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Malkav

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Hallo, ich wollte mich mal an andere Angst geplagte wegen einer ganz speziellen Frage wenden. Dazu muss ich allerdings ein wenig ausholen.

Mein Onkel hat sich als ich ungefähr 10 Jahre alt war umgebracht - aber erst nachdem er seinen Sohn (der damals 4 Jahre alt war) auch umgebracht hat. Diese unbeschreibliche Sache wird bei uns in der Familie, zumindestens väterlicherseits (Eltern geschieden - Großeltern übrigens auch), tot geschwiegen oder gemieden. Ich hab das damals alles nur sehr schwammig mitbekommen und über viele Jahre hinweg nicht gedacht, dass es mich besonders mitgenommen hat.

Ich war immer schon etwas hypochondrisch und konnte darüber auch eigentlich lachen. Es hat mich selten eingeschränkt oder wirklich runtergezogen. Irgendwann fing es dann an richtig extreme Außmaße anzunehmen - warum ist mir noch nicht ganz klar. Jedenfalls bin ich (zwar bewusst) wie wohl jeder Hypochonder jeglichen Krankheitszeichen hinterher gerannt und hab mir reihenweise Negativ Diagnosen von Ärzten abgeholt. Mir war von der rationalen Seite her immer klar, dass es Blödsinn ist was ich mache, aber die Ängste hat das leider nicht vertreiben können. Als ich mich dann über ein halbes Jahr in diese diffusen Ängste reingesteigert habe, die körperlichen Symptome immer schleierhafter und seltsamer wurden (was mich noch mehr in Panik versetzt hat), hatte ich dann irgendwann, als wir Abends weggehen wollten und ich Angst hatte, das mir dort irgendwas passiert, eine Art psychischen Zusammenbruch / Panikattacke oder wie man es auch nennen mag. Da ist das erste mal der Gedanke in meinem Kopf aufgekommen "Ohje, was ist wenn du so bist wie dein Onkel?".

Dieser Gedanke, diese Angst davor, schwer psychisch krank zu sein, anderen Menschen etwas antun zu können, Stimmen zu hören oder jedes andere Symptom das man mit psychischen Erkrankungen in Verbindung bringen kann, belastet mich seit dieser Zeit. Ängste, meine Freundin würde mich verlassen, weil ich in eine Klinik muss oder schlimmer noch ihr etwas antun zu können weil ich irgendwann "austicke" sind völlig unbegründet, aber leider belastend. Ich bin in einer Therapie, die leider nicht viel bringt ausser das, was ich mir selber beigebracht habe in Sachen kognitiver "Umstrukturierung". Es gibt Wochen in denen ich (wenn ich gut abgelenkt bin) überhaupt keine Probleme habe, aber gerade in Zeiten in denen ich weniger zu tun habe und mich nicht wirklich ablenken kann, kommen die Gedanken gerne wieder hoch. Medikamente nehme ich nicht, obwohl ich seit bestimmt einem halben Jahr Tavor hier rumliegen habe, was ich manchmal mit mir rumtrage aber genommen hab ich, wie gesagt, noch keine (und habe es auch nicht vor).

Ich bin mir halt absolut nicht sicher ob es nur ein Zufall war, dass ich meine Hypochondrie (als ich keine körperlichen Krankenheiten mehr finden konnte) auf psychische Krankheiten erweitert habe oder ob da wirklich etwas in mir schlummert(e) wegen meinem Onkel, dass ich nie verarbeitet habe. Früher war das nicht so, aber heute treibt es mir die Tränen in die Augen an ihn zu denken. Er war kein schlechter Mensch. Er hatte einfach nur sehr viele Probleme mit sich selbst und seinem Vater (ähnlich wie ich) und irgendwann ist er halt quasi "verrückt" geworden. Er bekam dann Medikamente, die alles nurnoch schlimmer gemacht haben (auch ein Grund wieso ich darauf verzichte). Mich beschäftigt dieses Thema in letzter Zeit ungemein. Würde gerne mal zu seinem Grab fahren, traue mich aber nicht, dies alleine zu tun. Ich weiss noch wie ich als Kind immer Angst vor ihm hatte, weil er ja "verrückt" war und all so Sachen ... sry wenn ich gerade etwas aufgelöst schreibe, aber so fühle ich mich gerade auch und daher will ich es nicht verschleiern. Er hat unglaubliche Ideen gehabt für okölogische Häuser, wollte die Welt verändern, hat Philosophie studiert ... und dann ... ja. Er war wie gesagt kein Schlechter Mensch oder irgendwas das man mit irgend einer einfachem Satz abstempel könnte - sicherlich war er "krank" zumindestens in dem Moment der unsere Familie für immer verändert hat.

Obwohl er natürlich nicht wie ich war und wir uns schon stark unterscheiden gibt es einige Gemeinsamkeiten und genau das ist es, was mir Angst macht. Diese Panik, so zu werden wie er, meiner Freundin oder meinen irgendwann vorhandenen Kindern (oder anderen Menschen), so etwas anzutun, hängt wie ein Damokles Schwert über mir und manchmal spüre ich, wie in mir etwas einfach nur darauf wartet, bis es soweit ist. Ich hab überhaupt keine Ahnung was ich gegen diese Ängste machen soll (Konfrontation? Wie?) oder welche Therapie die richtige ist und fühle mich damit einfach ziemlich überfordert (auch allein gelassen). Ich weiss nicht, wie ich mich davor schützen kann oder was ich machen kann, damit es "nicht passiert". Mir fehlt natürlich auch der Einblick in seine Geschichte oder generell die Auslöser für solche Erkrankungen.

Ich wollte daher hier im Forum fragen, ob es vielleicht Leute gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder vielleicht einen Rat haben, was ich tun soll. Diese Ängste fressen mich einfach von innen heraus auf, nehmen mir jeden Spass am Leben, da ich ständig Angst vor mir selbst und meinen eigenen Emotionen habe (Bin ich wütend, sehe ich mich gleich als Mörder - bin ich traurig, habe ich Angst ich könnte mich in einem Anfall selbst umbringen).

PS: Entschuldigung für den langen Text, aber es gibt einfach keine Möglichkeit mich noch kürzer zu fassen - zumindestens nicht was dieses Thema betrifft.

Danke schonmal

02.09.2008 21:34 • 22.05.2019 #1


22 Antworten ↓


Powerladyiris


Hallo Malkav,
deine Gedankengänge sind durchaus typisch für Paniker, wobei ich sie selber nicht habe. In dem Buch von Doris Wolf in Sachen Panik steht genau DAS drin.
Dein Onkel war nicht verrückt, nur zu der damaligen Zeit war die Panik auch noch nicht so bekannt und sogar heute glauben noch viele "Gesunde", wri seinen verrückt, dabei sind wir völlig normal, bis auf die Angsterkrankung eben.Das dein Onkel etwas ganz besonderes war, mit vielen Talenten und Ideen ist auch nicht umgewöhnlich. Die meisten von uns sind intelligent, kreativ und sensibel.Ich kann dir aber sagen, dass der Stoffwechsel im Gehirn, ich sag mal so, die "Baureihe" vererbbar ist.Das wiederum sehe ich persönlich dann doch auch als "physisch". Die Panik wird ausgelöst durch 2 Organe im Gehirn, die von unserem Bewusstsein NICHT kontrollierbar ist, zumindestens nicht sofort. Die Amygdala registriert irgend etwas und der Hippocampus vergleicht blitzschnell das "Erkannte" mit " schon mal erlebtem" und dann wird sofort entschieden: gefährlich oder harmlos. Da kannst du so schnell nichts gegen unternehmen, der Körper ist ist im Alarmzustand und schüttet nun Stresshormone aus. Das Problem: Die beiden da oben im Gehirn " irren " sich und das gilt es langfristig zu korrigieren. ( Konfrontation, anders bewerten = umlernen) und das kann dauern Leider gibt es ja auch auch oft Rückschläge.
Ich drücke dir ganz feste die Daumen
Grüssli
Iris

03.09.2008 08:18 • #2


Christina

Christina


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Hallo Malkav,

diese spezielle Angst, sich oder anderen etwas anzutun, hat eher zwanghaften Charakter, als dass es eine Phobie wäre. Aber auch viele Paniker und Phobiker entwickeln solche Ängste mal. Mir scheint es manchmal so, als hätte man - mit oder ohne Therapie - alles durchdiskutiert und ausgeschlossen, was einem "von außen" passieren könnte, bis man dann nur noch selbst als "Gefahrenquelle" übrig bleibt.

Was Dein Onkel hatte, lässt sich natürlich nicht beurteilen. Sicher war er krank, aber was es war, könnten Dir vielleicht Deine Eltern sagen. Ich kann mir vorstellen, dass diese Information für Dich wichtig wäre, damit Du Dich nicht weiterhin in diffuse Befürchtungen reinsteigerst. Klarheit über die Sache und die damalige Lebenssituation Deines Onkels könnte Dir weiterhelfen. Über Vererbung brauchst Du Dir jedenfalls keine Gedanken zu machen. Denn erstens reichen bei keiner psychischen Störung die Gene aus, um krank zu werden, und zweitens ist der Einfluss der Gene auch im "schlimmsten" Fall der "vererbarsten" Krankheit (Schizophrenie), dass nämlich beide leiblichen Elternteile betroffen sind, noch erstaunlich gering (wie man aus Zwillingsstudien weiß). Aber es wäre sicher gut, wenn Du der Angst ein Gesicht geben könntest.

Dass Dein Onkel auch seinen Sohn getötet hat, bezeichnet man als erweiterten Suizid. Das war aus der Sicht Deines Onkels nicht unbedingt eine aggressive Handlung, sondern eher ein Akt der Fürsorge. In solchen Fällen ist es oft so, dass der Täter glaubt, dass seine Angehörigen ohne ihn oder nach seinem Suizid sowieso nicht zurecht kommen werden oder dass er ihnen das als so schrecklich und bedrohlich empfundene Leben generell ersparen will.

Zitat von Malkav:
Medikamente nehme ich nicht, obwohl ich seit bestimmt einem halben Jahr Tavor hier rumliegen habe, was ich manchmal mit mir rumtrage aber genommen hab ich, wie gesagt, noch keine (und habe es auch nicht vor).
Tavor bringt bei derartigen Zwangsgedanken auch nicht so wirklich viel. ADs vom SSRI-Typ wären theoretisch erfolgversprechender, aber bei Angst vor den eigenen Aggressionen auch nicht so sinnvoll.

Zitat von Malkav:
Ich bin mir halt absolut nicht sicher ob es nur ein Zufall war, dass ich meine Hypochondrie (als ich keine körperlichen Krankenheiten mehr finden konnte) auf psychische Krankheiten erweitert habe oder ob da wirklich etwas in mir schlummert(e) wegen meinem Onkel, dass ich nie verarbeitet habe.
Was heißt schon Zufall? Wenn es nicht das Schlimmste wäre, das Du Dir vorstellen kannst, hättest Du keine Angst davor. Und dass es das Schlimmste ist, liegt an Deiner Familiengeschichte. Das erscheint mir logisch, nicht als Zeichen einer tief in Dir schlummernden Gefahr oder Anfälligkeit. Und wenn über ein solches Drama nicht gesprochen werden konnte, ist doch klar, dass es bei Dir Spuren hinterlassen hat. Mit 10 Jahren warst Du alt genug, vieles mitzubekommen, aber noch zu jung, um es ohne Hilfe sinnvoll einordnen zu können.

Zitat von Malkav:
Ich hab überhaupt keine Ahnung was ich gegen diese Ängste machen soll (Konfrontation? Wie?) oder welche Therapie die richtige ist und fühle mich damit einfach ziemlich überfordert (auch allein gelassen). Ich weiss nicht, wie ich mich davor schützen kann oder was ich machen kann, damit es "nicht passiert". Mir fehlt natürlich auch der Einblick in seine Geschichte oder generell die Auslöser für solche Erkrankungen.
Als erstes solltest Du Dir m.E. diese Einblicke verschaffen, ohne falsche Rücksicht auf die lieben Verwandten. Und generell werden alle psychischen Erkrankungen nach Diathese-Stress-Modellen erklärt: Es müssen eine gewisse Veranlagung, bestimmte Entwicklungsfaktoren (Umgebung, in der man aufwächst, Erziehung, sonstige langfristige Rahmenbedingungen wie z.B. Krieg oder auch Naturkatastrophen etc.) und akute Stressoren (meist viele) zusammenkommen, häufig bei gleichzeitigem Fehlen von sog. "Schutzfaktoren" (wie gute Beziehungen, gutes Selbstwertgefühl etc.). Falls Du entsprechende Einblicke in das Leben Deines Onkels bekommst, wirst Du vielleicht nachvollziehen können, welche Faktoren wie gewirkt haben könnten.

