Danke, der Vorstellungstermin hat geklappt und ich kann erstmal ne Woche probearbeiten

In den Akut-Phasen ist es die Seuche, ich weiß, ich habe damals auch so derve gelitten, da lief nicht viel.
Du brauchst Dich nicht zu vuerurteilen wie du in der Vernangenheit gearbeitest hast, entscheidend ist, dass es dann besser läuft. Mir hat radikale Akzeptanz gut getan:
Ich versuchte, alte, tiefgründige Grundannahmen wie z.B. „Ich bin
anders als Andere. Ich bin nicht liebenswert“ oder „Ich kann das nicht.
Ich bin nicht fähig.“, „Ich muss mehr tun als Andere um liebenswert zu
sein.“ durch positive Muster zu ersetzen. Dafür schrieb ich mir eigene
Eigenschaften auf, die ich als positiv erachte, und las sie mir wieder und
wieder vor.
Eine Angststörung wird durch Selbstwertarbeit gemildert, ohne diese
Arbeit wird es schwierig.
Ich hielt mir jeden Tag mehrfach meine Stärken vor Augen. Ich stellte
mir vor, dass mein „innerer Kritiker“ einen Nichtangriffspakt mit
meinem „Befürworter“ schließt. Wann immer der Kritiker sich mit alt
bekannten Leitsätzen meldete: „Du wirst abgelehnt.“, „Du musst viel
leisten um akzeptiert zu werden.“ sagte ich: „Stop!“. Ich tauschte diese
Muster durch positive Sätze und positives Feedback aus. Du bist
wertvoll. Du hast es nicht nötig, Angst zu haben. Du kannst viel und bist
viel. Du bist ok, wie Du bist. Ich merkte manchmal wie sich ein wohliges
Gefühl in der Magengegend ausbreitete. Ich bin ok, ohne Leistung,
einfach nur durch eigenes Sein. Auch Shame-Attacks führte ich durch:
Fremden Menschen ein Kompliment machen, im Foyer einem
Mitpatienten laut etwas zurufen.
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Ein weiterer Lerneffekt: Nach schwierigen Expositionsübungen (z.B.
einem Gespräch in der Cafeteria) ist es wichtig, sich selbst zu belohnen.
Nach einer Übung etwas tun, was man sehr gerne tut, sich etwas gönnen,
irgendetwas, was eine kleine Besonderheit ist. Das ist ganz wichtig. Es
gleicht einer Konditionierung wie bei einem Hund. Es reicht nicht, wenn
man sich denkt: „Gut gemacht, das war ok.“ Es bedarf eines stärkeren
Konditionierungsreizes, damit auch das Unterbewusstsein merkt: Gut
gemacht, das war stark!
Sei nett zu Dir selber. Belohne Dich. Tue Dir und Deinem Körper etwas
Gutes. Ich nahm das ernst. Kein Kaffee mehr und mit dem schei.
Rauchen hörte ich von einem Tag auf den anderen wieder auf. Ich wollte
das nicht mehr. Das war nicht so ganz einfach. Aber wenn ich bedenke,
dass ich bis vor drei Monaten 10 Jahre überhaupt nicht geraucht hatte,
dann wird es Zeit wieder daran anzuknüpfen. Tue Deinem Körper etwas
Gutes, jeder Faser, jeder Zelle. Ich bin es wert. Gifte schädigen den
Körper und natürlich auch die Psyche. Es gab Patienten hier, welche als
Übung einen Entschuldigungsbrief an sich selber schreiben sollten, weil
sie sich jahrelang mit Dro. malträtiert hatten. Brutales selbstschädigendes
Verhalten, aber auch nachvollziehbar.
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Ich sitze in der Cafeteria anderen Menschen gegenüber. Ich merke wie
meine Schultern verspannen und sich meine Mimik verhärtet bzw.
anspannt. Meine Kehle wird trocken. Ich ertappe mich bei den
Gedanken: „Die Anderen sehen das an mir. Sie halten mich für
merkwürdig und komisch. Sie lehnen mich ab, wollen nichts mit mir zu
tun haben. Ich bin wertlos und völlig allein. Das ist schrecklich.“ Stop!
