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Guten Morgen

Könnt Ihr den Unterschied nennen zwischen Einsamkeit und Alleinsein? Stecke fest, bin ich einsam? Trotz zusammenleben mit 2 Kindern, 20+21. Habe paar wenige gute Freunden, fühle mich einsam. geschieden seit Wochen.
Freue mich auf den Austausch.

Gestern 09:32 • 21.05.2020 #1


15 Antworten ↓


Schlaflose
Ich bin alleine, hatte noch nie eine Beziehung oder Partnerschaft, meine Eltern sind tot, habe keine Geschwister, nur eine Cousine und einen Cousin, die 300km entfernt leben. Ich habe eine engere Freundin, mit der ich mich alle 4-6 Wochen mal zum Kaffeetrinken odeer Essengehen treffe, sonst nur ein paar oberflächliche Bekannte und Kollegen. Ich habe mich aber nie einsam gefühlt. Ich genieße es, allein und völlig unabhängig zu sein, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, tun und lassen können, was ich will und wann ich will.

Gestern 09:48 • x 3 #2


@schlaflose.
Beeindruckend!
Gehst Du alleine in Urlaub? Kino? Wandern?

Gestern 10:29 • #3


cube_melon
In der Kindheit wurde ich oft ausgegrenzt. So was wie Urlaub oder Landschulheim gab es nicht. Mit der Zeit habe ich gelernt mich komplett alleine zu beschäftigen. In der Zeit fühlte ich mich trotzdem unbeschreiblich leer und alleine, denn "nur" ich war mein einziger Halt.

Mit der Zeit habe ich die innere Leere überwunden. Ab da wurde es besser. So mit 11 Jahren fand ich auch "Freunde". zumindest war ich nicht mehr alleine und einsam. Mit 18 gab es einen Einschnitt in meinem Leben, von den 150 Leuten aus der Clique waren nur noch 3 an meiner Seite. Aber hey, als Kind wusste ich ja wie man emotional damit umgeht.

Danach baute ich mein Leben komplett um. Machte mich rar und lies nicht mehr jeden sofort an mich heran. Und man staune - ich wurde super beliebt.
Beruflich hatte ich sehr viel mit Menschen zu tun (Support, Projektleiter) und dort habe ich meine Kompetenz mit Menschen umzugehen verfeinert.

Familie
Kontakt abgebrochen zur Mutter, Schwester. Bruder wohnt zu weit weg als das ich da mal hinfahren kann. Tante noch weiter, Onkel noch noch weiter weg. Mit meinem Neffen habe ich über Messenger und Telefon einen guten Kontakt.

Freunde
Der eine wohnt 80 km weg, eine 130km, eine andere 160, eine dritte mehr als 500, einer ist nach England ausgewandert, der nächste wohnt in Russland.

Gaming
Ich spiele ein MMORPG, habe dort auch einige, ja würde sagen Freunde. In diesem Spiel bin ich Gründer und Mitglied einer Gruppe wo etwas für die komplette Spielergemeinschaft eines Datenzentrums tut. Bin Mitglied auf mehreren Discord Servern, habe selbst einen. Text, Voice und Videochat. In dem Spiel habe ich sehr viel Kontakt mit den Leuten, werde regelmäßig zu Online-Hochzeiten oder Parties eingeladen. Immer wieder kommt spontan ein anderer Spieler und gibt mir einen Hug. Seit meiner Trennung feier ich "Weihnachten", Silvester und Ostern in dem Spiel mit meinen Leuten dort. Feuerwerk ist günstig und Co2-neutral.

Familie
Kontakt abgebrochen zur Mutter, Schwester. Bruder wohnt zu weit weg als das ich da mal hinfahren kann. Tante noch weiter, Onkel noch noch weiter weg. Mit meinem Neffen habe ich über Messenger und Telefon einen guten Kontakt.

Freunde - der eine wohnt 80 km weg, eine 130km, eine andere 160, eine dritte mehr als 500, einer ist nach England ausgewandert, der nächste wohnt in Russland.

Also hier vor Ort habe ich weder Familie noch Freunde, kann aber gut für mich alleine sein. Dennoch würde sich ein gewisser Grad an sozialer Anbingung besser anfühlen.
Es ist ein Unterschied ob ich mit den Menschen nur schreibe oder chatte oder ob ich ihnen in die Augen sehen kann - live.

Richtig einsam fühle ich micht nicht. Aber ganz so ohne andere, fühlt sich punktuell irgendwie fad an. Beispielsweise die Radtouren. Das macht mir alleine Spaß, ist eine Ressource und auch hier komme ich mit Menschen immer wieder in's Gespräch. Dennoch hätte ich gerne jemanden mit dem ich das teilen kann.

Daher alleine sein und sich einsam fühlen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Da ich mich innerlich nicht leer oder einsam fühle, weil ich gelernt habe mich selbst wahrzunehmen und zu lieben, fühlt sich der Rest auch nicht total einsam an.

Gestern 10:29 • x 3 #4


cube_melon
Supa - ein Abschnitt habe ich anstelle von ausscheiden kopiert und nun ist der doppelt hier drin.

Gestern 10:42 • #5


Chingachgook
Es ist ja kein seltenes Phänomen, dass man sich inmitten von Menschen einsam fühlt.
Nur von daher kenne ich das Einsamkeitsgefühl überhaupt.
Alleine habe ich mich noch nie einsam gefühlt.

Gestern 10:55 • x 3 #6


Veritas
Guter Beitrag, Melone!

Alleine = Neutral bis positiv; einsam = Negativ.

Alleine komme Ich gut zurecht - meistens. Ich kann stundenlang Musik hören, am PC/im WWW sein, DVDs gucken etc. dafür brauche Ich keine andere Person; Ich habe vielleicht einmal im Jahr Langeweile, wenn überhaupt... Bei Unternehmungen außerhalb der eigenen 4 Wände sieht es tw. anders aus. Einsamkeit ist für mich dieses Gefühl, das man kaum/keine Seelenverwandten hat, das man sich (fast) niemandem verbunden fühlt. Man kann 1000 Leute kennen, die den Status von Kollegen bis Freunden innehaben, man kann in einer Partnerschaft sein, aber das Gefühl, das man der letzte Mensch auf dem Planeten ist, geht nicht weg. Das man keinem WIRKLICH etwas bedeutet, das man nichts auf diesem Planeten hinterlässt. Eine Horrorvorstellung... Wer wird bei meiner Beerdigung sein? Aufrichtige Leute oder (fast) nur Leute, die mich gef... haben?

Ich war früher viel unter Leuten, mit 10 1/2 Jahren ca. änderte sich das plötzlich und Ich weiß keinen Grund (evtl. Beginn einer hebephrenen Schizophrenie?), damals schottete Ich mich ab, kümmerte mich mehr um Musik, TV, Briefmarken/Münzen und Puss-es . Ich war alleine, aber nicht einsam. Komische Sache, die Einsamkeit kam erst später auf, mit 17, als die Depressionen begannen. Mein Leben ist von Verlusten (v.a. Menschen) geprägt; Leute kommen, Leute gehen... Irgendwann steht man alleine da, Seelenverwandte zu finden, gleicht der Suche (wenn man motiviert ist, zu suchen...) nach der Nadel im Heuhaufen. Selbst wann man sie gefunden hat, gibt es keine Garantie dafür, das sie aufrecht sind, das man sich nicht dennoch auseinander entwickelt (bei meinem ehemaligen besten Freund passiert). Das Gefühl der Einsamkeit ist mal mehr, mal weniger da. Insgesamt sollte Ich mich vielleicht mit meinen 2 Kollegen öfters treffen, statt vor dem PC usw. zu hängen, aber oft vermisse Ich keine Kontakte. Es ist wechselhaft und kompliziert, für andere sicherlich auch nicht verständlich, wenn man sich 4 Monate+ nicht mehr sah... VZ-Arbeit, laute Nachbarn, Zeitmangel usw. geben mir oft den Rest, dann will Ich nur noch meine Ruhe und manchmal nur meine Koffer packen und abhauen, weil einen alles nur noch ankotzt - und man sich (gefühlt) von niemandem verstanden fühlt und alle Kämpfe alleine führt.

Genug rumgeheult...

Gestern 10:56 • x 2 #7


cube_melon
Zitat von temper99:
Habe paar wenige gute Freunden, fühle mich einsam. geschieden seit Wochen.

Eine Scheidung ist ein großer Einschnitt. Ob man will oder nicht, das Leben ist nun anders. Wenn man verheiratet ist, Kinder groß gezogen hat, dann hat man sich auch über einen langen Zeitraum auf einander eingestellt.

Je nach dem wie man sein Ego gepflegt und gelebt hat, ist nach der Trennung das Loch das entstanden ist entsprechend größer oder kleiner.
Du hast keine andere sinnvolle Wahl als deine Ich wieder auseinander zu falten wie eine Karte und dich neu zu entdecken. Der Weg geht von dir, durch dich wieder zurück ins Leben.

Gestern 10:58 • x 1 #8


Schlaflose
Zitat von temper99:
@schlaflose. Beeindruckend! Gehst Du alleine in Urlaub? Kino? Wandern?


In Urlaub war ich schon seit 1994 nicht mehr, weil ich anderswo gar nicht schlafen kann. Wenn das nicht wäre, würde ich auch allein in Urlaub fahren, d.h. ich würde Gruppenreisen mit dem Bus machen, wo man sich um nichts kümmern muss. Ins Kino, Theater etc. gehe ich gar nicht, weder allein noch mit jemandem zusammen, weil ich das alles nicht mag. Wandern, Fahrradfahren, Joggen, ins Schwimmbad usw. gehe ich immer alleine. Das einzige, was ich nicht alleine machen würde, ist, mich allein in ein Restaurant oder Café zu setzen, weil ich mir da einfach komisch vorkäme. Das mache ich nur mit meiner Freundin oder wenn wir mit Kollegen essen gehen. Das genieße ich dann immer sehr.

Gestern 12:16 • #9


Veritas
Wenn das Essen gut ist, macht auch ein Buffet Spaß (und satt). Aber zu zweit macht es mehr Spaß, das stimmt.

Gestern 12:43 • #10


Calima
Zitat von temper99:
Stecke fest, bin ich einsam? Trotz zusammenleben mit 2 Kindern, 20+21. Habe paar wenige gute Freunden, fühle mich einsam. geschieden seit Wochen.


Kinder ersetzen keinen Partner. Und das ist auch gut so, denn das ist nicht ihre Aufgabe und alles andere hieße, sie emotional zu missbrauchen. Deswegen ist dein Gefühl von Einsamkeit nach einer Partnerschaft, die anscheinend noch nicht so lange her ist, wohl sehr normal.

Nach meiner Erfahrung braucht es eine Weile, bis man die fehlende Zweisamkeit nicht mehr als Wunde erlebt - selbst dann, wenn die Zeit davor vielleicht gar nicht so prickelnd war. Für mich selbst kann ich sagen, dass es auch wichtig war, diese Phase auszuhalten und sich neu zu zentrieren, auch wenn das Einsamkeit und Schmerz bedeutet hat. Irgendwann gelingt es dann, sich selbst genug zu sein. Und erst dann sollte man sich auch wieder einer neuen Liebe zuwenden.

Alles andere kann schnell dazu führen, den anderen zu benutzen, und das endet selten gut. Wenn ein Splitter aus dem Finger gezogen ist, blutet und schmerzt es auch dann, wenn man froh ist, den Splitter los zu sein.

Gestern 13:01 • x 2 #11


Zitat von temper99:
Könnt Ihr den Unterschied nennen zwischen Einsamkeit und Alleinsein?


Hierfür gibt es unterschiedlilche Auslegungen, da nicht getrennt wird zwischen "sich einsam fühlen" und tatsächlichem "Einsamsein". Somit erklärt sich also, dass jemand trotz gegebener Kontakte Einsamkeit genauso intensiv wahrnimmt wie jemand, der wirklich niemanden hat. Letzteres habe ich immer als Voraussetzung angesehen, um den Begriff Einsamkeit gelten zu lassen. Dass unterschiedliche Lebensumstände mit ein- und derselben Vokabel umschrieben werden, finde ich zwar ein bisschen unglücklich, doch leuchtet mir natürlich inzwischen ein, dass die Quantität der Kontakte je nicht zwangsläufig etwas über deren Qualität aussagt. Was nützt z. B. eine Großfamilie, wenn alle miteinander zerstritten sind oder sich durch große Entfernungen unterschiedlicher Wohnorte kaum sehen können oder oder oder....

Denen geht es auch nicht besser als mir (in Kontaktarmut bereits aufgewachsen, keine Geschwister, keine Freunde, keine Partnerschaft kennengelernt, kaum Kontakt zu Verwandten, die Eltern, ü80, leben noch...).Zum Glück bin ich ja auch nicht mehr jung und leistungsfähig, wodurch ich vieles nicht mehr vermisse.

Schließlich gelingt es sogar einigen, mit wenigen und seltenen menschlichen Begegnungen zufrieden zu sein. Ja, beeindruckend.

Gestern 14:38 • x 1 #12


Flocke1979
Ich bin zur Zeit weder alleine noch einsam.
Also gefühlt.
Ich kann mich aber an Einsamkeit erinnern. Kein schönes Gefühl. Aber bei mir immer ein produktives. Denn dann ging ich in die Handlung über und habe was verändert.

Gestern 15:42 • x 1 #13


cube_melon
Zitat von Flocke1979:
Kein schönes Gefühl. Aber bei mir immer ein produktives. Denn dann ging ich in die Handlung über und habe was verändert.

Das hilft ungemein, wenn man es geschaft hat sich bis dahin weiterentwickelt hat.

Gestern 16:04 • x 3 #14


Flocke1979
Zitat von cube_melon:
Das hilft ungemein, wenn man es geschaft hat sich bis dahin weiterentwickelt hat.

Ich bin zum Glück von Natur aus lösungsorientiert. Ich kann natürlich auch jammern. Aber es ist unproduktiv. Es verschlimmert alles. Und natürlich ist es schwer und auch etwas wie Lotto spielen, die richtigen Freunde und Partner zu finden... Aber von nix kommt nix

Gestern 16:12 • x 2 #15


cube_melon
Zitat von Flocke1979:
Ich bin zum Glück von Natur aus lösungsorientiert. Ich kann natürlich auch jammern.

Auch wenn ich auch mal Punkte habe wo ich jammere, nehme ich den Leidensdruck um zu schauen ob ich es verändern kann. Wenn dies nicht geht, versuche ich Kompensationen dafür zu finden.

Als Kind habe ich in der traumatischen Umgebung lernen müssen zu überleben. Auch wenn die Kindheit suboptimal war, dieses strategische und vernetzte Denken hat mir mein ganzes Leben lang geholfen.

Weil das Leben ist in dem Sinne kein Stillstand, als das nur die Naturgesetze bestand haben. Alles andere ist vergänglich. Ich kann mich also anpassen und Strategien entwickeln oder mich hinsetzen und warten bis ich verschimmel.

Für das Leben, bzw. Optionen zu erschaffen habe ich eine Metapher. Bei dem Spiel Majongg nimmt man paarweise identische Steine vom Brett. Das kann in der Reihenfolge tun das man keine anderen Steine mit dem Zug zugänglich macht oder eben so das man mit jedem Stein 2-3 weitere befreit. Ein Stein weg, 6 weitere Optionen verfügbar.
So ziemlich alles was ich tue ist so orientiert. Optionen erschaffen und ausprobieren. Weil wenn eine wegfällt habe ich andere die ich nutzen kann.

Gestern 16:26 • x 1 #16




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