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Soraya72
hallo zusammen,
ich habe von einer beraterin gesagt bekommen, dass wohl ein grund für meine ängste ein fehlendes urvertrauen ist, das ich irgendwann verloren habe und das hat mich aus der bahn geworfen. okay. seither trage ich diesen gedanken mit mir herum. als "hausaufgabe" soll ich mir gedanken machen, was der grund dafür war. so. die mache ich mir nun und ich komme auf einiges, das ich gerne erklären möchte. vielleicht erkennt sich der ein oder andere wieder ? gibt mir tipps, ob ich auf dem richtigen weg bin ? kann mir sagen, wie ich das urvertrauen zurückbekomme ?

das erste, auf was ich komme, ist meine mutter. mit meiner mutter verband mich ein tiefes, sehr vertrauensvolles, enges verhältnis. das war nicht immer so. ich empfinde rückblickend das verhältnis zu meiner mutter als ich kind war schwierig. obwohl ich als erwachsene für vieles verständnis habe, was ich als kind nicht so gesehen habe. so habe ich mich oft nicht von ihr verstanden gefühlt. wir waren zwei sehr unterschiedliche menschen und ich hatte immer das gefühl, sie hätte lieber, dass ich mehr wie die oder jene tochter wäre. meine interessen waren anders. ich schlug einen anderen schulischen / beruflichen weg ein als sie dachte. ich hatte andere freunde. ich interessierte mich für andere musik, ich ging viel aus und nicht dorthin, wo sie mich gern gesehen hätte. ich trug die haare, die klamotten so wie es ihr nicht gefiel. ich muss aber sagen, dass sie mich immer hat machen lassen. damals habe ich das so gesehen, dass sie mich nicht liebt, weil ich nicht so bin wie sie das gern hätte - dabei hat sie mir nie steine in den weg gelegt - vlt mal gesagt, das wäre doch so oder so besser, aber letzendlich hat sie mich machen lassen und stand hinter mir. das sehe ich heute so - damals habe ich mich ausgeschlossen gefühlt, denn da war noch meine schwester und die war genau so, wie mama es sich gewünscht hatte. und ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mich trotzdem genau so liebt.

und das zweite, was mir einfällt ist eine unglückliche beziehung mit einem mann als ich noch anfang zwanzig war. der mir immer das gefühl gab, ich genüge nicht so, wie ich war. da kamen dann äußerungen wie - so schön bist du halt nicht, aber das ist ja nicht so schlimm - zieh doch die brille nicht auf, damit gefällst du mir nicht - dein Brust ist ja nicht soo groß, aber was solls - zieh dies nicht an und jenes nicht - wenn du dir die nase machen lassen würdest, würdest du gut aussehen....die liste lässt sich fortsetzen....

ich habe schon längst eine sehr glückliche beziehung und familie. dennoch fällt es mir heute noch schwer zu glauben, dass ich einfach meiner selbst willen geliebt werde. ich denke oft, ich muss dies und das tun und perfekt sein, sonst lässt man mich fallen. ich verbinde liebe damit, dass ich etwas leiste und dafür geliebt werde. dabei kann ich selbst bedingungslos lieben - und nicht glauben, dass auch ich es wert bin bedingungslos geliebt zu werden. das verletzt natürlich die, die mich lieben...

18.11.2016 14:03 • 22.11.2016 #1


11 Antworten ↓


Hallo und willkommen hier im Forum

Mir fehlt auch das Urvertrauen...kenne das sehr gut...da liegt auch die Ursache meiner ganzen Probleme...

Grüßle
Melanie

18.11.2016 14:24 • #2



Fehlendes Urvertrauen als Grund für Ängste

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Schlaflose
Urvertrauen entwickelt man in der frühen Kindheit. Wenn man es verliert, muss auch etwas in der Kindheit passiert sein. Erlebnisse in späteren Jahren als Teenager oder Erwachsener spielen in der Beziehung keine Rolle mehr.

18.11.2016 14:58 • x 1 #3


Hallo Soraya,

dein Text könnte bis auf wenige Abweichungen auch von mir stammen.

Das Problem, das du mit deiner Mutter beschreibst, oder sagen wir besser, die "Umstände", die du beschreibst, kommen mir sehr bekannt vor.

Das Gefühl, nicht wirklich zu genügen, nur für Leistung geliebt zu werden, immer die perfekte Tochter, Ehefrau, Kollegin, Freundin sein zu müssen, weil ich abgelehnt und fallen gelassen werde, wenn ich es nicht bin, das kenne ich nur zu gut.