Zur Therapie: Such' Dir - egal ob Du nun eine richtige Zwangsstörung hast oder nicht - einen mit der Behandlung von Zwangsgedanken erfahrenen Verhaltenstherapeuten. Im Prinzip geht man da auch mit Konfrontation vor, nur dass man sich eben mit diesen Gedanken konfrontieren muss. Der "Klassiker" ist, dass man seine schlimmsten Befürchtungen ohne jedwede Beschönigung oder Beruhigung in epischer Breite aufschreibt, und zwar detailliert (!) bis zum bitteren Ende. Entweder merkt man schon beim Überlegen und Schreiben, wie abwegig die Befürchtungen sind, oder man bekommt erstmal richtig Angst. Im zweiten Fall spricht man sich die ganze Geschichte auch noch auf Band und hört sie sich täglich eine Stunde lang an, bis die Angst weniger wird. Wie man vorgeht und wie unwahrscheinlich es ist, solche Gedanken jemals in die Tat umzusetzen, kannst Du bei Lee Baer, "Der Kobold im Kopf", nachlesen.

Und dann wurde mir hier im Forum auch mal wegen solcher Zwangsgedanken Hypnose empfohlen. Das klang auch vielversprechend, nur sollte man m.E. darauf achten, das bei einem "richtigen", also approbierten Psychotherapeuten oder Arzt zu machen.

Liebe Grüße
Christina

04.09.2008 15:31 • #3


Malkav


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Hypnose hab ich schonmal in Betracht gezogen, bin momentan aber noch auf der Suche nach jemandem, der vertrauenswürdig zu sein scheint.

Die Umstände die meinen Onkel dazu gebracht haben, sind nicht wirklich geklärt. Ich habe mich in dieser Hinsicht schon viel umgehört, aber keiner weiss wirklich, wass es bei ihm ausgelöst hat. Es gab viele Faktoren die sich von meinem Leben völlig unterscheiden, andere hingegen sind ähnlich. Ich bin mir nicht sicher ob das Wissen über die genauen Umstände (die meinen vielleicht ähnlicher sind als man es mir erzählt - zur Beruhigung) diese Ängste nicht sogar noch weiter verstärkt. Von Seiten meiner Familie wird halt immer gesagt ich seie zu "dramatisch" und würd mir immer soviel sorgen machen und ich solle mich halt einfach ablenken oder es halt einfach (O-Ton) verdrängen - aber so will ich damit nicht umgehen. Ich war noch nie wirklich an seinem Grab (hatte da als Kind immer Angst vor) und suche mir gerade im Freundeskreis jemand, der mit mir dort hingeht ... alleine traue ich mich das wie gesagt nicht, da ich keine Ahnung hab was da mit mir passiert und ich jemanden brauch der mich eventuell "auffangen" kann.

Ich spüre halt einfach nur wie da irgendwas ist, was mir so unheimlich wehtut. Ich bin mir relativ sicher (auch durch die Therapie), dass es noch andere Dinge gibt, die mich sehr belasten (extrem geringes Selbstwertgefühl z.b. gepaart mit fast krankhaftes Perfektionismus), aber es kann gut sein, dass dies ein großer Teil davon ist. Mal abwarten ...

Bei Verhaltenstherapie bin ich immer skeptisch, weil es ja irgendwo von Außen kommt. Jemand der mir sagt, was ich machen soll aber ich muss doch selbst von mir aus lernen mit diesen Gefühlen umzugehen. Ich bin da skeptisch, aber werde vielleicht mal ein paar Probesitzungen machen ...

04.09.2008 16:23 • #4


Reggae


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Hallo Malkav!

Weißt du, mir geht es ganz ähnlich wie dir...
Bei mir war es nur etwas anders..eine Bekannte meiner Eltern erkrankte vor 2einhalb Jahren an Depressionen, ich wusste damals noch nihct einal so wirklich was das überhaupt ist, ich weiß nur als ich damals danach fragte hatte ich ein schreckliches Bild davon. Ein Bild pflanzte sich in meinen Kopf so quasi -Viele depressive nehmen sich das Leben, weil sie nicht merh glücklich sein können und diese Krankheit sei unheilbar-...
das war ein Schock für mich...schlagartig machte ich mir Sorgen an so etwas zu erkranken...das ganze dauerte einen Monat bis es wieder ging..
Vor einem Jahr etwa wurde es ähnlich wie bei dir...ich hatte natürlich immer noch dieses Bild depressive Menschen nehmen sich das Leben usw. und da ich natürlich davon überzeugt war so etwas zu haben oder irgendwann einmal zu bekommen spuckt der Gedanke des Selbstmords in meinem Kopf herum...Ich hatte natürlich nie vor mir das Leben zu nehmen aber meine Gedanken kreisten ständig darum und ich hatte panische Angst vor mir selbst. Wenn ich über eine Brücke ging war da dieses "was wäre wenn du jetzt einfach da runter springst" in meinem Kopf obwohl ich es auf keinen Fall wollte, aber da war diese enorme Angst die Kontrolle über mich selbst zu verlieren...oder wenn ich Gemüse schneide war da der Gedanke mit den Pulsadern...es war furchtbar, einfach dieses Gefühl die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden...
Weißt du was mir geholfen hat?
ich betete...aber das war nicht so einfach , ich schrieb mir den 91. psalm auf(oder auch schutzpsalm) und betete vor dem einschlafen und aufstehen oder wenn mir danach war und glaubte fest daran und vertraute auf die Worte...wichtig dabei ist sich darauf zu konzentrieren, und nur auf die Worte und sie wirken zu lassen...für mich war das so eine Art Zuflucht, weil ich nie wusste was sollte ich tun wenn ich meine ich werde verrückt oder ich kann nicht merh klar denken ?Da fühlte ich mich unendlich verloren...und da half mir dieses Gebet einfach ich konnte mich irgendiwe festhalten...vielleicht hast du soetwas schon probiert, aber wenn nicht versuchs mal mir hat es sehr geholfen!
=)
Liebe Grüße und alles erdenklich Gute!

12.09.2008 16:43 • #5


Chiemgauerin


Ich kann deine Empfindungen sehr gut nachfühlen und wenn Du magst, dann schau doch mal auf meiner homepage vorbei unter http://www.tu-dir-gut.net. Ich war selbst jahrelang Betroffene und habe eine Gruppe gegründet, die sich wöchentlich zum Austausch und zur Aufarbeitung trifft.

Freue mich, von Dir zu hören.

17.12.2008 13:21 • #6


shaggy1992


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Halli hallo!
ich weiß, dein beitrag ist älter. abe rich hab ihn gelesen und ich musste inefach darauf antworten, weil er mich sehr berührt hat.
Mir geht es genauso wie dir, ich habe exakt die gleichen ängste. habe auch gerade eine therapie angefangen, weil ich nicht mehr weiter wusste, und ich zusätzlich noch diue angst hatte, die vollkommene kontrolle über mich zu verlieren. ich habe wochenlang, monatelang gerätselt, was mit mir los ist. ich hab ein perfektes leben, alles ist so wie ich es haben möchte bis auf kleingkeiten. ich hab verständnissvolle eltern, verständnissvolle freunde, tolle hobbies und eigentlich sollte ich sehr sehr glücklich sein. bis vor einem halben jahr war ich das auch noch aund aufeinmal ging es mit den ängsten los. und jetzt gehts nicht mehr weg. mittlerweile denke ich, dass ich mich selbr kapuut mache. war erst zweimal beim therapeuten, hoffe das die therapie anschlägt. genau wie du lasse ich mich auch ablenken, kann auch glücklich sein, habe dinge, die mir spass machen. aber diese gedanken sind im hinterkopf, und sobald die ablenkung nachlässt, kommen sie wieder.
mich würde einfach mal interessieren, wie es dir jetzt geht? bist du noch in therapie?
liebe grüße,
shaggy

28.01.2011 12:47 • #7


Mary2019


Wirre Gedanken

Hallo liebe Community,

es freut mich hier zu sein. Der Grund warum ich hier schreibe ist, dass ich mich derzeit in einer Lebenskrise befinde und meine Ängste wieder akut da sind. Ich suche daher ein wenig Aufmunterung und den Austausch mit gleichgesinnten.

Zu mir: ich bin w (32) und leide seit meiner Kindheit an eine Hypochondrie +Panikattacken+Zwangsgedanken /Angstgedanken. Medikamente nehme ich keine bzw. habe ich nie genommen. Eine VT hatte ich in der Vergangenheit gemacht und konnte dadurch besser mit der Erkrankung bzw. mit mir umgehen.

Worum geht es mir genau?
Ich hatte in den letzten 12 Monaten mehrere Schicksalsschläge in der Familie zu erleiden und merke seitdem wie mich meine Ängste immer mehr einholen und lähmen.

Meine Krankheitsängste beziehen sich speziell auf Angst vor psychischen Krankheit wie Psychose / Schizophrenie / Depression. Angst verrückt zu werden -> Angst vor absoluten Kontrollverlust. Woher kommen diese Ängste ? Ich leide speziell an den Symptome Dep./Der. , was mir immer noch große Angst bereitet. Ich weiß zwar, dass dies ein Schutz Modus meiner Psyche/Gehirn ist und mir nichts weiter passiert ... Dennoch ist meine Angst und Phantasie sehr aktiv und malen sich die schlimmsten Katastrophengedanken aus. In meiner jetzigen Verfassung ist dies natürlich ein gefundenes fressen und meine Angst gibt richtig Vollgas.

