist gut.

24.12.2016 11:44 • x 2 #9


Kairi
Ach Flame... Gefühle sind ein A****. Positive Gefühle - liebend gerne... aber diese negativen Bastarde... nah... muss nicht sein, aber man kann es sich ja nicht aussuchen, newa?
Ist das deine Erfahrung damit? Es klingt Banane, wenn ich jetzt sage, dass ich damit keine Erfahrung hab. Ich versuche so gut es geht jede Form des Selbstmitleids zu verdrängen und flüchte mich dann in irgendwelche Aufgaben.

Danke, Icefalki, das hast du schön geschrieben.
Das ist eine sehr schöne Idee. Die werde ich wohl auch in die Tat umsetzen

24.12.2016 12:13 • #10


Zitat von Kairi:
Ist das deine Erfahrung damit?


Ja,das ist meine Erfahrung.Mich haben die unschönen Gefühle in Form von Panikattacken eingeholt.
Da blieb mir dann nichts anderes übrig als zu lernen,alles ,was in einem hochkommt nicht zu bewerten und einfach da sein zu lassen.
Wehrt man sich innerlich dagegen,erhält man das unangenehme Gefühl dadurch nur weiter am Leben,weil es nicht "gehen kann".
Unsere Gefühle wollen nichts anderes als nur gefühlt zu werden,dann sind sie quasi "zufrieden" und ziehen wieder ab.
Ich weiss aber auch,dass das manchmal sehr schwer sein kann.Aber je mehr man es übt,desto leichter wird es.

24.12.2016 12:59 • #11


kleinerIgel
Zitat von Kairi:
Es wird viele Leute geben, die heute alleine sind. Ich wage mal zu behaupten, dass ich vermutlich v.a. hier ein paar Leute finden wird, denen es ähnlich geht (das soll jetzt keinen Falls abwertend gemeint sein.) und irgendwie... beruhigt (?) mich das auch. Kann ich das so schreiben? Ich weiß nicht. Aber es ist irgendwie gut zu wissen, dass ich nicht die einzige Person bin, die das durchleben muss. Und, dass es Menschen gibt, die mein Gefühl grade nachempfinden können und eventuell Ratschläge geben können bzw. aufmunternde Worte finden. Oh Gott, das klingt irgendwie böse, oder?

Du brauchst doch kein schlechtes Gewissen haben, weil es dir gut tut zu wissen, dass es noch andere in deiner Situation gibt! Geteiltes Leid ist halbes Leid. So blöd wie dieser Spruch klingt, es ist nunmal ganz oft die Wahrheit. Ich finde es faszinierend, wie schnell es einem besser geht, wenn man nur hier liest, dass es jemand anderem ähnlich geht.

Und du bist ja nicht wirklich alleine - heute zwar, aber doch auch nur weils irgendwie blöd gelaufen ist. Du hast doch deine Partnerin, Familie, Freunde. Das ist viel wert, so viele Leute haben wirklich niemanden in ihrem Leben. Ok, das hilft dir für heute auch nicht wirklich weiter, aber viellicht ja doch ein wenig...

Und ein wenig Selbstmitleid find ich nicht schlimm, das tut manchmal gut. Mach es dir gemütlich und genieße den Tag... mit Kuscheldecke und heißem Tee aufs Sofa, eine Kerze an... Oder was immer dir gefällt. In ein paar Tagen hast du deine Lieben wieder um dich...

Liebe Grüße

24.12.2016 13:11 • x 1 #12


Zitat von Kairi:
Gefühle sind ein A****. Positive Gefühle - liebend gerne... aber diese negativen Bastarde... nah... muss nicht sein, aber man kann es sich ja nicht aussuchen,


Nein, man kann Gefühle nicht kontrollieren. Aber egal wie sie ausfallen, sie gehen alle vorbei und möchten auch alle gelebt sein.
Wenn es die negativen nicht gäbe, könnten wir die positiven nicht von ihnen unterscheiden. Das eine gehört zum Leben wie das andere und ist genauso wichtig.

24.12.2016 13:15 • x 2 #13


Zitat von Blackstar:
Wenn es die negativen nicht gäbe, könnten wir die positiven nicht von ihnen unterscheiden. Das eine gehört zum Leben wie das andere und ist genauso wichtig.


Das finde ich sehr schön und sehr treffend geschrieben!

24.12.2016 13:25 • x 1 #14



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler