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Guten Morgen,

ich bin erst ein paar Tage hier und möchte mich auch mal vorstellen. Ich heiße Petra, bin 42 Jahre alt, lebe seit einigen Jahren allein und bin seit 13 Jahren geschieden. Ich arbeite im Büro als Sachbearbeiterin / Sekretärin und liebe meinen Job sehr. Er ist auch das, der mein Leben zum größten Teil ausfüllt.

Ich habe hier schon mehrfach gelesen, dass einige genau festlegen können, wann ihre Angstkrankheit angefangen hat. Das kann ich nicht, an ein Leben ohne Angst kann ich mich nicht erinnern. Schon als kleines Kind hatte ich Angst vor Menschen und habe mich oft hinter meinem kleinen Bruder versteckt. Bis ich 20 war habe ich bei meinen Eltern gelebt. Mein Vater war (ist) sehr dominant und hat vor allem meine Mutter und mich ständig gedemütigt. Ich habe aus meiner Kindheit/Jugend vor allem mitgenommen, dass ich zu allem zu doof bin, nichts richtig machen kann. Meine Mutter war eingeschüchtert und unsicher, ich hatte vor allem Angst. Fragen mochte ich nie stellen, denn auch die waren ja einfach immer nur dämlich, ich hatte meistens Angst und habe mich viel in meinem Zimmer verkrochen, in der Hoffnung, dass der Kelch an mir vorüber geht. Mit knapp 18 habe ich versucht mich mit Tabletten umzubringen. Das hat nicht geklappt leider, hab ich noch bis vor wenigen Jahren gedacht, zum Glück bin ich aber mittlerweile froh zu leben.

Mit Mitte 20 ging es massiv los, dass ich Panikattacken bekam. Wenn ich nur bei der Post ein Päckchen abgeben wollte, Lebensmittel einkaufen, tanken ich bekam Schweißausbrüche, innerhalb von Sekunden liefen mir Ströme über das Gesicht, ich fühlte mich ständig beobachtet, dachte, alle sehen, wie dämlich ich mich anstelle. Ich hatte damals keine Ahnung, was mit mir los war. Angst als Krankheit? Das kannte ich nicht, daher dachte ich lange, es wäre etwas körperliches, dass die Unsicherheit aus der Schwitzerei resultierte, nicht umgekehrt. Ich weiß gar nicht, bei wie vielen Ärzten ich war, bin immer wieder (körperlich) durchgecheckt worden, immer hieß es, ich wäre gesund. Schwitzen ist ja normal und gesund. Blöde Sprüche von Ärzten ohne Ende die mich natürlich noch mehr verunsichert und mich immer mehr in die Isolation getrieben haben. Das war wohl damals mit das Schlimmste, nicht zu wissen was mit mir los war. Zwischenzeitlich war ich der Meinung, dass Hyperhidrose mein Problem wäre, aber auch Mittelchen dagegen haben mir nicht geholfen.

Vor knapp 10 Jahren war es dann so schlimm, dass ich viele Wochen im Jahr krank geschrieben war, um Lebensmittel einzukaufen brauchte ich viele Stunden, weil ich ständig um den Markt herum fuhr + mich nicht traute hinein zu gehen. Ich ging kaum noch vor die Tür, unter Menschen zu gehen war eine Tortur. Selbst wenn ich die Wohnung verlassen wollte, habe ich ewig an der Tür gehorcht, damit ich im Flur ja niemandem begegnete. Es war nicht mehr auszuhalten, deshalb raffte ich mich noch mal auf und ging zum Arzt. Und diesmal hatte ich mehr Glück. Sie sah wohl, was mit mir los war. Zwar dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich eine Therapeutin fand, die mir wirklich helfen konnte, aber endlich, endlich konnte ich etwas tun. In Therapie war ich dann etwa ein Jahr, so lange, bis ich begriffen hatte, dass nur ich selber mir helfen konnte, ich musste mich meiner Angst stellen, immer, immer wieder. Es war ein harter Weg, aber der Leidensdruck war inzwischen so groß, dass es keinen anderen gab.

Heute lebe ich ein fast normales Leben. Es gibt immer noch so einiges, was ich noch nicht kann und auch vermeide. Essen in Gesellschaft fällt mir noch immer sehr schwer, Feiern vermeide ich wo es nur geht, in Gesellschaft etwas zu tun, das ich nicht 100%ig kann, vermeide ich auch möglichst.

