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Alex1337
Hallo Liebe Leserin, bzw. Leser !

ich bin neu hier und freue mich über jede Antwort oder auch einfach nur wenn sich jemand meinen Beitrag durchlest, vielleicht hilft dem ein oder anderen auch mein Beitrag!

Zu mir:
Ich bin männlich, 25 Jahre alt und habe seit rund 2-3 Monaten mit einer Angststörung zu kämpfen. Ich bin mittlerweile in einer Psychpotherapie (Tiefenpsychologie) und nehme Mirtazapin Abends und Escitalopram Morgens, weil ich es schlichtweg nicht mehr ausgehalten habe.
Ich war eigentlich immer ein glückliches und aufgeschlossenes Kind, deswegen sagte meine Mutter vor Kurzem zu mir, sie hat sich gar nicht vorstellen können, dass es so jemanden wie mich treffen könnte. Mit etwa 12 Jahren hab ich Spielekonsolen für mich entdeckt. Bis vor 2 Monaten gehörten Videospiele/PC-Spiele zu meinem Leben, wie man Wasser zum überleben braucht. Ich war nah dran an der Sucht.
Nach dem Spielen hab ich mich immer schlecht gefühlt, weil ich so passiv war und im Leben gefühlt nichts erreiche, nichts erlebe (Obwohl ich z.B. Abitur, einen Job und auch Hobbys besitze). Letzten Dezember hab ich ein neues Spiel entdeckt (League of Legends, online 5 gegen 5) bei dem ich immer der Beste sein wollte, und welches mich unfassbar gestresst hat. Dieser unfassbare Stress für meinen Körper, war letztlich der Auslöser für meine Angst. Ich war schon immer ein ängstlicher Mensch (trotzdem mutig und viele Dinge trotzdem getan), da auch meine Mutter in Richtung generalisierte Angststörung geht. Sie macht sich riesige Sorgen um alles (dass beispielsweise eine steinerne Brücke einstürzen könnte etc.). Mein Vater ist eigenlich kein "Mann". Er sieht sich immer als Opfer, und hat keinen einzigen Freund, ist sehr eifersüchtig und hat ein geringes Selbstwertgefühl. Er hat mir nie Sicherheit vermittelt.

Meine Situation:
Bereits seit rund 2 Jahren habe ich Herzstolperer, ein kurzer Herzaussetzer, dem stark spürbare willkürliche Herzschläge folgen.
Auch Darmprobleme und Kreislaufprobleme habe ich immer gehabt. Ich konnte mir nie vorstellen woher diese rühren.

Anfang März war es dann soweit. Während ich mit einer Kollegin geredet habe wurde mir ganz anders. Mir wurde schwindelig, schwarz vor Augen, mein linker Arm kribbelte und meine Brust schmerzte. Ich dachte ich hätte einen Herzinfarkt.
Darauffolgende Arzttermine (Kardiologie etc.) ergaben nichts. Die nächsten Tage wars auch wieder gut, bis ich bei einem Freund übernachtet habe und die ganze Nacht durchgespielt habe (PC).
In der früh dann ergriff mich eine unerträgliche Panikattacke (was mir erst heute bewusst ist). Der Notarzt musste kommen, konnte allerdings nichts finden.
Von da an ging es stetig bergab. Ich konnte nur noch höchstens 15 Minuten mich mit jemanden unterhalten oder was unternehmen, dann musste ich mich ins Bett legen, weil ich ein unerträgliches Krankheitsgefühl im Kopf und dem ganzen Körper bekam. Ich stand gefühlt unter Strom, das sich (wie ein Aktienkurs) steigerte und steigerte. Wenn es sich zu sehr gesteigert hatte, ging es über in eine Angstattacke mit einem Gefühl als müsste ich gleich sterben, Kurzatmigkeit, Depersonalisierung und Derealisation. Ich war gefühlt nicht mehr im eigenen Körper und alles fühlte sich so irreal an. Passiert das wirklich ? Träume ich? Es war so schlimm, dass ich heulen musste.
Nur wenn ich mich ins Bett gelegt habe, nichts gesehen, gehört habe, ging dieser "Aktienkurs" oder besser "Angstkurs" wieder langsam nach unten. Ich konnte nichts mehr tun, nicht aufs Handy schauen, nicht lesen, nur liegen. Und selbst dann war dieses Gefühl immer da. Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben.

Letztendlich wurde es so schlimm, dass ich in eine Klinik spezialisiert auf Psychosomatische Krankheiten "eingeliefert" wurde. Dort ging es mir besser. Ich hatte das Gefühl mir hilft hier jemand. Dort hatte ich keine Panikattacken oder Ähnliches. Als ich wieder entlassen wurde und zu meinen Eltern kam, wurde es wieder sehr schlimm. Also bin ich am nächsten Tag erneut in die Klinik, dort hatten Sie allerdings keine Betten mehr frei, und als Notfall erkannten die mich nicht an. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Letztendlich bin ich danach nicht wieder zu meinen Eltern, sondern zu meiner eigenen Wohnung. Dort ging es mir komischerweise nicht so arg schlimm, wie bei meinen Eltern. (hat wohl irgend einen Psychologischen Hintergrund).
Ich habe mir dann eine ambulanten Psychotherapie gesucht, nehme seitdem Tabletten (Mirtazapin und Escitalopram) und von Tag zu Tag ging es mir immer ein kleines Stück "besser".


Plötzliche Veränderung:
In dieser Zeit seitdem ich in meiner Wohnung bin (Seit rund 7 Wochen nun) habe ich riesige Erfahrungen gemacht.
Ich wurde mir bewusst, dass es sich um Angst handelt, die krankhaft wurde. Ich muss diese überwinden, ich ging also RAUS, immer wenn ich vor der Haustür stand, wurde mir übel, schwindelig und bekam weiche Füße. Aber ich ging raus, manchmal hab ich nur 5 Minuten ausgehalten, dann musste ich wieder ins Bett, nichts hören, nichts sehen. Diese 5 Minuten konnte ich immer mehr steigern. Auch keine PC-Spiele spiele ich mehr, ich habe diesen Stressfaktor weggelassen, weil die Angst, dass es mir wieder schlechter geht viel größer ist, als der Drang nach der Sucht. Ich wurde mir bewusst, dass man auf seine Psyche, ebenso schauen muss, wie auf seinen Körper selbst. Ich konnte mir nie vorstellen, dass die Psyche zu solch krassen körperlichen Symptomen übergehen kann.
Einmal hatte ich "zu viel" getan, mit jemanden geredet und war rund eine Stunde unterwegs. Dann kam ich ins Bett und dieses Gefühl im Bauch hat sich wahnsinnig gesteigert. Ich habe alles abgedunkelt und lag einfach nur da, konzentrierte mich auf dieses Gefühl. Dieses hat sich so arg gesteigert (ich kann es kaum in Worte fassen), es hat gekribbelt, wie wenn man im freien Fall wäre, oder in einer Achterbahn sitzt. Ich denke es war Adrenalin, das ohne jegliche Achterbahnen kam. Als dieser Punkt überwunden war, ging es mir an diesem Abend prächtig und ich freute mich sehr, dieses überwunden zu haben

Die Krankheit war dadurch natürlich nicht besiegt:
Das schlimmste, was mich bis heute verfolgt, ist dieses GEFÜHL. Das Gefühl, als wenn man ALLEIN schwerelos irgendwo im Weltraum rumfliegt. Das Gefühl, dass alles SINNLOS ist. Was sind wir Menschen eigentlich? Wir sind doch einfach nur da, weil dies ein riesen Zufall ist, dass die Erde genau so weit von der Sonne weg ist, dass es passt. Wir sind nichts anderes, als die Ameise, die da vorn rumläuft. Dieses krasse Gefühl, dass wir so klein sind, macht mir arg zu schaffen. Es ist eine Leere, eine große Angst. Ich habe keine Angst vor irgendeiner Spinne oder dass ich morgen sterben könnte (glaube ich zumindest). sondern eher Angst vom Leben . dass alles ein riesen Käse ist.
Am schlimmsten ist das Gefühl komischerweise ab 18:00 Uhr, und zwar JEDEN Tag. Um 19:00 Uhr erreicht es seinen Höhepunkt. Und je nachdem, was ich an dem Tag erlebt habe, geht es über in eine Angstattacke (Wenn ich den ganzen Tag mit keiner Menschenseele geredet habe), oder es bleibt einfach da bis ca. 20-21 Uhr und steigert sich nicht so arg (Wenn ich mit Freunden geredet und etwas erlebt habe). Einsamkeit ist zur Zeit der blanke Horror. Dies ist ja die Urangst schlechthin. Und die zieht mich ebenfalls sehr runter. Ich habe ein paar Freunde, und ich denke an alle da draußen, die keine haben, denn wenn man da ohne Freund wieder raus muss, ist das eine riesige Herausforderung ! Das erfordert sehr viel Selbstvertrauen und ein hohes Maß an Selbstwertgefühl.
Das zweite was mich fertig macht, ist das Krankheitsgefühl. Ein schwammiges Gefühl im Kopf, als wäre man richtig arg krank. Dieses kommt ab und zu, also an manchen Tagen und überwiegend, wenn ich etwas unternehme, zum Beispiel in den Tierpark oder Ähnliches gehe.

Es ist schwierig diese Gefühle zu beschreiben . und vor allem wieder wegzubekommen. Es ist eine Mischung, als hätte man eine Schusswunde im Bauch und man wäre der letzte Mensch auf Erden, oder man schwebt irgendwo im Weltraum. Habt ihr Erfahrungen damit? Freue mich auf Antworten/Unterhaltung

Liebe Grüße

31.05.2021 11:55 • 13.07.2021 x 3 #1


27 Antworten ↓


Sonnnenschein
Das kenne ich .Habe vor kurzem eine schwere darm op hinter mir , jetzt habe ich dauernt durchfall und das Gefühl nicht in meinem Körper zu sein ,die Angst steht im vorher Grund das schon wieder etwas nicht ok ist .Da ich auch hüberkalziieumni habe also kalium magnesium und kalsium zu wenig habe .Wenn der Wert so weit runter geht ist das lebensgefährlich, mein hausarzt ist in Urlaub und die Vertretungen sind voll .Das ist meine frage ich führe das alles zu ,aber durch den durchfall Angst soviel zu verlieren frage ist kann nicht unter scheiden ob von pysche oder Mineralien.

31.05.2021 12:54 • x 2 #2



Unerträgliches Gefühl der Angst/Leere/Sinnlosigkeit

x 3


Lieber Alex1337,
vielen Dank für deinen Bericht. Ich staune, wie reflektiert und stark du mit dem psychischen Leiden umgehst, zum Beispiel rausgehst und es steigerst, dich ausprobierst. Ich hatte selbst einen schwachen, dazu extrem negativen und verletzenden Vater und eine depressive Mutter. Ängste schon immer (zum Beispiel war ich ab dem Alter von elf Jahren sicher, Krebs zu haben und bald sterben zu müssen, ich sprach mit niemandem darüber, erst mit einundzwanzig Jahren merkte ich, es stimmt nicht, ich bin gesund). Mit 28 Jahren der erste Zusammenbruch, ich stand völlig neben mir und dachte, ich bin verrückt geworden. Depression folgte. Therapie, Umzug, Leben. Weitermachen. Zehn Jahre drauf wieder ein Zusammenbruch, zu viel Arbeit, Stress, Druck, Ende. Bei jedem ist die Geschichte äußerlich eine andere. Auf einer tieferen Ebene aber geht es immer um ein schwaches Selbstwertgefühl, innere Unsicherheit und Unruhe, Versuche, dies durch Ablenkung auszugleichen, ein quälendes Gefühl des Alleinseins und das Leben nicht schaffen zu können, während andere doch (scheinbar) alles so leicht, fröhlich und erfolgreich meistern. Diese Art von Leiden (Erkrankungen) nimmt zu, ein Hinweis, dass etwas in der Gesellschaft mehr und mehr dazu beiträgt. Es hat auch immer mit der Kindheit zu tun, nach der neuesten Forschung sogar mit der Zeit vor der Kindheit.
Ich würde dir empfehlen, das Buch "Jetzt" von Eckhart Tolle zu lesen, es könnte dir einige Entlastung geben und neue Perspektiven zeigen. Wir sind in eine sinnlose Welt geworfen - wie du es als Horror beschreibst und erlebst - den Sinn müssen wir dem Leben geben, bzw. ihn finden. Es gibt ihn dann.
Liebe und mutmachende Grüße

31.05.2021 13:47 • x 1 #3


Icefalki
Zitat von Alex1337:
sondern eher Angst vom Leben .


