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Ich brauche Hilfe. Ich denke, nein eigentlich weiß ich, dass ich ernsthafte emotionale Probleme habe. Ich spüre, dass ich den Bezug zur Realität immer mehr verliere und dass dies schließlich in der Gefährdung von mir und anderen Menschen enden wird. Im Übrigen tut es mir leid, dass dieser Text so lang ist und auch, dass dieser Beitrag möglicherweise in der falschen Kategorie steht.
Als ich klein war, wurden bei mir schwere Hyperaktivität und andere psychische Probleme festgestellt. Um den Bombardement an Fragen gleich Einhalt zu gebieten: Keine Ahnung was die anderen Störungen waren und ich will meine Eltern auch nicht danach fragen. Ich musste deshalb in meiner frühen Kindheit immer täglich Medikamente wie Ritalin (später wurden es stärkere) schlucken und zu allen möglichen Therapien gehen. Das mit den Medikamenten weiß ich, weil ich sie noch so lange nehmen musste, aber den Rest den ich hier von meiner Kindheit beschreibe, weiß ich nur, weil er mir erzählt wurde und nicht, weil ich mich daran erinnere. Ehrlich gesagt weiß ich so gut wie gar nichts mehr von meiner Kindheit. Richtige Durchgehende Erinnerungen fangen erst bei der Realschulzeit an, wo ich ja immerhin schon 10 Jahre alt war. Die Grundschulzeit ist nur noch in einzelnen Fetzen vorhanden. Davor ist alles weg. Ich war bevor ich in die erste Klasse kam nur mit ähnlich wie ich gestörten oder behinderten Kindern zusammen gewesen, weil ich in einen „Sonderkindergarten“ ging. Die Ärzte meinten immer ich werde niemals auf eine normale Schule gehen können, aber meine Mutter beharrte darauf, dass mir eine normale Bildung zustünde und so schickte sie mich auf eine normale Grundschule..

Dort hatte ich von Anfang an gute bis sehr gute Noten doch ich war auch zugleich ein Außenseiter, wahrscheinlich weil ich dort zum ersten Mal mit „normalen“ Kindern in Kontakt kam. Am Ende der Grundschule, hatte ich eine Empfehlung zum Gymnasium doch ich entschied mich für die Realschule, weil ein anderer Junge in meiner Klasse, der mich immer gemobbt hatte auch zum Gymnasium ging. (Das nächste Gymnasium war zu weit weg, und jeden so eine weite Distanz zurückzulegen und dort wo ich NIEMANDEN kannte sein zu müssen, wäre für mich in diesen Alter definitiv nicht überstehbar gewesen.)Jetzt finde ich diese Entscheidung einfach nur dumm und hasse mcih dafür das getan zu haben. Auf der Realschule verlief mein Leben in genau dem Schema weiter: Ich hatte supergute Noten und keine/ kaum Freunde. Ich war aber im Allgemeinen zufrieden, denn gute Noten gaben mir einfach das Selbstwertgefühl, das ich sonst nirgendwo kriegen konnte. Anfangs hatte ich immer wieder geradezu verzweifelt versucht mich zu integrieren, in Sportvereinen mitgemacht in den Pausen zu meinen Klassenkameraden gestellt, obwohl die mich immer wieder wegschickten. Aber irgendwann als ich so 14 Jahre alt war, gab ich das auf. NEIN. Vielmehr kehrte sich mein Verhalten ins Gegenteil: ich fing an mir als Aussätziger zu gefallen. Von da an suchte ich die Einsamkeit. Ich war ja auch nie auf meine Klassenkameraden angewiesen gewiesen: Ich war supergut in der Schule und das ohne viel Üben und ohne jede Hilfe. Es war schon seit ich zur Schule ging so gewesen, dass meine Mutter mich immer mit vielen Spielsachen usw. belohnte, wenn ich das von mir erwartete Maß an Leistung erfüllte und wenn nicht, wurde mir einfach alles weggenommen und erst wiedergegeben wenn meine Leistungen in der Schule wieder stimmten. Das Verhältnis zu meiner Familie ist wie folgt gewesen: Wenn ich gut in der Schule war und gehorchte, wenn sie etwas sagten, war die Welt in Ordnung. Wenn ich etwas negierte/nicht funktionierte, wurden Sanktionen verhängt. Mein Stiefvater schlug mir mit der Hand ins Gesicht, wenn ihm mein Verhalten missfiel. An meinen „richtigen“ Vater habe ich keine Erinnerungen, ich weiß nur, dass er sich mir und meiner Mutter auf tausend Schritte nicht mehr nähern darf.
Mit 15 Jahren denke ich, begann sich mein ganzes Denken und meine ganze Wahrnehmung und Anschauung der Welt zu ändern. Ich wurde sehr depressiv und begann den Menschen an sich zu hassen. Zu HASSEN dafür, dass meine Eltern mich nur dann toll fanden, wenn ich gut war, zu HASSEN dafür, dass meine Klassenkameraden und auch sonst niemand mich mochte. Ich begann den Dingen höhere Sinnhaftigkeiten zuzuordnen und verstrickte mich immer tiefere und irrationalere, kranke Ideologien. Seit der 7. Klasse habe ich (zum Glück harmlose) Sehstörungen von denen ich erstmals jemanden als ich in der 12. Klasse war, erzählte.

Ich schloss also die Realschule mit einem Notendurchschnitt von 1,9 ab und setze meinen Werdegang dann auf einem Wirtschaftsgymnasium fort. Ich dachte ich lasse den ganzen Kram jetzt hinter mir und fange von vorne an, doch meine Probleme sollten nur noch stärker werden. Seit der 10. Klasse nahm ich Medikinet, ein stärkeres Medikament das substitutiv für Ritalin wirkte, da dieses bei meinem fortgeschrittenen Alter seine Wirkung verfehlte. Ich setzte das Medikament in der 11. Klasse jedoch ab, weil auch stärkere Versionen davon keine „positiven“ Wirkungen mehr zeigten und ich zunehmend unter Nebenwirkungen litt. Davor ging es schon mit meinen Noten bergab und jetzt noch um einiges schneller, weil meine Konzentrationsstörungen immer schlimmer wurden. Durch das Ausbleiben guter Noten, hatte ich nun auch nichts mehr, was mir das Gefühl gab halbwegs wertvoll zu sein. Ich hatte das Gefühl verdummt zu sein. Die Probleme mit meinen Eltern nahmen immer mehr zu, weil dass doch nicht sein könne, dass ihr Sohn so schlecht war. Häufig wurde mir mit dem Rausschmiss aus dem Haus gedroht. Ich begann mich zunehmend schlechter zu fühlen, auch körperlich. Ich habe nach wie vor Sehstörungen, die schlimmer geworden waren, bin ständig krank, leiden jeden Tag unter extremen Kopfschmerzen gegen die Schmerztabletten kaum helfen, habe Piepen auf dem Ohren und Schlafstörungen. Ich schlafe nur an wenigen Tagen die Woche und dann auch nur jeweils ein paar Stunden. JA, ich war bei allen Ärzten, die man wegen so etwas aufsuchen kann und es wurde GAR NICHTS gefunden.

Es fällt mir schwer die psychischen Symptome zu beschreiben aber ich werde es versuchen. Jeden Tag habe ich eine beschissene Angst. Beim Aufstehen Morgens habe ich Angst, wenn ich mit dem Auto zur Schule fahre habe ich Angst, in der Schule habe ich Angst vor meinen Mitschülern, ganz besonders auf engen Gängen mit viel Leuten, wenn ich wieder zuhause bin habe ich Angst vor meiner Familie, davor dass ich rausgeworfen werde und wenn ich ins Bett gehe, habe ich auch Angst. Ich bin vollkommen unfähig jemanden zu vertrauen. Ich habe immer wieder sooo kranke, böse, abartige Gedanken. Wenn ich unter vielen Menschen bin, meine ich zu fühlen, dass sie mich anstarren und mich komisch, minderwertig finden, sich vor mir ekeln. Immer wieder bilde ich mir ein, dass jemand meinen Namen sagt und dann etwas abwertendes oder lacht. Ich erliege immer wieder den (hoffentlich) Irrgedanken, dass mich alle Menschen auf der Welt hassen (jaja schon klar, es kennen mich ja nicht mal alle), dass ich vollkommen ganz und gar überflüssig bin und nur nerve, platz wegnehme und Arbeit mache. Da ist ein Teil von mir, der immer ganz schlimme und böse Gedanken hat, er guckt sich meine Klassenkameraden an und stellt sich vor wie er sie töten könnte, wie schön es wäre ihnen wehzutun. Ihr dürft das nicht falsch verstehen: ICH WILL DIESEN KRAM NICHT DENKEN, ICH WILL DASS DAS AUS MEINEN KOPF VERSCHWINDET!! Aber es geht nicht. Es kommt einfach. Irgendwie nehme ich diese „dunkle Seite“ immer mehr als von mir abgetrenntes Wesen war und teilweise führe ich wirklich kranke Selbstgespräche in denen ich diese bösen Gedanken als fremdeinegeben wahrnehme als wären sie zwar IN aber nicht AUS meinen Kopf, kein Teil von mir.

Ich suche stundenlang im Internet nach Texten in Foren von Leuten die vorhaben sich umzubringen und gucke ob sie mir ähneln. Aber allen Leuten scheint es zumindest in irgendeiner, sei es noch so kleinen Weise besser als mir zu gehen… Ich meine, ich bin 18 Jahre alt und hatte nie eine Beziehung, geschweige denn gef.. Ich bin unfähig mit meinen Mitmenschen richtig umzugehen und Gespräche zu führen, was meine Zukunftsangst umso mehr schürt. Wie soll ich jemals irgendwo ein Job finden und Geld verdienen können?! Ich denke im Moment häufig über Selbstmord nach, tu es dann aber doch nicht. Der einzige Grund, weshalb ich es nicht tue ist dass ich Angst vorm Sterben habe, es gibt außer der Angst, die mich tagtäglich fertig macht, keine Lebensbejahung für mich. Ziemlich erbärmliche Ironie, findet ihr nicht?
Ich habe mir die Abschiedsbriefe verschiedener Amokläufer durchgelesen und bei einem, der auf seiner alten Schule viele Leute und dann sich selbst getötet hatte, erschreckend viele Similaritäten zu MEINER Ideologischen Denkweise, zu MEINEN Ängsten und Gefühlen gefunden. Das war der Augenblick wo mir klar wurde, dass ich definitiv Hilfe brauche. Ich will nicht so enden, aber wenn dieses Leid nicht endet, befürchte ich werde ich irgendwann die Kontrolle verlieren und meinen Schmerz an andere weitergeben, wie ein Virus.
Das reicht erstmal, ich habe schon sehr viel gekürzt und es hat mich viel Kraft gekostet das überhaupt aufzuschreiben

Ich weiß, dass so ein Forum, keine wirkliche Hilfe bieten kann und, dass mir nur professionelle Hilfe evtl noch einen Ausweg liefert. Aber dann denke ich so ein Psychiater hilft mir doch nur für Geld, hat kein persönliches Interesse an mir, eigentlich bin ich ihm doch egal. Fakt ist: ich kann mit niemanden darüber reden und DAS HIER bietet mir die einzige Chance jemanden davon zu erzählen wie es mir geht und dabei noch Anonymität zu genießen. Wenn ihr meint, mich auslachen und die Sache runter spielen zu müssen, mir im Zuge einer Überdosis Antidepressiva, wenn euch die Sonne so richtig schön aus dem Ar. scheint, weil ihr guten Sex mit eurem Partner hattet, sagen zu müssen, das ist doch alles halb so schlimm, glaub an dich und „ihr mögt mich und würdet 100%ig mit mir auskommen“; dann lasst es und postet keinen Beitrag nur um euch selbst zu beweisen wie toll ihr seid. Ich meine diesen Dreck todernst. Die Amokläufer und Terroristen wollte auch nie einer ernst nehmen bis sie schließlich abdrehten. Man scheint in dieser Gesellschaft nur dann krank zu sein, wenn man auch kranke Dinge tut, vorher schauen alle weg, lassen dich alleine.

Wenn es jemanden ähnlich wie mir geht oder er meint mir helfen zu können, so kann er sich frei fühlen mich bei ICQ zu adden oder mir eine Email zu schreiben... Ich lasse mich jetzt voll laufen.

03.05.2009 00:11 • 10.03.2010 #1


11 Antworten ↓


Hallo Sarah90,

ich hoffe und glaube nicht, dass hier irgendjemand den Impuls hat, dich aufgrund dieses Postings auszulachen. Ich zumindest hab fast vor dem Monitor geweint.

Warum nennst du dich eigentlich Sarah? Fühlst du dich weiblich? Dein Text hat sich eigentlich nicht so angehört.

Und noch eine sachliche Anmerkung für dich: Es ist nicht ratsam, in einem Forum, das jeder in der Welt lesen kann, private Kontaktdaten offen preiszugeben. Damit kann viel Missbrauch getrieben werden und es gibt leider immer wieder Leute, die das ausnutzen. Du outest dich mit so einer Adresse viel zu sehr - was dir jetzt wohl noch nicht so klar ist.
Hier hat jeder die Möglichkeit, dich per "PN" = Privater Nachricht" anzuschreiben, wenn es nicht im Forum stehen soll. Ansonsten aber ist das Forum ja gerade für Austausch da. Wenn du sowieso schon so viel hier mitgeteilt hast, dann können die Antworten ja auch im Forum stehen, meinst du nicht auch?

(Ich hoffe ehrlich, dass du diese Spuren nicht deswegen schon legst, damit man dich demnächst von einem Amoklauf abhalten kann. Ich hoffe, dass du es schaffst, dich - auch mit Hilfe anderer - an deinem eigenen - zum Glück intelligenten - Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Das willst du ja selbst auch.)

--------

Ich finde es großartig, dass deine Mutter es durchgesetzt hat, dass du auf eine normale Schule gehen kannst. Dass du intelligent bist, sieht man an deinem Text sehr genau.

Deine Gefühle des Hasses auf andere ... ... ergeben sich m.E. wohl zum einen aus der vielen Ablehnung, die du erfahren hast,
aber vor allem wohl daraus, dass deine eigene Person so stark unterdrückt worden ist. Auch du selbst hast schließlich deine eigene Persönlichkeit unterdrückt, um nicht immer wieder Ablehnung fühlen zu müssen.

Deine eigene Persönlichkeit wurde ja gleich doppelt unterdrückt: zum einen durch die Medikamente, zum andern durch die Leistungsanforderungen; denn du musstest stets Liebesentzug fürchten, wenn du dich mal mit etwas anderem als der Schule beschäftigt und in der Schule nachgelassen hättest.

Vermutlich konntest du auch deine eigene Liebe bei niemandem anbringen - oder? Durftest du ihnen gegenüber Liebe zeigen? Haben Sie dir gegenüber Liebe gezeigt? Anerkennung? Zärtlichkeit? Oder haben sie nur immer negatives Feedback durch Bestrafung gegeben?

Hat sich damals, als du in der Grundschule warst, jemand gefragt, warum du dich nicht konzentrieren konntest?

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Es werden dir hier sicher noch mehr Leute antworten, und wenn du dich weiter damit auseinandersetzt, wirst du vielleicht schon etwas Erleichterung fühlen. Aber ich glaube auch, dass ein guter Psychotherapeut durchaus Anteil an seinen Patienten nimmt. Ein Therapeut, der das nicht tut, hat m.E. seinen Beruf verfehlt. Es kommt aber vor allem darauf an, dass er dir sympathisch ist. Darauf solltest du bei der Auswahl achten. Ist er das nicht, dann wird die Therapie wohl kaum funktionieren. Vermutlich wirst du auch vor ihm Angst haben, da du ja inzwischen wohl vor allen Menschen Angst hast. Das solltest du ihm am besten gleich von Anfang an als Problem sagen, damit er das berücksichtigen kann, und du auch. Diese Hürde müsstest du nehmen, andernfalls könntest du dir nicht helfen lassen.

Zitat:
Es fällt mir schwer die psychischen Symptome zu beschreiben aber ich werde es versuchen. Jeden Tag habe ich eine beschissene Angst. Beim Aufstehen Morgens habe ich Angst, wenn ich mit dem Auto zur Schule fahre habe ich Angst, in der Schule habe ich Angst vor meinen Mitschülern, ganz besonders auf engen Gängen mit viel Leuten, wenn ich wieder zuhause bin habe ich Angst vor meiner Familie, davor dass ich rausgeworfen werde und wenn ich ins Bett gehe, habe ich auch Angst. Ich bin vollkommen unfähig jemanden zu vertrauen.

Es ist schlimm, ständig Angst haben zu müssen - besonders schlimm, wenn man vor seiner Familie Angst hat. "

Oft verwenden Eltern ja zudem den Kniff, wenn sie ihr Kind auf der Straße oder im Laden disziplinieren wollen, dass sie sagen: "Was denken jetzt die anderen Leute von dir!?" Damit wird dem Kind suggeriert, dass alle anderen Leute ihm feindlich gesinnt sind - was natürlich so überhaupt nicht stimmt. Wenn ich irgendwo ein sich sehr "schlecht" benehmendes Kind erlebe, werde ich meist stinksauer auf die Mutter (oder Vater, Oma, je nachdem) , weil diese Personen dann einfach nicht in der Lage sind, richtig mit dem Kind umzugehen. Auf das Kind werde ich dabei nie böse, denn es ist mir klar, dass das Kind nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip reagiert und der Erwachsene die Situation zu regeln hat, nicht das Kind.

Aber wenn so eine Aussage dem Kind gegenüber 1-2x gemacht wird, reicht das gerade bei einem intelligenten Kind, um in ihm das Gefühl einzugraben, dass es auf der Welt und bei allen Menschen unerwünscht und ungeliebt ist - und gar keine Chance hat, dieses negative Bild, das die anderen - angeblich - von ihm haben, zu hinterfragen und zu korrigieren. Das wirkt wie ein Fluch, wie eine Verurteilung. Fühlst du dich so?

Vielleicht kann es dich trösten, dass du mit solchen Gefühlen nicht allein bist. Viele haben sie und viele Erwachsene haben sie gehabt und haben sich im Laufe der Zeit mehr oder weniger von ihnen befreit.

Haben deine Mutter, dein Vater dich ab und zu in die Arme genommen?
Es hört sich nicht so an ...

Darf ich das dann mal hier - virtuell - machen? Das war mein erster Impuls, als ich deinen Text las ...

Liebe Grüße,
GastB (w)

03.05.2009 01:22 • #2



Ich brauche Hilfe.

x 3


P.S. Und halte dich lieber beim Alk. zurück. Sonst hast du zu wenig Kontrolle über deinen Hass ... ... und du möchtest ja selber nicht, dass mal etwas Schlimmes passiert.

03.05.2009 01:24 • #3


Hallo Sarah!Wenn ich Deinen Beitrag lese,könnte ich auch wütend werden.
Hyperaktivität gab es auch schon früher,da wurde nur noch kein Name dafür gefunden.Viele durchaus intelligente Menschen(mir scheint,Du gehörst dazu)haben diese Symptome.Leider ist es in den letzten 20 Jahren zu immer mehr Hyperaktiven gekommen.Retalin ist da sicher eine Lösung-hat eben auch wie viele Medikamente Nebenwirkungen.Hast Du Ticks dabei entwickelt?
Nun,dass Du nur nach Leistung beurteit wirst bedauere ich sehr.Dass Du kein Selbstwertgefühl entwickeln konntest ebenfalls.
Hier sehe ich den Ansatzpunkt.Du solltest Dich mehr lieben lernen können.Du bist jemand-Du bist intelligent,und Du gehst Deinen Weg.
Versuche auch,Dich positiv zu sehen.Was kannst Du gut,was macht Dich liebenswert-schreibe Dir Deine positiven Eigenschaften auf.Das musst Du in Dir sehen und nicht mit den Augen von Anderen.
Was machst Du gerne?Was sind Deine Hobbies-Deine Talente?
Irgendwie zeigt mir Dein Hass im Moment auch,dass Du nun was verändern möchtest,und Dir Gedanken darum machst.Auch das kann der Anfang sein.Bündle Deine Wut,kanalisiere sie um und schau,wie Du es für Dich nutzen kannst.Mit aller Kraft zu Dir selbst zu finden.Deine Umwelt kannst Du nicht verändern nur Dich selbst.Du schaffst das

03.05.2009 10:04 • #4


Sarah? Bist du wieder nüchtern?

03.05.2009 14:35 • #5


Es tut mir leid bisher keinem von euch Antwort gegeben zu haben. Ich habe im Moment sehr viel zu tun. Und das verträgt keinen Aufschub. Ich gehe in die 12. Klasse und ich kann nicht einfach eine Auszeit nehmen, die Klausuren müssen geschrieben und die Referate gehalten werden, auch wenn das alles sowieso schlecht ausfallen wird, weil ich keine Energie mehr habe. Aber ich kann es nun mal nicht rechtfertigen irgendwas davon sausen zu lassen und ohne Rechtfertigung fehlen bei wichtigen Terminen geht nicht. Ich kann die Klasse eigentlich nicht wiederholen, weil die 11. direkt hinter uns schon das neue Abitursystem hat, und deswegen wäre dann alles total anders wieder und ich müsste mich umstellen, was wahrscheinlich zur Folge hätte, das ich mich kein Stück verbessern würde beim nächsten Versuch.

