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hallo super

Zitat:
Dignitas (ich weiß nicht, inwiefern diese Gesellschaft hier bekannt ist).


sie sind mir bekannt - sehr sogar... unsere medien beschäftigen sich intensiv mit dem thema. dignitas gesteht keine sterbehilfe für psychisch kranke zu. das ist nicht die idee, die dahinter steckt. wenn du dir also einen medizinischen selbstmord kaufen willst, dann musst du wo anders suchen.

für die aussage deines therapeuten habe ich insofern verständnis, da du ihm ja nur nur vor augen geführt hast, wie sinnlos alles ist und du sterben möchtest. was soll er darauf sagen. kommen sie noch zwei jahre zu mir und wir plaudern jede woche über ihre suizidgedanken? er will, dass etewas geht - in die positive richtung! provokation gehört mit zum spiel und soll auch zum nachdenken anregen. und die ehrlichkeit eines therapeute ist sein höchstes gut.

wenn ich das so lese, scheinst du dich ja in deiner depression völlig eingegraben zu haben. ganz einfach, wenn du sterben willst, dann überlege dir das gut - es ist nicht mehr rückgängig zu machen, wenn du leben willst, dann tu dies - und unternimm alles menschenmögliche, was dir dazu verhelfen kann. starre und resigantion hat noch niemanden in der therapie weitergebracht.

inwiefern dein therapeut inkompetent ist, kann ich aus deinen worten nicht schliessen. dazu müsste man mehr über eure therapeuten-patient-beziehung und über eure gespräche wissen.

im übrigen kann bei BPS einiges durch therapie erreicht werden. es mag zwar nicht bis ins letzte heilbar sein, soll sich aber bis zum 35. lebensjahr mehr oder weniger ausgewachsen haben, aber man trotzdem schon vorher eine sehr hohe lebensqualität hinkriegen. also kein grund bei allem leiden, den kopf in den sand zu stecken und alles hinnehmen zu müssen.

sorry, wenn ich nicht auf alles eingehe, was du geschrieben hast.

diese gedanken sind mir durch den kopf gegangen und ich wollte sie weitergeben.

viel mut und kraft und eine entscheidung für das leben

saorsa

07.08.2008 20:55 • #21


Hallo super !

Dignitas kassiert für eine Abwicklung etwa 5000,- Euro, die Preise schwanken etwas von Fall zu Fall.
Man muss mindestens zwei unabhängige Gutachten erstellen lassen (im Preis inbegriffen) die Folgendes untermauern:
1.) Eine medizinische Besserung ist für die Zukunft ausgeschlossen.
2.) Der derzeitige Zustand ist menschenunwürdig und qualvoll.
3.) Die Entscheidung unterliegt dem eigenen Willen und ist bei voller Selbstverantwortung getroffen worden.
(Bei psychischen Erkrankungen beisst sich hier, im Punkt 3, die Schlange juristisch in den eigenen Hintern)

Super, ich selber war vor nicht allzulanger Zeit mit meinen Überlegungen an dem selben Punkt wie du.
Ich denke aber auch, dass es dir dabei genauso geht wie mir, du willst, sowenig wie ich, wirklich sterben.
Du kannst nur nicht mehr so weiterleben, wie das Leben zur Zeit für dich ist.

Was ich nun schreibe, ist vielleicht etwas hart, aber es kann ein Weg zurück ins Leben sein:

Wir wissen alle, was in deiner Vergangenheit geschehen ist, und wir wissen auch alle, dass du daran keine Schuld trägst.
Stelle dich diesen Dingen. Denke an dich und hebe das Versprechen, dass du deiner Mutter gegeben hast auf. Nehme keine falsche Rücksicht mehr auf deinen Bruder.
Arbeite in einer Therapie deine Vergangenheit auf, und beginne dein Leben.

Ich selbst war vor einigen Jahren mit einer jungen Frau befreundet (habe sie im Psychosomatischen Krankenhaus während meiner Therapie kennengelernt), die als Kind von ihrem Stiefvater über viele Jahre lang missbraucht worden ist. Ich habe selber gesehen, und am eigenen Leib gespürt, was so etwas bei einem Menschen anrichtet. Ich habe aber auch dabei erleben dürfen, dass es da noch Hoffnung gibt. Sie lebt heute in Berlin, und führt dort ein halbwegs glückliches Leben.

Denke bitte noch einmal, nur für dich und nicht für deine Herkunftsfamilie, über alles in Ruhe nach.

Ich wünsche mir von Herzen, dass du dich für dich, und für das Leben, entscheidest.

Viele liebe Grüsse,

Helpness

08.08.2008 16:51 • #22



Ich werde die Therapie ersatzlos abbrechen

x 3


Hallo Super, ......................................

Bist du da?

Isis

09.08.2008 20:02 • #23


Liebe Supergau,

wie ich in meinem Beitrag vorher schon geschrieben habe, habe ich nur den Ausgangspost in meinen Beitrag mit einbezogen. Ich wusste also weder über Dich noch über Deine Geschichte und Dein Leiden etwas.

Ich habe hier ins Forum bisher nichts geschrieben über mein Leben aber es gibt viele parallelen zwischen uns und unserer Vergangenheit und Erkrankung nur dass ich kein Borderline habe.
Ich gehe nun seit nun bald 2 Jahrzehnten mit Ängsten, Paniken, Depressionen, Zwängen, Todessehnsüchten, Schmerzen und dem vollen Programm eben durchs Leben..
Ich habe auch allen familiären Sch*** net nur hinter mir sondern erlebe ihn heute noch mit. Mein Leben lang wurde ich misshandelt, ich wurde vergewaltigt, finanziell ausgenommen von meiner eigenen Mutter!!
Und noch heute, es ist erst ein paar Wochen her, rief mein Bruder mir auf offener Straße hinterher "Ich hoffe Du brichst Dir den Hals".

Auch ich habe ehrlich gesagt häufig an den Tod gedacht..
Doch alleine die Tatsache, dass Du dies noch mitteilst, uns und auch Deinem Therapeuten, das sagt mir dass dies wohl auch ein Hilferuf, ein ganz verzweifelter und dringender Hilfeschrei von Dir ist.
Du möchtest erhört werden.. und Du möchtest dass Dein Leid aufhört, um jeden Preis..
Ich weiß wie schei. das is, für mich gibts auch nur Ganz oder Garnicht..

Du hast doch auch Fortschritte gemacht, auch wenns Dir schwer fällt, sei stolz darauf dir gebührt dafür mein VOLLER Respekt.

Was Du noch tun sollst? Versuche doch mal, anstatt nur das Schwarze auch mal das Weiße in Deinem Leben zu sehen.. Es ist doch soviel da, schau wieviel Du geschafft hast!!

Mir konnte übrigens bisher auch kein Therapeut helfen und ich bin EINIGES losgeworden - ohne Therapie!


Zu Deiner Frage mit der Intelligenz..

Was Dein Therapeut meint ist die Emotionale Intelligenz.. Deine Charakterstärke!

Emotionale Intelligenz ist ein Sammelbegriff für Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten, welche den Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen betreffen.

Dies enthält zum Beispiel: Empathie, Soziale Kompetenz etc.

Du wendest das doch alles an, Du schaffst soviel, wieso siehst du das alles denn nur nicht??

09.08.2008 20:58 • #24


so, sorry, dass ich mich einfach nicht mehr gemeldet habe. Das mache ich immer so, bis ich mich dann nicht mehr traue, obwohl es völlig unbegründet ist. Aber nun traue ich mich doch noch mal.

Ernsthaft habe ich an das endgültige Aufgeben gedacht, nicht nur die Therapie betreffend. Nun gut, ich lebe noch und ich habe auch die Therapie fortgesetzt und weiß seit den beiden letzten Gesprächen, dass es gut war, denn einiges hat mein Therapeut nun an meinem teilweise aggressiven Verhalten verstanden, was er vorher anders interpretiert hat. Ich habe ihm einfach erzählt, dass ich bspw. von vorneherein aggressiv darauf reagiere, wenn andere meinen, mir sagen zu müssen, was ich zu tun oder zu lassen habe. Der Grund liegt darin, dass man mir in meinem bisherigen Sch***leben immer sagte, was ich nicht tun soll und was ich zu lassen habe. Aber nie habe ich gehört, was ich eigentlich tun kann und "darf", das ist mir selbst jetzt erst richtig bewusst geworden. Ebenso ist mir klar geworden, dass ich tatsächlich etwas Positives aus der mir so verhassten Zeit der Klappse mit nach Hause nahm: ich begann, schrittweise, mich eben nicht mehr fernsteuern und beherrschen zu lassen. Klar, das passte meiner Mutter nicht, weil ihr dieses Verhalten meinerseits fremd war. Teilweise kann ich sie nun auch verstehen, von ihrer Seite aus gesehen. Einmal meinte sie: "die haben dich da oben einer Gehirnwäsche unterzogen, du bist ein völlig anderer Mensch." Nun gut, ich antwortete, dass erstens dem nicht so gewesen und zweitens nichts da wäre, auch für die nicht, was man einer Wäsche unterziehen konnte. Ja, ich bin seitdem ein anderer Mensch, aber ganz sicher nicht zum Guten.

Ich habe meinem Therapeuten einiges erzählt, was den Aufenthalt im Narrendorf betraf, dass ich, obwohl ich mit psychisch Kranken vorher noch nie konfrontiert war, Zugang zu Patienten fand und sie Vertrauen zu mir fassten, Dinge für sie zustande brachte, wo selbst das Pflegepersonal fraglos war. Will das nun nicht alles hier aufführen, weil ich denke, das würde euch vllt nicht interessieren oder gar langweilen.

Auch von früher habe ich einiges erzählt. Eigentlich habe ich mich von klein auf keinem Gruppenzwang unterworfen, wenn ein anderer von der Gruppe auf irgend eine Art und Weise schikaniert wurde. Ich schlug mich automatisch auf seine Seite und stellte mich gegen die gesamte Gruppe. Das fing schon im Kindergarten an Ich kann zwar keine Beziehung eingehen, und habe furchtbare Berührungsängste, Angst vor zu viel menschlicher Nähe, aber ich denke, dass ich die Gründe hierfür schon richtig einordne. Ich sage zwar immer lauthals, dass mir die Menschheit inzwischen - bis auf wenige Ausnahmen - sonstwo vorbeigeht, aber wenn da jemand ist, der Hilfe braucht, und ich helfen kann, dann helfe ich. Das ist eín Widerspruch in sich, das weiß ich. Mein Therapeut konnte auch nicht verstehen, dass ich, wie er sich ausdrückte, "sehr kluge Entscheidungen" für andere zu treffen in der Lage bin, auch wenn ich mir damit eventuell selbst Schaden zufüge, aber dass ich für mich selbst nichts tue oder Dinge tue, mit denen ich mich unkontrolliert voll in den Schlamassel reinfahre. Da hat er Recht, denn ich selbst bin mir sch***egal. Ist nun mal so. Zumindest zum großen Teil. Vielleicht liegt aber auch etwas in meinen Genen, meiner familiären Herkunft, begründet. Und dass ich beiderseits eine solche Familie haben durfte, auf sie alle bin ich, wenn ich mir alles, was sie selbst für andere taten bis zur Selbstaufgabe, wenn erforderlich, in Erinnerung rufe, dann kann ich nur mächtig stolz auf sie sein.

Außerdem habe ich mich endlich getraut, zur Magenspiegelung zu gehen. Das schiebe ich nun seit über fünf Jahren vor mir her, weil ich Panik davor hatte und zudem chronisches Asthma, und irgendwie spielt sich das bei mir, wenn ich in eine Paniksituation komme, gegenseitig hoch. Meine Hausärztin ist eine ganz Liebe, kennt u.a. mein Panikproblem. Praktischerweise ist ihr Mann auch Arzt und führt diese Untersuchungen durch. Ich habe mich mehrmals überzeugen lassen, dass ich die Spritze bekomme, die einen schlafen schickt und dass man mir nur ja nicht kommt mit diesem Spray, was den Rachen betäubt. Das war die nächste Angst. Aber es war so easy, das einzige, was man spürt, ist der Piecks der Spritze, aber jemand, der auf Schmerzen steht, registriert das nicht sonderlich. Man schläft sofort ein, wird nach ca. 10 Minuten wieder wach und ist gleich wieder voll da. Festgestellt hat er nichts Schlimmes, außer einer Reizung der Magenschleimhaut und dass der Schließmuskel nicht richtig funktioniert. Na ja, hätte er mir gesagt, ich hätte nicht mehr lange zu leben, hätte ich mich mehr gefreut, denn dann wäre ich eher bei meinen Eltern...
Ich leide seit über fünf Jahren an chronischem Sodbrennen, Magenkrämpfen und sehr oft muss ich mich übergeben, neulich erbrach ich sogar Blut. Der Arzt fragte mich, ob ich denn unter irgendwelchem psychischem Stress stünde. Und klar - ich Idiotenweib kam erst auf die Frage darauf, dass diese Symptome erst im Anschluss an die Psychiatrie auftauchten, und dass zudem letztes Jahr meine Mutter verstorben ist, was mir immer noch sehr zusetzt. Ich konnte über einen Zeitraum von ca. drei Monaten nichts essen. Und heute noch, wenn ich mir in der Woche vielleich ein, zweimal etwas zu Essen mache, auch ein wenig Appetit und Hunger verspüre, ist mir der Magen sofort dicht, wenn ich an all das Zurückliegende denke. Jetzt ist mir klar, dass das mit den Panikattacken, meinen Magenproblemen und dem Asthma, welches ebenfalls erst nach der Psych. chronisch wurde, alles irgendwie zusammen hängt. Gut, das bringt mich vielleicht nicht viel weiter, aber ich brauche nun keine Rätsel hinsichitlich dessen mehr zu lösen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mit der Untersuchung durchziehe, noch vor ein, zwei Jahren hätte ich wieder gekniffen und abgesagt und lieber alles ausgehalten. Bin zudem nicht so die Arztgängerin...

Momentan habe ich mich zwar weitestgehend zurückgezogen und blocke Kontakte überwiegend ab, aber es tut mir ehrlich gesagt gut, zumal ich auf die, die sowieso nur über einen reden, keinen Wert mehr lege, und inzwischen ist mir auch schnuppe, wer was über mich labert, selbst wenn es jetzt sogar schon heißt, ich würde hier in dem Haus in einer WG wohnen. Das bestätigte ich ironisch mit der Bemerkung, dass meine Vögel und Hunde, jede Milbe, jede Laus und Ameise zur WG zählen und mir Untermiete zahlen, damit ich u.a. meine Flatrate finanzieren kann. Ich habe zudem ein paar kleinere Aufträge, etwas für andere zu schreiben und widme mich zur Zeit mit Leidenschaft der Herstellung und Verzierung von Kerzen. Damit kann man seine Phantasie so richtig austoben. Auch mit dem Schreiben. Worte können eine richtige saftig grüne Spielwiese sein. Bei allem, was ich tue, brauche ich keinen Menschen um mich herum, muss nicht irgendwo hingehen, kann also mein Ding ganz alleine durchziehen, ich kann mir selbst aussuchen, ob ich mitten in der Nacht was arbeite oder schlafe. Bis jetzt ist auch die Sachbearbeiterin bei der Arge sehr verständnisvoll. Sie bekommt ein neues Attest. Im letzten bescheinigte mir mein Therapeut, dass ich durchaus motiviert bin, jedoch Probleme unter anderem wegen der sozialen Phobie bestünden. So was ist nun einmal - wenn überhaupt - nicht in ein paar Wochen oder Monaten kuriert, zumal diese Probleme bei mir sehr weit zurückliegen und sich in mir irgendwie festgefressen haben, wie diese bildlich dargestellten Bakterien in der Werbung für den Kloreiniger Kann man mir glauben - würde es was nützen, um alle Probleme aus mir rauszukriegen, würde ich auch noch eine ganze Flasche dickflüssiger WC-Ente austrinken, aber das würde wohl so nicht funktionieren *ironisch gemeint*.

Die Selbstmordgedanken, die Todessehnsucht sind ein Teil von mir geworden, schon seit vielen Jahren. Das muss nicht bedeuten, dass ich mich jetzt, morgen oder übermorgen umbringen werde. Aber ich halte mir mein kleines Hintertürchen offen, habe vorgesorgt, und allein der Gedanke "du kannst, wenn du willst" ist auch schon so etwas wie ein kleines Überlebenstraining.

