H. M. Enzensberger (meine Klolektüre im Büro) schrieb sinngemäß, dass es schön sei, durch eine vielseitige Wortwahl dem Zuhörer Hör- und Denkfreude zu bieten. Er erwiderte dies auf den Vorwurf eines Zuhörers, er "drücke sich gekünstelt aus".
Mir gefiel diese Verteidigung kreativer Sprache. Einerseits. Andererseits bin ich oft beeindruckt, mit wie a) wenigen und b) einfachen Worten mancher etwas vermitteln kann. Die
Mischung aus "Herz und Hirn" im Endprodukt macht m. E. jedoch die "rundum geglückte Rede" aus - und die richtige Gewichtung auf das jeweilige Gegenüber anzupassen ist aus meiner Sicht ganz hohe Kunst.
@Ferrum s Hinweis bzgl. Literatur finde ich sehr wichtig. Wörter stehen in den meisten Fällen nicht für sich sondern stets im Kontext. Und dieser Kontext kann bisweilen immens groß sein. Er kann sozusagen "die ganze Welt" des Sprechers darstellen und sich "induktiv" durch die Wortwahl dem Hörer übermitteln. Nicht ganz zu vergessen sind auch die körperliche und stimmliche Rhetorik.
@superstes schickte mir vor einiger Zeit mal eine Hörbuch-Reihe von Joachim-Ernst Berendt zum Thema "Vom Hören der Welt". Am einprägsamsten fand ich die Feststellung, dass das Auge tendenziell eher "
in die Welt
hineinblickt", das Ohr jedoch vorwiegend "die Welt (in den Geist)
hereinhole". Mit anderen Worten: Der Sehsinn projiziert Geistiges in die Sehobjekte ("Welt") - ist also
Sender des Geistes. Der Hörsinn hingegen ist vorwiegend
Empfänger - und somit potenziell Geist-
gestaltend, Geist-
bildend.
Wenn man bedenkt, wie Propaganda funktioniert(e), kann man eine Ahnung davon bekommen, wie dominant die Rolle des Übertragungsmediums in der Wirkung ist/war. Am Anfang war (nur) das Wort, heute ist die Beeinflussung multimedial...
Wenn ich mir die Inhalte mancher "Infos" in den Medien unter diesem Aspekt betrachte, erscheint mir Dein Ansinnen schon fast heroisch. Und deshalb besonders unterstützenswert.
Oft, wenn ich versuche zu dichten, merke ich, wie mir letztendlich die Worte fehlen. Dann höre ich einfach auf und lasse es so stehen. Das Ende des Gedichts erledigt sich quasi von selbst. Und das beruhigt mich doch sehr...
