|
|
Unbeantwortete Themen |
Aktive Themen
| Autor |
Nachricht |
|
omegaman
|
Betreff des Beitrags: Die "Opferrolle" Verfasst: 21.Nov.2009, 14:50 |
|
Registriert: 08.Apr.2009, 19:31 Beiträge: 1409
|
Hallo,
in einem anderen Thread kam das interessante Thema Opferrolle auf.
Da es dort eigentlich "OT" war, möchte ich hier nun einen kleinen Thread dazu eröffnen.
Meine These dazu:
Die Opferrolle, sie steht auch im Zusammenhang zum Krankheitsgewinn, ist eine der verwerflichsten Rollen, denen sich ein Mensch in seinem Leben hingeben kann.
Jeder, der sich aus freiem Willen, die (oder eine) Opferrolle selbst auferlegt, übernimmt damit die volle und schuldhafte Verantwortung für seine Probleme, seine Krankheit und der momentanen Lebenssituation.
Natürlich kann man Aufgaben im Leben bekommen (oder haben), diese werden dann oft im umgangssprachlichen Dialog/Austausch als "Probleme" bezeichnet.
Aber niemals sollte man sich wegen seiner Aufgaben als (hilfloses) Opfer darstellen.
Die Problematik in einem Forum:
Wenn man versucht, seine Aufgaben oder seine Lebenssituation (zum Zweck des konstruktiven und positiven Austauschs) in einem Beitrag darzustellen, dann ist es oftmals unumgänglich auch weniger begrüssungswerte Zustände, Aufgaben und/oder Empfindungen zu beschreiben.
Dies kann dann natürlich dazu führen, dass man den Eindruck erweckt, hier eine Opferrolle zur Schau stellen zu wollen.
Es bleibt also immer eine Gratwanderung zwischen realistischer und erlich/offener Beschreibung/Darstellung, und der zu erwartender Interpretation des Lesers.
Hier ein kurzes und (zur Anschaulichkeit) leicht überzogenes Beispiel:
Ein Teilnehmer schreibt: "Ich fühle mich wie der glücklichste Mensch dieser Welt, und ich habe keinerlei Probleme oder Ängste"
Vor der Interpretation einer Opferrolle wäre diesr Teilnehmer natürlich in vollem Umfang geschützt, aber ob hier dann auch ein konstruktiver Dialog entstehen kann?
Opferrolle nein Danke . . .
Liebe Grüsse, omega
_________________ ---
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Chaosfee
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 15:24 |
|
Registriert: 01.Mai.2009, 01:06 Beiträge: 3745 Wohnort: Gelsenkirchen
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
omegaman
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 15:27 |
|
Registriert: 08.Apr.2009, 19:31 Beiträge: 1409
|
|
Noch ein kurzer Nachtrag (wegen fehlender Edit-Funktion):
In meiner Anfangszeit in diesem Forum, ich habe damals sehr offen über meine Beziehungsängste- und Beziehungs"aufgaben" berichtet,
wurde mir oft eine solche Opferrollendarstellung bescheinigt.
Ich habe hier liebe Diagnosen, wie "Du bist eben Beziehungsunfähig", aber auch sehr nützliche Tipps wie "Gehe doch einfach ins Kloster" erhalten.
Daher soll mein Opferrollen-Thread auch ganz nebenbei das allgemeine Nachdenken fördern.
_________________ ---
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
elster
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 15:45 |
|
Registriert: 14.Jan.2009, 11:55 Beiträge: 439 Wohnort: Bayern
|
|
Ich glaube nicht, dass es "beziehungsunfähige Menschen" gibt, es muß nur der Richtige/ die Richtige kommen.
Als Mensch, der Probleme hat, wirkt man anders als ein heiterer, frühlicher Typ, gerät deshalb leichter in die Opferrolle, weil Denkmuster wie "ich bin nichts wert, hab´zu nichts gebracht" eben auch eine gewisse demütige Ausstrahlung mit sich bringen und die auf andere und das ganze Leben drumherum auch abfärbt. Das muß man nicht mal mit einem bewußten Dialog provozieren, manche ergeben sich eben einem vermeintlichen Schicksal, weil sie fatalerweise nichts anderes gewohnt sind. Anderen kommt das gelegen, weil sie gerne jemanden haben, auf dem sie herumtrampeln können in der einen oder anderen Art und Weise. Als Opfer wird man nicht geboren, also kann man sich auch ändern.
_________________ who dares, wins
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Chaosfee
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 15:46 |
|
Registriert: 01.Mai.2009, 01:06 Beiträge: 3745 Wohnort: Gelsenkirchen
|
_________________ ¸.•*''*♥☆♥*''*•.¸☆ Hol Dir einen Stern vom Himmel ☆¸.•*''*♥☆♥*''*•.¸
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
elster
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 15:54 |
|
Registriert: 14.Jan.2009, 11:55 Beiträge: 439 Wohnort: Bayern
|
|
Das ist schon eine heikle Sache, denn oft wird man vom Opfer zum Täter und umgekehrt. Weil man selber Probleme hat und ein Schwächerer daher kommt, drängt man den dann in die leidvolle Rolle um selber herauszukommen, nach dem Motto "ich hatte es schlecht, jetzt bin ich froh, dass der/die es schlechter hatte und lasse endlich mal an dem meinen Frust raus". Ich denke, die Übergänge sind fließend und bedingen manchmal einander.
_________________ who dares, wins
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Lilly42
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 16:37 |
|
Registriert: 01.Nov.2007, 16:41 Beiträge: 325
|
|
Ich denke:
1. Die "Opferrolle" ist in der Regel unbewußt. Deshalb, omegaman, fühltest Du Dich in dem genannten Thread vielleicht auch falsch beurteilt!
2. Unterliegt dieser Begriff inzwischen leider oft einem "hobbypsychologischen Wissen" und wird schnell in den Raum geworfen.
3. Gibt es auch Theorien, die besagen, dass die Opferrolle nie nur einfach eine Opferrolle ist. Das bedeutet, dass jedes Opfer gleichzeitig Täter ist und jeder Täter gleichzeitig Opfer ist.
4. Was letztendlich aussagt, dass jeder seinen Teil zu allem dazu beiträgt. Insofern hat man auf die ein oder andere Art eine "Mitschuld" an den gegebenen Umständen. Frage: Was hast Du dazu beigetragen, dass man Dich bei dem 1 Eurojob derart behandelt? Hälst Du dem Löwen ein Stück Fleisch hin, beißt er zu.
5. Ist die Opferrolle letztendlich auch eine Entscheidungssache. Nehme ich diese Rolle überhaupt an? Denn ihre Existenz ergibt sich allein aus der Tatsache, dass man sich als Opfer empfindet, selbst wenn es einem nur in gewissem Sinne bewußt ist.
6. Wobei die Begriffe "Opfer" und "Opferrolle" aber auch einer individuellen Definition unterliegen.
7. Ist es ungeheuer schwer, durch das Dickicht zu blicken, wenn man mitten in der Sche...e sitzt. Will sagen, Du hast nach Deiner Ansicht versucht, Auszüge aus Deinem Leben möglichst sachlich und objektiv darzustellen, trotzdem kann schon alleine das für sich den Hinweis auf eine mögliche Opferrolle geben.
8. Will sagen, zur Darstellung von Sachverhalten, ohne in eine Opferrolle gepresst werden zu wollen oder sich selbst unbewußt hinein zu begeben, gehört somit IMMER die Darstellung zweier Seiten.
9. Das Thema "Fahrweg" bzgl. der Beerdigung Deines Stiefvaters ist für mich ein sehr gutes Beispiel für eine "Opferrolle". (wenn ich auch nicht in Deine Vergangenheit involviert bin)
10. Hast Du trotzallem mein vollstes Verständnis, denn sich nach langjähriger "Erkrankung" als alleinlebender Mensch nicht als Opfer der Umstände zu sehen, würde fast einer Heilung gleichkommen.
11. Ergibt sich für mich trotzallem auch immer wieder die Frage, ob die Opferrolle nicht doch eine Art Realität ist (im Sinne von Schicksal usw.) oder ob es lediglich eine Grundhaltung ist, wobei das eine das andere nicht unbedingt ausschließen muss.
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
omegaman
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 17:30 |
|
Registriert: 08.Apr.2009, 19:31 Beiträge: 1409
|
|
Hallo
@Lilly42:
Ich wollte hier den Begriff Opferrolle allgemeingültig erörtern, also nicht absolut auf mich bezogen.
Bei meinem kurzem persönlichen Beispiel kann ich selbstverständlich die Diagnose Beziehungsunfähig und den Ratschlag Kloster falsch verstanden haben.
