Hallo, Yvonne!

Liebe Lea,
es ist so schön, auf "Gleichgesinnte" (oder auch -verängstigte) zu treffen!

Genau die Info mit dem Hyper-Arousal hat mich quasi gerettet! Also (noch) nicht vor der Schlafstörung an sich, die ist im Moment wieder stärker geworden und ähnlich wie am Anfang, nur ohne die "Erholungsnächte"... Heute konnte ich bis 7 nicht richtig schlafen, als ich das nächste Mal auf die Uhr gesehen habe, war es dann allerdings doch 10 und ich konnte mich über 3h ohne (bewusstes) Aufwachen dazwischen freuen - besonders anspruchsvoll bin ich in Sachen Schlaf heutzutage ja nicht mehr
Aber meine riesige Angst hat eben die ganzen online beschriebenen Anzeichen von FFI (oder auch die nicht erbliche Version davon) betroffen, denn ich habe - auch tagsüber gelegentlich, aber vor allem beim gestressten Wachliegen - immer wieder Muskelzuckungen, und es passiert auch mal, dass eine Hand in einer ungünstigen Position kurzzeitig taub wird. Schwitzen beim Aufwachen oder Wachliegen kenne ich auch sehr gut. Zusätzlich habe ich meine intensiven Träume als Anzeichen dafür gedeutet, dass etwas nicht stimmen kann, weil ich das mit der REM-Störung falsch interpretiert hatte... Dabei merke ich vor allem, wenn ich von einem Alptraum aufwache (was jetzt auch häufiger passiert), dass ich, auch wenn ich im Traum wild herumspringe (hab ich vor kurzem in einem luziden gemacht, um es auszuprobieren) in Wirklichkeit völlig steif daliege und keinen Finger rühre. Ich habe auch gelegentlich Schwierigkeiten, ganz bestimmt zu sagen, ob ich geschlafen habe, und bestimme das dann eher anhand der Erinnerung an Träume oder durch die Beobachtung, dass die Zeit, in der ich auf die Uhr geschaut habe und es dort x Stunden früher war, aus meiner Sicht erstaunlich schnell vergangen ist.
Sowas wie Einschlafattacken oder auch nur die Empfindung richtiger Schläfrigkeit hatte ich seit Beginn meiner Schlafstörung allerdings nie, auch wenn ich mich nach sehr wenig Schlaf körperlich irgendwie komisch fühle - aber als Müdigkeit, die zum Schlafen führt, kann man das nicht bezeichnen. Vielmehr bin ich wie gesagt die meiste Zeit über unfähig zu einem Mittagsschlaf, das war ich auch, als ich am ersten Wochenende insgesamt nur 2h geschlafen habe. Ich gähne schon mal oder denke, bis zum Abend werde ich sicher genug Müdigkeit beisammen haben, um etwas früher einzuschlafen, habe dann aber oft eher Angst davor, dass es tatsächlich soweit wird und es mir wieder nicht gelingt, als dass ich den Augenblick herbeisehne, weil ich ihn als dringend notwendig verspüren würde. Dass das ein eindeutiges Zeichen für eine psychisch bedingte Störung ist, ist für mich eine so unglaubliche Erleichterung!

Wenn ich das gleich am Anfang gewusst hätte, wäre es mir ja vielleicht gelungen, die Angst erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Aber durch das ganze Googeln habe ich mich einfach immer weiter darin bestätigt gefühlt, dass meine Symptome auf was ganz Schlimmes hindeuten. Es ist wirklich heftig, welche Horrorzustände man auf diese Weise bekommen kann!

Ich finde es toll, dass du dich dagegen zur Wehr setzen möchtest - das dürfte vielen anderen Schlaflosen, die ohnehin schon psychisch stark belastet sind, eine Menge an weiteren Problemen ersparen!
Von Apathie oder mentalen Ausfällen kann bei mir auch keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, ich musste in letzter Zeit schon beim Lesen von Nachrichten und E-Mails oder beim Bekanntwerden neuer Coronamaßnahmen weinen und habe zu Beginn der Schlafstörung eine Zeit lang für eine Klausur gelernt (die dann leider auf unbekannte Zeit verschoben wurde ), wobei ich mich selber drüber gewundert habe, dass ich trotz meiner geringen Schlafdauer überhaupt noch kognitiv leistungsfähig war. Beim nächtlichen Wachliegen hab ich mich ständig an Dinge erinnert, die teilweise in meiner Kindheit passiert sind, und wusste wieder ganz genau mit Datum, wann ich bestimmte subjektiv gesehen quälende oder furchtbar peinliche Dinge erlebt hatte - woraufhin ich dann gleich wieder zu schwitzen begann, mein Herz klopfte etc.. Mein Gedächtnis ist also eher hyperaktiv, als dass es irgendwelche Störungen zeigen würde.
Als sich mein Freund nach zwei Wochen wieder gemeldet hat, um mir zu erklären, was bei ihm vorgefallen war, dass er sich so seltsam verhalten hatte, verschlimmerte sich (wohl einfach vor Aufregung) mein Muskelzucken und ich, die in der Nacht davor noch 5h abbekommen hatte, lag wieder mit extremen Krankheitsängsten die ganze Nacht wach und hatte dann noch drei Tage lang ein dauerhaftes Zucken im linken Fuß. Das ist dann "zufälligerweise" verschwunden, als ich wieder verstärkt über andere Dinge nachdachte... Wenn ich mir all diese Dinge vor Augen führe, zusammen mit meiner Hypochonder-Vorgeschichte, ist es schon ziemlich logisch, dass das jetzt auch zu all diesen Zeichen für psychische Anspannung gehört. Erst letzte Woche hatte ich beim Essen und dann noch mal stärker beim Fernsehen wieder ein starkes Derealisationsgefühl, Schwindel und den Eindruck, dass mein Kopf am Zerplatzen ist, musste mich auf den Boden legen und habe dann gezittert und krampfhaft geweint, bis nach einer halben Stunde alles wieder vorbei war.
Ich war immer schon ziemlich ehrgeizig und perfektionistisch, besonders dann ab dem Studium, will auch in der Arbeit immer mein Bestes geben und bin dabei eigentlich auch recht erfolgreich. Während des Semesters und der Arbeitszeit "läuft" es meistens einfach, wobei mir soziale Kontakte zwischendurch aber sehr wichtig sind, auch weil sie mich von übermäßiger Selbstbeobachtung und vom Grübeln abhalten. (Die Panikattacken habe ich immer nur in "Ruhephasen", d.h. im Urlaub etc., wenn ich offenbar nicht genug davon abgelenkt werde, jede Missempfindung zu überanalysieren und mir wegen Dingen Sorgen zu machen, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann.) Dieser Aspekt des direkten Kontakts ist seit Mitte März natürlich weggefallen, zusammen mit dem Rest meines gewohnten Alltags, und diese Zustände sind jetzt wohl einfach eine Folge davon. Wenn sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert hat, werde ich jedenfalls mal eine Psychotherapie beginnen - ich hatte schon früher darüber nachgedacht, aber immer gemeint, ich hätte die Lage doch noch einigermaßen im Griff
LG Maria