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Hallo ihr Alle,
ich bin neu hier und versuche mal, ein bisschen über mich zu erzählen. Ich bin 30 Jahre alt und lebe das erste Mal in meinem Leben in einer gesunden Beziehung, ich habe 2 Kinder, einen tollen Job und eigentlich könnte man von außen meinen, dass es mir gut geht.
Leider tut es das nicht. seit vielen Jahren bin ich krank, weil mein Leben es die ersten 20 Jahre nicht sonderlich gut mit mir gemeint hat. Ich habe schon viele Therapiestunden "abgesessen" und konnte auch schon einiges lernen. Doch seit einigen Wochen merke ich, dass es mir immer schlechter geht, sodass ich jetzt die Reißleine gezogen habe.
Ich versuche, mich Menschen, die mir nahe stehen anzuvertrauen, aber bei den meisten fühle ich mich wirklich seltsam. ich habe nur einen kleinen Kreis um mich, aus Sicherheitsgründen, und doch habe ich manchmal das Gefühl mit meiner unspezifischen, oft irrationalen Angst und den daraus resultierenden Schwierigkeiten, einfach als irre und verrückt wahrgenommen zu werden. Ich versuche oft, mich meiner Schwester anzuvertrauen. wir haben einen sehr großen Altersunterschied und immer wieder denke ich, dass sie, aufgrund ihrer Erfahrungen in ihrem Leben, manche meiner Dinge nachvollziehen kann oder vielleicht sogar verstehen kann. Aber tatsächlich gab sie mir bei unserem letzten Gespräch, ich denke mal unabsichtlich, das Gefühl, verrückt geworden zu sein.
Ich erzählte ihr von Bärbel, meiner Depression, und davon, wie es sich aktuell äußert. ich sagte ihr, dass ich am morgen vorher fast anderthalb Stunden gebraucht habe, um meine Schuhe anzuziehen. Ich versuchte das Gefühl in Worte zu fassen, was ich als sehr schwierig empfinde. Weil wie benennt man etwas, von dem man selbst nicht weiß, wie es heißt?
Ich sagte: " Es ist wirklich schwer in solchen Momenten. Jeder Teil deines Körpers schmerzt und der ganze Körper fühlt sich schwer an. ich fühle mich schwer" da kam ihr erster Einwand mit den Worten " Jow, du und schwer. Du wiegst doch nicht mehr als ich und fett fühlen musst du dich ganz sicher nicht" Ich habe versucht, es ihr zu erklären, dass es nicht um "dünn sein" geht. Sondern darum, dass ich meinen Körper nicht bewegen kann, weil er sich tonnenschwer anfühlt. als würde man versuchen, Betonplatten ohne Hilfe anzuheben. Das schien sie verstanden zu haben und sagte dann: "aber du weißt schon, dass das Schwachsinn ist und sich das Gewicht deines Körpers nicht verändert, nur weil du einen schlechten Tag hast?!" Wir redeten danach weiter und je mehr ich redete, desto mehr bekam ich das Gefühl, verrückt zu sein.
Meine Angst beherrscht meinen ganzen Tag, die körperlichen Symptome sorgen dafür, dass ich schnell erschöpft bin. Für mich, in meiner eigenen kleinen Kopfwelt ist das alles stimmig, aber sobald ich es laut aussprechen muss, bekomme ich nicht nur das Gefühl verrückt zu sein, ich werde auch so angesehen und angesprochen.

Aber die Angst ist doch real auch wenn ich in 98% der Fälle nicht genau sagen kann, was zu dieser unbändigen Angst führt. Und jedes Mal, wenn mir das Gefühl gegeben wird, die Irre zu sein, wird die Angst größer und die Symptome stärker.

Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Habt ihr auch manchmal das Gefühl verrückt zu sein? Was macht ihr um euch wieder zu Erden, wenn die Angst so groß wird? Habt ihr es manchmal auch, dass es eine rationalen Teil eures Gehirns gibt, der auch in der Angst weiß, dass es eigentlich keinerlei Bedrohung gibt, aber ihr kommt trotz allem nicht raus?

Vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps und/oder Ratschläge, eigene Erfahrungen, die ihr mit mir teilen wollt?!

Alles Liebe für euch

03.09.2021 09:04 • 08.09.2021 x 1 #1


13 Antworten ↓


moo
Willkommen flecktarnherz,

immer wieder beeindruckend, welche Namenskreationen es hier gibt .

Zitat von flecktarnherz:
Doch seit einigen Wochen merke ich, dass es mir immer schlechter geht, sodass ich jetzt die Reißleine gezogen habe.

Welche Art von Reißleine hast Du genau gezogen?

Zitat von flecktarnherz:
Wir redeten danach weiter und je mehr ich redete, desto mehr bekam ich das Gefühl, verrückt zu sein.

...weil die Wahrnehmung immer völlig individuell ist, gibt es in der Kommunikation nur Konsens bis zu einem gewissen - "handelsüblichen" - Grad. Alles, was außerhalb dieser verbal vertrauten Grenzen liegt, ist riskantes Gebiet und läuft Gefahr, missverstanden zu werden. Für manche Emotionen gibt es auch leider keine treffliche Formulierung - auch das kann Angst auslösen.

Zitat von flecktarnherz:
Für mich, in meiner eigenen kleinen Kopfwelt ist das alles stimmig, aber sobald ich es laut aussprechen muss, bekomme ich nicht nur das Gefühl verrückt zu sein, ich werde auch so angesehen und angesprochen.

Warum versuchst Du es (offenbar immer wieder?), anderen Dein Erleben zu beschreiben?

Vorschlag: Versuche mal, die Sprache als "Vermittler" einfach wegzulassen. Nimm Dir stattdessen keine Alternative vor sondern gib Deinem Geist Zeit und Muße, sich selbst in Ruhe zu lassen. Nur weil Du dann eben nicht darüber sprichst, bleibt Deine Kopfwelt nicht Dein Geheimnis.
Wir glauben, dass wir mit dem Benennen (Formulieren) von "Gefühls- bzw. Erlebenswelten" irgendwas "sichern", klarstellen, verstehen etc. Im Gespräch mit anderen suchen wir so eine gewisse Beruhigung durch Feedback, Verständnis, Spiegelung - letztendlich: Bestätigung.
Dadurch soll eine im Grunde völlig unkontrollierbare Angelegenheit (hier: unser individuelles Erleben) "realisiert" werden, also "etabliert" und vor allem objektiviert werden.

Zitat von flecktarnherz:
Habt ihr es manchmal auch, dass es eine rationalen Teil eures Gehirns gibt, der auch in der Angst weiß, dass es eigentlich keinerlei Bedrohung gibt, aber ihr kommt trotz allem nicht raus?

Das dürfte jedem "routinierten" Ängstler vertraut sein, ja.

03.09.2021 09:48 • x 2 #2



Die Angst vor der Angst oder die Angst, die Irre zu sein

x 3


Zitat von moo:
immer wieder beeindruckend, welche Namenskreationen es hier gibt


Ein gut getarntes Herz kann nicht so schnell gefunden und gebrochen werden


Zitat von moo:
Welche Art von Reißleine hast Du genau gezogen?


Ich habe meinem Chef gesagt, dass ich eine Auszeit brauche und habe den Gang zum Arzt gewagt und auch meine Psychiaterin angerufen. Ich habe mich aus dem Alltag so gut es geht rausgenommen.


Zitat von moo:
Warum versuchst Du es (offenbar immer wieder?), anderen Dein Erleben zu beschreiben?


Es ist ja nicht nur so, dass ich mit meiner Schwester gesprochen habe. genau so geht es mir auch, wenn ich mit den Ärzten spreche oder wenn ich es meiner Therapeutin erzählt habe. solange es in meinem Kopf ist, macht es Sinn und sobald ich es laut sagen muss, ist es völlig irrational und verrückt...


Zitat von moo:
Das dürfte jedem "routinierten" Ängstler vertraut sein, ja.


ich habe mich tatsächlich noch nie mit Menschen, denen es ähnlich geht wie mir, ausgetauscht. Mich hier anzumelden war einfach ein Versuch, mir vielleicht selbst etwas Hilfe oder Unterstützung zu suchen und im Besten Fall zu finden.

