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Micha90
Hallo liebe Mitbetroffene,

habt ihr Erfahrungen bei der Behandlung einer Sozialen Phobie mit Antidepressiva (SSRI) zusammen mit Psychotherapie?

Vornab sollte gesagt sein das ich seit meiner Jugend mit sozialen Ängsten zu kämpfen habe, in meiner Schulzeit war es ganz schlimm (Referate etc.) dannach wurde es dann zeitweise besser aber momentan hat es sich wieder gravierend verschlechtert!

Ich stecke gerade in einer ganz schönen Zwickmühle!
Seit ca. 3 - 4 Monaten werde ich in der Firma in der ich gelernt habe an einem neuen Arbeitsplatz eingelernt der eine sehr große Verantwortung mit sich bringt, an dem ich konzentriert sein muss und an dem ich momentan zumindest unter permanenter Beobachtung stehe.
Das ganze läuft in einem 3 Schicht Zyklus ab, also Früh-, Spät- und Nachtschicht.

Dieses unter Beobachtung stehen und für alle Fehler die man macht sofort zur Verantwortung gezogen zu werden (wurde da schon ein paar mal richtig angepampt auch für Sachen die ich nicht wusste) gepaart mit den Wechseln der verschiedenen Schlafrhytmen macht micht total fertig!
Ich habe rund um die Uhr Angst wieder irgendwas falsch zu machen und den ganzen Anförderungen die der Job mit sich bringt nicht gerecht zu werden.
Das ganze geht soweit das ich absolut keinen Schlaf mehr finde weil ich nichtmehr abschalten kann, demensprechend fertig bin ich dann am nächsten Tag.
Aufgrund des Schlafmangels bin ich dann noch unkonzentrierter und mache noch mehr Fehler ---> Ärger----> Angst ---> Schlaflos ---> unkonzentriert ----> Fehler usw.
Ist also ein richtiger Teufelskreis.
Das hat sich soweit gesteigert das ich richtige Panikattacken hatte und mein Kreislauf schlapp gemacht hat, ich habe mir dann kurzer Hand mit Tavor über den Tag geholfen. Damit ging es dann einigermaßen, konnte wieder Schlafen und hatte die Angst unter Kontrolle. (Stand ja im Grunde aber unter Dro. und wäre somit für den Beruf auch absolut ungeeignet)
Aus Angst in eine Abhängigkeit zu rutschen habe ich die Tavor dann abgesetzt was die ganze Situation noch verschlechtert hat.
Bin dann letzte Woche Donnerstag nach meiner ersten Frühschicht beinahe Umgekippt, habe am ganzen Körper gezittert und hatte heftige Panik.
Meine Freundin hat mich dann zum Arzt gefahren der hat mich jetzt erstmal 2 Wochen krankgeschrieben und mir Citalopram und Atosiltropfen für den Notfall verschrieben.
Ab September habe ich auch nen Platz bei einem Psychotherapeuten.
Jetzt sitze ich also erstmal aus und warte das die Antidepressiva beginnen zu wirken und ich meine Therapie beginnen kann.

Ist hier jemand mit ähnlichen Erfahrungen?
Kann man sowas in den Griff bekommen oder ist der Job einfach Grundsätzlich ungeeignet?
Freue mich über jede Antwort und Hilfe da ich mich schon jetzt wieder total verrückt mache wenn ich daran denke das ich in 1 1/2 Wochen wieder ranmuss

LG

Micha

07.07.2016 11:08 • 08.07.2016 #1


8 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Hi Micha,

begrüße Dich ganz lieb bei uns.

Nein, Tavor ist nicht die Lösung.

Das mit dem Citalopram ist schonmal ok. Du wirst allerdings bis zu 6 Wochen warten müssen, bis es im Körper angekommen ist. Atosil kannst Du nach Bedarf nehmen.

Irgendwie musst Du es bis September schaffen.

07.07.2016 12:58 • #2



Probleme am Arbeitsplatz wegen Sozialer Phobie

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fragile1980
Mir geht es ähnlich.
Kann mich wegen akut zurückgekehrter Sozialphobie nicht in einem Großraumbüro (ca. 100 Leute) aufhalten und auch vorher hat meine Leistung über die Monate so abgenommen, dass ich von Vorgesetzten darauf angesprochen wurde. Ferner bin ich mit den Eindrücken (Stimmen, Schritte, Getippe, Gequassel) völlig reizüberflutet, dass die Konzentration arg drunter leidet. Vor allem geht es aber um viele Leute auf engem Raum, das Gefühl ständig beobachtet zu werden und Angst/Panik, immer weniger Leistung erbringen zu können und immer mehr ins "Gerede" zu kommen.

