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Hallo,

Das ist jetzt schon gut vier Wochen her, ich hatte es aber noch nicht gepostet:

23.08.:

seit gestern ist meine Psychotherapie gegen meine Herzphobie offiziell beendet. Das heißt, ich habe nun keine Therapie-Sitzungen mehr. Die letzten Termine waren bereits in 4-6 wöchigem Abstand.

Die Therapie war eine kognitive Verhaltenstherapie mit gestuften Konfrontationen, mit der ich innerhalb von 2,5 Jahren einen Rückfall bearbeitet habe. 2003 hatte ich eine erste Therapie innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen, dabei aber "nur" die akuten Panikattacken in den Griff bekommen, was damals völlig ausreichend schien. Verhaltensmäßig habe ich aber in der Zwischenzeit eigtl. schon den Grundstein gelegt, das irgendwann ein Rückfall vorprogrammiert war (umfangreiches subtiles Absicherungsverhalten, viel innere Vermeidung, viele ungünstige Herangehensweisen bei Stress, Belastungen ... )

Letztlich kann ich sagen, war die zweite Therapie (gleiche Therapeutin) viel gründlicher, das musste sie sein, weil die alten Maßnahmen nicht mehr ausreichten, um mit der Angst umzugehen und sich eben das Vermeidungs- und Absicherungsverhalten sehr chronifiziert und im Alltag völlig verwurzelt hatte. Dies aufzubrechen und zu verändern, erforderte eben viel mehr Arbeit.

Was waren die wichtigsten Säulen der Therapie?

- Klärung aller Fragen zur Gefährlichkeit meiner Symptome
- Akzeptanz meiner (kardiologisch völlig harmlosen) Extrasystolen (Herzstolperer)
- Lernen, Gedanken zu stoppen und zu steuern ! AUSRUFEZEICHEN
- Sport treiben mit der Achtsamkeit auf die richtgen Dinge
- Entspannung durch regelmäßiges Jacobsen
- Konfrontation mit den Situationen der größten Erwartungsangst.
- Abbau allgegenwärtigen Scherheitsverhaltens


Erschwert wurde das Ganze dadurch, das ich zu Beginn des Rückfalls besonders am Arbeitsplatz üble Attacken und Dauer-Angstzustände hatte, die sich immer aus extremen Herzstolper-Attacken nährten. Ich habe zum Einstieg in die Therapie drei Monate Paroxetin genommen, weil ich zu der Zeit völlig am Rad drehte, jeden Tag Angst, Symptome, Unruhe, Schlaflosigkeit, ... Das hat mir sehr gut geholfen, allerdings war klar, dass Paroxetin nur die Krücke ist, um in die Therapie zu finden. Nach dem Absetzen kamen die Symptome und Gedanken dann langsam wieder, aber zwischenzeitlich hatte ich schon einen Fuss in der Tür, um auch ohne Medikamente klar zu kommen.

Mittlerweile lebe ich einen völlig normalen Alltag, mit Arbeit, Sport, Reisen, Freunden usw., in dem aber ein paar "konfrontative Bomben" lauern, die ich unbedingt noch bearbeiten will. Insgesamt bin ich aber total dankbar dafür und zufrieden damit, wie es mir zur Zeit geht. Im Fall einer Verschlechterung oder bei Bedarf zur Klärung irgendwelcher Aspekte, mit denen ich nicht richtig klar komme, kann ich mich umgehend bei meiner Therapeutin melden.

Ich werde die Angstdisposition sicher nie ganz los werden, also bestimmt kein Rucksacktourist in Nepal, kein Camper auf einsamen Inseln werden und niemand sein, der gern oft auf Dienstreise geht. Ich werde sicher immer schneller ein mulmiges Gefühl bei potentiellen Bedrohungen haben, bei Krankheiten eher schwere Verläufe befürchten als andere, nach Erkältungen eher zu lange Sportpause machen als zu kurz. Ich mache mir eher Sorgen, wenn meine Frau sich verspätet. Bei Mountainbiketouren werde ich immer genau wissen wollen wo ich gerade bin und wieviele Höhenmeter noch kommen, und wie groß die Gewittergefahr ist. Im Büro werde ich mich wahrscheinlich auch schneller aufregen als andere, mir mehr Sorgen machen, ob ich gut genug präsentiert habe, und ob es den Laden in ein paar Jahren noch gibt.

Aber: Ich weiß jetzt, warum das so ist, ich weiß, das ich so bin, schon immer so war und das es für mich "normal" ist, so zu sein.

Nun habe ich zusätzlich noch mit Yoga angefangen. Das ist bislang der Burner überhaupt. Wenn das irgendwann anfängt zu wirken (und ich glaube, erste Anflüge davon merke ich bereits), dann wird mir die Beweglichkeit nochmal viel mehr Spaß in Alltag und beim Sport machen, auch auf die Wirkungen auf die Psyche bin ich sehr gespannt.

Ich wünsche Euch genauso viel Glück wie ich es hatte und denjenigen Kraft und Ausdauer, die den richtigen Weg noch nicht gefunden haben.

Zur Zeit schaue ich hier immer mal rein und antworte in Threads, bei denen ich das Gefühl habe, ich könnte was sinnvolles beitragen.

Bis demnächst, alles Gute,

Amyg. Dala

Fragen gern hier oder PM.

26.09.2013 08:19 • 09.12.2019 x 5 #1


9 Antworten ↓


@ Amyg.Dala,

....du hast dich gefunden und akzeptiert..... bin auch auf diesem Wege....

26.09.2013 08:35 • #2



Hallo Amyg.Dala,

Therapie ist beendet - das war´s

x 3#3


Danke für deine Antwort, viel Erfolg Dir!

27.09.2013 08:42 • #3


kyra96
Hallo Amyg.Dala,
als ich das eben gelesen habe, kamen mir echt die Tränen.
Du hast das so toll geschrieben und gibst uns allen Mut nicht aufzugeben.
Ich persönlich sehe mich auch auf einem sehr guten Weg aus diesem "Sumpf" rauszukommen.
Mir geht es wieder besser und wünsche mir, dass ich im Oktober meine Citas komplett abgesetzt habe.
Ich wünsche dir alles Gute und vergiß uns nicht.
Alles Liebe für Dich
Gruß

27.09.2013 11:07 • #4


Schick dir auch liebe Grüße und
wünsch dir alles Gute

27.09.2013 11:27 • #5


Wow, herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, dass Du Deine Erfahrung mit uns teilst. Dein Posting macht mir persönlich eine Menge Mut.

27.09.2013 11:34 • #6


sydney
Find ich super.....und hoffe Du kannst für Dich diesen Zustand jetzt beibehalten!

Alles gute für Dich !

27.09.2013 11:41 • #7


Ganz toll, Danke für die Motivation!

27.09.2013 11:42 • #8


Danke Euch allen!

Zitat:
und vergiß uns nicht.

... Nein, auf keinen Fall!

27.09.2013 13:49 • #9


Annakath
Zitat von Amyg.Dala:
Hallo, Das ist jetzt schon gut vier Wochen her, ich hatte es aber noch nicht gepostet:23.08.:seit gestern ist meine Psychotherapie gegen meine Herzphobie offiziell beendet. Das heißt, ich habe nun keine Therapie-Sitzungen mehr. Die letzten Termine waren bereits in 4-6 wöchigem Abstand.Die Therapie war eine kognitive Verhaltenstherapie mit gestuften Konfrontationen, mit der ich innerhalb von 2,5 Jahren einen Rückfall bearbeitet habe. 2003 hatte ich eine erste Therapie innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen, dabei aber "nur" die akuten Panikattacken in den Griff bekommen, was damals völlig ausreichend schien. Verhaltensmäßig habe ich aber in ...



Ich schenke dir meinen größten Respekt. Ich bin so wahnsinnig berührt davon, dass du es geschafft hast!
Das ist ein Scherer steiniger Weg gewesen und du hast es geschafft.
Es hat mir Mut gegeben zu lesen, das man es schaffen kann.

Ich bin auch in Therapie und wir lernen gerade ein paar Ansätze wie ich mich verhalten soll, wenn meine Angst kommt. Und was in meiner Realität alles nicht stimmt- weshalb mein Körper so reagiert.

Noch bin ich aber zu sehr von meiner Angst angestellt und die Angst bestimmt mein Leben..

09.12.2019 09:19 • #10




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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf