Hallo erstmals,

Ich muss jetzt einmal mein Problem loswerden und euch ein paar Fragen stellen, vielleicht ist ja jemand dabei der mir etwas helfen kann.

Ich glaube, nein ich bin mir eigentlich schon ziemlich sicher dass ich am Beginn einer sozialen Phobie stehe. Eigentlich schon fast eher mittendrin.


Begonnen hat das Ganze schleichend vor ca. 1 Jahr, schlimm wurde es aber erst vor einigen Wochen. Mein grösstes Problem ist momentan das Essen vor Leuten, typische Symptome wie schwitzen und zittern sehr stark ausgeprägt. Jetzt kommt seit kurzen auch noch eine Unsicherheit beim Sprechen vor Arbeitskollegen die ich nicht so gut kenne dazu. Symptome ähnlich aber deutlich schwächer.

Meine Fragen daher:

Wie zum Teufel ist es möglich das ich erst mit 27! an einer soz. Phobie erkranke?

Mir fallen Dinge jetzt sehr schwer die vorher überhaupt kein Problem oder mit einer leichten Nervosität möglich waren (z.B.: vor einer Gruppe sprechen oder mit Freunden essen gehen). Wird das jetzt noch schlimmer? Arbeite in einer leitenden Position, kann diese Situationen eigentlich gar nicht vermeiden. Will ich eigentlich auch nicht weil man ja überall liest dass es dann noch schlimmer wird.

Habt ihr vielleicht Ratschläge für mich. Medikamente lehen ich eher ab, den Hausarzt möchte ich (noch) nicht aufsuchen, werde ich aber wenn es so weiter geht.

Finde meine Situation umso merkwürdiger weil das Ganze so plötzlich eingetreten ist und ich eigentlich alles andere als kontaktscheu bin.

Bin für alles dankbar,

lg
crazy123 (entschuldigt den Nickname aber der passt langsam zu mir

)

14.11.2008 11:31 • 20.11.2008 #1


11 Antworten ↓


Hallo, crazy,

willkommen im Forum erstmal!

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß eine Phobie so einfach vom Himmel fällt , irgendeinen Grund wird es schon dafür geben. Vielleicht hast Du in letzter Zeit viel Streß gehabt, oder es hat doch irgendeinen Vorfall (oder mehrere) gegeben, die Du nur nicht mit Deiner Phobie in Zusammenhang bringst. Da werden sich bestimmt noch Leute zu äußern, die Dir mehr sagen können.

Ich würde Dir aber raten, Dir so bald wie möglich Hilfe zu holen. Wenn sich die Angst noch nicht so lange festgesetzt hat, ist es bestimmt leichter, sie wieder loszuwerden. Warte nicht, bis es schlimmer wird und Du Dich vielleicht nicht mehr traust, zum Arzt zu gehen. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich diesen Schritt gewagt habe.

LG Solitudo

14.11.2008 11:39 • #2


Hi Solitudo,

Danke für die Antwort, gleich meine nächste Frage, hat der Arzt geholfen?

Zu meiner Situation, ich weiß eben leider wirklich nicht womit es zusammenhängt.

Ich bin einer festen glücklichen Beziehung (seit 8 Jahren), habe eben Haus gebaut, im Beruf passt alles.

Ich kann allerdings nicht sagen ob es nicht wirklich früher auch schon einige Symptome einer sozialen Phobie gab. Gesellschaftliche Essen oder Referate waren mir wohl schon immer unangenehm, allerdings ohne diese körperlichen Reaktionen.

Ich glaube ich werde in Kürze wirklich den Arzt aufsuchen. Das was du sagst kling schlüssig. (das es jetzt noch leichter geht).

mfg
crazy123

14.11.2008 11:51 • #3


Ich bin gleich zu einer Psychotherapeutin gegangen. Mir hat die Therapie leider nicht besonders geholfen. Anfangs fand ich es sehr befreiend, sich mal alles von der Seele reden zu können. Aber langfristig hilfreich war die ganze Angelegenheit nicht. Ich hätte mich vielleicht noch an einen anderen Therapeuten wenden sollen, aber dazu konnte ich mich nicht aufraffen.
Vor kurzem habe ich eine Frau kennengelernt, die wegen schwerster Depressionen in psychiatrischer Behandlung war, davon vier Monate auf der Geschlossenen. Sie hatte selber Psychologie studiert und kannte sich also nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch aus (obwohl das Psychologiestudium diese Art Praktikum wahrscheinlich nicht vorsieht ). Sie sagte, nach meiner Beschreibung hätte ich wohl auch schon in psychiatrische Behandlung gehört und sei wohl kein Fall mehr für eine Psychotherapie gewesen. Meine Ängste hatten sich schon über viele Jahre manifestiert, und außerdem hatte ich schwere Depressionen. Soweit bist Du ja zum Glück noch lange nicht.

Wenn Du einen Hausarzt hast, dem Du vertraust, würde ich mich zuerst an den wenden. Er kann Dir dann bestimmt sagen, was für Dich am besten ist.

Du schreibst, daß Du in leitender Position arbeitest und gerade ein Haus gebaut hast. Empfindest Du Deinen Arbeitsplatz als sicher? Hast du vielleicht Sorgen, das Haus nicht finanzieren zu können, so daß Du Dich beruflich noch mehr unter Druck setzt als möglicherweise ohnehin schon? Ich kenne Dich ja nicht, könnte mir aber vorstellen, daß man sich in so einer Lage leicht überfordert fühlen kann. Und dann kann es sicher dazu kommen, daß sich leichte Ängste, die man bisher als nicht so belastend empfunden hat, verstärken.

Du lebst in einer glücklichen Beziehung, das ist viel wert. Kannst Du mit Deiner Partnerin (ich halte Dich mal so aus dem Bauch heraus für einen Mann, korrigiere mich, wenn ich falsch liege ) über Deine Ängste sprechen?

Ich hoffe, Du bekommst das Problem in den Griff!

LG Sabine

14.11.2008 12:45 • #4


Hi,

ja ich werde das wohl mit dem Hausarzt angehen. Habe mit meiner Freundin noch nicht darüber gesprochen (ja, dein Bauch lügt dich nicht an ). Werde ich aber jetzt auch machen. Irgendwie habe ich aber immer geglaubt das ist nur so eine kurze Phase die ich da gerade durchmache.

Mit der Finanzierung sehe ich eigentlich kein Problem, meinen Arbeitsplatz werde ich sicher nicht verlieren. Ausserdem würde mir das keine zu grossen Sorgen machen, ich bin mir ziemlich sicher wo anders unterzukommen.

Irgendwie mehr als merkwürdig wie einem das Leben manchmal einen Streich spielt...

Wie auch immer, Danke für dein Worte, wünsche dir auch alles Gute.

Du schreibst von deinen Problemen in der Vergangenheitsform, was war dein Rezept?

lg
crazy123

14.11.2008 12:57 • #5


Hallo crazy,
ich denke, du solltest dich an einen Therapeuten wenden. Grundlos tritt sowas sicherlich nicht auf, aber je weniger lang du darunter leidest, desto besser lässt sich dagegen angehen. Je länger du wartest, desto mehr verfestigt sich dein jetziges Verhalten, falls es sich tasächlich um eine soziale Phobie handelt.
Liebe Grüße

14.11.2008 13:16 • #6


Tjaha! Weibliche Intuition

es hilft Dir bestimmt schon, mit Deiner Freundin darüber zu sprechen. Vielleicht hat sie eine Idee, woher Deine Ängste kommen könnten. Sie kennt Dich ja nun doch etwas besser als wir

Ich kann Dir leider kein Rezept verraten, weil ich selber noch danach suche
Meine Ängste sind nicht Vergangenheit, ich bin nur jetzt in einer anderen Situation. Ich habe mein Studium abgebrochen, weil ich die Angst nicht mehr ertragen habe und mir die Depressionen bis zum Hals standen. Ich wußte einfach nicht mehr weiter. Jetzt verstecke ich mich vor der Welt, und kultiviere ein kleines Depressiönchen, weil ich es zu nichts gebracht habe, obwohl ich eigentlich nicht doof bin.

Wenn in Deinem Leben eigentlich alles stimmt, dann wirst Du die Angst sicher in den Griff kriegen. Laß Dir helfen, und das möglichst schnell. Ich wünsche Dir alles Gute. Würde mich freuen, mal zu hören, wie es Dir geht. Vielleicht verrätst Du mir dann Dein Rezept?

LG Solitudo

14.11.2008 13:52 • #7


Hallo crazy123!

Mir geht's genauso wie Dir. Mache seit einiger Zeit eine Gesprächstherapie, was mich wirklich vorwärts bringt. Man beginnt auf einmal soviel zu verstehen.

Wann hat das denn bei dir angefangen? Es gibt bestimmt einen Auslöser dafür? Eine belastende Zeit...irgendwas das anders war, vielleicht auch nur ein Gefühl?

Ganz liebe Grüße

15.11.2008 17:04 • #8


Hi Crazy,

du handelst sehr schnell. Respekt.
Vielleicht kann ich dir etwas Hoffnung machen.
Durch deinen Bericht fiel mir wieder ein, dass ich selbst eine Zeit lang das ähnliche Problem hatte.
Was ich aber praktisch vergessen habe; ist mir gerade aufgefallen.

Es ist so, dass ich mich beim Essen mit fremden Menschen oder auch Familienfesten mit mehreren Parteien und später bei den Schwiegereltern
sehr unwohl gefühlt habe. Ich habe nicht gezittert und stark geschwitzt, aber ich war so kurz davor.
Nach dem Essen war es wieder ok (außer bei den Schwiegereltern).
Das hat mich schon belastet, aber ich habe nie darüber nachgedacht.
Mittlerweile weiß ich, dass es etwas mit meinem Selbstbewusstsein zu tun hat.

Da du aber ganz anders drauf bist als ich, denke ich auch, es gab einen Auslöser für dein Problem, an einem bestimmten Punkt, vor ca. 1 Jahr.
Du hast ein Haus gebaut und du sprichst von deiner Freundin. Da ändern sich schon mal die Gedanken an die Zukunft.
Ich als Handwerker ( Jahrelang im Kundendienst ) denke: Frau + Mann + Bauprojekt = Kompromisskampf.
Da gibt es immer Meinungsverschiedenheiten; auch in einer glücklichen Beziehung.
Du bist in leitender Position, hast also eine gewisse Verantwortung.
Nebenbei ein Hausbau beteutet zusätzliche Belastung und oft richtigen Stress.

Vielleicht gab es mal eine Situation, in der du dich nicht durchsetzen konntest und das hat dich verunsichert.
Vielleicht hast du einfach zu viel im Kopf.
Nur so meine Gedanken...

Ich glaube, bei mir hörte es während der Therapien auf, durch viele Gespräche bei denen ich mich selbst ein Stück begriffen habe.
Seitdem rede ich auch besser vor anderen.

Du siehst, hier sind bis jetzt alle der Meinung, dass es einen Auslöser gab.
Wenn du Ihn findest, hast du auch die Antwort auf dein Frage "Warum erst mit 27J."

Gruß Renton

16.11.2008 13:04 • #9


Hallo nochmal,

Danke für die vielen aufmunternden Worte. Mit soviel Resonanz habe ich nun wirklich nicht gerechnet.

Hatte am Wochenende eine grössere Familienfeier bei der auch einige weniger bekannte Gesichter dabei waren. Hatte schon wieder ein mulmiges Gefühl im Vorhinein (man wird halt unsicher), es ist aber ohne irgendein Problem verlaufen.

Ich denke mal Ihr habt alle schon irgendwie recht. Vielleicht ist es einfach dieses doch etwas anstrengende Jahr mit dem Hausbau gewesen. Dazu kommt dann noch dass man beim Geld ausgeben jetzt schon mehr auf den Kontostand auch achten muss, haben wir vorher schon etwas lockerer gesehen. Rein vom Verstand her würde ich zwar meinen dass das nicht allzu schlimm ist, aber anscheinend belastet es einem dann doch mehr als vermutet. Meiner Freundin habe ich das Ganze einmal kurz geschildert, war auch schon irgendwie befreiend.

Ich schau jetzt mal was die nächste Zeit bringt, mit etwas Glück gehts ja schon wieder bergauf.

Ich halte euch so oder so am Laufenden,
lg
crazy

17.11.2008 07:52 • #10


hi crazy,

das mit dem "plötzlich" war bei mir auch so aus heiterem himmel mit etwa 23 j. als wirklich alles in ordnung war, es sogar ein bischen bergauf ging. konnte damals gar nix mehr wg. der körperlichen sachen (schwindel, heulen, gefühlten harten klumpen im magen, angst beim rausgehen)
weiß bis heute nicht, warum gerade zu der zeit....
was ich glaube: manchmal sind erwachsene menschen einfach doch noch nicht erwachsen und dem stress, der ja eh schei. ist, nicht gewachsen. überlebensgesellschaft etc.
gesprächstherapie ist vielleicht echt das beste für dich. aus meiner theri-erfahrung kann ich sagen, es macht die sympthome erst mal weg. den schaden hast du aber dein leben lang. und deine familienprobleme wirst du auch nicht lösen.
du kannst nur für dich selber rausfinden, wie du für dich was positives und spaßiges aus dem leben ziehen kannst, unabhängig, ob es den andern leuten gefällt oder nicht. einfach gleichgesinnte suchen und so viel spaß haben, wie es geht. das hält die depris auf. und keine gedanken verschwenden, ob jemand schlecht über dich denkt oder dich beim essen beobachtet. in der high society essen viele wie die schweine. außerdem macht es spaß, mit fingern zu essen. hauptsache, du schiebst irgendwie die nahrung rein, um nicht zu sterben....

18.11.2008 00:52 • #11


... wie meine eigene Geschichte

Hallo Crazy,

das ist echt seltsam, denn bei mir fing die Panik auch nach einem Haus(um)bau an und zwar urplötzlich. Ich war zu der Zeit 28 und ich hätte nie-nie gedacht, dass ich einmal psychisch krank weden könnte.
Und seitdem habe ich Angst vorm Essen gehen, vor fremden Leuten oder einfach nur mit nicht so guten Bekannten mich zutreffen. Alles das war früher überhaupt kein Problem, um so seltsamer fühle ich mich heute.

Ich denke, dass bei mir Stress der Auslöser war, obwohl ich diesen gar nicht als so schlimm empfunden habe. Anscheinend ein Irrtum...

Ich versuche nun damit zu leben, aber so schlimm wie am Anfang ist es nicht mehr.
Ich wünsche Dir alles Gute!

Katerin

20.11.2008 18:50 • #12




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