Hallo isis-z,
was bedeutet eigentlich dein nick? Bei meinem braucht man ja nicht lange zu überlegen...
Danke für deine lange und sowohl nette, aufbauende als auch ausfürhliche und hilfreiche Antwort. Warum hätte ich dir denn nicht schreiben sollen?
Dass es in meinem Leben auch Positives gibt, darauf werde ich in letzter Zeit manchmal regelrecht mit einem fiktiven Tritt in ein bestimmtes Körperteil gestoßen. Du hast recht, es ist sehr positiv, wenn man eine gute Freundin hat. Mit ihr kann ich reden, sagen, dass ich jetzt gerade am liebsten allem ein Ende setzen würde und sie hat sich darüber auch noch nie abfällig geäußert, im Gegenteil. In der Nacht, als meine Mutter verstarb, da war sie es, meine Freundin, die sich für mich Zeit nahm und mit mir bis ca. zwei Uhr nachts im Restaurant saß und mich auch hat weinen lassen. Die Restaurantbetreiber schließen normalerweise um 23.00 Uhr, aber sie schickten uns nicht nach Hause, als meine Freundin sagte, was passiert war...
Und dass ich, zumal ich überwiegend eine manchmal beängstigende innere Leere empfinde, die ich dann irgendwann auf meine Art kompensieren muss, zumindestens für Tiere eine absolute und bedingungslose Liebe empfinden kann, dafür danke ich Gott, wann immer ich kann, denn Tiere geben einem so vieles... Weißt du, einer meiner beiden Hunde (sind zwei Westhighland White Terrier, die aus der Reklame, Dandy hat glattes Haar und Nikko hat Löckchen), Nikko, ist völlig überzüchtet, musste bereits im Alter von acht Monaten an der Hüfte wegen Nekrose (reines Überzüchtungsmerkmal) operiert werden und auch nervlich gesehen ist er absolut überzüchtet, was sich in Aggressionen und völligem Ausrasten äußert, jedoch draußen fast ausschließlich, wenn er eine Begegnung mit einem fremden Hund hat. Er hat mir in vier Jahren acht neue und teure Flexileinen geschreddert, mich so oft ins Bein gebissen, dass ich keine einzige Hose mehr ohne Loch hatte und zudem ein paar schöne Narben vor allem an den Beinen, darunter ein Loch mit einem Durchmesser eines 2-Cent-Stücks, was nicht mehr zugeht. Auch hat er sich schon in meinem Arm festgebissen. Aber richtig, die ganze obere Zahnreihe bohrte sich in mein Fleisch, immer tiefer, war ein Gefühl, als wenn ein Schraubstock in eine offene Wunde einen Gegenstand immer tiefer hineindrückt. Als Borderliner und sowieso bin ich ja nicht so schmerzempfindlich, aber das spürte ich. Viele laberten und sagten mehrfach, diesen Hund hätten die wenigsten behalten, eben weil er so schwierig ist. Und dennoch, ja, er ist schwierig, sehr schwierig, zudem sind Terrier sowieso von Grund auf nicht ohne, aber ich liebe diesen Hannibal in Kleinstausgabe genau so wie seinen ein Jahr älteren Halbbruder Dandy. Der Hund kann nichts dafür, dass er so ist, es ist die Schuld von geldgeilen Menschen. Ich habe aber bis jetzt mit aller Konsequenz und überwiegend dem nicht schmerzenden Schnauzgriff sehr vieles bei ihm erreicht, und darauf kann ich stolz sein, denn das hätten andere nicht gebracht. Beide Hundchen hatte mir meine Mutter geschenkt. Diese beiden lebendigen Geschenke sind für mich etwas sehr Wertvolles, zumal auch die letzte lebende Verbindung zwischen meiner Mutter und mir, und ich weiß, dass es ganz genau so in ihrem Sinn wäre, wie ich mit Nikko umgehe und dass ich ein "Weggeben" nie in Betracht gezogen habe. Níkko stammt übrigens in dieser Schreibweise aus dem Japanischen und bedeutet "Sonnenschein". War meine Idee...
Und die Nymphies, die ich vor zwei Jahren adoptiert habe, die habe ich auch mit jedem Tag lieber. Seit einigen Monaten imitieren sie hundertprozentig den Lockpfiff, mit dem ich meine Hunde rufe. Anfangs peilte ich nicht, dass es meine Vögel sind, die da pfeifen und dachte, jetzt geht es bei mir ab, wie bei meiner Freundin. Sie hört allerdings Stimmen, nur von Pfeifen hören war bis bis dahin noch nichts bekannt. Na ja, egal, jedenfalls bekomme ich auch von ihnen jedes Mal eine Begrüßung, wenn ich oben vorbeigehe oder nach Hause komme.
Mir noch mehr Tiere anzuschaffen, daran habe ich auch schon gedacht. Ich hätte gerne noch ein Kätzchen (hatte im Abstand von ein paar Jahren jeweils zugelaufene Katerchen adoptiert) und Schildkröten, vielleicht nochnd einen dritten Hund (bis zum 29. Mai 2006 hatte ich drei, da hatte ich noch einen schwarzen Zwergschnauzer, meinen "Alterspräsidenten"), am liebsten so einen Harlekinpudel, ne neue Rasse, schwarz weiß und supersüß...
Ich muss nur hier noch sehr vieles renovieren und den Garten fertig bekommen. Du hast Recht mit dem Zubunkern. Rechts steht ja schon eine über zwei Meter hohe Holzwand, links eine dichte, hohe lebende Hecke und somit muss ich nur noch unten die Grenze zum Grundstück abdichten. Den Vorgarten habe ich auch schön zuwachsen lassen, manche sagen "Wildnis", ist mir aber wurscht, es sind nur Bäume, die immergrün und inzwischen ziemlich hoch gewachsen sind. Demnächst werde ich da auch alles etwas zurückschneiden und vor die Küchenfenster kommen noch mehr Bäumchen, damit da auch alles gaffdicht ist.
So, nun entschuldige, dass ich so viel über Tiere geschrieben habe, aber ich liebe sie nun mal über alles. Meine Eltern waren genau so. Das erste Geschenk, was mein Papa meiner Mutter machte, als er sie noch umwerben musste, war ein kleiner Zwergspitz namens "Alf" Auf die Flucht gingen sie damals bei Nacht und Nebel mit einem kleinen Köfferchen mit dem Nötigsten und ihrem Schäferhund.
Nein, mein Bruder wurde nicht angezeigt. Es ist so, dass meine Mutter all das immer abstritt, später dann zumindest herunterspielte. Dann kommt noch hinzu: letztes Jahr im Juli bin ich wieder in die Kirche eingetreten und gleichzeitig zum Katholizismus konvertiert. Im Juli hatte ich Firmung und ich kann gar nicht beschreiben, trotzdem, dass meine Mutter da bereits im Krankenhaus lag und alles so schlimm war, was für ein shöner Tag das das war und wie viel Positives ich in mir aufgenommen habe. Dem Pfarrer habe ich ein Heftchen angefertigt mit Grafíken und selbst geschriebenen Gedichten, worüber er sich sehr gefreut hatte. Darunter ist auch mein Gedicht "Vergeben". Ein Exemplar nahm ich meiner Mutter mit ins Krankenhaus, las es ihr vor, sie stellte es auf ihren Nachttisch und las es immer wieder selbst durch. Ich wollte ihr besonders mit "Vergeben" verdeutlichen, dass ich sowohl ihr Nichthandeln und manch anderes als auch meinem Bruder und anderen vergeben habe. Das wusste sie, und darüber bin ich unendlich froh, dass sie in diesem Gedanken gehen durfte, dass zwischen uns nichts mehr besteht, was zu vergeben wäre. Vergessen ist nicht so einfach, ich leide eben weiterhin unter all dem, was geschah, und das geht auch mit der Vergebung nicht von heute auf morgen auszulöschen. Und eben deshalb werde ich keine Anzeige gegen meinen Bruder erstatten. Auch jetzt, wo ihm jemand auf den Fersen ist und eine Betreuung mit betreutem Wohnen anstrebt: zwar habe ich seit all den Jahren keinen Kontakt mehr zu meinem Bruder, möchte das auch dabei bewenden lassen und zudem hätte ich nun Gelegenheit, mích zu "rächen", aber ich werde dieses nicht tun. Zudem ist mir bewusst, dass ich damit voll und ganz im Sinne meiner Eltern handle, das weiß ich, und das ist mir sehr wichtig.
Wegen dem Termin, da bin ich ernsthaft am überlegen, ob ich ihn überhaupt noch wahrnehmen soll. Ich hatte dazu in meinem Tagebuch geschrieben, dass ich ihm sehr wahrscheinlich rechtzeitig einige Zeilen zukommen lassen werde. In diesem Tagebuch (welches ich merkwürdigerweise von Hand schreibe, alles andere ausschließlich über den PC) schrieb ich folgendes:
"Was Dr. X betrifft, dessen Abneigung ich am Donnerstag äußerst deutlich spürte, so werde ich ihn nicht mehr aufsuchen und ihm dieses, noch vor dem regulären Termin, auch mitteilen. Seine Fragen und Aussagen nahm ich sehr persönlich und interpretiere sie teilweise so, als wolle er regelrecht, dass ich mich für Selbstmord entscheide oder ihn zumindest nicht weiterhin belästigen soll. Wenn er meine Gegenwart als lästig, unerträglich und unnötig empfindet, so verste eich das und gestehe ihm dieses, sowohl als Therapeut als auch als Mensch vollkommen und uneingeschränkt zu. Ich habe die Signale empfangen und werde meine Konsequenz daraus ziehen. Es wird keine Gespräche mehr geben und ich weiß ganz genau, dass für ihn meine Entscheidung des Fernbleibens eine sehr große Erleichterung und Befreiung sein wird. Belästigen oder kompromittieren, nerven oder sonstiges, lag nie in meiner Absicht, und sollte ich dieses unbewusst getan haben, so entschuldige ich mich dafür! Dieser Tag und dieses letzte Gespräch haben mich gelehrt und zu der Entscheidung gebracht, dass der totale Rücknug, Schweigen und irgendwann Schadensbegrenzung zu betreiben die beste Lösung für alle Seiten ist!
Ich als "Patientin" will und kann einem Therapeuten nicht seine Funktion erklären, die sollte er schon selbst zu definieren wissen. Ich versprach mir beispielsweise von einer Therapie, meine Ängste und Phobien irgendwann und irgendwie in den Griff zu bekommen oder bestenfalls ganz los zu werden. Ich hatte gehofft, mit der Zeit eine andere Sichtweise zu bekommen und war dazu bereit, mich diesbezüglich belehren zu lassen, was auch meine oft schwierige Einstellung zu oder Beziehung mit Menschen, mit anderen, betrifft. Und letztendlich erhoffte ich mir, irgendwann so etwas wie LebensFREUDE empfinden zu dürfen, was ich eigentlich bis heute nie erfahren konnte oder durfte. Es war eines meiner Ziele, irgendeinen Sinn in allem zu sehen, einige unschöne Eigenschaften abzulegen, wofür ich mir alle Mühe geben wollte, weil ich einsah, durch vorherige Gespräche, welche ich im Nachhinein stets mehrfach reflektierte, dass diese Eigenschaften und Verhaltensweisen weder für mich noch für andere gut sind. Aber es soll nicht sein, auch das akzeptiere ich. Rückzug und Schweigen oder auch irgendwann und irgendwie seine persönlichen Konsequenzen zu ziehen, haben nicht einmal Neben- oder Wechselwirkungebn und keinerlei Suchtpotential. Zudem bin ich hierdurch nicht zur Konversation gezwungen, denn bei diesem fiktiven "Medikament" gibt es weder eine Packungsbeilage noch muss ich mich einem Wortwechsel mit meinem Arzt oder Apotheker unterwerfen... "
So in etwa sollte der Wortlaut in einem Schreiben an ihn sein, ich weiß nur nicht, ob es richtig ist, ob er meinen Müll überhaupt lesen geschweige denn ernst nehmen würde... Dass es ihm schnuppe ist, nun einen Patienten bzw. eine Karteileiche mehr oder weniger zu führen, ist mir klar, was anderes kann und würde ich auch nie erwarten. So wichtig bin ich zudem nicht.
Wegen der Medis muss ich dir Recht geben. Was ich da mache, ist nicht gut, nicht auf Dauer. Aber momentan bin ich so was von unten, da geht es fast nicht mehr anders.
Wegen deines Vorschlags, Kurzgeschichten zu schreiben: das tue ich seit einer Zeit. Vorher war ich über einen langen Zeitraum in einem Suizidforum, wo jemand mich darauf aufmerksam machte, ich solle mal versuchen zu schreiben. Das sagten mir auch andere, obwohl ich in meinen Beiträgen nie etwas Besonderes sah, sondern immer nur eine Aneinanderreihung von Worten, um irgendwas zum Ausdruck zu bringen oder zu schildern. Aber gut, ich begann dann, Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Als meine Mutter im Krankenhaus lag, schrieb ich zum Großteil für sie, legte ihr einen Ordner an, der stets von Station zu Station mitwandern musste, weil sie es irgendwie als ihr kleines Heiligtum ansah. Wenn ich sie besuchte, musste ich ihr immer wieder daraus vorlesen, und wenn wir, wie jeden Abend, spät noch mal telefonierten, las ich ihr auch wieder vor. Ihr Trauerheftchen zur Beisetzung habe ich selbst erstellt in Form eines Briefes an Sie, mit Bildern und einem Gedicht, nur für sie.
