steppenwolf

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Hallo liebe Forengemeinde,

viele von Euch leiden ja auch unter Todesängsten. Ich auch. Ich habe Angst vorm Sterben und habe auch ständig Gedanken an Tod und Sterben im Kopf, die sich regelrecht aufdrängeln. Da ich nciht gegen diese Gedanken ankomme, gibt es wahrscheinlich nur den Weg mittendurch anstatt anzukämpfen. Würde aber bedeuten, dass ich es in Kauf nehme, jetzt sterben zu können.

Ich habe auch ständig den Tag X vor Augen, an dem es passiert. Stelle mir vor wie es passiert, ich das Bewußtsein verliere etc. Ich bekomme die Gedanken einfach nicht aus dem Kopf. Dagegen ankämpfen macht alles nur noch schlimmer.

Kennt das jemand ? Wie geht Ihr mit dem Thema Tod um ? Habt Ihr solche Ängste und Gedanken schon überwinden können ?

Danke und Gruß, wölfin

28.08.2009 12:47 • 31.08.2009 #1


15 Antworten ↓


GastB


Hallo Wölfin,

Zitat:
Würde aber bedeuten, dass ich es in Kauf nehme, jetzt sterben zu können.

das musst du so oder so in Kauf nehmen, jetzt sterben zu können.

Wir haben keinen Anspruch auf ein langes Leben und ein hohes Alter. Es ist schön, wenn uns das zuteil wird - teils unverdient, z.B. durch gute Gene und Glück, teils verdient, z.B. durch gute Lebensführung.

Ich denke, wenn man für jeden Tag dankbar ist, den man lebt, und ihn positiv nützt, verschwindet auch die Angst vor dem Sterben.

Gruß,
GastB

28.08.2009 13:03 • #2


Pilongo


Ich hab nach Papas Tod viel über Leben und Tod nachgedacht, und hatte auch riesen Angst vor dem Tod, und will dir meine Gedanken dazu mal aufschreiben:

Also, bei der Angst vor dem Tod geht es nicht, wie bei z.B. der Angst vor geschlossenen Räumen, dass man sich der Angstsituation stellt, so oft es geht, und sie irgendwann überwindet.
Sterben tun wir ja alle bekanntlich nur ein einziges Mal.
Daher kann man höchstens darüber nachdenken und zu einem resignierten Ergebnis kommen:
Du musst, wie jeder andere Mensch auch, akzeptieren, dass du den Tod nicht kontrollieren kannst, dass es dich heute treffen kann oder morgen oder in 50 Jahren erst.
Ich weiß, das ist schwer, aber so ist es.
Vielleicht hilft es dir auch, zu überlegen:
Macht es Sinn, vor etwas Angst zu haben, das eh irgendwann passiert?
Das du aber sowieso nicht beherrschen und steuern kannst?
Eher weniger.
Und: Macht es Sinn, so viel Zeit mit Gedanken an den Tod zu verschwenden, wenn er doch sowieso irgendwann kommt?
Kannst du dirch durch diese ständigen Gedanken irgendwie besser darauf vorbereiten oder besser damit umgehen?
Und wieder wird die Antwort wohl ein "Nein" sein.

Gedanken an den Tod und Angst vor dem Tod ist sinnlos.
Denn der Tod kommt, egal, ob es dir gerade passt oder nicht und egal, ob du darauf vorbereitet bist oder nicht.
Sobald wir auf die Welt kommen, steht schon fest, dass wir irgendwann wieder sterben müssen. Schön ist der Gedanke bestimmt nicht.
Aber zum Leben gehört der Tod nun einmal dazu.
Manchmal kommen wir aus gefährlichen Situationen lebend wieder raus, manchmal sterben wir.
Ich und meine Familie hätten gestern beinahe einen Autounfall gehabt, wir waren mit 30 unterwegs, das andre Auto mit geschätzten 80. Da hätte es mich erwischen können. Vor einem guten Jahr bin ich die Treppe runter gefallen und hatte den Fuß verknaxt -ein Freund unsrer Familie hat sich beim Treppensturz das Genick gebrochen. Mein Dad hatte seine Hirnblutung am 23. Dezember 2008 genau im Stammhirn und starb -andre haben das auf der Seite, und kommen mit einem gelähmten Arm davon. Wir haben keinerlei Einfluss darauf, wann das Schicksal zuschlägt und wann es uns verschont. Wenn du dir mal die Zeitungsmeldungen anschaust.. Menschen werden überfahren auf dem Weg vom Volksfest nach Hause, werden vergewaltigt und getötet, erschlagen, erstochen, verbrennen im eigenen Haus.
Und die unangenehme Wahrheit ist: Ja, das hättest auch du sein können oder ich. Aber wir waren's nicht, sondern irgendjemand, den wir gar nicht kennen, der halt in der Zeitung steht.
Unkontrollierbar, unvorhersehbar, unplanbar, und verdammt gefährlich und verflucht kurz -that's life for you Und der Tod ist in dem Sinne genau so wie das Leben, nämlich unvorhersehbar und unplanbar.

