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nucleogenesis
Ich bin 45 Jahre alt und habe hier ein Problem das mich lähmt und belastet und ich nicht mehr weiter weiß.

Vielleicht sollte ich zuvor ein wenig ausholen und mich etwas beschreiben !?

Ich war, jetzt wo ich aktuell so drüber nachdenke, wohl schon immer mehr oder weniger,
depressiv, melancholisch, nachdenklich, stimmungsschwankend, Einzelgänger.
Schon als Kind, Jugendlicher, Junger Erwachsener und Erwachsener bis jetzt und das immer mehr wie die anderen ...

Ich habe nach der Schule mit 15 Jahren eine Ausbildung in einem großen Betrieb gemacht.
Hier hatte ich zu Anfang sehr große Probleme mich mit all dem neuen Abzufinden, einzufinden.
Übelkeit, Ängste, Appetitlosigkeit waren eine Zeit lang mein Begleiter, war auch damals bei einer Nervenärztin.

Natürlich wollte ich die Ausbildung unbedingt machen und mit der Zeit ging es mir dann auch besser,
und ich lebte mich ein.
Im Werksdurchlauf gab es aber immer wieder mal Situationen und Neues,
wo ich bekannte Ängste wieder bekam, mehr oder weniger.
So auch als ich dann ausgelernt habe und übernommen wurde.
Ich war eigentlich immer froh wenn Feierabend war,
konnte mich nicht so richtig mit der neuen Situation der Arbeit abfinden,
und auch nicht vorstellen das ich das die nächsten 5, 10 Jahre oder länger machen sollte.

Es begleitete mich immer diese tiefe innere Unruhe, morgens sehr schlimm,
gegen Abend dann stark nachlassen bis nicht mehr vorhanden.

Dies verbesserte sich aber stark mit den Jahren im Betrieb.

Nach 30 Jahren im Betrieb, kann ich heute feststellen das die letzen 10 Jahre die schönsten im Betrieb wahren.
Von der Arbeit her gesehen, vom Umfeld und den Menschen.
Stichwort, zweite Heimat und zweite Familie !
Ich kannte jeden, ich kannte alle Prozesse, ich kannte jede Arbeit,
und wußte genau was mich jeden Tag mehr oder weniger erwarten würde.

Ich bin in dieser Firma mit den dortigen Menschen groß geworden.

In den letzten 10 Jahren war diese Unruhe fast nicht mehr spürbar, nur sehr sehr selten !

Es war so, das auch wenn man außerhalb der Arbeit, privat, Probleme welcher Art auch immer hatte, Kummer,
Ärger usw., es war immer dieser absolut zuverlässige und immer anfahrbare Fels in der Brandung da, der Betrieb,
die Arbeit und die Menschen darin.
Vertrauen, Sicherheit, Selbsverständlichkeit, Normalität, sind hier die Stichwörter.

Jetzt allerdings wo unser Betrieb dieses Jahr geschlossen wird, herrsch innerliches Chaos in mir ....

So wie ich zuvor jeden Tag aufgestanden bin und den Weg vor mir in den Betriib gesehen habe,
so stehe ich jetzt auf und sehe vor mir einen Abgrund, kein Vertrauen in die Welt und ins Leben mehr.
Angst, Panik und Unruhe ....

Ich träume jede Nacht von der Schließung und den Entlassungen und Verabschiedungen, dem Abbau des Betriebs.
Ich wache mit Unruhe auf, Herzklopfen, Übelkeit, Ausweglosigkeit, Angst und Panik,
muß deswegen früh aufstehen da ich nicht mehr schlafen kann.

Im laufe des Tages wird es besser, aber Morgens nach dem Aufwachen herrscht Chaos und Panik in mir.
Es ist ein Alptraum .....


Was glaubt ihr kann man tun um diesen Ängsten zu entfliehen.
Ich bräuchte Tabletten, die Gefühle ausschalten und mir dann mehr oder weniger alles egal ist ...

Nicht ständig, aber zu den Situationen in denen ich Funktionieren muß !

24.11.2013 21:52 • 19.07.2016 #1


3 Antworten ↓


Hi,

ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen. Die allerwenigsten Menschen können den Verlust des Arbeitsplatzes einfach so wegstecken und unbelastet nach vorne schauen. Insofern bist du keineswegs allein. Die meisten deiner Kollegen und Kolleginnen werden ähnlich oder genauso empfinden wie du.

Deswegen mein Rat: Sprich mit deinen KollegInnen über eure Gefühle und Gedanken bezüglich der Betriebsschließung und des Arbeitsplatzverlustes. Das hilft, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist.

Nach so langer Arbeitszeit hast du ja erstmal Anrecht auf längeres Arbeitslosengeld I. In dieser Zeit kannst du nach einer neuen Arbeit suchen. Es wird vermutlich nicht leicht sein, aber unmöglich ist es nicht.

Es gibt frei verkäufliche Tabletten zur Entspannung und zum Stressabbau (z.B. Lasea), die würde ich erstmal ausprobieren. Mit stärkeren Psychopillen wäre ich zurückhaltend. Das ist zumindest meine Meinung. Und kauf dir eine Großpackung Papiertaschentücher und heul ein paar Runden hemmungslos deinen Kummer und deine Zukunftsangst raus. Das tut in aller Regel auch gut.

24.11.2013 23:32 • #2



Nach Betriebsschließung vor dem Abgrund, Panik & Angst

x 3


hallo,

ich kann deine probleme
und sorgen sehr gut verstehen.

man sagt ja, daß man sich bei zeiten
um ein schönes hobby oder mehrere kümmern
"sollte"...,daß, wenn solche situationen kommen,
und die kennt fast jeder, dann hat man etwas
schönes, worauf man sich freuen kann.

die arbeit allein, ist eben vll. doch nicht alles!

wenn man ein gutes, soziales umfeld hat/hatte,
ist es natürlich schmerzlich, es fällt somit
auf einmal vieles weg.

auch das wird vergehen , wie alles...., das
gute und nicht so gute.

halte trotz allem am leben fest, es wird uns
nur einmal geschenkt.

liebe grüsse
rose

25.11.2013 13:41 • #3


nucleogenesis
Also ich war heute beim Psychiater, war alles sehr schnell und holprig das ganze, hat mir nicht gefallen und wirkte auch nicht Vertrauen erweckend.
Habe Escitalopram bekommen und ich solle mir einen Therapeuten für Verhaltenstherapie suchen.
Habe wegen Tiefenpsychologie nachgefragt und Ursachenforschung, hat ihn aber nicht sonderlich interessiert.

Ich mache auch eine Gruppentherapie, seit einigen Monaten, ist zwar schön die Leute dort immer wieder zu sehen,
ansonsten weiß ich aber nicht wie mir das helfen soll.

19.07.2016 13:35 • #4




Mira Weyer