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Hallo ihr,

ich bin 30 Jahre jung, gesund, bin sehr lieb, sehe ganz ok aus, bin verheiratet und Mama von Beruf. Und trotzdem habe ich keinen einzigsten Freund. Ich habe zwar viele Bekannte, die ich gelegentlich mal treffe... und trotzdem fühle ich mich momentan sehr einsam.

Gerade die Zeit vor Weihnachten ist einfach sehr schlimm für mich. Mein Mann muss sehr viel und sehr hart arbeiten, ist abends selten zu Hause, und wenn er zu Hause ist, dann braucht er einfach viel Ruhe weil er so gestresst ist.

In meiner Jugend hatte ich viele Freunde. Doch wegen beruflicher Umzüge sind alle Freundschaften im Laufe der Jahre zu Bekanntschaften geworden. Wir besuchen uns wegen der Entfernung selten und wir haben auch keinen gemeinsamen Lebensmittelpunkt mehr. Vor ein paar Jahren habe ich sehr viel gearbeitet und mich mit den Arbeitskollegen sehr gut verstanden, doch dann bin ich gewollt Mama geworden und nun sehen wir uns auch nur noch selten.

Andere Bekannte sind noch Singles und gehen jeden Freitag/Samstag/Sonntag Party machen... und ich gehe müde ins Bett, weil ich ja nachts für meine Kleine da sein muss. Ich bin für die Bekannten "out" und so fühle ich mich auch. Die letzten Male haben sie mir noch nicht mal mehr bescheid gegeben, wenn sie gefeiert hatten.

Es gibt derzeit außer meinem Mann niemanden, den ich wirklich etwas bedeute. Dem es wichtig ist, dass wir uns sehen. Meine Geschwister wollen IHR Leben leben, weggehen, ungebunden sein, Spaß haben, mit dem Motorrad in Urlaub fahren... das kann ich Alles ja nicht. So sehen wir uns auch nur selten. Das macht mich besonders traurig .

Ich versuche jeden Tag rauszugehen. In den Tierpark zu fahren, Kindertreff, Spielplatz, Baby-Schwimmen.. Schwimmbad... etc...
Nur nicht so lange drinnen sitzen zu müssen. Ich habe dort wieder ein paar Bekanntschaften mit Mütter geschlossen, worüber ich glücklich bin. Wir treffen uns oft und reden über belanglose Dinge. Aber jemanden mit dem ich WIRKLICH mal reden kann, gibt es leider nicht. Würde ich ein paar mal nicht kommen, wären diese Bekanntschaften auch wieder vorbei.

Es kann sich niemand vorstellen, wie lang so ein Tag zu Hause sein kann. Wie die eigene schöne Wohnung zu einem Gefängnis werden kann. Und das Internet zum besten Freund. Wie man innerlich abstumpft dabei .. .

Aber ich hoffe jeden Tag, weil die Hoffnung stirbt einfach zuletzt.

Echt Danke, nur mal fürs zuhören

19.12.2011 14:12 • 23.12.2011 #1


3 Antworten ↓


Gleichklang
Hallo Amy_Lynn,

ich habe mich von deinem Beitrag sehr angesprochen gefühlt und möchte dir daher gerne schreiben.

Zitat:
Es kann sich niemand vorstellen, wie lang so ein Tag zu Hause sein kann. Wie die eigene schöne Wohnung zu einem Gefängnis werden kann. Und das Internet zum besten Freund. Wie man innerlich abstumpft dabei .. .


Ich bin keine Mama von Beruf, ich bin derzeit arbeitslos und kann daher aus einem anderen Hintergrund deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Wenn ich meinen Po nicht hochbekomme, nicht raus gehe, mich unter Leute begebe etc. dann fühle ich mich in meiner Wohnung sehr alleine. (Ich könnte auch einsam schreiben, aber einsam verstehe ich unter dem Wort, dass man wirklich niemanden hat und das ist bei mir nicht der Fall!) ich langweile mich auch sehr schnell. Ich weiß, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt sich Beschäftigung zu suchen, doch unter Leute zu kommen, aber bei mir ist das Problem, dass ich durchhänge, zu viel grübel, schwaches Selbstbewusstsein, auch wenn ich genau weiß, was ich tun müsste. Ich stehe mir quasi selbst im Weg und weiß das auch, das ist das schlimmste.

Ich denke, dass das gefühl der Einsamkeit daher kommt (und da habe ich erst vor kurzem einen Artikel im Internet gelesen), dass man nicht einsam/alleine ist, sondern dass es das mangelnde Selbstbewusstsein ist, das sich nichts zutrauen, Ängste, Angst vor Ablehnung, Angst nicht verstanden zu werden und all das zusammen. Dieses verursucht das Gefühl sich einsam zu fühlen. Ich sehe es doch bei mir. Ich könnte mich bei Sportkursen anmelden, VHS, ehrenamtlich betätigen etc. es gibt da schon einiges, was es zu unterschiedlichen Uhrzeiten gibt und wo auch jeder was finden kann. Dadurch, dass ich aber in meinem Gedankenkarussel drin hänge, sehe ich auch die Angebote, aber zweifel viel zu sehr daran, grübel zu viel und komme daher nicht weiter. Das wiederum macht alleine "alle schaffen so viel, nur ich nicht...", "Ich fühle mich so alleine, alle anderen haben so viel Freunde und Kontakte, denen gehts gut, mir nicht...". Sprich auch dieses sich so wahnsinnig negativ sehen.

Es ist bei mir inzwischen eine Endlosschleife der Gedanken geworden.

Kurz noch ein wenig zu mir. Ich bin auch in einer Partnerschaft, seit gut 1Jahr, aber wir kennen uns schon längere zeit über Jahre. Mein Freund hat einen geregelten Job, viel um die Ohren (wie bei deinem Mann), wir wohnen allerdings nicht zusammen und Kinder gibt es auch keine. Da er zur zeit parallel noch seine Diplomarbeit schreibt, die im Februar beendet ist, bin ich viel auch am We für mich, was natürlich wie eben beschrieben die Endlosschleife der Gedanken fördert.

Ich habe verschiedene Kontakte, gute enge Freundschaften, wenn auch wenige, bis hin zu oberflächlichen Kontakten. Leider gehen alle so ihre Wege, sei es die Uni oder der Job und dadurch bin ich wieder viel alleine. Ich frage mich ganz oft, wo kann ich liebe nette Menschen, wo man eine enge gute vertrauensvolle Freundschaft aufbauen kann, finden? Es ist sehr schwer.

Wie lange bist du nun zu Hause? 1/2 Jahr/e wegen Elternzeit? (weiß gerade nicht, ob 1 oder 2 Jahre) Deinen Job hast du noch und kannst du danach weiter ausüben? Wie ist nun dein Plan für die nächste Zeit? Wann kommt dein Mann abends nach Hause? Kannst du dann vllt dich nicht noch zu einem VHS Kurs anmelden? 1x die Woche etwas für dich tun, wo dein Mann auf euer Kind aufpasst?

Weiß dann Mann über dein Gefühl der Einsamkeit bescheid? Wenn nein, rede doch mal mit ihm?? Sei offen zu ihm, vielleicht merkt er es nicht und kann dir dann auch dabei helfen und dich unterstützen?

Würde mich freuen wieder von dir zu lesen!

Aus welcher Gegend aus Deutschland kommst du?

LIebe Grüße...

19.12.2011 15:59 • #2



Die Einsamkeit, der Feind meines Lebens :-(

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Hallo Amy-Lynn.

Du schreibst, dass sich niemand vorstellen kann, wie lang so ein Tag in seiner "Gefängniswohnung" sein kann.

OOOOHHHHH DOOOOCCCCHHHH !!

Aber im Ernst... mir hat es schon geholfen die Beiträge hier zu lesen. Damit wird einem klar, dass man eben nicht der einzige ist, dem es so geht. Wir sind auch keine kleine Randgruppe... es geht aber-tausenden von Leuten so und noch mehr davon sind nicht im Forum, aber sie sind da draussen. Und man ist auch nicht selber "Schuld" an seiner Situation. Und seit ich das begriffen habe, gehts mir wieder einen Tick besser.

Wie kommt es eigentlich, dass man alleine jeden Sinn für was schönes verliert?

Das Eis schmeck sicher genau so lecker, trotzdem bleibt einem dann jeder Bissen im Hals stecken. Ist das alles reine Psychologie?

23.12.2011 08:56 • #3


Pixel: Da ist wirklich was Wahres dran !! Wenn ich so nachdenke, da fallen mir einige Menschen in meiner Umgebung ein, die "fast" Niemanden mehr haben. Da wird mir wirklich bewusst, wie viel doch meine wenigen Kontakte sind !!

Ich finde deine Posts total gut und kann sehr gut verstehen, was du geschrieben hast.


Ich habe auch sehr lange darüber nachgedacht, ob ich "schuld" an meinem Leben bin. Aber wenn ihr mich sehen könntet, ich bin ein total normales Mädchen. Mein Mann macht mir immer Komplimente. Und viele Menschen (Nachbarn, ehem. Arbeitskollegen) finden mich sehr nett.

Nur habe ich leider oft festgestellt, dass viele andere Frauen sehr hohe Ansprüche an ihre Freunde/innen stellen. Und irgendwie habe ich denen noch nicht 100 % entsprochen. Ich bin einfach kein Partygirl, eher ein bisschen ruhiger von meiner Art. Interessiere mich mehr für Bücher, Musik, Natur, Wandern, Sport .... . Und bin Mama von Beruf.

Meine Schwester hingegen sieht aus wie Paris Hilton und weiß einfach wie sie sich in Szene setzen muss. Sie geht jeden Freitag, Samstag und Sonntag bis 5 Uhr frühs in die Disko. Ist immer Top gestylt, trägt immer High-Heels und Designerklamotten und sieht darin aus wie ein Model. Sie kann sich vor Freunde kaum retten. Und sie hat extrem hohe Ansprüche, keine Freundin konnte sie jemals zu 100 % erfüllen. Sie hat so viele Freunde, dass sie oft gar nicht richtig weiß, wie wertvoll das überhaupt ist. Ich glaube so 1000 alleine in facebook.


Gegenüber ihr bin ich eine graue Maus, und das macht mein netter Charakter einfach auch nicht weg. Für Viele bin ich da einfach zu langweilig

Aber ich habe mir ganz fest vorgenommen, mehr Dankbarbeit für meinen Mann und meine Familie zu zeigen. Und: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

23.12.2011 21:24 • #4




Dr. Reinhard Pichler