Als ich deinen Beitrag las, und weil du auch über Tiere geschrieben hast, da kam mir zuerst meine Geschichte "Herr und Frau Krähe" in den Sinn, weil sie irgendwie momentan passend scheint. Ich poste sie dir hier im Beitrag und hoffe, dass ich nun mit diesem Millenniumsbeitrag nicht gelangweilt habe.
Also hier die (erste) Story:
Herr und Frau Krähe
Gestern Abend saß ich nach einem ausgedehnten Spaziergang mit meinen Hunden im Park auf einer Bank. Da kamen zwei Krähen gelaufen. Sie spazierten gemütlich den Weg entlang in unserer Richtung. Plötzlich konnte ich hören, wie sie sich unterhielten und aus ihrer Unterhaltung entnehmen, dass sie wohl ein bereits seit vielen Jahren glückliches Krähenehepaar sind. Da fragte Herr Krähe seine Frau, während beide gemütlich, mit leicht schaukelndem Gang, nebeneinander liefen: "Du, Frau, was meinst du, ist es besser, eine Krähe zu sein oder ist es besser, ein Mensch zu sein? Ich für mein Teil, ich wäre schon lieber ein Mensch."
"Na du stellst mal wieder Fragen, Mann. Ich dachte, wir gingen nun, weil unsere Kinder von ihren Tanten und Onkeln gehütet werden, die Abendluft genießen, und wir hatten außerdem vor, in unserem alten Lieblingsbaum, geschützt von den Blicken und Bemerkungen der anderen, etwas zu schmusen. Da kommst du nun wieder mit deinem Philosophieren an." Ärgerlich schüttelte sie dabei ihren Kopf und ihr Schritt wurde schneller.
"Ach Frau," lispelte verführerisch Herr Krähe, der Mühe hatte, dem schnellen Gang seiner Frau zu folgen, "eine Frage zu beantworten tut doch unserem Vorhaben keinerlei Abbruch. Komm sag schon, was dir lieber wäre."
"Na gut, du lässt ja, wie üblich, nicht locker," meinte Frau Krähe, immer noch sichtlich erregt. "Wenn du's genau wissen willst, ich bin und ich bleibe eine Krähe. Nie und nimmer möchte ich ein Mensch sein."
"Und warum?" fragte Herr Krähe bohrend weiter. "Warum möchtest du kein Mensch sein? Ich fände es toll, denn dann wäre endlich ich einmal in der stärkeren Position und müsste mich nicht, weil ich nur ein Tier bin, was in den Augen vieler Menschen wohl leider gar nichts zählt, verjagen, erschießen oder gar überfahren lassen. Dann könnte ich auch mal sagen: 'husch husch'."
"Ja, sicherlich birgt das Menschsein gewisse Vorteile, das bestreite ich ja gar nicht," entgegnete ihm Frau Krähe. "Aber weißt du, mir ist es viel lieber, wenn ich durch die Lüfte fliegen kann, wann und wohin auch immer ich will. Ich kann mir überall mein Nest bauen, finde überall Nahrung. Menschen haben das längst nicht so einfach. Die brauchen eine Wohnung, müssen arbeiten gehen. Und bis die mal laufen lernen, neee, also da finde ich das bei uns schon praktischer. Unsere Kinder werden viel eher flügge und selbständig."
Herr Krähe nickte mit dem Kopf und meinte nachdenklich: "Von dieser Seite habe ich das ja noch gar nicht betrachtet. Ich sah bis jetzt immer nur die Vorteile im Menschsein. Da hast du wohl Recht, einfach haben die es auch nicht gerade. Und was unsere Freiheit betrifft, da kann ich dir nur zustimmen. Ich glaube, dann bleibe ich doch lieber eine Krähe. Ich möchte noch viele, viele Jahre mit dir zusammen sein, denn du warst mir immer eine gute Frau und unseren Krähenkindern eine sehr gute Mutter. Wie konnte ich nur so dusselig sein, keine Krähe mehr sein zu wollen. Denn dann könnte ich ja außerdem nicht mehr mit dir zusammen sein."
