Zitat von Gandalf:Ja, ich versuche es schon seit mehreren Monaten.
Ich möchte Dich nicht demotivieren, aber bei mir hat es gute 10 Jahre gedauert. Aber es geht und das ist das Entscheidende.
Heute ist es absolut problemlos für mich, vor 50 Leuten, spontan eine Rede zu halten. Egal wie lange...oder ständig neue Leute kennenzulernen. Idealerweise habe ich einen Beruf gewählt, in dem ich das musste, ob ich wollte oder nicht und genau DAS war die Therapie. Ich denke heute gar nicht mehr daran, ob irgendwas versagt oder nicht etc., es ist völlig normal, in jeder Situation.
D.h., die Konfrontationstherapie hat sehr gut funktioniert, wenn sie auch hart war und eine Menge Schweiss in vollgeschwitzten Anzügen bedeutete
Was aber viel wichtiger ist, in keiner der Situation kann ich im Nachhinein sagen, dass mich DAS den Kopf gekostet hätte. D.h., ob ich da mit knallroter Birne vor dem Gegenüber stand, zu schnell redete oder sonstwas, hat NICHT dazu geführt, dass ich nicht "angenommen" bzw. missachtet oder sogar negativ angesehen wurde.
Die ganzen Tipps, die es so gibt im Netz, haben mir
persönlich nie geholfen. In der Situation war nichts mehr möglich, sich auf was zu berufen. Für mich galt da IMMER die Devise, Augen zu und durch. Und im Laufe der Zeit, sogar relativ schnell, wurde ich immer sicherer und habe mich auch bewusst dann darauf gestützt! Ich meine damit, ich wusste dann VORHER, dass ich das schaffe. Damit wurde die Selbstsicherheit so gross, ich glaube fast größer als bei "normalen" Menschen, wenn man von normal und nicht normal reden kann dabei, dass heutige Situationen für mich absolut Null Problem sind. Es ist vorher, währenddessen und nachher überhaupt kein Gedanke mehr daran, irgendwas nicht schaffen zu können.
Wie o.g. sehe ich zwei Punkte als Empfehlung eines Ex-Betroffenen als wichtig an:
1. Mut haben
2. Konfrontation ständig suchen
Mut kann aufkommen, wenn man die "Insel" verlässt, auf der man sich befindet und immer auf das Problem schaut, welches man hat. Man hat kein Problem. Man ist völlig normal. Man hat nur Eigenschaften und die sind toll, weil es die eigenen sind, auch wenn andere Menschen sagen, Du bist doof, unsozial, eogistisch...(klingt paradox, ist aber toll für einen Sozialphobiker, weil er sich selber spürt und wahrnimmt, Grenzen zieht usw.).
Und ja, ein wenig Aggression darf ruhig aufkommen gegen die Phobie. Genau darin liegt nämlich dann die Annahme des Gefühls und das ist wiederum exakt der Moment, wo die Veränderung passiert und daraus der Mut entsteht!
Die Konfrontation ist dann "nur" noch die Umsetzung. Je mehr und je häufiger, desto schneller geschieht die Umstrukturierung im Hirn. Die Synapsenneuverknüpfung sozusagen, die dazu führt, gar keinen Gedanken mehr irgendwann daran zu verschenken.
Wenn das hier:
"Man hat kein Problem. Man ist völlig normal. Man hat nur Eigenschaften und die sind toll, weil es die eigenen sind."Probleme macht, lass die Phobie usw. erstmal da liegen wo sie ist und kümmere Dich ausschließlich um die Punkte:
Selbst-
bewusst-sein
und
Selbst-
vertrauenSelbstbewusstsein bedeutet, eigene Gefühle zu bemerken! Ein Problem damit? Dann daran arbeiten. Es gibt unendliche Selbsthilfe-Übungen dazu. Es bedeutet auch, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen. Ein Problem damit? Dann rann...
Alles was irgendwie dazu beiträgt, Dich zu erfahren, kennenzulernen, Körperlichkeiten (ganz wichtig) ist Voraussetzung dafür, dass Du überhaupt in der Lage bist, zu dem von mir o.g. Dingen.
Fragen? Deine Meinung? Gerne!