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Hallo Zusammen,

ich bin neu hier und erhoffe mir aus der Gemeinschaft den entscheidenden Hinweis um endlich einen Ausweg aus meiner verzwickten Lage zu finden.

Die verzwickte Lage in der ich mich befinde, würde ich als soziale Phobie / Redeangst
bezeichnen. Vorallem in Situationen mit fremden Personen (beruflich stärker als privat) wird dies sehr deutlich. Bspw. bei Vorstellungsrunden / -gesprächen oder wenn ich im Mittelpunkt stehe, schlägt mein Herz so heftig, dass es mir meistens unmöglich ist, meine Stimme zu kontrollieren (zittern in der Stimme) geschweige denn, mich sinnvoll zu artikulieren.

Die Vorstellung ein Referat zu halten (vor Fremden, Vorgesetzten, Kunden, etc.) würde mich wahrscheinlich an den Rand eines Herzinfarktes führen. - zumindet fühle ich so

Vor ca. 2 Jahren begab ich mich in Psychotherapie, die ich nach über 30 Sitzungen abbrach, da es nicht die geringste Veränderung einbrachte. Danach versuchte ich die Hypnosetherapie, auch ohne Erfolg. Ich versuchte es mit Hypnose CD`s und Entspannungskursen, gleiches Ergebnis.

Dass es mir nicht unbedingt leicht fällt, neue Kontakte zu knüpfen und diese zu pflegen,
wundert wahrscheinlich niemanden (mich ja auch nicht). Aber wie soll`s weiter gehen,
wie kann man diesen Teufelskreis überwinden?

14.04.2012 11:54 • 26.07.2012 #1


7 Antworten ↓


HeikoEN
So spontan würde ich sagen, da Du das theoretische zu diesem Problem ja gut kennen wirst, dass da nur Praxis hilft.

Angefangen im kleinen Rahmen unter Freund/Freundin und dann weiter...

Ist die Frage, ob das praktisch umsetzbar ist für Dich?

Denkbar wäre ja auch, jemanden zu finden, der ähnliche Probleme hat und dann gemeinsam die Sache zu beginnen.

Ich glaube, dass das echt nur geht, wenn man sich der Sache praktisch und intensiv aussetzt. Zumindest ist das meine eigene Erfahrung.

14.04.2012 19:46 • #2



Soziale Phobie / Redeangst

x 3


Danke, für deine Antwort. Ja, ich versuche es schon seit mehreren Monaten. Schreibe nach jeder "Konfrontation" (im positiven Sinne) ein paar Zeilen dazu auf und bin eigentlich auch guter Dinge. Doch vor jedem neuen Kontakt mit mir unbekannten Personen bin ich sehr nervös und Versagensängste -im Sinne von die Stimme versagt- oder -ich habe keine passende Antwort- machen sich breit ... und schon beginnt der
Hexentanz von vorne und alle positiven Erfahrungen sind ausgeblendet.

17.04.2012 18:41 • #3


Ich denke es hilft in solchen Situationen ganz besonders, Ruhe zu bewahren. Kannst du während dem Gespräch sitzen, kannst du dir ein persönliches Umfeld auf deinem Tisch aufbauen, das dir Halt und Sicherheit gibt. Nervöse Hände kannst du am besten unter dem Tisch verbergen und vermeide es während einer Präsentation an einem Stift oder ähnlichen Gegenständen herumzuspielen um deine Nervosität zu überspielen. Dann hilft auch die Frage weiter, was hast du zu verlieren, wenn du nicht den perfekten Vortrag hälst, oder du dich beim Vorstellungsgespräch kurz verhaspelt. Hängt wirklich deine ganze Karriere daran? Werden die Menschen im Publikum deine Vortragsweise wirklich genau analysieren? Fange mit dem Ziel an, dich selbst mit deiner Redefähigkeit zufriedenzustellen und dann Stück für Stück auf dein Publikum auszuweiten. Wenn du dich selbst überzeugst, kann du auch andere in deinen Bann ziehen. Finde Rituale und Gewohnheiten, die dir Sicherheit geben und versuche dich mental auf die Situation einzustellen und dich zu ermuntern. Ein paar weitere nützliche Tipps findest du hier: https://www.psychic.de/redeangst.php

01.05.2012 23:50 • #4


HeikoEN
Zitat von Gandalf:
Ja, ich versuche es schon seit mehreren Monaten.


Ich möchte Dich nicht demotivieren, aber bei mir hat es gute 10 Jahre gedauert. Aber es geht und das ist das Entscheidende.

Heute ist es absolut problemlos für mich, vor 50 Leuten, spontan eine Rede zu halten. Egal wie lange...oder ständig neue Leute kennenzulernen. Idealerweise habe ich einen Beruf gewählt, in dem ich das musste, ob ich wollte oder nicht und genau DAS war die Therapie. Ich denke heute gar nicht mehr daran, ob irgendwas versagt oder nicht etc., es ist völlig normal, in jeder Situation.

D.h., die Konfrontationstherapie hat sehr gut funktioniert, wenn sie auch hart war und eine Menge Schweiss in vollgeschwitzten Anzügen bedeutete

Was aber viel wichtiger ist, in keiner der Situation kann ich im Nachhinein sagen, dass mich DAS den Kopf gekostet hätte. D.h., ob ich da mit knallroter Birne vor dem Gegenüber stand, zu schnell redete oder sonstwas, hat NICHT dazu geführt, dass ich nicht "angenommen" bzw. missachtet oder sogar negativ angesehen wurde.

Die ganzen Tipps, die es so gibt im Netz, haben mir persönlich nie geholfen. In der Situation war nichts mehr möglich, sich auf was zu berufen. Für mich galt da IMMER die Devise, Augen zu und durch. Und im Laufe der Zeit, sogar relativ schnell, wurde ich immer sicherer und habe mich auch bewusst dann darauf gestützt! Ich meine damit, ich wusste dann VORHER, dass ich das schaffe. Damit wurde die Selbstsicherheit so gross, ich glaube fast größer als bei "normalen" Menschen, wenn man von normal und nicht normal reden kann dabei, dass heutige Situationen für mich absolut Null Problem sind. Es ist vorher, währenddessen und nachher überhaupt kein Gedanke mehr daran, irgendwas nicht schaffen zu können.

Wie o.g. sehe ich zwei Punkte als Empfehlung eines Ex-Betroffenen als wichtig an:
1. Mut haben
2. Konfrontation ständig suchen

Mut kann aufkommen, wenn man die "Insel" verlässt, auf der man sich befindet und immer auf das Problem schaut, welches man hat. Man hat kein Problem. Man ist völlig normal. Man hat nur Eigenschaften und die sind toll, weil es die eigenen sind, auch wenn andere Menschen sagen, Du bist doof, unsozial, eogistisch...(klingt paradox, ist aber toll für einen Sozialphobiker, weil er sich selber spürt und wahrnimmt, Grenzen zieht usw.).

Und ja, ein wenig Aggression darf ruhig aufkommen gegen die Phobie. Genau darin liegt nämlich dann die Annahme des Gefühls und das ist wiederum exakt der Moment, wo die Veränderung passiert und daraus der Mut entsteht!

Die Konfrontation ist dann "nur" noch die Umsetzung. Je mehr und je häufiger, desto schneller geschieht die Umstrukturierung im Hirn. Die Synapsenneuverknüpfung sozusagen, die dazu führt, gar keinen Gedanken mehr irgendwann daran zu verschenken.

Wenn das hier:

"Man hat kein Problem. Man ist völlig normal. Man hat nur Eigenschaften und die sind toll, weil es die eigenen sind."

Probleme macht, lass die Phobie usw. erstmal da liegen wo sie ist und kümmere Dich ausschließlich um die Punkte:

Selbst-bewusst-sein
und
Selbst-vertrauen

Selbstbewusstsein bedeutet, eigene Gefühle zu bemerken! Ein Problem damit? Dann daran arbeiten. Es gibt unendliche Selbsthilfe-Übungen dazu. Es bedeutet auch, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen. Ein Problem damit? Dann rann...
Alles was irgendwie dazu beiträgt, Dich zu erfahren, kennenzulernen, Körperlichkeiten (ganz wichtig) ist Voraussetzung dafür, dass Du überhaupt in der Lage bist, zu dem von mir o.g. Dingen.

Fragen? Deine Meinung? Gerne!

03.05.2012 08:39 • #5


Hallo..

Schöner Beitrag HeikoEN, obwohl du meintest, dass du 10 Jahre dafür gebraucht hast, finde ich machst du mit deinen Aussagen Mut.

Ich denke auch, dass es wichtig ist auf 2 Ebenen zu arbeiten. Zum einen die Konfrontation suchen, etwas machen, aktiv bleiben. Sich vllt zunächst kleinere Ziele setzen und sich nicht gleich entmutigen lassen, wenn es nicht klappt. (obwohl ich weiß, wie niederschmetternd es sein kann, wenn es mal wieder schei. war.. und das Zittern, das Schwitzen, die Angst wieder da war und man das Gefühl hat, dass sich nie etwas ändern wird).
Auf der anderen Seite ist es glaube ich gut, sich mit sich selber auseinander zu setzen. Zu überlegen wie es mir selber geht, was ich brauche oder nicht brauche. Und vor allem sich seine Angst anschauen und dabei vielleicht irgendwann herausfinden, was die Angst mir sagen möchte oder auf was sie mich aufmerksam machen möchte.

21.07.2012 11:49 • #6


[quote="heilpflanze"]Ich denke es hilft in solchen Situationen ganz besonders, Ruhe zu bewahren."

die Aussage ist für einen Angstpatienten nicht wirklich hilfreich *kopfschüttel*

"Kannst du während dem Gespräch sitzen, kannst du dir ein persönliches Umfeld auf deinem Tisch aufbauen, das dir Halt und Sicherheit gibt. Nervöse Hände kannst du am besten unter dem Tisch verbergen"

gute Verhaltenstherapeuten würde dich für diese Aussage auf den Mond schießen. Das ist Vermeidungsverhalten und VERSTÄRKT langsfristig die Angst.

23.07.2012 11:48 • #7


Hallo Gandalf, hier ist Angsthase1968. Wenn ich deine Zeilen lese denke ich das ich in den Spiegel schaue. Mir geht es wie dir. Ich kämpfe jeden Tag und schon einige Jahre gegen diese Redeangst. Einmal ist es besser und manchmal denke ich es ist geschafft. Leider kommen aber die Selbstzweifel und (Rede)-Ängste dann wieder zurück. Ich übe jeden Tag. Alleine oder mit Menschen die mein Problem gar nicht kennen. Dann denke ich immer wie gut ihr mir geholfen habt. Ein Gespräch führen, Fragen stellen. Das war bei mir teilweise überhaupt nicht mehr möglich. Vor jeder Situation habe ich gezittert und habe Angst gehabt. Bei der Psychologin war ich auch. Redetherapie, Kunsttherapie, EMDR usw. Nur Tabletten habe ich keine genommen.
Ich wünsche dir weiterhin alles gute zur Überwindung deine Ängste und übe immer weiter. Bis wir diese ganze Sch... hinter uns gelassen haben und über diesen Lebensabschnitt nur noch lächeln können.
lg Angsthase 1968

26.07.2012 12:46 • #8




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