Aus diesem Gründen habe ich ja auch von lieben und nützlichen Beiträgen geschprochen.
Wenn man eine Oferrolle nicht freiwillig annehmen muss um sie zu haben, wie du es in Bezug zu meiner Beerdigungssache schreibst, dann hätte man ja, völlig egal was man fühlt, denkt und tut, überhaupt keine Möglichkeit sich einer verwerflichen Opferrolle zu entziehen.
Man würde dann, alleine durch den Versuch nicht in eine Opferrolle zu geraten, doch wieder auf einer anderen Ebene zu einem Opfer werden.
Nämlich zum (Rechtfertigungs - und Verteitigung) Opfer der von aussen zu unrecht zugewiesenen Opferrolle.
@Chaosfee:
Du bringst mein gerade Gesagtes genau auf dem Punkt.
Wenn man einem Menschen versucht den Opferrollen-Stempel aufzudrücken (er sich aber nicht als jammerndes, hilfloses und bedauernswertes Opfer fühlt, und auch nicht so gesehen werden möchte), dann bringt man ihn damit sogleich wieder in eine neue Opferrollengefahr gegen die er sich wehren muss. Dies kann in einer endlosen Folge dann so weitergehen, denn der einzige Rettungsweg für das vermeintliche Opfer wäre an dieser Stelle den Dialog abzubrechen, womit er aber (durch Resignation und Rückzug) schon wieder in einer neuen Opferrolle wäre.
Es gibt also absolut keine realisirbare Möglichkeit für den Betroffenen, der Vergabe dieses verwerflichen Opferstempels zu entrinnen. Man kann sich nur für sich selbst seiner wahren Rolle bewusst werden, und sich nach aussen mit einem passenden Lächeln dagegen abschotten.
Wer in diesem Spiel nun die Täter sind, möchte ich hier nicht näher beschreiben.
Nun ja, bei näherer Betrachtung kann einem dabei wohl auch der Kopf ins schwirren geraten.
Liebe Grüsse, omega
_________________ ---
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Chaosfee
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 17:41 |
|
Registriert: 01.Mai.2009, 01:06 Beiträge: 3745 Wohnort: Gelsenkirchen
|
|
das heisst also auch wenn man sich mal total mies und traurig fühlt,was ich persönlich nicht als Schwäche sehe,sollte man lieber den Glücklichen und fröhlichen mienen ...um damit weiteren konfrontationen aus dem Weg zu gehn.
Das mit mies und traurig sollte jetzt nur ein beispiel sein ...
lg.Eva
_________________ ¸.•*''*♥☆♥*''*•.¸☆ Hol Dir einen Stern vom Himmel ☆¸.•*''*♥☆♥*''*•.¸
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
omegaman
|
Betreff des Beitrags: Verfasst: 21.Nov.2009, 17:59 |
|
Registriert: 08.Apr.2009, 19:31 Beiträge: 1409
|
|
Hallo Chaosfee
Ich muss an dieser Stelle einfach einmal deinen Weitblick bewundern.
Ja, du hast mit dieser (eigentlich absurden) Erkenntnis leider vollkommen recht.
Um es kurz aber sehr verständlich zu Beschreiben:
Wenn man ein Problem (positiv=Aufgabe) hat, oder aus verschieden Gründen einfach nur einen schlechten Tag (Stress, Angstatacke etc.) hatte, und dies einfach einmal in einem Gespräch loswerden will,
und wenn man dann in diesem Gespräch den Opferrollenstempel aufgedrückt bekommt (bzw. sich dagegen wehren muss),
dann hat man am Ende des Gesprächs zwei Probleme (Aufgaben) oder Stressfaktoren.
(Hat man zugleich mehrere Gesprächspartner, dann können aus dem einen Problem/Aufgabe auch schon einmal viele Probleme/Aufgaben werden, bis man dann zuletzt wirklich in einer massiven Opferrolle ist - obwohl man am anfang des Tages vielleicht nur leichte Kopfschmerzen gehabt hat oder das Kleingeld für den Zigarettenautomat gefehlt hat)
Übrigens:
Genau auf diesen Punkt wollte ich auch ursprünglich mit meinem Opferrollenthread aufmerksam machen.
Liebe Grüsse, omega
_________________ ---
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Wer ist in unserem Selbsthilfe Forum online? |
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste |
|
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
|
|