Hallo an Alle !
Ich arbeite seit 11 Jahren als Verkäufer im Einzelhandel.
Im Laufe dieser Zeit, entwickelte sich bei mir eine Art Verhaltensstörung, eine Störung, die nicht nur auf meinen Job beschränkt blieb, sondern sich auch in meinem Privatleben einnistete. Sie quält mich seit etwa 3 Jahren.
Sie äußert sich mit plötzlich einsetzenden Angstzuständen und einer für mich unüberwindbaren Unfähigkeit, auf Menschen zuzugehen.
Ihre Blicke zu erwidern ist schon schwer genug, sie anzusprechen noch viel schwieriger. In meinem Beruf natürlich tödlich.
Ich wache morgens bzw. mittags (je nach Schicht) auf und weiß in diesem Augenblick, was mich 2 Stunden später erwartet.
Mein Herz beginnt zu rasen. Schon morgens kann ich kaum einen vernünftigen Gedanken fassen. Der Weg zur Arbeit wird zum Spießrutenlaufen. Auf immergleichem Weg in die Übelkeit des Lebens. Ein weiterer Tag mit schätzungsweise 300 geführten Gesprächen im Verkaufsraum und einem übel gelaunten, antriebsorientierten Chef, der sich mit Sticheleien und übler Nachrede einen Namen gemacht hat.
Ich blicke oftmals nach unten & vorbei, weil ich Angst habe vor den Reaktionen der Menschen. Wenn der Tag aber mit freundlichen Leuten beginnt, macht es manchmal sogar Spaß und ich erlebe ein (kurzes) Hochgefühl.
Ich bin nicht mehr in der Lage, so weiterzumachen.
Was soll ich tun?? Kündigen, auf den Rausschmiß warten??
Ich kann einfach nicht mehr.
Sollte ich einen Psychologen aufsuchen??
Vielen Dank ...
Marlowe

27.02.2010 19:47 • 06.04.2020 #1


13 Antworten ↓


Hallo Marlowe,

kannst Du einen Auslöser für Deine Ängste ausmachen? Wo liegt die Ursache? Bei deinem nörgelnden Chef oder was war plötzlich ander? Bei mir war es nämlich unter anderem eine extrem belastende Situation mit meiner Chefin, die dazu führte.

Ich würde auf jeden Fall einen Therapeuten aufsuchen, da es Dich so wahnsinnig belastet. Und je eher Du etwas unternimmst umso besser. Weil du damit den Druck wegnimmst, der auf Dir lastet.

Liebe Grüße, berlina

27.02.2010 19:53 • #2



Hallo Marlowe,

Soziale Phobie (nicht nur) am Arbeitsplatz

x 3#3


Danke für Deine Antwort,
Es lief jahrelang so nebenbei, hab es zwar gemerkt, aber nicht weiter beachtet. Langsam verstärkte sich dieses Gefühl.
Und ja, ich hab einen neuen Chef. Seit etwa einem Monat, der mir jegliche Lust und Motivation absprach, mich sogar einmal öffentlich im Verkaufsraum mit dem Ziehen an meinem Ohrläppchen gedemütigt hat.
Außerdem hat er mir vor einem (schweigenden) Zeugen vorgeworfen, ich sei cholerisch veranlagt und die Kollegen hätten Angst vor mir.
Ich bin gestern beim Hausarzt in Tränen augebrochen, für mich vorher unvorstellbar. Jetzt erstmal 2 Wochen krank.

27.02.2010 19:59 • #3


Das ist ja total erniedrigend, am Ohrläppchen ziehen, das ist ja wie früher in der Schule...bei unseren Eltern. Total demütigend. Meine Chefin hat es auch besonders gut drauf gehabt, Leute vor allen runterzumachen. Das ist furchtbar. Aber letztendlich ist es immer eine Frage, wie man damit umgeht. Wenn man stark ist, nimmt man es mit Humor, wenn man sensibel ist, wie ich zum Beispiel, dann nimmt einen das total mit. Vielleicht solltest du mal mit ihm reden. Aber parallel dazu musst Du etwas tun, was Dir wieder Selbstvertrauen gibt, denn das ist das Entscheidende. Ich versuche auch so viel wie möglich positive Impulse aus anderen Dingen zu ziehen, denn es ist mein Selbstbewußtsein, was einen Knacks erlitten hat. Daran arbeite ich zur Zeit - und daran, mich zu entspannen und Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen. Wenn einen jemand dumm anmacht, dann hat er ein Problem, ist schlecht drauf etc. nicht ich. Es geht dabei nicht um mich usw.

Ich mache auch eine Therapie und das Forum hier hat mir sehr geholfen.

LG, berlina

27.02.2010 20:07 • #4


Ich hab es wohl viel zu lange als banal abgetan. Ich werde den Weg nach vorn antreten. Ich hoffe, daß es klappt. Eine Therapie bedarf doch sicher eines unbestimmten Zeitraumes oder?
Ich freue mich übrigens sehr, hier auch viele positive Stimmen von Betroffenen zu hören, wie sie damit umgegangen sind und es hoffentlich auch weiterhin tun werden.

27.02.2010 20:22 • #5


Du beginnst eine Therapie und kannst selbst bestimmen, wie oft Du hingehst. Wenn du nach 10 Stunden meinst es reicht, dann kannst Du auch sagen, dass Du jetzt größere Zeitabstände machen möchtest zwischen den Terminen. Oder du kannst pausieren und die restlichen Stunden dann in Anspruch nehmen, wenn Du sie brauchst. Aber ich empfehle Dir für den Anfang wöchentlich eine Stunde zu nehmen als festen Termin für Dich. Du wirst sehen, dass es gut tut, dass jemand nur für Dich da ist, der Dir wohlgesonnen ist, dich versteht und Dir helfen kann.

27.02.2010 21:23 • #6


Ich hatte dies auch mal in mehr oder weniger extremer Ausformung.
Aus heutiger Sicht sehe ich die Gründe dafür darin, daß ich erstens zuviel Streß hatte und irgendwann begann auf meine Streßsymptome zu reflektieren. So nach dem Motto: Niemand darf mir ansehen, daß ich schwach bin, daß ich zittere etc. Ich hatte da auch ein Schlüsselerlebnis, bei dem sich mein Freundeskreis gegen mich verschworen hatte. Ungerechtfertigterweise aus meiner Sicht und aus Stolz habe ich mich total zurückgezogen und bin in eine Abwehrhaltung gegangen. So war´s dann teilweise auch im Beruf, wo ich leider einen Chef hatte, der die Leute mit Angst steuerte. Da wurde ich also erst recht wieder darauf programmiert, keine zu zeigen. Gegenüber Frauen war es dann ganz ähnlich, wobei ich da aus heutiger Sicht sage muß, daß ich mir in meinem Perfektionswahn auch schon viel eingeredet habe.
Ich habe zwar auch Therapien gemacht - aber die haben mir null geholfen, weil sie nicht am Kern des Problems ansetzten bzw. die Therapeuten im Grunde einen völlig falschen Ansatz verfolgten. Eine Verhaltenstherapie bei einem guten Therapeuten wäre zweifelsohne das richtige gewesen.
Wie auch immer - irgendwann habe ich dann selbst kapiert, daß ich mir selbst nicht soviel Druck machen muß und nicht perfekt sein muß und ich Ängste und Schwächen zulassen sollte.
Interessant ist auch, wie sich vieles entwickelt hat: Mein damaliger Chef ist jetzt mein Kunde, den Streß habe ich auch reduziert - auf die Karriere in irgendeinem Konzern habe ich gepfiffen, trauere dem aber keine Träne nach, weil es ohnehin nicht meins gewesen ist.

Also ich denke, man sollte mal seine eigenen Einstellunge ein wenig hinterfragen und sie allenfalls ändern. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, es ist ein Prozeß. Sobald man merkt, daß alles eigentlich nur halb so wild ist und nicht so eine Tragödie, wie man sich immer eingeredet hat, dann geht schon mal vieles in die richtige Richtung.
Wohlgemerkt haben manche Einstellungen jetzt nichts mit Dir selbst zu tun - d.h. Du brauchst Dich nicht als Person hinterfragen - ganz im Gegenteil, das macht man in einer solche Situation ohnehin viel zu oft. Es geht nur um gewisse Einstellungen, dem Perfektionsdenken, bloß keine Schwäche zeigen etc. etc.

Eine VT könnte sicher sehr hilfreich sein. Aber es geht dann darum, sich nicht nur mit gewissen Situationen zu konfrontieren (das machen viele ohnehin - nur sie lassen dabei ihre Ängste nicht zu, weil sie nicht zu der richtigen Einstellung gegenüber vermeintlichen Schwächen finden - somit funktionieren sie quasi nur und stehen alles mit zusammengebissenen Zähnen durch)

01.03.2010 21:52 • #7


15.03.2020 19:25 • #8


Laraow
Hallo du,
Ich arbeite auch in sozialen Bereich und weiß was für ein Haifisch Becken das sein kann. Fühle dich erstmal gedrückt
Was ist denn das für eine die über dich lästert ?

15.03.2020 19:28 • #9


Zitat von mausi94:
Hallo ihr lieben,Wie die Überschrift schon lautet, fühle ich mich auf meiner jetzigen Arbeit nicht wohl. Ich habe meine arbeit gewechselt weil ich wieder vollzeit arbeiten wollte und mein vorheriger Arbeitgeber konnte mir nur teilzeit bieten. Ich arbeite als Sozialasistentin in einer Kita. Nur ist es jetzt so das mir die Leute dort überhaupt nicht gefallen und dort eine Mitarbeiterin ist die mich schon kennt und mich auch nicht mag und sehr über mich lästert und mich bei den anderen auch schlecht dar stehen lässt. Nun habe ich auch das Gefühl das die anderen mit mir auch gar nicht reden wollen und ich habe schon eine soziale Phobie und versuche mich sehr zu öffnen und selbstbewusst aufzutreten. Deswegen würde ich am liebsten den arbeitsplatz wechseln, aber andere sagen ich soll durch halten ich weiß aber echt nicht mehr weiter.


Es ist natürlich immer blöd Vorallem wenn man wo Anfängt wo sich ja alle schon kennen. Hast du Mal versucht auf die Person die über dich lästert zu zu gehen und mit ihr die Problem die sie mit dir hat aus der Welt zu schaffen?

15.03.2020 19:29 • #10


Lottaluft
Wie lange bist du schon bei deiner neuen Stelle ?
Wenn du die Möglichkeit hast würde ich mich weiter bewerben und zum passenden Zeitpunkt kündigen wenn du etwas neues hast
Arbeit macht einen großen Teil vom Alltag aus und da solltest du nicht solchen lästerschwestern ausgesetzt sein und morgens schon mit schlechtem Gefühl zur Arbeit gehen

15.03.2020 19:29 • #11


Perle
Hallo Mausi,

wenn Du sicher bist, dass die besagte Kollegin tatsächlich über Dich lästert, dann solltest Du sie zur Rede stellen. Ich weiß, dass das nicht leicht ist aber ich meine, es ist wichtig, hier nicht lange zu fackeln, sondern diese Kollegin sofort in ihre Schranken zu verweisen. Wenn Du Dich klein machst, wird es immer schlimmer.

Wenn Du das durchgezogen hast, kannst Du immer noch über eine andere Arbeitsstelle nachdenken. Wenn es dann immer noch notwendig sein sollte.

LG Perle

15.03.2020 19:32 • #12


Gorilla
Vielleicht würde ein Gespräch mit dieser Kollegin helfen. Viellicht hast du jemandem dem du vertraust und der an dem Gespäch teilnimmt.

17.03.2020 07:43 • #13


hey

Ja die Person kennt mich aus einen Praktikum und damals hatte man sich ganz gut verstanden nahm ich an.
Als ich sie dann mal in der Stadt getroffen habe und ich hallo sagen wollte guckte sie mich schon sehr abweisend an so nach dem Motto mit dir möchte ich nichts zu tun haben. Jetzt ist es halt so das sie mir auch diese Blicke zu wirft und ich halt merke das über mich gelästert oder lustig gemacht wird. Es ist halt kein schönes Gefühl dort hin zu gehen

Gerade eben • #14




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