Ich war in meiner Schulzeit schon auf eine gewisse Weise ein Außenseiter, weil ich ein pummeliges Kind und später ein extrem expressiver und trotzdem zurückgezogener Mensch war.
Ich dachte immer, um gemocht zu werden, muss ich irgendetwas tun, während andere einfach nur sein durften.
Das hat sich dann darin Bahn gebrochen, dass ich mich extrem um mein Äußeres gekümmert und mich letztlich darüber definiert habe.
Aber auch hier wieder war ich der Meinung, dass ich nur gemocht wurde, weil ich gut aussah. Frauen wiederum sahen das gar nicht so gerne und lehnten mich eher ab, Männer hielten mich tendenziell für doof, weil ja schließlich eine "Tussi" war.

Ich habe dann Abitur gemacht und studiert und bin noch heute oft der Meinung, dass ich das immer wieder erwähnen müsste, damit auch jeder weiß, dass ich nicht dumm bin.

Ich versuche permanent, alle "Rollen" in meinem Leben suffizient auszufüllen und brenne dabei selbst immer mehr aus.

Was mir am meisten zu schaffen macht, sind meine Krankheitsängste, deren Ursprung ich auch immer noch zu ergründen versuche.
Und mir wird immer klarer, dass es bei mir auch am fehlenden Urvertrauen liegen muss.

Ich kann auch im Alltag niemandem und nichts wirklich bedingungslos vertrauen. Ich stelle alles in Frage und zweifle grundsätzlich an dem, was andere sagen und tun.
Vor allem zweifle ich an der Wahrhaftigkeit der Menschen und ihren Äußerungen.

Und wenn ich schon nichts und niemandem wirklich vertraue, wieso sollte dann Vertrauen in meinen Körper vorhanden sein ?

Nur, das allein zu erkennen, bringt einen noch nicht weiter.

Daran muss ich noch arbeiten.

Euch alles Gute !

18.11.2016 15:17 • #4


Tini213
Bei mir das gleiche !
Das innere Kind muss geheilt werden . Ein langer Prozess
Ob das jemals gelingt wage ich fast zu bezweifeln

18.11.2016 15:26 • x 1 #5


Soraya72
vielen dank für eure antworten.....hat von euch schon mal jemand versucht an die wurzel des übels zu kommen ? also DEN grund herauszufinden....und wenn man ihn gefunden hat, was kann man dann machen, um in zu eliminieren.

denn wenn es sich auf meine mutter bezieht, so bin ich mir heute sicher, dass ich das problem war. ich weiss heute, dass sie mich über alles geliebt hat - nur damals habe ich das nicht so gesehen. und über meine gefühle reden, das konnte ich erst sehr spät, dazu war ich als kind / teenie / junge erwachsene noch nicht in der lage.

mit meiner mutter kann ich darüber nicht mehr sprechen, sie ist leider schon vor 11 jahren gestorben.

18.11.2016 15:35 • #6


Ich versuche das schon viele Jahre...und bin immer noch auf der Suche ...aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...

18.11.2016 15:54 • #7


cube_melon
Hallo Soraya,

ein Urvertrauen wird in der Kindheit gebildet - post-natal. Wann genau will ich gar nicht erörtern, jedoch hat ein fehlendes Urvertrauen viel weitläufigere Auswirkungen.
So wie Du deine Situation beschreibst ist dein Urvertrauen intakt. Es klingt für mich eher für ein schlechtes Eigenbild und Selbstwertgefühl.

Was die genaue Ursache ist kannst Du dir dir letztendlich nur selbst beantworten. Mit Hilfe einer Therapie geht das besser.

So Punkte wie folgenden sind da mit Sicherheit beteiligt:
Zitat:
und das zweite, was mir einfällt ist eine unglückliche beziehung mit einem mann - da kamen dann äußerungen wie - so schön bist du halt nicht, aber das ist ja nicht so schlimm - zieh doch die brille nicht auf, damit gefällst du mir nicht - dein Brust ist ja nicht soo groß, aber was solls - zieh dies nicht an und jenes nicht - wenn du dir die nase machen lassen würdest, würdest du gut aussehen....die liste lässt sich fortsetzen....

Zitat:
denn wenn es sich auf meine mutter bezieht, so bin ich mir heute sicher, dass ich das problem war. - mit meiner mutter kann ich darüber nicht mehr sprechen, sie ist leider schon vor 11 jahren gestorben.

Das Eigenbild kann man verbessern, genauso wie das Selbstwertgefühl.
Der Ex ist schlimm mit dir umgegangen. Es hat dir mit Sicherheit emotionales Leid gebracht. Also solltest Du es besser tun und gut mit dir umgehen. Dazu gehört beispielsweise auch ein Kompliment einfach anzunehmen.

Gruß
Cube

18.11.2016 17:24 • #8


cube_melon
Zitat von tanilein:
Und wenn ich schon nichts und niemandem wirklich vertraue, wieso sollte dann Vertrauen in meinen Körper vorhanden sein ?

Ich sehe das genau umgekehrt. Das Vertrauen sollte zuerst in dir vorhanden sein. Du bist die Basis, das sein. Wenn Du der Basis vertraust, ist ein Vertrauen nach aussen hin leichter.
Sich selbst zu vertrauen bedeutet auch sich sicher zu sein, dass man selbst seine Bedürfnisse und Grenzen kennt und sich versorgt und schützt.
Daraus ergeben sich wichtige Punkte - Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Eigenliebe, Selbstwert.
Der Weg geht von deinem inneren Kern, über deine Körpergrenzen, zu deiner Komfortzone und schließlich hinaus in die Welt.

18.11.2016 17:33 • x 1 #9


kleinerIgel
Zitat von Soraya72:
ich muss aber sagen, dass sie mich immer hat machen lassen. damals habe ich das so gesehen, dass sie mich nicht liebt, weil ich nicht so bin wie sie das gern hätte - dabei hat sie mir nie steine in den weg gelegt - vlt mal gesagt, das wäre doch so oder so besser, aber letzendlich hat sie mich machen lassen und stand hinter mir. das sehe ich heute so -

Bei mir ist es genau umgekehrt: ich habe früher immer gedacht, ich hab die tollsten Eltern auf der Welt, eben weil ich sie fast nie geschimpft haben und mich im Prinzip haben machen lassen, was ich wollte. (mit dem Begriff "Liebe" kann ich allerdings nicht viel anfangen..). Später, als ich schon längst erwachsen war, habe ich dann gedacht, dass dieses Verhalten zeigt, dass ich ihnen egal bin.
Seit mir aufgefallen ist, dass ich mich in vielen Dingen genauso verhalte wie meine Eltern, und zwar einfach weil ich es nicht besser kann, denke ich, dass sie sich auch nur so verhalten haben, weil sie es nicht besser konnten. Es heißt aber nicht dass ich ihnen wirklich egal bin.

Und wo ich das grade schreibe, fällt mir auf, dass zu dem Zeitpunkt als ich anfing zu glauben, dass ich meinen Eltern egal war, ich auch langsam mein Leben immer weniger in Griff hatte.. Was mache ich nun mit dieser Erkenntnis? Dass es wirklich alles nur Kopfsache ist?

Jedenfalls fehlt mir dieses Urvertrauen wohl auch. Ich habe keine Ahnung ob und wie man das wiederherstellen könnte. Aber seit mir die Zusammenhänge klar sind verstehe ich mich selbst viel besser. Ich merke, wenn ich mich mal wieder "komisch" verhalte oder was "komisches" denke und weiß, dass ich genau an dieser Stelle ansetzen muss mich selbst zu ändern oder eben zu akzeptieren das ich so bin wie ich bin (aber immerhin zu wissen warum ich so bin). Häufig klappt das zwar nicht so gut, also das ändern oder akzeptieren, aber mir hilft schon allein die Erkenntniss. Und am Rest muss ich halt weiter arbeiten..

Grüße vom kleinen Igel

18.11.2016 17:59 • #10


Hallo Soraya72, da kann ich dir nur zustimmen. Wenn ich darüber nachdenke,besteht ein Zusammenhang zwischen Angststorung und Urvertrauen. Meine Mutter hat viel mit mir geschimpft,hatte wenig Geduld und ich wurde leistungsorientiert erzogen. Einmal hat meine Mutter zu mir im Streit gesagt dass sie ins Kinderheim fährt und sich dort ein anderes Kind holt. Da habe ich gelernt dass ich ersetzbar bin. Seitdem sehne ich mich nach bedingungsloser Liebe ...

22.11.2016 08:09 • #11


waage
Hallo,

kann ich auch bestätigen...Urvertrauen entwickelt jeder in den ersten Lebensjahren..mit Hilfe seiner Eltern.
Wenn wir kein gut kontrolliertes Ego haben oder grenzenloses Urvertrauen...sind Ängste vorprogrammiert....
Merke es auch bei mir; es fehlt eine positive Grundeinstellung ( zu mir selbst) , zu anderen Menschen, zur Welt.....

L.G. Waage

22.11.2016 08:25 • #12



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