Ich fühle mich heute gut, bin ein fröhlicher, ausgeglichener und sehr positiv denkender Mensch. Allerdings bin ich auch sehr allein, Spaß, Unternehmungen etc. gibt es so gut wie gar nicht, von daher läuft mein Leben jetzt in immer den gleichen Bahnen ab. Ich fühle mich damit eigentlich ganz zufrieden, denke aber, dass das nicht alles sein kann, das Leben aus mehr besteht, und meine Zufriedenheit vielleicht auch nur für mich eine Ausrede ist, damit ich mich nicht mehr konfrontieren muss.

Ich würde gerne wieder auf Flohmärkte, Stadtfeste gehen, Achterbahn fahren, bummeln gehen, Wien kennen lernen. Allein macht das alles keinen Spaß, und ich würde mich wohl auch nicht trauen. Von daher wünsche ich mir Menschen (nicht nur virtuell) kennen zu lernen, mit denen ich mich austauschen und auch mal was schönes unternehmen kann, einfach wieder am Leben draußen teilnehmen. Einen Partner suche ich derzeit nicht, denn mir ist bewusst geworden, dass ich zu einer Beziehung derzeit noch nicht fähig bin. Zu sehr hat mich die Ehe meiner Eltern geprägt, und diese Prägung konnte ich bisher noch nicht ablegen.

So, das ist jetzt ein ziemlicher Roman geworden. Aber entweder handele ich mein Leben in zwei Sätzen ab, oder es wird eben lang.

Ich freue mich sehr euch hier gefunden zu haben, denn das kennt wohl jeder, Verständnis findet man schon mal, aber wirklich verstehen können einen nur Menschen, die das gleiche mitgemacht haben.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende.
Petra

02.02.2008 09:17 • 05.02.2008 #1


19 Antworten ↓


Guten MOrgen liebe Petra und herzlich WIllkommen hier!

Zuerst eine Frage! Ist es für dich schlimm das du nicht weißt woher deine Angst kommt? Fakt ist doch das sie da ist. Und damit kann man doch arbeiten!
Schau wie viel du schon geschafft hast! Und du weißt woran du noch arbeiten kannst! Und so wie ich es hier lese un dden Eindruck von dir gewonnen habe wirst du es auch nch bewältigen!
Du weißt selber das es seine Zeit braucht, aber du gibst dir selber ja auch die Zeit! Und das ist gut!
Und ich finde es auch sehr schön das du es selber gut findest und froh bist das du noch lebst! Zum Glück lebst du noch! Den jeder ist was besonderes, auch du! Und das ist nicht nur so dahin gesagt! Das ist mein ernst!
Also, gemeinsam schaffen wir es! Und du auf jeden fall, schau dir deine riesen Schritte an die du schon gemacht hast!

02.02.2008 11:15 • #2



Sich der Angst stellen - Konfrontationstherapie hilft mir

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Hallo liebe Kajal,

herzlichen Dank für dein Interesse und das Feedback.

Doch, ich weiß schon, woher meine Angst kommt. Ich war wohl ein eher ängstliches und übersensibles Kind, und somit besonders aufnahmefähig, was die Demütigungen in meiner Kindheit und Jugend anging. Zu erkennen, dass ich nicht selber Schuld war an meinen Ängsten, war schon ein großer Schritt vorwärts. Und ich bin unglaublich froh (und auch stolz), dass ich es so weit geschafft habe. Vor Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich mal so leben könnte, wie ich es jetzt tue.

Mittlerweile hänge ich halt fest. Es geht mir zu gut, als dass ich wirklich gezwungen wäre, etwas an meiner Situation zu ändern. Ich bin zufrieden, würde aber gerne auch mal Glücksmomente empfinden, einfach auch mal wieder Spaß im/am Leben haben, nicht immer allein und manchmal auch einsam sein. Aber es ist halt so, wenn der Leidensdruck nicht groß genug ist, dann hält man ihn lieber aus als etwas zu tun. Und ehrlich gesagt hab ich es manchmal auch einfach satt immer zu kämpfen.

Ich bin sehr froh hierher gefunden zu haben, denn ich glaube, mich wieder mehr mit der Angst zu beschäftigen, sie mir wieder bewusster zu machen, wird mir auch wieder inneren Antrieb geben etwas zu ändern – ich hoffe es zumindest sehr.

Liebe Grüße,
Petra

02.02.2008 12:03 • #3


Liebe Petra,

erst einmal herzlichen Dank für deine Antwort auf meinen Beitrag, das tut einfach gut.
Also, wenn ich deine Geschichte so lese, hast schon aus deiner Herkunftsfamilie einiges hinter dir. Bzgl. dieser Thematik kann ich dir empfehlen, eine Familienaufstellung zu machen, es gibt Psychologen, die dies anbieten. Ich habe schon meine Herkunftsfamilie, meine kleine eigene Familie und unser Büro (=sehr interessant) aufgestellt. Dir werden die Beziehungen/Verbindungen wesentlich klarer.

Übrigens: Kann dein Schritt nach vorne, etwas neues zu tun, neue Menschen kennen zu lernen auch Neugierde sein? - es muß nicht immer der Leidensdruck - den wir alle zu gut kennen und nicht wollen - sein.

Frage dich doch heute Abend: Petra, was hast du dir heute gutes getan? (die Sonne genießen - die scheint jetzt im Saarland -, gute Musik hören, du weißt ja selbst, was dir gut tut)
... und das jeden Tag!

Herzlich
Michael

02.02.2008 16:04 • #4


Hallo

Natürlich wirst du es schaffen! Warum auch nicht?! Es ist ein beschwerlich Weg, aber er ist begehbar! Und die Steine räumen wir uns weg!
Gemeinsam sind wir stark! Und du bist nicht allein! Vergiss das nicht!

02.02.2008 16:26 • #5


Puh, danke euch beiden für die lieben Worte.
Ich bin grade ein bisschen sprachlos, berührt, keine Ahnung. Nach außen hin bin ich ja immer sehr taff, aber anscheinend bin ich es nicht gewohnt, dass sich tatsächlich jemand mit mir und meinen Problemen beschäftigt. Etwas zu geben fällt mir nicht schwer, aber zu bekommen… tja, war mir bisher nicht bewusst, dass das so seltsam ist. Sorry, bin grade ein bisschen neben der Spur.
Danke euch zweien.

02.02.2008 16:57 • #6


Michael, du hast mir einiges zum Nachdenken gegeben.

Hab ich mir heute schon was gutes getan? Naja, oberflächlich betrachtet sicher. Ich hab mir nen schönen Tag gemacht, den auch wirklich genossen. Aaaber... wäre es nicht besser für mich gewesen, wenn ich etwas gegen meine Ängste, und somit wirklich für mich gemacht hätte, anstatt einfach nur den einfacheren Weg zu gehen?

Das mit der Familienaufstellung, ich weiß nicht, ich stehe dem sehr kritisch gegenüber. Meine Freundin hat das auch schon mal gemacht und war begeistert. Aber was sie erzählte, was ich darüber gelesen und gehört habe, lässt mich sehr daran zweifeln. Zumal ich auch gar nicht mehr zurück möchte, die familiären Ursachen sind für mich abgehakt, ich weiß woher meine Ängste kommen, das reicht. Was jetzt zählt, ist die Konfrontation damit, damit ich sie besiege.

Neugierde auf Menschen? Sicherlich. Aber wenn man Angst vor ihnen hat, dann reicht Neugierde einfach nicht, da braucht es schon eine stärkere Triebfeder. Hier erleben es ja viele, dass bei einer sozialen Phobie selbst lebensnotwendige Dinge oft sehr schwer zu erledigen sind. Und Menschen kennen zu lernen ist ja nicht notwendig zum Leben, sondern verschönt es nur. Ich habe so viele Vorstellungen davon, wie schön es wäre, mehr Menschen zu kennen, Freunde zu haben, aber auch diese Vorstellung reicht nicht, damit ich den Fuß vor die Tür setze.

Aber trotzdem habe ich keine Sorge, dass ich auch das noch schaffen werde. Vielleicht nicht gleich, aber der richtige Moment kommt bestimmt.

Liebe Grüße,
Petra

02.02.2008 20:31 • #7


Liebe Petra,
nimm es an! Nimm es einfach an das es Menschen gibt die an dich denken. UNd das noch im positiven Sinne! Ich akzeptiere dich wie du bist! DU scheinst sehr nett zu sein! Und das ist schön!

Du wirst es hin bekommen. Du bist sehr taff, nicht nur nach aussen hin! Nur manchmal bist du ein einfacher Mensch mit Problemen! Niemand ist durch gehend stark! Warum solltest es dann su sein?! Setz dich nicht selber unter Druck! Gib dir die Zeit!

02.02.2008 21:31 • #8


Hallo kajal,
wenn man sich zuviel Zeit gibt, besteht die Gefahr, dass man in eine Lethargie verfällt, aus der es dann noch schwerer ist heraus zu kommen. Aber im Grunde hast du schon Recht, und wie sich zeigt, war dieser Weg hier ins Forum schon ein richtig guter. Zwar hatte ich vorher schon Angst, denn ich bin nicht wirkliche forenerfahren und denk auch oft, dass ich mich viel zu hart ausdrücke - aber diese und ähnliche Probleme kennen wahrscheinlich auch viele hier.
Ich danke dir für deine lieben Worte, sie tun mir wirklich gut und geben mir Kraft.
Danke dir.
Liebe Grüße,
Petra

02.02.2008 21:48 • #9


Hallo Petra,
ja da hast du ein wenig recht! Aber ich meinte damit du kannst ja langsam Fortschritte machen. Denn dafür hast du Zeit! Du solltest nach deinem Tempo gehen. Nicht still stehen, sondern langsames gehen!

Und ich war davor auch nicht Forenerptopt! Das ist mein erstes Forum, und zum Glück geht es hier sehr hilfreich zu! Das Forum hat mich sehr positiv geprägt! Hoffentlich geht es dir genauso!

02.02.2008 22:05 • #10


Ja kajal, ich glaube, mich hier anzumelden war das beste, was ich seit längerer Zeit neues für mich getan habe. Es gibt hier so viele Denkanstöße, und es ist einfach schön unter Leuten zu sein, die nachvollziehen können was einen plagt. Das ist ein neues und sehr schönes Gefühl.
Liebe Grüße,
Petra

02.02.2008 22:09 • #11


Hallo Petra,
jetzt möchte ich dir auch hier nochmal schreiben, da ich gerade deinen längeren Beitrag gelesen habe.
Ich hatte genau die gleichen Probleme: Dominanter Vater der mir ständig das Gefühl gegeben hat, nichts Wert zu sein und nichts zu können. Als Kind war ich auch am liebsten alleine, in der Hoffnung, der Kelch möge an mir vorüber ziehen; denn wenn mich keiner sieht, dann kann auch keiner all das schelchte sehen was ich glaubte zu sein und was nicht da sein durfte.

Ich habe auch das Gefühl, dass eine Familienaufstellung hilfreich sein könnte.

Da ich denke, dass es in erster Linie um die inneren Dialoge geht, die ablaufen wenn es dir schlecht geht (ich kann nichts, ich bin nichts, ich bin es nicht wert.. ect.) und dass diese alten "Programme" dich am meisten in deinem Leben behindern, könnte auch NLP (Neurolinguistische Programmierung) für dich sehr hilfreich sein. Da hier die alten "Programme" umgeschrieben werden. Natürlich muss man dies selber wollen und es verlangt viel arbeit.

"Wie bei anderen psychologischen Ansätzen, geht man auch im NLP davon aus, dass menschliches Verhalten (äußerlich wahrnehmbar) durch innere Prozesse ausgelöst und strukturiert wird. Innere Prozesse und äußere Wahrnehmungen stehen in einem gegenseitigen Zusammenhang"

Liebe Grüße
Christoph

03.02.2008 00:25 • #12


Hallo liebe Petra!

ich möchte Dich auch noch recht herzlich hier Begrüssen!
es ist schön zu Lesen das Du mit deinen Ängsten zum Teil gelernt hast umzugehen um so wieder ein etwas "Normales" Leben führen zu können. Was mich aber etwas nachdenklich stimmt ist, das all dass was Dir Nähe, Zuneigung, Bindungen, Spaß und Freude vermitteln könnte, Du derzeit noch meidest.

Vielleicht mag das an deiner Vergangenheit liegen und an den damaligen Umständen. Doch was hält Dich jetzt davon ab solch "Beziehungen" einzugehen die Dir Freude bereiten könnten? Hinter einer Angst oder einer Vermeidung steckt immer ein Thema, dieses solltest Du einmal versuchen aufzugreifen.

Du hast ja selbst geschrieben das Du gerne einmal etwas Unternehmen würdest doch dazu könntest Du dich noch nicht aufraffen. Wo eine Sehnsucht ist da kann auch ein Innerlicher Druck entstehen. Du möchtest etwas ändern und all deine Wünsche umsetzen. Den Schlüssel dazu hältst Du selbst in der Hand. Versuche Dich doch einmal anhand von Stichworten die Du dir selber setzen tust, heraus zu finden welchen Grund es geben könnte, dies oder jene Situationen zu meiden. Warum Du Dir diese Freude nicht erlaubt hast bis jetzt.

