Nina_

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Hallo liebes Forum,

ich bin mir nicht ganz sicher, ob mein Thema hier richtig untergebracht ist, aber ich wusste nicht genau, wo ich es sonst hätte posten sollen.
Mein Problem ist folgendes, ich halte es nur sehr schwer aus, mal eine Weile alleine, also ohne meinen Freund, zu sein. Klar ist es normal, dass man seinen Partner vermisst und gerne Zeit verbring, aber bei mir geht das definitiv über ein normales Maß hinaus..
Ich war schon immer ein ängstlicher Typ und habe soweit ich denken kann immer eine oder mehrere enge Bezugspersonen um mich rum gebraucht, eben meine Eltern und jetzt heute meinen Freund. Dieses Problem hatte ich auch schon in vorherigen Beziehungen, also ich habe eigentlich immer geklammert..
Bevor ich mit meinem jetzigen Freund zusammen gekommen bin, war ich (zum ersten Mal) eine ganze Weile Single und damit ging es mir auch denkbar schlecht, aber eigentlich habe ich mir in dieser Zeit vorgenommen, mich jetzt mal auf mich selbst zu konzentrieren, mit mir selbst klar zu kommen und das alleine sein zu lernen.. Das hat auch ansatzweise geklappt, zumindest soweit, dass ich nicht mehr jeden Tag kreuzunglücklich war ohne Partner.. Ich dachte damals eigentlich, ich wäre schon auf einem ganz guten Weg, aber heute merke ich, dass es immer noch genauso schlimm ist wie vorher..
Habe dann kurz darauf meinen Freund kennengelernt und mit ihm eine wirklich wunderschöne Beziehung, die schönste und innigste, die ich bisher hatte.
Er ist wirklich ein Schatz, gibt mir auch ein gutes, geliebtes Gefühl, möchte auch gerne soviel Zeit wie möglich mit mir verbringen und ich könnte eigentlich total glücklich sein..
Jetzt kommt aber das große ABER… Denn ich halte es einfach nicht aus, mal ein paar Tage ohne ihn zu sein inzwischen.. Er arbeitet im Schichtdienst und ist deshalb ca. an zwei Nächten pro Woche gar nicht zuhause und da ich immer bis ca. 18 Uhr abends arbeite, sehen wir uns an diesen Tagen dann eigentlich gar nicht. Ich weiß, dass das eben seine Arbeit ist, sie macht ihm auch viel Spaß und hat kein Problem damit, aber mir macht es zu schaffen.. Dazu kommt, dass er einmal in der Woche abends für ein paar Stunden in seinen Verein geht, ich ihn da also auch kaum sehe, da ich meistens schon im Bett bin, wenn er zurück kommt..
Mir ist vom Verstand her klar, dass das alles kein großes Problem ist, wir verbringen ja die restliche Zeit fast immer zusammen, wohnen auch zusammen und ich weiß ja auch, dass er diese Dinge nicht macht, weil er nicht mit mir zusammen sein will.. Aber ich schaffe es trotzdem nicht, meine Gefühle in den Griff zu kriegen. Wenn er dann eben mal einen Tag keine Zeit hat, fühle ich mich verlassen, nicht mehr geliebt und allein und bekomme schreckliche Verlustängste.. Das geht bis hin zur totalen Hysterie, wo ich weder ein noch aus weiß.. Anfangs konnte ich das vor meinem Partner im Griff halten und nicht so zeigen, aber seit wir zusammen wohnen, kann ich es nicht mehr verbergen.. Alle zwei Wochen, wenn er zu seinem Vereins-Abend geht, nehme ich mir vor, ihn diesmal einfach gehen zu lassen, kein Drama zu machen etc. Aber es klappt einfach nicht.. Es gibt jedes Mal Diskussionen, ich versuche ihn zu überreden, doch zuhause zu bleiben, er reagiert dann hilflos, will sich aber auch nicht abhalten lassen, zu gehen.. Die letzten zwei Male gab es ein riesiges Drama deswegen..
Das schlimme ist, dass ich eigentlich weiß, dass es nicht an ihm liegt, sondern an mir, an meinen Problemen mit dem Allein-Sein und mit mir generell. Aber ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, das zu überwinden.. 
Mein Freund ist (noch) verständnisvoll und lieb, aber ich weiß, dass ich auf die Dauer unsere Beziehung gefährde.. Er braucht auch viel Nähe und verbringt gerne Zeit mit mir, aber es gibt eben einige Sachen, die ihm auch viel bedeuten (wie der Verein), die er nicht für eine Beziehung aufgeben möchte.
Und ich weiß ja, dass das auch richtig so ist und möchte ihm das auch eigentlich gar nicht so mies machen immer.
Ich denke der Schlüssel wäre, das Allein-Sein endlich mal zu lernen und vor allem auch mich selbst ein bisschen „wiederzufinden“- also auch etwas finden, womit ich mich gerne alleine beschäftige, mich selbst überhaupt wieder zu spüren und als eigenen Mensch zu empfinden.. Momentan empfinde ich mich nur noch als abhängiges, hilfloses Wesen, das keinen Schritt ohne ihn machen kann und so als hätte ich außer ihm gar kein eigenes Innenleben mehr..
Ich weiß, ich muss unbedingt aufhören mit dem Klammern, einerseits für die Beziehung und andererseits für mich.. Ich weiß nur nicht wie. 
Falls jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder einfach etwas dazu sagen will, wäre ich sehr dankbar!

02.05.2011 14:30 • 09.09.2019 #1


6 Antworten ↓


DieLiebe


Liebe Nina,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich werde zwar diesen Monat schon 42, aber wenn Du meine Tochter wärst würde ich Dich fragen:
Nina!"..liebst Du Deinen Freund?" ich würde Dich außerdem fragen, ob Du Dir nicht auch irgendeine Freizeitbeschäftigung suchen möchtest,... etwas das Dir Spaß macht..

Und ich würde Dir raten, Deinem Freund den Vereinsabend nicht zu verleiden.

Ich glaube, dann habt ihr viel länger etwas voneinander. Er ist noch zufriedener, geht dann nicht mehr mit schlechtem Gewissen.

Ich wünsche Dir und Deinem Freund noch viele glückliche Jahre/Jahrzehnte

Liebe Grüße

02.05.2011 17:39 • #2


Tsumura


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Hallo Nina!

Ich kenne Dein Problem leider nur zu gut. Durch mein oft klammerndes Verhalten habe ich wohl schon so einige Beziehungen gekillt. Wenn ich andere Männer erlebte, die sich so benahmen, dachte ich immer "Meine Güte, was bist Du für ein Weichei! Sei doch froh, dass Du mal Zeit für Dich, Deine Kumpels, Deine Hobbies hast."
Doch dann musste ich diese Züge letztendlich an mir selbst feststellen. Das war ein ziemlicher Schock und ich begann nach den Ursachen zu suchen. Wie so oft liegt ein Schlüsselerlebnis in meiner Kindheit.
Da meine Eltern beide arbeiteten, war ich oft allein, aber das hat mir überhaupt nichts ausgemacht, im Gegenteil, ich habe es genossen, mehr oder weniger tun und lassen zu können, was ich wollte. Eines Tages, ich war 5 oder 6 Jahre alt, sind beide zusammen wegen ihres Geschäftes zum Einkaufen gefahren und haben meinen Bruder und mich zum ersten Mal alleine zu Hause gelassen, weil sich kein Aufpasser organisieren ließ. Ich habe dem Auto hinterhergeschaut und begann zu Heulen wie ein Schlosshund, weil ich plötzlich furchtbare Angst bekam, sie nie wiederzusehen. Ich wusste, es würde nur ein paar Stunden dauern, aber es war von vormittags bis abends. Hinzu kam, dass wir zum ersten mal alleine Mittagessen mussten. Wir wärmten auf, was unsere Mutter uns morgens schon zubereitet hatte. Da kam wieder diese Angst auf und ich konnte nichts essen.
Es war außerdem tiefster, grauer Winter und die Dunkelheit setzte schon gegen 16:00 ein. Das war für mich offensichtlich ein traumatischer Tag, aber so schlimm war es die folgenden Jahre nie wieder. Ich hatte immer viele Freunde, mit denen ich etwas unternehmen konnte - früher spielen, später feiern und was man als Jugendlicher sonst noch so macht - und so kam nie das Gefühl der Einsamkeit auf.
Bis zu der Zeit, als die erste ernsthafte, längere Beziehung in die Brüche ging. Plötzlich fühlte ich mich wieder wie der kleine Junge, der am Fenster stand und einem davonfahrenden Auto hinterherweinte. Diese Leere und Verzweiflung, die sich breit machte, übermannte mich und ich bin wortwörtlich zusammengeklappt.
Das führte wahrscheinlich dazu, dass ich in den folgenden Beziehungen immer stärker versuchte, meine Freundin an mich zu binden, aus Angst, wieder diesen Schmerz ertragen zu müssen.
Dass ich damit nur das Gegenteil erzeuge, ist mir durchaus bewusst, aber ich bin (noch) nicht in der Lage, die Erkenntnisse auch in die Tat umzusetzen. Emotionen sind nun mal in den meisten Fällen um ein vielfaches stärker als die eigene Ratio.
Andererseits verstellt man sich ja auch, wenn man versucht, seine Gefühle durch Logik zu ersetzen. Und das führt wahrscheinlich ebenfalls dazu, dass man auf sein Gegenüber etwas seltsam wirkt.
Zur Zeit ist es leider auch so, dass ich zum ersten Mal alleine wohne (erst Elternhaus, später WGs oder mit Freundin zusammen) und viele meiner alten Freunde mit ihrer Arbeit und Familie/Beziehung "ausgelastet" sind. Ich sitze also abends nach der Arbeit (bin erst immer gegen 21:00, 21:30 zu Hause) meist alleine da und mir fällt die Decke auf den Kopf. Außerdem fehlt mir dann die Ruhe und die Konzentration, um zu lesen oder sogar für länger als 10 min. einem Film oder einer Doku im Fernsehen zu folgen. Die Gedanken kreisen dann immer um das Thema Beziehung/(Ex-)Freundin.

Entschuldigung, jetzt habe ich nur von mir gequatscht, ohne konkret auf Dich einzugehen.
Also, erstens kann ich als Außenstehender nur "DieLiebe" zustimmen. Versuche, Deinem Freund viel Spaß zu wünschen, wenn er losgeht und ihm "seinen" Abend nicht mit einem schlechten Gewissen zu verhageln. Du kannst ihm ja beim nächsten Mal auch auf eine augenzwinkernde Art mitteilen, dass Du ein unglaublich guter Fang bist, weil Du ihm seine Freiheit gewährst und ihm eine "Belohnung" in Aussicht stellen, wenn er nicht zu spät nach Hause kommt (Knick Knack, Sie wissen schon... ).

Versuche doch auch mal, in Deiner Vergangenheit zu kramen. Vielleicht findest Du ja Begebenheiten, die dazu geführt haben, dass Du unter solchen Verlustängsten leidest. Wie man es allerdings schafft, aus diesem Kopfkarussell herauszukommen, wüsste ich auch gerne. Aber dazu gibt es auch hier im Froum sicher viele Hinweise und Tipps von Leuten mit Therapieerfahrung.

Wünsche Dir alles Gute und eine lange glückliche Beziehung!

Liebe Grüße, Tsumu

16.05.2011 13:19 • #3


Malachir


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Zuerstmal: Mein tiefstes Mitgefühl ! Mir geht es manchmal ähnlich wie dir.
Früher hat mir das allein sein nichts ausgemacht. Wenn man jemanden sehr sehr liebt möchte man auch ständig mit ihm/ihr zusammen sein. Ich bin Sternzeichen Fisch. Ich empfinde das so. Natürlich haben unsere Partner eine Arbeit und Hobbies.
Dadurch sind sie längst nicht so empfindlich wie wir die wir öfter alleine sind.
Ich gebe dir jetzt verschiedene Ratschläge: Zuerst: Hört unbedingt auf zu klammern. Damit vertreibst du fast jeden. Garantiert !
Was können wir tun ? Schaff dir einen Hund/Katze an ( zum schmusen ). Such dir irgendetwas was dir Spass macht und tu das.
Nach Möglichkeit etwas wo du mit anderen Menschen in Kontakt kommst. Du brauchst unbedingt "echte" Freunde denen du etwas bedeutest. Wenn du durch dein Hobbie mehr ausgelastest bist wird sich das mit der Einsamkeit schnell geben und es geht dir wieder besser. Gut für dich wäre irgendetwas mit Sport. Dabei werden Endorphine freigeschaltet die dich aus deinen Depressionen herausholen. Ansonsten: wende dich vielleicht an einen guten Astrologen oder mach ne Rückführung. Es gibt da Therapeuten die sowas können. Ich habe sowas gemacht und es hat mir geholfen meine Verlustängste zu verstehen.
Bei mir was es so, ( die die lachen wollen können das gerne tun ) das ich in einem früheren Leben in Russland Bauer war bis ich eines Tages von der Feldarbeit zurückkam und mein brennendes Haus sah. Frau und Kinder auf schreckliche Weise ermordet. Seitdem zieht sich das Thema Verlustängste konsequent durch meine ganzen Leben. Wenn man nicht lernt loszulassen wird das leider immer schlimmer. Lass dir nichts einreden, wenn du klammerst hat das seelische Gründe und du solltest das irgendwie aufarbeiten.
Aber pass auf das du keinem Scharlatan in die Hände fällst.
Ich wünsche dir und jedem anderen der dies liest viel Liebe und Licht ! Verzweifelt nicht ! Sensible Menschen haben es auf dieser Welt nicht immer leicht. Aber es ist kein Verbrechen so zu sein. Wir wurden sehr verletzt und schwere seelische Wunden brauchen eben sehr sehr lange bis sie heilen. Die Zeit heilt eben nicht immer alle Wunden.
Alles Liebe dir ! Lass dich nicht zerstören. Wer dich wirklich liebt wird dich auch verstehen. Vielleicht ist er der Falsche.

