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servus
Ich will euch mal kurz teilhaben lassen an meinen neuesten Erfahrungen und Erkennt-
nissen, wenn man sie so bezeichnen kann. Ich hatte ja schon berichtet, dass bei mir, ausgelöst durch meine depressive Verstimmung und Angststörung zeitweise Insomnien,
also Schlafstörungen bis hin zur fast völligen Schlaflosigkeit geführt haben. Dadurch war
meine größte Angst über Wochen die, dass ich nie wieder normal würde schlafen können, die Angst und Panik wurden immer schlimmer und ich dachte, ich käme da nie mehr raus.
Mein neuer Hausarzt war sich sicher, dass ich Depressionen hätte und verschrieb mir ganz locker flockig aus der Hüfte raus div. Psychopharmaka der härtesten Sorte. Ich hatte sie
als Netz und doppelten Boden zur Sicherheit auf meinem Nachttisch, aber nie eine Pille
genommen. In richtiger psychiatrischer Behandlung war ich bisher auch nicht, allerdings
gibt es bei uns wenigstens eine psychol. Beratungsstelle, wo man relativ problemlos
und unbürokratisch ein bißchen Unterstützung in Form von Tips, ratschlägen und auch
mal einen gesprächstermin für 1-3 Stunden bekommen kann. Einer der dortigen Psycho-
logen hat mir damals ganz unafgeregt gesagt.Ja gut, dann schlafen Sie halt mal eine Nacht nicht und werden den Tag trotzdem gut durchstehen. Schlafen Sie halt in der nächsten Nacht. Das kam mir seltsam und nun wirklich nicht wie der richtige tip vor,
aber- ich habe es hier ja chronologisch berichtet, denn genau zu der Zeit bin ich hier in diese Forum gekommen- das war die entscheidende Hilfe.Denn je mehr ich versucht habe,den Schlaf zu erzwingen, umso grandioser bin ich gescheitert. Baldrian CO
ist in solchen Fällen auch der letzte Schotter, hat gar nix gebracht. Mit der Einstellung,
mir auch eine schlaflose Nacht zugestehen, wurde es dann langsam aber sicher besser.
Nicht jede Nacht kontinuierlich und nicht ohne Rückschläge, manchmal wachte ich nach
1,5 Stunden auf, hatte eine PA und drehte schier durch. Manchmal nicht mehr in der Lage
auch nur einen Klaren gedanken zu fassen. Ich wollte die Angst unterdrücken, was natürlich auch nicht gelang.Dann glaubte ich, ich müsse meine Angst einfach annehmen
und damit wurde es besser. Im Unterbewußtsein war aber natürlich doch der Wunsch,
nie wieder Angst zu haben, was bedeutete, dass ich mich, wenn sie wieder aufkam,
auch wieder reinsteigerte und glaubte, es würde niemals enden. Alles Positive war dann
wieder vergessen. Mit der Zeit manifestierte sich in meinem Kopf aber die Erkenntnis, dass jede Angstsituation auch wieder vergeht, ohne mich umzubringen, und so konnte
ich die Angst tatsächlich irgendwann als Teil von mir akzeptieren. Kam sie wieder auf,
sagte ich hallo, da bist du ja schon wieder, machst du eigentlich nie Urlaub?, oder
ähnlichen Nonsens. Die Anfälle wurden schwächer, die Beklemmung danach blieb oft noch über Stunden oder auch einen ganzen Tag, doch auch das wurde ganz langsam besser. Ich wurde wieder ungeduldig, wollte weitere Verbesserungen erzwingen, erlitt
Rückschläge und begann wieder zu zweifeln, setzte mich mit der Geschichte aber immer
wieder auseinander. Ich glaube, ich habe in den letzten Monaten vor allem in punkto
Akzeptanz und Geduld unglaublich viel dazu gelernt und das hat mich weitergebracht.
Vor kurzem habe ich hier gefragt, wie ich den letzten Schritt schaffe, nämlich meine immer noch zu häufige Mißstimmung abzustellen und habe die richtigen Tips bekommen,
danke hiermit nochmal an alle, die mir geantwortet haben, Schlaflose und Aqdae... ich
kann mir einfach die Schreibweise von deinem Nickname nicht merken. (Meinen habe ich
übrigens nach dem Band-Maskottchen von IRON MAIDEN gewählt. für den, den es juckt)
Ich sage mir seitdem, dass ich gar nicht danach streben muss, ständige und völlige
Beschwerdefreiheit zu erreichen, sondern einfach ignorieren,dass es mir mal nicht so gut
geht und seitdem fühle ich mich noch besser. Auch an Prinzessin noch vielen Dank, ihr
Hinweis, dass mich eine Therapie noch weiterbringen könnte, zeigt mir, dass ich sogar
noch einenSchuss Reserve in der Hinterhand habe. Die leichten verstimmungen, die ich
seit Ende letzter Woche hatte, waren so minimal, dass sie nun echt nicht mehr der Rede
wert waren und ich wohl so langsam aus diesem Forum rausmüsste, um die vielen Menschen, die aktuell noch größere Probleme haben( Die ihr mit Sicherheit auch in den Griff bekommen werdet), nicht zu verärgern mit meiner guten Laune.
Jedenfalls hatte ich insofern doch nochmal einen rückschlag, ich konnte von Samstag auf Sonntag einfach nicht schlafen, wahrscheinlich wetterbedingt. Aber wie das so ist,
wenn man an etwas erinnert wird, das einem Probleme bereitet hat: die Angst brodelte in
meinem Inneren, das Gedankenkarussell drehte sich und ich musste mich damit ausein-
andersetzten und mich selbst beschwichtigen, bzw. mir vor Augen halten, was ich bisher
geschafft habe. Ich war spazieren und habe selbst die eigentlcih trübe Sonntagsstimmung vor dem1. Arbeitstag nach 3 Wochen Urlaub als gar nicht so drückend empfunden wie normalerweise. Trotzdem kam beim Gedanken an die kommende Nacht immer mal wieder Adrenalin hoch, ich dachte den halben Tag daran. Die ander Hälfte habe ich hier im Forum verbracht. Am frühen Abend war ich dann bei etwas düsterer Atmosphäre auf dem Friedhof und suchte das Grab eines ehemaligen Schulfreundes, der mit41 vor kurzem auf extrem tragische weise im Urlaub verunglückt ist. Unwohlsein kam auf, etwas depressivere Stimmung, am liebsten wäre ich gleich wieder gegangen, doch ich sagte mir, jetzt erst recht. Und wie ich mich der Beklemmung stellte, merkte ich, wie sie von mir abfiel. Der Gedanke an eine mögliche weitere
fast schlaflose Nacht kam auf und beunruhigte mich doppelt, da ich heute morgen die Familie meiner Frau zu Flughafen fahren sollte. Um 7 Uhr auf die Autobahn würde nur
gehen, wenn ich zuvor geschlafen haben würde. Ich ließ die Angst zu, setzte mich mit
ihr auseinander und kam einmal mehr zu der Einsicht, dass sich mein Körper seinen
Schlaf von selber holen würde. Ich würde ins Bett gehen, wenn ich müde wäre.
Und was soll ich sagen? Ich war um 22 Uhr im Bett, innerhalb von 10 Minuten einge-
schlafen und Um kurz vo 5 Uhr wachFast 7 Stunden am Stück!! Das hatte ich seit
Monaten nicht mehr. Und das direkt nach dieser Sch.... Nacht, die schon wieder Ängste
geweckt hatte!Wahnsinn ! Somit weiß ich es nun sichher: Ich kann meine Angst akzep-
tieren, ich kann eine schlaflose Nacht akzeptieren, ich kann meinen Hang zur Nostalgie,
Melancholie und leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen akzeptieren,
ich weiß, dass es immer wieder dazwischen Aufhellungen gibt. Meine Schwiegereltern
Schager und Schwägerin sind glücklich am Flughafen angekommen, ich bereite mich
auf meinen ersten Arbeitstag vor und freue mich auf meinen Psychiater- Termin am Freitag. Ich habe mich allen meinen Ängsten gestellt, Augen zu und durch, ich habe die
Rückschläge weggesteckt, ohne mich davon ins Bockshorn jagen zu lassen und denke,
das ist der richtige Weg. Ich fühle mich bestätigt, in dem was ich hier schon so manchen
gepostet habe: Ein Rückschlag ist kein Sturz zurück auf Start. Brennt euch jede glückliche Situation in eurem Gedächtnis ein und bewertet sie besonders hoch. Akzeptiert die dunklen Phasen dazwischen, bewertet sie nich über und wartet geduldig, aber nicht
tatenlos, bis sie vorüber sind. Geht raus an die Luft, bewegt euch und tretet euren Ängsten entgegen. Das sind meine Erfahrungen. Viel Glüch euch allen. Werde mich nun
vielleicht bald etwas rarer hier machen, lg, eddie

30.07.2012 09:02 • 06.08.2012 #1


11 Antworten ↓


Hallo eddy,

solche schlaflosen Nächte kenne ich, aber mir gelingt es zunehmend, damit gelassener umzugehen als am Anfang. Ich hole den Schlaf dann an den anderen Nächten nach.
Wie ich noch mit Rückschlägen umgehe. Wenn es mir wieder besser geht, mache ich weiter täglich Autogenes Training und Yogaübungen.

LG Finja

30.07.2012 14:37 • #2



Umgang mit Rückschlägen

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hallo, finja
habe gehört, dass diese Sachen auch sehr hilfreich sein sollen. Wenn man der Typ dafür
ist. Zumindest in Sachen Yoga sind wir nicht ganz soweit auseinander. Asiatisch ist ja
auch der Sport, den ich seit vielen Jahren betreibe, und wozu ich zunehmend wieder mehr in der lage bin. Naja, das meditative, das damit eigentlich auch verbunden ist, kommt auf
meinem Level eigentlich kaumnoch zum Tragen, die meisten wollen eigentlich bei jedem
Training nach kurzem Aufwärmen gleich in die Vollen gehen. Aber auch das tut gut.
Mit autogenem Training kenne ich mich nicht aus, habe aber gehört, das kann man nur unter Anleitung lernen und diese Kurse kosten und finden auch nicht immer und überall
statt.

01.08.2012 11:18 • #3


Zitat von eddie:
Mit autogenem Training kenne ich mich nicht aus, habe aber gehört, das kann man nur unter Anleitung lernen und diese Kurse kosten und finden auch nicht immer und überall
statt.


Hi Eddie,

manche Krankenkassen bieten kostenlose Kurse u.a. auch für Autogenes Training an. Das sind dann so 10 Abende/Treffen, um den Dreh rum. Mir hat das vor Jahren sehr geholfen, auch im Zusammenhang mit massiven Einschlafstörungen. Stört eben das Gedankenkarrussel, welches Dich dann noch weiter hineinreisst.

03.08.2012 21:22 • #4


danke für den Tip. Nehme in dieser Hinsicht alles dankbar an und probiere es aus
lg, eddie

03.08.2012 21:30 • #5


Eine Termine bei einer psychologischen Beratungsstelle können eine therapie nicht ersetzten. Du solltest dir einen therapeutensuchen und dort eine Therapie beginnen. Ein Psychater ist dafür nicht nötig. So kommst du vielleicht an Dienstsachen deiner Probleme ran und dokterst nicht nur daran rum es irgendwie durchzustehen. Konfrontation und Entspannung ist nur ein Teil im Kampf um die Angst.

04.08.2012 07:23 • #6


hallo, Prinzessin
du hast mit Sicherheit recht und sollte ich jemals doch noch einen Therapeuten finden, werde ich das auch tun, aber bis dahin kann ich ja auch nicht untätig rumsitzen, sondern muss mir halt selber helfen. Nächst Woche geht jedenfalls der Telefon- Marathon weiter.
Bin nicht der Typ, der jemals aufgibt. Bin auch früher im Ring niemals k.o. gegangen

04.08.2012 09:50 • #7


Strand
Hei Eddie!

Amen zu Deinem Beitrag!
Es ist gut zu wissen dass es auch andre gibt denen es so geht und man das Leben trotz dunkler Wolken gelegentlich schafft!

LG
Strand

06.08.2012 16:45 • #8


Strand
Hei Eddie!

Amen zu Deinem Beitrag!
Es ist gut zu wissen dass es auch andre gibt denen es so geht und man das Leben trotz dunkler Wolken gelegentlich schafft!

LG
Strand

06.08.2012 16:45 • #9


Strand
Hei Eddie!

Amen zu Deinem Beitrag!
Es ist gut zu wissen dass es auch andre gibt denen es so geht und man das Leben trotz dunkler Wolken gelegentlich schafft!

LG
Strand

06.08.2012 16:46 • #10


Strand
Huch! 3 mal?! Sorry

06.08.2012 16:46 • #11


hallo, strand
ich nehme deinen Beitrag gerne auch dreimal zur Kenntnis Ist doch schön, wenn man
sich was zu sagen hat. Und dann sind wir ja auch noch fast Nachbarn, das Remstal ist nicht
so weit von mir entfernt, schöne Grüße von meiner Seite

06.08.2012 17:22 • #12



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