Zitat von Klaus Müller:Vor Klinik hab ich am allermeisten Angst, muss ich ehrlich sagen. Ist schon paradox: Durch Angst vor Klinik steigt die Angst, die einen der Klinik näher bringt, die von der Angst befreien soll.
@freisein: Hab mir deinen Vorstellungsthread durchgelesen, hast ja auch schon eine Menge durch, mehr als ich sogar ;-P.
Wie schaffst du es, nicht den Mut und die Motivation zu verlieren, wenn die Angst wieder auftaucht oder alte Mittel und Handlungsweisen nicht mehr wirken? Kannst du den Glauben an Besserung oder Heilung aufrechterhalten?
Der Glaube kommt erst mit den ersten Zeichen der Besserung bei mir. Bei meinem zweiten Zusammenbruch im August letzten Jahres dachte ich, das wars jetzt. So wirst du dein Leben verbringen müssen, du hast es verscherzt. Glaube war keiner mehr da, nur noch Leiden. Habe das Internet nach Suizidmethoden abgesucht, und wenn mein Freund nicht gewesen wäre, dem ich das nicht antun wollte, ich weiss nicht, ob ich dann nicht gehandelt hätte und heute noch hier sitzen könnte. Die Motivation entsteht ganz einfach aus dem Leiden. Wer will schon leiden? Also muss man etwas tun, denn von alleine wird es nicht besser. Und Mut, ja, was bleibt mir denn anderes übrig?
In der Klinik, in der ich September und Oktober letzten Jahres war, wurde mir auch der Begriff Salutogenese erklärt (Gegenteil von Pathogenese). Also habe ich nachgeforscht, über Eigenschaften, die Menschen haben, die trotz hoher Belastung nicht krank werden. Dazu gehört auch, dass gesunde Menschen eher Unterstützung anfordern. Das versuche ich jetzt zu tun. Denn vorher wollte ich immer mit allem alleine fertig werden, alles alleine machen.
Da ich mittlerweile seit über 20 Jahren dran bin (in der Zeit dachte ich, ha, die Angst krieg ich weg, von der lass ich mir nicht das Leben versauen) und mein vorheriger Plan, siehe Klammer, nicht funktioniert hat, bin ich mittlerweile überzeugt, dass wir Ängstler halt sorgsamer mit uns umgehen müssen. Und auch bewusster. Denn ich befürchte, bei mir, dass ich diese Angst nie ganz loswerden kann. Also muss ich mir das Leben so gestalten, in Beruf und Freizeit, dass ich nicht zuviele Stressoren habe. D.h. Für mich konkret z.b. ein weniger herausforderndes Berufsbild. Nicht gleichzeitig Wohnort und Arbeitgeber wechseln (sondern nacheinander). Für mehr Ruhepausen, Ausgleich sorgen. Ob dieser Lebensentwurf so funktioniert, sag ich dir dann in ein paar Jahren
