Zitat von Lizzy_Lizz: Das übermäßige Denken ist der Versuch, einer Sorge durch eine Art Gedankenkontrolle entgegenzuwirken:
Das sehe ich anders.
Zunächst einmal sehe ich es wie Du. Die Angst, die uns grübeln lässt, versucht uns letztendlich
Sicherheit zu suchen und finden zu können. Dabei erfolgt aber ein entscheidender Denkfehler.
Unser Unterbewusstsein ist
nur ein Gedankenspeicher. Wenn Du die Tür vom Kühlschrank öffnest, siehst Du alles, was dort drin liegt. Alles schreit Dich an.
Nimm mich, nimm mich, nimm mich, ich schmecke gut. Die Dinge im Kühlschrank können selbst aber
nicht entscheiden, was Du zuerst isst.
Dafür braucht es das bewusste Denken, weil nur der,
nur der Beobachter entscheiden kann, was er sich
nun aus dem
Gedankenvorrat herausnimmt.
Wählt der Beobachter aber nicht aus, also, entscheidet er nicht, was er essen will, kann er im Extremfall
vor dem vollen Kühlschrank verhungern.
😉 Zitat von Lizzy_Lizz:Je mehr Möglichkeiten eine Person abwägt, was passieren, wie etwas ablaufen könnte oder wie sie sein wird, desto höher denkt sie, sei die Chance, auf kommende Situationen vorbereitet zu sein, grübeln gibt Sicherheit
Das glaubt man. Aber auch das scheint ein Irrtum zu sein.
Fast alle kennen folgende Situation. Du sitzt im Restaurant und bekommst die Speisekarte. Du beginnst zu
lesen, willst (kannst) Dich aber nicht entscheiden. Nach immer 10 Minuten kommt der Kellner vorbei und
fragt Dich. Was möchten sie essen? Du antwortest. Ich habe mich noch nicht entschieden.
Im Extremfall bestellst Du Dir dann nach einer halben Stunde ein Nudelgericht, jammerst dann irgendwann,
dass das mit dem Essen so lange dauert. Und wenn das Nudelgericht nicht gut war, sagst Du Deinem Partner
wenn ihr bezahlt. Ich hätte heute doch lieber das Schnitzel nehmen sollen.
So entsteht Unzufriedenheit.Zitat von Lizzy_Lizz: Die Sorge soll die eigentliche Angst eindämmen.
Soll die Angst vor der Entscheidung eigentlich. Sie macht es aber fast nie.
Zitat von Lizzy_Lizz: Dabei geht es häufig darum, unangenehme Gefühle zu vermeiden oder nicht spüren zu müssen: Zurückweisung, Verlust, Scheitern, Scham … all das soll über die vermeintliche Kontrolle durch bestmögliche gedankliche Vorbereitung verhindert werden.
Das sehe ich wie Du. Aber es geschieht fast nie. Die Freude bleibt am Ende zu oft aus.
Zitat von Lizzy_Lizz: Das viele Durchdenken, Grübeln und Analysieren stellt oft einen Schutzmechanismus dar, nach dem Motto: Wenn ich alles genau durchdacht habe, kann mir nichts passieren. Es geht also im Grunde darum, Sicherheit herzustellen und sich selbst vor unangenehmen Gefühlen wie z. B. Scham zu bewahren.
So ist es. Aber kann man verstehen, dass man selbst dabei häufig Denkfehler begeht?
Zitat von Lizzy_Lizz: Und genau dieser Schutzmechanismus wird sehr früh erlernt in Situationen, die man nicht unter Kontrolle hatte.
Da kann man drüber diskutieren. Ich vermute, jeder Mensch versucht sich fälschlicherweise an dieser
Stelle etwas zu lernen. Übertreibt der Mensch es damit, immer eine perfekte Entscheidung haben zu wollen,
rutscht er in das Grübeln hinein, obwohl er es gar nicht wollte.
Und einige möchten dann mit der Unterstützung von Medikamenten aus dieser Denkfalle wieder
herausfinden.
Können Medikamente dann dabei helfen, Dein bewusstes Denken wieder hervorzuzaubern?
Oder kannst Du das nur selbst?
Und wie kannst Du es lernen, zu ertragen, dass Du am Ende häufiger sagst. Wenn ich jetzt mal ruhig
überlege, hatte ich mich damals vermutlich falsch entschieden. Zumindest aus heutiger Sicht.