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Guten Abend, ich bin neu hier und hoffe Ratschläge o.Ä. zu erhalten da ich langsam nicht mehr weiter weiß.
Sorry dass das gante so lang wurde, aber ich versuchte echt nur das wichtigste hinein zu packen.

Es begann bei mir vor einigen Jahren. Ich lebte in einer Großstadt, hatte ein abwechslungsreiches Leben mit zwar wenigen wirklichen Freunden, also welche die über Jahre hinweg bestanden, aber jeder Menge Bekanntschaften mit denen man immer mal wieder was unternommen hat.

Irgendwann verliebte ich mich und hatte eine wunderbare Beziehung. Diese lief auch sehr gut, wir suchten nach einer gemeinsamen Wohnung in einer ruhigeren Gegend und planten eine eigene Familie zu gründen. Jedoch war der Altersunterschied etwas größer und familiäre Probleme begannen die Beziehung deutlich zu belasten. Irgendwann beendeten wir sie bevor es noch schwieriger wird da wir keine wirkliche Zukunft mehr gesehen haben (Gemeinsame Wohnung, Kind, usw...).

Da der Mietvertrag bereits unterschrieben war und ich daheim alles bereits gekündigt hatte bin ich nun allein in die neue Wohnung gezogen.
Dort hatte ich zwar Arbeit und kannte auch 1-2 Leute, aber war halt ein ganzes Stück von der eigentlichen "Heimat" entfernt.

Also lebte ich mein Leben und war ziemlich zufrieden damit. Der Schmerz der Trennung belastete mich nur eine relativ kurze Zeit.
Ich genoß es sehr einfach meine Ruhe zu haben, beschäftigte mich damit in der Firma meinen Rang zu erhöhen und die neue Wohnung einzurichten.

Nach einigen Monaten ohne wirkliche soziale Kontakte merkte ich die folgen der Einsamkeit. Die anfängliche Motivation nahm ab und auch meine Kraft.
Also versuchte ich die Notbremse zu ziehen, begab mich unter die Leute und es endete in kurzzeitigen freundschaftlichen Beziehungen und einer sog. "Sex-Freundschaft". Man mochte sich, hat den Abend schön verbracht, miteinander geschlafen und am nächsten morgen ging jeder zur Arbeit und ein paar Tage danach wiederholte man es. Jedoch sah ich nach einiger Zeit dass das keine dauerhafte Lösung sein kann. Also ging ich zurüück in die Einsamkeit.

Nach ca. einem Jahr lernte ich eine Frau kennen. Wir waren sehr identisch und haben uns auf Anhieb verstanden.
Wir lernten uns einige Monate lang kennen, man traf sich öfters und heiratete irgendwann... alles war perfekt und nach einigen Monaten war der Kinderwunsch da.
Also bemühte man sich darum und kurz darauf klappte es - Sie war schwanger! Wir beide waren überglücklich und konnten es kaum fassen - und versuchten nun alles auf die Beine zu stellen.

Nach einigen Monaten der Schwangerschaft (welche ziemlich anstrengend waren) bekam sie starke Depressionen und alles wurde ihr zu viel.
Ich habe den Haushalt nach der Arbeit übernommen (oder es zumindest versucht) und versucht ihr das Leben so einfach wie möglich zu machen und immer für Sie da zu sein - doch anscheinend war es nicht genug. Irgendwann verschwand Sie einfach während ich nicht daheim war und schrieb mir Sie würde es nichtmehr aushalten - und wenige Wochen darauf folgte die Scheidung.

All dies zerrte ziemlich an mir, ich habe viel mit Freunden geredet und meine Trauer mit ihnen geteilt.
Teilweise habe ich meine Sorgen sogar Personen anvertraut die ich kaum kannte - einfach weil es raus musste.

Seit der Scheidung hatte ich kaum Kontakt zu ihr und meist ändert Sie ihre Kontaktdaten kurz nachdem man sich unterhalten hat.
Somit ist eine Klärung des ganzen so gut wie unmöglich. Einmal hatten wir uns so gut wie vertragen, doch dann kam ein gemeinsamer "Freund" welcher eine Lüge verbreitete um sich selbst zu schützen und diese bestätigte ihre Ängste welche aus ihren Depressionen entspringen vollkommen. Bis heute hat er diese Lüge wohl nicht aufgedeckt...

Kurz danach brach ich zu ihm (einem meiner besten Freunde) den Kontakt deswegen ab.
Dadurch brauch auch der gemeinsame Freundeskreis weg da ich mich erstmal von allen die mit ihm in Kontakt stehen isoliert habe - und endete so gut wie allein.

Mit der Zeit lernte ich eine Frau kennen welche ebenfalls viel durch gemacht hat.
Wir ergänzten uns super und haben uns gegenseitig aus dem Loch gezogen und viel zusammen unternommen - bis dabei mehr als nur Freundschaft raus kam.
Zuerst war man überglücklich, plante die gemeinsame Zukunft, doch mit der Zeit lernte ich einige Macken an ihr kennen die ein zusammenleben unmöglich machten.
Zum einen war da die übertriebene Eifersucht welche Beschuldigungen ich würde jeder zweiten vorbeilaufenden Frau auf den Körper schauen bis hin zu Unterstellungen dass ich Sie hintergehe und etwas vor ihr verheimliche - wobei dafür teilweise nur das zuklappen meines Notebooks gereicht hat wenn Sie ebenfalls ihr Handy weggelegt hat - obwohl ich in dem Moment nur Zeit mit ihr verbringen und nicht unhöflich sein wollte...

Naja, nun stehe ich wieder allein da und es zerfrisst mich von innen.
Ich bin jung, schlank, erfolgreich im Job und anscheinend nicht unbedingt hässlich... aber einsam.

Ich war nie der Partygänger und derjenige, der es nötig hatte sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ebenfalls war ich eher der Mensch hinter der Kamera und mag es nicht sonderlich im Rampenlicht zu stehen.

Und auch sonst bin ich etwas "eigen", glaube noch an die Ehrlichkeit im Menschen, habe das Bild von "Mann und Frau heiraten für ihr komplettes Leben" nie aufgegeben und was ich mir wünsche ist eine intakte Familie, ein Freundeskreis dem ich vertrauen kann und eine Umgebung in der ich mich wohl fühle.

Teilweise habe ich meine Einsamkeit mit übermäßigem Konsum überspielt, habe mir jede Menge kram gekauft um mich damit für einige Zeit vom Leben abzulenken.
Hier mal ein Notebook für 1000€, dort mal ein Smartphone für 400€, dann ein Tablet, ein Mountainbike, und so weiter, und so fort... doch auf Dauer wird alles irgendwann "langweilig" und die Realität holt einen ein. Allein auf Amazon habe ich in ca. 2-3 Monaten gut 4000€ verbraten. Auch Videospiele und Filme habe ich zeitweise übermäßig konsumiert, doch auf Dauer brauchte dies auch nichts.

Seit einiger Zeit zerbreche ich innerlich an der Einsamkeit, sie frisst mich förmlich auf. Ich habe keine Kraft mehr die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen und quäle mich jeden Tag zur Arbeit um wenigstens irgendwas zu schaffen - doch erfüllen tut es mich nicht. Seit Monaten habe ich nichtmehr gekocht und bestelle fast ausschliesslich mein essen und trinken. Auch lange hatte ich keinen Schlaf mehr nachdem ich mich morgens erholt gefühlt habe sondern hab Albträume und wache Nachts oft auf.

Vor Sonn- und Feiertagen fürchte ich mich mittlerweile da ich hier kaum möglichkeiten habe etwas zu unternehmen - und selbst wenn - allein ist dies eh nicht schön. Und tagtäglich habe ich Angst vor der Zukunft und sehe wie alle um mich herum im Leben voran kommen, doch ich hänge hier einfach im selben Loch fest.

Danke an dieser Stelle falls ihr euch echt den ganzen Text durchgelesen habt und hoffe ihr könnt mir Ratschläge geben wie mein Leben wieder in den Griff bekomme.
Denn aktuell weiß ich nur: Lange halte ich dieses Leben nicht mehr aus...

