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Was ich hier so lese: meiner Angst liegen Gedanken (= Überzeugungen) zu Grunde.

Ab wann fängt ein Mensch an, Überzeugungen zu bilden? Doch sehr, sehr früh ...

Wenn ich zum Beispiel seit Schultagen nicht in der Lage bin, vor vielen Menschen frei zu sprechen, dann muss doch etwas in meiner jüngsten Kindheit passiert sein, das mich zu der Überzeugung gebracht hat: Rede besser nicht, das könnte sehr gefährlich sein! Dazu ein Umfeld, das sich um meine Ängste nicht gekümmert bzw. ausgleichend entgegen gewirkt hätte.

Muss ich also nach einem Ereignis schauen, das mich massiv verunsichert hat? Oder können Eltern einem dieses Gedankengift einflößen? Wie erfahre ich da mehr drüber? Mit Hypnose? Oder mittels einer systemischen Aufstellung? Hat jemand Erfahrung damit?

Ich möchte diese irrigen Überzeugungen sehr gerne aufgeben ... sie sind massiv ... und gehen nicht einfach so von alleine weg ... das ist doch die Krux ... Ihr kennt das ...

25.06.2010 16:45 • 12.07.2010 #1


21 Antworten ↓


also ich hatte mal so `ne art teilhypnose. war also nicht komplett weg. ich hatte damals den absoluten horror wenn jemand hinter mir gelaufen ist. was sich in einer großstadt nicht wirklich immer vermeiden lässt. hab mich manchmal nicht mal getraut ne alte omi zu überholen, weil...dann läuft die ja hinter mir. bin dann also wie ein hortkind hinter ihr hergedackelt. ähm.......ich schweife ab.
und jedenfalls hat die tante bei der hypnose (120dm/h), das problem wegbekommen und dabei noch rausgefunden das ich kein wunschkind war und in meiner kindheit sehr oft alleine war(wochenkrippe) und nicht wirklich viel liebe bekommen hab. bin mit meiner mutter mehr oder weniger allein groß geworden. arbeit und karriere waren wichtiger. wurde dann mal hier und mal da abgegeben.
sollte meine mutter nach der sitzung drauf ansprechen, was ich auch tat. und ich merkte es war ihr sehr unangenehm.
klar, es gibt viele die keine wunschkinder sind. aber für mich war es schon komisch nach ca 33 jahren zu erfahren das ich eigentlich gar nicht da sein sollte.
ist ein bissl mehr geworden. sorry
aber wenn ich einmal bei bin....
vg frank

25.06.2010 19:51 • #2



Im Vermeiden steckt Leiden .

x 3


Hallo Genoveva

Die Grundpersönlichkeit eines Menschen wird hauptsächlich in den ersten 3 bis maximal 4 Lebensjahren geprägt.

Überzeugungen kann ein Mensch aber erst entwickeln, wenn er in der Lage ist, Dinge selbstständig zu bewerten und einzuschätzen.

Ansonsten ja, die Redeangst kann durch ein (oder mehrere) Erlebnis in der Vergangenheit ausgelöst worden sein. Diese Erlebnisse müssen heute nicht mehr bewusst sein.
(Beispiel: Sprechverbot von den Eltern wenn Besuch im Haus war, Peinliches Erlebnis beim Reden in einer grossen Gruppe etc.)

Hypnose oder systemische Aufstellung (Familienaufstellung) halte ich vorerst noch nicht für den notwendigen Weg.
Es gibt aber spezielle "Schnelltherapien" (besser gesagt Seminare) für dieses Redeproblem.
Viele Menschen, die beruflich vor grossen Gruppen reden müssen benutzen diese Möglichkeiten auch.

Viele Grüsse, Der Beobachter (der aber dennoch auch reden kann - wenn er will)

25.06.2010 19:58 • #3


Zitat von Genoveva:
Ab wann fängt ein Mensch an, Überzeugungen zu bilden? Doch sehr, sehr früh ...

Das, was du Überzeugungen nennst, würde ich eher evolutionsbedingte Strategien bezeichnen. Sie entstehen zum Zeitpunkt der Befruchtung der Eizelle und entwickeln sich parallel zur Reife des Organismus.

Durch Abweisungen und Desinteresse der Eltern an ihrem Kind entstehen psychische Reifeverzögerungen. Das Kind steht unter Belastung, die es daran hindert, mit bestimmten Lebenssituationen angemessen umzugehen. Und das lässt sich eben durch Ängste kompensieren, sie sind die Überlebensstrategie der unstabilen Psyche. Ein Nichtschwimmer fürchtet sich vor tiefem Wasser, wodurch sich das Risiko, zu ertrinken, minimiert.

Zitat von Genoveva:
Wenn ich zum Beispiel seit Schultagen nicht in der Lage bin, vor vielen Menschen frei zu sprechen, dann muss doch etwas in meiner jüngsten Kindheit passiert sein, das mich zu der Überzeugung gebracht hat: Rede besser nicht, das könnte sehr gefährlich sein!

Ja eben - nicht ins tiefe Wasser gehen. Man ist psychisch unstabil, verletzlich.

Zitat von Genoveva:
Muss ich also nach einem Ereignis schauen, das mich massiv verunsichert hat? Oder können Eltern einem dieses Gedankengift einflößen?

Das Kind liebt seinen Erzeuger, sieht in ihm sein Vorbild. Das ist von der Natur aus so, sicher nicht zuletzt aufgrund der existenziellen Abhängigkeit. Das Kind wird also i. d. R. die Denkweise seiner Eltern übernehmen. Wird es von den Eltern abgewertet, entwickelt es eine negative Einstellung zu sich selbst. Wird es von den Eltern abgelehnt, nimmt es an, dass es von niemandem angenommen oder geschätzt werden kann. Das ist der Grundstein der sozialen Ängste.

Zitat von Genoveva:
Wie erfahre ich da mehr drüber? Mit Hypnose? Oder mittels einer systemischen Aufstellung? Hat jemand Erfahrung damit?


http://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenpsychologie

Die Behandlung dauert 2 bis 3 Jahre, eine Therapiestunde pro Woche reicht meistens nicht aus. Hat Vor- und Nachteile. Zwischen dem Therapeuten und Patienten entwickelt sich eine enge Beziehung; es können Abhängigkeiten entstehen usw., den Erfolg kann niemand garantieren. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt und abbrechen kann man immer. Das also wäre eine Möglichkeit.

Hypnose empfehle ich niemandem, dies aber höchstwahrscheinlich aufgrund meiner persönlichen Vemeidungsstrategie... ; )

Familienaufstellungen - ist m.W. Esoterik. Nur für den geeignet, der es mag.

Zitat von Genoveva:
Ich möchte diese irrigen Überzeugungen sehr gerne aufgeben ... sie sind massiv ... und gehen nicht einfach so von alleine weg ...

Man kann auch selbst viel tun, anstatt gedankengesteuert zu fühlen und zu handeln, Gedankenprozesse selbst beeinflussen. Es ist schon mühselig, aber wenn man sich einmal für diesen Heilungsweg entschieden hat, kann es eigentlich nur noch vorwärts gehen.

26.06.2010 00:28 • #4


wow vent, cooler beitrag. liest sich echt gut.

26.06.2010 01:27 • #5


- irgendwie habe ich mir schon fast gedacht, dass du den Text gut verstehen wirst - ich habe die gleiche Vorgeschichte wie du. Das mit dem Leute überholen kommt mir auch bekannt vor! Man vergißt zwar einiges, aber wenn man es später von anderen hört, denkt man - oha, genau das hatte ich auch mal. Ich denke die leichteren Symptome gehen eher weg, während der Basis-Misthaufen bestehen bleibt oder sogar wächst, je nachdem in welchem Maß man den Unglücken und Lebenskrisen ausgesetzt ist.

Na ja, man kann sich damit ernsthaft auseinander setzen, mehr ist nicht drin. Ich selbst bin z. B. für Hypnose zu feige, obwohl ich mir das früher schon öfter überlegt habe... jemanden so nah an mich heranzulassen? Oje. Riskant! ; )

26.06.2010 10:13 • #6


Vielen Dank für Eure Gedanken und Hinweise. Damit kann ich echt was anfangen.

@ Frank: Hypnose heißt also, dass ich in der Behandlung selbst gar nichts mitbekomme? Mir wird danach erzählt, was dabei rauskam? Deshalb braucht es Vertrauen und einen wirklich seriösen Hypnotiseur ... hm ... weißt Du von einem in Hamburg und Umgebung? Ich würde es durchaus probieren wollen.

@ Beobachter: Ich finde beobachten genial. Ohne das, würden wir niemals erfahren, wer wir sind, oder? Du meinst jetzt aber nicht diese üblichen Rhetorikseminare? So eins habe ich während meiner Ausbildung gemacht. Konnte mir leider überhaupt nicht helfen, die Redeangst blieb unverändert hartnäckig bestehen. Welche Art Seminare sind das? Wonach müsste ich suchen?

@ vent: Oha, wirklich, dieser basis Misthaufen, um den geht's! Extra Danke, dass Du so ausführlich und klar geantwortet hast! Das ist echt gut gesagt: Überlebensstrategie der unstabilen Psyche - passt ...

Ich bin mir nämlich nicht ganz sicher, ob es wirklich so massiv sein kann, aber es scheint so ... als meine Mutter vom Arzt erfuhr, dass sie schwanger sei, rief sie meinen Vater in der Firma an, teilte ihm dies mit, mit dem Zusatz, sie würde sich jetzt am liebsten umbringen! Das war sicher ernst gemeint (denn 18 Jahre später tat sie dies wirklich). Ich bin also noch ein Mini-Würmchen im Bauch und kriege die volle Bedrohung ab, es geht für mich um Leben und Tod. Kann dies wirklich die Ursache sein (dazu war meine Mutter ja Zeit ihres Lebens selbst sehr unstabil und später schwerst depressiv usw.).

Therapie und diese ganze Befreiungsarbeit ist in der Tat sehr mühselig, da kann ich ein Lied von singen . Hast Du selbst Erfahrung mit Tiefenpsychologie? Ich selbst hab mit Gestalttherapie angefangen und bin dann aber recht schnell in ganz andere Bereiche gegangen, mehr so spirituelle Sachen. U.a. habe ich auch eine Aufstellung gemacht, die für einen gewissen Bereich sehr gut wirkte. Ich weiß, dass es da auch heftige Kritik zu gibt, vielleicht zu Recht, aber sich das System anzuschauen, ist eine ziemlich klärende Sache (denn jede/r lebt in einem Familiensystem mit Ursachen und Wirkungen, das wissen wir hier alle schmerzlich, sonst wären wir ja nicht hier).

Nochmals Danke Euch allen! Viele Grüße

27.06.2010 23:04 • #7


tut mir leid. aber in hamburg kenn ich keinen. weiß ja nicht mal in berlin nen guten. das letzte mal war bei mir noch zu dm zeiten.
vielleicht einfach mal googeln.
vg frank

30.06.2010 03:59 • #8


@ Frank: Oh ... okay, verstehe, danke. Das wird sich finden ...

30.06.2010 21:58 • #9


na dann.........alles gute. und schreib mal wie es war.

30.06.2010 22:24 • #10


Ja, sollte sich bahnbrechendes ereignen (und ich will das), kann ich gerne berichten. Ich hoffe auf Heilung! Dankeschön noch mal und ligruß

04.07.2010 22:15 • #11


Hallo Genoveva

Sorry, ich hatte diesen Thread völlig aus den Augen verloren, die Hitze der letzten Tage.

Ja, ich meine nicht diese Rethorikseminare, sondern echte Übungen zum sich selber besser Kennenlernen.
In meinem Tread Achtsamkeit-Bodyscan berichte ich auch darüber.

Wir dürfen aber auch die gesunde Aufmerksamkeit gegenüber unserer Umwelt (auch der anderen Menschen) nicht ganz vergessen.

Grüsse, mit offenen Augen und Ohren, Der Beobachter

05.07.2010 10:53 • #12


Aha ... dann gehe ich mal bei Dir gucken

Achtsamkeit finde ich sehr schön. Mir gefallen zurzeit auch Demut und Dankbarkeit.

Aber, was brauche ich, um dem Tier Angst zu begegnen? Seit gestern denke ich, dass der Mensch seine schlimmsten Ängste lieber verleugnet, oder? Also braucht es Mut und Entschlossenheit, zum Beispiel. Was denkst Du, braucht es noch?

Dankeschön, dass Du noch geschrieben hast - die Hitze ist echt doll! ligruß

06.07.2010 22:33 • #13


Hallo Genoveva

Ich selber habe keine generalisierten Ängste, "nur" Extremängste in benennbaren Lebensbereichen.

Angst ist aber nicht immer nur ein böses Tier, sie ist auch ein natürlicher und sehr wichtiger Schutzmechanismus, der uns vor Unheil schützt.

Wenn wir unsere unnötigen (pathologische) Ängste verleugnen, dann werden sie uns lebenslang begleiten.
Ich denke, wie du auch sagst, wir brauchen Mut und Entschlossenheit, um diese Ängste erst einmal zu akzeptieren, und uns ihnen dann zu stellen.
Herausfinden, wo sie herkommen (Auslöser) und uns mit ihnen Konfrontieren.

Heute kühlere Wettergrüsse, Der Beobachter

07.07.2010 10:06 • #14


Ja stimmt, ganz ohne Angst wäre sicher widernatürlich ... doch diese Extremangst, wie Du sie nennst, ist wie ein Monster, das Dich massiv in Schach hält! Ich bin jedenfalls ziemlich platt, wie sehr (m)eine Phobie das Leben bestimmt (hat)- Sabotage aus tiefsten Ebenen ... verdammt ...!

Weißt Du, was mich besonders wundert? Meine Familie, die Schule, niemand wollte wahrhaben, dass ich mit meiner Redeangst ein echtes Problem habe. Niemand hat das angepackt. Ich sollte keine Phobie haben, das durfte nicht sein! Da ich schriftlich alles rausgerissen habe, bin ich irgendwie durch die Schule gerutscht ... aber all die beruflichen und sonstigen Probleme später ... niemand kam drauf, und man selbst tappt dadurch auch im Dunklen. Kennst Du das? War das bei Dir auch so?

Die Leute glauben mir das zuerst gar nicht, wenn ich jetzt davon erzähle, weil ich im Gespräch unter Freunden gar keine Hemmungen zeige. Tja, meine Extremangst (schönes Wort dafür) taucht eben in einer ganz anderen Situation auf, in der sie mich nie erleben (hahaha, warum wohl nicht?).

War nicht lang mit kühl, heute wieder schöne Saunagrüße

09.07.2010 23:58 • #15


Hallo Genoveva

Bei mir kamen diese sozialen Ängste erst ab dem 35 Lebensjahr (ja, ich bin heute 50+, also schon ein alter Mann).
So hatte ich noch das Glück, in der Schulzeit und der Jugend keine Probleme damit zu haben.
Aber irgendwie "anders", also ein Aussenseiter war ich trotzdem schon damals.

Heute bestimmen diese Ängste wirklich das ganze Leben, dadurch, dass sie einen nicht mehr wirklich daran (ohne Probleme) teilnehmen lassen.
Übrigens, unter Freunden (derzeit habe ich leider keine) hatte ich auch keine Angst.

Nun etwas "Positives" :

In den letzten Jahren ist ein öffentliches Bewusstsein für Angsterkrankungen entstanden.
Selbst die Medien nehmen dieses Thema verstärkt auf, und bei Hausärzten oder Ämter wird man nicht mehr sofort belächelt und als Simulant abgestempelt.

Der Grund hierfür ist allerdings sehr traurig und nachdenkenswert.
Mittlerweile erkranken immer mehr Menschen an dieser Problematik.
Schätzungen sagen bereits, dass 25 bis 30% aller Menschen in Deutschland (mehr oder weniger) an Angststörungen leiden.

Nach zwei etwas kühleren Tagen nun auch wieder Saunagrüsse, Der Beobachter

10.07.2010 10:36 • #16


Fühlst Du Dich echt schon soooo alt? Mensch ...

Jeder hier hat seine ganz eigene Angstgeschichte. Und wie Du, relativ spät, kann man da noch von befallen werden. Hammer. Ja, ich bemerke auch, dass immer mehr Menschen echte Probleme haben aufgrund massiver Ängste. Nicht gut für eine Gesellschaft.

Außenseiter? Das kenne ich auch, in dem Sinne, dass ich mit dem, was in mir abläuft immer alleine war. Ich bin auch anders und es ist vollkommen in Ordnung so (heute weiß ich das), nur, läuft man damit nicht konform und fühlt sich immer außen vor. Wir sind nicht so richtig Teil des Ganzen, denken wir. Wir beobachten und spielen die herkömmlichen Spiele nicht mit. Seit ich 14 Jahre alt bin, habe ich Zweifel an der Wirklichkeit, die so viele bis aufs Blut verteidigen - verrückt!

Nun weiß ich nicht, aus welchem Grund Du Dich als Außenseiter bezeichnest. Die soziale Angst verstärkt diese Einstellung jedenfalls, denn wir können gar nicht wie die anderen agieren ... könnte aber auch unser Glück sein, oder? Auch wenn ich manchmal damit hadere, bin ich unterm Strich sehr froh und dankbar über meinen Lebensweg. Siehst Du das anders?

Wie ist/war das eigentlich mit Arbeiten bei Dir? Konntest Du Dich trotzdem beruflich verwirklichen? Dieser Punkt ist nämlich ein ziemlich wunder bei mir. Ich sehe mich da durchs Rost gefallen ... und muss jetzt, mit Mitte 40, zusehen, ob das Ruder noch rumzureißen geht (deshalb sitze ich grad in einer Weiterbildung). Ich habe verschiedene Dinge gemacht, interessante Sachen dabei, aber ich befürchte aufgrund meiner Extremangst mich mitzuteilen kam ich nie so richtig zum Zuge ... ätzend!

Hey, Du bist der Erste mit dem ich so darüber plaudere. Dankeschön

10.07.2010 21:59 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hallo Genoveva (Viele Fragen und viele Ähnlichkeiten)

Das Lebensalter fühlen?
Manchmal fühle ich mich wie 25 und denke, ich müsse doch eigentlich das Leben noch vor mir haben.
Und manchmal fühle ich mich schon wie 80, kraftlos und ohne Ziele.
Selten jedoch fühle ich mich so alt wie ich wirklich bin (50+).

Das Aussenseitertum empfinde ich selbst auch nicht als negativ.
Ähnlich wie bei dir, gab mir dies die Möglichkeit, viele Dinge (Gesellschaft, Menschen, Normen etc.) aus einer anderen Perspektive sehen zu können.
Ich sehe heute darin sogar einen grossen Erfahrungsgewinn, ein Erkennen der wirklich wichtigen Dinge und Werte des Lebens.

In "jungen Jahren" war dies auch noch kein soziales Problem, es war akzeptiert und ich hatte sogar oft Gleich (ähnlich) Gesinnte gefunden.

Beruflich lief es bei mir die ersten 30/35 Lebensjahre sehr gut (gute Ausbildung und super Jobs in Elektrotechnik und Maschinenbau).
Aber durch meine "andere Lebensweise (alleine, keine Familie, völlig andere Interessen etc.) kam es dann zunehmend mehr zu menschlichen Problemen im Arbeitsleben (Mobbing etc.).
Seit 2001 bin ich nun durchgehend arbeitslos.

Mein Leben gegen ein "normales" Leben rückwirkend tauschen möchte ich aber heute nicht mehr. Die Einblicke und Erfahrungen (auch die schmerzhaften) die mir mein komisches Leben gegeben hat, sehe ich heute sogar als Gewinn.

Für immer bleiben wird aber die "Angst vor der normalen Welt" und die Schwierigkeit, Menschen zu finden denen man sich noch wirklich mitteilen kann.

Auch Dankeschön sag, Der Beobachter

11.07.2010 10:42 • #18


Hallo,
ich möchte hier auch mal schreiben, dass ich mich auch als Aussenseiter fühle. Ich weiss mittlerweile worauf die soziale Phobie zurück zu führen ist bei mir .. verschiedene "Bilder" und "Gefühle" die ich bis letztes Jahr total ja. sagen wir vergessen hatte kamen auf einmal wieder. Das führte zu einem letztendlichen Zusammenbruch wo ich anscheinend immernoch mittendrin stecke. Ich war auch immer Aussenseiter, habe keine Freunde und jetzt massive Probleme auf meiner Arbeit. Weniger mit Mobbing eigentlich aber durch meine 'Ängste bestärkt und es wird wieder schlimmer. Ich dachte, ich hätte es einigermassen im Griff aber dem ist wohl nicht so.

Ich war am Freitag auf dem Arbeitsamt und wollte einfach nur um einen anderen Job fragen... das resultat war, dass ich dann zum SChluss da sass wie ein Häufchen Elend schluchtzend und bin dann wieder unverrichteter Dinge wieder gegangen. Ich sollte erst mal zum Amtsarzt, dann zum Amtspsychologen dann haben die mir direkt nen Reha Antrag unter die Nase gelegt den ich doch gleich an Ort und Stelle ausfüllen sollte. Und , ach ja um eine Umschulung oder über haupt erst mal zu prüfen ob ich für den ARbeitsmarkt noch zur Verfügung stehen kann. Ich sollte ARbeitslosengeld und/oder Hartz IV beantragen, nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe.

Ich war so von den Socken, dass man so gar nicht geholfen bekommt und statt dessen einfach aufs Abstellgleis gestellt wird. Ich würde gerne einen anderen Job machen, aber was soll ich denn machen? Ich kann/will in meinem jetzigen Beruf nicht mehr arbeiten und keiner nimmt ungelernte. (Wobei ich zwar schiss hab was neues zu machen aber die einzigste Chance darin sehe, nochmal von neuem Anfangen zu können. )

11.07.2010 11:19 • #19


@ Beobachter - Hallo

Ja, das ist eben das Seltsame: So sehr wir auch leiden, so wollen wir die dunklen Täler doch nicht missen, weil sie uns besagte Erkenntnis bringen!

Und eines stelle ich inzwischen auch fest: Echte Freundschaften entwickeln sich in älteren Jahren recht mühsam. So habe ich einen besten Freund seit 14 Jahren - der bleibt. Meine beste Freundin habe ich leider vor zwei Jahren verloren, es kam zum Bruch, der nicht mehr zu kitten ist (vorerst) ... und was ist nun ... ich habe inzwischen zwar viele Bekannte, aber Freundschaft wird daraus nicht. Die meisten halten ihr Inneres gut verborgen, halten sich in den Gesprächen lieber in den Alltagsdingen auf ... das ist wohl sicherer ... aber auf Dauer ist mir das zu Wenig ... dadurch entsteht keine Nähe, kein Vertrauen, keine Freundschaft eben. Mir fehlt eine gute Freundin, und wenn ich lese, dass es Dir im Laufe der Jahre auch so erging, dass ehrliche Gespräche immer seltener werden, bis hin zum Mobbing, weil Du auf Deine Weise bedrohlich (?) für Deine Umwelt erschienst ... herrje ... ich finde das insgesamt eine traurige Entwicklung ... ein Abendfüllendes Thema! Viele Grüße!


@kleineFloh - Dir auch Hallo,

Ich war vor zwei Jahren auch in der Krise und musste zur ARGE, mich quasi krank melden. Mir hat das gut getan! Warum? Weil ich damit Luft hatte, mich um mich selbst zu kümmern (auch therapeutisch). Denn was nutzt es, wenn Du Dich in Deinem verzweifelten und derzeit wackeligen Zustand in irgendeine Arbeit stürzt (flüchtest?). Das brächte Dir nix! Nutze die freie Zeit und die Unterstützung der Gesellschaft, um gesund zu werden! Und sobald Du Dich stabilisiert hast, wirst Du wieder Impulse und Kraft haben, Dich um berufliche Belange zu kümmern. So war es auch bei mir, deshalb wurde mir ja schlussendlich eine passende Weiterbildung bewilligt. Also, Kopf hoch! Und sieh die Zeit bei der ARGE als Geschenk, unser Sozialstaat macht das -Gott sei Dank!- möglich. Und dafür bin ich sehr DANKBAR und möchte in Zukunft dieses System, mittels meiner Arbeit, gerne unterstützen. Du kannst es doch eines Tages zurückgeben. Viele Grüße!

11.07.2010 22:26 • #20



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