Hallo!

Als Jugendliche wurde ich in der Schule häufig gemobbt, was schon in der Grundschule angefangen hat. Da ich sowieso der ruhigere Charaktertyp bin, habe ich dann vermieden Vorträge zu halten, im Unterricht zu sprechen oder habe einfach nicht auf die Fragen des Lehrers geantwortet. Wenn ich es dann mal musste, war es die Hölle.

Heute in der Berufsschule werde ich nicht mehr gemobbt, die anderen sind mir gegenüber freundlich und normal.
Aber trotzdem kann ich immernoch keine Vorträge halten und spreche sehr selten im Unterricht.
Ich bekomme Schweißausbrüche, mir wird schlecht, werde extrem rot, möchte heulen um den Druck abzulassen, werde heiser, kann nicht laut genug sprechen, kann das was ich für den Vortrag vorbereitet habe nicht mehr richtig wiedergeben. Es ist mir peinlich so dazustehen.
Ich fühle mich aber auch in anderen alltäglichen Situationen so, und besonders wenn man etwas von mir erwartet.
Ich weiß, dass ich große Angst vor Menschen habe, oder besser gesagt davor, was sie über mich denken könnten oder mich negativ kritisieren könnten.

Meine Frage dazu ist, wieso bekomme ich mich innerlich und äußerlich nicht unter Kontrolle, auch wenn ich weiß das die anderen mir eigentlich garnichts böses wollen?

Danke...

16.12.2007 23:15 • 17.12.2007 #1


2 Antworten ↓


Hallo Lila86,

so wie Du Deine Probleme schilderst, leidest Du an einer "sozialen Phobie", d.h. Du fürchtest besonders negative Bewertungen Deiner Umwelt. Dies hängt oft mit einem mangelnden Selbstwertgefühl zusammen und führt dann im Alltag auch häufig zu selbstunsicherem Verhalten und Auftreten in Situationen, in denen Du die Aufmerksamkeit von anderen Personen hast. Das macht eine Person auch ganz schnell zum Opfer, da sie sich nicht gut wehren kann.

Damit bist Du nicht allein ! Das geht sehr vielen Menschen so. Dagegen kann man aber auch gut etwas tun !

Aber zuerst noch einmal zu Deiner Frage, warum Du das nicht unter Kontrolle bekommst. Das liegt daran, dass das Wissen etwas anderes ist wie die emotionale Reaktion. Das bedeutet, dass Dein Gehirn gelernt hat, in solchen Situationen automatisch und sofort Angst und entsprechende körperliche Begleiterscheinungen auszulösen. Du kommst also vor lauter Gefühlen kaum zum klaren Nachdenken und kannst Dein Wissen, dass die Situation eigentlich gar nicht gefährlich ist, nicht ausreichend anwenden. Du versuchst nur noch, die Gefühle zu kontrollieren. Und das geht am besten durch Vermeidung und Flucht aus der Situation. Damit kann Dein Körper aber nicht lernen, dass die Situation nicht gefährlich ist und der Kreislauf tritt immer wieder in ähnlichen Situationen auf.

Was kannst Du tun:

1. Dich noch mehr informieren - z.B. unter den Links hier auf www.psychic.de oder über Selbsthilfebücher, z.B. Wolf,Doris, "Ängste verstehen und überwinden" und auch "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen" (Taschenbuch) von Dr. Merkle - beide aus dem PAL-Verlag.
2. Ich würde Dir die Teilnahme an einem Selbstsicherheitstraining empfehlen. Das wird oft über Volkshochschulen angeboten. Auch Kommunikationstrainings sind oft hilfreich.
3. Wenn Du über solche Maßnahmen nicht entscheidend weiter kommst, wäre eine ambulante Verhaltenstherapie sinnvoll, um Dir gezielter und persönlicher helfen zu können.

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg, Dich weiter zu entwickeln und grüsse Dich herzlich

Bernd Remelius

17.12.2007 10:31 • #2


Dr. Doris Wolf
Hallo Lila

auch von mir noch ein Tipp zum Thema Redeangst, der dir vielleicht weiterhilft
https://www.psychic.de/redeangst.php

Grüße Doris Wolf

17.12.2007 15:43 • #3