06.09.2019 14:32 • #4


Odradek

Odradek


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Bitte mal schnell einen Perspektivenwechsel vornehmen! Stell dir vor, du selbst hättest eine wichtige Aufgabe, so was wie ein Turnier mit deinem Sportverein, in dem du wärst, und dein Freund würde dich davon abhalten wollen, weil er es nicht erträgt, 6 läppische Stunden ohne dich zu sein. Du willst aber zu diesem Turnier. Dein Team braucht dich, und du hast auch Bock darauf. Wie würdest du es finden, wenn dein Freund dir den Spaß und die Freiheit nehmen würde?

Man gönnt dem Anderen seine Freiheiten und seine Ablenkungen. Wenn du das Klammern nicht lässt, ist er über kurz oder lang weg. Ich hatte mal eine Katze auf dem Arm. Ich wollte sie unbedingt dort behalten, weil nämlich gerade ein Hund in unseren Garten gelaufen kam und ich die Katze vor ihm beschützen wollte Ahnst du, was die Katze da getan hat? Die hat mir was gehustet. Die wollte Reißaus nehmen. Davon kann sie kein noch so nettes Angebot abbringen. Wer glaubt, eine Katze gegen ihren Willen auf seinem Arm halten zu können, dem erteilt sie eine Lektion. Sie hat mir die Lippe zerfetzt, ich habe geblutet ohne Ende Und Menschen sind nicht großartig anders als Katzen. Nicht wirklich. Ersticke die Flamme der Freiheit, und die ganze Energie zwischen Mann und Frau geht flöten. - Wenn es nicht anders geht: Lass dir von ihm ein Symbol eurer Liebe schenken. Eine Kette, ein Amulett, irgendsoetwas. Das kannst du halten und angucken, wenn er weg ist. Es ist der Beweis dafür, dass er geht, um zu dir zurückzukommen. Sperr deinen Mann nicht ein. Das ist der beste Weg, ihn los zu werden. Entwickle Vertrauen. Und such dir selbst eine Aufgabe, ein Hobby, dass du prima ohne ihn machen kannst. Atme tief durch! Du schaffst das! Es gibt tausend schöne Sachen, die man ohne Partner machen kann.

Vor 1 Stunde • #5


soleil

soleil


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Zitat:
Was können wir tun ? Schaff dir einen Hund/Katze an ( zum schmusen ).

Ein Tier sollte nur dann "angeschafft" werden, wenn auch wirklich alle Voraussetzungen dafür stimmen. Und nicht nur, um mit ihm zu "schmusen" Ein Tier hat Bedürfnisse und denen sollte man gerecht werden.

Im übrigen stammt der Thread aus dem Jahr 2011. Daher ist eine Reaktion wohl eher nicht zu erwarten.

Vor 1 Stunde • #6


Odradek

Odradek


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Soleil, danke, mir ist das gar nicht aufgefallen der zeitliche Abstand, meine ich.

Das mit der Maske finde ich nachdenkenswert und auch fraglich. Es gibt kein Selbst, keine Person, ohne eine äußerliche Form. Wir müssen also eine Form haben. Sie ist sowohl immer "maskierend" als auch "sprechend". Sie ist gleichermaßen etwas, hinter dem wir uns verstecken, wie auch etwas, durch das wir in Erscheinung treten.

Vor 14 Minuten • #7



Dr. Reinhard Pichler


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