Als Beispiel:

Freunde finden. Was kann das für Dich bedeuten?

Bindungen eingehen auf längerer Sicht.
Abkömmlich sein und Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Gefühle und Zuneigung zulassen, auch, Emotionen selbst durchleben.
Glück empfinden, Fröhlich sein, all das genießen und sich für schöne Dinge nicht schämen usw.

Manchmal glaubt man das man solches nicht verdient hat. Man straft sich selbst indem man meidet doch dies kann man ändern. Das Aufarbeiten von Thematicken ist sehr wichtig umso Angstfrei Leben zu können. Die Voraussetzung dafür ist aber auch, sich noch einmal mit seiner Vergangenheit auseinander setzen zu müssen. Das "noch einmal" erleben müssen das einen geprägt hat. Emotionen zulassen, ganz gleich ob schöne oder weniger schöne. Ich denke das Du es schaffen kannst denn dein Wille scheint stark zu sein und mit Recht kannst Du Stolz auf das sein was Du bisher geschafft hast. Gehe es mit kleinen Schritten an und verzage nicht denn ein glückliches Leben liegt dann vor Dir und zwar solch eines, wie Du es Dir innerlich immer gewünscht hast. Ich knuddel Dich mal und wünsche Dir das Beste!

LG Emina

03.02.2008 09:12 • #13


Leute, ihr habt mir ganz schön viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Zwar setze ich mich sehr mit mir selbst, dem was ich mache und denke, auseinander, aber vielleicht war das bisher auch oft zu sehr in eine Richtung. Dafür brauche ich Zeit, deshalb möchte ich jetzt nicht spontan auf eure Antworten eingehen.

Mein erster Reflex auf eure Beiträge war Rückzug. Ich bin es nicht gewohnt, dass sich Menschen mit mir auseinandersetzen, auf mich eingehen, versuchen zu verstehen. Das ist irgendwie unheimlich und alles in mir geht auf Abwehr. Aber das werde ich nicht zulassen. Es ist ein gutes Gefühl, seit längerer Zeit mal wieder für mich und mit mir zu kämpfen.

Ich habe Angst, dass, wenn ich meine wahren Beweggründe offen lege, die so egoistisch sind, dass ihr mich nicht mehr wollt. Aber sind sie wirklich so egoistisch, und wenn, ist ein gewisser Egoismus nicht auch richtig und gesund? Und vielleicht sehe ich ja auch nur die Beweggründe, die besonders egoistisch sind, und es gibt noch einige mehr?

Danke euch allen, dem Forum und auch den Machern dieses Forums. Es ist unglaublich, wieviel in den paar Tagen bei mir angestoßen wurde.

Liebe Grüße,
Petra

03.02.2008 10:30 • #14


Hallo liebe Petra!

ich kenne dieses Gefühl ebenso wenn man auf etwas aufmerksam wird was man bisher nicht so wahr genommen hat. Mir blieb damals auch die Luft weg und Angst stieg in mir auf. Ich wusste es zum Teil nicht einzuordnen und war etwas verwirrt. Als ich mich dann aber mit meinen Gefühlen auseinander setze, da bemerkte ich das ich vieles an mir selber gar nicht wahrhaben wollte. Deshalb wehrte ich mich dagegen. Ich wusste aber das ich nichts ändern kann an diesen oder jenen Zustand wenn ich mir selbst dabei im Wege bin. Ich mußte lernen mich selbst wichtig zu nehmen und das es Menschen gab denen ich etwas bedeutete. Das war mir fremd und somit machte es mir Angst.

Ich bin davon überzeugt das Du kein Egoistischer Mensch bist und weist Du auch warum? Wenn Du dich wichtig nimmst, wenn Du dir am wichtigsten bist und erst dann andere kommen, genau dass ist richtig, wichtig und kein Egoismus! Wenn es Dir übel geht und Du Halt und Kraft suchst bei Menschen denen es vllt. auch gerade nicht so gut geht, das ist kein Egoismus, sondern Du nimmst Dich wichtig weil Du es bist!

Nur wenn man sich selbst liebt oder anfängt sich zu lieben, nur dann kann man etwas an seinen bisherigen Umständen ändern. Man lässt dann nicht mehr zu dass andere einen weh tun und man bringt Freude in sein Leben weil man Leben möchte und es liebt schönes um sich zu haben.

Egoismus ist etwas ganz anderes und das wirdHier einmal beschrieben. Ich persönlich mag Dich sehr und sehe Dich nicht als einen Egoisten sondern als einen Menschen der versucht das Leben im Glück zu verbringen, jemand der auch für andere da ist trotz eigener Probleme. Du bist eine liebevolle Person und deshalb nehme ich Dich ebenso wichtig! Lerne erst einmal Schritt für Schritt das es Menschen gibt die Dich verstehen und die Dich mögen so wie Du bist. Ändern brauchst Du dich für uns nicht denn Du bist ebenso ein Original wieder andere hier!

Lasse Dir Zeit solche positiven Gefühle zu verarbeiten und sehe in Dir keine Schuld denn es gibt nichts was Du schlimmes getan hast!

LG Emina

03.02.2008 10:54 • #15


Hallo Petra,

ich freue mich sehr, dass du langsam beginnst, dein altes Programm infrage zu stellen und versuchst, ein neues Programm zu entwickeln. Sei neugierig auf das NEUE.
Übrigens: Du darfst egoistisch sein! Dass wir dich nicht mehr wollen ... was nicht der Fall sein wird ... darf kein Beweggrund sein, mehr über dich zu schreiben ... SELBSTWERT-Gefühl!

Ich fühle, dass du in deinem Leben noch nicht allzuviel Anteilnahme und Anerkennung erfahren hast ... lass es einfach zu ... es tut einfach nur gut.
Wenn du es wünscht, schreibe ich im Forum gerne, wie ich Stück für Stück aus dem Angstkreislauf herausgekommen bin ... ich bin immer
noch am arbeiten.

Liebe Grüße
Michael

03.02.2008 19:47 • #16


Hallo Petra,

auch ich möchte dir „Hallo“ sagen (ich hoffe, es wird dir für den Moment nicht zu viel..) und freue mich, dass du hier bist.

Zitat:
Wenn ich nur bei der Post ein Päckchen abgeben wollte, Lebensmittel einkaufen, tanken… ich bekam Schweißausbrüche, innerhalb von Sekunden liefen mir Ströme über das Gesicht


Das sind also auch Panikattacken... (?)
Dann habe ich diese auch..
Wenn ich z. B. in der Straßenbahn sitze, dann bekomme ich oft auch plötzlich Schweißausbrüche. Zwar nicht so extrem wie bei dir (denke ich), aber auch so, dass ich spüre, wie Schweiß meinen Körper hinunter läuft.

Zitat:
ich fühlte mich ständig beobachtet, dachte, alle sehen, wie dämlich ich mich anstelle


Auch das kenne ich gut. Ich denke daher kommen auch meine Schweißausbrüche. Ich fühle mich ständig beobachtet, versuche krampfhaft, mich „richtig“ zu bewegen, „richtig“ auszusehen (z. B. indem ich darauf achte, dass meine Problemzonen kaschiert/ nicht offensichtlich sind, oder dass ich nichts (Schmutz oder Essensreste o. ä.) im/am Gesicht habe), mich „richtig“ zu verhalten. Es ist sehr anstrengend und Stress.
Auch schwitze ich schon über 10 Jahre, immer wenn ich das Haus/ meine Wohnung verlasse, im Achselbereich. Das ist auch sehr unangenehm und schränkt mich sehr beim T-Shirt-/Pullover- o. ä. Kauf ein..

Zitat:
um Lebensmittel einzukaufen brauchte ich viele Stunden, weil ich ständig um den Markt herum fuhr + mich nicht traute hinein zu gehen


Auch das kenne ich..
Wenn ich z. B. (wenn dieses Beispiel an diese Stelle passt... (?)) gleich merke, wenn ich mich verlaufen habe oder etwas vergessen habe (und noch einmal zurück muss), laufe ich lieber noch eine Weile weiter, bevor ich umkehre (damit es nicht so auffällt) – so etwas Sinnloses, was?!

Zitat:
Selbst wenn ich die Wohnung verlassen wollte, habe ich ewig an der Tür gehorcht, damit ich im Flur ja niemandem begegnete.


Auch das kenne ich. Ich warte auch manchmal, bis ich niemanden mehr höre, oder mir sicher bin, dass „die Luft rein ist“, bevor ich aus einer Tür herausgehe.

Bisher war ich jedoch noch bei keinem Arzt (Psychologen/Therapeuten). Da hast du mir schon einiges voraus..
Du musst dir immer wieder vor Augen halten, was du bisher alles schon überstanden und gemacht hast; wie oft und lange du gekämpft hast. Diesbezüglich kannst du stolz auf dich sein!

Zitat:
In Therapie war ich dann etwa ein Jahr, so lange, bis ich begriffen hatte, dass nur ich selber mir helfen konnte, ich musste mich meiner Angst stellen, immer, immer wieder.


Das mache ich auch schon sehr lange so.
Ich stelle mich meinen Ängsten, aus dem Glauben heraus, dass dann deren Macht über mich weniger wird. (Davon konnte ich aber bisher nichts (oder nur sehr wenig?) merken..)

Zitat:
Essen in Gesellschaft fällt mir noch immer sehr schwer


O ja, das ist bei mir genauso. Es ist dann ein Krampf – ja nichts von der Gabel herunterfallen lassen, ja nicht zittern usw..

Zitat:
Heute lebe ich ein fast normales Leben. (...)
Ich fühle mich heute gut, bin ein fröhlicher, ausgeglichener und sehr positiv denkender Mensch.


Das klingt doch schon mal gut!
Bewahre dir dieses Gefühl.


Zitat:
Mein erster Reflex auf eure Beiträge war Rückzug. Ich bin es nicht gewohnt, dass sich Menschen mit mir auseinandersetzen, auf mich eingehen, versuchen zu verstehen. Das ist irgendwie unheimlich und alles in mir geht auf Abwehr.


Das geht hier sicher vielen so (so wie auch mir).
Es ist ein sehr ungewohntes Gefühl für uns. Man weiß nicht, mit diesem umzugehen, und gleichzeitig hat man Angst, irgendwann wieder enttäuscht zu werden, oder dass man es sich nur eingebildet hat, naiv war.
Ich hoffe, du kannst dieses positive Gefühl irgendwann – ohne Zweifel und Abwehr – annehmen; denn dafür ist es da.


Na ja, zu den anderen Dingen wurde ja schon einiges geschrieben. Ich wollte eigentlich keinen „Roman“ schreiben, aber es hat sich so ergeben..

Jedenfalls merkst du – so wie ich auch für mich – dass du nicht alleine mit deinen Ängsten, Problemen und Sorgen bist, niemals.


Susanne

03.02.2008 20:41 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Bevor ich hier weiter schreibe, möchte ich noch mal ganz klar sagen, dass es mir heute wirklich gut geht, ich leide nicht, sondern bin froh, dass ich so viel geschafft habe. Nicht, dass ihr das falsch versteht, aus diesem Wahnsinn Angst bin ich raus. Dass ich das letzte Mal krankhafte Angst gespürt habe oder gar eine Panikattacke hatte, das ist zum Glück schon ziemlich lange her.

Emina, immer wieder herzlichen Dank für deine lieben Worte.

Michael, mir geht es im Grunde wie dir, den „Angstkreislauf“ habe ich zum Glück hinter mir gelassen, aber arbeiten muss und will ich noch weiter. Gemessen an dem, was einmal war, sind das jetzt nur noch kleine Reste, bei denen ich sicher bin, dass ich sie bewältige.

Für mich waren zwei Dinge grundlegend wichtig bei der Bewältigung der Angst: Mit meinem Vater abzuschließen, mich ihm gegenüber nicht mehr verantwortlich oder schuldig zu fühlen, das habe ich im zweiten Anlauf geschafft. Mich meinen Ängsten zu stellen, immer wieder, es hat Jahre gedauert, aber bis auf die erwähnten kleinen Reste habe ich auch das geschafft.

Mein Vater hat mich als Jugendliche mal gefragt, wer für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben wäre. Ich habe ihm ganz selbstverständlich mit „Ich“ geantwortet. Es war für mich selbstverständlich und ich denke auch, dass es das sein sollte. Wenn ich mich selber nicht wichtig nehme, wie kann ich dann andere wichtig nehmen. Er aber war völlig empört, wie egoistisch ich wäre, dass das ja wohl nicht angehen könnte … Damals hat er mich schon ein wenig verunsichert, aber trotzdem war und blieb ich immer der Ansicht, dass meine Antwort richtig war.

