Hallo!


Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich hier richtig bin, aber vielleicht kann mir ja jemand helfen:

Ich habe panische Angst vor Referaten. - Alles begann, als ich in der Schule ein Englisch-Referat halten musste, mir beim Vorlesen plötzlich die Luft knapp wurde, ich den Gleichgewichtssinn leicht verlor und kurz vorm Umkippen war. Dummerweise sagte ich auch noch in die bis dahin unaufmerksame Klasse, dass ich ziemlich aufgeregt sei, woraufhin mich alle anstarrten und meine Panik noch schlimmer wurde.
Seither habe ich weder ein Referat gehalten, noch freiwillig vor vielen Menschen etwas vorgelesen.
Nun beginne ich mit dem Studium und dieses leidige Problem kommt wieder auf mich zu, so dass ich schon jetzt keine Lust mehr habe hinzugehen.

Ich frage mich, wie das andere schaffen? Allein die Tatsache, dass es Foren wie diese gibt, zeigt ja schon, dass es kein Leichtes ist, sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen....
Es gibt unter Euch doch sicherlich Einige, die studieren, oder studiert haben. - Wie seit Ihr zurechtgekommen? Weiß jemand, wie man sich um die Referate drücken kann? Gibt es da ein Hintertürchen (beispielsweise mit einem Attest??). - Ich kann einfach nicht verstehen, wie vorausgesetzt werden kann, dass sich jeder problemlos vor 50 oder 100 Leute stellen und frei sprechen kann! - Für mich stellt das dieses ganze Studium in Frage...

Und falls es keine Möglichkeit gibt, dieser grauenhaften Situation des Referathaltens auszuweichen : Gibt es denn wirkungsvolle Medikamente, die diese "körperlichen Nebenwirkungen" ausschalten?

In totaler Verzweiflung

Liesschen Müller

22.10.2003 16:09 • 16.03.2004 #1


16 Antworten ↓


ich würde dir abraten, dich zu drücken. nehme es als herausforderung, auch wenn du noch so viele körperlichen symptome hast. offensiv mit solchen situationen umzugehen(auch wenn's mal daneben geht, is' nicht schlimm, du bist auch nur ein mensch) ist das a und o. sonst weitet sich eher früher als später dein vermeidungsverhalten auch auf andere situationen aus, dann kommt die angst vor der angst usw.
kopf hoch, wenn du fertig bist mit studieren wird es auch notwenig sein vor leuten zu sprechen, und sich nicht wie liesschen müller zu verstecken;))
ich spreche aus eigener leidvoller erfahrung. ich bin kunst- und philosophiestudent und in beiden studiengängen ist es von existentieller wichtigkeit über seinen schatten zu springen.
alles gute
alex

23.10.2003 19:24 • #2


Hallo Alex!


Danke für deine Antwort! Ich weiß ja selbst, dass es nicht der beste Weg ist, sich zu drücken, nur kann man bei diesem Problem dummerweise nichtsagen, dass man es langsam angeht und mit der Zeit ändert, und man kann auch diese Situation nicht wirklich künstlich erzeugen um sich darauf einzustellen. - Es bleibt nur der Sprung ins kalte Wasser und das find ich echt hart!
Du schreibst von "leidvoller Erfahrung" - willst du mir ein bisschen davon erzählen? Würd mich einerseits interessieren, um einschätzen zu können, was in der Uni so los ist und anderseits, um zu erfahren, ob ich mit meinen Realitätswahrnehmungen vielleicht gar nicht so alleine dastehe.....

Wär schön, was von dir zu hören.
Lissy

26.10.2003 14:19 • #3


Hallo,
in der Schule hatte ich damals ein Attest, dass meine mündliche Mitarbeit nicht bewertet werden durfte. Aber glaub mir, das hat die Sache auch nicht einfacher gemacht. Ich war darauf angewiesen schriftlich immer Supernoten zu schreiben. Es ist auch nicht sehr angenehm, wenn man einen neuen Lehrer bekommt und der sofort vor der Klasse nach einem fragt, weil er gehört habe, ich sei ein Problemschüler und er meine Hausaufgaben immer schriftlich haben wollte. In meiner mündlichen Abi-Prüfung war das gesamte Lehrerkollegium anwesend, das wollte sich keiner entgehen lassen. Mein Prüfer sagte mir vorher, wenn er an meine Prüfung denke, wie wir uns zwanzig Minuten anschweigen, hätte er schlaflose Nächte.
Frag nicht wie, aber ich bin da durchgekommen.
Im Studium hatte ich nicht allzuviel Probleme. Ich hatte nur ein fünfminütiges Referat. In einige Laboren mußte man nach jedem Termin eine mündliche Prüfung über sich ergehen lassen, aber auch das habe ich geschafft. Ich habe übrigens Elektrotechnilk studiert. Die Diplomprüfung konnte man dann im kleinen Kreis ohne Publikum ablegen.
Sieh es als Herausforderung an, diese Situationen zu üben. Später im Beruf mußt Du das beherrschen, da kannst Du nicht mehr üben, sonst überstehst Du das Vorstellungsgespräch schon nicht.
Die meisten Menschen haben die gleichen Probleme, selbst berühmten Schauspielern ist es vor dem Auftritt oft vor Lampenfieber schlecht.
Wenn Du versuchst, solche Situationen zu vermeiden, wirst Du Dich immer mehr zurückziehen und Dir selbst Dein ganzes Leben verbauen.
Alles Gute Thomas

30.10.2003 09:49 • #4


Hi,

genau die gleichen Probleme hatte ich auch bzw. zum Teil habe ich sie immernoch, aber es ist bei weitem nicht mehr so schlimm. Das Problem ist, wenn man sich vor solchen Aufgaben drückt, verstärkt das die Angst sogar noch. Ich habe mich auch sehr lange vor Referaten gedrückt. Irgendwann im Studium war jedoch ein Punkt erreicht, an dem ich aufgrund der Studiendauer die Referate nicht länger aufschieben konnte und wollte. Meine erste Anlaufstelle war eine Psychologin vom Studentenwerk. DA es bei mir ebenso wie bei Dir eine ausgeprägte Redeangst war, riet sie mir ein Seminar zur Bewältigung der Redeangst besuchen. Das habe ich dann auch gemacht. Die Seminargruppe bestand aus 10 Teilnehmern. Die Aufgabe jedes Teilnehmers bestand nun darin verschiedene Vorträge zu halten. Es fing an mit einfachem Vorlesen in der Gruppe. Die Schwierigkeit der Vorträge stieg mit jedem Mal. Der zweite Vortrag bestand zur Hälfte aus vorlesen und zur Hälfte aus halbfreiem Vortragen mit Vorlage. Der letzte Vortrag war eine freie Rede. Die Themen konnten jeweils frei gewählt werden. Und obwohl die Schrierigkeit jedes Mal zunahm, wurde ich jedes Mal sicherer. So eine Gruppe kann eine reale Situation vor meinetwegen 50 Leuten natürlich nur annähernd simulieren, aber es ist tatsächlich eine reine Sache der Gewohnheit bzw. der Übung. Zusätzlich wurden auch Enspannnungstechniken vermittelt, die mindestens genauso wichtig sind.

Meine Redeangst ist zwar nicht weg, aber ich kann sie einigermaßen kontrollieren. Vorher war es genau umgekehrt. Versuchs einfach mal.

03.11.2003 02:10 • #5


früher hatte ich auch immer panik vor referaten und heute bin ich immernoch bissel nervös was aber denke ich normal ist. mir hat auf jeden fall geholfen so oft vor so vielen kumpels wie möglich einfach zu reden über bestimmte themen. besser isses dann noch wenn du manche nich kennst was die sutuation wenigstens ansatzweise simuliert. das macht dich jedenfalls sicherer. und wenns dann zu dem referat kommt sollte man sich wirklich nicht drücken oder willst du dich von deiner angst beherrschen lassen? übung macht den meister, siehs einfach wie schon jemand anderes gesagt hat als herausforderung, trag das referat eventuell auch mal vor deiner familie bzw freunden vor des macht auch selbstbewusster und sicherer.

19.01.2004 15:50 • #6


Hallo Liesschen,
hier versteht keiner so richtig was du meinst, merke ich an den Antworten.
Ich habe haargenau das gleiche erlebt wie du. Sollte meine Arbeit erklären, die Pumpe ging immer schneller und es ging nicht mehr, alle glotzten und ich war völlig von der Rolle. Dieses Erlebnis war 1980 und war bei jeder ähnlichen Situation present. Ich versuchte jedes Reden vor Leuten zu umgehen, jede Schulung, jedes eigene Vorstellen bei Kursen, war die Hölle bis ich dran war, legte mir Pillen bereit usw.........
Ich glaube, man kann das nur entschärfen, wenn man gezwungen ist mehrere Male am Tag an Beratungen teilzunehmen o.ä. Oder aber Medikamente, die hier besprochen werden.
Gruß Klaus

20.01.2004 22:22 • #7


hi liesschen!

ich kann dein problem wirklich sehr gut verstehen.
ich musste in meiner ausbildung auch des öfteren referate oder buchvorstellungen halten. mir blieb dann auch die luft weg und meine stimme war zittrig.
ich hab versucht zu denken, dass das mit der zeit und der zahl von referaten schon besser wird. aber pustekuchen, es hat sich nur immer weiter verschlimmert.
das und einige andere gründe haben sich mittlerweile bei mir zu einer beschissenen soziophobie manifestiert.
ich möchte dir keine angst machen. du solltest nur frühzeitig das problem angehen. sprich mit deiner familie oder vielleicht mit nem therapeuten darüber.
mach nicht den gleichen fehler wie ich und behalt es für dich, um es mit dir selber auszumachen.
ich wünsch dir den mut und die kraft, die du brauchst!

01.02.2004 17:48 • #8


*seufz*
Ich habe da auch solche angst vor....
Ich mache zB. ein Pantomime kurs (unfreiwillig). Wir hatte eine Hausaufgabe und die muss ich morgen auf der bühne vorzeigen. Toll was. Ich bin jetzt schon so aufgeregt, denke an meine Beine die nicht nur bischen zittern sondern so wie bei einem baum den man schüttelt.
Ich bin extrem gereizt und könnte voll heulen, und überlege, morgen nicht hinzugehen, damit ich wieder sehe dass ich genauso aufgeregt bin wie damals in der schule.
Doch bald geht mein Leben weiter, ich muss dann garantiert auch referate halten.
Ich suche grade nach einer Selbsthilfegruppe und hoffe das das hilft.
Leider habe ich es wie du siehst noch nicht bezwungen, deshalb kann ich hier nur ein "ich fühle unheimlich mit dir mit und kenne das Problem" zum ausdruck bringen.

08.02.2004 17:29 • #9


Hallo!

Ich bin so froh auf dieser Seite gelandet zu sein, ich hab nämlich haargenau daselbe Problem und dachte damit wär ich die einzigste auf der Welt..Ich drücke mich nämlich auch immer davor...bekomm total Herzrasen wenn ich vorne stehen muss und mir wird schwindelig, ich steiger mich da immer so rein, dass ich fast in Ohnmacht falle...Kann mir jemand helfen?ßISo kanns ja nicht weitergehen, ich hab solche Angst dass ich mich schäme......

Ein verzweifelter Gruß,
Mirjam

10.03.2004 18:57 • #10


Hallo Lieschen

Ich kann Dich sehr gut verstehen. Mir geht es sehr ähnlich, nur beschränkt(e) sich meine soziale Phobie leider nicht nur auf Referate. Selbst das einfache Sitzen in einem Seminarraum war die Hölle - ich konnte nicht auf schaun und andere ansehen - nicht selten wurde ich dann grundlos rot und hatte das Gefühl das hält an und an und an.

Jetzt bin ich im 6. Semester und hab immer noch keine Zwischenprüfung abgelegt - doch in diesen Ferien bekam ich ein wirksames Medikament gegen diese Angst und hoffe nun gerade noch so die Kurve zu bekommen.

Aber man kann (insbesondere Philosophie) auch sehr gut zu Hause studieren - doch Scheine bekommt man dafür leider nicht.

Ich wünsch Dir viel Glück da durch zu kommen - vielleicht kann Dir eine Psychologin bei diesem Problem helfen - Deine Angst scheint ja neurotischer Natur zu sein.

10.03.2004 19:50 • #11


hallo zusammen!
hatte genau dieses problem,über dass ihr hier so schreibt.jeder kontakt mit anderen leuten war ein horror.
ich machte eine psychotherapie(leider dauerte diese ungef. 3jahre),u. bins eitdem ein komplett anderer mensch.leider ist es in finanzieller hinsicht,sodass es für studenten ein grosser einschnitt bedeuten würde.an dem führt aber glaube ich kein weg vorbei.
bezüglich deiner referate liesschen,hätte ich einen guten tip:stell dich vor den spiegel u. sprich dein referat genau so herunter,wie du es vorhast.vor den mitschülern ists dann nur halb so schlimm.ich hab das immer so gemacht,u. es war ein unterschied wie tag u. nacht.
lg u. viel glück peter

15.03.2004 14:18 • #12


Hallo Peter,

was für eine Art Psychotherapie hast Du denn gemacht?

Gruß,
Jürgen

15.03.2004 15:52 • #13


hallo jürgen,
diese psychotherapie,war eigentlich mehr oder weniger ein coaching.ich bin mit meinem therapeut z.b. einmal kleidung kaufen gegangen,da sind wir alle geschäfte abgklappert,u. ich musste einen ganzen tag sachen probieren u. die verkäuferinnen fragen ob es mir passt,dann fremde leute nach der uhrzeit fragen usw.das geheimnis dabei ist,sich einfach in solche situationen bringen,vor denen man grosse angst hat.ich hätte damals vor diesem tag weinen könne vor lauter angst,aber es ist gut gegangen.dies ist jetzt natürlich nur ein kleiner auszug,denn diese therapie war vom aufbau her (so sage ich zumindest) genau richtig gegen dieses problem.
ich hoffe dies hilft ein wenig.
lg peter

15.03.2004 16:21 • #14


Hallo Peter,
dann hast Du ja einen weiten Weg hinter Dir, freut mich, dass es für Dich geklappt hat.
Bei mir treten die Ängste u.a. in Gruppensituationen, daher werde ich mich wahrscheinlich irgendwann einer Gruppentherapie anschließen. Ich habe eine Pychoanalyse gemacht, die mir m.E. nicht viel bei der Bewältigung der Ängste gebracht hat, aber zumindest einige zugrunde liegenden Konflikte und Ursachen aufgedeckt hat... Ich werde jetzt erstmal abwarten, angeblich wirkt eine Psychoanalyse noch nach, ansonsten werde ich es mal mit einer kognitiven Verhaltenstherapie probieren, die ja in Sachen Ängsten und Soziale Phobie recht vielversprechend sein soll. (Meine eigene Panik vor Referaten hat sich eher verschlimmert als verbessert).
Gruß,
J.

15.03.2004 20:32 • #15


Hallo Lieschen ,
meine Probleme sind ähnlich und das , wo ich in Kürze wieder ran "darf" , um mich besagter Situation zu stellen . Auch ich leide dabei an lähmender Angst und denke bereits geraume Zeit vorher an nicht anderes mehr . Dennoch habe ich für mich einige ganz nützliche Methoden gefunden , die Angst wenigstens einzudämmen : Hilfreich für mich war bisher , wenn ich kurz vor dem Referat Sport getrieben habe - leichtes Laufen oder Gewichtheben . Die Atmung wird in Folge dessen geregelter und am Ende seines sportlichen Pensums stellt sich oft eine gewisse Freude ein . Wenn dann der Zeitpunkt des Referates gekommen ist , muss man oft noch einige Zeit warten - in der Regel die perfekte Situation , um sich ganz und gar verrückt zu machen . Hier mein Tipp : Tief durchatmen - beim Einatmen eins zählen , beim Ausatmen zwei ... Hört sich doof an , beruhigt aber ungemein , kann man doch in derselben Situation nicht über das Referat selbst nachdenken . Für den Vortrag selbst gilt dann : Gedanken nur noch über den Referatsinhalt und auf gar keinen Fall versuchen , Reaktionen der Zuhörer zu deuten oder über die eigene Haltung nachzudenken !

lg Chris

15.03.2004 21:54 • #16


hallo jürgen,
ich bin ganz u. gar kein experte,aber ich würde nicht unbedingt sagen dass eine gruppentherapie da hilft.wenn ich mich zurückerinnere,es wäre für mich ein alptraum gewesen,wenn mehrere leute als nur der therapeut anwesend gewesen wären.die wahl des therapeuten war bei mir reine glückssache(leider muss ich dass schreiben),denn ich hätte mich damals nicht widersprechen getraut,u. zu sagen,ich suche mir einen anderen.falls du in der umgebung der steiermark(österreich) lebst,könnte ich dir gerne diese adresse u. tel-nr. meines damaligen therapeuten geben.
wenn sich dein problem aber rein auf referate oder präsentationen vor einer gruppe menschen btrifft,dann würde ich dir raten einen rethorik kurs zu besuchen.grund:dieser ist sicher preiswerter als eine komplette therapie,u. du lernst die taktiken,wie du dich bei einem referat verhälst,was wiederum das selbstbewusstsein steigert,u. die freude referate zu halten.
machs gut u. lg peter

16.03.2004 09:50 • #17




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