05.09.2014 22:30 • 23.09.2014 #1


57 Antworten ↓


Celestine
Hallo Amin,

ich kann verstehen, dass Du Dich ziemlich schlecht fühlst. Auch auf die Gefahr hin, dass es sich abgedroschen anhört: hast Du schon einmal überlegt, Dein Problem? mit einem Psychotherapeuten zu besprechen. Oder mit einem s.g. Coach, wie es mittlerweile so schön neudeutsch heißt? Manchmal ist es gut, wenn man von außen eine objektive Sicht der Dinge erhält, weil man selbst irgendwann "betriebsblind" wird...

05.09.2014 22:38 • #2



Die Einsamkeit frisst mich auf (Vorsicht - lang!)

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Hallo Celestine, das ging ja echt schnell.

Ich hatte einige Zeit regelmäßig Sitzungen mit einem Therapeuten.
Es hat damals zwar geholfen alles raus zu lassen und regelmäßige Termine mit einer Person zu haben, doch auf Dauer kann er meine Probleme einfach nicht lösen. Denn sobald ich wieder daheim ankam begann wieder diese Stille um mich herum und die gefühlten 1000 Gedanken im Kopf. Bis ich wieder einen neuen Versuch startete Sie zu überspielen - teilweise bin ich extra vorm Fernsehen eingeschlafen um vor den ganzen Gedanken wenn man allein im dunkeln liegt zu entfliehen... und das während der Therapie. Also waren die Erfolge doch recht überschaubar. :/

05.09.2014 22:48 • #3


Fenni
Ich glaube, mir hätte in dem von Amin geschilderten Fall kein Psychotherapeut helfen können, weil alles das, was da immer wieder zusammengebrochen ist, immer damit zu tun hatte, auf was für "kranke" Strukturen wir so oft bei engeren Verbindungen mit anderen treffen. Manches hat zwar auch mit einem selber zu tun, aber ich habe inzwischen schon selber so viele Geschichten erlebt oder von anderen gehört, wo z.B. das, was da mit einem selber zu tun hatte, entweder einfach nur viel zu "normal" oder zu "weich" für den anderen war. Ja, Mist, ich will das eigentlich gar nicht auf so eine Opferschiene schieben... aber es begegnen vielen von uns schon manchmal ungewöhnlich viel von eigentlich "unnötigen" Problemen. So wie dann auch noch das Charakterdefizit des ehemals guten Freundes.

Ich will aber auch gar nicht zu viel jammern, denn ich habe früher selber auch ein paar bescheuerte zwar nicht Charakter- aber doch Persönlichkeitsdefizite mit mir herumgeschleppt. Zum Beispiel auch eine mich manchmal stark packende Eifersucht. Nicht ganz so crazy, wie die von der geschilderten letzten Beziehung, aber schon manchmal leicht nervig. Allerdings hätte ich mir damals von meinem Partner so sehr gewünscht, dass er mit mir "daran arbeitet", mich bei einer Therapie, die ich extra dafür begonnen hätte, unterstützend begleitet, mir dabei zuhört und nicht in Selbstmitleid oder eigener Ohnmacht verfällt. Ich bin damals ganz schnell verurteilt und fallen gelassen worden, weil der andere es nicht ausgehalten hat, dass ich nicht optimal korrekt, unkompliziert und perfekt war.

Vielleicht werde ich deinem letzten Fall an Beziehung mit meiner Geschichte nicht gerecht, Amin, aber mir sind beim Lesen meine alten Erinnerungen an mein Erleben wieder eingefallen.

06.09.2014 12:20 • #4


Naja, die Eifersucht ist eigentlich eine wunderschöne Eigenschaft.

Sie gibt einem ja auch indirekt das Gefühl geliebt zu werden und eine Beziehung ohne diese wäre für mich unvorstellbar.
Dennoch ist das Vertrauen nunmal das A und O und ich kann einfach nicht mit einer Person zusammen leben die mir nicht vertraut.

Denn es reichte wen ich mal ne Stunde länger auf Arbeit bleiben musste und Sie war bereits eingeschnappt und unterstellte mir ich hätte ne Affäre. Sowas ist echt krank, aber solange es einfach nur eine mittlere bis starke Eifersucht ist bin ich vollkommen dafür.

