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Popkörnchen
Hallo ihr!

Ich habe mich jetzt hier mal angemeldet weil ich hoffe, dass ich hier vielleicht ein paar
Anregungen oder einfach nur Gedankenaustausch finde. Meine Angst, in der Öffentlichkeit
zu sprechen oder einfach nur im Mittelpunkt zu stehen - und meine damit verbundene
Vermeidungshaltung / Taktik schränkt mich so in meinem Leben ein... eigentlich werde
ich mit allem fertig und ich mag es eigentlich gar nicht rumzujammern - aber diese Sache
ist einfach stärker als ich. Es ist so als würde ich mich mit meinen eigenen Waffen schlagen.

Eigentlich würde ich mich als einen halbwegs intelligenten und sprachlich versierten Mann
bezeichnen. Ich bin 40 Jahre alt, bin beruflich erfolgreich. Ich habe Familie und könnte
eigentlich der glücklichste Mensch auf der Welt sein - wenn ich mich nicht mein ganzes
Leben vor Scham in eine Ecke zurückziehen wollen würde...

Würde mich freuen, wenn ich hier vielleicht auf Gleichgesinnte stoße und mich austauschen
könnte.

Liebe Grüße
Popkörnchen

18.01.2014 20:27 • 12.02.2014 #1


9 Antworten ↓


hallo Popkörnchen,

erst einmal herzlich Willkommen hier in diesem Forum!

Du findest hier bestimmt ein paar Gleichgesinnte, denen es ähnlich geht. Und helfen werden dir hier auch gerne viele !

ich kenne es auch, diese Angst. Habe starke soziale Ängste. In der Öffentlichkeit zu sprechen oder im Mittelpunkt zu stehen, sind furchtbare Dinge für mich. Vermeide da auch sehr viel im Leben.
Angst kann auch sehr lähmend wirken und stärker als man möchte. da hilft nur die Angst an die hand zu nehmen und es gemeinsam anzugehen. ich weiß, das es schwer ist verdammt schwer ist. ich vermeide auch lieber, als mich Angstsituationen stellen.
Seid wann begleiten dich diese sozialen Ängste schon, wenn ich fragen darf?

Ja, so eine Angst kann einen schon zum Teil unglücklich machen oder einen gewisse Freude am Leben nehmen, gerade wenn sie sehr viel Raum einnimmt. Kannst du mit deiner Familie über deine Ängste sprechen, wissen die davon?

Mit lieben Grüßen,
Delphin2

18.01.2014 21:49 • #2



Angst in der Öffentlichkeit zu sprechen - bin sehr unsicher

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Popkörnchen
Hallo Delphin2!

Vielen Dank für Deine sehr nette und schnelle Nachricht!
Ich glaube dass diese Ängste eigentlich schon immer da waren (also auch schon
als Kind). Aber irgendwie sind die damals nie so als echtes Problem aufgetaucht.
Auch später als ich in der Uni erste Vorträge halten mußte durch die Arbeit - hatte
ich wohl immer einen Riesenbammel davor - habe mich dabei immer recht dämlich
angestellt - und trotzdem wars dann wieder vorbei - und gut!
Zum Problem ist das eigentlich erst so vor ein paar Jahren geworden. Ich bin bei einem
Gespräch mit Bekannten rot geworden - zur Belustigung der Umstehenden.
Das war in einer Phase meines Lebens in der ich sowieso nicht besonders gut
drauf war - hatte eine sehr schwierige Beziehung die ich beenden wollte. Na, auf jeden
hat mein Gehirn sich wohl seit diesem Vorfall dazu entschieden sich nur noch darüber
Gedanken zu machen wie ich wohl auf andere wirke und das andere sich wohl irgendwie
immer über mich lustig machen. Das Schlimme ist dass ich auch nach so langer Zeit
noch keine richtigen Strategien gefunden habe damit umzugehen - zumal ich mich kopf-
mäßig eigentlich gar nicht so sehr negativ einschätze - und trotzdem scheint es mir so
zu sein, dass mir die Gedanken von den Menschen um mich herum im Kopf herumspuken
und ich glaube ihre negativen Gedanken zu spüren.

Mit meiner Frau habe ich irgendwann auch angefangen über das Thema zu sprechen und
erfahre da auch Hilfe - aber natürlich auch Hilflosigkeit. Außerdem kann man auch jemanden
der viel mit Arbeit und Familie zu kämpfen hat ständig mit seinen Problemen belasten.

Gibt es bei Deinen Ängsten auch eine klare auslösende Situation - oder waren die bei Dir schon
immer vorhanden?

Liebe Grüße,
Popkörnchen

19.01.2014 01:13 • #3


Hallo Popkörnchen,

ja, bitte für die schnelle Antwort !
Oh, dann waren deine Ängste auch schon früh da. ich war als Kind auch schon schüchterner und immer ein wenig ängstlicher als andere Kinder teilweise.
ich denke, als Kind bereiten die auch teilweise noch nicht so viele Probleme, weil in der Grundschule oder im Kindergarten muss man ja auch nicht so viel leisten oder nicht so viel reden, also da wird es ja noch nicht so verlangt, als wie in höheren Klassen oder Schulen.
ich finde es aber beeindrucken, das du es trotzdem geschafft hast, Vorträge zu halten, trotz deiner starken Angst. Ich konnte ab der siebten Klasse das irgendwie gar nicht mehr. Deshalb finde ich es beeindruckend das du es noch konntest! Ich lerne es erst jetzt richtig vor Gruppen mehr zu sagen. Ich habe im Dezember in der Klinik mal ein Gruppenthema gemacht, und da musste ich ja viel sagen, also wie man da sieht fange ich jetzt erst damit an mal erfahrungen wieder zu machen vor Gruppen zu sprechen richtig.

Das ist ja eine nicht so schöne Situation die du da beschriebst. haben sich die anderen echt darüber lustig gemacht und auch noch was gesagt? ich finde das geht gar nicht, gerade wenn man sieht das jemand rot wird, merkt man doch das es demjenigen peinlich ist und da sollte man sich nicht noch drüber lustig machen!

Klar, das du dir ab dann vermehrt Gedanken gemacht hast, hast es ja auch erlebt das es andere gibt die damit nicht so nett umgehen.
Strategien zu finden ist auch schwer. Ich merke das es sinnvoll ist sich immer wieder sozialen Situationen auszusetzten. Einige soziale Situationen klappen aufgrund dessen auch schon ein wenig besser. Aber Gedankenmäßig daran zu gehen, finde ich unheimlich schwer. Hinterher kann ich mir sagen das ging jetzt doch einigermaßen gut und keiner hat dich blöde angesehen, aber vorher kann ich mir das nicht sagen, das mir nichts passieren kann..das klappt nicht.
Menschen merken ja auch manchmal wenn man unsicher ist, ich denke das macht es auch noch mal schwieriger in sozialen Situationen..

Ich denke das ist normal das Angehörige nicht immer helfen können, und auch mal Hilflos sind. Meine Eltern und Schwester helfen mir auch viel, sind aber auch häufig Hilflos wie sie was machen sollen oder helfen können. Sie können ja auch nur bedingt helfen, das meiste müssen wir schaffen, aber ich finde es ist gut wenn man weiß das es jemanden gibt der da ist und helfen könnte oder einen aufbaut.
Aber du bist doch auch für deine Frau da, oder? Hat sie dir schon mal gesagt das du sie damit belastest? ich denke das auch häufig, aber meine Familie meint, du belastest uns nicht damit. Für die ist es viel schlimmer wenn ich nicht mit ihnen rede und nicht sage was los ist..

Die Ängste sind bei mir irgendwie in der Kindheit gekommen, aber es gibt keinen so auslösende Situation wie bei dir.
ich habe jetzt in der Klinik ein wenig mehr über mich erfahren, und ich denke vieles kommt daher, weil ich nicht so gute erfahrungen gemacht habe. Einmal wurde ich manchmal unpassend bestraft in der Kindheit oder bzw. nicht so gute Strafen wurden eingesetzt, so das ich immer lieb und brav sein wollte. Und dann waren da auch noch andere schlechte erfahrungen die ich machen musste in der Kindheit die dazu geführt haben, das ich einfach vorsichtiger im Umgang mit menschen war und einfach mehr mir über alles sorgen gemacht habe.
Und dann in der schule wurde ich auch noch zusätzlich gemobbt einmal, das führte nicht dazu, das die ängste weniger wurden..

Mit lieben Grüßen,
Delphin2

19.01.2014 19:00 • #4


Popkörnchen
Hallo Delhpin2!

Mir blieb beruflich einfach keine andere Wahl als hin und wieder einen Vortrag zu halten. Solange es ging
habe ich mich natürlich so gut wie möglich um alles gedrückt was in diese Richtung zeigte. Aber irgendwann
ist das halt nicht mehr möglich...

Ja, ich denke Du hast recht - der einzige wirkliche Ausweg besteht darin sich immer wieder den Situationen
zu stellen die einem Angst machen. Es ist halt ein ständiger Kampf und wenn dann wieder Rückschläge
kommen, dann wird es noch schwerer. Ich mache es zur Zeit so, dass ich bewusst, negative Gedanken an
bevorstehende Situationen abbreche sobald ich sie bemerke. Das funktioniert eigentlich gar nicht so schlecht.
Also immer wenn ich merke, dass ich in diesen Gedankenstrudel hineingezogen werde ersetze ich meine
aktuellen Gedanken durch etwas anderes. Das verhindert recht effektiv ein aufschaukeln der Gedanken zu
etwas völlig unrealistischem.

Nein, ich glaube nicht, dass ich meine Frau damit belaste und sie hat auch noch nichts in der Art zu mir
gesagt. Sie weiß halt auch nicht so recht wie sie mir wirklich helfen kann - zumal Sie diese Probleme bei
mir auch gar nicht so sehr wahrnimmt.

Das hört sich ja nicht besonders schön an, was Du da in Deiner Kindheit erlebt hast. Ich denke dass diese
frühen Erfahrungen unheimlich prägend sein können. Was mich betrifft so war ich auch schon immer ein
recht schüchternes Kind - habe aber eigentlich eine recht schöne/behütete Kindheit hinter mir.
Von was für einer Klinik sprichst Du denn - oder welche Form der Therapie hast Du da gemacht?

Mobbing geht gar nicht! Frage mich immer was für traurige Seelen hinter den Augen von Menschen
lauern die sich daran erfreuen andere fertig zu machen. Ich habe da auch noch einiges aus der Schule
in meinem Kopf und allein die Tatsache, dass ich Situationen auch heute nach all den Jahren noch klar
vor mir sehe zeigt mir wie stark mich das damals berührt haben muss.

So, jetzt wünsch ich eine gute Nacht - und liebe Grüße!
Popkörnchen

20.01.2014 00:38 • #5


Hallo Popkörnchen,

okay klar, wenn du es beruflich machen musstest, das stimmt dann kannst du dich nicht ewig davor drücken. Musst du beruflich jetzt immer noch so viele Reden ect. halten?

Ich finde, das hört sich bei dir gut an, wie du damit umgehst. Also wenn unrealistische gedanken aufkommen. Das können nicht viele so gut. ich finde es übrigends auch immer noch schwer mir dann zu sagen, das es unrealistisch ist oder ich katastrophiere.
Das stimmt, wenn es Rückschläge gibt, ist es viel schwerer das ganze noch einmal anzugehen!

Meine Eltern sind sich häufig auch unsicher wie sie mir wo helfen können, sie haben da auch schon mal Bücher gelesen...
Echt, deine Frau nimmt es nicht bei dir wahr? Ist auch intressant, bei mir nehmen das die meisten wahr das ich schüchtern bin und ruhiger in gruppen sein kann.....dann kannst du dich sehr gut verstellen, oder? Also ich meine damit zusammenreißen, wenn andere dabei sind, damit die nicht so merken das du soziale ängste hast und unsicher rüber kommst...

Es war nicht alles schlecht in der Kindheit aber vieles was nicht so super war halt auch. Und mit denen ich heute noch zu kämpfen habe.
Ich war schon häufig in psychosomatischen Kliniken, zuletzt in einer nahe hamburg. Die machen dort Verhaltenstherapie, habe dort diesmal erstmalig dbt Therapie gemacht. War auf einer station für persönlichkeitsstörungen und habe da viel über gefühle und so gelernt....

Mit lieben Grüßen,
Delphin

20.01.2014 22:22 • #6


Popkörnchen
Hallo Delphin2,

nein, ich viele Vorträge muss ich nicht halten - aber hin und wieder kommt's schon vor.
Ich habe da irgendwann für mich entschieden, gar nicht mehr zu versuchen sich vor
einem Vortrag zu drücken und jeden mitzunehmen der halt auf mich zukommt. Das hat
es mir leichter gemacht. Weil neben der Angst vor Vorträgen kommt ja dann auch dazu
dass man sich elend fühlt wenn man sich mal wieder gedrückt hat...

Ja, ich denke es ist wichtig zum einen zu erkennen, was da alles für Gedanken in einem
hoch kommen. Die sollte man dann auch zulassen! Aber es ist auch wichtig zu erkennen
wenn diese Gedanken plötzlich eine Lawine von unrealistischen Gedanken auslösen und
das, meine ich, kann nur schädlich sein. Wenn ich das bemerke lasse ich schon beinahe
automatisch einen anderen (positiven) Gedanken einfließen - wie z.B. dass ich ein liebens-
werter Mensch bin - oder ok, so wie ich bin... - das muß glaube ich jeder für sich finden.

