Guten Morgen @Bella1498, grazie mille für die Rückmeldung und schön, dass
wir uns verstehen

.
Zitat von Bella1498: Was ich aber sagen kann, ist, dass ich früher definitiv mit den Gedanken immer in der (meiner Erwartung nach) glücklichen "Zukunft" war und jetzt viel in dem bereits vergangenen hänge.
Hier kannst Du ziemlich gut die durch das Denken erzeugten Grenzen und dadurch die limitierende Welt-Sicht (Framing) erkennen. Das Wollen spielt dabei eine zentrale Rolle. Der menschliche Geist folgt idR einem
Wollens- bzw. Nicht-wollens-Gefälle: man
strebt unbewusst nach
Angenehmem und
flieht unbewusst vor
Unangenehmem. Ich nenne das gerne "Programmierter Wohlerfahrungssuchlauf". Jeder kann das im Alltag bei sich feststellen. Es beginnt bei den subtilsten Themen und endet in existenziellen Überlegungen. Was dabei allerdings nicht so schnell verständlich wird: durch dieses Framing manipulieren wir sowohl uns als Individuum als auch die "Welt" - und damit das, was wir als "unser Leben" wahrnehmen.
Wäre dieses Framing, dieser Suchlauf aufgehoben, läge das von Grund auf "non-duale Faktum", nämlich
Alles, so wie es ist, direkt vor unseren Augen. Die Limitierung wäre aufgehoben, ein wahrlich freies Ausschreiten ungehindert möglich.
Nun zur Hypochondrie. Sie selbst ist in ihrer von Dir geschilderten Ausprägung ebenfalls Teil dieses Framings. Da das Framing, wie oben skizziert, offensichtlich stark fehlerhaft ist, entwickelt der Geist kompensierende Gegenstrategien: immer, wenn etwas nicht "zusammenpasst", versucht er, ein neues Framing zu etablieren. Leider folgt dieses wiederum demselben Muster wie das Grundframing und führt somit zu einer sich gegenseitig bedingenden Endlosschleife (Rückkopplung).
Dies bedeutet im konkreten Fall:
a) Bellas idealisierter Lebensentwurf erhielt durch eine gegenteilige Erfahrung (= die ungesunde Beziehung) einen ersten (?) Riss. Eine (vermeintlich) helle Zukunft wurde von der ersten "dunklen Gegenwart" überschattet.
b) Da die Zukunft (= Studium, USA, Buch schreiben) ein wesentlicher Positivposten des Framings war, musste jegliche Erfahrung, die diesem Setting
nicht entsprach als
Bedrohung des "subjektiven Weltvertrauens" wirken.
c) Je stärker die Lebensorientierung in die Zukunft gerichtet war, umso weniger wird dem aktuellen Erleben Aufmerksamkeit zuteil. Wie in einem Wartemodus steht gewissermaßen das "Jetzt" dem
angestrebten "Jetzt" im Wege.
d) Wichtig:
Das "Jetzt" ist erlebenstechnisch jedoch mit dem "Ich" gleichzusetzen! Das bedeutet, dass gefühlt (= erlebt)
das Ablehnen des Jetzt eine Selbst-Ablehnung darstellt. Natürlich findet dies alles unterbewusst statt und ist damit in seiner Struktur nur schwer erkennbar.
e) Dieser Konflikt (= die Nichtakzeptanz des eigenen Lebens) erfordert ein neues Setup des Framings. Da die Zukunftsorientierung sozusagen "beschädigt" wurde, begibt sich der Geist in die Vergangenheit und fokussiert nun alles, was diese Beschädigung auslöste. Die "ungesunde Beziehung" färbt auf das gesamte aktuelle Erleben ab: so wie es im vorherigen Modus tunnelblickartig auf eine "
gesunde Zukunft" gerichtet war, zielt es jetzt
ebenso chronisch auf eine "
kranke Vergangenheit".
f) Dass dieses Framing-Update nötig war, erklärt die Tatsache, dass der menschliche Geist stets die
Kontrolle haben möchte (was, wie wir oben gesehen haben, letztlich unmöglich ist). Und so strange das klingen mag:
Lieber kontrolliert der Geist die "gesicherte" (!) Krankheit, statt einer unkontrollierten, "ungesicherten" (!) Gesundheit zu vertrauen. Ein Ego lebt von der
Kontroll-Illusion, daher ist sie lebenswichtiger als alles andere. Ständig Angst vor einer Krankheit zu haben, liefert in der Tat, ähnlich wie bei Zwangsstörungen, diese Kontroll-Illusion.
An diesem Punkt ungefähr befindest Du Dich aktuell. Sogar die glückliche Beziehung und die letztlich immer noch prima Rahmenbedingungen dringen nicht durch das etablierte (Negativ-) Framing. Um nun vollständig aus diesem "dualen System" auszusteigen, und sozusagen ins "wahre Leben" zu kommen, muss das Framing gelockert und idealweise aufgelöst werden. Indem Du die einleitenden Erklärungen sowie die Punkte a bis f
verstanden hast, ist der erste und wichtigste Schritt bereits vollzogen. Daraus dürfte ersichtlich werden, dass es nun nicht darum gehen kann, wieder auf das alte Framing "downzugraden", sondern Dich von dem o .g. Wohlerfahrungssuchlauf zu befreien.
Dies funktioniert am besten, wenn man die nötige Rückwärtsentwicklung
an einem konkreten Punkt durchläuft und diesen dann Stück für Stück auf das gesamte Erleben ausweitet. Als konkreter Punkt bietet sich hier natürlich genau die Hypochondrie an, denn das ist der augenscheinliche causus knaxus

. Bei mir z. B. war es die A lkoholsucht, deren existenzielle Betrachtung mich das ganze Prinzip buchstäblich leibhaftig verstehen ließ. Das Prinzip kann nur jemand effektiv vermitteln, der selber den Heilungsprozess durchlaufen hat und dementsprechend auch nachvollziehen kann, wie sich "Gefängnis" und "Freiheit"
im erlebten Vergleich "anfühlen".
Die Rückwärtsentwicklung brauchst Du Dir übrigens nicht so komplex vorstellen wie die eben geschilderte Vorwärtsverwicklung. Es sind dafür keine großen therapeutischen Schemata abzuarbeiten, denn wie gesagt, das Wichtigste ist das Verständnis dessen, was eben aufgezeigt wurde. Der Rest ist exakt ein einziger Vorgang:
Du musst die Angst vor Krankheiten ignorieren.So sehr sich das wie eine Binsenweisheit anhört - es ist der einzige Weg, der in die Freiheit führt. Ich rede hier natürlich von den eingebildeten Krankheiten (zur Sache mit dem Darm etc. habe ich dann noch ein paar praktische Tipps aber das dann später). Und dieser Weg ist zwar einfach, aber nicht leicht. Doch Du wirst aufgrund Deines nun erlangten Basiswissens ein anderes Standing haben. Je nach Intelligenz wirst Du mit jedem "Aushalten" der Angst die Framing Struktur mehr und mehr erkennen und ihre zerstörerische Macht dadurch schmälern.
Wie bei einem Süchtigen, der sich im Zuge seiner Entwöhnung nicht nur von den schädlichen Einflüssen des Suchtmittels (hier: Angst!)
entfernt,
gewinnst Du zeitgleich einen unschätzbaren, echten Mehrwert ganz neu hinzu:
Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.PS Zur Praxis der "Entwöhnung von der Angst" möchte ich Dir gerne diesen Buchauszug ans Herz legen, in dem auf das "Limitierende Framing" eines D rogenabhängigen eingegangen wird. Er ist etwas anspruchsvoll und auch schon einige Jahrzehnte alt - doch er ist m. E. von immensem Nutzen, wenn es darum geht, mit dem Aufhören anzufangen (sic!)

. Ersetze für Dich dabei das Suchtmittel durch den Begriff "Krankheitsangst"...
erfolgserlebnisse-f59/sammelthread-kontemplationen-fuer-individuelle-probleme-t107790-30.html#p2428102