"Na siehst du, es ist nicht immer das besser, was man nicht ist und gerne wäre. Du musst auch hinter die Mauern schauen, auf denen du so gerne sitzt, und nicht nur darüber, denn ein Blick dahinter öffnet so manches Fenster. So, jetzt reicht's mir. Gehen wir jetzt endlich schmusen?" schloss Frau Krähe ihre Unterhaltung mit ihrem Krähengatten.
"Oh Frau", flüsterte betroffen Herr Krähe, "woher nimmst du nur all die Weisheiten? Manchmal überkommt mich so ein Gefühl, als wärest du schon einmal..."
"Lass es dabei bewenden", unterbrach ihn Frau Krähe und erweckte dabei den Eindruck, dass ihr Gatte sie wohl bei irgend etwas ertappt haben könnte. "Ich bin ich, du bist du, sie ist sie", wobei sie mit ihrem langen, kräftigen Schnabel in meine Richtung zeigte.
"Und auf geht's, unsere alte neue Freiheit und das, was wir sind, schätzen und genießen" riefen beide fast synchron, während sie mit einem kräftigen Ruck abhoben.
Ich konnte mir jedoch nicht verkneifen, dieses angeregte tierische Gespräch mit der Bemerkung "entschuldigt, dass ich euch beiden so einfach anspreche, aber ich konnte eure Unterhaltung mit anhören und fand das, was ihr da gesagt habt, sehr interessant" zu beenden. "Wisst ihr, ich als Mensch, wenn ich euch so betrachte, wäre schon viel lieber eine Krähe, wenn ihr auch kleiner seid als wir, und wenn auch viele meiner Artgenossen nicht gut zu euch sind. Zu sich selbst sind sie auch oft böse. Aber dennoch, der Gedanke, einfach auf und davon zu fliegen, hat was."
"Ei, ei," hechelte Frau Krähe, die bereits den ersten großen Bogen geflogen hatte, noch einmal landen und einen sicheren Platz außer Reichweite meiner Hunde suchen musste, die seit des Krähendialoges merkwürdig ruhig wurden, und fast schien es, als hörten sie zu... "Ihr Menschen seid wohl auch nie zufrieden mit dem, was ihr seid und wie ihr seid. Aber dennoch: Bleibe du lieber Mensch, und wir bleiben die stolzen, schwarzen Vögel. Es wird schon alles so seine Richtigkeit haben. Einen schönen Abend noch."
"Ja, einen wunderschönen Abend wünsche ich ebenfalls," plapperte ein aufgeregter Herr Krähe mir zu, während beide mit großem Schwung über die Wipfel der Bäume bis zu ihrem Lieblingsbaum flogen, um dort in schützender Höhe, umgeben von dichtem, sich leise im Wind wiegenden Blätterdach, ihr ganz persönliches Stelldichein zu genießen.
Ich rief nur noch schnell hinterher: "hey, ja, den wünsche ich euch beiden auch."
Ich weiß nicht, ob meine Hunde instinktiv den beiden *beep* nachschauten. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sie leise in hündisch etwas tuschelten, als sie ihre beiden weißen Köpfchen geheimnistuerisch zusammensteckten. Ich glaube, ich konnte sogar ein leichtes Nicken ihrerseits wahrnehmen...
Es war tatsächlich so, dass ich abends mit den Hunden im Park auf einer Bank Platz nahm, mache ich oft, um nachzudenken, und da kam auf dem Weg ein Krähenpaar nebeneinander gelaufen. Dazu fiel mir dann die Geschichte ein...Vielleicht ist sie ja auch einfach nur blöd, kannst du mir aber gerne sagen, denn ich vertrage sehr gut Kritik...
Als meine Mutter im KH lag, da begann ich eine Geschichte zu schreiben über Knut, den Eisbärenjungen. Ich schrieb sie jedoch mit dem Tag des Todes meiner Mutter nie zu Ende und weiß nicht, ob ich es noch tun werde oder soll.
Morgen ist der erste Jahrestag ihres Todes. Ich habe ihr eine schöne Schale bepflanzt, einen Blumenstrauß gebunden (solche Dinge mache ich alle selbst) und werde ihr das morgen zum Grab bringen. Vielleicht fahre ich dann anschließend mit dem Fahrrad zum Krankenhaus. Die Intensivstation, wo sie verstarb, ist im Erdgeschoss, die Bänke für die Raucher stehen fast davor, also denke ich, ich hätte dann irgendwie die Nähe zu ihr...
Es ist morgen um 16:42 genau ein Jahr, und mir ist es immer noch, als sei es gestern gewesen..oc.