Ja, es stimmt schon, ich habe in meinem Leben nicht viel Anerkennung (eher das Gegenteil) und Anteilnahme erfahren. Aber auch das habe ich in den letzten Jahren ganz gut auf die Reihe bekommen. Statt immer nur zu sehen was ich falsch mache, sehe ich heute auch meine Stärken und bin meistens fähig meine Fehler hin zu nehmen, sie zu akzeptieren, und auch drüber zu lachen. Ich bin mit mir eigentlich sehr zufrieden, hab sehr an mir gearbeitet und viel erreicht.

Ich bin sehr stark so wie ich bin, ausgeglichen, zufrieden, auch, wenn ich weiß, dass ich noch das eine oder andere hinterfragen und vielleicht ändern möchte. Deshalb hat auch Ablehnung von außen nicht wirklich dazu geführt, dass ich versucht habe mich anzupassen. Aber eben dazu, dass ich aus Angst vor der Ablehnung mich zurück gezogen habe – vor einigen Jahren. Vielleicht habe ich mich im Laufe der letzten Jahre einfach auch zu sehr an das Alleinsein gewöhnt. Es ist halt bequemer als das Risiko einer Ablehnung oder eines Misserfolges einzugehen.

Ich habe mir heute mal ein paar Gedanken gemacht und die auch zu Papier gebracht. Dabei hab ich ganz schnell festgestellt, dass es ein riesengroßer Unterschied ist, ob man nur denkt, oder ob man das gedachte aufschreibt und dann liest. Man denkt einen riesigen Berg, und wundert sich, was da am Ende bei übrig bleibt.

Ich war und bin überwältigt davon, wieviel Anteilnahme man hier findet, dass hier tatsächlich Menschen unterwegs sind, die sich mit anderen beschäftigen und versuchen zu helfen, zu unterstützen.

03.02.2008 21:09 • #18


Hallo liebe Petra!

es ist schön zu lesen das Du mit deinen Leben und den Ängsten gut klar kommst! Wer einmal unter Ängsten schwer gelitten hat, unabhängig wie lange die Dauer der Angstsymptome anhielt, der sollte stetig an sich Arbeiten damit diese niemals mehr Überhand nehmen. Einsicht das Ängste "normal" sind da sie zu unseren Instinkt gehören und ebenso auch Fehler machen, dann wird man auch nicht mehr Rückfällig.

Ich denke das Du vllt. das "Alleinsein" ab und an für dich auch brauchst. Ich bin ebenso der Typ dafür. Ich meide nicht unbedingt Situationen aber ich ziehe mich gerne einmal zurück weil ich es für mich selber brauche. Mal fort gehen mit Freunden ist schön und gut aber wer von Grund auf ein "Einzelgänger" ist der findet darin mehr Erfüllung.

Wichtig ist sich selbst zu Studieren und seine Bedürfnisse zu kennen. Ich wünsche Dir auch weiterhin einen Erfolgreichen Weg und die nötige Stärke den Rest deines Weges zur Genesung bewältigen zu können!

LG Emina

05.02.2008 09:10 • #19


Liebe Emina,
du sprichst mir aus der Seele. Besonders wer einmal angstkrank war, ist, wie auch immer, sollte sich selber immer ein wenig beobachten. Nicht nur, dass man vielleicht wieder in alte Muster zurück fällt, sondern man liest ja vor allem hier auch immer wieder, dass sich die Angst andere Wege suchen kann. Abgesehen von der Angst habe ich immer schon an mir gearbeitet, ein Auge auf mich gehabt, von daher, wird schon schief gehen .
Ich hab noch längst nicht alles geschafft, wie du schon schreibst, gibt es immer noch Situationen, die auch ich meide. Aber vielleicht sollte man auch nicht immer nur sehen, was man noch nicht kann, sondern auch, was man schon alles geschafft hat. Denn das gibt unglaublich viel Glück und Kraft.
Seit ich hier bin, sind mir meine Defizite noch deutlicher geworden. Trotzdem fühle ich mich glücklicher als vorher, weil mir halt auch noch viel bewusster geworden ist, was ich schon hinter mir habe.
Ich freu mich immer wieder von dir zu lesen. Schön, mit wieviel Glück und Freude du hier unterwegs bist - ich glaube und hoffe, dass das auch andere ansteckt, und ihnen damit den Weg leichter macht.
Liebe Grüße,
Petra

05.02.2008 17:51 • #20



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf