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Beobachter,
das kann ich so nicht bestätigen. Mag sein, dass man bei jüngeren Menschen oft noch zögerlich mit Opiaten umgeht, aber heutzutage bestimmt nicht mehr bei alten Menschen. Die Medizin hat dazugelernt und es gibt extra Schmerzambulanzen oder speziell ausgebildete Ärzte für Schmerztherapien. Ich kenne selbst Menschen (sogar unter 50), die Morphine nehmen und bis an ihr Lebensende nehmen werden und müssen. Und besonders in der Altenhilfe wird dafür gesorgt, das Leiden zu verringern. Da arbeiten ja keine Unmenschen, sondern Menschen, die helfen wollen und denen die Alten wirklich am Herzen liegen. Angst muss man haben, weil überall Pflegekräfte eingespart werden. Das ist unser Gesundheitssystem.
RainerSkeptiker!
Du magst ja keine Sorge vor einer strafrechtlichen Verfolgung haben, aber ich denke, wenn Du erfahren würdest, dass der junge Mann sich seine Zukunft verbaut hat, weil er sich illegal Medis besorgte, wäre Dir (hoffentlich) nicht mehr so wohl.
Eine meiner Freundinnen ist auch benzoabhängig. Seit ewigen Jahren schon. Ihr Arzt rät immer mal wieder zu einem Entzug, weil die Dosis nun mal auch steigt. Doch sie hat keine Kraft dazu. Ich kann das sehr gut verstehen. Ich kenne eben - wie der Arzt - ihre Geschichte. Und ich denke hier hakt es oft. Wenn ich als Benzoschlucker zum (fremden) Arzt gehe, wird meist erst mal eine Schublade aufgemacht, wo man den Patienten reinpackt ... und zwar als Süchtigen, der den einfachen Weg geht, statt sich mal anzustrengen und ordentlich Therapie zu machen. Die lange Leidens- und Lebensgeschichte ist doch schwer nachzuerzählen und nachzuempfinden. Allzu oft geht es nach Schema F. Ich habe keine Ahnung bei wie vielen Ärzten dieser junge Mann war, aber ich finde die Mediziner bewegen sich da auch auf dünnem Eis, wenn sie einem Abhängigen die akute Hilfe verweigern.
Trotzdem verstehe ich nicht, wieso er nicht rechtzeitig für Nachschub sorgte. Ich muss auch ein lebensnotwendiges Medikament nehmen und sorge immer schon für neue Medis, wenn ich merke, sie reichen nur noch ein paar Wochen.
Was mich in diesem Lande ankotzt, ist, dass es so gut wie keine akute psychologische Hilfe gibt. Wenn ich plötzlich erkranke, kann ich zum Hausarzt gehen ... der verschreibt mir irgendwas ... hat meist kaum Ahnung ... stellt eventuell schon mal ne wackelige Diagnose ... gibt mir ne Überweisung zum Psychiater. Da warte ich dann Wochen oder Monate auf nen Termin ... bis sich die Angst und Panik im Leben so richtig schön etabliert hat ... meist werden die Medis dann schon aus Prinzip umgestellt ... schließlich ist er ja der Fachmann ... und man rät zu einer ambulanten Therapie. Auch hier wartet man mancherorts dann 6- 8 Monate auf einen Platz und wenn man bis dahin überlebt hat .... dann lohnt sich die Behandlung auch inzwischen enorm, weil die Angst sich voll ausbreiten konnte in all der Zeit der Warterei. Ich kann mich natürlich auch gleich in die Psychiatrie begeben ... aber wer tut oder möchte das schon? Angstambulanzen gibt es nur in Großstädten ... und ob der sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes einem wirklich helfen kann, wenn einen akut die Angst packt, lasse ich mal offen.
Ich bin sicher, dass man viel Leid abwenden könnte, wenn es schneller Hilfe gäbe.
29.07.2012 01:42 •
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