@ Sherlock
ganz und gar kann ich dir, bezüglich meiner SM-Gedanken und Todessehnsucht nicht beipflichten. Damals habe ich über Monate geplant, überlegt wie, als ich es wusste, mir nach und nach besorgt, auf Umwegen, was ich brauchte. Ich hatte mir Ziele und ein Datum gesetzt. Zwei Tage vorher, bewusst Sonntagnacht Abmeldungen an Finanzamt und Krankenkasse gesendet, sämtliche Dokumente entsorgte ich einen Tag vorher im Papiercontainer, meinen Kunden (hatte damals noch mein Büro) druckte ich alles auf, legte die Stapel mit entsprechenden Begleitschreiben nebeneinander, habe das Haus auf Hochglanz gebracht, kein Wäschestück war mehr schmutzig oder ungebügelt, alles tip top. Ich wollte nicht, ohne alles geklärt zu haben, gehen. Und das war alles andere als ein Hilfeschrei, sondern mein vollster Ernst. Ich hinterließ sogar eine Abschieds-Homepage mit Kommentaren und Grüßen an die Leute aus dem damaligen S-Forum. Auch an sie hatte ich gedacht. Meine Kinderfotos habe ich sämtlich zerschnippelt, mich rausgeschnitten, weil von mir nichts, aber auch gar nichts mehr übrig bleiben wollte. Ich fuhr zuhause eine phatte "Abkratzparty", mit entsprechender Musik, die im Player rauf- und runterlief. Ich freute mich, und war sogar euphorisch, endlich alles hinter mir lassen zu können, bald im Nirvana bei meinem Dad und meinen Tieren aufzuwachen. Aber dann kam ich langsam zu mir, realisierte, ich lebe noch, das war der erste Schock, der zweite Schock war, als mir bewusst wurde, wo ich bin, und dass man mich zum "Selbstschutz" weggesperrt hatte. Natürlich war ich aggressiv, auch dem Stationsarzt, der gleich ein "Aufnahmegespräch" mit mir machte. Ich stand zudem immer noch unter der Wirkung der Tabletten, oder denkt jemand ernsthaft, allein über 100 Tavor 2,5 nebst anderen Mitteln bauen sich so schnell ab? Zudem nahm ich alles über zwei Tage verteilt, damit nur ja alles richtig ins Blut gehen sollte und hatte für ungefähr zwei Wochen ziemlich heftige Schmerzen in der Nierengegend, wovon ich dort aber nichts sagte.

Nun zu dem HIlfeschrei: ich weiß, dass es auf viele zutrifft. Aber manche interpretieren dieses falsch, denn nicht jeder, der es ankündigt, setzt nur einen Schrei nach Hilfe ab. Als mir damals meine Mutter unter anderem ins Gesicht sagte, dass ihr bei meinem Anblick der Appetit verginge, weil ich in diesen letzten Wochen nicht immer dauergrinsend auf und abgelaufen bin, sagte ich ihr ohne Umschweife: "Mach dir keine Sorgen, du brauchst dir meinen Anblick nicht mehr lange antun. In ein paar Wochen werde ich tot sein, weil ich mich umbringen werde." Dieses habe ich allein ihr gegenüber mehrfach geäußert, sie nahm es nicht ernst (das soll meinerseits kein Vorwurf an sie sein, nicht, gar nichts mehr habe ich ihr vorzuwerfen, auch nichts von dem, was früher war, ich gäbe alles darum, wenn ich sie und meinen Dad wieder hier hätte...), als sie aber dann mit dem Taxi nach Hause kam und vor unserem Haus Krankenwagen, Notarzt und Polizei standen und es hier im Haus wohl auf allen drei Etagen von Sanitätern, Notarzt und Polizei "gewimmelt" haben muss, war sie geschockt... Ich weiß von alledem nichts mehr, ich weiß nicht einmal, wie die überhaupt hier reingekommen sind. Letztlich fehlen mir drei Tage, 72 Stunden, von denen ich nichts mehr weiß, ich habe bis heute den totalen Filmriss. Die eine Ärztin, die damals Dienst auf der Station hatte, sagte später zu mit, dass selbst sie so was noch nicht erlebt hätte, ich hätte drei Tage lang wie mechanisiert reagiert. Was auf der Intensiv von statten ging - keine Ahnung. Ich lernte nur hinterher immer wieder neue Leute kennen, die zwar mich kannten, aber ich sie nicht. Selbst als beim Belastungstraining zuhause meine Mutter nachts den Notarzt rufen musste, weil ich einen schlimmen Asthmaanfall hatte, meinte der Notarzt "Wir kennen uns doch". Mann, war ich sauer, ich hechelte sitzend auf der Couch fast in den letzten Zügen und dachte, der Typ hat in dieser Situation nichts anderes im Sinn, als dich blöd anzumachen. Entsprechend reagierte ich auch und fragte, ob er mich verar***en wolle. Neee, natürlich nicht. Er outete sich als mein "Lebensretter", woraufhin er von mir die liebevoll dankend Antwort "ach so, SIE waren das A*loch, welches mir alles versemmelt hat, erhielt.

Ich weiß, dass das von mir frech war, aber ich war wegen der ganzen Situation und zudem durch das niederträchtige Verhalten, was meine Mutter und meinen Bruder betraf, verletzt, irritiert, geschockt und wütend und aggressiv. Zum besseren Verständnis nur eines der vielen Beispiele, die ich anführen könnte: mein Büro hatte ich zuhause, ich glaube, ich erwähnte hier schon an anderer Stelle, dass ich mich überwiegend für die Selbständigkeit entschied, um, wenn nötig, immer für meine Familie da sein zu können. Meine Tiere (damals zwei Hundies und ein adoptiertes, zugelaufendes Katerchen) und meine Arbeit waren mir die beiden liebsten Dinge, die ich hatte. Und alles das musste nach Ansicht meiner Restfamilie (mein Vater war zu dem Zeitpunkt schon zehn Jahre nicht mehr unter uns) zerstört werden. Mein Bruder vernichtete mir komplett mein Büro, alles wurde rausgeschmissen und unten in den Kellerräumen auf einen Haufen geworfen. Wofür er selbst keine Verwendung hatte, was er also nicht stehlen konnte, zerstörte er mutwillig. Dafür habe ich sogar Zeugen und Fotos, ich erzähle hier keinenl Schrott oder Lügen. Meine Mutter veranlasste, dass meine geliebten Tiere ins Tierheim kamen. Sie wusste, dass sie mich mit diesen beiden Dingen am härtesten treffen würde, und das gelang ihr ja auch. Mein Katerchen, Candy, manchmal nannte ich ihn auch sa* süße Miausa*, wurde im Tierheim eingeschläfert, weil bei ihm angeblich wegen Stress Katzenaids festgestellt wurde. Ich habe ihn also auf Umwegen auf dem Gewissen, ihn umgebracht. Ich habe ein Tier getötet, und das verzeihe ich mir nie. Einen Hund hat man mir, obwohl seitens meiner Anwältin ein Stop auferlegt war, vermittelt. Ich werde nie erfahren, ob es ihm dort, wohin er kam, gut ging, wie alt er wurde. Den anderen Hund holten wir gegern eine Zahlung von knapp 700 Euro zurück. Er war damals, wie der andere, bereits zehn Jahre alt. Und ist es nicht offensichtlich, wie sehr man an einem Tier hängt, und für einen doch schon relativ alten Hund so viel zahlt, obwohl man dafür fast zwei Welpen bekäme...

Mein Bruder durfte mich am Telefon u.a. als Irre beschimpfen, während meine Mutter gegenübersaß und - wieder - nicht eingriff... Er konnte sie - wieder einmal - gegen mich aufhetzen und, obwohl beide (er zog schon vor über zwanzig Jahren aus) aufgrund diverser Vorkommnisse wie Feuer und Wasser waren und eigentlich die Rolle des Mentors immer bei mir lag, in dieser Situation stellten sie sich beide gegen mich, und ich verstand die Welt, das Leben und mich selbst nicht mehr. Noch auf der Geschlossenen warnte ich meine Mutter, sagte ihr, dass er sie, sobald er seines erreicht hat, sowieso sitzen lässt und es ihm egal ist, was dann mit ihr wird. Und ich hatte leider Recht. Er ließ sie hier im Sa*stall sitzen, den er verursacht hatte. Meine Mutter war damals schon krank und keinesfalls in der Lage, einzukaufen. Zu der Zeit war ich dort zwar bereits auf der "offenen" Station, jedoch als höchst suizidal eingestuft. Und wenn dem so ist, ist es nicht so einfach, des Gelände zu verlassen. Ich habe riskiert, noch einmal ein paar Tage auf die Geschlossene zu wandern, weil ich mich dazu entschloss, zu meiner Mutter zu fahren, um für sie einzukaufen, alles für sie zu richten, damit alles an einem Platz ist und sie alles mit einem Handgriff erledigen konnte. Gut, war niemandem aufgefallen und besser so. Aber letztlich wäre es mir egal gewesen, wenn man über mich irgendwelche Sanktionen verhängt hätte. Im übrigen hatte ich gebeten, dass sie mich zu meiner Mum fahren lassen, damit ich ihr einkaufen kann, weil sie weder Brot noch was zu Trinken im Haus hatte, und dieses wurde zunächst abgelehnt!

Zu dem, was die beiden taten, als ich ausfiel und einfach einmal nicht mehr für sie ständig funktionieren, rennen, erledigen, geben und tun konnte, bestraften sie mich auch insofern, als sie mir fast zwei Wochen lang verweigerten, frische Wäsche und Klamotten zu bringen. Im Gegensatz zu mir: wenn meine Mutter bspw. ins KH kam, habe ich noch am gleichen Tag alles besorgt und zusammengepackt, was sie brauchte und ins KH geschleppt. Für mich war das selbstverständlich, und auch in dieser Hinsicht konnten sich alle immer auf die superdämliche Kuh veralrassen, die immer gleich springt oder sprang, wenn jemand was brauchte oder braucht.

Zudem waren beide nicht unerheblich auch ein Faktor für meine Entscheidung, aber da hätte ich lange auf Einsicht oder ähnliches warten können.

Nun ja, vielleicht versteht man jetzt wenigstens einige meiner Verhaltensweisen besser. Klar, momentn gibt es für mich nur Schwarz und Weiß, Gut oder Schlecht. Kein Dazwischen. Hat mir mein Therapeut auch schon gesagt. Also gebe ich diesbezüglich Sherlock Rechd . Warum das bei mir so ist, weiß ich jedoch nicht. Der Thera versteht mich wenigstens, zumindest habe ich das Gefühl. Auch als ich mich neulich wieder heftig geschnitten habe, gab er mir den Tipp, eine Fixierbinde anzulegen, wenn ich zur Magenspiegelung gehe Hätte ich zwar sowieso getan, aber egal.

Wie dem auch so, wo mein Weg lang gehen soll und vor allem, wie lange überhaupt alles noch gehen soll, das weiß ich nicht, habe jedoch andererseits die Gewissheit und Sicherheit, dass ich jederzeit den Notausgang benutzen kann, wenn gar nichts mehr geht oder wenn ich es nicht mehr aushalten kann. Wegwerfen würde ich damit gar nichts, ich würde höchstens Müllbeseitigung betreiben und damit letztlich wiederum anderen viel Arbeit abnehmen...

@isis-z
ja, was Tiere betrifft, könnte ich wohl Bücher füllen. Ich bin mit Tieren aufgewachsen, habe immer allen möglichen Tieren geholfen, sogar einmal Eichhörnchen großgezogen, und die musst du alle zwei Stunden füttern, ob Tag oder Nacht.

Die Liebe zwischen uns und den Tieren ist etwas besonderes und nicht vergleichbar mit der zwischen Menschen. Ich finde, die Liebe zwischen Tier und Mensch ist, vom Tier her gesehen, offener, ehrlicher. Und meine Hunde begrüßen mich nicht, weil sie ein Leckerli in Aussicht haben, wenn ich nach Hause komme, sondern wenn sie sich über mich freuen...

Entennachswuchs hatten wir im Weiher im Park in diesem Jahr zum zweiten Mal. Das ist klasse, zu beobachten, wie sie wachsen, oder auch ihrer Mutter in Reih und Gl. folgen. Bei uns liegen die Enten auch oft neben dem Weiher in der Wiese. Die kennen schon alle Hunde und erschrecken gar nicht mehr. Manchmal macht ein Fischreiher vom Zoo, der direkt an unser Wohngebiet angrenzt, einen Abstecher und sitzt dann stundenlang auf einem Zweig, der über das Wasser des Weihers hängt. Ein sehr stolzer Vogel und immer ein toller Moment, ihn in seiner Ruhe zu sehen und dann das sich durch die sanften Wellen, die die Entlein ziehen, spiegelnde Ebenbild zu sehen.

Auf die Straße gelaufen, selbst dann, wenn ich hätte überfahren werden können, bin ich auch schon. Aber immerhin konnte ich so einigem Igel und Vogel das Leben retten

Neulich ist ein Pfau mit seinem Harem hier irgendwo im Wohngebiet spazieren gegangen. Ursprünglich stammen die auch aus dem Zoo, aber auf den besorgten Anruf einer Bewohnerin hin sagte die Pfleger, das mache nichts, die würden öfter mal einen Ausflug machen. Ich stelle mir nun gerade vor, was wäre, wenn morgen Zebra, Elefant & Co. im Park auftauchen und eine neue Serie abdrehen *g*

Na ja, was meinen kleinen Hannibal betrifft, er hat sich schon gebessert, ich habe wirklich schon einiges erreicht. Aber es könnte immer wieder mal passieren, dass ich eins abbekomme, vor allem jetzt, wenn ich öfter mal den Rolladen rauf- und runterlasse oder mit Bügel- bzw. Dekospray usw. arbeite. Er kann die Geräusche nicht vertragen. Vor ein paar Tagen habe ich ihn mal "gerüsselt", nicht etwa gehauen, sondern mittels Muttergriff ihm erklärt, WER hier das Alphatier ist. Meist hält das dann eine Zeitlang an, bis er eine "Auffrischung" benötigt. Du wirst lachen, meine Eltern waren reine Schäferhundeleute, also die sind, vor allem wenn abgerichtet, schon ein ganz anderes Kaliber. Wenn ich meiner Mutter gegenüber im Sessel saß und Dandy auf dem Schoß hatte, kam es oft vor, dass Nikko(letta^^s ) so was von wütend wurde und sich in der Armlehne verbissen hat. Aber nix da. Ich greife dann volles Rohr ins Brustgeschirr, ziehe ihn hoch (mit dem Geschirr kann ich ihn nicht verletzen oder garerwürgen) und pappe in gegen Dandy auf meinem Schoß. Glaube mal nicht, dass diese Terrier unbedingt kleine Zähnchen haben, die können schon mit recht wirkungsvollen Beißerchen aufwarten. Meine Mutter, die wie gesagt, mit viel größeren Hunden umging, sagte einmal zu mir, dass selbst sie, wenn Nikko derart ausrastet und sein Gebiss bis zum Mageneingang aufreißt, nicht mehr trauen würde, ihn in der Aktion anzufassen. Nein, da habe ich gar keine Angst. Das wäre noch schöner, denn dann hätte ich mich ihm unterworfen, und das geht gar nicht.

Doch, auch Hunde kriegen u.a. Diazepam. Ich halte davon nur nichts. Bachblüten gegen Aggro bei ihm zeigten null Wirkung, bei mir übrigens ebenso. Ich habe die für mich damals in Form von Gummibonbons gekauft. Das Ende vom Lied war, dass ich über Nacht aus Gier auf Süßes die ganze Dose leergefressen habe aber von Beruhigung keine Spur. Also sind dann Haribo doch preiswerter

Nee, nee, was meinen nick betrifft, da gibt es (noch) keine Verhandlungsbasis. Ich war ein Supergau, ich bin ein Supergau und ich werde übers Grab hinaus einer bleiben...

Habe mich übrigens riesig gefreut, dass dir meine Geschichte gefallen hat. Wenn du willst, kann ich dir gerne noch eine posten.

So, nun ist es nach 5.00 Uhr morgens, keinen Schlaf gefunden trotz meiner Spezialmischung was ich nun gar nicht verstehen kann, aber vllt komme ich ja jetzt noch zu ein paar Stündchen Schlaf.

*Winkx*

'tschuldigung, dass der Beitrag schon wieder so lang wurde.

27.08.2008 05:19 • #25


Hallo Super, ich freue mich, dass du uns wieder geschrieben hast!

Für eine angemessene Antwort - soll ja nicht zu kurz sein... zwinker... brauche ich noch ein bisschen.

Jetzt sei hier aber erstmal - nach der langen Zeit - gaaanz herzlich gegrüßt!

Isis

28.08.2008 01:29 • #26


Hallo Supergau,
ich habe deine Geschichte gerade gelesen, und sie hat mich sehr berührt. Ich bin auch sehr beeindruckt, was du in deinem Leben schon alles gemeistert hast, und ich wünsche dir sehr, dass du wieder mehr neuen Lebensmut gewinnen kannst, auch wenn ich mich völlig außer Stande sehe, dir gute Tipps zu geben. Deinen Schreibstil finde ich übrigens sehr schön.

Ich gratuliere dir, dass du doch wieder zu deinem Therapeuten gegangen bist. War sicher eine Überwindung. Ich kann ganz bestimmt vieles was du durchmachst gar nicht nachempfinden, aber soviel weiß ich schon: als Soziophobiker ist das Gefühl, jemand lehne einen ab, wolle einen loswerden oder möge einen nicht immer mit sehr großer Skepsis zu sehen, egal wie sicher man sich ist. Ich hatte in deinen Schilderungen nicht den zwingenden Eindruck, dass dein Therapeut inkompetent ist, im Gegenteil, so einiges scheinst er dir doch zu bringen. Denkst du denn immer noch, dass ein Therapeutenwechsel dir helfen könnte?
Liebe Grüße
Morticia

28.08.2008 12:41 • #27


Hallo Supergau,

also gut, ich füge mich und nenne dich wieder so witzig, natürlich nicht im Ernst... über Tiere kannst du meterweise schreiben, aber nicht nur, auch über dich, deine Texte sind total schön zu lesen, ich vergesse dabei immer die Zeit. Schön, dass es dir wieder gut geht und es auch mit deinem Thera geklappt hat, die Zeiten kommen im Wechsel, mal gut, mal schlecht, einfach mal durchhalten. Man, also ein Zoo gleich hinter dem eigenen Grundstück, das ist schon was. Unsere Enten haben auch das zweite mal Junge und die größeren schlafen auch in der Wiese, ich hoffe es klappt mit den Hunden, den ganzen Tag kann ich auf sie schlecht aufpassen. Also ich bin echt arm mit den Tieren momentan, außer Fruchtfliegen und ab und zu eine Spinne habe ich nichts lebendiges im Haus, aber was soll ich machen, ich bin ein Stadtmensch und die 20 Jahre auf dem Land waren zwar schön wegen der - anfangs - Hunde und einer Menge Katzen und klar, den sonstigen Tieren die man dort so trifft, aber die Leute dort sind so was von unangenehm, in meinem Kaff haben sie eine Frau, die 10 km weiter gelebt hat 3 Jahre lang nicht gegrüßt als sie im Dorf eingeheiratet hat... also mein Kaff hatte ungefähr 100 Einwohner, die scheinbar alle miteinander verwandt waren, zumindest vom Verhalten her war es irgendwie klar. Komischerweise habe ich mein erstes lebendes Reh ganz aus der Nähe vorgestern auf der Straße gesehen, es lief neben meinem Auto her, ich sah in die wunderschönen dunklen Augen während die Reifen qualmten... lach... und betete, dass das Tier keinen falschen Schritt macht... ja, ich wurde erhört und es lebt jetzt immer noch irgendwo im Walde. Für unser seelisches Gleichgewicht sind Viecher so wichtig, sie kennen kein Gut und Schlecht, sie kennen keine Ablehnung oder Wut und sie erinnern uns an unsere Wurzeln. Kennst du Eugen Drewermann, er ist ein bekannter Denker und Schriftsteller, ist aus der Katholischen Kirche ausgeschlossen worden, ich habe ein ganzes Buch von ihm darüber, muss ich noch lesen... auf jeden Fall hat er schon immer gepredigt, dass Tiere auch eine Seele haben und wenn sie sie nicht hätten, könnten wir Menschen auch keine haben, weil wir aus dem Tierreich kommen... und das stimmt hundert Pro, ich habe noch keine zwei Tiere erlebt, die gleich wären in ihrem Verhalten, sie sind so unterschiedlich wie wir. Und so kann man doch die Hoffnung haben sie mal nach dem Tod noch einmal zu sehen, wenn man an so was glaubt. Hm, dir geht also gut, das ist schön, so einen Durchhänger hat jeder mal, ich auch neulich, habe mich auch zuhause verkrochen und gewartet bis es besser war... Diazepam ist vielleicht nicht schlecht, ne, für solche Fälle, ich werde mal meinen Doc anschnorren. Supergau... eh... kann ich mir mal villeicht doch einen anderen Namen für dich aussuchen, habe damit immer noch ein Problem... lach... über deine weiteren Geschichten würde ich mich wahnsinnig freuen, weiß aber nicht, ob du dich schon irgendwie rechtlich abgesichert hast dass sie dir keiner nehmen kann, ich weiß aber nicht wie das geht, bei meiner Schreibweise muss ich solche Sorgen nicht haben... Ich wollte dich auch noch fragen ob du Musik magst, wenn du viel nachts wach bist ist Musik dazu total schön, ich bin eigentlich froh dass ich kein Normalo bin - na ja, und hier trifft man Leute die so ähnlich sind und das ist angenehm. Bis bald, ich wünsch´dir alles Glück der Welt, eine schöne Zeit.... Isis.

28.08.2008 22:50 • #28


puh - ich dachte schon, ich sei nun endgültig unten durch, weil ich - wieder einmal - geblockt, gemauert und den Rückzug angetreten hatte. Weiß nicht, wieso, aber diese Touren fahre ich seit meiner Kindheit und ich muss gestehen, dass ich es genau damit meiner Mutter oft schwer gemacht haben muss. Ich hatte ein paar sehr gute Freundinnen. Wir machten alles zusammen, ob beim Nachbarn die Himbeeren klauen oder die erste Zig. heimlich rauchen... Na ja, aber wenn eine da war (ich hatte, wie mein Bruder, mein eigenes Zimmer), dann wurde es mir nach einer Zeit zu blöd, ich hatte keinen Bock mehr aber auch nicht den Mumm, das zu sagen. Also bin ich nach unten zu "Mammikätzchen" (so nannte ich sie, als ich klein war) und bat sie, die jeweilige Freundin unter dem Vorwand, wir müssten kaufen gehen oder zum Arzt, nach Hause zu schicken. Jedes Mal hat sie gemeckert, es aber dennoch getan. Mich befreit... Hehe, da fällt mir ein - ich war, was körperlichen Schmerz belangt, nie groß verjammert oder weinerlich, konnte und kann einiges wegstecken, wo andere schon den Todesschrei ausstoßen würden. Eines Tages, es war an meinem zwölften Geburtstag, da hatte ich auch meine beste Freundin eingeladen. Mir war aber den ganzen Tag schon übel, ich hatte Bauchschmerzen und das steigerte sich von Stunde zu Stunde. Ein paarmal ging ich nach unten zu meiner Erzeugerin, bat sie, Iris, meine Freundin, nach Hause zu schicken, mir sei schlecht und ich hätte Bauchschmerzen. Klaro - nix da "ich werde das Mädel jetzt an deinem Geburtstag nicht wieder verscheuchen, geh nach oben und macht's euch schön." Toll. Sie meinte, es sei eine Ausrede. So zogen sich die Stunden dahin. Gegen Abend dann, mein Vater war schon von der Arbeit zu Hause, kam ich wieder an, "mir ist schlecht und ich habe schlimme Bauchschmerzen..." Mama zu Papa: "Ich hab' das langsam satt, immer muss ich die Freundinnen nach Hause schicken und die tun mir dann so leid, aber heute habe ich das nicht gemacht." Während dessen war ich auf der Gästetoilette und begann, mich zu übergeben. Oh oh... Mama: "Ups, da muss ja doch was sein..." Fieber gemessen, mich mal richtig angeschaut und ich sah alles andere als gut aus. Ihre Worte: "Iris nach Hause bringen, waschen, umziehen, Krankenhaus." Na klasse. Es war ein Freitagabend. Ich war, bis auf damals, als ich ganz klein war, noch nie von meinen Eltern getrennt. Also gut, die ganze Karawane, Mama, Papa und meine Wenigkeit auf zum Krankenhaus. Der Kinderarzt untersuchte mich und sagte, dass ich da bleiben muss. Er müsse eine Not-OP machen und das Bereitschaftsteam zusammen trommeln, weil die alle schon im Wochenende waren. Blinddarmdurchbruch. Meine Güte, ich wurde hellhörig und plötzlich tat mir nix mehr weh. Ich wollte alles, aber eines keinesfalls: dort bleiben. Also sagte ich zum Doc:"Nein, nein, das geht nicht, dass Sie mich hier behalten, denn wenn ich am Montag nicht zur Schule komme, dann verhaut mich meine Klassenlehrerin ganz übelst..." Daraufhin nahm der Arzt meine Mutter zur Seite und fragte sie, was das um Gottes Willen für eine Schule sei, wo die Kinder geschlagen würden und zumal bei Krankheit? Da müsse man doch sofort intervenieren, anzeigen etc. Aber Mütterlein blieb cool, weil sie ihr zweibeiniges Produkt kannte wie kein anderer und antwortete dem Doc: "Ach Quatsch. Glauben Sie das nur ja nicht. Die hat eine sehr liebe Klassenlehrerin und an der ganzen Schule (Realschule) gibt es keine Prügel. Meine Tochter hat das nur gesagt, damit Sie als Arzt einen triftigen Grund haben, sie gehen zu lassen..." Na, der hat vielleicht gestaunt und sagte kopfschüttelnd: "Na, wir hatten ja hier schon sehr viele Kinder und auch sehr viele Ausreden, aber die ist genial, so was ist mir auch bei jahrelanger Berufserfahrung und im Umgang mit Kindern noch nicht untergekommen, ich habe das voll geglaubt." Na gut. Das war mein zwölfter Geburtstag. Der Blinddarm war am Durchbrechen und hatte zudem noch einen Darmverschluss verursacht. Weiß auch nicht, wie ich jetzt auf diese "Story" komme.

Aber jetzt mal zum Thera: einen Wechsel hatte ich eigentlich nie in Betracht gezogen, denn mit neuer Umgebung, anderen Leuten, erneut Vertrauen aufbauen, was bei mir fast ans unmöglliche grenzt, noch einmal von vorne beginnen, dann hätte ich lieber jegliche Therapie sausen lassen. Gestern war ich wieder bei ihm. Er hat mir auch ein supertolles Attest geschrieben, welches ich der Arge vorlegen kann. Und zudem kann ich dann dort auch was vorweisen, ich habe nämlich rotzfrech aufs Geradewohl bei ebay ein Angebot zur Texterstellung eingestellt und prompt, nach ein paar Stunden, schon einen Auftraggeber gefunden. Und wenn er zufrieden ist, wird es was regelmäßiges. Das und die paar anderen Dinge habe ich aus absoluter Eigeninitiative heraus geschafft. Das kann ich dann auch vorlegen und nochmals untermauern, dass ich nicht zu faul bin zum Arbeiten, und ja das, was ich dadurch verdiene, was nicht viel ist, aber dennoch ordentlich melde. Mein Thera schreibt auf dem Attest, bei mir liege ein ausgeprägtes psychiatrisches Krankheitsbild vor und dass ich durchaus arbeitsmotiviert bin, jedoch eine Einschränkung besteht, was besonders mit massiven sozialen Berührungsängsten zusammen spielt. Und er hat auch geschrieben, aus dem, was ich ihm erzählt habe, dass ich auch in Eigeninitiative Arbeiten von zu Hause aus angestrengt habe und mittlerweile auch kleine Erfolge bzw. positive Rückmeldungen verbuchen kann. Ich glaube, besser und treffender hätte er es nicht formulieren können, zumal es ja auch wirklich so ist.

@ Morticia
Nein, ein Therapeutenwechsel käme für mich nie in Frage. Es hat zwar verdammt lange gedauert, aber inzwischen konnten wir sogar gegenseitig eine Art Vertrauensverhältnis aufbauen. Er verschreibt mir Tabletten, vertraut mir inzwischen, obwohl ich mich damals genau damit umbringen wollte, und das auch verdammt ernst gemeint habe. Und ich habe mich ihm ein Stück weit geöffnet, v.a. das mit meinem Bruder herausgelassen. Nicht alles, aber so viel, dass der Thera wusste, was passiert war. Im Verlauf des betreffenden Gesprächs geriet ich, zumal noch der Tod meiner Mutter und die völlig irrationalen Reaktionen meines sog. Umfeldes zusammen kamen, dermaßen unter psychischen Stress, dass ich erneut in der Sprache blockiert war. Das passiert mir seit dem Tod meiner Mutter, alles das, was damit zusammenhing und zusammenhängt, immer wieder: gerate ich unter psychischen Stress oder Angst, regt mich jemand auf, dann kommt diese Sprachblockade und ich hatte wirklich niemals Probleme, mich vernünftig zu artikulieren. Damals war der Thera selbst erschrocken über meine Reaktion, die durch sein Weiterbohren hervor gerufen wurde. Aber ich laste ihm das nicht an, ich denke, dadurch konnte und kann er einiges besser einordnen und verstehen.

@isis-z
Bitte, fasse das nun nicht als "fishin for compliments" oder ähnliches auf, aber ich kann an meinem Schreibstil einfach nichts besonderes herauslesen. Du wirst es nicht glauben: damals, als ich zur Realschule ging und ich den ersten Aufsatz meines Lebens als Hausaufgabe bekam, bin ich nach Hause gekommen und habe geweint, habe zu meiner Mutter gesagt: "Das kann ich nieeeee". Und sie: "DOCH, Du kannst das! Wenn ich mit dir übe, glaube mir, kannst du hinterher nichts so gut wie das." Ok, sie als Lehrerin war zudem auch eine sehr gute Pädagogin, und das ist nicht jedem Lehrer gegeben. Sie übte mit mir und von da an konnte ich das. Mir fällt dazu gerade noch etwas ein: Mit 16 Jahren ging ich zur privaten Handelsschule, absolvierte das BGJ und anschließend die zweijährige Handelsschule. Zwar hätte ich, nach Vorschlag der Betreiber der Privatschule, die erste Stufe überspringen können, aber das wollte ich von mir aus nicht. In Deutsch hatten wir einen Prof. Dr. Dr. M., er war sehr streng, sehr konservativ, aber brachte uns sehr vieles bei. Dinge, die ich auf der Realschule niemals gelernt hätte. Also zog ich spielend und mit wirklicher Freude die zwei Jahre durch. Dann kamen die Abschlussprüfungen. Im Schriftlichen war meine Prüfungsaufgabe im Fach Deutsch, eben unter dem gestrengen Herrn Prof. Dr. Dr. M., die Inhalte der "Brücke am Tay" und des "Zauberlehrlings" auf die aktuellen Problematiken zu beziehen, zu übertragen. Ich schrieb wie eine wild gewordene Wilds**, so viel ist mir dazu eingefallen und letztendlich musste ich einen Teil des Konzepts mit abgeben, weil mir die Zeit fehlte, die letzten Seiten noch in Reinschrift zu übertragen. Die Wochen gingen ins Land, eine Prüfung nach der anderen. Vor nichts hatte ich solche Panik wie vor Chemie, denn Naturkundefächer waren mein oberster Feind. Eines Tages rief der Deutschlehrer zuhause bei meiner Mutter an. Ich war damals rund 18 Jahre alt. Er fragte meine Mutter, wie es sein könne, dass ein junger Mensch in diesem Alter schon solch tiefgründige Gedankengänge hat und etwas Derartiges schreiben kann, zumal wir vorher das Thema nicht genannt bekamen. Dann meinte er zu meinem Mütterlein: "Wissen Sie, Frau R., ich gebe alle zehn Jahre für eine Prüfungsarbeit die Note 'eins', und dieses Mal hat sie Ihre Tochter bekommen." Muttern war natürlich mächtig stolz darauf, zumal er wirklich sehr streng beurteilte. Mich hat das selbstverständlich auch gefreut, vor allem, weil es noch eine Prüfungsarbeit war.

Na ja, Gedanken über alles und jeden habe ich mir schon immer gemacht, und meiner Mutter Löcher in den Bauch gefragt. Auch heute noch sind mir meine Gedanken meine besten Freunde, die streiten nämlich nicht mit einem...

Oh ja, Tiere liebe ich über alles. Das war nie anderes, und wird nie anders sein. Vor ein paar Jahrenn hätte ich mir wegen meiner Tierliebe sogar fast eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung eingefangen, war mir aber egal, Hauptsache, Fische werden nicht mehr dort geangelt, wo es sich um einen reinen Zierweiher handelt... Yep, oft, wenn ich gegen Abend durch den Park spazieren gehe, kann man die Tiere vom Zoo hören. Ich fnde das total romantisch, Du wohnst am Stadtrand, aber wenn Du die Augen schließt, das Plätschern vom Weiher hörst und dich auf dir Geräusche aus dem Zoo konzentrierst, dann kannst du dich mitten nach Afrika in einen wunderschönen, blutroten Sonnenuntergang und im hohen Gras schlafender Löwen hineindenken. Mann, ärgerlich ist dann nur, wenn plötzlich jemand auftaucht und "Guten Abend" sagt

Weiß du, vor etwas über 16 Jahren starb mein Vater. Vor ca. zwei Jahren bin ich hin, habe die letzten von ihm gemachten Fotos genommen, bin mitten in der Nacht samt Hunden, Fotos und Teelichtern in den Park, der sich auf drei Ebenen aufteilt, gegangen. Ich verbrannte diese Fotos, ließ ihre Asche in jeden Weiher rieseln und brannte die Teelichter an. Nun ist es mir immer so, wenn ich dort lang laufe, als wäre dort mein Papa, oder ein Teil von ihm, und dann bin ich ihm sehr, sehr nahe. Ja, ich glaube auch an ein Weiterleben nach dem Tod. Und ich hatte diesbezüglich, auch unsere Tiere betreffend, schon einige Erlebnisse. Aber man kann nicht alles jedem erzählen, viele, die nicht daran glauben und noch keine ähnlichen Erfahrungen gemacht haben, würden einen höchstens als bekloppt abstempeln. Ich werde demnächst auch Bilder von meiner Mutter nehmen und genau dasselbe tun. Dann sind sie dort auch auch zusammen, und dann habe ich eben das Gefühl, als seien sie beide dort. Vielleicht halten mich manche, die das hier lesen, für komplett gaga oder kindisch, aber mir hilft es. Ich brauche Nähe. Irgendwie. Und ich habe ihre Nähe, es ist nur eine Dimension, eine Sphäre dazwischen, die uns trennt, aber sie wird eines Tages ihre Pforten öffnen und mir den Weg weisen. Gibt nichts und keinen Tag, worauf ich mich mehr freue...

Deine Entchen werden das schon schaffen. Ich glaube, die sind, wie hier auch, schon an die Hunde gewöhnt und umgekehrt. Mit der Zeit lernen auch Tiere sich untereinander kennen, und entweder mögen sie sich und können friedlich miteinander oder aneinander vorbei oder nicht. Lisa, die "Parkkatze", ging anfangs immer sehr auf Distanz, wenn ich mit meinen Hunden kam. Mit der Zeit fasste sie Vertrauen, kapierte, dass meine Hunde und ich ihr nichts tun und inzwischen ist sie sogar so weit, dass sie sich im Sonnenlicht auf einer Treppenstufe räkelt und wir gehen zu dritt in absoluter Ruhe an ihr vorbei, und Lisa schert es nicht mal mehr...

Ich verstehe das, dass du als Stadtmensch schlecht Tiere halten kannst. Aber hast du nicht mal daran gedacht, dir vielleicht ein Pärchen Vögelchen anzuschaffen? Dann hättest du in deiner Wohnung auch was Lebendiges. Am besten wäre ein Pärchen Wellen- oder Nymphensittiche. Aber auch Agaporniden, die sogenanntea "Liebesvögel", sind sehr schön. Sind wie Minipapageien, die es in verschiedenen Farbvarianten gibt. Man nennt sie Liebesvögel, weil sie, wenn sie einmal ein Paar sind, ihr ganzes Leben zusammen bleiben. Ich hatte auch mal welche, es waren Pfirsichköpfchen und Rußköpfchen. Total süß.

Mit dem Dorf, da könntest du recht haben. Meine Eltern haben mir viel von Dörfern erzählt und der Schwierigkeiten für "Zugezogene", sich in die Gemeinschaft zu integrieren. Dass es der Frau zu schaffen gemacht haben muss, nicht einmal gegrüßt zu werden, kann ich bestens nachvollziehen. Ich bin jedoch aufgrund meiner Erfahrungen, vor allem jener, die ich im Verlauf des letzten Jahres machen musste, so weit geschliffen, dass es mir sonstwo vorbeigeht, auch das Gerede der Leute. Die Ärzte haben da einen Song heraus gebracht, der es auf den Punkt bringt. Ich war schon in Versuchung, den Text auszudrucken, wetterfest mittels Laminierung zu machen und diese Teile an den beliebtesten Ratsch- und Tratschbäumen festzutackern
Auch das sind Gründe, dass ich verstärkt auf Distanz ging, nicht zu allen, aber vor allem zu denen, die scheinbar keinen Besen zu Hause haben, um ihren eigenen angehäuften Dreck zu kehren...

Da hatte das Reh aber riesiges Glück, dass es ausgerechnet dir über den Weg lief. Ganz sicher lebt es jetzt noch irgendwo, und vielleicht hat es seinen Freunden ja von der Begegnung mit dir erzählt? ^^
Ich bin hier auch schon ein paarmal, wenn ich spät abends mit meinen Hunden rausgegangen bin, einem wunderschönen Fuchs begegnet. Er saß in der Wiese und schaute uns an, ein bildschönes Tier, wie aus einem Tierjournal. Wir trafen ihn immer an derselben Stelle. Aber ich habe dichtgehalten und niemandem was davon erzählt. Weißt ja, die würden gleich mit Luftgewehren oder Tollwutködern hysterisch herumfuchteln... Nur einer weiß noch von dem Fuchs: der ehemalige Hausmeister der Grundschule. Der hat's auch noch niemandem gepfiffen, und wir freuen uns immer, wenn er mal wieder kommt. Und Kaninchen laufen hier haufenweise rum. Morgens mal, da lag ein junges Kaninchen auf dem Rücken, die Mutter leckte seinen Bauch und vor lauter Wonne hat der kleine Kerl - oder die Kerlin - mit allen Vieren gefuchtelt und gestrampelt. Ich fand das Schauspiel so früh am Morgen so was von schön...

Ach ja, uns unsere Nachbarn hatten jedes Jahr unter dem Podest des Vorhäuschens ein Igelnest. Oft haben sich die Kleinen verlaufen, suchten bei uns den Eingang, und ich trug sie dann einzeln nach Hause. Weißt du, die waren da so ungefähr 6 cm lang, nicht größer, und die haben schon alle Stacheln. Wenn man sie vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger unterm Bauch aufnimmt, dann rollen die sich automatisch, wie die Großen. Das ist so was von niedlich...

Bei mir tragen Tiere auf jeden Fall dazu bei, dass es mir besser geht. Drewermann kenne ich, und ich glaube auch, dass auch Tiere eine Seele haben. Wie weiter oben geschrieben, ich hatte da schon bestimmte Erlebnisse, die mich in diesem Glauben noch bestärken...

Übrigens war ich ursprünglich protestanisch getauft, meine Eltern führten eine sogenannte "Mischehe", Mama war katholisch. Als mein Bruder und ich noch Kinder waren, traten meine Eltern mit uns gemeinsam aus der Kirche aus. Mich zog es jedoch immer wieder in die Nähe der Kirche. Und letztes Jahr, als meine Mutter im Krankenhaus lag, fasste ich endgültig den Entschluss und dachte erst, es würde Diskussionen geben. Ich trat wieder in die Kirche ein und konvervierte gleichzeitig zum Katholizismus. Am 4. Juli hatte ich Firmung, und dieser Tag, was ich da ganz tief in meinem Inneren erleben und "spüren" durfte, war der schönste meines Lebens. Meine Mutter diskutierte nicht, im Gegenteil. Sie sagte: "Wenn du das möchtest, dann tu es. Und wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich diesen Weg mit dir gemeinsam gehen." Dem Pfarrer gegenüber betonte sie im KH mehrmals ihren festen Wunsch, der Kirche wieder beizutreten und allein dieses reichte aus, dass sie ein christliches Begräbnis bekam. Darüber war ich so unendlich froh. Der Pfarrer, der mich firmte, hielt die Beisetzung ab und er war auch sehr lieb und verständnisvoll. Mir hat das sehr viel bedeutet.

Es scheint wohl irgendwie ein fester Bestandteil unserer komplexen Persönlichkeiten zu sein, dass es mal auf und mal ab geht. Ich weiß nicht, warum und wie es möglich ist, aber bei mir kann es den Hebel umlegen und ich habe von einer auf die andere Sekunde eine ganz andere Stimmung. Ich habe auch schon manchmal gedacht, ob wir vielleicht extra so ge- und beschaffen sind und gerade mit diesen Problemen irgendwelche Prüfungen absolvieren sollen. So ähnlich wie Hiob. Dem blieb auch nix erspart, kein körperliches und kein seelisches Leid, aber sein Glaube an Gott und seine Demut waren unerschütterlich.

Ich beginne auch langsam, mich mit der Einsamkeit zu arrangieren und momentan mache ich eine Phase durch, in der ich sogar sehr gerne alleine bin. Dann mache ich was mit Kerzen, und da sind die Ideen und Möglichkeiten schier unbegrenzt. Oder ich schreibe, auch in meinem Tagebuch. Bei allem, was ich tue, brauche ich keinen anderen Menschen, und das ist gut so. Sich in menschliche Abhängigkeit begeben, ist das Schlimmste, was man tun kann.

Ja, ich mag sogar sehr gerne Musik, je nach Stimmung. Ich höre zum Beispiel sehr gerne Schiller, wenn's was ruhiges sein soll. Wenn ich wütend bin, dann kommt schon mal Metal oder Hardrock auf den Player. Ich hörte immer sehr gerne e nomine, bevorzugt "Exitus", ich weiß nicht, ob du den Song kennst, aber mit diesem Text identifiziere ich mich damals wie heute, mich brachte es in einen regelrechten "Todesrausch", wenn der Chor begann zu singen "exitus", so befreiend, so leicht werdend. Meine Mutter konnte und wollte es nicht mehr hören, weil ich es damals besonders oft und laut spielte. Nun kann ich sie ja auch verstehen. Und weißt du was? Vor einigen Wochen hatte ich die Schnauze gestrichen voll, schaute auf alle meine Tablettenpackungen und dachte für mich "friss das Zeug, verrecke und dann hast du endlich deine Ruhe und musst nichts mehr aushalten". Dazu wollte ich "Exitus" hören. Legte ich die CD ein, stürzte der PC ab. Wollte ich die Musikdatei von der Festplatte laden, stürzte der PC auch ab. In meiner Not wollte ich das Lied von einer kostenpflichtigen Seite downloaden, aber auch da - mein Compi gab den Geist auf. Dann flog auch noch eine Kugelkerze vom Schreibtisch, obwohl kein Durchzug war, niemand hätte dranstoßen können, und da wurde mir einiges klar... Ich sagte dann nur: "ist gut, es gibt heute kein exitus, aber letztlich hast DU MIR in den Hintern getreten, da kannst du noch so vieles durch's Zimmer werfen..." Ok, ich habe seitdem kein e nomine mehr gehört, und bei all der anderen Mucke schmiert mein PC merkwürdigerweise nicht ab... Ich bin von klein auf ein wahrer Musikfreak, hatte mit sieben oder acht schon die größte Anlage, die es damals zu kaufen gab. Bei mir lief immer Mucke. Aber nach dem Tod meines Vaters habe ich exakt sieben Jahre lang keine Musik mehr gehört. Erst 1999, als ich den ersten Internetanschluss bekam und zufällig, beim Einrichten eines Emailkontos, auf den Link eines Internetradios klickte. Von da an hörte ich wieder Musik, anfangs zögerlich, aber nun, seit das mit meiner Mutter geschah, höre ich trotzdem weiter, spiele ihr oft die Lieder, die sie mir in meiner Kindheit täglich rauf- und runtersingen musste. Klar, es zieht mich stets runter und ich heule drauf los wie ein kleines Kind, aber ich tue es trotzdem, in dem Gedanken, dass ich es nun genau umgekehrt mache, dass ich ihr etwas zurückgeben kann...

Ach na ja, wer sind schon die Normalos? Muss ich auch nicht sein. Habe mal ein Gedicht geschrieben "gegen jede Norm". Zurechtfrickeln und fernsteuern lasse ich mich jedenfalls nicht (mehr), auch auf die Gefahr hin, dass andere mich als bekloppt bezeichnen, denn die Narben an den Armen, auch die bereits verblichenen, sind ja offensichtlich.

Ich werde dir hier gleich noch eine Geschichte rein kopieren, denke, die passt heute allgemeirn am besten. Nö, ich habe mich diesbezüglich rechtlich nicht abgesichert und keine Ahnung, wie das geht. Ich knalle einfach mein copyright drunter und basta.

Und mein Name supergau bleibt auch bestehen. Da lasse ich nicht mit mir diskutieren Also warte kurz, dann kommt die Story.

Meine Güte, ist das wieder ein langer Text. Sorry.

30.08.2008 21:15 • #29


So, und diese Geschichte fiel mir ein, als ich auf dem Nachhauseweg aus dem Busfenster auf eine große Werbetafel schaute, auf welcher eine armlose Büste abgebildet war.. Wäre möglich, dass ich sie hier irgendwann irgendwo schon mal eingestellt habe, aber bin jetzt zu faul zum suchen....



Preisnachlass auf Menschen?

Es war Samstag und somit ein günstiger Tag, um noch ein paar Dinge im Gartenmarkt zu besorgen, um das Werk endlich zu vollenden. Matthias schlenderte gelangweilt mit seiner Mutter durch die Reihen in voller Pracht blühender Blumen, Bäume und allem möglichen Zubehör. Als seine Mutter endlich ihre Lieblingsblumen gefunden hatte und damit beschäftigt war, die erstandenen Pflanzen sorgsam in ihren Einkaufswagen zu sortieren, fiel Matthias ein Stand auf, an welchem steinerne Figuren verkauft wurden. Ein älterer, zwar müde wirkender, aber dennoch freundlicher Herr bot seine Ware feil.

Am Rande des Standes hatte der Verkäufer einige Figuren separat auf einem Tisch aufgebaut, an dessen vorderer Kante ein Schild mit der Aufschrift "um 50% reduziert, da defekt" prangte. Matthias fiel sofort eine schöne Engelsfigur ins Auge. Dem Engel fehlte der rechte Arm. Matthias wurde nachdenklich, denn er war mit seinen gerade mal vier Jahren weiter als viele seiner Spielkameraden, schaute abwechselnd die Figur und sich an, denn auch ihm fehlte das rechte Ärmchen. Viele Leute gingen achtlos an diesem Stand vorüber, einige schauten sich kurz um, in der Hoffnung auf ein echtes Schnäppchen. Der Verkäufer sprach die Leute an und versuchte, seine Ware mit den Worten "sehen Sie doch, diesen wunderschönen Engel bekommen Sie zum halben Preis" zu verkaufen. Ein junges Paar reagierte höflich und antwortete ihm: "ach nein, wissen Sie, wir haben einen prachtvollen Garten, alles vom Feinsten, alles vom Schönsten. Eine kaputte Figur würde das Gesamtbild nur zerstören. Wir würden sie nicht einmal geschenkt haben wollen."

Matthias' Mutter war längst fertig und beobachtete ihren Jungen. Plötzlich drehte er sich um und fragte sie: "Mami, kaufst du mir den Engel?" "Warum möchtest du ausgerechnet diesen Engel haben?" fragte sie ihren Liebling. "Ja, weißt du, Mami, irgendwie sind wir uns doch sehr ähnlich. Siehst du denn nicht, dass er so ist wie ich?" "Ja, das stimmt schon," entgegnete sie ihm, "aber du bist ein Mensch, du bist mein Kind, und dies ist eine leblose Figur." "Das weiß ich, Mami," sagte Matthias selbstbewusst. "Mami, ich möchte dich gerne etwas fragen," setzte er an. Seine Mutter ahnte schon, welche Frage nun auf sie zukäme. Die Frage, vor welcher sie sich schon so lange fürchtete. Ihr war jedoch bewusst, dass nun wohl der rechte Zeitpunkt für eine Antwort gekommen wäre. "Na, was möchtest du denn wissen?"

"Also," begann Matthias vorsichtig, "war ich auch billiger, weil ich defekt bin, weil mir ein Arm fehlt? Oder hättest du mich, wenn du es vorher gewusst hättest, überhaupt haben wollen? Die Leute eben sagten, dass eine kaputte Figur ihren schönen Garten verschandeln würde. Verschandele ich denn dann nicht auch dein Haus, deinen Garten, unsere Familie, weil ich doch nicht so bin wie Ihr, eben nicht vollständig?"

Seine Mutter musste schlucken und um Fassung ringen. Sie wischte sich unauffällig eine Träne aus den Augen. Als sie wieder einigermaßen sprechen konnte, sagte sie auf ihre immerzu liebevolle Art: "Matthias, du bist unser Kind, mein Kind. Und egal, ob dir ein Arm fehlt oder beide, und wenn du ohne Beine, stumm, taub oder blind zur Welt gekommen wärst, nichts würde jemals etwas an meiner Liebe zu dir ändern. Den Menschen machen nicht die Äußerlichkeiten aus, sondern die inneren Werte. Das wirst du später irgendwann verstehen. Einen Menschen kann man nicht nach einem Kaufpreis bewerten, ein Menschenleben mit keinem Geld der Welt aufwiegen. Es gibt viele Menschen, denen keine Gliedmaßen fehlen, die nicht krank sind, und dennoch sind sie böse. Und es gibt viele Menschen, die krank sind und trotz oder gerade wegen ihrer Krankheit ihre Mitmenschen schätzen. Jeder Mensch sollte so angenommen werden, wie er ist. Weißt du, ich habe dich Matthias genannt, nicht nur, weil ich finde, dass es ein sehr schöner Name ist, sondern weil er so viel wie ‘Gabe Gottes oder Himmelsgeschenk‘ bedeutet. Und für mich, deinen Vater und deine Geschwister bist du ein wahres Geschenk, welches wir alle zu schätzen wissen und immer gut behüten werden, so, wie man es mit wertvollen Geschenken tut.”

Matthias, der ihr sehr aufmerksam zuhörte, erwiderte zögernd: "Dann ist ja alles gut. Ich dachte immer, ich sei weniger wert, und hatte Angst, du könntest mich nicht so lieb haben wie meine Geschwister, die gesund sind. Aber was ist nun, kaufst du mir den Engel? Ich glaube, er würde gerne in meinem Zimmer einziehen, und ich werde ihm dort auch den allerschönsten Platz am Fenster geben, damit er immer Obacht geben kann auf andere Kinder und auf mich."

Ein Lächeln huschte über das Gesicht der Mutter und natürlich bekam er seinen Engel.

Dieses geschah vor vielen, vielen Jahren. Heute ist Matthias ein alter, gebrechlicher Mann. Aber seinen Engel hat er heute noch. Der, der ihn durch seine Kindheit und Jugend begleitete. Matthias sah seine Berufung übrigens in der Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen. Seine Hauptaufgabe war zwar, ihnen zu helfen, später trotz ihrer Gebrechen ein einigermaßen selbständiges Leben zu führen. Sein geheimes und über allem stehendes Ziel war jedoch stets, diesen Menschen zu vermitteln, dass jeder Mensch, egal was ihm fehlt, gleich ist. Vielen konnte er dieses Selbstbewusstsein vermitteln.

Und heute? Gerade brachte ihm sein Lieblingskrankenpfleger Tobias sein Mittagessen. Tobias nimmt sich immer viel Zeit für den alten Herrn, liest ihm etwas vor oder unterhält sich mit ihm. Nur, wie sollte es auch anders sein, war doch einst Matthias der Lieblingskrankenpfleger von Tobias…?


(c) U.G.R. 2007 - gewidmet Benjamin S.

30.08.2008 21:18 • #30


Hallo supergau,

ich war mir felsenfest sicher, dich nochmal lesen zu dürfen.
Und ich freue mich sehr, mich nicht geirrt zu haben.

Ich habe mir jetzt nur Deine Antwort an mich durchgelesen weil es ja für einmal wirklich sauviel war.

Ich finde Dich superstark und jeder hier von uns kann es verstehen..
Auch mich begleitet der stetige Wunsch nach dem Jenseits..

Ich bin in einem Forum angemeldet, für Missbrauchsopfer etc, vielleicht wäre das ja auch was für Dich?
Wenn Du magst, sende mir eine PN und ich gebe dir den link!

Wir sind uns übrigens ziemlich ähnlich falls ich das noch nicht gesagt habe.. Habe ähnliche Probleme im Mutternhaus erleben dürfen, letztendlich hielt sie mir vor nem Jahr sogar ein Messer an den Hals..

Es ist sehr mutig von dir gewesen, nicht aufzugeben.. doch nochmal hinzugehen... und ich glaube dir auch, dass du das "ernst" gemeint hast, das wollte ich damit nicht sagen verzeih mir bitte!
Ich meinte das eher so: es ist ein Hilferuf mehr oder weniger an dich selber, um dich aus dieser situation einfach zu "erreten"...

Ich hoffe ich lese noch häufig von dir!

30.08.2008 23:32 • #31


Hallo Super

... dieses Pictogramm ersetzt gleich 3 Buchstaben, wie praktisch! lach... Erstmal vielen Dank für die Geschichte. Stark. Ein ganzes Leben in ein paar bewegenden Zeilen, reduziert auf Menschlichkeit, wird doch dann irgendwann in Der Letzten Stunde eher nichts anderes wichtig sein als das - und woran werden sich dann die anderen erinnern, ist eigentlich auch nur das. Klar weiß ich das meine Tanten manchmal albern waren oder ich sehe heute dass manche Leute, die es nicht mehr gibt nicht immer toll gewesen sind und viele Fehler gemacht haben, aber letzendlich: Na und... was zählt ist was anderes, man war hier und hat sich Mühe gegeben, und das reicht. Selbst ihre Fehler waren eine Erfahrung für uns... also kann man auch dafür dankbar sein. Klar, es gab auch andere Leute, die es nicht so gut meinten... vergessen, abhaken, man muss ja nicht für jeden A* beten. Ich weiß jetzt auch nicht wie ich auf das Thema komme, auf jeden Fall schließe ich mich Sherlock an, deinen Mut kann man nur bewundern... und du hast doch viel zu verlieren selbst wenn du es nicht meinst, pass auf jeden Fall auch dich auf! Ich habe die Gespräche hier im Einsamkeit Forum vom November 2007 ein bisschen durchgelesen, es waren interessante Themen über Selbsthass und den Zusammenhang zwischen Depris und Einsamkeit, sag mal, wo sind die ganzen Leute hin... Das mit dem Selbsthass als Schutz vor anderen finde ich so furchtbar traurig, in welcher Welt leben wir denn eigentlich, in unserer ja, so kann man das auch sagen, weißt du ich sehe hinter all dem Sch* nur die Menschlichkeit und auch die tollen Zustände wenn sie fehlt... was Drewermann angeht, der ist schon rein übermenschlich und es waren einige vor ihm auch, die zum Glück Bücher geschrieben haben, vor allem wenn D. über Dostojevski schreibt, der ohnehin der große Soziologe war. Dann hat mich noch das mit dem Hebel gerührt, du bist sicher, dass du BPS hast? Das mit dem Hebel umschalten kenne ich, mein Exfreund war so, von einer Sekunde auf die andere umgeschalten, das Problem war aber er hat das überhaupt nicht registriert, und deshalb frage ich dich, ob du dir so sicher bist wegen der Diagnose deines Theras, weil du meiner Meinung nach eine komplexe Persönlichkeit bist und über Übersicht über deine Gefühlslagen hast - und auch nie unfreundlich reagierst... also das geht normal bei BPS nicht, die kriegen totale Ausraster. Das mit der lauten Musik habe ich auch, in den ganz jungen Jahren Black Sabbath, dann irgendwann Punk und Nirvana und jetzt Black music, hauptsache laut und rebellisch. So langsam werde ich hier zum gläsernen Menschen habe ich das Gefühl... lach.... jeder im Google kann nachschlagen wann wir was geschrieben haben, andererseits es ist nur ein Leben von vielen und natürlich sind die Leute die daheim keinen Besen haben eine Plage, um die man sich nicht zu kümmern braucht... lach!

Entchen. Meine einzigen tierischen Ansprechpartner momentan... also ich habe mich den Reihen der Bürger, die sie füttern kommen endgültig angeschlossen, die Enten sind mittlerweile bestens erzogen, kommen aufs Land zum picken und heute habe ich die Frühlingskinder, die inzwischen schon groß sind und die ich vermisst habe ganz wo anders in der Stadt entdeckt, sie leben in einem Weiher vor einem Amtsgebäude. Erkennen kann man sie daran, dass sie dunkel, fast schwarz sind und einen einzigen weißen Fleck auf der Brust haben, so wie früher mein Lieblingskater. Du musst dir um die Füchse keine Sorgen machen, die Tollwut gibt es nicht mehr, vor kurzem haben sie es im FS gebracht... Schaust du manchmal Panda, Gorilla und Co im FS auch dem Berliner ZOO, neulich habe ich eine Doku gesehen über Löwen-Aufzucht in Südafrika, der Typ war mit den Viechern im Käfig, hat ihre Sprache sehr gut verstanden. Wenn sie zornig waren, ist er raus, das war für die Löwen dann kein Problem. Die Löwinnen haben ihn am meisten geliebt, zu zweit und zu dritt angesprungen und mit den Pfoten umarmt, ein Bild für Götter!
Du warst schon als Kind Einzelgänger... lustig, wie du die Freundinnen vertrieben hast... ich bin es erst später geworden, hatte aber eine gute Freundin, die ganze Zeit lang bevor es mit den Partnerschaften los ging... ja, das ist wieder ein Thema was an dir vorbei geht, aber wer kann sagen ob eine Abhängigkeit oder eine Einsamkeit schlimmer ist? E nomine Exitus ist ein schönes Lied, hm... schon etwas heavy, schau mal da rein, falls du Evanescense nicht kennst:

und das ist ein absolutes Gänsehaut Hexenlied:

Aber schau dir bitte das Video Lithium von denen nicht an, da ist ein spider drin.
Mit Blinddarmdurchbruch habe ich auch schon Bekanntschaft gemacht, jemand aus dem früheren Freundeskreis hatte ihn, es gibt Lebensgefahr durch Blutvergiftung, mit Darmverschluss noch besser... eigentlich zählt da jede Minute, also von daher ist es manchmal besser, wenn díe Mütter auch mal daran zweifeln ihre Sprößlinge in und auswendig zu kennen und doch etwas früher das Krankenhaus ansteuern... die Schmerzen müssen schon heftig gewesen sein.
Ich will mir noch die Beiträge über den Selbsthass morgen reinziehen und dann werde ich mich bei dir noch einmal melden, da muss es doch etwas geben, was die Sicht völlig aus dem Anker bringt, ich werde schon noch darauf kommen. Ja, ich weiß, dass ich ein Illusionist bin, aber lasst mich doch... lach. Auf jeden Fall wünsche ich dir schon mal für die nächste Zeit nur gute Tage - und sollte es mal eng werden, melde dich und verschwinde nicht wieder, ja! Ich werde dann das Internet nach Liedern und Geschichten durchsuchen, oder dumm herum reden wie ich das nachweislich gut kann - und dann wirst du vielleicht doch ein bisschen lachen können... bis bald und sorry dass es nicht mehr geworden ist, heute ist eben für mich kein großer Schreib-Tag, wollte mich aber trotzdem melden. Bis bald!

Isis

01.09.2008 01:38 • #32


Hallo Sherlock,

danke für deine lieben Worte. Vor allem das Verständnis diese Todessehnsucht betreffend. Ich glaube, außer dir und anderen hier, außerhalb, will einfach niemand verstehen. Das ist auch ein Grund, warum ich immer mehr auf Distanz zu den meisten gehe. Ich bin nun mal, wie ich bin und habe einfach keine Lust mehr, die Rolle der ewig Angepassten und gut und konservativ Erzogenen zu spielen, die nur ja kein Wort entweichen lässt, was andere eventuell schockieren könnte. Es gibt diejenigen, deren Lebensinhalt aus Ratsch, Tratsch, Blödheit und Stumpfsinn besteht, und es gibt Leute wie mich, die auf sich selbst pfeifen genau wie auf dieses bescheuerte Leben, was man sich nicht aussuchen konnte. Ich bin eben sehr direkt und offen, viele kommen damit nicht klar, aber ich für mein Teil habe mit Menschen, die mir ehrlich ihre Meinung über mich oder anderes sagen, lieber zu tun, als mit denen, die alles bejahen und einen auf Verständnis abziehen, aber an der nächsten Ecke mit anderen über mich herziehen. Darauf kann ich meinerseits sehr gut verzichten und ich glaube, dass es den meisten hier so geht.

Andere haben Heimweh oder Fernweh und ich sehne mich nach dem Tod. Du und andere hier verstehen das, und die Menschen hier, die auch mehr oder weniger im Pool des Lebens am Rande stehen, auf irgend eine Art anders sind, sind mir mittlerweile tausendmal lieber als die, die sich als "normal" bezeichnen. Wäre nun noch zu definieren, was und wer wann auf welche Art eigentlich normal ist, aber dann würde ich wieder zu weit abschweifen. Nur: wenn ich mir so einige in meinem so genannten Um(n)feld betrachte, deren Streben und Wirken in fast jeder Hinsicht dem Vergänglichen zugeneigt ist, die Freude daran empfinden, andere niederzumachen, dann bin ich lieber gaga, denn deren geistiger Zustand ist für mich nichts Erstrebenswertes. Ich will einfach nicht mehr angepasst sein, ich will gegen den Strom schwimmen und ich sage offen heraus was ich denke. Wer damit nicht umgehen kann, kann mich meiden, das ist mir so was von schnuppe.

Was sind das nur für Mütter, die einen so behandeln? Meine Mutter war immer stolz darauf, dass sie ihre Kinder nicht geschlagen hat, weil sie als Kind selbst sehr oft Prügel bekam, sogar mit dem Rohrstock. Ich habe fast 40 Jahre meine dämliche Schnauze gehalten und daraufhin nichts gesagt, doch dann, nach meinem Zwangsaufenthalt, fing ich an, eben nicht mehr ruhig zu sein. Eines Tages sagte sie wieder: "Ich habe mir selbst Wort gehalten und meine Kinder nie geschlagen." Ich antwortete ihr: "nein, das hast du in der Tat nicht. Aber du hast mich von deinem Sohn schlagen lassen und anderes zugelassen, und das empfand ich weitaus demütigender, als wenn du es gleich selbst getan hättest. Und heute würde ich mir von ganzem Herzen wünschen, dass dein Sohn mich vor deinen Augen mit der Kettensäge in tausend Einzelteile zerlegt. Dann hättet ihr eure Ruhe und ich zudem meine Genugtuung und es gäbe einen Dreckhaufen auf der Welt weniger." Klar, darüber war sie geschockt, sie konnte nicht einordnen und wollte nicht akzeptieren, dass ich begann, über Dinge zu reden, die all die Jahre ja nie existent waren. Nur ich leide nicht an Schizophrenie oder Paranoia, das, was war, hat sich - leider - nicht nur in meinem Kopf abgespielt, sondern ist tatsächlich passiert. Dennoch - ich hing sehr an meiner Mutter und leide auch nach etwas über einem Jahr nach ihrem Tod wie am ersten Tag darunter. Alles ist immer wieder präsent, die Gespräche, das Schlimme, wie alles ablief, der Anruf des Arztes und eben einfach alles. Ich kann nun, mit etwas Abstand, auch nachvollziehen, dass sie es mit mir insbesondere in den letzten fünf Jahren mit Sicherheit nicht leicht hatte.

Ich habe dir doch nichts zu verzeihen! Ich verstehe, dass manche denken, dass man "es" eigentlich nicht will, vor allem, wenn man es klipp und klar sagt, mittlerweile ist dieses jedoch überholt "wer es nur ankündigt, tut es nicht." Ich bin mit 16 Jahren einmal nachts von zu Hause fortgelaufen. Damals habe ich mir Tavor 2,5 von meiner Mutter geklaut, sie eingenommen mit Wein, obwohl ich an Alk. eigentlich nie was hatte, aber instinktiv wusste, dass sich die Wirkung gegenseitig pushen würde. Also habe ich mich ein paar Straßen weiter hinter einer Gartenbank im Vorgarten eines Zweifamilienhauses versteckt, aber bin leider nicht verreckt, die Dosis war natürlich zu gering. Die haben die ganze Nacht gesucht und noch einen Freund angerufen, waren nahe dran, die Polizei zu rufen. Irgendwann kam ich zu mir, bin wieder nach Hause gedackelt, meine Mutter hatte das Küchenfenster auf. Ich weiß noch, dass ich reinschaute und voll zugedröhnt und besoffen stand sie optisch für mich irgendwie auf dem Kopf. Mir wurde keine Szene gemacht, es wurde nie darüber gesprochen, und es fragte mich auch niemand nach den Gründen. Diese Nacht gab es eben einfach nicht. Auch gut. Als ich 24 Jahre alt war, machte ich mich selbständig mit meinem Büro, war innerhalb der ersten Monate sehr erfolgreich und hatte mir auch schnell einige Stammkunden aufgebaut. Ich weiß nicht mehr, was damals vorgefallen war, aber ich wollte mich umbringen. Also setzte ich entsprechende Briefe an meine Kunden auf, an ein paar Lieferanten mit Schecks, um offene Rechnungen zu begleichen. Es sollte nachher niemand Arbeit und unnötige Mühe haben, vielleicht ist das auch einfach nur Ausdruck meiner teilweisen Pedanterie. Mein Vater kam plötzlich nach unten, wo ich mein Büro hatte und fand die ganzen Briefe. ER war es, der mit mir sprach und mich davon abhielt. ER, und kein anderer. Also das mit SM und diesen Gedanken, die täglich in meinem Kopf umherwuseln mit den abartigsten Phantasien, wie ich mir Schaden zufügen kann, das war und ist keine fixe Idee, das geht schon seit meiner Kindheit so. Früher kam ich nicht an Rasierklingen, oder einfach auch nicht auf die Idee, also habe ich mir mit voller Wucht an den Kopf geschlagen (vielleicht war einmal zu heftig, würde einiges erklären ^^) oder mich mit Nadeln oder rostigen Nägeln geritzt, in offene Wunden im Garten voll den Dreck gerieben, in der Hoffnung, ich könnte an einer Blutvergiftung oder Infektion verrecken. Oder ich bin im Winter bei Minusgraden in die Badewanne, habe, so heiß ich konnte, gebadet und bin dann, ohne mich abzutrocknen auf den Balkon, mitten in den Schnee, hoffte, ich bekäme eine Lungenentzündung, die tödlich verlaufen würde. Anscheinend bin ich, wenn ich das nun reflektiere, einfach zu dämlich dazu oder aber ich habe mich durch die frühen Aktionen schon selbst gegen alles immunisiert. Normal ist das jedenfalls nicht... Und auch nicht gerecht.

Was ist das für eine Mutter, die ihrem eigenen Kind das Messer an den Hals hält?!

Ich werde mich auch per PN bei dir melden, denn an dem Forum wäre ich sehr interessiert. Ich denke, dass dieses hilfreicher wäre als ein SM-Forum, das hat mir auch nichts gebracht.

Habe dir separat geantwortet, isis werde ich auch extra antworten. Ich weiß, dass ich immer viel schreibe, aber wenn ich einmal in Fahrt bin, bemerke ich das selbst gar nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass ich sehr schnell tippen kann und deshalb auch nicht das Zeitempfinden habe wie andere... Also sorry dafür.

Hoffe, ich habe jetzt nicht schon wieder (zu) viel und vor allem keinen Unsinn geschrieben, denn in den letzten Tagen bin ich irgendwie aufgedreht, weiß nur nicht, wie ich das einordnen soll.

Liebe Grüße

*supergau*

01.09.2008 22:40 • #33


Huhu liebe Supergau,

ganz frisch les ich Deine Nachricht..

Ich finde es schön dass Du soviel schreibst Dass Du das überhaupt noch kannst nachdem was Dir alles passiert ist, das ist sehr bewundernswert!

Der Wunsch nach dem Tod.. Es ist für mich die Sehnsucht nach der Freiheit.. Eine Freiheit und ein wohlwollen die ich hier auf dieser Welt, zwischen diesen Menschen nie hatte, die Du nie hattest....

Das ätzende ist, dass selbst wenn es Dir richtig dreckig geht, der Abschaum trotzdem nur an sich denkt.. "Und was is mit mir? du kannst mich doch nicht alleine lassen"

"Und wie ich kann, Du Egoistenschwein!"

Dazu fällt mir eine tolle Textpassage aus einem meiner Lieblingslieder ein, gefällt Dir sicher auch:

So if you love me, let me go. And run away before I know.
My heart is just too dark to care. I can't destroy what isn't there.
Deliver me into my Fate - If I'm alone I cannot hate
I don't deserve to have you…
My smile was taken long ago / If I can change I hope I never know

Ich habe das Interesse am Menschen immer mehr verloren..
Eine gute alte Weisheit:

„Der gesunde Verstand ist das, was in der Welt am besten verteilt ist; denn jedermann meint damit so gut versehen zu sein, dass selbst Personen, die in allen anderen Dingen schwer zu befriedigen sind, doch an Verstand nicht mehr, als sie haben, sich zu wünschen pflegen.“


Du, liebes Supergau verfügst über eine sehr hohe emotionale Intelligenz Das finde ich schön, sowas is unter Menschen sehr selten geworden oder zumindest in meinem Umfeld, ich will ja nicht alles über einen Kamm scheren..

Aber als guter Mensch hat man irgendwie verloren.. Und wenn du ehrlich bist und lieb, erhälst du öfters ma nen Hieb.

Ehrlichkeit tut weh, und die Menschen ertragen es nicht, wenn man ihnen wehtut.. Deshalb lügen sie sich einen in die Tasche so ist das nunmal...
Ich bin selber so ein querdenker, erst gestern als ein alter Bekannter mir schrieb antwortete ich gelassen "Klar, wie könnte ich einen solchen Dummschwätzer wie Dich vergessen?"
Man sagte immer ich sei frech und schlechterzogen.. Dabei würde ich einfach sagen dass ich schon weiß, wie man sich in der Etiquette zu benehmen hat, lehne diese Heuchelei einfach ab..

Sei Ehrlich, schwimme gegen den Strom Das tut einfach gut.. Der meisten größte Sorge ist "Welcher Nagellack passt denn zu meinen Schuhen?" Sie denken von der Wand bis zur Tapete..

Ich finds immer gut wenn Menschen schockierend ehrlich sind.. So wie kleine Kinder Nur in der Gesellschaft kommt man mit sowas leider nicht an..

Du Liebst sie auch wenn sie schrecklich zu Dir war.. das ist ein hartes Los und dies zeigt dass Du einfach in der Lage bist, bedingungslos zu lieben.. Habe auch versucht meine Mutter zu hassen, es geht nicht.. Mit Hassgedanken zerfrisst man sich nur selber, versuche ihr im Nachhinein zu verzeihen.. Auch wenn es schwer ist..
Was mir hilft: Briefe schreiben.. Sich dort richtig auskotzen und ihr alles an den Kopf werfen auch wenn Du weißt sie wirds niemehr lesen können, alleine da den Dampf abzulassen ist sehr befreiend.. Vielleicht hilft ja auch Dir das..

Ich glaube, Du hasst Dich selber ein wenig oder ein wenig mehr, kann das sein? Dass Du einfach das mitgeführt hast und Dir die Narben körperlich zugefügt hast, die man Dir seelisch schon eingerissen hat..
Ein trauriges Schicksal.. Es berührt mich sehr..

Doch eines möchte ich Dir sagen:

Lebe... Lebe für DICH.. Kümmer Dich um Deinen A*** und lass alles andere mal links liegen... Versuche DIR etwas gutes zu tun...
Auch das Leben kann einem viel schenken.. Auch wenn man es sich selber schenkt.... Die Natur beschenkt dich.. Musik beschenkt Dich.. und Kunst...

Alles Alles LIEBE

sherlock

01.09.2008 23:19 • #34


Salü Isis-z,

das ist ein fieser Trick mit dem Pictogramm, du unterschlägst mir einfach meinen "gau", das ist Diebstahl, strafbar, ich rufe morgen die Kripo an nein, nicht wirklich.

Auch dir möchte ich danken für deine ausführliche Antwort, ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut, und auch darüber, dass dir diese Geschichte gefallen hat. Derjenige, dem ich sie gewidmet habe, hat den linken Arm nicht vollständig ausgebildet, er kam so zur Welt. Er könnte mein Sohn sein, ist gleichgeschlechtlich, sehr tierlieb und überhaupt einfach nur ein lieber Kerl. Er hat für sein Alter ein ganz anderes Verständnis, vielleicht liegt das aber auch an seiner Behinderung. Anfangs versteckte er es immer unter seiner Jacke, aber ich hatte ja längst gesehen, dass er da etwas hat. Irgendwann einigten wir uns darauf, "du" zu sagen und das bricht natürlich schon ein wenig das Eis. Eines Tages, ich hatte mir das schon länger vorgenommen, aber nicht den Mut oder rechten Schwung bekommen, sind wir wieder zusammen mit unseren Hundies spazieren gegangen und er trug wieder seine Jacke über dem Arm, um ihn zu verbergen. Ich sprach ihn ganz direkt darauf an, sagte ihm, dass er vor mir nichts verbergen braucht und überhaupt es nicht nötig hat. Er ist eben, wie er ist, und dass ich ihn gut leiden kann, ob er nun diese Behinderung hat oder nicht. Und seitdem unterlässt er es, auch vor anderen, ich wollte damit sein Selbstbewusstsein stärken, und ich glaube, dass mir das auch gelungen ist. Deshalb ist diese Geschichte auch ein wenig "seine".


Du hast Recht, im Endeffekt zählt nicht das Irdische, das Vergängliche, sondern das, was uns "danach" erwartet, und darauf freue ich mich, weil ich einen unerschütterlichen Glauben habe an ein Weiterleben nach dem Tod, und mir das auch entsprechend vorstellen und ausmalen kann.

Tja, in welcher Welt leben wir? Mit Sicherheit nicht in einer guten Welt, denn wäre es eine gute Welt, eine gute Welt für alle Menschen, dann gäbe es keine Einsamkeit, keine Depressionen, keine traurigen Menschen und eine für alle gute Welt würde ein Forum wie dieses überflüssig machen. Wir leben in einer Welt, in der Menschen mit psychischen Problemen nach wie vor stigmatisiert werden, und die aufgrund dessen kaum jemanden zum reden finden. Notgedrungen ist es für mich eine völlig logische Abfolge, dass man in diesem oder anderen Foren einen Strohhalm sieht. Ich war damals über Monate in einem SM-Forum. Warum? Weil ich hier mit keiner S** darüber hätte reden können, also was blieb mir denn anderes, als das Internet zu nutzen, über google "Todessehnsucht" einzugeben und klatsch, bin ich da gelandet, was in der "Reality" so verteufelt wird. Nein, sie sollten sich selbst verteufeln, denn sie sind es, die uns hierher verjagen. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass es wohl weitaus "schlimmer" ist, wenn man erzählt, dass man mal in der Psychiatrie war, als wenn man einen Massenmord begangen hätte. Bei Mördern und Kinderschändern wird die Kindheit durchleuchtet, sind alles ganz arme Seelchen. Aber die, die sie geschändet oder getötet haben sind die Dreck*sch*eine, weil sie sich wagen, sich gegen die "Macher" aufzulehnen. Das ist schon merkwürdig, ein Paradoxum. Nicht nachvollziehbar. Oder aber ich setze mit meiner gesamten idiotischen und nie endenden Gedankenmühle falsch an, ich weiß es nicht.

Ich habe nicht viel zu verlieren. Ich habe meine Tiere zu verlieren. Alles andere ist nur sinnlose Nebensache. Ich habe heute zu jemandem gesagt, dass ich nicht mal gut genug bin für einen gelben Sack. Wer würde so was auch schon recyclen wollen? Ich jedenfalls nicht.

Was den Selbsthass betrifft, ich kann gut verstehen, wie das auf dich wirkt, aber wenn man sich so abgrundtief hasst, dann empfindet man das irgendwann und irgendwie als ganz normal. Manchmal habe ich überhaupt keine Gefühle, dann herrscht innere Leere, irgendwann halte ich das nicht mehr aus, hasse mich dafür, das ist dann die einzige Emotion, die überhaupt noch fährt. Eines spielt das andere aus. Irre und belastend, aber was soll man dagegen tun können?

Ja, wegen der Diagnose bin ich sicher, denn ich habe auch Phasen, in denen ich voll ausrasten kann, keine Kontrolle mehr habe, das selbst aber nicht so sehe. Diese totalen Ausraster, das muss ich leider und ehrlicherweise eingestehen. Die kamen insbesondere nach der Psychiatrie. Vorher habe ich immer nur alles unterdrückt, in mich hineingefressen, plötzlich ließ ich alles heraus. Das meinte ich auch in meiner Antwort an Sherlock, dass mir nun im Nachhinein klar ist, dass ich es insbesondere in den letzten fünf Jahren meiner Mutter nicht leicht gemacht habe. Ich habe während dieser Ausraster allein zwei Fernseher, einen Monitor, Glaseinlegeböden und alles mögliche mit der Axt und dem Vorschlaghammer geschreddert und ungefähr 6 - 8 Handys geschrottet. Haben die zu oft geklingelt, hat es mich genervt (aber der Auslöser hierfür war meine Mutter, die mich mit dem Telefon regelrecht tyrannisierte, besonders nach der Klappse, angeblich weil sie Angst hatte...), und dann flogen sie gegen die Wand. Ich habe krasse Dinge zu meiner Mutter gesagt, sicher, ist keine Entschuldigung, aber einiges hat sie selbst provoziert. Einmal bin ich ausgeflippt, habe gesagt, ich sch** auf alles, auf Haus, Wohnung und ALG. Ich rief dort den Sachbearbeiter an, sagte ihm, er kann mich streichen, ich brauche kein Geld und keine Unterkunft mehr, und melde mich ab sofort obdachlos. Besorgte mir einen Einkaufswagen, schob das Teil durch den Park nach Hause und wollte dann darin ein paar Klamotten unterbringen. Logo, am nächsten Tag war ich wieder einen Level runter und nahm keinen Platz unter den Brücken ein. Aber ich war auch zu stur, bei der Arge anzurufen. Also kam logischerweise am nächsten Ersten keint Geld. Das war mir auch *sch* egal. Meine Mutter meinte, ich solle das regeln. Tat ich nicht, weil ich der Meinung war, dass sie diesen Ausbruch und meine Reaktion provoziert hat, also sollte sie gefälligst dort anrufen und es richten. Das machte sie dann auch. Ich kann absolut ausrasten, manchmal genügte hier zuhause ein einziges Wort. Meine Mutter sagte immer "du beziehst alles auf dich, nimmst alles persönlich, wo es gar nicht so gemeint ist". Ich verstand damals nicht, wie sie das meinte. Aber als mein Therapeut dieselbe Aussage machte, habe ich darüber nachgedacht. Ich habe sogar ein sehr hohes Aggressionspotential, aber diese Aggressionen richten sich ausschließlich gegen mich und Gegenstände. So weit habe ich mich allerdings unter Kontrolle, denn ich würde niemals die Hand heben gegen andere Menschen, geschweige denn gegen meine eigene Mutter oder gegen Tiere. Da gibt es für mich auch nichts zu kontrollieren, denn gewalttätig gegen andere Lebewesen war ich nie und werde ich auch nie sein. Das tue ich mir selbst an, das ist für mich dann auch gerechtfertigt. Und was meinen Umgang mit anderen betrifft, da bin ich auch immer gleich, niemand kann für meinen Drecksbruder und die anderen, und niemand von Außenstehenden kann dafür, dass ich bin wie ich bin, also warum sollte ich ihnen gegenüber unhöflich sein? BPS vermutetein die schon in der Klappse, die Psychologin schlug mir im letzten Gespräch vor meiner Entlassung einen Test vor, weil sie keine eindeutige Diagnose stellen konnte, was ich dankend ablehnte mit dem Kommentar, den könne sie sich sonstwohin stecken und dass ich selbst meine Diagnose von Anfang an kennen würde, woraufhin sie mich nur fragend anstarrte und den Mund nicht mehr zubekam. Wie ich das meinte, wollte sie wissen. Nun, sagte ich, ich bin ein A*loch und ein Sch*haufen, da gibt es nichts mehr zu diagnostizieren geschweige denn zu therapieren. Basta.

Ich habe drei Jahre gebraucht, um freiwillig einen Therapeuten aufzusuchen. Irgendwann konnte ich mich selbst nicht mehr ertragen, schob täglich meinen Selbsthass, tobte meine Aggressionen aus und schob eine Panikattacke an der anderen, die steigerten sich teilweise so, dass ich aus Panik mitten in der Nacht aufstand und rausgehen musste. Einfach nur raus, der Gedanke, ich bin hinter keiner geschlossenen Tür. Die Panik ging so weit, dass ich Panik vor einem T-Shirt bekam. Diese Attacken kann man nicht beschreiben, sie sind einfach nur grausam. Auch das wollte ich einfach nicht mehr aushalten, also suchte ich den Therapeuten auf, den mir zudem meine Freundin und andere gute Bekannte empfohlen hatten, die schon einige Jahre zu ihm gehen. Ich denke, es war ein guter Griff, gut, letztens war ich tierisch stinkig und sauer auf ihn wegen seiner Ansage. Es passte mir halt nicht in den Kram und plötzlich sah ich an ihm nur noch Negatives. Das Positive war nicht mehr da und ich war nur noch stinksauer auf ihn. Vielleicht wollte er mich aber auch absichtlich provozieren, was ihm ja auch gelang. Na gut, ich habe es, wie alle Gespräche, reflektiert, hier geschrieben, Eure Antworten und Sichtweisen aufgenommen und darüber nachgedacht und mich dann doch zum Weitermachen entschlossen.

Yep, Hauptsache rebellisch, das trifft den Nagel auf den Kopf. Wie ich an Sherlock schrieb, ich will mich nicht mehr anpassen, das habe ich fast 40 Jahre getan und die zweite Hälfte ist Schluss damit. Die Zeit, die ich noch hier bin, sein muss, oder sein will, wie auch immer, werde ich mich nicht mehr verbiegen und manipulieren und fernsteuern lassen. Ich mache, was ich will, und tobe mich hier zuhause mit Schreiben aus, neuerdings gieße ich Kerzen, will jetzt auch mit Reliefgießen, Zinngießen und Seifengießen anfangen. Habe das zwar noch nie gemacht, aber mir einfach alles, was ich dazu brauche, gekauft. Niemand schreibt mir hier mehr was vor, ich habe am Wochenende eine Nacht gar nicht geschlafen, sondern mich nur mit dem Kram und dem Verzieren ausgetobt, und das macht mir richtig Spaß! Mit der Schreiberei, da kam mir einfach der Gedanke, mal ein Angebot bei ebay einzustellen, und nur ein paar Stunden später kaufte jemand schon gleich zwei Texte. Ich war total baff. Habe den ersten Text abgeliefert und eine super Resonanz von dem Kunden bekommen. Er will nun auf Dauer mit mir zusammen arbeiten, und mal eine positive Meldung und Bewertung zu bekommen, das tut auch gut. Siehst du, ich sitze hier und schreibe dir, rauche dabei fast Kette und werde mir jetzt noch einen guten Kaffee reinpfeifen. Und niemand regt sich über meine abgedrehte Lebensweise auf. Ich will meine Freiheit und nicht mehr das Gefühl haben müssen, dass ich eingeengt oder eingesperrt bin. Und mit all den Dingen, die ich hier tue, da brauche ich keine anderen Menschen, ich bin nicht zeitgebunden, muss nicht raus. Das passt bestens zusammen, wenn man zusätzlich noch unter einer extremen Sozialphobie leidet.

Ach ja, vor ein paar Monaten lernte ich einen Typen kennen. Der ist total krass und cool drauf, lackierte Fingernägel und so, einer, der auch nicht angepasst ist. Heute ist er mit mir sogar einkaufen gefahren, damit ich nicht immer so schwer schleppen muss und hat mir angeboten, mir behilflich zu sein, ich bräuchte mich nur zu melden. Ok. Im Auto dann fragte ich ihn, was er denn für eine Arbeit ausführt, weil er von einem Kunden sprach, der heute noch zu ihm käme. LOL - und weißt du was? Er umschrieb es sinngemäß so: "Ich erweise anderen eben gewisse Dienste und bereite ihnen eine schöne Stunde." Blubb. Meine Mutter hätte diesen "Umgang" niemals geduldet, sofern ich ihr davon erzählt hätte. Und jetzt - pfeif drauf, er ist ein netter, hilfsbereiter Mensch. Was er tut, das geht mich nichts an, und ich habe kein Recht, über irgendwen richten zu wollen. Außerdem macht mir das ihn noch sympathischer, weil ich nun ganz sicher sein kann, dass er wohl nie was von mir will. Und diesen Gedanken finde ich mehr als beruhigend...

Na zum gläsernen Menschen machen uns doch schon andere *grins*. Lass sie googlen, ich stehe zu dem, was ich schreibe, ist ja auch wenigstens noch ein Stückchen anonym. Und wenn's nicht so wäre, wäre mir mittlerweile auch egal. Mein Therapeut meinte neulich mal: "Ich weiß ja, dass Sie sich als Schei*haufen bezeichnen, aber ich behandle hier nur Menschen, und keine Schei*haufen." Meine Antwort: "Dann erweitern Sie Ihr Therapieprogramm, und Sie werden sehen, das wird auch Ihnen Abwechslung und Bewegung bringen." Daraufhin hat er dann diesbezüglich nichts mehr gesagt, von diesem Level lasse ich mich nicht mehr wegbringen. Das hat auch was damit zu tun, dass mich somit niemand mehr beleidigen und/oder verletzen kann.

Das mit "deinen" Entchen finde ich süß. Ich ging heute Nachmittag mit meinen Hundies durch den Park, vorbei am Weiher. Und da zogen dann "meine" Entchen schnatternd ihre Bahnen, und ich musste dabei sofort an dich denken Tierliebe ist etwas sehr Schönes. Ja, die Tiersendungen schaue ich mir sehr oft an. Kennst du Knut, den Eisbärjungen? Meine Mutter kam durch eine der Tiersendungen darauf und so kam ich auf Knut. Der Knirps, wo er so klein war, hat mich richtig süchtig gemacht. Als meine Mutter im KH lag, habe ich ihr Grafiken gemacht, gedruckt, laminiert und ihr auf den Nachttisch gestellt. Eine betitelte ich mit "Knute Besserung", die Ärzte und Schwestern waren auch total begeistert. Ich kaufte ein paar Miniknuts mit magnetischen Händchen und einem hellblauen Schleifchen um den Hals. Eines nahm ich meiner Mutter mit ins KH, pappte ihn an den Haltegriff. Dieser kleine Knut ging immer mit auf Reisen, von Station zu Station, von Krankenhaus zu Krankenhaus. Als sie starb, nahm ich das Angebot des Arztes an und fuhr noch einmal ins KH, um mich von meiner Mutter zu verabschieden. Das war ich ihr schuldig! Und ich wollte mich auch überzeugen, ob es wahr ist, und auch sehen, dass sie ja gut mit ihr umgegangen sind. Als ich das Zimmer betrat, sah ich meine Mutter da auf dem Bett, sie hatten ihr die Hände gefaltet und ihr in die Hände ihren kleinen Knut gegeben. Das fand ich einerseits so rührend von den Schwestern, und andererseits hat mich das total erschüttert... Ich gab ihr dann noch ein Foto meines Vaters mit, weil sie ja nun bei ihm sein würde, meinen geweihten Rosenkranz, den mir der Pfarrer schenkte. Der Rosenkranz stammte ursprünglich aus Assisi, und Franz von Assisi war ja auch so ein Tierfanatiker, also passte das doch alles so gut zusammen und ergänzte sich. Als ich neben ihrem Bett Platz nahm und allein mit ihr im Zimmer war, vernahm ich plötzlich einen zarten Blumenduft... Nun ja, angeregt durch sie begann ich damals eine Geschichte über Knut zu schreiben. Das, was ich fertig geschrieben hatte, musste ich ihr immer vorlesen. Aber als sie dann gestorben war, schrieb ich diese Geschichte nicht mehr weiter, und weiß auch nicht, ob ich sie jemals zu Ende schreiben werde. Meine Mutter fand sie aber so rührend, dass sie, als ich sie ihr vorlas, weinen musste, denn sie beginnt eigentlich damit, dass sich Knut und sein Zwillingsbruder Ernst, der ja an einer Infektion gestorben ist, schon im Mutterleib kennen lernten und unterhielten... So, und das, was ich nun dir geschrieben habe über meine Mutter, das habe ich noch keinem erzählt. Weiß nicht, warum ich es dir schreibe, aber ich denke, dass du, so du das mit dem Knut"schen" mitbekommen hast, bestimmt auch begeistert warst von diesem weißen Wirbelwind.

Das mit den Löwen habe ich leider nicht gesehen, aber ich habe einmal ein Buch nur über Löwen gelesen. Weißt du, die sind ja im Rudel immer zusammen und die Löwenmamas verlassen normalerweise niemals ihre Löwenkinder. Aber im Nationalpark von Nairobi gab es eine Löwin, die ging fremd, und ließ ihre Kinder dann einfach alleine. Sie wurde "die *beep* von Nairobi" getauft. Das ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Löwen sind auch sehr schöne Tiere und klar, wer auf Tiere eingehen kann und will, der versteht auch ihre Sprache. Denn Tiere können sich mitteilen, jedes auf seine Art, wie mein Dad sich immer ausdrückte.

Die Lieder sind heavy aber klasse, sie spiegeln so vieles wider und erinnern an die eigenen Gedanken, Phantasien und Träume. Klar, damals waren die Schmerzen heftig, aber ich konnte eben schon immer viel wegstecken, so das kleine ewig jammernde Kindlein war ich eigentlich nicht. Nur, als ich noch ganz, ganz klein war und mir wehtat. Aber dann nahm mich meine Mutter immer auf den Schoß, sang mir das passende Liedchen vor, pustete auf meine Schramme und zeigte in den Himmel mit den Worten: "Siehst du, da fliegt das Aua, in den Himmel, durch die Wolken, ist gar nichts mehr da, was dir wehtut". Der Trick funktionierte immer. Ich war nur konzentriert, auch was zu sehen, was da fliegen soll und vergaß darüber meinen schmerz

Na ja, im Moment kann ich ab und zu mal lachen, am meisten über meine eigene Blödheit und Sinnlosigkeit. Das ist so was von perv. und abgedreht... die einen wollen leben, die anderen wollen ihr Leben am liebsten wegwerfen. Ich stellte mir einmal vor, dass ich mich ja zur Ader lassen könnte. Würde das Blut in die Toilette laufen lassen, das wäre dann Familienzufammenführung der modernen Art: Schei*e zu Schei*e, außerdem müssten dann die "Tatortreiniger" nicht viel wegputzen. Wenn ich mir so was vorstelle, kann ich mir ein hinterlistiges Grinsen nicht verkneifen.


Warum solltest du kein Illusionist sein? Ich war oder bin es auch, ich dachte immer, ich könnte die Welt verändern, vieles hat mich schon als Kind belastet, denn ich begriff vieles recht früh. Irgendwie scheint da ein touch drin zu sein von einer Großtante. Bei ihr konnte einer gemacht haben, was er wollte, sie war immer noch gütig und jedem gut gesinnt mit stets den selben Worten "aber er ist ein guter Mensch." Sie konnte es wohl auch nicht begreifen, was Menschen sich gegenseitig anzutun im Stande sind. Ich begreife es heute noch nicht.


Ach ja... anfangs machte meine Mutter mir immer Vorwürfe, weil ich "das" getan hatte, bezeichnete mich jahrelang als feige. Als sie sich durch eine Fernsehsendung mit der Thematik Selbstmord mal freiwillig auseinander setzte, begann sie darüber nachzudenken und gerade in der letzten Zeit sagte sie oft, sie würde es nun nicht mehr als feige ansehen, sondern eher als sehr mutig, sich gezielt vergiften zu wollen und die Dinge einzunehmen in dem Gedanken und dem Wissen, dass man sehr wahrscheinlich daran sterben wird... Ich habe ihr ihre anfängliche Einstellung aber nie zum Vorwurf gemacht, denn so etwas sieht jeder für sich aus seiner Perspektive, und das akzeptiere ich vollstens.

Was alles noch in der Zeit vorgefallen ist, wäre zu viel, hier auch noch zu schreiben. Jedenfalls hat man nichts ausgelassen, um sich an mir zu "rächen". Es ging sogar so weit, dass meine Mutter sofort, obwohl sie durch die Telefonate mit der Intensiv wusste, ich würde leider noch nicht das Zeitliche segnen, meine beiden damaligen Hunde und mein Katerchen ins Tierheim bringen ließ. Und das habe ich ihr gesagt "das werde ich dir über den Tod hinaus nicht verzeihen, und wenn du mir noch ein Dutzend Hunde kaufst und schenkst, DAS kannst du damit nie wieder gut machen." Die beiden Westies, die ich jetzt habe, hat sie mir geschenkt, und dafür war und bin ich ihr auch sehr dankbar. Meine Knutschkugel hat morgen bzw. heute, also am 2. September, Geburtstag. Er wird sechs Jahre alt, und das Geburtstagshähnchen habe ich schon besorgt. Hat sich hier im Wohngebiet auch so eingebürgert, dass Hunde, die Geburtstag haben, den anderen Doggies eine Runde Leckerli schmeißen

So, nun ist es fast 1.00 Uhr, bin zwar keine Spur müde, werde aber dennoch den Compi schlafen schicken, er musste heute einiges aushalten.

Ja, ich weiß, kann, wenn ich einmal anfange, kein Ende finden. Vielleicht ist es aber auch so, weil man hier mit niemandem reden kann, obwohl andererseits ich keinen hier haben will...

Bis demnächst. Ich werde mich bemühen, nicht mehr einfach so abzutauchen

02.09.2008 00:52 • #35


Salüchen Sherlock,

ja, das mit dem Schreiben, es stellt für mich auch so etwas wie einen Ersatz dar, d.h. ich kann nicht mehr alles auf den Tisch bringen, nie wieder reden mit mit meiner Mutter über manche Dinge, und wir hätten doch noch so vieles zu bereden, zu bequatschen gehabt. Deshalb hilft es mir auch, wenn ich einfach mir von der Seele schreiben darf. Denn alles und jedes Detail meinem Therapeuten erzählen, das geht zum einen (noch) nicht und zum anderen sind 40 oder 45 Minuten zwar recht ordentlich, aber oft kommen aktuelle Probleme dazwischen, die dann Priorität haben, mit ihm zu besprechen, denn hilfreich war er mir schon einige Male. Vor allem, als ich plötzlich wochenlang eine Affenpanik schob, dass mein Bruder bei der Polizei anrufen könnte mit der Behauptung, ich hätte mit Suizid gedroht und die mich sofort hätten abholen und einweisen können, weil das ja nun schon mal vorlag. Meine Angst war auch von meiner Seite aus begründet, aber das jetzt hier auseinanderzufrickeln wäre unsinnig, weil die Details nicht so wichtig sind. Auf jeden Fall hat mir mein Therapeut, als ich ihm das vortrug, sehr geholfen, indem er mir versprach, mir den Rücken zu stärken und wenn was in der Art laufen sollte, dass ich dann ihn angeben solle, denn letztlich habe er als behandelnder Arzt immer noch das letzte Wort. Gab mir auch noch ein paar Tipps, und so war ich dann erst einmal beruhigt. Na gut, anderes Thema.

Den Absatz mit dem Wunsch nach dem Tod hast du super formuliert, denn genau so ist es auch. Mein richtiger Vorname bedeutet "Heimat", aber ich finde das widersprüchlich, denn zur Heimat ist mir diese Welt nie geworden samt ihren zweibeinigen wuselnden Milliarden Artgenossen, und zur Heimat wird sie mir auch nie werden. Deine, meine, unsere Heimat, die ist wo ganz anders, und vielleicht verspüren wir ja auch zusätzlich deswegen diesen absoluten Wunsch, dieses irdische Leben endlich abstreifen zu können und die Tür zur anderen Welt zu öffnen. Zur Beisetzung meiner Mutter habe ich extra für sie ein Trauerheftchen angefertigt. Sie wollte immer, als sie im KH lag, eine Geschiche, wie sie immer sagte "eine, nur für mich". Leider war die Zeit schneller als ich hätte schreiben können, und so habe ich ihr in diesem Trauerheftchen einen Abschiedsbrief geschrieben, mit Worten, die nur für sie waren, ihr gehörten und gehören. Auf der linken Innenseite hatte ich nur den Satz gedruckt "Es gibt keinen Tod. Es gibt nur einen Wechsel der Welten." Diese Worte wurden zu unser beider Motto, als ich damals auf der Berufsschule den Lehrfilm "Söhne der Erde" sah, welcher mit dem Text der Rede von Häuptling Seattle besprochen war. Die Platte dazu kauften wir uns auch, sie war von René Bardet und hieß "vielleicht weil ich ein Wilder bin". Na ja, jedenfalls haben mich dieser Film und diese Worte bis heute geprägt, und meine Mutter auch. Deshalb standen auf dieser Seite nur diese Worte, weil es für uns dazu nichts mehr zu kommentieren gab...

Ich will auch frei sein, vogelfrei. Einerseits ist man einsam, andererseits hat man jedoch Angst vor Menschen, fühlt sich eingeengt, umzingelt, aufgesogen. Dann ziehe ich die Einsamkeit vor. Es gibt von Schiller (ich weiß nicht, ob du die Gruppe kennst) ein Musikstück, welches "Einsamkeit" heißt. Als Einstieg hört man die Worte: "Wenn DICH alles verlässt, kommt das Alleinsein. Wenn DU alles verlässt, kommt die Einsamkeit". Aber ich komme damit derzeit besser klar, bzw. direkt einsam, ich weiß nicht, ob ich das bin. Ich gehe ja mit meinen Hunden raus, wenn ich will, kann ich mich ja auch unterhalten, oder ich mache mal was mit meiner Freundin und gehe fast jeden Freitag mit zu unseren Treffen der Selbsthilfegruppe, dort fühle ich mich mittlerweile auch schon recht wohl.

Das ätzende ist, dass selbst wenn es Dir richtig dreckig geht, der Abschaum trotzdem nur an sich denkt.. "Und was is mit mir? du kannst mich doch nicht alleine lassen"

Stimmt, diese Vorwürfe bekam ich zu hören. Nur Vorwürfe. Niemals wurde ich nach den richtigen Gründen gefragt, sondern alle wussten plötzlich alles, was ich selbst nicht mal über mich wusste. Ich dachte nur noch, ich bin in einem endlos laufenden falschen Film...

Eben, das ist das, was ich jetzt so handhabe. Ich bringe zum Ausdruck, klipp und klar, was ich will und was ich nicht will, zeige meine Grenzen auf. Natürlich, solchen "Egoistenschweinen", wie du es nicht treffender hättest ausdrücken können, wollen das nur schwer akzeptieren. Wie der eine Typ, der mir hinterher gestiegen und auf die Pelle gerückt ist, was letztlich schon Stalkerqualitäten annahm. Einmal rief er an und fragte, ob ich ihn "lieb" habe... Ich sagte: "nein, und das wird sich auch nie ändern. Ich bin zudem noch mitten in der Trauer (das mit ihm hatte sich vor ein paar Monaten ereignet). Ich will keine Beziehung, weder mit dir noch mit einem anderen und vor allem will ich mich nicht vermehren." Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich diese Grenze nicht gewagt, so klar zu definieren, sondern hätte mich vor lauter Angepasstheit und Höflichkeit in tausend Ausreden geflüchtet. Jetzt kriegt's jeder, vor allem, was "das" betrifft, von mir aber so eins vor die Schwarte geknallt, dass es kracht. Und das wird gleich erledigt, ich mache mir dann nicht mehr wochenlang zusätzlich schlaflose Nächte...

Die Textpassage aus dem Song finde ich auch sehr schön, gefällt mir. Kennst du das Lied "Runaway train"? Das ist auch so verdammt treffend. So viel ich weiß, entstand der Song vor einigen Jahren inclusive Video im Rahmen einer Kampagne gegen Missbrauch.

Die Weisheit über den Verstand werde ich mir ausdrucken und gut sichtbar festpinnen, denn sie ist hervorragend ausgedrückt.

Genau so ist es - Heuchelei, eines der Dinge, die ich verabscheue. Natürlich, man ist gleich aggressiv oder schlecht erzogen, frech oder unhöflich, wenn man einfach sagt, wo es lang geht. Bei mir weiß jeder, woran er mit mir ist. Kann ich jemanden leiden, dann unterhalte ich mich auch mit ihm. Lehne ich jemanden ab, wirst du mich niemals bei demjenigen stehen sehen. Das wäre geheuchelt, unehrlich, und so ist gleich klar, wenn ich zu verstehen gebe: "Lass mich in Ruhe, du bist mir nicht sympathisch."

Bei dem Satz, sie denken von der Wand bis zur Tapete musste ich grinsen. Und ja - ganz, ganz ehrlich - es tut mir verdammt gut, dass ich jetzt fast ausschließlich gegen den Strom schwimme. Und dabei das Gefühl zu haben, ich habe so gehandelt, wie ich es wollte und nicht, wie es andere von mir glauben verlangen zu können. Mir gehen alle Möchtegernfernlenker so was von am Dingens vorbei... Abgehakt ist abgehakt. Ich habe so eine interne mentale "Abschussliste", im übertragenen Sinne natürlich. Wer da einmal drauf steht, und dann noch unter den ersten drei Positionen, der hat, so lange es mich hier noch gibt, nicht die geringste Chance, dass ich mich auch nur einen einzigen Atemzug um ihn oder sie schere. Luft und Spucke - mehr bleibt davon nicht übrig. Und diese Liste wird immer länger. Ich bin also mittlerweile auch zur Listenvervollständigerin geworden, einfach ein gutes Gefühl

Nö, "die" Gesellschaft will belogen werden. Aber ich will niemanden belügen, also ziehe ich die Schocktheapie vor. Wie ein kleines Kind. Das war ich auch mal. Und als ich ein noch sehr kleines Kind war, fuhr Mutter mit mir im Bus in die Stadt. Uns gegenüber nahm ein Farbiger Platz. Nun, ich hatte bis dahin in meinem ganzen kleinen Kinderleben noch nie einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe gesehen und begann, mir ihn von allen Seiten zu betrachten. Dann schubbste ich mit der Hand meine Mutter, sagte immer wieder "Mamiiiiiiiiie", weil mir eine ganz, ganz wichtige und dringende Frage auf der unerfahrenen Kinderseele brannte. Klar, Mamiiii kannte ja ihren Supergau und ahnte, was ich fragen wollte, sagte deshalb immer konsequent und energisch, in der Hoffnung, ich könnte von allein damit aufhören: "Nein! Jetzt nicht, später, Mäuslein." Aber Mäuslein ließ nicht locker, ich war schon damals sehr stur, wenn's sein musste. Nun ja, und irgendwann, als ich mir wirklich alle Seiten des Herrn betrachtet hatte, platzte ich heraus mit meiner Frage: "Mamiiii, hat der Onkel sich nicht gewaschen?" Boing. Zu allem Unglück hat er das auch noch verstanden und fing an breit zu grinsen, und meine Mutter mutierte vor lauter Scham zur Rothaut Sie entschuldigte sich in einem fort bei dem Mann, und dass ich heute zum ersten Mal einen Menschen mit einer anderer Hautfarbe sehen würde. Er nahm das aber ganz cool, hat wohl gleich gemerkt und verstanden, wie meine Frage zustande kam und musste laut lachen. Gut. Später bin ich mit einem einfach mal ne Runde um den Block spazieren gegangen, meine Mutter hatte das gar nicht mitbekommen, weil sie sich mit der Nachbarin unterhielt. Da dürfte ich so um die drei Jahre alt gewesen sein. Jedenfalls kam ich breit grinsend und mich tierisch freuend mit einem Farbigen an der Kinderhand von einem kurzen, aber sehr schönen Spaziergang nach Hause. Ich wusste ja dann längst, wie das nun alles so zusammen hing. Jo, so habe ich einige Dinge rausgehauen. Abgrundtief ehrlich, schockierend ehrlich. Aber was raus muss, muss raus. Es war nur blockiert, seit ich kein Kleinkind mehr war, bis vor einer Zeit, wo ich immer schön mein Maul hielt. "Man" muss ja höflich sein, gut erzogen, niemanden verletzen oder beleidigen, jedes Wort muss wohl überlegt sein. Pfeif doch drauf. Ich musste noch nen Knicks machen, so was Saublödes...

Ja, ich hing abgöttisch an meinen Eltern, auch an meiner Mutter. Ihr Tod hat mir so sehr zugesetzt, und ich denke, dass sie das selbst nicht für möglich hielt. Ich konnte über drei Monate nichts mehr essen, habe logischerweise sehr viel abgenommen, bekam es noch schlimmer mit den Nerven, Depressionen, Schübe, die ich niemandem wünsche. Panik, Unruhe. Am 6. September ist es ein Jahr und einen Monat her, und ich sitze hier immer noch fast jeden Tag und kann nicht aufhören zu weinen. Es ist so verdammt schwer. Und dann passiert es noch, dass eine Bekannte mir Grüße für zu Hause aufträgt. Aber wen soll ich denn noch grüßen? Wie lange soll ich das noch aushalten? Bei meinem Vater sind es über 16 Jahre und es zerfrisst mich immer mehr, und nun auch noch sie. Wie oft frage ich die beiden, was sie meinen, wie lange ich das noch aushalten und ertragen soll und ob man es mir nicht gestatten könnte, einfach hier Schluss zu machen. Ich glaube auch nicht, dass ich allein diess noch lange ertragen kann, dieses ewige Vermissen. Ich hänge in der Vergangenheit fest, momentan.

Ich hatte ihr verziehen. Mit dem Tag meiner Firmung. Und das habe ich auch in Gedichtform geschrieben, ihr mitgenommen, vorgelesen, ihr auf den Nachttisch gestellt. Ein Gedicht trägt den Titel "Vergeben". Ich war klar mit ihr, und ich wollte ihr das vermitteln und glaube, hoffe, dass es bei ihr angekommen ist... Was nicht so gut funktioniert, ist das Vergessen. Ich schreibe ja in Briefform an sie mein Tagebuch. Gestern Abend war ich stinksauer auf sie und schrieb das auch. Ich war so was von wütend und aufgewühlt. Mir wird hier in den Hintern getreten und nun kann ich schauen, wie ich zurecht komme. Heute morgen dann erlebte ich eine kleine positive Überraschung, so, als wäre es angekommen, was ich vorwarf.

Das mit dem Hass hast du richtig erkannt. Ich hasse ausschließlich mich, und das abgrundtief. Auf andere empfinde ich keinen Hass. Mich selbst hasse ich so sehr, dass ich manchmal an mich halten muss, um mich nicht selbst in Einzelteile zu zerlegen, damit endlich der größte Dreck der Welt entsorgt wäre... Und wenn diese Hassattacken richtig fett kommen, dann gehen die Orgien mit den Narben zufügen los, wie vor ein paar Wochen, und dann so, dass selbst mein Thera geschockt war.

Seit ein paar Tagen macht mir wieder zu schaffen, dass meine Mutter einmal, als sie gegen Abend auf die Intensiv verlegt wurde und ich sofort wieder zur Stelle war, ihr die Hand hielt (ja, das konnte ich vorher eine ganze lange Zeit nicht mehr) und stundenlang bis in den späten Abend hinein an ihrer Seite saß, zu mir plötzlich sagte: "Du bist ein gutes Kind". Ich habe mich darüber erschrocken, denn in über vierzig Jahren habe ich nie so etwas von ihr gesagt bekommen und nur zu gerne würde ich ihr sagen, es herausschreien: "Nein, verdammt, nimm diesen Satz zurück. Ich bin nicht gut, ich war nie gut. Ich war euch nie ein "gutes" Kind, mit Sicherheit nicht so, wie Ihr euch das so genannte Wunschkind vorgestellt habt." Ich will, dass sie diese Worte zurücknimmt, weil sie sich einfach geirrt hat.

Ein paar Wochen, bevor sie ins KH kam, das war dann fast fünf Jahre nach alledem, was mein Bruder und sie mir dann noch zusätzlich antaten, sagte sie zum ersten Mal: "Ja, ich weiß ja, dass es nicht richtig war." Warum, verdammt noch mal, konnte sie das nicht fünf Jahre früher sagen? Diese paar Worte, die hätten so vieles bewirkt und bewegt...

So, und letzte Nacht wie jetzt auch bin ich ganz unten angekommen und habe mir, weil ich nicht mehr zur Ruhe kommen konnte, einiges an Medis geworfen, mein Spezialcocktail, um mich für ein paar Stunden "wegzubeamen". Wertvolle Stunden, in denen alle Trauer, Gefühle, Gedanken ausgeschaltet sind, und das werde ich heute wieder tun. Wegbeamen. Nur ein paar Stunden, dann stehen die Gedanken unvollendet im Nirgendwo, und das ist manchmal auch gut so.

Sende dir gleich noch eine PN wegen dem Link.

Danke für deine Worte und danke für's Lesen.

Dir auch alles Liebe

*SuperGau*

02.09.2008 23:55 • #36


Hi Ihr Zwei,

Supi und Sherlock,

ich muss euch sagen ihr macht mir echt Mut, hier prickelt´s geradezu von Rebellion und Ausdauerschwimmen gegen den Strom... lach! Schön das zu lesen.

Gerade stelle ich fest, dass ich mich heute schon ziemlich empty geschrieben habe... es ging um die Einsamkeit, was sonst. Sie wird von allen Seiten begutachtet, begründet, es werden Tips zum Bekämpfen der Einsamkeit ausgetauscht und am Ende des Tages geht man zurfrieden ins Bett mit dem Gefühl, die Einsamkeit doch endlich mal richtig durchschaut zu haben, doch wenn man am nächsten Tag aufsteht, klopft sie schon wieder mehr oder weniger leise an die Tür - und man wartet gespannt auf die nächsten Gespräche...

Nein, natürlich geht es nicht so ewig, weil irgendwann mal ist alles gesagt und nichts getan, auch gut, das kennen wir schon von früher. Wobei ich mich eigentlich nicht beschweren sollte weil ich gerade dabei bin jemandem näher zu kommen, nicht von hier... und es momentan eine sehr schöne Zeit für mich ist. Wie ich es so heraus gelesen haben, ist euch beiden die Einsamkeit auch kein Dorn im Auge, Sherlock von dir weiß ich nocht nichts näheres, ich gebe zu, dass ich bis jetzt euren Schriftwechsel nicht verfolgt habe (gute Erziehung... lach... habe ich mir übrigens selbst organisiert) und deshalb werde ich ab jetzt der Supi schreiben...

Supi, du liest es bestimmt mit einem großen Entsetzen... ... ja, tatsächlich, du hast einen neuen Namen! den ich den alten Beiträgen entnommen habe, es muss ein junger Mensch gewesen sein, der dich so genannt hat, das bin auch... zumindest mental, also passt das gut (mir... lach). Also Supi weißt du du bist ein voll sozial integrierter Mensch, da kann das halbe Einsamkeit Forum nicht mithalten und ich wünsche es dir so sehr und auch deinen Erfolg mit dem Schreiben... haben wir doch schon mal gesagt dass dein Talent entdeckt werden muss und vielleicht bist du gerade auf dem richtigen Weg dazu.... weil ich um deom Leid weiß und um deine Tränen, geht mir doch genauso, die Vergangenheit lässt einen nicht los und von den geliebten Menschen wollte man sich nie trennen und die Welt hätte man sich auch besser ausdenken können. Mit der Axt und dem Vorschlaghammer unterwegs zu sein, das muss richtig gut tun! stell dir vor diese Wut würde niemals aus dir heraus kommen können... so ging es mir früher mit einem Menschen, ich war so oft kurz vor einer Explosion bis ich nicht mehr atmen konnte, ich habe es dir schon erzählt, dass BPS auch anders verlaufen kann, aber sicher weißt du das, steht in der Wiki dass die Leute keine Identität haben, sind leer und ausgebrannt und benutzen andere indem sie Teile von sich in sie projizieren, wobei sie dann den Selbsthass auf diese Leute übertragen. Man wird einerseits idealisiert, um dann vor einer Sekunde auf die andere abgrundtief gehasst, das könnstest du dir vielleicht so vorstellen, als wäre deine Mutter so zu dir gewesen... aber du hast so auch schon genug abgekriegt... vielleicht ähnlich wie ich, bei mir war es die schleichende durch eine Kränkungswut meiner Mutter, durch die sie mich im Schach gehalten hat ... ich ziehe jetzt eine Therapie durch, fange in zwei Wochen an... um mit dem Selbsthass denke bloß nicht dass ich ihn als Außenstehender betrachte, niemals, ich will aber jetzt nicht meine Guten Taten, die jetzt auch hoffentlich bald der Vergangenheit angehören werden groß ans Tageslicht ziehen, hätte auch wenig Sinn.

Dass du so viel und so stolz über dich schreiben kannst bewundere ich an dir... hey, dir geht´s ja gut und besser! Sich gegen die Macher aufzulehnen... geht doch, in der Hauptstadt werden immer wieder Demos organisiert. Ich habe heute einen bekifften Obdachlosen kennen gelernt... diese Leute, die Außenseiter mag ich auch am liebsten, diese verstellen sich nicht - und sie probieren mich während des Gesprächs auch nie umzukrempeln, sie respektieren auch dass ich dann weiter gehe und sind nicht aufdriglich. Dein Callb. ist aber nicht der Stalker, oder? Ja, wird schon ein anderer sein. Ist doch toll wenn er dich mag und du ihn, nur manchmal wenn man solche Freunde hat tut es einem um ihr Schicksal leid, ich erlebe das immer wieder und sage mir, man, warum muss der da auf diese Art leben, geht Freiheit nicht auch anders wenn man es auch anders verdient hat...

Supi, wir leben nicht ewig und die Tiere auch nicht. Darf ich dir zu Weihnachten junge Hunde schenken? So drei Stück und dann jedes Jahr einen kleinen dazu... ... ich habe früher Hunde nicht so wahnsinnig gemocht, weil sie auf dem Land viele meiner Katzen erledigt haben, das Umland hier ist eine unzivilisierte Gegend mit Menschen, die auch mal den Hass an den Tieren raus lassen, na klar, nach RK und unserer Verfassung ist die Katze nur eine Sache... dass ich nicht lache, (man, wo liegt denn jetzt mein Vorschlaghammer... lach)...manchmal habe ich echt schon darauf gewartet, dass sie beim Feuerwehrfest nebenbei auch ein paar Hexen verbrennen und darauf mit Hefe-Weizen anstoßen werden, nein, ich hatte Glück, ich wäre sicher die erste gewesen schon alleine aus dem Grund, dass ich nicht im Dorfumkreis von 1.5 km geboren wurde. Den Knut habe ich mitgekriegt, wir hatten aber auch die Flocke in Nürnberg... yowz.... so was ist in der Tat unbeschreiblich. En effet... kannst du französisch, kommst doch bestimmt aus dem Grenzgebiet wegen deinem "Salü"? Hast du zufällig den Film Unsere Erde gesehen? Da war auch so ein kleiner weißer Knirps, der seinem Mutter-Bär hinterher tappste und dabei so lustige Geräusche machte, dass alle Jugendlichen im Kino laut lachten. In dem Film ist no people, no civilization, nichts der gleichen, nur die Natur und Tiere. Allerdings geht es da um die Folgen der Klimaerwärmung, woran die weißen Knäuel jetzt schon zu knabbern haben, bzw. immer weniger zum Knabbern haben weil der arktische Sommer immer länger wird und die Eisschollen - ihre Jagdgebiete - davon schmelzen.

Und das wollte ich dir noch sagen, wenn du mal an *Sch... haufen* denkst, kannst du nicht versuchen deine Seele herauszuhalten, die ist ja der Fahrstuhl ins Jenseits wo deine Liebsten sind und irgendwann mal auch die Hundis... und dann musst du auch nicht weinen wenn du daran denkst, denn alles wird gut und man sieht sich wieder. Falls du mal ein funktionierendes Handy hast .... , könntest du mir ein Foto von dir schicken wenn du in action bist, ich werde es mir an die Wand hängen und darunter MUT schreiben, ich find´s super mit den Gefühlen so umzugehen.

Supi, ich wünsche dir was, süße Träume, schmerzfreie Tage... liebe Sherlock dir auch-
und lasst euch nicht unter kriegen ja?... ich komme aber auch so wieder!

Isis

03.09.2008 23:44 • #37



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf