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Es ist für mich oft schon normal, tagelang nicht zu reden. Niemanden zu sehen, zu sprechen - außer beim notwendigen Übel Einkauf - bei dem ich eine freundliche Maske aufsetze.
Vorhin beim Rasenmähen dachte ich, ich glaub, ich bin die einsamste Frau der Welt - ging an den Rechner und goggelte "einsame Menschen" und stieß auf dieses Forum und las mich mehr oder weniger fest.
Auch wenn für Christian Anders Einsamkeit nur einen Namen hat - so hat sie anscheinend doch sehr viele verschiedene Gesichter.
Vor 9 Jahren zerbrach meine letzte Beziehung auf mehr als unschöne Weise, als er ging, nahm er viel Selbstvertrauen von mir mit. Parallel dazu wurde ich laaange gemobbt, was ich zwar dickfellig ertrug, vor 5 Jahren aber Stunde null erlebte, ich erlitt Burn out und eine PTSB. Müdigkeit, Erschöpfung, Depris. Dann gingen die Kinder aus dem Haus. Das war für mich eigentlich das Schlimmste mit; Therapien seit 1995 machten mir immer wieder nur deutlich, dass ich selbst an allem "Schuld" (sorry) bin. Ich wehrte mich lange gegen Medis - inzwischen bin ich unter Venlafaxin einigermaßen stabil, wenn auch nur auf der Flatline.
Zurück zur Einsamkeit. Am schlimmstem ist es, wenn niemand erreichbar ist. Nicht falsch verstehen, ich habe akzeptiert, allein zu sein, auch die Stille, die dazu gehört. Aber wenn ich weder Tochter, noch Sohn, noch Schwester, noch Freundin erreiche, bricht der Schmerz so stark hervor, dass es weh tut. Ich las dieses Phänomen hier heute öfter.
Ich bin nun 46 Jahre, mehr oder weniger freiwillig isoliert - fühle mich vom Leben weggeworfen. Die Angststörungen, vielfältiger Natur, behindern meinen Alltag doch immens, ich kämpfe täglich dagegen an.
Wem es ähnlich geht, sich vielleicht einfach nur ein wenig austauschen möchte, der schreibe mir.
Bitte keine "am-Ende-des-Tunnels-ist-immer-ein-Licht"-Tröster, die machen mich aggressiv. Fazit meines Lebens ist: Akzeptiere was und wie du bist, sonst gehts dir schlecht. Und dann handele entsprechend.
Denn bei mir ist es grundsätzlich so, dass immer, wenn ich den Lufthauch und das Licht schon fast erreicht habe, schlägt mir das Leben auf die andere Wange und ich falle zurück, um erneut loszukrabbeln... Auch hier bitte keine pseudotherapeutischen Anmerkungen erbeten

Für heute isses genug.
Die Neue
LG

17.07.2009 19:43 • 06.09.2009 #1


11 Antworten ↓


es muss natürlich PTBS heißen. schuldijung

17.07.2009 19:46 • #2



Einsamkeit gegoogelt

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Schlafkappe
Hallo schwarzer Schmetterling,
du willst hier nicht therapiert werden, und das ist auch gut so. Allerdings kann ich dich gut verstehen. Ich bin auch viel alleine, hab mich damit arrangiert und es geht mir ganz gut damit. Nehm allerdings auch Psychopharmaka. Aber es hilft ja schon, sich hier auszutauschen und sich mal den Müll von der Seele zu reden.
Viel Spaß dabei!

17.07.2009 20:32 • #3


Hallo und willkommen schwarzer Schmetterling!
Zitat:
Ich bin nun 46 Jahre, mehr oder weniger freiwillig isoliert - fühle mich vom Leben weggeworfen.

Du wolltest nicht alleine bleiben, versteh ich das richtig?

Wer schafft es, Dein Leben wegzuwerfen?
Liebe Grüße

17.07.2009 20:37 • #4


Zitat von schwarzer Schmetterling:
Therapien seit 1995 [...] Venlafaxin [...] 46 [...] weggeworfen.

