8

timmae87

timmae87

117
3
29
Hallo,

ich melde mich mal mit einem akuten Problem:

Ich habe letzten Sonntag im Garten einen Krampfanfall erlitten und wurde per Rettungsdienst ins Krankenhaus eingeliefert. Sämtliche Untersuchungen auf der Neurologie verliefen ergebnislos (Schädel-MRT altersgerechter Normalbefund, EEG ohne Befund, Doppler-Sono von Hals- und Hirngefäßen ohne Befund, Blutbild alles im Normbereich). Ich wurde am Dienstag entlassen mit der Aussage, dass es keinerlei Hinweise auf Epilepsie gibt. Vielmehr sei es ein einmaliges Anfallsereignis gewesen, dessen Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit in der am 21.05. ohne Ausschleichen begonnenen Umstellung von Escitalopram 15 mg auf Venlafaxin zu suchen ist. Das Venlafaxin soll ich trotzdem weiter wie von der Psychiaterin angewiesen wöchentlich aufdosieren (derzeit 75 mg).

Seit dem ich am Dienstag zu Hause bin verfolgt mich trotz des Entlassungsbefundes die Angst vor dem nächsten Krampfanfall, vielleicht auch durch die Nebenwirkungen des Venlafaxin (Benommenheit, Schwindel, Sehstörungen, Muskelschmerzen, Übelkeit, etc.) verstärkt. Ich traue mir quasi fast überhaupt nichts mehr zu und verbringe den Tag größtenteils auf der Couch, damit ich beim nächsten Anfall auch ja weich falle. Ich hab zwar schon bei meinem Psychotherapeuten auf den AB gesprochen und um einen Notfalltermin gebeten (Verhaltenstherapie im Februar eigentlich erfolgreich beendet) und auch bei der Psychiaterin am Mittwoch nochmals telefonisch bzgl. der Medikamentendosierung "rückversichert", aber die Angst vorm nächsten Anfall sitzt mir einfach weiter im Nacken.

Kann mir vllt. jemand Tips geben, wie ich mit dieser Angst umgehen kann bzw. wie ihr aus solchen Situation gefunden habt? Vielen Dank schon mal!

31.05.2019 09:22 • 07.06.2019 #1


22 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki


14465
11
11375
Zitat von timmae87:
Kann mir vllt. jemand Tips geben, wie ich mit dieser Angst umgehen kann bzw. wie ihr aus solchen Situation gefunden habt? Vielen Dank schon mal!


Das dauert und ist total nachvollziehbar. Wie du jetzt selbst bemerkst, ist Angst immer das gleiche Gefühl. Entweder man befürchtet zurecht eine ungute Situation, oder man hat Ängste, ohne Grund. Aber das Empfinden ist dasselbe.

So ein einschneidendes Erlebnis braucht seine Zeit um das zu verdauen. Was hilft ist das AD, wenn es wirkt. Ich habe gerade vor 14 Tagen begonnen, gleich die volle Dosis, weil ich das ganze Theater kenne. Allerdings auch, wenn die Wirkung dann eintritt. Aber da muss man durch. Dass das bei dir so beschissen abgelaufen ist, ist natürlich extrem schlimm, und nachvollziehbar, dass du nun noch mehr Angst hast.

Ich bin pragmatisch. Auf dem Sofa liegen ist total schlecht. Also, wenn du Angst vor Umfallen hast, setz einen Fahrradhelm auf, zieh dich fahrradmässig an und bewege dich draussen, schieb das Rad, oder fahre damit Umfallen ist nur gefährlich, wenn der Kopf auf den Boden knallt. Der Rest ist schimmstenfalls im Frakturbereich, und reparabel.

Zuhause sieht eh niemand, wenn du deinen Kopf schützt. Auf Dauer lernst du, dass nix passiert, das Medi kann greifen und alles wird besser.

Mag sein, dass das therapeutisch etwas unklug ist, aber nix mehr tun, ist noch schlimmer. Und nur rum liegen baut Muskulatur ab, man wird immer eingeschränkter, hat keine Ablenkung mehr, und das Thema bleibt erhalten. Meiner Meinung nach ist es ok, bissle ums Eck denken und Hilfsmittel zu benutzen.

31.05.2019 11:57 • x 1 #2


timmae87

timmae87


117
3
29
Vielen Dank für deinen Beitrag!

Das mit dem Fahrradhelm ist auf jedenfall mal ein Versuch wert, auch wenn mein Therapeut davon sicher nicht begeistert wäre (von wegen weiteres Fallnetz bzw. Sicherheitsschranke). Ich glaube diese übersteigerte Angst vorm nächsten Anfall hängt auch mit dem Aufdosieren des Venlafaxin zusammen (seit Dienstag 75 mg). Beim Aufwachen ist alles noch halbwegs okay, schlimmer wirds erst eine Stunde nach Einnahme der Venlafaxin-Kapsel. Gegen Abend wirds auch wieder besser. Wahrscheinlich weil dann die Halbwertszeit des Medikaments erreicht ist und die teils doch belastenden NW nachlassen?! Mir grauts schon vor der nächsten Dosiserhöhung am Dienstag, aber ich werds weiter durchziehen.

31.05.2019 12:33 • #3


Icefalki

Icefalki


14465
11
11375
War ja auch nur ein Gedanke. Ünrigens hatte ich das auch. Mein Psychiater hat mir das aber erklärt, dass es zu dieser Wirkung kommt. Man nicht weiss, sind das nun Nebenwirkungen oder die Krankheit.

Durchhalten. Wird besser. Stell dir vor, wie schön es wird, wenn du zur Ruhe kommst. Dann kannst du richtig an den Problemen arbeiten, weil dein Verstand wieder funktioniert. Vorher ist alles reines ekliges Gefühl. Man wird ständig durchflutet. Hippelig,, Gedanken kreisen, totale Unruhe. Ist heftig, aber vorher war es das ja auch.

31.05.2019 12:43 • x 1 #4


timmae87

timmae87


117
3
29
Zitat von Icefalki:
War ja auch nur ein Gedanke. Ünrigens hatte ich das auch. Mein Psychiater hat mir das aber erklärt, dass es zu dieser Wirkung kommt. Man nicht weiss, sind das nun Nebenwirkungen oder die Krankheit.


Meine Psychiaterin hat mir leider gar nichts erklärt. Auch auf meine nochmalige Nachfrage, ob man das Escitalopram nicht normalerweise erst ausschleichen sollte, kam nur ein "das ist nicht nötig, da passiert nix". Als ich ihr am Mittwoch telefonisch von dem Vorfall berichtet hab, kam dann plötzlich ein "das war sicher ein Entzugsanfall vom Escitalopram".

31.05.2019 13:06 • #5


blue1979


350
5
178
Wenn es ein einmaliges Ereignis war, würde ich das nur therapeutisch aufarbeiten und ggf. Notfallmedi geben lassen .das kannst du dir selbst nicht geben aber Freunde u eingeweihte .
Beim zweiten Anfall würde ich mir dann definitiv notfallmedi aufschreiben lassen und an Epilepsie denken.
Ich weiß wovon ich rede, mein Sohn hatte zwei schwerste Anfälle und Die Angst vor einem noch größeren Anfall hat mich drei Jahre lang halb verrückt werden lassen. Nun sehe ich das lockerer , leben ist Risiko. Interessant waren die eegs, seine eegs waren angeblich in der Kinderklinik astrein .jahre später in der Uniklinik nicht rein und seit dem weiß ich, dass ich eegs nicht mehr von Kinderärzten lesen lasse sondern von epileptologen.
Was mich nerven würd , wäre die saloppe Reaktion deiner Psychiaterin und du musst in Zukunft noch mehr auf dich achten und hartnäckig dranbleiben , dass du alle Infos bekommst , die du brauchst.

31.05.2019 13:43 • x 1 #6


Angor

Angor


9676
7
14705
Zitat von timmae87:
Auch auf meine nochmalige Nachfrage, ob man das Escitalopram nicht normalerweise erst ausschleichen sollte, kam nur ein "das ist nicht nötig, da passiert nix"


Zwischen Escitalopram und Venlaflaxin bestehen erhebliche Wechselwirkungen !

Was kann passieren?
Bei Kombination der Arzneimittel können unerwünschte Wirkungen, die möglicherweise lebensbedrohlich sein können, vermehrt auftreten wie beispielsweise starkes Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Zittern, krampfartige Muskelzuckungen, Unruhe, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Fieber.

Was ist zu tun?
Die Arzneimittel sollten nicht miteinander kombiniert werden. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber, welche Maßnahmen erforderlich sind.
Suchen Sie umgehend einen Arzt auf, wenn Sie eine oder mehrere der beschriebenen unerwünschten Wirkungen an sich beobachten.

Wer ist besonders betroffen?
- Ältere Patienten
- Frauen
- Patienten mit
- vorbestehenden Herzkrankheiten
- angeborenem QT-Syndrom
- eingeschränkter Leberfunktion
- vermindertem Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumgehalt im Blut (zum Beispiel durch Erbrechen oder Durchfall)
- vergrößertem Herzmuskel
- Herzrhythmusstörungen

Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/Medika...kungscheck

31.05.2019 13:49 • x 1 #7


timmae87

timmae87


117
3
29
Zitat von blue1979:
Was mich nerven würd , wäre die saloppe Reaktion deiner Psychiaterin und du musst in Zukunft noch mehr auf dich achten und hartnäckig dranbleiben , dass du alle Infos bekommst , die du brauchst.


Diese Reaktion nervt mich auch, aber was soll ich machen?! Letztes Jahr im April habe ich Wochen gewartet, um überhaupt ein Termin bei einem Psychiater in der Umgebung zu bekommen. Das kann und will ich mir in der jetzigen Situation nicht leisten.

Ein Notfallmedikament hat man mir auf der Neurologie der Uniklinik nicht verschrieben, da sämtliche Untersuchungen keinen Hinweis auf Epilepsie geben. Man geht wie bereits erwähnt von einem einmaligen Krampfereignis aus ... wollen wir hoffen, dass sie Recht behalten.

31.05.2019 14:03 • #8


Angor

Angor


9676
7
14705
Zitat von timmae87:
Man geht wie bereits erwähnt von einem einmaligen Krampfereignis aus ... wollen wir hoffen, dass sie Recht behalten.

Und wegen der Wechselwirkung möchtest Du nicht sicherheitshalber Deinen Arzt kontaktieren?

31.05.2019 14:10 • #9


timmae87

timmae87


117
3
29
Zitat von Angor:
Und wegen der Wechselwirkung möchtest Du nicht sicherheitshalber Deinen Arzt kontaktieren?


Ich hab am Montag Vormittag wieder einen Termin bei meiner Psychiaterin und werde auch das noch mal ansprechen. Wechselwirkungen sollten mittlerweile aber doch hoffentlich ausgeschlossen sein, die letzte Einnahme von 15 mg Escitalopram erfolgte ja am 20.05. und sollte doch langsam abgebaut sein, oder?

31.05.2019 14:18 • #10


Angor

Angor


9676
7
14705
Ach so, dann habe ich das falsch verstanden, ich dachte Du wärst noch am ausschleichen. Also hast Du einfach abrupt abgesetzt?

31.05.2019 14:24 • #11


timmae87

timmae87


117
3
29
Zitat von Angor:
Ach so, dann habe ich das falsch verstanden, ich dachte Du wärst noch am ausschleichen. Also hast Du einfach abrupt abgesetzt?


Ja, am 20.05. das letzte Mal 15 mg Escitalopram ... tags darauf dann 37,5 mg Venlafaxin. Wie bereits erwähnt, hab ich auch extra nochmal nachgefragt, ob man das ohne ausschleichen einfach so machen kann. Lt. meiner Psychiaterin kein Problem?!

31.05.2019 14:28 • #12


Angor

Angor


9676
7
14705
Sofort am nächsten Tag das Venlaflaxin? Damit es nicht vielleicht zu einem Serotoninsyndrom kommt, sollten zwischen den Wechsel der Medis eigentlich mindestens 14 Tage liegen.

Absetzsymptome beim plötzlichen Absetzen von Escitaalopram können noch über Wochen andauern, dehalb wird eigentlich immer ein langsames Ausschleichen empfohlen.

31.05.2019 14:39 • x 1 #13


timmae87

timmae87


117
3
29
Danke für die Aufklärung ... das hätte ich mir so in der Form am 20.05. gern von meiner Psychiaterin erhofft.

31.05.2019 14:44 • x 1 #14


Angor

Angor


9676
7
14705
Wieso sollst Di eigentlich das Medi wechseln? Oder wirkte es nicht mehr so gut? Dann hättest Du eventuell noch auf 20 mg aufstocken können.

Nun, jeder hat natürlich eine andere Erkrankung bzw. Symptomatik, damitt er ein bestimmtes Medi bekommt. Ich selber bin aber mit dem Escitalopram ganz gut zufrieden.( Angsstörung, Depressionen)

31.05.2019 14:47 • #15


timmae87

timmae87


117
3
29
Ich war mit dem Escitalopram auch ne Zeit lang zufrieden (bin sogar ziemlich lang mit 10 mg sehr gut ausgekommen), hatte dann aber den Eindruck es wirkt nicht mehr richtig. Bin in Absprache mit der Psychiaterin dann auf 20 mg hoch, bin dann aber 3 Wochen überhaupt nicht mehr aus dem Bett gekommen ... also wieder runter und darauf gehofft, dass es sich nur um das alljährliche Frühjahrstief handelt, aber es hat sich nichts gebessert. Dann kam der Vorschlag auf das Venlafaxin zu wechseln. Zusätzlich soll ich bei Bedarf 7,5 mg Mirtazapin einwerfen (auch seit 21.05.), wenn ich nachts mal wieder nicht schlafen kann.

31.05.2019 14:56 • #16


Angor

Angor


9676
7
14705
Nun, am besten besprichst Du alles am Montag noch mal mit Deiner Psychiaterin, ich hoffe, Du fühlst Dich bald besser, gute Besserung!

LG Angor

31.05.2019 15:00 • #17


timmae87

timmae87


117
3
29
Kleines Update:
Nach dem gestrigen Termin mit meiner Psychiaterin habe ich heute das erste Mal 112,5 mg Venlafaxin genommen. Mit einem erneuten Krampfanfall ist wohl nicht zu rechnen, so zumindest mein Psychotherapeut gestern telefonisch. Er erklärte mir, dass die Venlafaxin-Dosis von 37,5 mg im Vergleich zu 15 mg Escitalopram wohl ziemlich niedrig gewesen ist. Da hätte ich wohl auch gleich Placebos nehmen können, da die therapeutische Wirkung erst bei 75 mg einsetzt.

Von einem "Entzugsanfall" kann man laut ihm wohl dennoch nicht sprechen, da bei Antidepressiva ja keine körperliche Abhängigkeit besteht. Viel mehr handele es sich um einen Krampfanfall im Zuge eines Absetzsyndroms. Kommt wohl selten vor, aber möglich. Das ganze Anfallsgeschehen wird aber auf meinen Wunsch in einer Therapie-Stunde nächste Woche nochmal aufgearbeitet.

Ansonsten kämpfe ich zur Zeit ziemlich mit den Nebenwirkungen von Venlafaxin:
- Ruhelosigkeit, innere Unruhe, Schwächegefühl, Kraftlosigkeit, Lustlosigkeit
- Übelkeit, Appetitlosigkeit
- Oberbauchschmerzen (aber nur bei Erschütterung/Bewegung, greift Venlafaxin den Magen oder Pankreas an?)
- Rückenschmerzen seit dem Krampfanfall (möglicherweise Muskelverspannung durch Verkrampfung?)
- Zittern, Muskelzuckungen
- Gefühl in Watte gepackt zu sein in Verbindung mit Schwindel, Gedächtnisstörung, Konzentrationsstörung und Sehstörung

Lt. meiner Psychiaterin sind das aber fast alles Symptome der Grunderkrankung und sollte Verschwinden sobald Venlafaxin richtig wirkt. Das bereits anfängt zu wirken, sieht man angeblich daran, dass ich wieder ohne Mirtazapin 7-8 Stunden schlafen kann und dass sich Blutdruck/Puls wieder im absolut normalen Bereich bewegen. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

04.06.2019 08:41 • #18


timmae87

timmae87


117
3
29
Heute der 2. Tag mit 112,5 mg Venlafaxin. Nach der Dosiserhöhung sind zu den o. g. Nebenwirkungen noch Erbrechen und Durchfall hinzugekommen, das ganze beginnt schon ne Stunde nach Einnahme. Dazu verstärkte Angstgefühle tagsüber. Abends dann bessere Stimmung und weniger Angst.

Gibts irgendwelche Hilfsmittel gegen die Magen-Darm-NW? Wäre für Tipps dankbar!

05.06.2019 07:38 • #19


blue1979


350
5
178
Evt durchfallhemmende Probiotika oder bei Magenübelkeit iberogast (hilft nicht bei Durchfall)

05.06.2019 07:55 • x 1 #20




Dr. Matthias Nagel

Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag