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Seit neuestem soll ich hin und wieder für meine Arbeit als Referent arbeiten und ich aus Angst, ich verlier meinen Job, weil fühle mich ja eh zu doof und einen neuen krieg ich sowieso nicht gebacken.... habe "Ja" gesagt... Und ja klar irgendein Teil möchte das auch, will nicht mehr Angst haben...
Am Wochenende habe ich wieder einen Einsatz über drei Stunden, also so richtig unterrichten. Bisher habe ich es einmal gemacht und alle sagen schlimmer kann es ja nicht mehr laufen....

Kurzer Report:
Nachdem ich eineinhalb Stunden wegen einem Unfall feststeckte, begann ich mit fast 30 Minütiger Versptätung. War total Panisch, denn so lange in der Bahn eingeschlossen zu sein, damit ging mein schlimmster Albtraum in Erfüllung. Total abgehetzt und verschwitzt versuchte ich das Nötigste vor zu bereiten und dabei habe ich nicht mal mehr daran gedacht mich vor zu stellen. Die Technik funktioniert auch nicht und so vergingen einige Patzer bis ich einiger Maßen drin war. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl nicht alles zu schaffen und am Ende fehlten mir Unterlagen, die da sein sollten.... Egal jedenfalls war ich dann so früh fertig, dass es mir fast peinlich war die Leute entlassen zu müssen.

Grundsätzlich weiß ich, dass ich inhaltlich fit bin und mit anderen Umständen es vielleicht nicht ganz so arg schlecht gewesen wäre, aber diese Erfahrung hat nicht sehr geholfen um dieses Mal ruhiger zu werden. Im Gegenteil!

Ich hab total Panik! Angst zu versagen. Es nicht hin zu kriegen. Schlecht Bewertungen zu bekommen oder keine Ahnung. Mein Arbeitgeber merkt doch, ich bin nicht fähig, belastbar etc. Vlt sind die körperlichen Symptome diesmal so stark, dass ich gar nicht erst hin komme. Oh Man, was wenn ich wieder so schnell fertig bin... Diesmal hab ich dann nicht mal mehr ne Ausrede...

Ick glaub ich das schaff das nicht....Jemand Rat, Tips, Tricks....?

ein bischen Trost....?

13.08.2013 17:21 • 18.08.2013 #1


8 Antworten ↓


Schlaflose
Die Überschrift deines Themas ist irreführend. Unter Referendartätigkeit versteht man das Unterrichten während der Lehrerausbildung. Du meinst Referententätigkeit.
Helfen kann ich dir leider auch nicht, weil es mir genauso geht. Ich habe meinen Beruf als Lehrerin nach über 20 Jahren aufgegeben, weil ich diese Situation vor Leuten zu stehen, reden zum müssen und im Mittelpunkt zu sein etc. nicht mehr gepackt habe. Bei mir hat sich das schon vom ersten Tag mit extremen Schlafstörungen geäußert. Ich habe mich der Sache jahrelang jeden Tag gestellt, aber es wurde nicht besser.
Es ist halt nicht jeder dafür geboren, so etwas zu machen.

13.08.2013 17:40 • #2



Referendartätigkeit und die Nerven liegen blank

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Ja das mit der Überschrift hab ich schon bemerkt....

Dafür hast es aber anscheinend 20 Jahre geschafft. Ich glaube ich wäre darauf stolz. War der Pegel denn immer gleich hoch? Und gab es hin und wieder vlt doch schöne Momente....?

Ist es wirklich so hoffnungslos? Gibt es denn kein SozPhie mit Erflogserlebnissen oder schließt sich das aus...

13.08.2013 18:01 • #3


Schlaflose
Bei mir war das eigentliche Problem eher nicht die Situation an sich, sondern der permanente Schlafmangel über Jahrzehnte, der dann schließlich zum endgültigen Zusammenbruch geführt hat. Ich konnte mich trotz Angst und Unsicherheit immer gut zusammenreißen und meine Arbeit machen, aber das hat sich dadurch gerächt, dass ich nicht schlafen konnte. Mein letzter Therapeut hat in fast jeder Sitzung gesagt "Wie haben Sie das bloß geschafft, das so lange durchzuhalten?" Direkt stolz bin ich nicht, aber durch den Therapeuten ist mir klar geworden, dass ich sehr stark und leidensfähig bin. Und das hat mir das Selbstvertrauen gegeben, vor zwei Jahren in meinem Alter (51) etwas Neues anzufangen. Ich arbeite jetzt im Bildungsministerium in der verwaltung und mir geht es jetzt richtig gut.

13.08.2013 19:25 • #4


Ja soweit bin ich überhaupt nicht!

Bei mir sind es auch eher die Situation an sich und die Erwartungsangst in die man sich so schön reinsteigern kann. Ich hab halt anscheinend panische Angst zu Versagen, schlechte Leistungen zu bringen, sich zu blamieren... das typische eben, obwohl ich weiß dass man nicht alles gut können muss und es auch nicht so schlimm ist, dass mal was schief geht. Scheint mein unbewusstes halt anders zu sehen. Mein Selbsteinschätzung/ Selbstbild ist auch völlig verschoben in solchen Momenten....

Überlegt ob das der richtige Job ist hab ich auch oft, aber so schnell wollt ich noch nicht aufgeben... ich wollte es wenigstens probieren.... Hast du Tipps wie man es schafft die Zeit mehr im Auge zu behalten oder bewusste Pausen zu setzten?

14.08.2013 15:57 • #5


Schlaflose
Zitat von gernsorglos:
Hast du Tipps wie man es schafft die Zeit mehr im Auge zu behalten oder bewusste Pausen zu setzten?


Hälst du reine Vorträge oder ist das richtiger Unterricht, wo du auf die Mitarbeit der Leute angewiesen bist?
Wenn es nur Vorträge sind, kann man das ja zuhause bis ins Detail vorbereiten und proben, wie lange es dauert.
Bei Unterricht ist es schwieriger, weil man nicht genau vorhersehen kann, wie die Leute reagieren. Ich habe mir für die Stunden in den Oberstufenkursen immer einen richtigen Verlaufsplan gemacht, wo ich genau aufgeschrieben habe, welche Fragen ich stelle, wie die mögliche Antwort der Schüler sein wird, Hilfsfragen aufgeschrieben, falls keine Antwort oder falsche Antworten kommen und mir für alles aufgeschrieben wieviele Minuten ich dafür mindestens bzw. höchstens veranschlagen kann. Und ich habe mir immer noch Zusatzmaterial zurechtgelegt für den Fall, dass ich zu früh fertig werde.

Also die Vorbereitung ist das A und O. Und mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wieviel Stoff man durchbekommt.

14.08.2013 16:43 • x 1 #6


ok das hilft mir schon ein wenig.... also es ist schon gewünscht, dass es hier und da ein Gespräch gibt... Mitarbeit ist erwünscht, darf aber nicht überhand nehmen, weil ich schon mein Pensum zu erfüllen habe.
Ich hatte mir zwar Fragen zurrecht gelegt, aber vielleicht sollte ich Sie tatsächlich aufschreiben- Hilfsfragen überlegen, guter Tip, danke! Einen kleinen Zeitplan hatte ich auch, aber durch das Chaos war der nicht mehr hilfreich, zumindest dachte ich das.....Vielleicht hätte ich ihn genauer machen sollen.

Danke für die Tips....

Was arg an mir nagt ist auch der Gedanke, dass man mir die Nervosität so sehr anmerkt. Gleichzeit denke ich, dass ich auch mal einen Referenten hatte, der immer nervös war und ich fand das sehr sympathisch.... in der Erwachsenenbildung gehts vlt eher als bei Kinder und Jugendlichen...

14.08.2013 23:29 • #7


Mhm ich weiß nicht ob es den Einen oder Anderen interessiert.... möchte das Thema aber doch gern abschließen. Vielleicht hat jemand das selbe Probllem und es hilft sogar.

Ich hab die vier Unterrichtseinheiten hinter mir und bin stolz wie bolle (oder wie man das auch immer sagt). Nach den ersten Minuten hab ich ne Rolle für mich gefunden in der ich mich wohlfühlte und ich hatte richtigen Spass an der Sache. Nach dem ich während des Studiums nach einem Referat immer heulend auf dem Klo saß, hätte ich das nie für Möglich gehalten. Und nach so langem Kämpfen einen so crassen Erfolg... Was schlussendlich geholfen hat? Ich glaub die Mischung:

- Verhaltenstherapie mit entsprechenden Übungen (Hab es tatsächlich geschafft, die Aufmerksamkeit nach außen zu richten)
- traditionelles Joga (hilft mir mehr in mir zu ruhen)
- glücklicherweise in einer Phase zu sein, die relativ Angstfrei ist (Anspannungspegel ist zum Glück sehr niedrig)
- joggen vor dem Unterricht
- Unterstützung/ jmd. dabei haben
- und natürlich alle Tips die mir geschrieben wurde oder die ich hier im Forum gelesen habe

Die Umstände haben sicher auch dazu beigetragen, diesesmal war auch das Drumherum angenehm.

Ich kann nur sagen, es lohnt sich immer an sich zu arbeiten und auch in den Schlimmen Phasen egal wie lange sie dauert nicht auf zu geben. Und manchmal passieren dann Sachen, die man vielleicht gar nicht mehr für Möglich gehalten hat. Ich hatte mir vorher gesagt, dass ich zufrieden bin einigermaßen durch zu kommen und sicher nie daran geglaubt, dass mir das mal richtig Freude macht. Scheitern gehört mit Angst so oft und so viel mehr zum Leben, aber hin und wieder scheint die Sonne auch mal auf unseren meinen Ar.!

Für viele ist das sicher nichts zum worüber man sich so freuen kann. Für mich war das einfach so eine belastende Situation... Es tut einfach gut mal etwas so offensichtliches zu erleben.....

Wünsch euch allen einen schönen Tag!

18.08.2013 10:31 • #8


Danke für den Bericht überhaupt und er ist außerdem PHANTASTISCH!

Doch, das ist ein Erfolg, über den du "vor Freude außer dir" sein darfst und sogar solltest!

18.08.2013 12:37 • #9




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