Um schon mal auf ein paar Dinge, die in euren Antworten angesprochen wurden, einzugehen. Die persönlichen Daten, die ich von mir angegeben habe, sind frei erfunden. Die ICQ und Email-Adresse habe ich extra für Leute die auf diesen Beitrag antworten wollen erstellt.

Ja, ich habe unglaublich viele hohle sinnlose Ticks entwickelt. Um ein paar Beispiele zu nennen: Ich bewege und kneife ständig meine Augen zu, was zu Überanstrengung und Schmerzen führt. Ich leide unter Bewegungszwang in den Händen und Beinen, muss alles 10 000 Mal kontrollieren, liegt noch etwas auf dem Tisch, unter dem Tisch, daneben.. guck noch mal nach… ok jetzt wo 5 Minuten um sind, kann ich endlich in die Pause gehen. Ich fühle mich ständig schmutzig und wasche mich deswegen sehr viel. Ohne 1-2-mal am Tag zu duschen kann ich gar nicht nach draußen gehen. Ich hatte deshalb Probleme mit trockener Haut, die teilweise unvermittelt anfing zu bluten. Aber das habe ich durch Einsatz vieler Cremes, Hautpflegeprodukte usw in den Griff bekommen. Ich stehe stundenlang vorm Spiegel und versuche immer noch irgendwelche Fehler in der Frisur oder sonst wo zu finden.

Nochmal an so tolle Typen, wie „Gast B“. Wenn wirklich alles mit dir in Ordnung ist und du deshalb soo gute Laune hast, wie zum Teufel bist du dann eigentlich an dieses Forum und meinen Text gekommen ohne nach sowas in der Art gesucht zu haben?^^ Geben normale Leute sowas wie „Ich brauche Hilfe“ bei Google ein?... Ich weiss es ja nicht.

04.05.2009 20:13 • #6


ok das mit gast b nehme ich zurück. Ich habe gesehen, dass du der selbe typ bist, der den anderen beitrag gepostet hat.

04.05.2009 20:18 • #7


Ich kann zumindestens das mit dem hass den du auf andere entwickelst und der einsamkeit nachempfinden - aber auch wenn ich weiß, dass es unglaublich schrecklich sein muss, bilde ich mir nicht ein, ohne es selbst erlebt zu haben, verstehen zu können wie schlimm es ist, wenn die eigenen eltern einen so behandeln...
Ich bin auch ziemlich einsam häufig...und nachdem das ne weile so ging hab ich bei mir gemerkt, dass ich, wenn ich früher traurig darüber war, dass ich keine freunde und noch nie eine freundin hatte, immer häufiger neben der trauer auch eine sinnlose Wut und manchmal sogar richtige hassgefühle in mir aufsteigen spüre...

Und auch wenn ich selbst keine ständigen schmerzen habe, wie du sie beschreibst, hat sie dafür meine Mutter, was mich auch mitnimmt...
Hoffe, das hilft dir...

Gib die Hoffnung nur nicht auf!
Du bist mit deinen Problemen nicht allein!

Radoras

07.05.2009 14:22 • #8


Liebe Sarah!


Laß Dich bitte nicht mit Alk. volllaufen,weil dies alles noch verschlimmert.Hast Du schon ´mal an einen Aufenthalt in einer Klinik nachgedacht?
Liebe Grüße

Herr Kinski

08.05.2009 15:42 • #9


Ich hoffe das liest noch jemand von euch...

Als erstes wollte ich mich bei den Leuten bedanken, die sich damals die Zeit genommen hatten sich meinen Post durchzulesen und erst recht bei denen die sogar geantwortet hatten und euch wissen lassen, dass ich mich nicht umgebracht habe und wie es mit mir nach dem letzten Post meinerseits weitergegangen ist.

