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Hallo Sandra,
bitte berücksichtige, dass man als Außenstehender allein anhand Deiner wenigen Zeilen nicht treffsicher "Tipps" geben kann. Sehe ich es richtig, dass sowohl die Klinikaufenthalte als auch der Aufhebungsvertrag mit Deinem bisherigen Arbeitgeber aus der Depression resultieren? Falls ja, wurde denn auch mal von der Klinik oder Deiner Therapeutin die Diagnose Erschöpfungsdepression (Burnout) gestellt?
Da ich von beidem betroffen war, habe ich am "eigenen Geist und Körper" die Unterschiede dieser beiden "Versionen" kennengelernt. Sollte es sich um einen richtigen (!) Burnout handeln, kannst Du den Dir bevorstehenden neuen Job ab 1.8. ehrlich gesagt, höchstwahrscheinlich sowieso abschminken. Ein Neueinstieg - egal in welchem Metier - ist nach 1-2 Jahren immer eine Herausforderung, aber natürlich machbar, wenn man gesund und interessiert ist. Nach einem Burnout jedoch kann es mehrere Jahre dauern, bis man wieder halbwegs die Leistung wie früher bringen kann (wenn man das dann überhaupt noch will - aber das führt jetzt zu weit). Ich kenne leider zahlreiche Fälle von Burnoutlern, die nach ihrem Klinikaufenthalt ihr Arbeitsleben - und ggfs. auch das Private - drastisch ändern mussten (!). Ich kenne aber auch wenige andere Leute, die es tatsächlich geschafft haben, wieder in ihren alten Beruf einzusteigen. Diese mochten ihre Arbeit und die Umgebung dort allerdings sehr, was m. E. ein wichtiger Punkt ist.
Folgende Fragen würde ich mir mal in Ruhe vornehmen und Dir selber (idealerweise schriftlich) beantworten, soweit möglich. Die Fragen gehen chronologisch von heute nach früher zurück - fange einfach da an, wo es Dir am sympatischsten ist:
1. Bin ich überhaupt körperlich in der Lage, die neue Stelle anzutreten? (Lange Pendelstrecke, Arbeitszeit/Woche etc.)
2. Bin ich überhaupt psychisch in der Lage, die neue Stelle anzutreten? (Leistungsdruck, Erwartungshaltung, KollegInnen etc.)
3. Belastet es mich, dass ich meinen Lebenslauf im Grunde "manipuliert" habe?
4. Wie würde ICH mich fühlen, wenn ich meinen zukünftigen Arbeitgeber vor Beginn der Arbeit in einem persönlichen (!) Gespräch über die tatsächliche Situation aufkären würde, unabhängig davon, welche Konsequenzen das für mich hat?
5. Warum habe ich die Jobsuche solange rausgezögert?
6. Habe ich mich zwischen Klinik und April wirklich damit beschäftigt, was ich mir als künftigen Beruf vorstellen kann?
7. Könnte meine Mutter evtl. seinerzeit unbewusst Einfluss auf die Entwicklung meiner Depression ausgebübt haben?
8. Warum denke ich, ich hätte mein Leben nicht im Griff, wenn ich meine Mutter um Rat frage oder Sie einfach als Gesprächspartnerin schätze?
9. Weshalb habe ich keine Beziehung zu einem Mann/einer Frau? Gibt es erkennbare Ursachen aus der Kindheit, Jugend, Familie?
10. Rein als Hypothese: Wie wäre mein Leben, wenn ich einen Mann/eine Frau finde, der/die meiner Vorstellung entsprechen würde?
11. Fühlte ich mich im Grunde von den meisten Menschen unverstanden? Warum?
12. Wann in meinem Leben war ich das letzte Mal sorgenfrei, vielleicht sogar glücklich?
13. Waren damals nur die Umstände anders oder meine "Weltsicht"?
14. Gibt es einem Punkt in meinem Leben, wo ich heute (oder damals) den Eindruck hatte/habe, "falsch abgebogen" zu sein - also wider meinem Bauchgefühl gehandelt zu haben?
15. Falls ja, kann ich mit der damals getroffenen Entscheidung sowas wie Frieden schließen und/oder kann ich nicht doch an der daraus erwachsenen Lage heute für mich was ändern?
Es wäre hilfreich, Dir für die Beantwortung viel ungestörte (! - das ist in Zeiten der neuen Medien schwierig, ich weiss) Zeit zu gönnen - vielleicht auch mehrere Tage. Erst nach längerem in sich reinhören, kommen meist die entscheidenden Einsichten zum Vorschein. Es lohnt sich, glaub mir.
LG B.
20.07.2019 10:37 •
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