Deine Zeit hier ist eh begrenzt. Also: Willst du dieses kurze Augenzwinkern, das dein Leben eigentlich nur ist, mit Gedanken an etwas verbringen, auf das du eh keinen Einfluss hast?
Das du eh nicht verhindern kannst?
Das eh unweigerlich irgendwann eintritt?
Oder willst du die Zeit nutzen?

Ich hatte auch lange Zeit Angst vor dem Tod, aber inzwischen macht mir der Gedanke daran nichts mehr aus. Schmerzhaft ist der Tod nur für die Angehörigen. Für einen selber -da hilft es bloß, es heraus zu finden.

Ich nutz die Zeit, die ich hab, einfach, so gut ich kann.
Könnte ja jederzeit vorbei sein. Eine harte Erkenntnis, aber es ist ja so.
Das Glück ist so zerbrechlich und so fragil -man kann bloß suchen, wo man nur kann, es in allen noch so kleinen Dingen sehen, und leben, so fröhlich und gut man es eben kann.
Also lass ich die Sau raus, solange ich noch kann
Ich plane weder das nächste Jahr noch mein Alter, weil ich nicht weiß, ob ich das überhaupt erlebe.
Ich lebe für den Moment und im Moment und plane nur meine sehr nahe Zukunft, sonst gar nix.
Ich bin jedes Wochenende unterwegs, kauf mir etwas, wenn ich es haben will und esmir leisten kann, und fülle meine Tage aus, so gut es geht.
Weil ich seit Papas Tod weiß, wie schnell das Leben vorbei sein kann.
Und weil ich die Zeit nutzen will, die ich hab.

Und so, glaube ich, sollte es Jeder handhaben.

Also: Hör auf zu Grübeln, und fang an zu Leben.
Denn vom Grübeln wird der Tod auch nicht besser.
Du musst wirklich -wie ich- zu der knallharten und niedershcmetternden Erkenntnis kommen: Egal, wie viel zu nachdnekst und egal wie gut du dich drauf vorzubereiten versuchst: Der Tod kommt. Und du kannst rein gar nichts dagegen tun. Also lebe, so intensiv und gut du kannst.
Denn das Leben ist nicht dazu da, dass man auf den Tod wartet.
Das Leben ist zum leben da!

Alles Gute,
Pilongo


P.S.: In dem Zusammenhang fand ich die Scheibenwelt-Romane total interessant, denn da ist der Tod eine Figur im Buch, der halt seinen Job macht und die Seelen holt, einfach, weil es seine Aufgabe ist. Aber Bestimmen kann auch er nicht, wann die Leute gehen.
Und Humor hat der Tod in den Büchern auch. Und eine Vorliebe für Katzen Herrlich skuril, aber schön zum Lesen, echt.

28.08.2009 13:09 • #3


choice


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@Pilongo: Alles was du schreibst ist logisch und vernünftig. Aber wären Menschen immer vollkommen logisch denken und vernünftig gäbe es dieses Forum nicht. Ich habe gute Zeiten da denk ich "okay irgendwann sterbe ich, und das wars dann" ich habe schlechte Zeiten da denke ich "wie? wann? wo? werde ich sterben? Jetzt? Morgen?"

Ich denke wir wissen alle das wir einmal sterben, und ich möchte wirklich nicht ewig leben. Aber ich baue gerade ein Haus mit meinem Freund. Wir wollen in naher Zukunft eine Familie gründen. Ich will noch so viel machen, erleben und sehen. Und doch kann es jederzeit vorbei sein.

Auch die Ängste vor dem Tod sind nicht realistisch, ich fahre mit 130 km/h auf der Autobahn und habe gleichzeitig Angst sofort tod um zu fallen, aber nicht durch einen Unfall zu sterben.

Ich glaube die meisten Menschen haben Angst vor dem Unbekannten. Und der Tod ist und bleibt unbekannt bis er da ist. Jeder muss es für sich durchmachen, keiner kann im wirklich helfen.

lg Choice

28.08.2009 16:06 • #4


peter


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Hallo zusammen,

es läßt sich alles gut aufschreiben, Papier ist geduldig.

Aber wenn mensch in der Grübelfase drinn steckt, daraus zu kommen ist meistens unmöglich.
Ich kämpfe schon fast 40 Jahre damit, es kann einen ganz schön fertig machen. Jeder Mensch ist anders und geht mit seinen Ängsten anders um.
Also bitte nicht so tun als wenn andere nicht wollten, und alles so einfach ist.

Gruß Peter

28.08.2009 16:23 • #5


xxsissi


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pilongo das hast du wieder mal toll geschrieben und wirklich so das man es eigentlich auch verstehen kann und keine angst mehr vor dem tod haben muss.
aber leider lassen sich gedanken nicht so einfach abstellen.
ich bin ja seid 3 tagen in einer tagesklinik und ich hoffe ich lerne da das abschalten.
die angst werde ich nie ganz besiegen denke ich.

nochmal zum thema sterben, in meiner gruppe ist jemand, der hat mal im pflegeheim gearbeitet. er meinte manche menschen sterben schnell, einfach im schlaf oder warten das jemand dabei ist.
andere wiederum haben bis zum schluss angst und kämpfen bis zum letzten atemzug ums überleben.
also selbst wenn es dann soweit ist, hat man noch angst!

28.08.2009 17:55 • #6


Chaosfee


Ist es denn die Angst vor dem Tod,oder die Gedanken daran wie sehr man leiden könnte davor,bis er kommt?


lg.Eva

28.08.2009 18:00 • #7


Rine

Rine


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wohl eher was danach kommt, wahrscheinlich nix, oder auch seine lieben nicht mehr wieder zu sehen.

28.08.2009 18:11 • #8


Rine

Rine


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es wird ja noch gestritten ob es in unserem hirn eine art programm gibt das uns das sterben erträglich macht, einige sehen dann diesen tunnel oder ihr leben im schnelldurchlauf und es soll sich ein glücksgefühl einstellen.

28.08.2009 18:17 • #9


choice


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Ich denke es ist vorwiegend die Angst vor dem was nach dem Leben kommt.

Aber ich habe auch furchtbare Angst lange zu leiden, oder das ein Arzt zu mir sagt "sie haben noch so und so lange". Ich glaube ich könnte nicht damit umgehen, ich will es lieber nicht wissen, wenn ich unheilbar krank bin.

Aber angeblich verlieren viele Menschen diese Angst mit dem Alter, leider nicht alle. Vielleicht hat das damit zu tun wie erfüllt man sein Leben gelebt hat.

lg Choice

28.08.2009 18:28 • #10


choice


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Mein Opa ist letztes Jahr gestorben, es hat vom kränkeln bis zum Tod 3 1/2 Monate gedauert, er ist 88 Jahre alt geworden und starb an Altersschwäche.

Mein Papa ist 1994 gestorben, er hatte eine Lungenembolie, er war 69 Jahre alt und es hat nur ein paar Minuten gedauert.


Warum ich das schreibe, ich denke mit jeder Erfahrung die man mit dem Tod macht, verändert sich die Einstellung wieder ein bisschen. Eigentlich hatten beide ein erfülltes Leben und ich wäre froh wenn ich mal an die 70 herankomme.

Ich kann mich noch erinnern das ich erst nach ein paar Monaten begriffen habe, dass mein Papa für immer weg ist. Seit dem hat das Wort für immer einen komischen Sinn für mich, weil ich denke das einzige was für immer ist ist der Tod.

lg Choice

28.08.2009 18:35 • #11


xxsissi


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vor was ich genau angst habe, kann ich garnicht sagen.
einmal diese hilflosigkeit dem ausgeliefert zu sein, angst vor schmerzen, angst vor dem danach und dann machen mich die gedanken traurig liebe menschen hier zurück zu lassen wie zum beispiel meine kinder.
ich hoffe ich lebe wenigstens noch solange bis sie volljährig sind.
mein vater ist gestorben als ich 13 war, war echt schlimm für mich, ich habe heute noch dran zu knabbern.

28.08.2009 18:47 • #12


Hoffnung


Hallo Choice

Der Tod ist für viele Menschen ganz weit weg, weil sie damit noch so gut wie nie in Berührung gekommen sind.

Viele andere Menschen, so wie du, haben mit dem Tod viel zu tun, weil ein oder mehrere nahestehende Menschen gestorben sind.
Dir haben deine Lebenserfahrungen stark vor Augen geführt, wie unerwartet der Tod sein kann, und wie selbstverständlich er ist. Diese Erfahrungen sind schmerzlich, aber auch dadurch wachsen wir Menschen im Geist.

Wer aber so intensiv mit dem Tod konfrontiert wird, darf nach der Trauer (die nicht unterdrückt werden sollte!) Das Weiterleben nicht vergessen.

Viele Grüße,

Hoffnung

28.08.2009 18:48 • #13


Chaosfee



Guten Morgen....
also Angst davor lange zu leiden,hab ich auch.An irgendeiner langsamen kriechenden Krankheit zu sterben die auch noch mit Schmerzen verbunden ist davor hat glaube ich jeder Angst...

Ich habe mal Berichte gelesen von Menschen die klinisch tod waren und hinterher wieder zurück geholt wurden und das hörte sich alles sehr positiv an.
Ich glaube auch an ein leben nach dem Tod wahrscheinlich habe ich deshalb keine Angst davor .


Sonnige Grüsse

Eva

29.08.2009 09:11 • #14


steppenwolf


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Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.
Pilongo, ich finde das hast Du gut geschrieben und ja, man sollte sich auch mehr mit dem Leben beschäftigen als mit dem Tod.

Leider erlebe ich meine Gedanken als zwanghaft und habe gemerkt, wenn ich dagegen ankämpfe, werden sie schlimmer. Also führt der Weg wahrscheinlich nur mittendurch und ich muss mich mit Tod und Sterben auseinandersetzen und zu einer Einstellung kommen, bei der der Tod nichts schlimmes mehr ist, sondern etwas Natürliches, was jeden von uns trifft.

Ich bin nicht gläubig und glaube daher auch nicht an ein Leben nach dem Tod. Das macht die Sache etwas schwieriger, wie ich finde. Auch ich habe Angst vor einem langen Leiden. Das liebste wäre mir, es würde im Schlaf passieren. Aber man kann es sich ja nicht raussuchen.

Viele Grüße an alle.

wölfin

29.08.2009 10:01 • #15


Silvermoon

Silvermoon


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Huhu,

also ich glaube definitiv an ein Leben nach dem Tod. Davor habe ich auch keine Angst (denn auch wenn es keins geben würde, dann ist danach Schicht und ich merk eh nix mehr).

Bei mir ist es halt der Kontrollverlust. ICH will bestimmen, wann ich gehe. Aber das geht nun mal leider nicht und das macht mir Sorgen.

Habe auch keine Angst davor, wenn es soweit ist, dass "da jemand" meinen "Schalter" ausmacht, zack und weg sondern auch dieses dahinsiechen.....

Und dieser Gedanke: Dann lasse ich mein Kind zurück.... Der ist der allerschlimmste. Denn egal, wie alt die Kinder sind, als Mutter will man IMMER für seine Kinder da sein

31.08.2009 07:27 • #16



Dr. Hans Morschitzky


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