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Und ich glaube da bin ich nicht der Einzige. Ich bin m, 28 Jahre alt und gebürtiger Berliner, habe aber auswärts studiert bis 2008, dann zurück nach Berlin. Danach hier und da schlechtbezahlte Jobs unter meiner Qualifikation und nie den Einstieg in meinen Beruf richtig geschafft und jetzt bin ich schon wieder ein paar Monate arbeitslos was auch überhaupt nicht hilft. Ich weiß nicht ob es Sozialphobie ist, was ich habe, aber vielleicht teilweise schon. Kneipen und Discos etc. sind überhaupt nichts für mich, aber ich war schon auf vielen Konzerten, gehe leidenschaftlich gern ins Kino und auch zu Vorträgen oder Buchpräsentationen z.B., am liebsten mit geschichtlichem Hintergrund. Alles Sachen, wo ich einfach sitzen und zuhören kann und nicht selber großartig sprechen oder agieren muss. Also raus geh ich schon, auch wenn ich mich da durchringen muss manchmal und in Berlin findet man schon immer was. Aber dann geh ich hin, sitze da, schaus mir an und gehe später wieder alleine heim, ohne mit jemandem gesprochen zu haben und obwohl ich es meist genossen habe, gehts mir dann kaum besser. Mein einziger wirklicher sozialer Kontakt ist ein Elternteil, das aber selber genug Probleme hat, auch gesundheitliche, sodass ich nicht über meine Probleme sprechen kann und wir haben auch keinen wirklichen Draht zueinander.

Was meine Arbeit angeht, habe ich mal für einige Monate in einem Job gearbeitet, wo ich viel Kontakt mit Menschen hatte und das hat mir gutgetan, auch wenn es alles nur kurze Gespräche waren meist. Und ich merke halt auch, dass wenn ich länger mit Leuten zusammenarbeite, sie mich oft mitleidig anschauen, weil das Leiden unter meinem Alleinsein scheinbar offensichtlich is und eine Kollegin in besagtem Job meinte auch mal, dass mir das sichtlich gutgetan hat, dass ich dort mit Menschen in Kontakt gekommen bin. Ich glaube auch, ich strahle irgendwie eine Unnahbarkeit oder Abweisung aus, obwohl ich das überhaupt nicht will.

Was mich dazu sehr belastet ist, dass ich in meinem Alter bislang null Erfahrungen mit Frauen habe. Klar, Verknalltsein etc. schon, aber dann kommt wieder meine Schüchternheit ins Spiel. Bei einer Kollegin wars besonders schlimm. Ich mochte sie echt supergerne und sie hat so Sachen gesagt wie ich sei sehr still, aber trotzdem ganz lieb oder sogar einmal, dass wir nach Ende unserer Zusammenarbeit (war ein temporäres Projekt) was unternehmen können. Ich hattes zumindest, nachdem unsere gemeinsame Arbeit beendet war, geschafft sie per Email zu fragen (mit Leuten zu schreiben statt zu sprechen fällt mir wesentlich leichter, ich schreibe auch gerne sonst über alles mögliche, das ist so ein bisschen meine kreative Ader), ob sie nicht mal Lust hat wegzugehen, ins Kino oder so, aber da kam dann auch keine Antwort. Okay vielleicht hatte sie gedacht, es soll ein Date sein und sie hatte einen Freund oder so, weiß ich nicht, aber das ist okay. Selbst wenn ich tierisch verknallt in sie war, wärs absolut okay für mich das Ganze auf freundschaftlicher Ebene zu halten. Ich merke einfach, dass ich eine Bezugsperson brauche, mit der ich was unternehmen und sprechen kann, sonst geh ich auf kurz oder lang zugrunde.

29.10.2013 04:04 • 30.10.2013 #1


2 Antworten ↓


Das mit der allgemeinen Joblage in Berlin war mit ein Grund warum ich dort weggezogen bin, wenn auch auf keinen Fall der Haupstächliche. Paß auf dass Du nicht als Callcenternomade dort endest. Gut ist schonmal dass Du überhaupt weggehst und nicht nur in der Wohnung bleibst. Berlin bietet dafür schon einiges. Aber in Deinem Alter ist ein guter Job denke ich schon sehr wichtig als Grundlage für alles weitere, wobei Du Dich auf Arbeit ja dann auch wohlfühlst weil Du Kontakt bekommst. Vielleicht wäre Umziehen eine Möglichkeit einen besseren Job zu bekommen ohne in der Berliner Zeitarbeitsmühle zu landen. Alles Gute!

29.10.2013 10:53 • x 1 #2


Hallo Prisma,

danke für die lieben Wünsche. In der Mühle bin ich schon gelandet. Nachdem dort ständig Leute krank geworden sind, weil sie den Stress nicht ausgehalten haben und wir, die Gesunden, dann die waren, die es abbekommen haben von den Teamleitern, wenn wir die Anrufe der Kranken nicht geschafft haben zu übernehmen um die Annahmequote zu erreichen, bin ich da aber auch ganz schnell wieder raus und will das nie wieder machen. Berlin verlassen möchte ich im Moment eigentlich auch nicht. Hier gibt es wenigstens soviel Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten etc. und vieles auch gratis, dass ich es immer irgendwie schaffe mich abzulenken, was mir schon etwas Halt gibt, auch wenn ich es immer alleine mache. Wenigstens habe ich dann irgendwie das Gefühl ein Teil der Masse zu sein, auch wenn ich darin untergehe, und komme einigermaßen in Kontakt mit Menschen, wenn auch nicht verbal. Ich weiß nicht, was wäre, wenn das auch noch wegfällt. Und ich glaube das würde es wahrscheinlich in einer kleineren Stadt. Naja, nachher gehe ich auch zu einer Filmvorführung. Hatte heut mal wieder ein echt frustrierendes Gespräch bei einer Arbeitsvermittlerfirma. Gefühlt das 6544323520ste in den letzten 5 Jahren und obwohl sie oft erst positiv scheinen, kommt dabei irgendwie nie etwas raus auf ange Sicht außer einer Mail nach 6 Monaten oder einem Jahr, ob ich noch an Vorschlägen interessiert bin, nicht dass sie einen Einzigen geschickt hätten. Und die Ablenkung nachher hab ich echt nötig. Und eben habe ich mal wieder ein paar Stellenangebote rausgesucht, auf die ich mich morgen und übermorgen bewerben will. Nur nicht die Flinte ins Korn werfen.

30.10.2013 19:06 • #3




Dr. Reinhard Pichler