Ich hatte bis Ende der zwölften Klasse im vom mir in den obrigen Posts beschriebenen Zustand weitergemacht. Meine Noten sackten kontinuierlich ab und mein Verhätnis zu meinen Freunden wurde immer schlechter bis ich viele von ihnen verlor. Ich trank fast jeden Tag Alk. und "fraß" 2-3 Packungen Schmerztabletten im Monat. (Wenn ich Autofahren musste oder so hatte ich aber nie getrunken)

Aber kurz vor den Sommerferien konsultierte ich nochmals eine Neurologin, die mir dann Anti-Depressiva verschrieb. Am Anfang wurde es dadurch nur viel schlimmer aber als mein Körper sich an die Tabletten gewöhnt hatte und sie anschlugen ging es mir schlagartig besser.
Zuerst wurden meine höllischen Kopfschmerzen immer weniger bis sie (fast) komplett verschwanden. Dann konnte ich ENDLICH wieder Nachts normal schlafen. Die anderen körperlichen Symptome unter denen ich litt klammen auch ab und meine Angst, die Paranoia und die anderen negativen Gedanken wurden immer weniger bis sie schließlich in einem bewältigbaren Rahmen waren.

Ungefähr kurz davor begann ich 1 mal pro Woche zu einem Therapeuten zu gehen. Dieser diagnostitizierte Depressionen und soziale Phobie bei mir. Ich begann damit mich ihm anzuvertrauen was mir am anfang sehr schwer fiel aber nach und nach ging es besser und ich fühlte mich befreit nachdem ich darüber gesprochen hatte.

In der dreizehnten Klasse ging es dann wieder notentechnisch bergauf. Jetzt wo ich nicht mehr unter Panikattacken und sehr hohen Selbstzweifeln litt und mich endlich wieder konzentrieren konnte war ich wieder dazu in der lage im Unterricht mitzuarbeiten und in den Klasuren Texte zu schreiben anstatt das Papier oder das Fenster anzustarren. Das Trinken hatte ich natürlich eingestellt (bzw auf einmal alle 2 Wochen, wenn man eben was mit anderen Leuten macht, reduziert) und ich habe seitdem keine einzige verdammte Schmerztablette mehr genommen. Wenn ich jetzt noch mal Kopfschmerzen habe, ertrage ich die lieber so lange sie andauern, was ja nicht ewig ist, anstatt eine Pille zu nehmen.
Natürlich ist die Bewältigung des Alltages teilweise immer noch "ein Kampf gegen meinen Kopf" für mich. Ich muss mir manchmal immer wieder sagen wenn sich doch "ein Tief anbahnt", dass diese negativen Gedanken nicht der Realität entsprechen. Aber ich sage mir dann immer wieder "Ich schaffe das." Die Tabletten helfen mir aber auf jeden Fall sehr die krankhaften Gedanken, die sich dann in meinem Kopf bilden von der Realität zu unterscheiden und ihnen nicht wieder zu erliegen.

Ich habe zwar alte Freunde verloren aber dafür im Laufe der Zeit als ich "geistig wieder auf der Höhe" war, wieder neue gefunden. Ich hatte mich endlich getraut Kontakt zu Leuten aus meiner neuen Schule zu knüpfen und begann häufiger was mit ihnen zu unternehmen. Ich stehe jetzt kurz vor meinem Abitur aber ich lerne ausgiebig dafür und habe (so gut wie) keine Angst mehr davor, sondern freue mich darauf bald mit der Schule fertig zu sein und mit dem Rest vom Leben weitermachen zu können.

Eure Vermutung, dass ich nicht weiblich bin war btw richtig. Meinen richtigen Namen verrate ich natürlich nicht.

Ich glaube das wars soweit von mir nochmal vielen Dank an alle die damals diesen Thread gelesen hatten und darauf geantwortet hatten und ich hoffe ihr lest ihn noch einmal um diesen Eintrag hier noch zu sehen.

10.03.2010 21:08 • #10


Zitat:
Natürlich ist die Bewältigung des Alltages teilweise immer noch "ein Kampf gegen meinen Kopf"

Aber wenn ich das alles jetzt durchlese, hat sich ja schon einiges verbessert.
Wie sieht Deine Zukunft nun aus?
Was hast Du vor?

10.03.2010 21:42 • #11


Hallo Saherich ,

danke für deinen ausführlichen, informativen und dazu noch positiven Bericht!

Das finde ich großartig, dass du dein Leben doch noch in die Hand genommen hast und dabei sichtbare Erfolge hast! Ich denke, dass sich auch andere dadurch orientieren können, die in einer ähnlichen Lage sind wie du es warst.

Für dein Abitur wünsche ich dir allerbeste Nerven und gute Ergebnisse!
Und warte gerne auf deinen nächsten Bericht.

Alles Gute derweil,
GastB

10.03.2010 23:00 • #12



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