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Robinson
Hallo,
nach langem Nachdenken warum ich diese soziale Phobie habe, bin ich auf das Thema der toxischen Scham gekommen.

Ich habe kaum Probleme damit, "Offiziell" aufzutreten, d.h., in Sitationen wo es um andere geht, etwas einzufordern oder um sachliche Dinge, auf Ämtern oder beim Einkaufen etwas zu reklamieren.
Überall dort wo wir eine Rolle spielen müssen. Als Kunde, als Verbraucher.
Denn da geht es nicht um meinen "Kern", mein Ich.
Sobald aber jemand etwas näher kommt, nachgräbt, ist es vorbei.

Wir alle kommen ja ohne Schamgefühle zur Welt, als Kind sind wir völlig frei von Scham.
Scham wird uns anerzogen!
Das heisst, wir werden von anderen als nicht Wertvoll bezeichnet.
Nicht ein Teil von uns ist schlecht, sondern wir sind als ganzes Schlecht.
Bei Schuld kann man wieder gut machen.
Bei Scham nicht.
Da kannst du machen was du willst.
Selbst wenn dir einer sagt, dass er dich mag, so wie du bist, zweifelt man.
Und viele übertragen ihre Scham auf dich, um sich selbst nicht zu Schämen:
Die Eltern wollen gute Leistungen um sich nicht für ihr Kind zu schämen.
Und leben wir nicht in einer Schamgesellschaft?
Nur Sieger werden akzeptiert.

Wie kommt man aus diesem Schamgefühl heraus?
Ich meine nicht vom Denken her, da ist es logisch, ich meine vom Gefühl her.
Alle Beschämungen aus der Kindheit rational ablegen klappt bei mir nicht.ü
Dieses Gefühl der Verletzungen sitzt einfach zu tief.

Ich hoffe hier einen Faden über toxische Scham zu eröffnen,weil es wohl genau das Gefühl ist, was eine Soziale Phobie auslöst.

Liebe Grüsse,
Robinson

01.08.2019 13:14 • 23.08.2019 x 9 #1


41 Antworten ↓


soleil
Zitat:
Scham wird uns anerzogen!
Das heisst, wir werden von anderen als nicht Wertvoll bezeichnet.
Nicht ein Teil von uns ist schlecht, sondern wir sind als ganzes Schlecht.

Scham ist per se nicht schlecht. Sie hilft uns, wenn wir unter Menschen sind, nicht unangenehm aufzufallen.
Menschen ganz ohne Schamgefühl werden von der Gesellschaft geächtet.
Ein Beispiel: ein gesundes Schamgefühl verhindert, dass wir in aller Öffentlichkeit peinliche Geräusche von uns geben.
Also schützt sie uns.
Anders verhält es sich, wenn es sich um ein toxisches (vergiftetes) Schamgefühl handelt. Das meintest du wohl auch im obigen Zitat. Der Unterschied zum normalen Schamgefühl ist der, dass uns suggeriert wurde, nicht unser Verhalten ist falsch, sondern wir als Mensch sind falsch. Damit sind bereits in der Kindheit die Weichen gestellt für ein gestörtes Ich-Gefühl. Wir begreifen uns als weniger wert und schämen uns für alles. Auch wenn es gar nichts zum schämen gibt. Ein gesundes Schamgefühl ist nicht mehr möglich. Einem gestörten Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitskomplexen sind somit Haus und Tür geöffnet. Der Umgang mit anderen Menschen wird oft gemieden, eine soziale Phobie kann entstehen. Ich bin der Meinung, um auf der Gefühlsebene die toxische Scham überwinden zu können, müssen wir uns zuallererst bewusst machen, dass die toxische Scham mit uns als Person nichts zu tun hat, sondern die Folgen einer Projektion unserer Bezugsmenschen aus der Kindheit sind. Nicht wir als Mensch sind schlecht, wir sind vollkommen in Ordnung so wie wir sind. Das waren wir früher schon und sind es heute noch immer. Wir müssen lernen Vertrauen aufzubauen, zu uns und zu anderen Wesen. Und wir sind angewiesen auf positive (Lern-)Erfahrungen mit anderen. Daraus schöpfen wir unsere Kraft. Am besten geeignet hierfür sind Lebewesen die uns nicht bewerten, die in keinem konditioniertem Bewertungsprogamm stecken. Das sind z. B. Tiere und Kleinkinder. Sie können Freude empfinden und diese ungehemmt an uns weitergeben. Sie können uns das Gefühl vermitteln, dass wir so wie wir sind in Ordnung sind. Ich denke, das ist ein guter Ansatz. Mir fällt da ad hoc das Tierheim ein. Dies ist ein guter Ort um zu "trainieren" um gute und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Wir könnten dort ehrenamtlich arbeiten und z. B. Hunde ausführen. Voraussetzung ist natürlich, dass man Tiere auch wirklich liebt. Helfen könnte ausserdem sich mit Affirmationen zu füttern. Affirmationen sind einfache, klare, positiv formulierte Sätze. Laut oder leise wiederholt ausgesprochen, dienen sie dazu, das Unterbewusstsein mit neuen Informationen zu versorgen. Ziel ist es, mit ihrer Hilfe Blockaden zu lösen, Störungen und überholte, festgefahrene und hindernde Gedankenstrukturen zu entfernen und neue positive, befreiende und inspirierende Gedankenmuster zu schaffen. Affirmationen zählen zu jenen wirkungsvollen psychologischen Werkzeugen, die - ohne zusätzliche Hilfsmittel anwenden zu müssen - unsere Fähigkeit unterstützen, unser eigenes Verhalten systematischer und zielsicherer zu steuern.
Das ist das, was mir dazu einfällt. Aber es gibt bestimmt noch mehr Möglichkeiten um die toxische Scham auf der Gefühlsebene zu heilen.
Auch ich habe als Kind toxische Scham erfahren. Vor allem durch meinen Vater. Und ich bin immer noch tangiert davon.

01.08.2019 19:35 • x 4 #2


Robinson
@soleil
Danke für deine Gedanken.
Was mir auffällt ist, dass ich mit Doppelbotschaften Probleme habe, oder anders, mit "Nichtgesagtem", Unausgesprochenem.
Denn da ist viel Interpretationsspielraum. Und du kannst dich nicht adäquat wehren. Also immer diese subtilen Abwertungen.
Die sind eine mächtige Waffe.
Wenn man trotzdem nachfragt, kommt dann ein "Ach, nö, ist schon OK."
Ist es aber nicht.
Affirmationen kenne ich und mache ich auch.

01.08.2019 21:27 • x 2 #3


soleil
Zitat von Robinson:
Was mir auffällt ist, dass ich mit Doppelbotschaften Probleme habe, oder anders, mit "Nichtgesagtem", Unausgesprochenem.
Denn da ist viel Interpretationsspielraum. Und du kannst dich nicht adäquat wehren. Also immer diese subtilen Abwertungen.
Die sind eine mächtige Waffe.
Wenn man trotzdem nachfragt, kommt dann ein "Ach, nö, ist schon OK."
Ist es aber nicht.

Damit habe ich auch Probleme. Die Interpretation diesbezüglich fällt auch immer zu meinen Ungunsten aus. Ebenso habe ich Probleme damit, wenn sich eine ihm Grunde mir fremde Person mir gegenüber sehr distanziert, fast schon unfreundlich verhält. So geschehen erst gestern. Ein Nachbar vom Haus hat sich genau so verhalten. Auf ein freundliches "Hallo" meinerseits folgte ein unfreundliches "Hallo" ohne jeglichen Augenkontakt. Auf eine schlechte Laune seinerseits führe ich das nicht zurück, denn er war mir gegenüber von Anfang an so. Solche Begegnungen nehme ich nach wie vor persönlich, was mich allerdings ärgert. Ich fühle mich damit als Mensch "abgewertet" und in eine Schublade gesteckt. Im Grunde zeigt er mir durch sein Verhalten mir gegenüber, dass er von mir nichts hält. Früher konnte ich mit solchen Begegnungen noch weniger gut umgehen, zwischenzeitlich ist es besser geworden, aber es ist lang davon entfernt, gut zu sein. Damit gebe ich solchen Menschen Macht über mich, die ihnen gar nicht zusteht. Eine Folge der toxischen Scham.

02.08.2019 04:10 • x 2 #4


Robinson
Zitat von soleil:
Damit gebe ich solchen Menschen Macht über mich, die ihnen gar nicht zusteht.


Das ist ein entscheidener Satz.

Mich hat auch mal eine Therapeutin gefragt,warum ich den Menschen so viel Macht über mich einräume.
Ganz einfach.
Ich habe in Beziehungen übergriffiges Verhalten erlebt.
Das prägt.
Unbewusst will ich so den anderen kontrollieren, um dem vorzubeugen.
Bei einer Person geht das ja noch, aber in Gruppen ist es zu viel.
Unbewusst gebe ich dem anderen recht in seiner vermeindlichen Ablehnung, weil ich mich selbst ablehne. Ich denke, so wie ich mich sehe, sehen mich auch alle anderen. Ich verhalte mich deshalb auch entsprechend und werde dann tatsächlich abgelehnt. So schliesst sich der Kreis und die Scham wird grösser.
Ich glaube, es gibt so viele Soziophobische Menschen auf der Bühne weil sie da in eine Rolle schlüpfen können, sich ein Stellvertreter-Ich zulegen können.
Ich nenne das für mich das "im Auftrage von..."-Ich.
Aber die sind ja dann auch von anderen Abhängig. Von Applaus oder Buh-Rufen.
Weist du, in unserer Kindheit wurden wir von vielen Menschen geprägt, die selbst Probleme hatten, sich anzunehmen. Und wir haben das geglaubt.
So ist unser EGO entstanden, dass mit uns selbst nix zu tun hat.
Denn wir sind nicht unser EGO.

02.08.2019 08:08 • x 2 #5


Odd_Thomas
@ Robinson,

das ist genau, was ich auch vermute. Scham spielt hier eine ganz große Rolle.
Könnte ich dieses Gefühl einfach abstellen, hätte ich weitaus weniger Probleme.

02.08.2019 10:38 • #6


Odd_Thomas
Zitat von soleil:
Damit habe ich auch Probleme. Die Interpretation diesbezüglich fällt auch immer zu meinen Ungunsten aus. Ebenso habe ich Probleme damit, wenn sich eine ihm Grunde mir fremde Person mir gegenüber sehr distanziert, fast schon unfreundlich verhält. So geschehen erst gestern. Ein Nachbar vom Haus hat sich genau so verhalten. Auf ein freundliches "Hallo" meinerseits folgte ein unfreundliches "Hallo" ohne jeglichen Augenkontakt. Auf eine schlechte Laune seinerseits führe ich das nicht zurück, denn er war mir gegenüber von Anfang an so. Solche Begegnungen nehme ich nach wie vor persönlich, was mich allerdings ärgert. Ich fühle mich damit als Mensch "abgewertet" und in eine Schublade gesteckt. Im Grunde zeigt er mir durch sein Verhalten mir gegenüber, dass er von mir nichts hält. Früher konnte ich mit solchen Begegnungen noch weniger gut umgehen, zwischenzeitlich ist es besser geworden, aber es ist lang davon entfernt, gut zu sein. Damit gebe ich solchen Menschen Macht über mich, die ihnen gar nicht zusteht. Eine Folge der toxischen Scham.


Das ist bei mir auch ein Grund dafür, dass ich nicht gerne am Nachbarn vorbei gehe. Oder beim Einkaufen genau das gleiche Problem. Man wär grundsätzlich dazu in der Lage SmallTalk zu führen, aber man interpretiert so viel hinein, dass es einen komplett überfordert.
Auf andere wirkt man dann arrogant oder einfach seltsam.

02.08.2019 11:54 • x 1 #7


soleil
Zitat von Robinson:
Mich hat auch mal eine Therapeutin gefragt,warum ich den Menschen so viel Macht über mich einräume.
Ganz einfach.
Ich habe in Beziehungen übergriffiges Verhalten erlebt.
Das prägt.
Unbewusst will ich so den anderen kontrollieren, um dem vorzubeugen.

Das ist so, ja. Da gebe ich dir recht.
Zitat von Robinson:
Unbewusst gebe ich dem anderen recht in seiner vermeindlichen Ablehnung, weil ich mich selbst ablehne. Ich denke, so wie ich mich sehe, sehen mich auch alle anderen. Ich verhalte mich deshalb auch entsprechend und werde dann tatsächlich abgelehnt. So schliesst sich der Kreis und die Scham wird grösser.

Bist du dir sicher, dass andere (unbewusst) wahrnehmen, dass du dich selbst ablehnst und sie dich daher ablehnen? Ich weiss nicht, ob die Menschen zu so viel Wahrnehmung überhaupt in der Lage sind. Was mich betrifft, ich zeige mich aus Gründen des Selbstschutzes anderen gegenüber nicht so, wie ich mich selbst sehe. Denn das würde mich angreifbar machen und dem will ich vorbeugen. Es muss noch andere Gründe dafür geben, warum manche Menschen einen sehr schnell ablehnen. Ich denke da gerade an meinen unfreundlichen Nachbarn, den ich in meinem letzten Post hier erwähnte. Der kannte mich überhaupt nicht und schwupps war da schon seine Ablehnung. Ich wohne noch nicht lange hier in diesem Haus und bereits bei meiner "Vorstellungsrunde" hier habe ich seine Ablehnung gespürt. Und da habe ich weiss Gott kein "Lass mich in Ruh" Gesicht und Gehabe an den Tag gelegt, sondern bin ihm wie allen anderen Nachbarn auch, offen und freundlich begegnet.
Doch kann ich im Gegensatz zu Menschen, die nicht unter einer toxischen Scham leiden, nicht gelassen mit solchen Situationen umgehen, sondern beziehe sie sofort auf mich und mein Selbstbild, das von der eigenen Ablehnung geprägt ist.

02.08.2019 16:58 • #8


Robinson
Zitat von soleil:
Das ist so, ja. Da gebe ich dir recht. Bist du dir sicher, dass andere (unbewusst) wahrnehmen, dass du dich selbst ablehnst und sie dich daher ablehnen? Ich weiss nicht, ob die Menschen zu so viel Wahrnehmung überhaupt in der Lage sind. Was mich betrifft, ich zeige mich aus Gründen des Selbstschutzes anderen gegenüber nicht so, wie ich mich selbst sehe. Denn das würde mich angreifbar machen und dem will ich vorbeugen. Es muss noch andere Gründe dafür geben, warum manche Menschen einen sehr schnell ablehnen. Ich denke da gerade an meinen unfreundlichen Nachbarn, den ich in meinem letzten Post hier erwähnte. Der kannte mich überhaupt nicht und schwupps war da schon seine Ablehnung. Ich wohne noch nicht lange hier in diesem Haus und bereits bei meiner "Vorstellungsrunde" hier habe ich seine Ablehnung gespürt. Und da habe ich weiss Gott kein "Lass mich in Ruh" Gesicht und Gehabe an den Tag gelegt, sondern bin ihm wie allen anderen Nachbarn auch, offen und freundlich begegnet.Doch kann ich im Gegensatz zu Menschen, die nicht unter einer toxischen Scham leiden, nicht gelassen mit solchen Situationen umgehen, sondern beziehe sie sofort auf mich und mein Selbstbild, das von der eigenen Ablehnung geprägt ist.


Ich bin sehrEmphatisch.
Menschen fühlen sich bei mir leicht durchschaut.
Ich fühle, was andere ausstrahlen und spiegele es Unbewusst zurück.
Viele Menschen sind im Erstkontakt ängstlich oder genervt.
Ausser die, mit Hornhaut auf den Synapsen. Diese Blödmänner checken garnix oder es macht ihnen Spass andere zu demütigen.

02.08.2019 18:04 • #9


Odd_Thomas
Dazu sind wir definitiv fähig. Man muss ja nicht mal ein Empath sein, um das festzustellen.
Wenn jemand sich selbst ablehnt, kann man das ja schon rein optisch erkennen.
Wenn dieser Mensch z.b. nicht ungepflegt ist, dann doch bestimmt in irgendeiner anderen Art und Weise auffällig.
Gestik und Mimik, Körperhaltung usw.
Jemand, der sich selbst ablehnt empfindet weniger Freude am Leben, das sieht man. Damit möchte man sich nicht belasten. Zu anstrengend.
Deshalb werden auch Beziehungen und Freundschaft durch psychische Erkrankungen zerstört und können dann nicht mehr aufgebaut werden.
Eine Abwährtsspirale aus der es oft genug kein entrinnen mehr gibt.

02.08.2019 19:36 • x 1 #10


Lonly_southwest
Was ich hier bisher gelesen habe, gibt genau das wieder, was ich schon mein ganzes Leben empfinde.
Mir wurde schon von klein auf eingetrichtert, dass ich nichts wert bin, dass andere besser sind, dass ich, wenn Erwachsene reden, den Mund zu halten habe. Das zieht sich durch mein komplettes Schul- und Arbeitsleben hindurch. Heute, mit 47, habe ich immer noch das Gefühl, ich bin dieses kleine Kind, dass besser nichts sagt. Und so sitze ich bei irgendwelchen beruflichen Veranstaltungen still daneben, während um mich rum und auch über mich hinweg Gespräche geführt werden.
Freunde habe ich durch dieses Verhalten natürlich auch keine, von einer Beziehung ganz zu schweigen.
Ich hatte auch schon Therapien, aber die haben wohl nichts genutzt, sonst wäre ich nicht immer noch in der gleichen Situation.

11.08.2019 13:01 • x 4 #11


Krönchen
Zitat:
Ein Nachbar vom Haus hat sich genau so verhalten. Auf ein freundliches "Hallo" meinerseits folgte ein unfreundliches "Hallo" ohne jeglichen Augenkontakt. Auf eine schlechte Laune seinerseits führe ich das nicht zurück, denn er war mir gegenüber von Anfang an so.


Wenn es nicht unbedingt ein normales Griesgram-Verhalten war, weil es vielleicht generell seine Art ist, zuhause ständig der Familienfrieden schief hängt, der Chef ihn triezt, oder sonstwas, geht es aber vielleicht zb diesem Nachbarn auch einfach nur so, dass er keine (neuen) Kontakte sucht / will?
Sich grade bei einem neuen Nachbarn freundlich zu verhalten heisst meist auch, dass es zu einem neuen Kontakten führt.

Nicht grade freundlich grinsend Hallo zurückzurufen könnte alle möglichen Hintergründe haben, die keinerlei Zusammenhang mit dir haben. Und das sollte man sich auch immer wieder in den Sinn rufen, auch wenn es manchmal nicht leicht fällt die Gedanken in diese Richtung zu lenken.

11.08.2019 22:04 • x 1 #12


juwi
Zitat von Lonly_southwest:
Was ich hier bisher gelesen habe, gibt genau das wieder, was ich schon mein ganzes Leben empfinde.Mir wurde schon von klein auf eingetrichtert, dass ich nichts wert bin, dass andere besser sind, dass ich, wenn Erwachsene reden, den Mund zu halten habe. Das zieht sich durch mein komplettes Schul- und Arbeitsleben hindurch. Heute, mit 47, habe ich immer noch das Gefühl, ich bin dieses kleine Kind, dass besser nichts sagt. Und so sitze ich bei irgendwelchen beruflichen Veranstaltungen still daneben, während um mich rum und auch über mich hinweg Gespräche geführt werden.Freunde habe ich durch dieses Verhalten natürlich auch keine, von einer Beziehung ganz zu schweigen.Ich hatte auch schon Therapien, aber die haben wohl nichts genutzt, sonst wäre ich nicht immer noch in der gleichen Situation.

Geht mir ganz ähnlich! Gut beschrieben.

11.08.2019 22:22 • #13


Odd_Thomas
Hi @ Krönchen,

da hat du recht. Problematisch ist aber, wenn man weiß, dass bestimmte Leute bestimmte Vorurteile haben und sich zusätzlich noch ihren Müll zusammen reimen.
Dann vermischt sich Wahrheit und Gerücht. Du hörst mal was, regst dich darüber auf und denkst dann beim nächsten Mal, wenn vielleicht nichts war, dass wieder irgendein Stuss geredet wurde.

Mich regen diese Menschen, die meinen, sie hätten die Weisheit gepachtet, extrem auf.
Zumal es dann auch noch meistens so ist, dass du genau weißt, wie ahnungslos die sind und es scheinbar nur darum geht, sich wie die Geier auf das "Neueste" in dem & dem "Härtefall" zu berichten.

Mir ist bewusst, dass man sicher verwundert wär, wenn man wüsste, wie wenig die anderen Menschen an einen denken. Insgesamt.
Aber leider nehmen die, die es doch tun, einen so großen, mit negativen Emotionen gespickten, Platz ein.

Das nervt mich.

Gruß,
Odd

12.08.2019 08:54 • x 1 #14


Robinson
Zitat von Odd_Thomas:
Hi @ Krönchen,da hat du recht. Problematisch ist aber, wenn man weiß, dass bestimmte Leute bestimmte Vorurteile haben und sich zusätzlich noch ihren Müll zusammen reimen. Dann vermischt sich Wahrheit und Gerücht. Du hörst mal was, regst dich darüber auf und denkst dann beim nächsten Mal, wenn vielleicht nichts war, dass wieder irgendein Stuss geredet wurde. Mich regen diese Menschen, die meinen, sie hätten die Weisheit gepachtet, extrem auf. Zumal es dann auch noch meistens so ist, dass du genau weißt, wie ahnungslos die sind und es scheinbar nur darum geht, sich wie die Geier auf das "Neueste" in dem & dem "Härtefall" zu berichten. Mir ist bewusst, dass man sicher verwundert wär, wenn man wüsste, wie wenig die anderen Menschen an einen denken. Insgesamt. Aber leider nehmen die, die es doch tun, einen so großen, mit negativen Emotionen gespickten, Platz ein.Das nervt mich. Gruß,Odd


Den Platz räumen wir ihnen ja ein.
Denn deren Meinung ist ja viel richtiger als unsere!
Ich glaube, das kommt daher, dass wir früher viel abhängiger waren von den anderen.

Prinzipiell stimmt es aber:
Die anderen beachten dich viel weniger als du denkst!
Und:
Wenn ich manchmal mibekomme, was für ein Murks andere im Kopf haben, Ansichten und Dogmen an denen sie festhalten, auch weil !sie! Angst haben, kann ich nur schmunzeln.
Grade die Mürrischen sind sehr verschlossen vor: ? -Angst.
Es hilft wohl, wenn man sich das bewusst macht in der Situation und nicht in diesen Schreckreflex verfällt, der so antrainiert ist.
Im Grunde erleben wir Reflexhaft immer eine Selbsttäuschung.
Andere sehen ja nicht sooo tief in dich herein, wie man das manchmal so fühlt.
Ich habe diese Reflexe, weil ich lange Zeit zu doof war, narzisstischen Missbrauch zu erkennen.

12.08.2019 21:19 • #15


Odd_Thomas
Moin Robinson,

du schreibst von narzisstischem Missbrauch, wie meinst du das?

Bei mir ist es so, dass wohl ziemlich viel Scham auf mich übertragen wurde.
Ich glaube mein Vater ist auch ein Narzisst. Sein Vater ebenfalls.
Tyrann würde es auch beschreiben, ist aber vielleicht etwas drüber.

Jedenfalls haben die mir immer schon das Gefühl gegeben, etwas besonderes sein zu müssen.
Gleichzeitig war man nie gut genug. Das besch.issene "Er ist hochintelligent!" (am besten mit erhobenem Zeigefinger, wie ein schei.ß Dirigent) k.otzt mich noch immer ziemlich an.
Normal intelligent reichte wohl nicht. Für meinen Vater reichte sowieso überhaupt nichts. Man sah nicht gut genug aus, man war nicht gut genug in der Schule, man war ein verkommens Subjekt.

Meine Eltern haben sich zwar scheiden lassen, als ich noch ein kleiner Junge war.
Aber der Einfluss von meinem Vater und seinem Vater (Opa) hat mich nachhaltig geprägt.

Meine Schwester und ich sind leider vollkommen vom rechten Weg abgekommen und deren Einfluss reicht bis heute.

Gruß,
Odd

13.08.2019 08:49 • #16


Robinson
Zitat von Odd_Thomas:
Moin Robinson,du schreibst von narzisstischem Missbrauch, wie meinst du das? Bei mir ist es so, dass wohl ziemlich viel Scham auf mich übertragen wurde.Ich glaube mein Vater ist auch ein Narzisst. Sein Vater ebenfalls. Tyrann würde es auch beschreiben, ist aber vielleicht etwas drüber. Jedenfalls haben die mir immer schon das Gefühl gegeben, etwas besonderes sein zu müssen. Gleichzeitig war man nie gut genug. Das besch.issene "Er ist hochintelligent!" (am besten mit erhobenem Zeigefinger, wie ein schei.ß Dirigent) k.otzt mich noch immer ziemlich an. Normal intelligent reichte wohl nicht. Für meinen Vater reichte sowieso überhaupt nichts. Man sah nicht gut genug aus, man war nicht gut genug in der Schule, man war ein verkommens Subjekt. Meine Eltern haben sich zwar scheiden lassen, als ich noch ein kleiner Junge war.Aber der Einfluss von meinem Vater und seinem Vater (Opa) hat mich nachhaltig geprägt. Meine Schwester und ich sind leider vollkommen vom rechten Weg abgekommen und deren Einfluss reicht bis heute. Gruß,Odd


Ich hatte einen Narzisstischen Jugendfreund. Wobei Freund nicht richtig ist.
Meine erste Langzeitbeziehung war Borderlinerin.
Ich zog solche Typen magisch an, weil ich damals Naiv, Gutmütig und etwas Trottelig, ein Träumer war.
Mit mir konnten sie es ja machen, der wehrte sich nicht, wird mal auf meinem Grabstein stehen.
"grins"
Mutter Depressiv, geschieden, konnte keinen Halt und Liebe geben, emotional und materiell war da nix.
Verwahrlosung.
Vater liebevoll aber zu schwach für Probleme, heile Welt getue wenn ich mal bei ihm war, keine Unterstürzung, trotzdem wollte er das, was er nicht wurde (Beruflich) an mir weitergeben.
Ich glaube, er hat sich für mich geschämt, weil ich, wie er, auch zu "Weich" ist, und seine Scham auf mich projiziert.
Nicht mit Worten, da war alles schick.
"Macht ja nix"
Nein, er zeigte mir immer Unbewusst meine Wertlosigkeit, indem er mein "So sein" nicht akzeptierte. Die eigenen Schwächen schamvoll in mir sah.
Meine Zwillingsschwester war sein Liebling. "Die hat es geschafft!"
Das meine ich mit den Doppelbotschaften.
Das mein Vater mich liebt, glaube ich schon. Er war kein Narzisst.
Alles in allem keine gute Basis für ein gesundes Selbstwerterleben.

13.08.2019 10:54 • #17


Odd_Thomas
Ja moin,

das was du da über deinen Vater schreibst, deckt sich mit dem, was ich über meinen weiß. Nur, dass da emotional eher weniger war.

Die Frage ist, wie holt man das nach, was einem an gesundem Selbstwerterleben fehlt?

13.08.2019 11:48 • #18


Robinson
Zitat von Odd_Thomas:
Ja moin,das was du da über deinen Vater schreibst, deckt sich mit dem, was ich über meinen weiß. Nur, dass da emotional eher weniger war. Die Frage ist, wie holt man das nach, was einem an gesundem Selbstwerterleben fehlt?


Ich glaube, nachdem man das erkannt hat, geht es nur über die Gefühlsebene.
Zulassen, dass jemand dich liebt, so wie du bist.
Oder kleiner anfangen:
Nicht gleich in Argwohn verfallen, wenn dir jemand näher kommt.
Das ist wie wenn du mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen gelassen einen Schlag in die Magengrube erwartest.
Ich weiss.

Mut, dieses Risiko einzugehen.
Aber ich glaube, so richtig weg wird es nie gehen.
Dazu sitzen die Verletzungen zu tief.

13.08.2019 12:01 • #19


TomTomson
Zitat von Robinson:
Ich meine nicht vom Denken her, da ist es logisch, ich meine vom Gefühl her.
Alle Beschämungen aus der Kindheit rational ablegen klappt bei mir nicht.


Hallo, wie genau meinst du das? Hast du ein konkretes Beispiel dafür? Also etwas wofür du dich schämst bzw. früher geschämt hast und das du rational so betrachten kannst, dass es kein Grund zur Scham dafür gibt, aber es trotzdem nicht klappt die Scham loszuwerden.

14.08.2019 09:18 • #20




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Dr. Reinhard Pichler