@Cochin
Kenn ich lol...ich vergesse auch immer wieder, dass man hier automatisch ausgeloggt wird...
Zu Deiner Lebensgeschichte - die Du leider nicht posten konntest - natürlich ist es wichtig auch in der Vergangenheit nach den Ursachen für die Probleme der Gegenwart zu suchen, aber wie Du ja selbst schreibst haben Dir nicht mal diverse Therapien geholfen. Ich behaupte nicht, dass Therapien immer helfen oder die Lösung für all unsere Macken, Schwächen und Fehler liefern...ich weiß nur von mir (hatte selbst nie ne Therapie), dass ich es oftmals sehr schwierig finde Rat anzunehmen bzw. umzusetzen - nicht weil ich die Leute für unfähig oder unwissend halte, sondern weil ich in meinen eigenen Gedanken und Ideen feststecke.
Ich hab mir z.B. jahrelang eingeredet, ich bin starke Raucherin seitdem ich 11 war, weil beide Elternteile Kettenraucher sind/waren...aber wenn ich diese Tatsache einfach mal so annehmen und damit mein Suchtverhalten erklären kann warum hab ich dann nicht aufgefhört als mein Vater an Lungenkrebs erkrankte und jahrlang langsam starb? Weißt Du was ich meine? Wenn ich schlechte Beispiele und Vorbilder (rauchende Eltern) als Entschuldigung für mein selbstschädigendes Verhalten "benutzen" kann - dann sollte es mir doch erst recht möglich sein mir ein solch grausames Sterben "zu Nutze" zu machen und aus Selbsterhaltungstrieb und Angst damit aufzuhören...tu ich aber nicht, weil das Ketterauchen meiner Eltern sowie auch das Sterben meines Vaters nicht wirklich etwas mit MEINER Sucht zu tun haben. Natürlich bin auch ich durch Erziehung und Abgucken etc geprägt worden und natürlich sind bestimmte schlechte Angewohnheiten (Rauchen) für mich vermutlich auch "normaler" als für Leute, die in einer Zig. Umgebung aufgewachsen sind....aber diese "Kenntniss" , der Blick in die Vergangenheit, das Wissen um Details und Schädigungen, etc lassen mich nicht "meine Sucht" in den Griff kriegen...
Aber wenn ich immer noch an der "Idee/Erklärung" hängen würde, dass ja irgendwie meine Eltern für meine Sucht verantwortlich sind, dann wär ich vermutlich auch ganz fix auf die Idee gekommen, dass die offenbar völlig verantwortungslose und fiese Menschen sind, die ihre Kinder mit voller Absicht schädigen und es ihnen egal ist, dass die elendig verrecken werden...und dann kann ich mich dauernd und ständig mit diesem "Problem" beschäftigen und mich fragen, warum meine Eltern so fies und undiszipliniert sind/waren etc etc etc aber meine Nikotinsucht kirege ich SO niemals in den Griff - ganz im Gegenteil, der psychische und emotionale Stress, die schwelende Wut und Enttäuschung würde mich völlig von dem eigentlichen Problem ablenken und ich wär natürlich damit beschäftigt meine Feindseeligkeit gegenüber dieser beiden Leute zu nähren und aufrecht zu erhalten...und noch mehr zu qualmen.
Ich weiß natürlich nicht, warum die Therapieversuche bei Dir fehlgeschlagen sind...ich lese aber aus Deinen ersten Posts heraus, dass Du Dein aktuelles Verhalten, Deine aktuellen Beziehungsprobleme und Dein Suchtverhalten natürlich sehr persönlich und sehr ernst nimmst, ganz bestimmt hast Du auch Angst und bist unsicher.
Aber in Dir drin scheint da auch diese starke "Überzeugung" zu sein, dass vielleicht nicht die Lösung Deiner aktuellen Probleme aber sehr wohl alle Ursachen dafür, in der Vergangenheit zu finden sind...das machen wir alle....aber wenn Du dazu neigst, nur die negativ Erfahrungen und Umstände in Dein Hier und Jetzt zu integrieren dann führt Dich das auf eine völlig falsche Fährte....wenn´s mir bei der ersten Zig., beim ersten Drink so richtig schlecht gegangen wäre hätt ich´s einfach sein lassen...wenn mich mein allererster Freund verprügelt hätte, wär ich vermutlich keine Beziehung mehr eingegangen...
Du sagst ja selbst, Du willst ja unbedingt die Nähe und die Fürsorge annehmen und spüren, also verknüpfst Du damit sehr wohl auch gute Erfahrungen und Erinnerungen. Freunde von mir haben gerade einen kleinen dreijährigen sibirischen Waisenjungen adoptiert...der Kleine Kerl weiß einfach gar nicht was er mit körperlicher Nähe anfangen soll, was das bedeutet und wie sich das anfühlt und ob das ok ist, was von ihm erwartet wird...der weint auch nicht, wenn er große Angst hat, wimmert er höchstens - ich versuch die beiden NeuEltern gerade zu überreden ihm einen kinderlieben Hund zu kaufen - der zeigt ihm ohne irgendwelche Hintergedanken auf ganz natürliche Weise wie das mit dem Kuscheln und Nähe und das alles funktioniert...
Warum ich Dir das erzähle: Weil ich ganz sicher bin, dass DU sehr wohl weißt, was sich gut anfühlt und was nicht, dass DU Dich sehr wohl auch an Zeiten und Begebenheiten erinnern kannst, in denen Du nicht nur annehmen konntest, sondern auch ganz viel geben konntest und wolltest, wo Du noch nicht die Notwendigkeit sahst Deine verschiedenen Charackter und Persönlichkeiten so krass von einander zu trennen. Ich weiß natürlich auch nicht, wie das bei Dir abgelaufen ist, ich hab nur bei ganz vielen Leuten, die eine Therapie angefangen haben erlebt, dass die zumindestens anfänglich ziemlich extrem darauf fokussiert sind, was sie wollen, was sie haben wollen, was sie nicht bekommen, was sie vermissen etc...ich schätze mal, das muss erstmal auch so sein, es geht ja auch nur um sie - in der Therapie - und da geht ja auch Niemand hin, weil es dem sozialen Umfeld schlecht geht...aber ich finds schon auch wichtig rauszufinden, was ich überhaupt geben kann und will und warum.
Dass Du die Zärtlichkeiten Deines Ex nicht annehmen konntest drückt ja auch gleichzeitig aus, dass Du für ihn in diesen Augenblicken keine Zärtlichkeit, Zuneigung empfunden hast - dementsprechend hast Du Dich bestimmt auch unter Druck gesetzt bzw. überfordert gefühlt. Würde mich wirklich interessieren ob und inwiefern ihr das in der Therapie besprochen habt...vielleicht geh ich das auch zu simpel an...ich weiß nur, dass ich mich schon unwohl fühle, wenn Jemand freundlich zu mir ist, dem gegenüber ich keine besonderen Sympathien hege - nicht weil ich irgendwas fieses oder falsches vermute, sondern ganz simpel weil mir das den "Unterschied" so verdeutlicht und dann frage ich mich warum ich den/die nicht ganauso nett finden kann, warum der/die mich überhaupt mag etc...