Wahrscheinlich blöde Frage (klar hast Du): Hast Du schon mal versucht Deine Schüchternheit
ganz an Dir zu akzeptieren? Weil, ich meine, Deine/unsere Schüchternheit ist und war ja noch
nie das Problem - sondern nur unsere negativen Gefühle dabei. Warum fällt es uns so schwer
einfach so zu sein wie wir sind?

Würde mich mal interessieren was Du bei Deiner Verhaltenstherapie alles gelernt hast...

Viele Grüße,
Popkörnchen

23.01.2014 00:38 • #7


Hallo Popkörnchen,

das kenne ich auch, das Gefühl wenn ich mich vor etwas gedrückt habe und dann fühle ich mich hinterher elend.
Das ist aber super das du dich dann entschieden hast, dann doch einen Vortrag zu halten wenn du es machen musst. Ich würde es schwer schaffen,wie gesagt bin da erst jetzt am üben vor Gruppen zu sprechen. das geht langsam voran, aber gut wie heißt es " Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut" ?!


Ja, wenn Gedanken unrealistisch sind, sollte man versuchen sie zu erkennen. Die sind definitiv schädlich, das stimmt. Das ist klasse, wenn du dann einen positiven Gedanken mit einfließen lässt. das schaffe ich schwer. Nur ganz schwer. Komme dann ganz schwer raus. Ich mache dann einfach die Situation und hoffe das es gut geht. Und wenn sie gut verlaufen ist(die soziale Situation) dann denke ich ja posetiver, weil sie gut verlaufen ist. Aber in der Situation finde ich es verdammt schwer da positiv zu denken. Ja gut ich versuche mir dann auch zu sagen:" Das schaffst du, sind doch auch nur menschen, die können auch mal fehler machen und wer sagt das du dabei einen fehler oder dich blamieren könntest?", aber manchmal gewinnen da gerne die negativen Gedanken.
Wie lange hast du gebraucht bist du die posetiven Gedanken automatisch dann denkst?

Es gibt keine blöden Fragen ! Du darfst alles fragen.
ich habe es schon mal versucht zu akzeptieren. Und ich bin da glaube ich auf einen guten Weg es zu akzeptieren. Wobei ich häufig, auch tagesformabhängig, hin und her schwanke. Ich denke, wenn wir es nicht akzeptieren kämpfen wir weiter gegen an. Sobald wir es akzeptiert haben können wir ja mit der Angst zusammen schauen wie wir damit jetzt umgehen. Solange wir versuchen gegen anzukämpfen die überhaupt nicht haben wollen, dann sind wir damit so beschäftigt das wir uns gar nicht drum kümmern wie wir die Angst(bzw.die Schüchternheit) an die Hand nehmen können und zusammen mit der den weg weiter beschreiten können. ich denke man sollte versuchen alle Krankheiten zu akzeptieren und dann schauen was jetzt?! Solange man es nicht akzeptiert ,kämpft man gegen die krankheit und gegen sich selbst.

Ja das stimmt die Gedanken machen viel aus. Die Schüchternheit kann in manchen Lebenssituationen ja auch wertvoll sein:-).
Aber bei mir sind es auch die Gedanken die es schwer machen und danach handel ich dann ja, also wegen den negativen gedanken.

ich denke, es fällt uns schwer weil wir merken das andere mehr können, oder anders sind. Also deshalb ist es bei mir so. ich bin mit mir total unzufrieden und sehe was andere können und ich nicht und eifere Dingen hinterher was ich nie erreichen kann...ich glaube ich muss da mal ein paar Ziele überdenken und mal irgendwann liebevoller zu mir sein.

Was ich alles gelernt habe?! Ja viel über Ängste...mache ja schon Jahre Verhaltenstherapie..hast du konkrete Fragen, dann ist es einfacher?!

Mit lieben Grüßen,
Delphin

23.01.2014 13:18 • #8


Ich kenne das Problem und bin bei meiner Suche nach Hilfe auf den Erfharungsbericht eines jungen Mannes gestoßen, der das geschafft hat.

Ist wirklich interessant: Angst vor Menschen

Beste Grüße,

Harald

12.02.2014 11:23 • #9


hallo Harald,

danke dir für den Beitrag dieses Mannes !
ich finde es auch intressant, das zu lesen. Ich denke aber auch das man es schaffen kann !
ich merke ja auch das es in einigen Dingen schon besser geworden ist. Also auch wenn es nur kleine Dinge sind, aber immer noch besser als gar nichts !

Mit lieben Grüßen,
Delphin

12.02.2014 13:20 • #10



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Dr. Reinhard Pichler