Hört sich erstmal ganz gut an. Es besteht noch Hoffnung.

*pieps* happens. Vielleicht trifft es Deine Erkenntnis am Besten: Klappe halten und durch. Kauf Dir doch ne Zugjahreskarte (oder wie das heisst) und tu Bahnfahren, die Leute können für eine gewisse Zeit nicht weglaufen, es ist schon interessant, was da alles zu sehen und zu hören ist und wenn sich ein Gespräch ergibt, dann kannst Du es ausbauen oder auch nicht.

Vielleicht solltest Du auch mal Igor treffen...

Das Licht am Ende des Tunnels kann auch ein Idiot mit einer Taschenlampe sein.

17.07.2009 21:24 • #5


hallo,
wenn du magst, würde ich gern mit dir schreiben. auch ich googlete heute über einsamkeit. das bin ich auch, relativ allein. wenn ich mich in einen aktionismus stürze, geht es. therapeutische begleitung half mir bislang nur, um wieder zu funktionieren. nun beabsichtige ich eine stationäre therapie.
in der öffentlichkeit mag ich nicht meine themen breittreten.
lg

18.07.2009 02:18 • #6


Hallo Schwarzer Schmetterling,

falls du noch einmal hier reinschaust,
da es mir, Mann, (60) ähnlich geht und ich deine Bemerkung zu den "Licht-am-Ende-des Tunnels-Tröstern" so treffend fand,
melde dich, zwecks Gedankenaustausch.

28.07.2009 02:22 • #7


Rine
wenn ich nicht mit meiner eingebildeten stimme reden würde, sprich mit mir selbst hättte ich ausser beim einkaufen oder ein "hallo" an die nachbarn wohl seit 3 jahren kein wort mehr gesprochen

09.08.2009 17:10 • #8


Hi Rine, wie geht das? Bist Du dabei nicht verrückt geworden? Kannst Du überhaupt noch reden? Gehst Du arbeiten? Ich rede seit ca 7 Monaten sehr wenig und verliere fast schon die Sprache. Mein Doc hat dramatischerweise soziale Deprivation diagnostiziert und ich kann nix mehr denken, hab keine Konzentration mehr, bin völlig gehemmt und ängstlich. Wie geht das bei Dir?

06.09.2009 00:29 • #9


Ich finde das, worüber ihr gerade redet, ziemlich interessant, weil es ja im wahrsten Sinne des Wortes darum geht, sprachlos zu werden.
Wenn ich nicht einen sehr guten Freund hätte, mit dem ich regelmäßig übers Internet skype, würde sich mein Wortschatz in der Regel auch auf ein "Hallo" oder "Guten Morgen" beschränken. Mit meinen Nachbarn habe ich nichts zu tun, auf meiner Arbeit sage ich nur mehr, wenn es sich ergibt.
"Wer rastet, der rostet", so heißt ein bekanntes Sprichwort. Und das bezieht sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf Geist und Seele. Das, was "grummst" geschrieben hat, kenne ich auch von mir: nix mehr denken können, Konzentrationsunfähigkeit, innere Leere, Hemmungen, Angst... Aber es hilft alles nichts, als ins kalte Wasser zu springen.

06.09.2009 10:36 • #10


Hallo schwarzer Schmetterling,
Einsamkeit googeln, wie krank ist mein Leben denn?
Und ich bin nicht die einzige. Ich habe alle Beiträge angelesen, einige gelesen und bin erstaunt, wie viele Menschen leiden. Es geht mir gerade schlecht. Ob ich dir mit meinem Beitrag helfen kann, bezweifle ich. Aber deine Worte haben mich sehr bewegt. Gerade jetzt beim Schreiben laufen meine Tränen. Und es ist auch ein bischen gut, weil ich das Gefühl habe, hier versteht es endlich jemand.
Therapieversuche und Selbstmedikation (Johanniskraut) hab ich schon versucht. Dann kommen wieder Phasen, wo ich etwas klarer bin, nicht so traurig. Und dann schäm ich mich fast für mein Selbstmitleid. Und gerade jetzt ist es so schlimm, dass ich überlege, wie ich den Rest meines Lebens einigermaßen ertragbar leben soll. Ich bin für meinen Mann und meine Kinder eine Belastung, eine Last. Sie wären sicher glücklicher, wenn ich ein lustiger Springinsfeld wäre. Das macht es noch schlimmer. Denn nicht nur ich habe Ansprüche an mein Leben, sondern auch andere.
Ich bin 45, und eigentlich schon immer eine Mimose (so wurde ich mal in einer Schulklasse getauft-ich war tödlich beleidigt und das war dann ja der definitive Beweis, dass ich wirklich eine bin). Meine Eltern sind absolut kontaktarm und ich denke, dass es mir besser gehen würde, wenn ich nicht in einer so traurigen Umgebung aufgewachsen wäre. Sie waren (und sind es wohl noch immer) unglücklich verheiratet- gegenseitige Erpressungen und verzweifelte Aktionen sich die Liebe des anderen zu sichern. Eine tolle Schule...Ich habe den Kontakt vor 4 Jahren abgebrochen. Ich hab es nicht mehr ausgehalten. Eigentlich schon viel zu lange ertragen.
Und dann wollte ich die heile Familie. Und eine Beeinträchtigung meines jüngsten Kindes mit viel Therapie und Einsatz und Liebe hat mich wieder an den Rand gebracht. Mein Mann ist der stille Dulder. Wir sind seit meinem 16. Lebensjahr zusammen und er hat mich schon oft gerettet. Aber im Moment habe ich das Gefühl, den Bogen schon fast zu oft überspannt zu haben.
Ich habe diese Traurigkeit nicht im Griff. Und ich habe keine Freunde. Im Gesicht anderer meine ich sofort lesen zu können, ob mich jemand ablehnt, traurigtraurig. Auf meiner Arbeit ist es ähnlich, eigentlich wäre ich die erste, die rausgewählt würde.Ich bin mir über meine Defizite im Klaren. Ich bezweifle aber, dass ich mich ändern kann. Da ist soviel eingeschliffen. All die schlauen Ratgeber-wie kann jemand mit gesundem Selbstvertrauen sich in mein krankes Hirn reindenken- die Gewissheit, mich nicht neu erfinden zu können ist wirklich schlimm-so endgültig.
Mich selbst zu mögen scheitert schon am Blick in den Spiegel- da schauen mich meine Eltern an. Es gibt auch Dinge, die ich gut kann. Aber es wird immer Menschen geben, die es noch besser können- also Quatsch mit dem sich Schönreden von eigener Stärke.
Jetzt hab ich ne Menge von mir erzählt. Und bin wenig auf dich eingegangen. Deine Resignation kann ich gut nachvollziehen.
Ich würde mich freuen, von dir wieder etwas zu hören. Oder von anderen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen haben.
Claudia

06.09.2009 17:00 • #11


@ up and down

zwei sätze von dir haben mich sehr angesprochen...
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Denn nicht nur ich habe Ansprüche an mein Leben, sondern auch andere.
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ich kenne das gefühl, man muss irgendwie funktionieren, ist verantwortlich. dabei würde man sich am liebsten die decke über den kopf ziehen und warten, bis das schlimmste vorüber ist

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Im Gesicht anderer meine ich sofort lesen zu können, ob mich jemand ablehnt, traurigtraurig.
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ich kenne diesen blick, mit dem andere mich anschauen. diese mischung aus ablehnung und dem gedanken, dass etwas nicht mit mir stimmt.


ja, ich war dir jetzt auch keine wirkliche hilfe. wobei ich denke, es ist schon eine hilfe an sich, zu wissen, dass man nicht als einziger so empfindet.

alles liebe, kayleigh

06.09.2009 17:14 • #12



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