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Hallo ihr Lieben,
im Vorfeld schonmal: Danke, dass ihr das hier lest. Vielleicht kann mich jemand ein bisschen beruhigen.

Folgendes: Übernächste Woche steht mir eine Wurzelspitzenresektion bevor. Da ich generell zur Ohnmacht neige (insbesondere bei Ärzten kippe ich gern mal um), hab ich gefragt, ob ich die Betäubungsspritze auch ohne Adrenalin bekommen kann. Da es aber ein etwas größerer Eingriff ist, meinte der Chirurg, dass es mit Adrenalin deutlich besser sei, sprich, er will das nicht. Eine Narkose o.Ä. möchte ich nicht, da ich davor noch mehr Angst habe

Eigentlich habe ich Spritzen mit Adrenalin immer ganz normal vertragen - bis auf einmal vor einigen Jahren. Damals bekam ich eine Adrenalinspritze, die Ärztin erklärte mir genau, was jetzt im Körper vor sich geht - und dann bin ich auch schon umgekippt. Ob es letztlich das Adrenalin war oder die Schilderungen der Ärztin oder eine Mischung aus beidem, was mich zum Umkippen brachte, weiß ich nicht. Seitdem habe ich zumindest immer die Variante ohne Adrenalin genommen, weil ich so einen Schiss hatte.

Ganz konkret habe ich Angst davor, dass ich vor Panik eh schon auf 180 sein werde und wenn dann noch das Adrenalin dazukommt, dass ich dann komplett kreislaufmäßig verrückt spiele. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu 80 % "nur" Angst ist (und weniger das Adrenalin) ist sehr hoch, weil ich auch bei "normalen" Arztbesuchen regelmäßig die Biege mache. Aber ich hab Angst,dass das Adrenalin es noch schlimmer macht, weil es eben das Herz mehr zum Klopfen bringt.

Ich fragte den Arzt, ob ich vor der Behandlung Tavor nehmen kann, was er bejahte. Meint ihr, dass mich das vielleicht soweit runterbringen könnte, dass der Kreislauf nicht so durchdreht? Ich weiß, eigentlich könnte ich denken: "Egal, dann kipp ich halt um, werde ja wieder wach". Aber ich hab dann so eine unbändige Panik .

Ich weiß gar nicht, was für eine Antwort ihr mir hier erhoffe, ich glaube, ich brauch einfach eine Beruhigung. bitte

Liebe Grüße

Zuversichtliche

01.11.2019 17:10 • 02.11.2019 x 1 #1


4 Antworten ↓


Angor
Hallo

Dein ZA hat Recht, dass er auf eine Betäubung mit Adrenalin besteht.
Ohne Adrenalin wirkt die Betäubung höchstens eine halbe Stunde, das würde für den Eingriff nicht reichen.

Ich kenne das mit dem Herzklopfen, es ist wie der Beginn einer PA, und hat mich auch schon zu einer PA gebracht.

Wichtig ist aber dass Du weisst, das nichts passieren kann, wie ich auch dann festgestellt habe. Das Herz ist kein E-Motor, den man überdrehen kann, Dein Körper kommt damit klar.

Aber so wie es aussieht geht es Dir so wie mir, da ist die Angst vor der Angst. Ich kann Dir raten, nimm am besten eine Tavor, es ist gut, dass Du mit dem ZA vorher darüber gesprochen hast und er es absegnet.

Einem ZA ist ein Patient ohne große Angst auch lieber, als jemand, der sich vor Angst in die Armlehnen krallt und Schnappatmung bekommt, und er vielleicht die OP unterbrechen muss.
Und um so schneller hat er dann die OP beendet, wenn Du die Ruhe bewahrst.

Falls Dein Kreislauf spinnen würde, die kennen sich aus, bei meiner PA hat man den Blutdruck gemessen und wenn irgendwas sein sollte, kümmern sie sich um Dich.

Du wirst das schon schaffen, wenn ich Schisshase mit meiner Angsstörung da auch durch bin, ich drück Dir die Daumen.

LG Angor

01.11.2019 20:37 • x 1 #2


Hallo Angor,
was für eine liebe Antwort! Ich danke dir sehr.
Du meinst, wenn ich mich nicht reinsteiger, kippe ich auch nicht um, obwohl das Adrenalin das Herzrasen usw macht? Das würde mich schonmal beruhigen. Ich glaube, als ich damals umgekippt bin, hatte es wirklich damit zu tun, dass mir die Ärztin erklärte, dass jetzt das Herz schneller schlagen würde etc... das hat mir total Angst gemacht. Und in vorherigen Behandlungen war es nie ein Problem.

Ich weiß allerdings nicht genau, wie viel Tavor ich vorher nehmen soll - und wann. Den Arzt habe ich nur einmal zum Vorgespräch gesehen, er wirkte so, als ob er das ganz mir überlassen würde. Mein Plan ist jetzt, abends vielleicht 0.5 zum Einschlafen zu nehmen und dann am Folgetag (16 Uhr ist der Termin) nochmal zwei Stunden vorher so eine Menge. Oder gff auch mehr.

Es ist so verrückt, vor Bohren, Fräsen usw. habe ich kaum Schiss, aber diese Angst vor der Ohnmacht ist ganz furchtbar. Man fühlt sich dann einfach so ausgeliefert. Das Schlimme ist einfach, dass es mir so oft schon wirklich passiert ist.


P.S. Lese ich das richtig, du hast für deine Beiträge schon 14843 mal ein Danke erhalten!? Das ist ja der Hammer. Gleich kommt noch eins dazu!

01.11.2019 21:26 • x 1 #3


Angor
Ja dieses Gefühl des Ausgeliefert sein kenne ich, man sitzt im Stuhl und kann nicht einfach so aufstehen und weglaufen, obwohl man es am liebsten machen würde.

Was für mich sehr hilfreich war, ich hatte vorher mit der ZÄ ausgemacht, sobald ich mich unwohl fühle, dass ich ein Zeichen mit der Hand mache, und sie hört sofort auf mit dem was sie tut.

Ich hatte schon so ein gewisses Gefühl der Sicherheit, ich konnte jederzeit weg wenn ich wollte, und so habe ich mich zur Ruhe zwingen können.

Meine ZÄ, die sich mit Angstpatienten auch auskannte, fragte zwischendurch, ob alles ok wäre, und erklärte auch, was sie grad machte und wie lange es noch ungefähr dauert.

Das finde ich auch sehr wichtig und hilfreich und es lenkt gut ab.

Da ich immer ein Erstickungsgefühl habe bei Abdrücken, hat die Zahnarzthelferin wie im Countdown rückwärts gezählt, die waren alle so supernett.

Wenn es soweit ist dass Du die Betäubungsspritze bekommst, versuche ruhig zu atmen, es ist ganz normal dass die Pumpe geht, das wird dann ja besser.

So eine Wurzelspitzenresektion habe ich auch schon hinter mir, das dauert ein bischen, vielleicht kannst ja auch Musik über Ohrhörer hören, das lenkt auch gut ab

Danke fürs Danke

02.11.2019 00:18 • #4


Hallo Angor,
also bei meinem "Hauszahnarzt" hätte ich ehrlich gesagt auch nicht so viel Angst. Aber der Eingriff wird von einem Kieferchirurgen vorgenommen und den habe ich nur einmal im Vorgespräch gesehen. Er war auch ganz nett, hat alles ausführlich erklärt. Aber: Als ich sagte, dass ich solche Angst habe und dass es sein kann, dass ich ohnmächtig werde, hat er im Grunde nichts gesagt. Es war eher so etwas wie "okay, dann weiß ich Bescheid". Ich glaub, ich bin eher der Typ, der gutes Zureden und Verständnis braucht, er ist halt eher der sachliche Typ. Naja und das macht mir ein bisschen Angst, dass ich ihn und das Team nicht wirklich kenne.

War die WRS bei dir schlimm? Und hast du gemerkt, dass von der Spritze das Herz noch mehr rast? Ich hoffe, das geht dann nach ein paar Minuten weg ... Und - wenn ich das auch noch fragen darf - meinst du, es ist möglich, dass ich auch während so einer OP wie der WRS währenddessen Handzeichen gebe und er kurz pausiert?

Eigentlich könnte mir das alles total egal sein. Ich meine: Im Zweifel wache ich ja wieder auf. Aber diese Panik ist einfach so stark

Liebe Grüße
Zuversichtliche

02.11.2019 18:30 • #5




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