Weiß zur Zeit auch noch nicht wie es weitergehen soll, aber suche konsequent nach Therapiemöglichkeiten (ambulant und stationär) und bin vorerst krankgeschrieben.

Wünsch Dir alles Gute, Micha!

07.07.2016 13:06 • #3


Micha90
Vielen lieben Dank erstmal für das nette Willkommen und die schnellen Antworten

Hast du den selbst schon Erfahrungen gemacht mit dem Citalopram Vergissmeinicht?
Kannste mir da eventuell ein Feedback geben?
Darf ich mir davon Besserung versprechen?

Ohje frangile1980 da steckst du momentan ja in einer ähnlichen Misere wie ich selbst
Wie gehst du damit um? Sprichst du da offen mit deinem Arbeitgeber darüber also weiß er was genau dir gerade fehlt?
Ich selbst bin mir in der Frage nämlich ziemlich unsicher, einerseits glaube ich würde es mir Erleichterung verschaffen da offen darüber zu sprechen andererseits habe ich natürlich auch Angst auf Unverständnis zu treffen (ist ja leider oft so) oder mich dadurch direkt zu disqualifizieren für eine weitere Beschäftigung....

Wünsche dir natürlich auch viel Kraft und Erfolg!


LG

Micha

07.07.2016 18:42 • #4


Perle
Hallo Micha,

bist Du bei einer großen Firma beschäftigt, sprich gibt es dort einen Betriebsarzt oder eine Betriebsschwester?

Oder gibt es eine Art Vertrauensperson bei Euch, z.B. im Betriebsrat?

LG, Martina

07.07.2016 19:02 • #5


Micha90
Hallo Martina,

ja wir haben einen Betriebsarzt der ist nur ziehmlich unregelmäßig im Werk bin mir nicht einmal sicher ob der nicht nur zu Untersuchungszwecken aufschlägt.

Ja ich habe einen ganz guten Draht zu meinem Meister.
Habe auch vor mich nach Möglichkeit nächste Woche mal mit ihm zu treffen solange ich noch krankgeschrieben bin und ihm reinen Wein einzuschenken.
Vielleicht hat er mir einen Rat oder kann mit mir eine Art Strategie ausarbeiten.
Das erhoffe ich mir zumindest weil ich selbst habe absolut keinen Schimmer wie ich mich Verhalten soll geschweige denn wie es weitergehen soll.
Bin da gerade ziehmlich überfordert mit

LG, Micha

07.07.2016 19:32 • #6


Perle
Hallo Micha,

möchtest Du denn unbedingt an diesem Arbeitsplatz bleiben? Ich meine, es spricht natürlich für Dich und Deine gute Arbeit, dass man Dir diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen hat. Darauf kannst Du stolz sein, finde ich.

Hast Du Dich schon mal mit den anderen Kollegen ausgetauscht, die die gleiche Arbeit machen? Vielleicht haben sie auch Ängste aufgrund eines Überforderungsgefühls. Fühlst Du Dich denn eigentlich überfordert oder hast Du eher die Angst des generellen Versagens? Oder stört es Dich "einfach nur", dass jemand neben Dir sitzt und Dich beobachtet?

Jedenfalls finde ich es gut, dass Du mit Deinem Meister sprechen möchtest. Mache das auf jeden Fall! Es könnte sein, dass Du Dich noch etwas länger krankschreiben lassen musst, denn es dauert einige Wochen, bis das Antidepressivum greift. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

LG, Martina

07.07.2016 19:45 • #7


fragile1980
@micha: Leider kann ich nicht offen mit meiner Teamleitung sprechen, da einfach das Vertrauen nicht da ist bzw. dieses über die Jahre mehrfach zerstört wurde. Ich möchte dieses aber definitiv zum Thema machen und werde mich daher wohl früher oder später an den Betriebsrat wenden. Da ich so ein betriebliches Wiedereingliederungsverfahren machen möchte, ist das wahrscheinlich ohnehin wichtig.

http://www.talentplus.de/arbeitnehmer-b ... index.html

08.07.2016 09:04 • #8


Vergissmeinicht
Hi Micha,

ja, nach einer gewissen Zeit ist Citalopram im Blut und es wird Dir besser gehen. Dennoch sind Medikamente nicht die alleine Lösung und Du musst bei Dir hinschauen, was nicht rund lief/läuft.

Gib Acht mit den Gesprächen, nicht jeder kann mit seelischen Problemen was anfangen. Drück Dir die Daumen.

08.07.2016 18:55 • #9




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