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Hallo,
Ende letzten Jahres stand ich unter großen Druck in der Arbeit und habe auch zum ersten Mal in meinem Leben Panikattacken bekommen und zwar auch gleich in vollem Umfang. Bei mir hat sich direkt Dauerschwindel mit ca. 10 Panikattacken am Tag geäußert und zwar über 2 Monate täglich. Ich wurde natürlich auch ausgiebig neurologisch und kardiologisch gecheckt, aber alles in Ordnung. Ich wollte nicht wahrhaben, dass es psychisch ist und meinte es muss eine körperliche Ursache dafür geben, schnell bin ich auf Gluten und Zucker gekommen und habe es seitdem komplett weggelassen. Es wurde auch tatsächlich besser, jedoch nicht vollständig, ich hatte dennoch noch Panikattacken, nur nicht mehr 10 pro Tag. Das kann aber natürlich auch ein Zufall sein, einmal habe ich komplett unwissend Gluten gegessen, es erst am nächsten Tag gemerkt und hatte keine Panikattacke!
Nun hat sich mit diesen Gluten- und Zuckerverzicht eine ausgesprochene Angst vor Allergien entwickelt. Angst bei Nüssen, bei allen allergisch zu reagieren. Deshalb kann ich eigentlich gar nicht mehr auswärts essen, weil ich ja nicht weiß was in dem Essen drin ist. Ich esse nur sehr wenig, und eigentlich fast nur Maisnudeln, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fleisch. Mittlerweile habe ich schon 18 kg abgenommen. Zugegeben, ich habe mich vorher sehr ungesund ernährt und war übergewichtig, und jetzt sehr gesund und bin mittlerweile schlank.
Ich habe übrigens noch nie in meinem Leben auf irgendetwas allergisch reagiert - ich hatte früher vor vielen Jahren mal Heuschnupfen - da haben meine Augen etwas getränt -, mittlerweile aber seit Jahren nicht mehr. Da hab ich dann auch viel von Kreuzallergien gelesen und nun wieder immer Angst vorm Essen. Mittlerweile schaffe ich es minimini Portionen zu probieren, und wenn ich dann nach 20 Minuten keinen anaphylaktischen Schock hatte, dann traue ich mich erst den Rest zu essen. Was natürlich zur Folge hat, dass auswärts das Essen kalt ist und alle mich fragen was denn los wäre warum ich nicht esse? Meist gehe ich dann auf Toilette gucke auf die Uhr bis die 20 Minuten rum sind und erst dann traue ich mich weiter zu essen.
Meine Therapeutin ist mir in dem Punkt leider keine sehr große Hilfe, sie meinte dass es sicher nicht schlecht ist auf alles Ungesunde weiterhin zu verzichten. Leider hat es die Corona Epidemie auch noch verschlechtert, weil ich dadurch natürlich nicht üben konnte außerhalb zu essen. Mittlerweile kann ich wieder alles essen aber eben nur mit diesen 20 Minuten Test ob ich allergisch reagiere, außer eben Gluten. Gestern zB war ich mit meinem Freund in der Stadt, da habe ich so ein hartes Käsewürfelding angeknabbert aus Höflichkeit, dann hat sich aber das doch sehr mehlig angefühlt, habe dann auch gefragt ob da Weizen drin ist? Meinte er ja. Und ziemlich genau 10 Minuten später hatte ich eine Panikattacke sogar mit einem richtigen Kratzen im Hals. Außerhalb dieser Angst allergisch zu reagieren habe ich eigentlich gar keine Panikattacken mehr.
Ich denke meine Angst vorm Essen habe ich deshalb entwickelt weil ich nicht glauben wollte, dass meine Panikattacken keine körperliche Ursache hatten. Und das war dann sozusagen für mich der einzige logische Grund.
Die Frage ist, wie schaffe ich es wieder einfach normal mein Leben zu genießen wie früher? Einfach mal eine große Portion was Unbekanntes essen ohne den 20 Minuten Test? Es fällt mir unglaublich schwer, weil ich weiß ja, dass vermutlich dann eine Panikattacke kommt und genau deshalb mache ich es nicht, weil ich meinem Freund nicht schon wieder dann den Ausflug verderben will. Zuhause könnte ich es nur probieren, traue mich das aber nur wenn jemand da ist, weil wenn mir allein was passiert ist ja keiner da der den Krankenwagen rufen könnte. Das ist auch noch so ein Problem, die Angst alleine zu sein, weil falls etwas passiert keiner den Krankenwagen rufen kann.
Wie er seht bin ich voller Angst und das nervt mich selber. Ich war früher der mutigste Mensch überhaupt, ich war 1,5 Jahre alleine auf Weltreise, ich war Bungee Jumping und habe alles gegessen und trotz mehreren Lebensmittelvergiftungen nie Angst gehabt. Diese plötzlichen Panikattacken letztes Jahr haben mich ordentlich verdorben. Und auch wenn ich es mal schaffe eine große Portion Unbekanntes zu essen, habe ich das nächste Mal trotzdem wieder Angst.
Kennt sich damit jemand aus. Hilft hier nur die Konfrontationstherapie? Also jeden Tag etwas Neues essen? Meine Therapeutin rät mir übrigens von Allergietests ab, sie meinte das würde es nur schlimmer machen und viel Geld kosten (Ich hatte nämlich vor mich auf fast alles an Allergien testen zu lassen) um dann keine Angst mehr haben zu müssen.
Hat oder hatte hier jemand das gleiche Problem und konnte er es überwinden?
Danke und viele Grüße
13.06.2020 16:01 •
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