Aktuell tanzt mir meine Angst so auf der Nase herum, dass ich mich frage, wann werde ich verrückt ?!

Durch meine derzeitige ständige Angst lasse ich mich sehr schnell von inneren und äußeren Reizen verwirren. Selbstbeobachtungsmodus: Ich achte verstärkt darauf, ob ich Halluzinationen habe oder stimmen höre. Was ich nicht habe, aber jede kleinste Ungewöhnlichkeit deute ich als Gefahr und als Hinweis dafür, dass ich eine Psychose habe oder bekomme.

Zum Beispiel hatte ich vor ein paar Tagen eine Sehstörung/Wahrnehmungsstörung: Ich hatte Gesichter verzogen wahrgenommen ( höhere Stirn ) oder die Nase war kurz weg und nach nochmaligen hinsehen war natürlich alles in Ordnung. Oder stimmen nehme ich kurz verzerrt war ( verlangsamt zB). Das hat mir ziemlich Angst gemacht und ich habe verstärkt darauf geachtet ob ich irgendwelche komischen Wahrnehmungen habe. Daraus hat sich dann der Angstgedanke entwickelt Warum haben wir Menschen eigentlich alle Nasen ?

-Meine Psychologin meinte trotzdem, es ist alles in Ordnung und es kommt alles von der Angststörung -

Bei solchen wirren Angstgedanken bekomme ich ziemlich Angst Ich kontrolliere mich ständig - sei es körperliche und Gedanklich ( Was denke ich gerade und wieso etc. ) Das macht mich irre

Als nächstes kam dann vor paar Tagen die Angst an einer Depression zu leiden oder eine zu bekommen - weil ich manchmal so hoffnungslos bin und keine Aussicht auf Besserung in dem Moment empfinde. Ebenfalls hatte mich meine Psychologin/ Hausärztin gefragt, sind sie Suizid gefährdet bzw haben Gedanken ? Hab ich natürlich verneint, hat mich aber so verunsichert. Das ganze hat sich dann so weit hochgeschaukelt, dass ich Angst davor hatte mich dann umzubringen. Angstgedanken Was ist wenn du jetzt selbstmord begehst ? Ich war so verwirrt und dachte mir so bin ich das jetzt wirklich oder ist es nur die Angst die mir einen Streich spielen will ?

Kennt jemand sowas auch ? Speziell so verwirrende negative Angstgedanken gepaart mit Dep./Der. Zuständen ? Wenn ja, wie geht ihr damit um ?

Ich steigere mich sehr gerne in solchen Situationen rein und bin dann wie gelähmt vor Angst

08.04.2019 14:41 • #8


DieAlex

DieAlex


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Hallo

Herzlich Willkommen

08.04.2019 15:12 • x 1 #9


Icefalki

Icefalki


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Zitat von Mary2019:
Ebenfalls hatte mich meine Psychologin/ Hausärztin gefragt, sind sie Suizid gefährdet


Ist ne Standartfrage. Wurde ich auch gefragt.

Unspezifische Ängste brauchen einfach einen Namen. Denk ich mal. Mir ging es genauso. Und je nach Persönlichkeit, suchen wir den eben im körperlichen Bereich,oder im psychischen. Im Prinzip egal, denn hier geht es nur um Angst und den jeweiligen Symtomen. Der eine steht neben sich, der andere fühlt es im Magen, im Herz, und natürlich dann nur im schlimmsten Bereich.

Allem zugrunde ist es dieser Verlust der Kontrolle. Nix passt mehr, alles ist angstbesetzt. Und je mehr man in diesem Strudel gefangen ist, desto schlimmer die Gedanken.

08.04.2019 17:38 • x 1 #10


Mary2019


Zitat von Icefalki:

Ist ne Standartfrage. Wurde ich auch gefragt.

Unspezifische Ängste brauchen einfach einen Namen. Denk ich mal. Mir ging es genauso. Und je nach Persönlichkeit, suchen wir den eben im körperlichen Bereich,oder im psychischen. Im Prinzip egal, denn hier geht es nur um Angst und den jeweiligen Symtomen. Der eine steht neben sich, der andere fühlt es im Magen, im Herz, und natürlich dann nur im schlimmsten Bereich.

Allem zugrunde ist es dieser Verlust der Kontrolle. Nix passt mehr, alles ist angstbesetzt. Und je mehr man in diesem Strudel gefangen ist, desto schlimmer die Gedanken.



Danke dir für deine Nachricht. Wie gehst du speziell in solch einer Situation damit um ? Bzw. welche Strategien hast du für dich entwickelt?

08.04.2019 17:49 • #11


Icefalki

Icefalki


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Mir eingestanden, dass ich hinter meiner taffen Fassade ein ganz unsicherer Mensch war. Kapiert, dass ich beschissen aufgewachsen bin, man mir eingebläut hat, dass man zu funktionieren hat. Und diese ganzen Muster dahinter dann verstanden habe und am verändern bin.

Und das ist richtig Arbeit. Was aber den Durchbruch gebracht hat, dass alles gar nicht schlimm ist, sich seine Schwächen auf mal bewusst zu werden.

Schau dir deine Angst doch an. Verrückt zu werden bedeutet doch, anderen ausgeliefert zu sein, und das fühlst du doch gerade. Reine Hilflosigkeit, kein Ausweg mehr zu haben. Aber ist das wirklich so?

08.04.2019 18:03 • #12


Mary2019


Zitat von Icefalki:
Mir eingestanden, dass ich hinter meiner taffen Fassade ein ganz unsicherer Mensch war. Kapiert, dass ich beschissen aufgewachsen bin, man mir eingebläut hat, dass man zu funktionieren hat. Und diese ganzen Muster dahinter dann verstanden habe und am verändern bin.

= Ist bei mir genau dasselbe.

Und das ist richtig Arbeit. Was aber den Durchbruch gebracht hat, dass alles gar nicht schlimm ist, sich seine Schwächen auf mal bewusst zu werden.

= Da gebe ich dir recht. Es ist verdammt harte
Arbeit daran zu arbeiten. Ich hatte in der Vergangenheit 2 Jahren Therapie gemacht und
daran gearbeitet.

Schau dir deine Angst doch an. Verrückt zu werden bedeutet doch, anderen ausgeliefert zu sein, und das fühlst du doch gerade. Reine Hilflosigkeit, kein Ausweg mehr zu haben. Aber ist das wirklich so?

= Nein, meine Wahrnehmung ist komplett übersteigert - zumindest wenn ich in guten Momenten darüber nachdenke. Wenn die Angst
wieder losgeht, dann ist alles Ausweglos und übertrieben von den Emotionen her.

Nimmst du Medis ?

08.04.2019 18:22 • #13


Icefalki

Icefalki


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Ich bekam Citalopram. Hab aber schon seit vielen Jahren keine Panik mehr. Vorher 17 Jahre lang.

Da ich quasi chronisch bin, muss ich mir immer und immer klar machen, dass ich immer einen Ausweg habe. Damit komme ich dann klar.

In meiner Hochphase konnte ich diese Gedanken aber auch nicht denken, weil ich auch nur in der Symptomatik hing. Hab dann unter dem AD meine Probleme aufgearbeitet. War damals so ruhig, wie nie zuvor in meinem Leben.

08.04.2019 18:43 • #14


Mary2019


[quote="Icefalki"]Ich bekam Citalopram. Hab aber schon seit vielen Jahren keine Panik mehr. Vorher 17 Jahre lang.

= Bekam? D.h. du nimmst aktuell keine AD und
kommst gut zurecht im Leben !? Wenn ja, dann
freut mich das für dich

Ich frage so genau, weil ich mir aktuell darüber Gedanken mache, ob es Sinn machen würde AD zu nehmen - zumindest für eine kurze Zeit. Obwohl ich total Anti Medis bin und es eigentlich vermeiden möchte...

Da ich quasi chronisch bin, muss ich mir immer und immer klar machen, dass ich immer einen Ausweg habe. Damit komme ich dann klar.

In meiner Hochphase konnte ich diese Gedanken aber auch nicht denken, weil ich auch nur in der Symptomatik hing. Hab dann unter dem AD meine Probleme aufgearbeitet. War damals so ruhig, wie nie zuvor in meinem Leben

= Mir ging es damals genauso. Ich konnte während der Therapie alles entspannt aufarbeiten.
/quote]

08.04.2019 19:08 • #15


Icefalki

Icefalki


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Nehme schon lange kein AD mehr. Würde aber sofort wieder zugreifen, wenn der Mist wieder beginnen würde.

Zumindest, weil es mir so prima geholfen hat. Manchmal braucht man einfach mal eine Auszeit von der Symtomen. Ist doch nur ne Quälerei. Blöd ist, wenn die nicht wirken, was man hier so bei manchen Usern mitbekommt. Das ist dann echt Mist.

08.04.2019 19:13 • #16


Mary2019


Zitat von Icefalki:
Nehme schon lange kein AD mehr. Würde aber sofort wieder zugreifen, wenn der Mist wieder beginnen würde.

Zumindest, weil es mir so prima geholfen hat. Manchmal braucht man einfach mal eine Auszeit von der Symtomen. Ist doch nur ne Quälerei. Blöd ist, wenn die nicht wirken, was man hier so bei manchen Usern mitbekommt. Das ist dann echt Mist.



Ich frag mal ganz dumm, als jemand der null Erfahrung hat mit AD: Sind die Symptome komplett weg dann oder nur weniger stark ? Die Angst/Panik ist gedämpft und somit ertragbar? Wie war es für dich ?

08.04.2019 19:24 • #17


Icefalki

Icefalki


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Zitat von Mary2019:
Ich frag mal ganz dumm, als jemand der null Erfahrung hat mit AD: Sind die Symptome komplett weg dann oder nur weniger stark ? Die Angst/Panik ist gedämpft und somit ertragbar? Wie war es für dich ?


1. Hatte ich eine fette Depri.

2. 17 Jahre vorher Panik. Oder nenn es Angst vor der Angst. Hab aber immer gearbeitet, meine Kinder versorgt, mich eben durchgemogelt. Bedeutet, Adrenalinausschüttung war mir total vertraut.

3. Da es mir so beschissen ging, hatte ich null Angst vor irgendwelchen Nebenwirkungen, im Gegenteil, es konnte nur aufwärts gehen.

4. Hatte ich keine hypochondrische Ängste, hab meine Extrasystolen abklären lassen und war zufrieden.

5. Innerhalb 14 Tagen war ich ruhig. Man könnte es so beschreiben, dass eine Barriere zwischen dem aussen und dem innen fühlbar war. Ruhe, Ausgeglichenheit, mich hat nix mehr gestört. Keine Angst, keine Depri.

6. Jetzt begann meine wirkliche Arbeit. Hab Job gewechselt, neue Ausbildung gemacht und an meinen ureigensten Problemen gearbeitet.

7. Diese Probleme würden immer wieder kommen, wenn ich nicht gedanklich dagegen angehen würde. Und muss auch meine Grenzen akzeptieren. Das ist das Schwerste überhaupt.

8. Keine Ahnung wie es mich schleudert, wenn ich wirklich vor einer bischissenen Situation stehe. Aber damit beschäftige ich mich erst, wenn Tag X kommt.

08.04.2019 21:24 • x 2 #18


Schlaflose

Schlaflose


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Zitat von Mary2019:
Ich frag mal ganz dumm, als jemand der null Erfahrung hat mit AD: Sind die Symptome komplett weg dann oder nur weniger stark ? Die Angst/Panik ist gedämpft und somit ertragbar?


Das kann man nicht verallgemeinern. Manche sprechen sehr gut auf ein AD an und die Symptome verschwinden komplett, bei anderen werden sie weniger stark und manche sprechen gar nicht darauf an. Oft muss man auch mehrere ADs ausprobieren, bis man das richtige für sich selbst findet.

Zitat von Mary2019:
Ich frage so genau, weil ich mir aktuell darüber Gedanken mache, ob es Sinn machen würde AD zu nehmen - zumindest für eine kurze Zeit.


Was meinst du mit kurzer Zeit? ADs sind auf langfristige Einnahme gedacht. Es dauert durchschschnittlich 3-4 Wochen, bis eine positive Wirkung eintritt. Dann sollte man das AD weiternehmen, bis man mindestens 6 Monate symptomfrei ist (wenn es überhaupt so weit kommt) und dann anfangen auszuschleichen, was wieder mehrere Woche oder auch Monate dauern soll, bis man auf 0 ist.

09.04.2019 09:42 • #19


LouM


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Hypochondrie und Angst vor psychischen Krankheiten

Hallo ich habe vor kurzem die Diagnose Hypochondrie erhalten. Mir fällt es noch schwer mich mit der Diagnose anzufreunden, da meine Hauptangst momentan bei psychischen Krankheiten (va Schizophrenie, bipolar, Borderline) liegt. Sonst hatte ich immer Angst vor körperlichen Krankheiten jetzt sind es psychische.

Kann man als Hypochonder auch hauptsächlich Angst vor psychischen Krankheiten haben?
Und kann man sich dann auch Symptome einreden oder verstärken wie es bei der Angst vor körperlichen Krankheiten der Fall ist?

21.04.2019 22:59 • #20




Prof. Dr. Heuser-Collier

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