Und jetzt der Austausch der Gedanken: „Ich habe einen Detektiv auf
meiner Schulter und dieser realisiert die Situation wie sie ist. Sie ist
harmlos. Die Situation ist ungefährlich. Die anderen Menschen gucken
mich gar nicht so sehr an, außerdem kann ich nicht wissen, was sie
denken. Ich achte auf die Situation und das Gespräch. Oh, ok,
Anspannung und Angst sind da. Na und? Ich trage eine innere Kraft in
mir, welche mir hilft, die Situation zu bewältigen. Angst und
Anspannung, hallo, ich schaue Euch an. Aktuell seid Ihr vorhanden, weil
nach wie vor alte Gedankenmuster greifen. Ich arrangiere mich mit Euch.
Ich nehme Euch radikal an. Stand jetzt: Aktuell seid ihr ein Teil von mir.
Vielleicht wird das einmal anders sein. Ich bewerte und verurteile dieses
Gefühl nicht. Es ist wie es ist und ich bin ok. Die Situation ist harmlos
und ich habe viele Stärken, welche mich liebenswert und sympathisch
machen.“
So - na Angst, wie gefällt Dir das? Damit hast Du nicht gerechnet was?
Operation „neuer Mensch“. Destruktives durch Konstruktives ersetzen.
„Nimm mir das nicht übel, Angst. Ich weiß, dass Du ein Teil von mir
bist, und das ist ok. Aber ich möchte selber entscheiden, welche Situation
gefährlich ist und welche nicht. Diese, meine Entscheidung wirst Du als
ein Teil von mir akzeptieren müssen. Und eines, liebe Angst, möchte ich
Dir noch sagen: Du hast eine wertvolle Funktion, Du willst mich behüten
und beschützen, dafür danke ich Dir. Aber ich sage Dir auch: Die
Tatsache, dass Du mich sehr oft in Situationen besuchst, bedeutet noch
lange nicht, dass eine Situation wirklich gefährlich ist. Du bist also öfter
da als notwendig. Du wirst wohl oder übel akzeptieren müssen auch
einige Male ausgeladen oder aber nicht hineingelassen zu werden - und
dazu stehe ich jetzt!“
Die Therapeutin empfahl mir, in angstbesetzten Situationen möglichst
nur auf die Situation zu achten. Weg von der Selbstfokussierung (siehe
Abbildung 2). Die Aufmerksamkeit auf das Gespräch und die allgemeine
Situation richten. Wenn man zu viel am Gedankenaustausch mitten in
den Situationen arbeitet, dann kann auch das zu einer Verkrampfung
führen. Oder aber der Gedankenaustausch selber kann sich zu einem
Sicherheitsverhalten entwickeln. Es ist also eher im Vorfeld oder in der
Rückbetrachtung einer Situation sinnvoll, eigene Gedankenmuster
auszutauschen und zu modifizieren.
Es gab viele Rückschritte bei den Übungen. Nicht immer klappte das,
was ich mir vorgenommen hatte (z.B. Gespräche beim Essen, Austausch
in der Sitzgruppe etc.). Manchmal trat die Angst auch in Situationen
wieder auf, welche ich schon zigmal gemeistert hatte.
Oft war ich nachmittags so kaputt, dass ich mich nur noch ins Bett legen
konnte. Arbeit an der Angst und an sich selbst ist furchtbar anstrengend.
Besserung kommt nur langsam und nicht linienförmig sondern eher als
eine auf- und absteigende Kurve. Es reicht nicht, diese Arbeit nur
theoretisch, ausschließlich im Kopf, durch eigenes Denken
durchzuführen. Es ist wichtig, Übungen aufzuschreiben und sich regelmäßig
und oft schriftlich mit ihnen zu beschäftigen. Und diese
Situationen gilt es selbstverständlich auch in der realen Welt zu erleben.
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Es ist harte Arbeit, aber es geht
