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Malin2

Malin2
Mitglied

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Ich habe die letzten zwei Jahre immer gedacht ich brauche viel mehr Unterstützung. Meine Therapeutin hat mir nun eine Art Betreuung vermittelt, die ist aber kein Sozialarbeiter sondern jemand der privat, wie ehrenamtlich arbeitet. Durch diese fühl ich mich völlig überfordert, bevormundet, gestresst. Beide können nicht nachvollziehen das ich nicht mehrere Termine pro Woche schaffe und auch nicht jede Woche zu Ärzten kann. Alleine komme ich nur sehr langsam voran, weil es mir schwer fällt z. B. Termine irgendwo zu vereinbaren. Mit Druck komme ich aber überhaupt nicht zu recht und bewirkt nur absoluten Rückzug. Jetzt weiß ich nicht weiter, fühl mich unverstanden und noch mehr in der Angstspirale gefangen. Sollte ich ihr das so direkt sagen? Wie sind eure Erfahrungen mit Betreuern? Für freie Plätze bei einer Sozialarbeiterin (Wohnbetreuung) gibt es hier nur Wartelisten, mit vielen Monaten Wartezeit. Ich Zweifel gerade sehr ob ich mir damit nur mehr Probleme schaffe als ich jetzt schon habe.

09.01.2026 #1


10 Antworten ↓


KiraStuttgart26
Keiner kann dies besser beurteilen als du selbst.
Du solltest die Regie in dem ganzen führen und Grenzen abstecken, wo erforderlich. So wie du es schreibst , tut es dir nicht gut, wie es organisiert wird und dir wird nichts bleiben außer es auch klar zu kommunizieren.

x 3 #2


A


Bin ich auf dem falschen Weg?

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KiraStuttgart26
Achso und ich bin der Meinung dass die Betreuungsperson absolut auch mit Rückmeldung umgehen müssen, die nicht konform mit ihren Vorgehensweisen ist.
Ich meine du bist ein mündiger Mensch , wie schrecklich wäre es , wenn man sich da nicht auf Augenhöhe austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen kann. Dieses Gefühl auf jemanden angewiesen zu sein stell ich mir darüber hinaus nicht leicht vor aber da Gespräch kann man und sollte man immer suchen wenn man etwas ungünstig läuft.
Du lernst ja auch in deiner Therapie wie man ein ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse entwickelt und diese auch ernst nimmt.

x 4 #3


Darkshadow
Hallo Malin2,

ich kann dich total gut verstehen, mir ist es ganz ähnlich ergangen.
Vorweg schonmal gesagt: Ich habe meine Unterstützungs-Angebote heruntergefahren, als es mir zu viel wurde, ich war auch irgendwann überfordert.

Ich habe inzwischen auch nicht mehr genug Energie, um mehrere Termine pro Woche wahrnehmen zu können. Ich habe meine ambulante Pflege/Betreuung für den Moment ausgesetzt, weil es bei mir auch so war, dass die ganzen Termine irgendwann mehr Stress als Hilfe waren.

Ich habe zu meinem letzten Pfleger/Betreuer eigentlich ein gutes Verhältnis gehabt, daran hat es nicht gelegen. Davor hatte ich mal eine Dame, mit der ich gar nicht zurechtgekommen bin, da habe ich zum Glück gleich die Reißleine gezogen und bei dem Pflegedienst Bescheid gesagt, dass das nicht funktionieren wird, dann hat man mir jemand anderen zugeteilt. Es handelte sich aber um einen offiziellen ambulanten psychiatrischen Pflegedienst und war nicht privat vermittelt.

Vor noch gar nicht langer Zeit habe ich pro Woche recht viele therapeutische Termine gehabt, da war ich aber auch noch körperlich fitter und psychisch instabiler.
Inzwischen ist das anders. Ich bin zwar immer noch psychisch instabil, aber meine Energie-Ressourcen sind deutlich zurückgegangen und ich schaffe einfach weniger am Tag.

Zusätzlich hatte ich zwischendurch mal einen sehr guten Klinik-Oberarzt, mit dem ich länger zusammengearbeitet habe, der eine ganz klare Meinung vertreten hat, die besagte:

„Zu viel Unterstützung schadet vielen Patienten mehr als dass es ihnen nutzt. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit leidet darunter, und das ist kritisch zu sehen.“

Er hat mir den Mut gegeben, wieder mehr auf meine eigene Wahrnehmung zu vertrauen und mich nicht mehr so in Richtungen drängen zu lassen, die mir nicht guttun.
Ganz klar, manchmal braucht man auch mal etwas „freundlichen Druck“, um aus einer möglichen Vermeidungs-Haltung wieder herauszufinden und wichtige Dinge anzugehen,

aber wenn man merkt, dass man in die Überforderung rutscht, sollte man darauf hören.

Seitdem heißt es für mich: weniger ist mehr.
Ich mache lieber weniger Termine und die dafür richtig
als mich von Termin zu Termin zu quälen, ohne davon profitieren zu können.

Ja, einige Sachen dauern dadurch länger. Ich brauche jetzt vielleicht einen Monat, um zu erledigen, wofür ich früher nur eine oder zwei Wochen gebraucht habe, aber das ist ok für mich, da es meinem aktuellen Zustand entspricht.
Vielleicht wird das auch mal wieder anders, aber da kümmere ich mich dann darum, wenn es wieder soweit ist. Aktuell ist es ok, dass ich nur das Nötigste schaffe und einfach viele Pausen und Ruhezeiten benötige.

Und für mich persönlich ist es auch ganz wichtig, immer ein Auge darauf zu haben, dass man nicht in eine Art der Abhängigkeit rutscht. Das kann schnell passieren, wenn man zu viel Eigenverantwortung abgibt und sich zu sehr auf andere Menschen verlässt, das kann schnell dazu führen, dass man sich schrittweise immer weniger zutraut und das Gefühl der Selbstwirksamkeit in den Keller geht.
Das ist genau dieser Effekt, vor dem der Oberarzt auch gewarnt hat.

Denn auch wenn wir psychisch krank sind, sind wir trotzdem mündige Menschen, die für sich immer noch selber entscheiden dürfen und auch sollen, wo unsere Entwicklungs-Reise gerade hingeht.
Natürlich ist es wichtig, dass man die Unterstützung annimmt, die man tatsächlich benötigt, das ist ganz wichtig. Aber darüber hinaus ist es immer noch unser freier Wille, unser Leben selber zu gestalten. Und da ist es dann auch völlig ok, zu sagen, dass man aktuell gerade nur das machen möchte, was tatsächlich auch geht und uns guttut.
Es hilft ja auch nichts, wenn man sich mit zu viel eigentlich gut gemeinten therapeutischen Angeboten völlig erschöpft.
Alles zu seiner Zeit.

Vielleicht kommst du ja auch irgendwann wieder in eine Phase, in der es dir besser geht und du wieder mehr machen kannst und möchtest, aber aktuell klingt es für mich bei dir eher so, als wenn deine aktuelle therapeutische Aufgabe vielleicht eher sein könnte, deine Grenzen zu kommunizieren und für deine Grenzen einzustehen, das ist ja auch eine wichtige therapeutische Aufgabe.

Dein Gefühl der Selbstwirksamkeit ist ganz wichtig, du bist im Endeffekt für dich verantwortlich und entscheidest für dich. Sich die Eigenverantwortung zu sehr aus der Hand nehmen zu lassen, kann in die völlig falsche Richtung führen.

Und manchmal wollen Therapeuten auch einfach zu schnell zu viel, das habe ich auch ganz oft selber erlebt und beobachtet.
Manchmal ist weniger mehr. Natürlich soll man nicht in die Vermeidungs-Fälle tappen, aber:

Das therapeutische Angebot muss immer auf die aktuellen Energie-Ressourcen des Patienten angepasst sein. Und du entscheidest selber, wie viel du gerade machen kannst. Du bist ja auch diejenige, die mit den Folgen leben muss, wenn du für längere Zeit in der Überforderung lebst. Therapeuten können Vorschläge machen, aber im Endeffekt du bist diejenige, die in ihrem Körper lebt und die das letztendlich wirklich einschätzen kann. Und auch als Patient darf man „nein“ zum Therapeuten sagen. Trau‘ dich, dir selber zu vertrauen.