Ich bin eher ein Einsiedler,... ich habe bewusst nur wenige Menschen um mich und nur eine Hand voll, die ich an mich ran lasse. Richtige Kontakte zu knüpfen fällt mir sehr schwer, deswegen hoffe ich ein bisschen auf die Anonymität des Internets...

Zitat von moo:
Wir glauben, dass wir mit dem Benennen (Formulieren) von "Gefühls- bzw. Erlebenswelten" irgendwas "sichern", klarstellen, verstehen etc.


Vielleicht ist es ein Akt der Verzweiflung von mir, weil ich mich bemerkbar machen möchte... oder weil ich nicht weiter so behandelt werden möchte nach dem Motto "Einbildung ist auch ne Bildung... Du brauchst nur wieder einen Grund für Aufmerksamkeit... du bist faul... man kann sich auch anstellen,...." ich weiß es nicht....



I

03.09.2021 10:18 • x 1 #3


Liebe flecktarnherz,
viele Menschen leiden unter Angststörungen, circa vierzehn von hundert. Andere können deine Zustände nur verstehen, wenn sie ähnliches selbst erlebt haben oder wenn sie so einfühlsam sind, dass sie einen gewissen Sinn dafür haben und dich vor allem ernst nehmen. Suche dir genau aus, wem du es erzählst. Viele Menschen können es nicht verstehen, sich nicht einmal vorstellen und erklären kann man es ihnen kaum. Therapie, Bewegung, sich trotzdem voll am Leben beteiligen, gegebenenfalls Medikamente, sind einige der Methoden, um wieder besser drauf zu kommen. Wichtig ist es, dich nicht zu überfordern. Nur zwei Arten von Aufgaben und Tätigkeiten solltest Du ausüben: 1. Das, was getan werden muss, wobei man da vieles reduzieren kann, von dem man denkt, man müsse es tun, dabei muss man es gar nicht, sondern man tut es nur aus Gefälligkeit anderen gegenüber. 2. Das, was Du liebst und das Dir guttut. Dazwischen sind kleine Inseln der Ruhe und Besinnung sehr wohltuend und helfen, aus dem inneren Angststress heraus zu kommen.
Liebe Grüße

03.09.2021 10:27 • x 3 #4


Vor 2 Jahren war ich sehr lange krank, meine gesammelten Werke an Macken haben mich ausgeknockt. 9 Monate lang ging gar nichts. In der Zeit haben ambulante Therapie, Medikamente und eine stationäre Therapie wirklich geholfen und ich konnte viel nützliches mitnehmen. Ein Jahr lang ging es mir gut, es gab sehr wenige dunkle Tage und ich konnte mich normal fühlen... bis vor 2 Monaten, als meine PTBS getriggert wurde. aber erstmal dachte ich, dass ich das ganz gut weggesteckt habe, aber dann nahm die Angst plötzlich so rasant an Macht und Größe an, dass nicht mal ich das so kenne, Die Angst selbst war eigentlich immer nur so ein Nebenläufer, die Symptome da, aber die von Bärbel und die meines Traumas waren immer stärker. Jetzt ist es das erste Mal, dass die Angst die Überhand hat... und ad überfordert mich wahnsinnig. das ist neu und neue Dinge sind grundsätzlich blöd und die will ich auch nicht.
Die Angst hat mir noch nie so viel Energie gezogen... Ich liebe meinen Job, er erdet mich, fängt mich auf und gibt mir ein gutes Gefühl. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.. umso schwerer ist es aktuell zu akzeptieren, dass ich damit eine Pause machen muss, weil die Angst so viel Energie zieht, dass es nicht mal mehr zum Anziehen morgens reicht ohne mehrere Pausen zu machen... das macht mich traurig und dann kommt Bärbel, die dem ganzen einfach noch ein Hütchen aufsetzt.
ich versuche mich nicht zu sehr hängen zu lassen und wenigstens ein bisschen auf mich zu achten, aber egal was ich mache... über allem steht die Angst und ich weiß nicht, warum es diesmal so ist...

so so so frustrierend...

03.09.2021 10:44 • x 1 #5


moo
Zitat von flecktarnherz:
ich habe mich tatsächlich noch nie mit Menschen, denen es ähnlich geht wie mir, ausgetauscht. Mich hier anzumelden war einfach ein Versuch, mir vielleicht selbst etwas Hilfe oder Unterstützung zu suchen und im Besten Fall zu finden.

Sicher ein gutes Ansinnen. Noch erfolgsversprechender finde ich eine SH-Gruppe in Richtung Angststörung.

Zitat von flecktarnherz:
Vielleicht ist es ein Akt der Verzweiflung von mir, weil ich mich bemerkbar machen möchte... oder weil ich nicht weiter so behandelt werden möchte nach dem Motto "Einbildung ist auch ne Bildung... Du brauchst nur wieder einen Grund für Aufmerksamkeit... du bist faul... man kann sich auch anstellen,...." ich weiß es nicht....

Wäre schon möglich. Aber wenn ich es recht verstehe, verschlechtert Dein Versuch der Erklärung die Sache eher?

Zitat von flecktarnherz:
Jetzt ist es das erste Mal, dass die Angst die Überhand hat... und ad überfordert mich wahnsinnig. das ist neu und neue Dinge sind grundsätzlich blöd und die will ich auch nicht.

Vielleicht lag seinerzeit der therapeutische Schwerpunkt auf PTBS und Depression - weniger auf Angststörung? Mir half anfangs das Buch "Wenn plötzlich die Angst kommt" von Roger Baker. Vielleicht kennst Du es noch nicht?

Ich kann Dir auch @cube_melon ´s Patchwork-Thread sehr ans Herz legen. Des weiteren @la2la2 ´s Medizinschrank, sofern Du Dich mit den "körperlichen Faktoren" unserer Psyche noch näher auseinandersetzen willst.

03.09.2021 13:12 • x 2 #6


cube_melon
Zitat von flecktarnherz:
so so so frustrierend...

Wenn die Strategie, um mit der eigenen PTBS umzugehen, noch nicht komplett ausgebaut ist, kann das eine Herausforderung sein.

Menschen die noch nie eine PTBS oder ähnliche Traumafolgestörungen hatten, können die Welt in der Du lebst absolut nicht nachvollziehen. Sie sollten es auch nur in einem gewissen Rahmen verstehen können. Alles darüber hinaus kann einen symptomfreien Menschen zu sehr belasten.
Es gibt also Dinge die kann man mit anderen besprechen, aber auch Themen die in einen professionellen / therapeutischen Rahmen gehören.

Heutzutage gibt es eine breite Palette an Traumatherapieverfahren. Es ist die eigene Aufgabe das zu finden, zu dem man einen logischen, so wie auch emotionalen Zugang aufbauen kann. Beispielsweise gibt es Betroffene, welche z.B. zu der psychodynamisch imaginaten Traumatherapie (PITT) keinen Zugang aufbauen können.

Bei einer PTBS sind Funktionen und Mechanismen chronisch im Ungleichgewicht. Das bewusste, kognitive entgegenhalten kostet schlicht weg Energie, welche woanders dann fehlt.

Das der Körper sich tonnenschwer anfühlt habe ich auch. Bei mir ist das aber eher wie als wenn überall Gummibänder an mir befestig sind und ich bei jeder Bewegung mehr Krauft aufuwenden habe. Das kann auch so weit gehen
Trigger

das ich Schmerzen am und im ganzen Körper bekomme.


Dieser Mechanismus hat mehrere Aspekte. Zum einen das Fasciengewebe, was auf die Stresshormone mit Verhärtung reagiert. Es gibt noch andere, welche ich aber erst mal aussen vor lasse.

Wenn man selbst eimal die ganzen Mechanismen und Zusammenhänge erklärt bekommen hat, diese logisch, so wie auch emotional verstanden hat, kann man bei sich schauen wo diese vorhanden sind.
Das ist Grundvorraussetzung dafür um sich anzupassen / Strategien zu entwickeln.

03.09.2021 13:40 • x 2 #7


Icefalki
Leg den Fokus nicht darauf, von anderen verstanden werden zu wollen, sondern benutze diese Energie für dich selbst.

Wer psychisch Probleme hat muss sich nicht auch noch rechtfertigen, ob das andrer verstehen oder nicht.

Beinbruch muss schmerzmässig auch nicht erklärt werden, da reicht, hab Schmerzen

Wer lange mit der Psyche zu tun hat, erschöpft sich. Muss man wissen und auch, dass dieses Thema mit zum Leben gehört. Und je besser man das akzeptieren kann, desto weniger Kraft verschwendet man darauf, dass einen andere verstehen sollen.

Die, die die das kennen, verstehen, diejenigen, die keine Ahnung haben, mögen noch lange im Frieden leben.

03.09.2021 17:44 • x 2 #8


portugal
Zitat von flecktarnherz:
Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Habt ihr auch manchmal das Gefühl verrückt zu sein?


Nein. Als Depressiver macht man sich doch immer gerne klein, man denkt, wieso kann ich nicht so sein, wie die anderen und sucht die Schuld bei sich?

Bin davon schon lange weg, lebe offen mit meinen Beschwerden und kenne Niemanden, der mich für komisch erachtet oder seltsam oder was auch immer, denn die meisten haben selber schon mal eine Phase gehabt, in der es ihnen nicht gut ging.

Ich lebe ja in U.K. und auch hier sind die Menschen so verständnisvoll, jeder kennt jemanden, der psychische Probleme hat.

03.09.2021 17:55 • x 3 #9


Zitat von moo:
Wäre schon möglich. Aber wenn ich es recht verstehe, verschlechtert Dein Versuch der Erklärung die Sache eher?


was heißt verschlechtert... es ist schwierig zu erklären... ich wurde halt gefragt, wie ich mich fühle und so... und es ist ja eh schon schwer das für sich selbst irgendwie klar zu bekommen...


Zitat von moo:
Vielleicht kennst Du es noch nicht

ich liebe Bücher, ich werde es mir mal besorgen, danke für den Tipp! auch für die anderen beiden, ich werde mich mal einlesen. ich muss dinge verstehen können... das war auch in meiner Therapie so, als ich so richtig richtig verstanden habe, warum ich mir ständig die Schuld für mein Trauma gebe und worauf das Scharmgefühl beruht, konnte ich für mich selbst erkennen, dass ich keine Schuld trage. Das hat alles natürlich sehr sehr lange gedauert, aber es hat mir so sehr geholfen. Danach ging es mir so viel besser.
ich hab nicht wirklich viele Menschen, mit denen ich sprechen kann... aber ich würde so gerne über alles sprechen. einmal alles was der Kobold in meinem Kopf so fabriziert sprechen um es einfach los zu werden. aber ohne therapeutisches blabla... kann man das so verstehen? der Kobold ist gerade wieder sehr aktiv :-!

Zitat von cube_melon:
Das der Körper sich tonnenschwer anfühlt habe ich auch.

ich hab oft paradoxe Gefühle im Bezug auf meinen Körper... Er ist tonnenschwer und gleichzeitig fühlt es sich an, als wäre einfach nur meine Haut über meine Knochen gespannt und darin ist einfach gar nichts. Leere, ein großer Hohlraum...

Zitat von Icefalki:
Muss man wissen und auch, dass dieses Thema mit zum Leben gehört.

ja, das ist wohl wahr... deswegen heißt meine Depression Bärbel, ich sehe sie einfach als unliebsame, ständig rumnörgelnde Mitbewohnerin...


Zitat von Icefalki:
Die, die die das kennen, verstehen

und deswegen habe ich mich hier angemeldet, in der hoffnung mir ein bisschen normalität geben zu können gegenüber mir selbst...


Zitat von portugal:
kenne Niemanden, der mich für komisch erachte

das finde ich wirklich schön. da muss es leicht sein zu sein, oder?

03.09.2021 19:26 • x 1 #10


cube_melon
Zitat von flecktarnherz:
aber ich würde so gerne über alles sprechen. einmal alles was der Kobold in meinem Kopf so fabriziert sprechen um es einfach los zu werden. aber ohne therapeutisches blabla... kann man das so verstehen? der Kobold ist gerade wieder sehr aktiv :-!

Ja, das ist verständlich. Nur können das nur eben gleich oder ähnlich Betroffene verstehen. Und selbst dann kann da nicht jeder damit umgehen. Nur sehr wenige können sich so weit abgrenzen um eine Klagemauer für jemanden zu sein.

Aus Erfahrung macht das keiner über Jahre mit. Es ist das Ziel ungünstige, innere Anteile / Introjekte zu isolieren und eine automatisierte Gegenstimme in sich wachsen zu lassen.
Um eben diesen Mitteilungsdruck zu senken.

03.09.2021 21:37 • x 1 #11


moo
Zitat von flecktarnherz:
ich hab nicht wirklich viele Menschen, mit denen ich sprechen kann... aber ich würde so gerne über alles sprechen. einmal alles was der Kobold in meinem Kopf so fabriziert sprechen um es einfach los zu werden. aber ohne therapeutisches blabla... kann man das so verstehen?

Natürlich verstehe ich das...vor allem den Vorteil des Sprechens im Vergleich zum Monolog oder schriftlichen Dialog hier im Forum. Deshalb bin auch ein großer (und aktiver) Fan von Selbsthilfegruppen.
Wenn Dich das auch interessiert, kann ich die "Wirkfaktoren der Gruppentherapie" nach Yalom sehr empfehlen. Eine kurze Abhandlung darüber findet man auch im Netz. Sämtliche seiner Feststellungen kann ich persönlich absolut bestätigen. Das Buch hierzu: "Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie", Irvin D. Yalom. Und auch ein grandioses Werk von ihm: "Existenzielle Psychotherapie" - mein persönlicher Favorit, wenn es um "Ängste des Menschseins" geht...

Zitat von flecktarnherz:
deswegen heißt meine Depression Bärbel, ich sehe sie einfach als unliebsame, ständig rumnörgelnde Mitbewohnerin...

Das kann man so tun, wenn es hilft. Mir selber hilft ein anderer Name nicht - es sind letztlich nur Worte.

04.09.2021 11:22 • #12


Hoffnungsblick
Es ist schon wahr, dass wir diejenige Erfahrung besser verstehen, die wir selbst gemacht haben.
Um unbekannte Erfahrungen zu verstehen, brauche ich ein gutes Vorstellungsvermögen. Aber auch dann gelingt es mir nicht immer, genau zu verstehen, was der andere erlebt hat, wenn ich es nicht kenne.

In einer therapeutischen Kommunikation triffst du auf ausgebildete Menschen, die schwieige Situationen und Erfahrungen besser verstehen. Darum ist es sinnvoll, zu unterscheiden und auszuwählen, wem du was über dich erzählen willst.
Wenn du "normal" rüberkommen willst, dann sprich halt über das Wetter und andere alltägliche, unverfängliche Themen.

Lesen hat mir im Laufe der Zeit viel geholfen.
Auch geholfen hat es mir, mich mehr in andere hineinzuversetzen und zu versuchen, sie zu verstehen, anstatt zu sehr zu erwarten, dass sie mich verstehen.
Sich selbst und andere verstehen - das ist eine lebenslängliche Übung, weil wir alle individuell sind.
Aber es ist auch eine schöne, lohnenswerte Aufgabe.

Vielleicht hilft dir eine körperorientierte Traumatherapie? Vielleicht eine Therapie nach Dr. Peter Levine?

04.09.2021 14:50 • x 1 #13


Zitat von flecktarnherz:

Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Habt ihr auch manchmal das Gefühl verrückt zu sein? Was macht ihr um euch wieder zu Erden, wenn die Angst so groß wird? Habt ihr es manchmal auch, dass es eine rationalen Teil eures Gehirns gibt, der auch in der Angst weiß, dass es eigentlich keinerlei Bedroh...


Selbstliebe und gesundes Missvertrauen gegenüber "deinen Nächsten", der Allgemeinheit und ihren Dogmen.

Mir persönlich fällt es denke ich auch so leicht, lieber mir zu glauben und solchen die mir gleichen, als solchen die mir einreden wollen geisteskrank und persönlichkeitsgestört zu sein, weil ich seit der Kindheit schon kein Urvertrauen in den Planeten und ins Leben hatte.
Mir wird auch ständig bestätigt, dass ich bis heute die einzige Person weltweit bin, die mich wertschätzt und das Allerbesten für mich will.

Als Kind und anfang der Pubertät hatte ich sogar eine "Stimme" im Kopf. Es war ein imaginärer Freund, weil ich ja sonst niemand hatte mit der/dem ich reden konnte. In Lehranstalten wie Kindergarten und Schule war ich immer ausgegrenzt und gemobbt und dort war die Stimme präsent und maladaptives Tagträumen.
Damals hatte ich aber nicht an Suizid gedacht, dass kam erst durch eine Klassenkameradin mit der ich es nicht schaffte mich zu befreunden oder zu rivalisieren. Wir ignorierten uns. Ich wünschte mir damals vor dem Schlafen, dass Gott mich als ein Typ in der oberen Klassen aufwachen lässt, weil die Klassenkameradin auf den stand. Dann hätten wir befreundet sein können.

Die Stimme davor, war mir eine Freundin über die ich mit Mobbern und Mobberinnen lästerte. Ich nannte die Stimme irgendwann Gewissen und für mich war sie geschlechtslos, habe sie aber trotzdem maskulin gegendert, wenn ich darüber nachdachte.

In meiner Kindheit gab es meine Stimme und das Gewissen mit "dem" ich diskutierte, disputierte usw. "Er" hat an mich geglaubt, konnte mir real trotzdem nie wirklich helfen leider. Ich glaubte später mit 12 ca. als ich begann vieles zu hinterfragen, dass diese Stimme ein Ersatz sei, weil ich keinen Vater hatte, aber Jahre nachdem ich mal wieder in eine schlimme Situation geriet und diese Stimme wieder auftauchte, begriff ich ganz deutlich, dass ich das selbst bin. Davor war es nur eine weitere Option. Als Kind habe ich es Gewissen genannt und habe das nie hinterfragt, erst viele viele Jahre später wurde mir klar, dass Ich das bin und kein Vaterersatz.

Jedenfalls begann ich als die Stimme weg war, daß war mitten in der Pubertät, auch vieles was normal ist und traditionell ist zu hinterfragen. Ich verstand, dass ich nicht zur Allgemeinheit gehöre, sondern zu diskriminierten Randgruppen, mit deren Forderungen und Ansichten ich mich eher identifizieren kann. Und ich begann auch mich durch die Augen der Normalen zu sehen, was mir immer mehr bewusst machte, wie die drauf sind und dass ich gut bin wie ich bin und mehr sein könnte, jedoch auch, dass ich diskriminiert werde und daher eben am Leben und Glücklichsein gehindert werde, durch die Allgemeinheit.

Angst habe ich daher auch nicht irre zu sein oder zu werden, aber Angst vor denen die ans Irresein glauben und Menschen wie mich "Asoziale" krank und tot sehen wollen. Da die Allgemeinheit überall ist, habe ich nirgendwo ein Zuhause und das ertrage ich mal besser mal schlechter. Natürlich denke ich oft an Suizid oder daran, das zu zerstören was mir und meinesgleichen schadet, aber Überwindung fehlt mir also warte ich ab und gestehe mir zu pessimistisch, traurig und verdrießlich zu sein - das wird mir ja sonst nie zugestanden. Ich brauch das aber. Ich brauche das, statt Verkehrungen die Diskriminierungen in Depressionen umwandeln. So warte ich, hoffe ab und zu doch noch wenigstens das Zeichnen zu lernen, aber das ist mir oft zu mühselig. Und der Tod kommt schon noch und ich hoffe früher als später.

Ich würde dir übrigens raten, dass du nicht mehr mit deiner Schwestern sprichst, weil sie scheint dich nicht ernst nehmen zu wollen. Sie scheint dir schaden zu wollen. Du könntest sie mal direkt fragen, warum sie dir nicht glaubt. Aber vermutlich endet das wie mit meinen Verwandten. Auch Verwandte können dir Böses wollen, es sind sogar oft die Allerersten.
Frauen können davon Lieder singen bzw. haben sie davon Bücher geschrieben, Studien usw. etc.


Und wenn du mal mitteilen willst, was "Bärbel" "nörgelt" dann kannst du das ja mal schreiben, würde mich sehr interessieren. Ich glaube es geht auch um Kritik zu deiner vermeintlich "gesunden Beziehung" kann das sein?

Vielleicht findest du was von dir im Buch von Marilyn French - The Womens Room (deut. Frauen) und in Kate Milletts - Der Klapsmühlentrip wieder.

08.09.2021 15:41 • x 1 #14



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Mira Weyer