Genau, das ist es. Und deine Symtome dafür sind irrelevant, denn auf die stürzt man sich immer, da sie ja gefühlt die Auslöser sind.

Zitat von Alex1337:
Das Gefühl, als wenn man ALLEIN schwerelos irgendwo im Weltraum rumfliegt. Das Gefühl, dass alles SINNLOS ist.


Hier zeigt sich deine innere Problematik. Keine Erdung, kein Selbstvertrauen, kein Selbstbewusstsein, ausgeliefert, im freien Fall befindlich.

Versuche, anstelle dich in den Symtomen deiner Zerissenheit zu verlieren, dich an die Ursache allem Übels zu wagen. Hier liegt dein Weg. Und der ist viel effektiver, als diese verschnurbseltes Denken, das nur aus der Angst resultiert, egal, was man dabei denkt.

Du hast Angst. PUNKT. Nächste Frage, warum habe ich die, und was fürchte ich denn wirklich?

Schau dir deine Kindheit an, deine ängstliche Mutter und deinen Vater. Wahrscheinlich hast du da keine wirklichen gesunden Mechanismen lernen dürfen und jetzt wird es eben Zeit.

Geht vielen hier so. Nutze deinen Intellekt nicht dazu, dich ameinsenmässig fühlen zu wollen, sondern als Teil, zugehörig zum Grossen und Ganzen. Und das Geschenk Leben in allen Facetten auszukosten.

Jetzt hast du die Chance, alte Muster abzulegen und neue zu lernen.

31.05.2021 15:14 • x 3 #4


Alex1337
Danke für die netten Kommentare.

@Sonnenschein ich wünsche dir alles Gute , durchhalten !

@Fauda wie du schon sagst, ist bei jedem die Situation eine andere, und Stress ist (meist) der Auslöser , wie du auch bei dir schön beschreibst. Ein niedriges Selbstwertgefühl wohl die Ursache . Danke für deinen Beitrag und die Buchempfehlung! Wie steht es derzeit bei dir ? Geht es dir besser ?

@Icefalki danke auch für deinen wirklich hilfreichen Kommentar! Ich bin jetzt bei meiner Psychotherapie bei der 8. Sitzung angelangt. Ich habe gefühlt allrs verstanden, weiß aber nicht wie ich mich da umpolen kann. Verstehen ist das eine, sich umpolen aber sehr schwierig ... vor allem wenn man sich an viele Situationen aus der Kindheit nicht mehr erinnern kann ...

01.06.2021 16:46 • x 1 #5


Icefalki
Zitat von Alex1337:
Verstehen ist das eine,


Das ist doch schon mal ein grosser Fortschritt, wenn du Zusammenhänge verstehen kannst. Dazu gehört nämlich, dass du begriffen hast, dass alles mit allem zusammenhängt.

Und wenn Angst im Leben ein Thema ist, begriffen wurde, dass sie nur etwas mit mir zu tun hat, dann lass mal deine Gedanken und Ideen frei fliessen, denk einfach, wer bin ich denn wirklich und will ich weiter so sein. Was behindert Veränderungen und und und.

In deinen Gedanken kannst du alles in Frage stellen, schwierig wird es mit den Antworten, denn hier wird's dann bissle ungemütlich. Dann springe über diese innere Mauer und ab da wird es leichter.

Mit der Zeit kapierst du ganz automatisch, wie gut sich Veränderungen, selbst Fehler, selbst Macken, selbst Angst anfühlen, wenn man begriffen hat, dass innere Freiheit alles bedeutet. Und wenn's innen stimmt, braucht du die Angst nimmer, die nur sagt, Mensch, kapiere doch endlich, du bist vollkommen ok, so wie du bist.

Und wenn du damit nicht einverstanden bist, dann probiere mal was anderes aus. Ist genauso ok.

01.06.2021 17:03 • x 1 #6


Zitat von Alex1337:
wie du schon sagst, ist bei jedem die Situation eine andere, und Stress ist (meist) der Auslöser , wie du auch bei dir schön beschreibst. Ein niedriges Selbstwertgefühl wohl die Ursache . Danke für deinen Beitrag und die Buchempfehlung! Wie steht es derzeit bei dir ? Geht es dir besser ?