Alles Gute für dich ! LG

x 5 #4


Hopeso
@Malin2 Hallo. Ich kann meinen Vorrednerinnen nur zustimmen. Mir sind auch mehrere Termine pro Woche zu viel und ich fühle mich dann dauergestresst und dauerüberfordert.
Anfangs dachte ich auch ich müsse mir ein sicheres psychiatrisches Netz aufbauen um bloß nicht noch tiefer zu fallen. Ich habe fast wöchentlich Verhaltenstherapie, dazu hab ich anfangs alle 4 Wo meinen Psychiater gesehen und habe eine Soziotherapeutin, die auch für jede 2te Woche angedacht war. All das ist ja nur für die Psyche.... dazu muss man ja auch mal zu anderen Ärzten oder andere Dinge erledigen. Schnell hab ich gemerkt,dass mir das alles über den Kopf wächst und das auch mit der Soziotherapeutin kommuniziert. Auf meinen Wunsch hin sehen wir uns nur noch 1x/Mon. Sie ist damit nicht ganz einverstanden, weil manchmal Sätze fallen wie Sie wollen mich ja nicht öfter sehen. Leider zeigt mir das nur,dass sie meine Erkrankung überhaupt nicht nachvollziehen kann und auch ab und an fragt was genau mich denn stresst. Ehrlich gesagt im Grunde alles. Ich bin keine von der Sorte, die mal einen sachten A-tritt braucht um endlich etwas zu tun, sondern genau das Gegenteil. Ich mache mir selber zu viel Druck und meine noch immer mit leerem Akku mehr leisten zu müssen. Mittlerweile ist es mir egal, ob es der Sozio gefällt,denn es geht um mich....und ich bin mit 2 Terminen pro Woche leider überfordert. Und genau so solltest auch Du zu Dir und Deinem Gefühl stehen und ganz klar kommunizieren, wenn es Dir zu viel (Druck) ist. Viel hilft nicht immer viel und nur Du weisst wie es sich anfühlt.
Mein Psychiater ist von alleine zurückgerudert und wir sehen uns nur noch 1x/Quartal. Allerdings ist das leider auch der Tatsache geschuldet,dass er eigentlich nichts mehr unternimmt außer immer dieselben Tabletten verschreiben (die kaum wirken). Die einzige, die meine Situation anscheinend wirklich versteht ist meine Therapeutin. Sie schlug schon vor unsere wöchentl Termine auf alle 2 Wo zu ändern, da sie nicht diejenige sein möchte wegen der ich so viel Stress habe. Ich habe es erstmal bei wöchentl belassen aber sage ca jeden 4ten Termin ab. Leider hab ich noch viele Nebenbaustellen u dadurch trotzdem durchschn. 2 Termine/ Wo oder auch mal max 3. ....danach geht allerdings tagelang nichts mehr.
Ich denke Du solltest das genauso klar kommunizieren wie Du es hier geschrieben hast. Ein falsch und richtig gibt es dabei erstmal nicht. Es geht um Dich und Deine Gesundheit. Man wird bestimmt nicht fitter, wenn man sich permanent gestresst und unter Druck gesetzt fühlt. Viele Gesunde oder Fachleute verstehen das leider nicht und deshalb ist es wichtig, dass Du Deine Grenzen ziehst und kommunizierst.
Steh zu Dir - Selbstfürsorge!
Alles Gute!

x 6 #5


Cbrastreifen
Zitat von Malin2:
Jetzt weiß ich nicht weiter, fühl mich unverstanden und noch mehr in der Angstspirale gefangen. Sollte ich ihr das so direkt sagen?

Ja.

#6


Cbrastreifen
Zitat von Hopeso:
Auf meinen Wunsch hin sehen wir uns nur noch 1x/Mon. Sie ist damit nicht ganz einverstanden, weil manchmal Sätze fallen wie Sie wollen mich ja nicht öfter sehen. Leider zeigt mir das nur,dass sie meine Erkrankung überhaupt nicht nachvollziehen kann und auch ab und an fragt was genau mich denn stresst. Ehrlich gesagt im Grunde alles. Ich bin keine von der Sorte, die mal einen sachten A-tritt braucht um endlich etwas zu tun, sondern genau das Gegenteil. Ich mache mir selber zu viel Druck und meine noch immer mit leerem Akku mehr leisten zu müssen.

Jeder Mensch hat sein Tempo, zudem ist auch noch Winter, da ist biologisch Winterschlaf angesagt und dazu kommt, dass unsere 'Leistungsgesellschaft' relativ erbarmungslos ist, man ist dort nur ein Mensch, wenn man arbeitet.

Das wäre zwar die Systemfrage, die würde ich nicht zwingend gegenüber Menschen erörtern, die in dem System arbeiten, aber man selbst kann und sollte sich vielleicht fragen, was man eigentlich will, wenn man nicht kann.
Man kann sich auch bewusst entschließen, den einen oder anderen Irrsinn nicht mitzumachen.

Zitat von Hopeso:
Ich denke Du solltest das genauso klar kommunizieren wie Du es hier geschrieben hast. Ein falsch und richtig gibt es dabei erstmal nicht. Es geht um Dich und Deine Gesundheit. Man wird bestimmt nicht fitter, wenn man sich permanent gestresst und unter Druck gesetzt fühlt. Viele Gesunde oder Fachleute verstehen das leider nicht und deshalb ist es wichtig, dass Du Deine Grenzen ziehst und kommunizierst.
Steh zu Dir - Selbstfürsorge!

x 2 #7


Cbrastreifen
Zitat von Darkshadow:
Das therapeutische Angebot muss immer auf die aktuellen Energie-Ressourcen des Patienten angepasst sein. Und du entscheidest selber, wie viel du gerade machen kannst. Du bist ja auch diejenige, die mit den Folgen leben muss, wenn du für längere Zeit in der Überforderung lebst. Therapeuten können Vorschläge machen, aber im Endeffekt du bist diejenige, die in ihrem Körper lebt und die das letztendlich wirklich einschätzen kann. Und auch als Patient darf man „nein“ zum Therapeuten sagen. Trau‘ dich, dir selber zu vertrauen.

Jou!

Das ist nur leider oft das, was man sich in Situationen der Überforderung nicht zutraut. Ich habe im Rahmen einer Angsterkrankung mal eine Verhaltenstherapie gemacht, die ein völliger Schuss in den Ofen war, was ich dort allerdings lernte, war mich abzugrenzen und 'Nein' zu sagen. Von allen anderen Therapieformen habe ich mehr und deutlich profitiert.

Ein anderer Therapeut meinte später, dass das Üben an sich schon okay sein, nur sollte ich es in Eigenregie tun, nicht nach dem starren Fahrplan der (damaligen) Verhaltenstherapie.

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Malin2
@darkshadow vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das hat mir sehr geholfen, ist irgendwie beruhigend zu wissen das nicht nur ich so schnell überlastet bin. Mehr als ein Termin pro Woche geht nicht, wenn dann noch was anderes ist wie Handwerker oder so, brauche ich mehrere Tage zur Erholung. Für mich ist das alles Angst, Stress, funktionieren müssen. Meine Therapeuten ist sicherlich auch der Ansicht das alles zu lange dauert und eigentlich wollte sie eine Traumatherapie beginnen. Dafür bin ich viel zu kaputt.

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Malin2
@Hopeso , danke für deine Antwort. Ich fühl mich immer so als müsste ich täglich Probleme abarbeiten, kann ich aber nicht. Ich werde beim nächsten Termin sagen das es mir zu stressig ist. Sie will mir zwar helfen aber vielleicht kann man mir nicht wirklich helfen.

#10


Hopeso
@Malin2 Ja, das kann ich gut verstehen. Ich fühle mich auch so als bestünde mein Dasein nur noch aus dem Abarbeiten von Problemen (Terminen, Klärungen etc) dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher als mal zur Ruhe zu kommen. Bin schon gestresst, wenn ich weiss was nächste Woche wieder ansteht.
Du solltest auf jeden Fall äußern, dass Dir das zu viel ist. vielleicht findet ihr einen besseren, gemeinsamen Weg und wenn nicht dann war sie halt nicht die Richtige für Deine Situation.
Auch das denke ich öfter, dass ich quasi ein hoffnungsloser Fall bin. Ich schätze aber das gaukelt uns eher die psychische Erkrankung vor. Natürlich muss man im Rahmen seiner Möglichkeiten auch mitarbeiten aber die Möglichkeiten sind halt aktuell sehr gering und somit ist es wichtig auf sich selbst zu hören. Nur Du spürst Deine Grenzen und es sollte sich nicht ständig wie ein zu viel oder das packe ich nicht mehr anfühlen.

#11


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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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