
Darkshadow
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oh man, je mehr ich von deinem Therapeuten lese, umso mehr ärgere ich mich über ihn. Die Aussage „VT ist keine Gesprächstherapie“ ist einfach unzutreffend, natürlich ist VT auch eine Gesprächstherapie. Und seine Reaktion auf deine Entscheidung, auf der neuen Arbeitsstelle nicht weiter zu bleiben, finde ich mehr als schwierig.
Ich habe ja, wie gesagt, auch schon einmal direkt mit einem Therapeuten in Ausbildung gearbeitet und darüber hinaus noch mehrere Therapeuten in Ausbildung in kurzen Einheiten erlebt.
Es gibt sehr gute Therapeuten in Ausbildung, das möchte ich vorweg klarstellen.
Es gibt aber auch solche, die total unsicher sind, die sich nicht trauen, zu ihrer eigenen Meinung zu stehen und immer nur die Meinung ihrer Ausbilder übernehmen.
Manche Therapeuten werden ihre Unsicherheit im Umgang mit Patienten auch später im Berufsleben nicht los, andere berappeln sich irgendwann, aber oftmals dauert das seine Zeit.
Wenn man nun als Patient auf einen sehr unsicheren Therapeuten trifft, gerade wenn der noch in Ausbildung ist, darf man sich fragen, ob das wirklich das Richtige für einen selbst ist.
Und er wirkt mega unsicher auf mich: Er hat seine Haltung zu dir und seine Sicht aud dich und deine Probleme nach Rücksprache mit seiner Ausbilderin direkt geändert und an ihre Meinung angepasst.
Und: Er hat auf die Sache mit den Hausaufgaben übertrieben streng reagiert. Nach so kurzer Zeit, die ihr euch kennt, war das eine völlig überzogene und unangemessene Reaktion. So eine übertriebene Strenge spricht für eine große Unsicherheit. Ich habe so etwas mehrfach gesehen, bei angehenden unsicheren Therapeuten, aber z.B. auch bei angehenden unsicheren Lehrern, die meinen, sie müssten so ihre Autorität unter Beweis stellen. Souveränität sieht anders aus.
Er hat noch kein Gefühl dafür entwickelt, was in welcher Situation wirklich angemessen ist.
Ich fürchte weiterhin, dass er seine Sicht auf dich und auf deine Handlungen durch den Input seiner Ausbilderin nachhaltig verändert hat. Dadurch fallen seine Interpretationen deiner Handlungen dementsprechend aus, und daher kam meiner Meinung nach auch die unangemessene Reaktion auf deine Job-Situation.
Er hat eine andere „Brille“ aufgesetzt, die seine Sicht auf die Dinge verändert hat, und ob er diese Sicht nochmal wieder ändert, ist sehr fraglich.
Ich sehe ihn als Therapeuten für dich in deiner aktuellen Situation daher recht kritisch. Ich bin aber auch Realistin und weiß, dass es dauern kann, bis man einen neuen Therapeuten gefunden hat.
Trotzdem habe ich auch erlebt, dass eine Therapie bei einem unpassenden, unsicheren und übertrieben kritischen Therapeuten auch mehr schaden als nutzen kann.
Ich glaube, ich würde mir an deiner Stelle langfristig auf jeden Fall einen anderen Therapeuten suchen. Was jetzt die aktuelle Verlängerung angeht, kannst du es dir ja noch überlegen: Wenn er die Stunden doch noch beantragen will, würde ich mich an deiner Stelle fragen, ob du das selber wirklich möchtest, ob du ehrlich glaubst, dass er dir, so, wie sich die Dinge entwickelt haben, wirklich helfen kann.
Wenn du glaubst, dass er Dir vielleicht doch irgendwie helfen kann, kannst du die erneuten 12 Stunden ja noch bei ihm machen, wenn du denkst, dass daraus irgendeine Art von positiver Hilfe für dich dabei herumkommen könnte.
Aber langfristig würde ich mir einen anderen Therapeuten suchen.
Vielleicht kannst du es ja so sehen:
Sollte er sagen, dass aus der Verlängerung nichts wird, hast du daraus positiv gewonnen, dass du keine weiteren Stunden für diesen Therapeuten investieren musst.
Vielleicht hilft es dir, dir zu sagen, dass es jetzt ja erstmal nur um weitere 12 Stunden geht, das ist jetzt nicht sooo viel, wenn man die gesamte Therapie betrachtet.
Wirklich wichtig sind die knapp 60 Stunden VT, die dir danach noch bleiben. Bei dem Gespräch nächste Woche geht es also nur um einen sehr überschaubaren Zeitraum.
Ich würde mich an deiner Stelle auf die Suche nach einem neuen Therapeuten machen, unabhängig davon, was er nächste Woche sagt. Ob du diese eventuellen 12 Stunden unter diesen Umständen überhaupt bei ihm machen möchtest, kannst du dir ja noch überlegen.
Auf jeden Fall: Das, was da passiert ist, liegt zu 100% an seiner Unsicherheit und Unerfahrenheit und zu 0% an dir, du hast nichts falsch gemacht. Er hat schlecht kommuniziert, er hat offenbar noch zu wenig Erfahrung darin, wie man mit Patienten umgeht, und er traut seinem eigenen Urteilsvermögen nicht.
Und er versucht, Dir seine Versäumnisse und Unzulänglichkeiten in die Schuhe zu schieben.
Als Therapeut führt man seinen Patienten sorgfältig an die Therapieform heran, erklärt viel, ist transparent, gibt dem Patienten Raum, zu lernen, und schießt nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen, wenn der Patient nicht gleich zu 100% alles so macht, wie der Therapeut das will, schon gar nicht dann, wenn viel zu wenig erklärt und schlecht kommuniziert wurde.
Wie gesagt, mir tut das alles sehr leid für dich! Vielleicht hilft dir der Gedanke, dass du mit solchen Erfahrungen nicht alleine bist und dass es definitiv nicht an dir lag/liegt! LG
10.08.2025 15:44 • x 5 #102