06.09.2014 13:15 • #5


boomerine
Ich habe deine Zeilen und die darauf folgenden Antworten gelesen, da ist mir meine eigene Sache in puncto Therapeut durch den Kopf gegangen, als ich es kapiert habe , das mein Therapeut mir nicht helfen kann. Du gehst wöchentlich zum reden für 1 Stunde, du gehst raus, brichst eventuell in Tränen aus weil du fix und fertig bist. Ratschläge bekommst du nicht. Du bist wieder allein. Es hart und bitter, du musst dir im Prinzip selber helfen. Du brauchst jemanden zum reden aber nicht nur einmal wöchentlich, nach Möglichkeit jeden Tag. Ob es ein guter Freund aus hält, bezweifle ich. Jeden Tag denselben Stoff. Es ist leider so. Du kannst dich hier in dem Forum jeden Tag melden und schreiben, du bekommst Ratschläge und Tipps zurück, du lernst Leute / Freunde kennen. Nur hier kennt man sich nicht persönlich, hier tut man sich unwahrscheinlich leicht, etwas preiszugeben, was man sonst nicht so leicht tut. In diesem Forum ist keiner allein, schau mal die Uhrzeiten an wer wann da ist. Du kannst hier immer einsteigen, vielleicht bringt dir das den Anfang. Ich würde es dir von Herzen wünschen, denn Männer die im realen Leben etwas preis geben sind selten genug, vor allen Dingen was das Gefühl angeht zu reden. Ich finde es gut, auch wenn es dir leider bescheiden geht. lg boomerine

06.09.2014 17:38 • #6


Celestine
Klar kann man sich letztendlich nur selbst helfen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass ein Gespräch mit einem Thera Lösungsansätze geben kann; Ideen, wie man sein Leben wieder einigermaßen geregelt bekommt. Man sollte natürlich nicht dahin gehen, die eigenen Probleme bildlich gesehen auf den Tisch hauen und sagen "Jetzt mach mal..." das kann nur in einer Enttäuschung enden...

06.09.2014 22:08 • #7


Und genau das ist es was der Aussenstehende meist nicht richtig beurteilen kann.
Er sagt einem "Geh doch zu einem Therapeut" und das ist ja sicherlich gut gemeint aber in dieser Situation hilft nunmal nicht eine Stunde unter Druck alles rausquetschen wo der Typ nebenbei immer mal wieder auf die Uhr schaut und dich rausschmeisst wenn der nächste vor der Tür steht sondern da fehlt die Person die wirklich an einem Interesse zeigt.

Die Person, der man selbst spät Abends scheiben kann und die voller Fürsorge für einen da ist. Natürlich meine ich nicht dieses "bemuttern", sondern viel mehr fehlt mir der Zusammenhalt. Einfach eine Person auf die man sich verlassen kann, die immer für einen da ist und auch die eigenen Probleme immer mit einem teilt.
Und vor allem: Die die aktuelle Verletzlichkeit von einem nicht missbraucht und versucht ihren eigenen Vorteil daraus zu schlagen.

So ähnlich hatte ich es in der ersten beschriebenen Beziehung erlebt. Selbst wenn Sie sich mit einer Freundin gestritten hat und auf 180 war rief Sie mich an, erzählte mir was passiert ist und ich munterte Sie auf. Und wenn ich total fertig war wusste ich das ich immer jemanden habe der meine Laune verbessert. Und selbst solch eigentlich banale Dinge sind heutzutage wohl zu viel verlangt.

Manchmal frag ich mich echt in was für einer kranken Welt wir leben das es schwierig geworden ist jemanden zu finden der einfach nur ehrlich ist...
Jemand sagte vor langer Zeit einmal dass das fragen von "Wie geht es dir?" ohne wirkliches Interesse daran zu haben und bereit zu sein zu helfen wenn es der Person schlecht geht bereits ein Zeichen der Heuchelei ist. Naja, über die Realität brauche ich ja diesbezüglich nichts mehr zu sagen.

Ich werd dann mal ne Runde durch den Wald drehen um am Sonntag nicht komplett allein daheim zu vergammeln.

07.09.2014 12:28 • #8


boomerine
In dieser Welt jemanden finden der es wirklich ehrlich meint, ist leider zu selten geworden. Es mag ausnahmen geben, aber die anderen holen sich aus der Angelegenheit noch einen Vorteil raus. Das ist auch wieder so Punkt den ich sehr scharf kritisiere. Weil wir alle hier in dem Forum anders sind wie die anderen, wir denken mit Herz und Gefühl und nicht mit dem Ellbogen. Die anderen leben sich leichter, oder auch nicht, man zeigt es nicht, weil es wäre ja nicht mehr cool, man lässt sich nicht in die Karten schauen. Weil man eventuell Schwäche zeigen müsste. Ist dieser Punkt so abartig ? Ist dies nicht unser Punkt warum uns die Einsamkeit auffrisst ? Weil wir offen sein möchten ? können / dürfen / sollen / ? / Wer hört uns freiwillig zu ? Der Therapeut, für eine Stunde, und dann ? Bekannten / Freundeskreis / eventuell einmal, zweimal und dann ? Wirst du auf die Seite geschoben, weil sie es nicht mehr hören wollen / können. Eine Bekannte hat vor Jahren zu mir gesagt, wenn du so weiter machst und du kein anderes Thema mehr hast verlierst du den Rest ( Bekannte /Freunde ) auch noch. Ja was machst du, du überlegst und ziehst dich automatisch zurück und das wird dir zum Verhängnis. Dein Problem ist so stark das es dich Tag und Nacht beschäftigt, es macht dich einfach fertig. Wollen wir uns da wundern wenn es zu Depressionen kommt ? Keiner will sich damit beschäftigen, jeder möchte nur das eine Leben und nochmals Leben, ist ja gut, so soll es ja auch sein, aber das Leben besteht nun mal nicht nur aus Sonnenschein. Und jeder geht nicht nur sein Leben lang im Sonnenschein. Es gibt die, die ihr Glück gepachtet haben und die anderen bleiben auf der Strecke da kommt das eine zum anderen. Ob finanziell, gesundheitlich, im Job oder in der Liebe. Hängen wir da nicht schon wieder in der Einsamkeit ? Weil wir aus den Gründen nicht mithalten können ? Wer sitzt am Wochenende meist zuhause ? die keine Freunde / Bekannte haben. Die kein Geld haben. Die keinen Familienanhang mehr haben. Wie viele von uns sind dabei, die den Popo von alleine in die Höhe bekommen ? Sind wir nicht schon wieder beim Thema Einsamkeit ? Wo soll das hinführen? Hier geben wir uns gegenseitig die Chance, aber im realen Leben ?

07.09.2014 16:10 • #9


boomerine
Hei Armin36, ich habe mir deine Zeilen nochmals durchgelesen, denn sie berühren mich sehr. Ich habe leider keinen Tipp oder Ratschlag für dich. Weil es mir leid tut. Kannst du eventuell schauen das du durch die Arbeit wieder Motivation bekommst ? Schau du hast eine Arbeit, auch wenn sie dich im Moment nicht glücklich macht. Ich rede mich im Moment nicht leicht, ich versuche mich nur in dich rein zu versetzen. Die Zeit nach der Arbeit plus dem Wochenende ist besch..... genug, nur ich denke wenn die Motivation wieder da wäre, wäre das andere etwas leichter. Gut nur für die Arbeit zu leben ist nicht das wahre Leben, wie sieht es mit Interessen aus ? Hast du für Tiere etwas übrig ? wenn ja, Tierheime suchen immer wieder für ihre Hunde ( Herrchen zum Gassi gehen ) wird im übrigen sehr gut angenommen, vor allen Dingen weil man selber raus kommt und meist werden ganz nette Bekanntschaften daraus. Ich glaube das wäre ein guter Start. Überleg es dir, vielleicht fallen dir noch andere Interessen ein. Was vielleicht schon lange her ist und du es wieder versuchen möchtest. Ich weiß dafür braucht man ein gewisse Nadel in den Po so da man in wieder hoch bekommt. Nur bitte gib nicht auf. Ich würde im Moment auch lieber den Kopf in den Sand stecken, weil ich nicht weiß wie es weiter geht.

07.09.2014 16:32 • #10


Hallo Amin36,

Durch dich bin ich nun an dieses Forum geraten. Ich bin seit einem Jahr erkrankt und daher ständig ans Haus gefesselt und habe sehr viel Zeit zum Nachdenken. Ich bin zwar verheiratet, aber ist dies auch kein Grund sich weniger einsam zu fühlen. Ich denke, wir konzentrieren uns vielleicht alle zu sehr auf den Partner und vergessen darüber, dass Freunde oft sehr viel wichtiger sind, als ein Partner. Ich habe noch keine Beziehung erlebt, mit der ich hätte alles teilen können, so wie mit einem Freund oder Freundin. Ich selbst habe auch den Fehler gemacht, zu viel auf Partnerschaft zu setzen. Daher ist mein derzeitiger Freundeskreis auch sehr überschaubar in meiner Situation. Das macht mich auch sehr traurig und einsam. Jedoch denke ich, dass ich an diesem Zustand auch ein Stück weit selbst Schuld trage, weil ich mich eben zu sehr auf den Partner fokussiert habe. Kann es sein, dass dies bei dir auch der Fall ist? Ich hoffe, du verstehst dies nicht falsch, aber es muss doch Interessen geben, die du auch mit anderen teilen kannst als "nur" mit einer Partnerin? Ich grüble über die gleiche Frage nach, da mir eben auch nicht so viel geblieben ist.

Ich finde es auf jeden Fall gut, wie offen du hier schreibst. Und ich glaube, dass dies auch ein guter Anfang ist, um einmal in eine andere Richtung zu denken.

07.09.2014 17:27 • #11


boomerine
Hei Armin36, ist die 36 dein Alter ? Oder darf ich fragen wie alt du bist ? Kann es auch sein das ein bisschen die Torschluss Panik mit dir durch geht ? Ich möchte nicht das Gefühl geben das ich nicht einfühlsam sein kann. ( Nur aus eigener Erfahrung, spielt das Alter leider auch eine Rolle ). Die Einsamkeit ist ekelhaft, ich weis es, und es tut mir leid das das so ist, nur wie soll man es ändern ? Hast du noch Kontakt zu deinen Eltern / Geschwistern ? So das du eventuell, Wochenenden überbrücken kannst, so das du nicht ganz alleine auf der Welt bist. Ich weis das ist keine Lösung, weil wenn du wieder in deine Wohnung zurück kommst, ist es das gleiche wie vorher nur eventuell mit einem Unterschied du hattest einen schönen Nachmittag und du hattest ein gutes Gefühl. Bist du Kontaktscheu ? Versuch es über das Internet und Annoncen, das wäre ein kleiner Anfang. Hallo Sekastia, darf ich fragen, in welcher Form du an das Haus gefesselt bist ? Du hast recht, wenn du schreibst, wir konzentrieren uns zu viel auf den Partner, ich hab zwar auch nur eine Handvoll Freunde / Bekannte, aber auch da ist die Einsamkeit vorhanden. Wo sind deine Interessen ? Warum kommt die Einsicht immer zu spät ? Ich frage mich aber auch sehr oft, will ich es überhaupt anders ? Ich bin gerne alleine ( bin auch verheiratet ) gleichgesinnte gibt es leider nicht immer. Und dann denke ich aber, anders ist es auch schön. wenn ich mit meiner Hundenachbarin zum Kaffee verabredet bin. Nur warum bringt man selber den PO nicht hoch ? Man möchte, und dann wieder nicht, was will man eigentlich ?

08.09.2014 17:37 • #12


Hallo Boomerine,
Ich bin nach einer Antibiotika Kur im letzen Jahr quasi nicht mehr Durchfallfrei. Habe extrem abgenommen und nun habe ich Folgeschäden durch den permanenten Durchfall. Leider wissen die Ärzte auch nicht, was sie mit mir anfangen sollen. Insofern kann ich meiner Arbeit, die viel Aussendienst bedeuten würde, leider nicht mehr nachgehen zumal ich auch nicht mehr sitzen kann. Meine Ärzte kennen mich allerdings inzwischen sehr gut obschon sie mir auch nicht wirklich helfen. Tja und mit deinen Fragen ist es so, dass du mir aus der Seele sprichst. Ich bin auch gerne alleine, lese viel oder puzzle und schau mir auch gerne mal einen Film an. Grosse Menschenmengen wie Parties habe ich noch nie gemocht. Ich war immer eher der Typ, der sich hin und wieder mal gerne mit Freunden trifft zum Kaffee oder zum Essen. Mein Mann hat Nachschicht, so dass ich ihn quasi nur mal 2 Stunden am Tag sehe und er kann seinen Rhythmus auch an den freien Tagen nicht umstellen, so dass wir dann auch nicht wirklich viel miteinander sprechen. Wir sind jetzt 23 Jahre verheiratet und da hat man auch nicht mehr so viel zu sprechen. Gerne gehe ich auch Schwimmen, aber das geht leider nicht wegen meines Gesundheitszustands. Insofern kommen mich hin und wieder mal meine Freunde besuchen, die aber eben auch ihr eigenes Leben haben und denen mein immerwährender Zustand wahrscheinlich auch ein bisschen viel ist. Daher kommen sie eher weniger mittlerweile. Ich glaube auch, dass es ein Unterschied ist ob man gerne alleine ist oder ob man einsam ist. Man kann mitten in einer Menschenmenge sein und sich trotzdem einsam fühlen. Allein sein heisst ja nicht, dass man unbedingt einsam sein muss. Und gute Freunde kann ich auch nachts anrufen um zu quatschen. Aber eine gute Frage ist auf jeden Fall, was ich eigentlich will.... Es ist einem ja auch nicht ständig nach Gesellschaft (zumindest mir nicht). Ich glaube einsam fühlt man sich, wenn man das Gefühl hat, dass man nichts mit jemandem teilen kann. Dazu zählt eben Freude und eben auch mal Leid. Und was will ich noch im Leben? Ich glaube, das sich das neu definiert und abhängig ist, von der jeweiligen Situation.

Hallo Amin, hast du deinen gestrigen Abend genossen und arbeitest heute wieder extra lang?
Liebe Grüsse
Sekastia

08.09.2014 18:38 • #13


Yamira
Hallo Amin. Ich habe deinen Text gelesen und mich ein kleines wenig wieder erkannt. Diese soziale Einsamkeit frisst einen auch wirklich auf. Ich habe das auch schon einige Jahre hinter mir. Bei mir ist es aber aus einer Angststörung heraus entstanden. Ich habe mich immer mehr zurück gezogen und kaum mehr ein soziales Umfeld gehabt. Dann habe ich mich wieder berappelt. Einen neuen Job, Freunde neue Wohnung etc. Meine Angststörung habe ich durch eine Therapie dato in den Griff bekommen. Mir ging es wieder richtig gut bis ich dann ( genau wie du ) an naja Den falschen Partner geraten bin. Anfangs war alles prima und naja ich bin dann relativ schnell schwanger geworden. Wir sind zusammen gezogen und schon fing der Alptraum an. Gewalt lügen das volle Programm und dadurch das man sich schämt und ja nicht will das jemand was mitbekommt habe ich mich wieder zurück gezogen und schon war man wieder einsam. Naja und so ist es eigentlich bis heute geblieben.
Und manchmal ja da hat man wirklich das Gefühl das man vor Einsamkeit eingeht.
Man hat niemanden der einem wirklich zu hört geschweige den versteht. Und obwohl man heut zu Tage kaum mehr Probleme hat Leute kennenzulernen "Just for Fun" gibt es sowas wie wirkliche Freundschaften schon gar nicht mehr .
Und wenn man schon oft enttäuscht wurde traut man sich ja eh kaum sich iwie auf jemanden einzulassen.
Heut zu Tage Freundschaften aufzubauen oder zu pflegen ist unsagbar mühsam.

08.09.2014 19:00 • #14


Wombel
Hallo Yamira

Puh.. Tut mir echt leid für dich! Ich kann das sehr gut nachvollziehen, bei mir war es so ähnlich! Ok.. Ich bin nicht schwanger geworden. Und mein Prachtexemplar von Ex Partnerin habe ich entsorgt, die es übriges Faust dick hinter den Ohren hatte! Mitleerweile geht es langsam aber sicher wieder Berg auf mit mir! Nur ist es sehr schwer, wieder jemanden zu vertrauen, wenn man auf gut Deutsch gesagt, so Verarscht worden ist! Ich habe mich daraufhin komplett zurückgezogen. Und somit hatte ich auch meine restlichen Freunde verloren.

Wünsche dir alles gute!

08.09.2014 20:10 • #15


Yamira
Das freut mich das es bei dir wieder bergauf geht. Arbeite momentan auch ganz stark dran Heißt das denn das du nun mehr also neue Kontakte knüpfst oder wie definierst du das Berg auf ? Also wie kämpfst du dich aus dieser Isolation frei ? Habe bis heute glaub ich nicht den richtigen Weg gefunden

08.09.2014 20:53 • #16


Wombel
Bei mir war es so, dass ich mich in einem Verein ( Fußball ) angemeldet habe, und dort auch ziemlich schnell Anschluß gefunden habe. wzb.. Nach dem Training ein B. trinken gehen, Einladung zum geburstag, grillen usw. Und dort hat man dann wiederum neue Leute kennenlernt. Hinzu kommt noch, dass ich ehrenamtlich im Tierheim nebenbei arbeite. Und somit auch die Möglichkeit hatte / habe neue Kontakte zu knüpfen. Was ich mit Berg auf meinte, war das ich sehr lange unter Angst & Panik Attacken gelitten habe! Die ich immer besser im Griff bekommen habe. Und seit ca 2 Jahren ohne Medikamente klarkomme. In diesen Zwei Jahre habe ich so einiges geschafft, wo ich mächtig stolz darauf bin. Wzb ..Neue Wohnung, Neuer job, der mir super viel Spaß macht! Endlich mal wieder Urlaub ( Canada ) usw. Aber es geht nur schrittweise. Und klar, gibt es noch dinge, an denen ich Arbeiten muss! Vertrauen fällt mir noch etwas schwer! Und zum teil die Einsamkeit Abends.

08.09.2014 22:30 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Yamira
Das mit dem ehrenamtlich find ich klasse. Ich habe drei Kinder. Zwei sind noch ziemlich klein 5 und 6. von daher hab ich nicht wirklich viel freie Zeit die ich mir iwie einteilen kann. Würde auch gerne iwas machen was mir Spaß macht aber leider fehlt mir da halt die Zeit zu. Und so Kontakte zu knüpfen fällt mir auch nicht leicht zumal ich momentan auch wieder Angst zu kämpfen habe. Das lässt mich auch immer wieder in mein Schneckenhaus abtauchen.

08.09.2014 22:40 • #18


Wombel
Ich habe mir gerade mal deine Geschichte / Thema durchgelesen. Was machst du Momentan gegen deine Angst? Klar zwei kleine Kinder sind ein full time job!

08.09.2014 22:49 • #19


Yamira
Naja groß machen nicht wirklich was. Ich versuche den Tag zu überstehen. Der Ansich auch immer gleich ist. Aufstehen alles verteilen Haushalt alles wieder einsammeln und dann naja halt den Rest des Tages irgendwie überleben. Es sind mal gute Tage dabei Mal schlechte und seitdem ich mir Dr. Google verboten habe geht es auch mit den Ängsten. Ich bin viel bei meiner Mutter weil sie gesundheitlich ziemlich angeschlagen ist und erledige Dinge für sie. Dann Fußball verein hier schwimmen dort. Die Kids halten einen schon auf Trab. Aber es ist halt Routine. Und ich denke dadurch das ich nicht viel wirkliche Ablenkung habe habe ich trotz allem genug zeit ständig auf meinen Körper zu achten. Um ehrlich zu sein weiß ich auch momentan gar nicht was ich wirklich dagegen machen kann/soll. Habe das Gefühl auf der Stelle zu treten und nicht wirklich weiter zu kommen. Ja Moments. Ist es mehr so ein Überleben statt zu leben.

08.09.2014 23:12 • #20



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Dr. Reinhard Pichler