Leider zur Zeit nicht, schiebe schlimme Angst vor tödlicher Krankheit. Ein Kampf von Tag zu Tag. Aner: ich bleibe gerade!
Herzlichen Gruß

01.06.2021 18:33 • x 1 #7


Alex1337
Zur Zeit ist es bei mir wieder schlimmer. Besonders zum Abend hin zwischen 18 und 20 Uhr ist es am schlimmsten. Dieses eklige Gefühl im Bauch ist so hartnäckig ... kennt jemand sowas, dass es immer grundlos zu einer bestimmten Zeit eintritt und das Gefühl nicht mehr weg will egal was man tut ? Hat jemand Tipps ? Hab das Gefühl dass ich das bald nicht mehr aushalte ... es fühlt sich an als würde die Welt gleich unter gehen...
Mensch, ein Lebewesen zu sein fühlt sich auch irgendwie eigenartig an , das macht mir dann noch mehr Angst ...

06.06.2021 18:47 • #8


Ich kenne es, flau, nervös und verkrampft im Unterbauch, schrecklich, Angst, Panik. Wenn ich voll abgelenkt bin: nichts.

06.06.2021 18:57 • #9


SweetButPsycho1
@Alex1337

du sagst, du nimmst Escitalopram und Mirtazapin, trotzdem geht es dir täglich so schlecht?

In welchen Dosierungen nimmst du die Medikamente und seit wann?

LG
Nicky

06.06.2021 19:15 • #10


Alex1337
Ich nehme relativ wenig, da ich gehofft habe es ohne oder mit wenig zu schaffen. 7,5mg Mirtazapin Abends und nur 5 mg Escitalopram morgens also sehr wenig...vielleicht muss ich das wirklich steigern. Ratet ihr mir eines wegzulassen bzw. welches eher zu steigern ? Ein Psychologe meinte ich solle mirtazapin weglassen und esci höher dosieren. Mein Therapeut meinte Esci weglassen und nur mirta ...
Mirta nehme ich seit 7 Wochen, Escitalopram seit ca. 6 wochen

06.06.2021 20:52 • #11


SweetButPsycho1
Nun es ist ja so, das du die Medikamente unterstützend verschrieben bekommen hast, zumindest gehe ich davon aus.

Welche Dosis wurde dir denn vom Arzt geraten bzw. hat man dir gesagt welche Dosis du erreichen sollst damit es dir hilft?

Es macht ja keinen Sinn zu wenig zu nehmen und sich ebenso bescheiden zu fühlen wie ohne, das kann nicht der Sinn sein.

Kannst du denn gut schlafen oder eher nicht?

06.06.2021 21:16 • #12


Alex1337
Nun ja also bei mir war das so:
Als das losging mit meinen Symptomen und ich es nicht mehr ausgehalten habe, habe ich (nach einem Telefonat mit dem Bereitschaftsdienst) während einer Panikattacke, Mirtazapin von meiner Mutter begonnen zu nehmen.
Dies nahm ich dann auch in der Aufnahmestation der Klinik in der ich später war weiter ein (7,5mg). Weiteres haben die mir da noch nicht gegeben.

Nach einer Woche bin ich wieder nach Hause und kämpfe seither selbst damit. Es ist schon deutlich besser geworden, aber ganz weg geht dieses Gefühl halt nicht ...
Vor der Entlassung der Klinik habe ich angefragt ob die mir Escitalopram verschreiben können zusätzlich zu Mirta, weil ich das Gefühl hatte das alleine hilft nicht und meine Mutter gute Erfahrungen mit Esci gemacht hat. Die Ärzte in der Klinik wollten mir allerdings nichts verschreiben (da ich nach Hause wollte/musste und arbeiten weil ich sonst meinen Job verloren hätte aber andere Geschichte)
Auch wenn die es mir nicht verschrieben haben, haben sie in meine Entlassungspapiere geschrieben, dass es grundsätzlich möglich ist, Escitalopram, auch zusammen mit Mirtazapin einzunehmen in meinem Fall.

So lange Rede kurzer Sinn, ich nehme beides auf eigene Faust ein.
Zwischenzeitlich war ich nochmal bei einer Psychologin, die mir Escitalopram aufgeschrieben hat, und die meinte ich solle in meinem Fall mindestens 10mg, eher 15mg Esci nehmen.
Mirta weglassen, da ich ohnehin eigentlich gut schlafe. Allerdings ist meine "Angstzeit" eher abends und da hilft mirta schon oft. Auch am nächsten Tag wenn ich aufwache, gehts mir besser wenn ich mirta einen tag vorher genommen habe (habs einmal ohne versucht)

Mein Psychotherapeut meint allerdings das Gegenteil. Ich solle Escitalopram weglassen, weil es so tief in die Psyche eingreift und "wir das auch so hinkriegen"...

Bin nun natürlich hin und hergerissen.

06.06.2021 22:00 • #13


kleinpübbels
Zitat von Alex1337:
Zur Zeit ist es bei mir wieder schlimmer. Besonders zum Abend hin zwischen 18 und 20 Uhr ist es am schlimmsten. Dieses eklige Gefühl im Bauch ist so ...

Dazu kann ich dir was sagen. Zu dem anderen leider nicht.
Ich habe durch viel Stress, gepaart mit Angst, ebenfalls eine derealisation/ depersonalisation entwickelt.
Bei mir tritt es vorwiegend abends auf, ähnlich wie bei dir. Ich denke, es hängt mit der Müdigkeit zusammen. Zumindest bei mir.
Es liest sich,als hättest du existenzielle Gedanken . Sprich: wie kann es sein, dass wir Menschen existieren, wie kann es sein, dass ich existiere etc. Das ist beliebig austauschbar. Und das ist wohl mitunter ein Symptom der derealisation/ depersonalisation. Habe das zumindest von vielen betroffenen gelesen und gehört .
Jetzt zum positiven: das wird verschwinden, wenn die dp/dr geht.
Es gibt Fragen, auf die wird man nie eine Antwort bekommen. Und das ist okay . Einfach diese Gedanken annehmen ,wahrnehmen und wieder ziehen lassen. Wie eine Wolke .
Ich weiß nicht, ob es dir hilft. Aber du bist damit nicht alleine.

06.06.2021 22:10 • x 1 #14


SweetButPsycho1
Nun das ist ja sehr interessant. Escitalopram greift also in die Psyche ein was glaubt er denn wo Mirtazapin eingreift?

Ich empfehle dir ganz schnell den Therapeuten zu wechseln, bzw. mal zu einem Psychiater zu gehen und dem das alles zu schildern. Warum warst du nur einmal bei der Psychologin?

Escitalopram und Mirtazapin sind Medikamente, die mir persönlich nicht gut getan haben, aber das tut ja hier nichts zur Sache.

Fakt ist, es ist nicht gut, das du dich bescheiden fühlst und daran solltest du etwas ändern. Das du erst einmal Medikamente brauchst muss ja nicht heißen das du die ewig einnehmen musst. Aber es sollte doch möglich sein, das du mal wieder entspannter sein kannst.

Ich denke mit 7,5 mg Mirtazapin zum schlafen bist du ganz gut bedient, aber 5 mg Escitalopram ist zu wenig. Wenn die Psychologin sagte 10 mg ist okay dann solltest du das nehmen.

06.06.2021 22:16 • x 1 #15


Alex1337
Zitat von kleinpübbels:
Dazu kann ich dir was sagen. Zu dem anderen leider nicht. Ich habe durch viel Stress, gepaart mit Angst, ebenfalls eine derealisation/ ...


Vielen Dank,das hilft sehr!
Du sagst, du leidest an dp/dr aufgrund Stress gepaart mit Angst.
Ich frage mich, da Diagnosen bei psychischen Krankheiten ja schwierig sind, ich eine Angststörung habe oder eher eine Dp/dr oder geht das immer miteinander Hand in Hand ? Was hast du da mittlerweile schon für Erfahrungen gemacht? Diese Gedanken machen echt sehr schlimme Gefühle im Bauch ... also gedankem scheinen ja der Ursprung zu sein...
Allerdings habe ich vor meiner Krankheit schon öfter an soetwas gedacht und NIE so schlimme gefühle dabei gehabt...

06.06.2021 22:19 • x 1 #16


Alex1337
Zitat von SweetButPsycho1:
Nun das ist ja sehr interessant. Escitalopram greift also in die Psyche ein was glaubt er denn wo Mirtazapin eingreift? Ich empfehle dir ganz schnell ...


Danke erstmal. Ist natürlich schwierig Psychotherapeuten zu finden, ohne 3 Monate oder länger zu warten ... und ich bin eigentlich schon zufrieden, auch wenn ich natürlich keinen Vergleich habe ... ist Escitalopram nicht mit "mehr" Nebenwirkungen verbunden als Mirta? In Bezug auf sexuelle Unlust etc. oder nimmt sich das gar nix

06.06.2021 22:23 • #17

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kleinpübbels
Zitat von Alex1337:
Vielen Dank,das hilft sehr! Du sagst, du leidest an dp/dr aufgrund Stress gepaart mit Angst. Ich frage mich, da Diagnosen bei psychischen Krankheiten ...

Dp/dr ist ein Symptom von Angst. Es ist ganz selten ,dass es eine eigene Störung darstellt.
Ich hatte vorher schon eine Angststörung und das ist halt jetzt der Höhepunkt. Aber wenn die Angst sinkt, sinkt auch die dp/dr . Habe mit einigen Betroffenen Kontakt und bei denen ist es alles das selbe . Erst Angst ,dann kam die dpdr.
Was mir bisher ganz gut geholfen hat ,war Sport, eine gesunde Lebensführung ( gut essen ,schlafen ist ganz wichtig) und Meditation. Wenn dieser Zustand ganz arg wird, nehme ich Promethazin. Aber nur wenn ich es alleine aus diesen Gedanken nicht rausschaffe.
Die machen mich nämlich am meisten fertig. Am Freitag zb habe ich mich den ganzen Tag gefragt: wie kann ich ich sein? Und das löst so ein unangenehmes Gefühl aus . Mit allen anderen Sachen, wie dieses Gefühl als ob man nur träumt oder alles unecht ist, kann ich umgehen und dementsprechend geht das weg.
Ich habe etliche Seiten im Netz und Videos zu dem Thema durch. Habe auch mit meinem Arzt und einer Neurologin darüber geredet . Zitat: es ist nicht normal, aber auch nicht gefährlich. Das kommt echt nur von der Angst. Und zwar, wenn sie einen Punkt überschritten hat. Dann reagiert man mit dem fight or flight Modus. Der Verstand schaltet quasi ab ,damit man nur noch handelt. Und wenn man sich im Dauer fight or flight Modus befindet, dann ist man dadurch in einem Dauerzustand der dpdr.
Aber es gibt ganz viele ,die es da raus geschafft haben . Und zwar indem sie es akzeptiert haben und dem Thema nicht so viel Raum gelassen haben. Vielleicht denkst du dir ab einer gewissen Uhrzeit: oh ,gleich kommt es wieder. Und dann kommt es wieder.
Wenn du noch Fragen dazu hast, kannst du mir sie gerne stellen.

06.06.2021 22:34 • #18


Zitat von Alex1337:
Zur Zeit ist es bei mir wieder schlimmer. Besonders zum Abend hin zwischen 18 und 20 Uhr ist es am schlimmsten. Dieses eklige Gefühl im Bauch ist so ...


Das Gleiche habe ich täglich auf der Arbeit. Die ersten Stunden gehen noch und dann fängt es an. Bekomme nicht so gut Luft, muss tief einatmen oder bekomme Schwindelanfälle. Zu Hause ist alles wieder gut.
Ich glaube das entsteht weil wir unterbewusst dran denken.

06.06.2021 22:36 • #19


SweetButPsycho1
Nun ja, also Mirtazapin ist ein Tetrazyklisches Antidepressivum und bei mir z. B. Hat es Dauerschwindel und Benommenheit verursacht, was wohl auch die häufigsten Nebenwirkungen sind.

Escitalopram ist ein SSRI, also ein Serotonin-Wideraufnahme-Hemmer. Die Nebenwirkungen sind bei jedem anders. Natürlich kann es sein das du ein paar Nebenwirkungen bekommst wenn du auf 10 mg hoch gehst, aber die sollten nach etwa drei Wochen wieder verschwunden sein. Letztendlich musst du für dich selbst entscheiden was du erreichen möchtest.

Ich würde es versuchen.

Zu Beginn meiner Medikation hatte ich Citalopram und die ersten drei Wochen eine ziemliche Verschlimmerung meiner Symptome, aber danach ging es mir gut, für ganze 12,5 Jahre

06.06.2021 22:40 • #20



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