9

angie-12

5
2
Hallo. Ich bin 18 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur hinter mich gebracht.

Wie es im Titel steht möchte ich Lehramt studieren. Ich möchte gerne Lehrerin für behinderte Kinder und Jugendliche werden.
Allerdings hat mich meine Schulzeit schwer traumatisiert, sei es durch verständnislose Lehrer, Schüler, die bei Fehlern lachen oder zu hohen Leistungsdruck. Ich war immer ein sehr aufgeschlossenes Kind, gerne auf Bühnen und vor allem immer sehr gerne im Mittelpunkt. Ich habe immer gerne die Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Die Schulzeit hat das um 180 grad gewendet. Seit der 7./8. Klasse habe ich insbesondere vor Vorträgen regelrechte Panikattacken. Ich konnte dem Druck nicht mehr standhalten, mich vor eine Klasse stellen zu müssen. Ich habe im Unterricht kaum noch mitgearbeitet. Wenn ich etwas sagen musste, stotterte ich oft und bekam Herzrasen. Verständnis von den Lehrern? Null!

Aber so absurd es auch klingen mag. Ich will Lehrerin werden!
Aktuell mache ich ein freiwilliges soziales Jahr in einer Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche. Und ich blühe total auf. Es ist eine unfassbare Bereicherung für mich und es hat mich nur in meiner Meinung bestätigt, dass ich diese Kinder später unterrichten möchte. Das Problem bei der Sache ist klar: Meine Panik.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich keine geeignete Lehrerin wäre oder jeden Tag in Angst leben müsste, zur Schule zu gehen.
Meine Panik richtet sich eher auf das Studium, Referendariat etc.
Wie soll ich jemals vor Kommilitonen reden, vor dem Professor, vor den Prüfern, die meinen Unterricht unter die Lupe nehmen.
Die werden mich für unfähig halten. Wer wird schon mit so einer Redephobie Lehrerin.
Zumal man im Studiengang für Lehramt auch definitiv vor anderen viel sprechen muss. Und ich kann ja auch viel sprechen, und mit den Kindern arbeiten. Nur eben nicht mit gleichaltrigen oder älteren Personen. Der Erwartungsdruck ist mir da zu hoch.

Ich hoffe, dass mir jemand einen Tipp geben kann. Ich bin echt verzweifelt.
So oder so werde ich den Weg gehen und Lehramt studieren.
Ob ich nun hilfreiche Tipps bekomme und es mir leichter machen kann, oder ob ich einige Jahre länger meine persönliche Hölle durchlebe.
Danke im Vorraus

09.08.2019 23:06 • 25.09.2019 #1


11 Antworten ↓


la2la2

la2la2


4434
2
3421
Hey,
erstmal willkommen im Forum.

Zitat von angie-12:
Ich war immer ein sehr aufgeschlossenes Kind, gerne auf Bühnen und vor allem immer sehr gerne im Mittelpunkt. Ich habe immer gerne die Aufmerksamkeit auf mich gezogen.

Dann kann das auch wieder so werden und ist kein generelles Problem bei dir.
Probiers doch jetzt mal mit irgendeinem Hobby, wie Theater, Improvisationstheater, Chor, ........... um wieder vor Publikum zu kommen oder zumindest im kleinen Rahmen zu "Reden" und positive Erfahrungen zu sammeln.

Zitat von angie-12:
Meine Panik richtet sich eher auf das Studium, Referendariat etc.
Wie soll ich jemals vor Kommilitonen reden, vor dem Professor, vor den Prüfern, die meinen Unterricht unter die Lupe nehmen.

Wieviel "Praxis" im Studium vorkommen wird, kannst du vorher schon in der Studienordnung sehen. Da dürfte aber verhältnismäßig wenig Praxis vorkommen. Je nach Fach und Uni ein paar mündliche Prüfungen.

Hast du denn beruflich irgendeinen Plan B?
Vielleicht sogar eine Alternative, bei der du mit dem Lehramtsstudium (ohne Referendariat) sogar gute Chancen hättest reinzukommen?

09.08.2019 23:37 • x 1 #2


Bernie1970

Bernie1970


380
6
291
Hallo Angie,

ich persönlich glaube, dass man in Deinem Alter nicht aufgrund einer schwierigen Schulphase an seiner Expositionsfähigkeit zweifeln sollte. Gerade weil in Deinem Fall eine gewisse "Bühnenpräsenz" offenbar von klein auf vorhanden ist. Der Hang zum "Belehren", und diesen sollte man hier definitiv positiv bewerten, ist ja Bedingung für diesen Beruf. Aber auch eben die psychische (und körperliche!) Stabilität, täglich mit Menschen in forderndem Umfang umzugehen.

Sprechen vor Leuten lernt man durch sprechen vor Leuten. Ein exzellentes Buch, welches aber auf die tatsächliche "Praxis durch tun" anstelle blutleerer Rhetorikanalyse setzt, stammt von Jürgen Heckel: "Frei sprechen lernen". Ist nicht mehr ganz neu, aber zeitlos von großem Nutzen, nicht nur für "berufliche SprecherInnen".

Viel Freude im Studium!

LG Bernd

10.08.2019 06:10 • x 1 #3


Schlaflose

Schlaflose


18829
6
6842
Bei mir ging das total in die Hose. Vom ersten Tag an im Beruf bekam ich extreme Schlafstörungen und infolge dessen Depressionen. Nach 20 Jahren voller Qualen, Nervenzusammenbrüchen, Therapien und Klinikaufenthalt habe ich den Schuldienst aufgegeben und arbeite seit 8 Jahren in der Verwaltung im Bildungsministerium.
Allerdings waren die Voraussetzungen bei mir anders. Das Studium war das Schönste, was ich im Leben erlebt habe. Ich habe Englisxh und Französisch für Lehramt an Gymnasien studiert, wo es nur um den wissenschaftlichen Aspekt ging.
Als Kind stand ich auch gerne im Mittelpunkt und habe mich gerne vor Publikum produziert, in die Schuke bin ich sehr gerne gegangen, solange ich nicht nach vorne kommen musste, hatte ich keine Probleme damit, vor der Klasse etwas zu sagen. Referate und so etwas musste man damals nicht halten.
Was mir im Schuldienst am meisten zu schaffen machte, war, den Chef spielen zu müssen, die Schüler zu disziplinieren, mich durchzusetzen, Anweisungen zu geben, mich mit den Eltern abzugeben und mit den Schülern umzugehen. Ich hatte mich als Lehrer nur als Wissensvermittler gesehen, so wie es in meiner Schulzeit war, und das hätte ich auch machen können, aber das rückte im Laufe der Jahre immer nehr in den Hintergrund und man musste sich als Lehrer um immer mehr Dinge kümmern, die nichts mit dem Unterricht zu tun hatten. Das alles hat bei mir zum Zusammenbruch geführt.

Du kannst ja das Studium anfangen und dann immer noch sehen, wie du damit klarkommst. Du bist ja erst 18 und kannst dann immer noch etwas anderes machen, wenn es nicht klappt.
Ich war schon 20, als ich mit dem Studium anfing und 27, als ich ins das Referendariat kam. Bis dahin hatte ich noch nie vor einer Klasse gestanden. In den 2 vierwöchigen Praktika habe immer nur hospitiert.

10.08.2019 06:13 • x 1 #4


soleil

soleil


952
5
990
Hallo Angie,
Zitat:
So oder so werde ich den Weg gehen und Lehramt studieren.

Dein Entschluss steht ja schon fest und ich denke, es ist die richtige Entscheidung.
Zitat von Schlaflose:
Aktuell mache ich ein freiwilliges soziales Jahr in einer Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche. Und ich blühe total auf. Es ist eine unfassbare Bereicherung für mich und es hat mich nur in meiner Meinung bestätigt, dass ich diese Kinder später unterrichten möchte.

Eben. Es ist der richtige Beruf für dich. Das hast du ja bereits richtig erkannt.
Zitat:
Meine Panik richtet sich eher auf das Studium, Referendariat etc.
Wie soll ich jemals vor Kommilitonen reden, vor dem Professor, vor den Prüfern, die meinen Unterricht unter die Lupe nehmen.
Die werden mich für unfähig halten. Wer wird schon mit so einer Redephobie Lehrerin.
Zumal man im Studiengang für Lehramt auch definitiv vor anderen viel sprechen muss. Und ich kann ja auch viel sprechen, und mit den Kindern arbeiten. Nur eben nicht mit gleichaltrigen oder älteren Personen. Der Erwartungsdruck ist mir da zu hoch.

Das ist deine Annahme, dass sie dich negativ bewerten könnten. Doch du weisst nicht, ob dies wirklich so zutreffen wird. Deine schlechten Erfahrungen in der Schule lassen dich so denken und haben dich konditioniert. Es ist jedoch möglich, diesen negativen Gedankenkreislauf zu durchbrechen. Voraussetzung dafür ist der Mut, dich den Angstsituationen zu stellen. Phobien werden nur besser, bzw. lösen sich im besten Fall sogar auf, wenn man sich ihnen stellt. Eventuell könnte dir auch eine Verhaltenstherapie dabei helfen. Ich hatte früher auch furchtbare Angst davor, vor anderen zu reden und mich zu blamieren. Dann erhielt ich vor 9 Jahren die Möglichkeit einer beruflichen Weiterentwicklung. Diese beinhaltete aber auch, dass ich regelmässig vor nicht wenig Menschen einen Vortrag halten musste. Fast hätte ich deswegen diese Chance nicht wahr genommen. Doch ich habe mich überwunden und bin durch meine Ängste gegangen. Anfangs war es ein komisches Gefühl, doch mit der Zeit wurde es immer besser. Es gibt ein Sprichwort "Übung macht den Meister". In diesem Sinne - du schaffst das. Nur Mut!

10.08.2019 06:46 • x 1 #5


angie-12


5
2
Hey,
erst einmal vielen Dank für so schnelle Antworten

Zitat von la2la2:
Probiers doch jetzt mal mit irgendeinem Hobby, wie Theater, Improvisationstheater, Chor, ........... um wieder vor Publikum zu kommen oder zumindest im kleinen Rahmen zu "Reden" und positive Erfahrungen zu sammeln.

Das Problem dabei ist... das mache ich ja alles schon. Ich stehe regelmäßig auf Bühnen, ob allein oder mit einer Gruppe.
Wenn ich allein bin, sieht das mit den Panikattacken allerdings genauso aus. Und es wird von Auftritt zu Auftritt immer schlimmer.
Das ging so weit, dass ich nach 11 Jahren Geigenunterricht den Entschluss gefasst habe, aufzugeben, damit ich nicht mehr vorspielen muss...

Zitat von la2la2:
Wieviel "Praxis" im Studium vorkommen wird, kannst du vorher schon in der Studienordnung sehen. Da dürfte aber verhältnismäßig wenig Praxis vorkommen. Je nach Fach und Uni ein paar mündliche Prüfungen.

Ich war beim Hochschultag in Halle und habe mir dort sagen lassen, dass man im Lehramt Studium nicht ums viele reden (auch vor den Kommilitonen) herum kommt. Was mündlich geht, wird mündlich gemacht...

Zitat von la2la2:
Hast du denn beruflich irgendeinen Plan B?
Vielleicht sogar eine Alternative, bei der du mit dem Lehramtsstudium (ohne Referendariat) sogar gute Chancen hättest reinzukommen?

Ums Studieren komm ich nicht drumherum. Ich hatte überlegt, nach dem FSJ in der Einrichtung zu bleiben, oder als pädagogische Hilfskraft an eine Schule zu gehen. Allerdings bestehen meine Eltern auf ein Studium und ich kann sie da verstehen. 12 Jahre Schulgeld sind ne Menge und sie wollen dementsprechend auch, dass ich was draus mache.
Nach dem Studium wäre es meiner Meinung nach aber auch nicht schlimm, zu unterrichten. Da ist ja niemand mehr in der Klasse, der mich kritisch beobachtet, sondern Kinder, die etwas von mir lernen wollen, und auf meine Hilfe angewiesen sind.

Zitat von Bernie1970:
Sprechen vor Leuten lernt man durch sprechen vor Leuten. Ein exzellentes Buch, welches aber auf die tatsächliche "Praxis durch tun" anstelle blutleerer Rhetorikanalyse setzt, stammt von Jürgen Heckel: "Frei sprechen lernen". Ist nicht mehr ganz neu, aber zeitlos von großem Nutzen, nicht nur für "berufliche SprecherInnen".

Vielen Dank, das werde ich mir einmal ansehen. Ich hoffe wirklich, dass es mir weiterhilft

Zitat von Schlaflose:
Was mir im Schuldienst am meisten zu schaffen machte, war, den Chef spielen zu müssen, die Schüler zu disziplinieren, mich durchzusetzen, Anweisungen zu geben, mich mit den Eltern abzugeben und mit den Schülern umzugehen. Ich hatte mich als Lehrer nur als Wissensvermittler gesehen, so wie es in meiner Schulzeit war, und das hätte ich auch machen können, aber das rückte im Laufe der Jahre immer nehr in den Hintergrund und man musste sich als Lehrer um immer mehr Dinge kümmern, die nichts mit dem Unterricht zu tun hatten. Das alles hat bei mir zum Zusammenbruch geführt.

Das ist für mich zum Glück nicht das große Problem. Bei den Kindern, mit denen ich aktuell arbeite, herrscht pure Harmonie (sofern das natürlich mit schwerbehinderten Kindern und Jugendlichen möglich ist). Sie respektieren mich und wissen, ich kann Konsequenzen ziehen, wenn es sein muss. Ich sehe mich auch nicht als Chef, sondern als Bezugsperson. Das ist natürlich in anderen Schulformen schwieriger umzusetzen, als in Förderschulen.

Zitat von soleil:
Voraussetzung dafür ist der Mut, dich den Angstsituationen zu stellen. Phobien werden nur besser, bzw. lösen sich im besten Fall sogar auf, wenn man sich ihnen stellt.

Weiter oben habe ich es bereits erwähnt.. Ich werde regelmäßig mit meiner Angst konfrontiert. Ich habe viele Auftritte (und tatsächlich auch Vorträge in der Schule). Und nach jedem Mal vor Publikum war die Erleichterung groß. Auch wenn sich das Herzrasen innerhalb von Stunden nicht beruhigt hatte. Und mit jedem Auftritt/Vortrag wurde die Angst immer schlimmer. Ich habe das Gefühl, dass sich die Konfrontation eher negativ auswirkt.

10.08.2019 07:50 • #6


schnapper

schnapper


1255
17
308
Auch Kinder können gemein sein, beobachten und jede Schwäche nutzen. Da wirst du ganz sicher auf die Probe gestellt. Ich will es dir nicht ausreden, du bist überzeugt und das ist ne gute Voraussetzung. Du machtöstest das aber nicht nur machen um besser z mache, was in deiner eigenen Schulzeit schief gelaufen ist. Das wäre eine fatale Motivation an der du dich schnell kaputt aufreiben kannst.

10.08.2019 08:33 • x 2 #7


angie-12


5
2
Vielen Dank für deine Antwort.
Zitat von schnapper:
Auch Kinder können gemein sein, beobachten und jede Schwäche nutzen. Da wirst du ganz sicher auf die Probe gestellt.

Das ist mir natürlich bewusst. Und auch bei der FSJ- Stelle wird mal gestichelt und sich ausprobiert, Grenzen gesucht etc.
Damit kann ich aber umgehen. Ich habe in verschiedenen Praktika mit Kindern verschiedener Altersgruppen gearbeitet. Ich hatte ein Praktikum in der Kita und in einer Grundschule. Beides hat mir gefallen, war mir aber nicht herausfordernd genug. Dadurch kam der Wunsch, eben mit schwierigeren Kindern, also Kindern mit Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten zu arbeiten. Also viel mit Pädagogik. Und das FSJ bestätigt mich total. Ich liebe die Arbeit mit den Kindern und die Herausforderungen, die sich dort stellen.

Zitat von schnapper:
Du machtöstest das aber nicht nur machen um besser z mache, was in deiner eigenen Schulzeit schief gelaufen ist. Das wäre eine fatale Motivation an der du dich schnell kaputt aufreiben kannst.

Keine Sorge. Ich versuche nichts besser zu machen. Ich möchte lediglich einen höheren pädagogischen Wert für die Kinder haben.
Der Vorteil ist natürlich, dass in Förderschulen keine 30 Kinder in der Klasse sind und man somit individueller mit ihnen arbeiten kann. Mein primäres Ziel ist es, den Kindern etwas beizubringen, sie zu unterrichten.

10.08.2019 08:53 • #8


Psychic-Team

Psychic-Team


3071
204
2998

Hotin

Hotin


8306
5
6486
Hallo angie,

die Klarheit und die Entschlossenheit, mit der Du Lehramt studieren möchtest klingt beeindruckend.
Dann gehe Deinen Weg.
Deine Ängste, mit gleichaltrigen zu reden, Dich gegen sie durchzusetzen und
auch die Angst davor Fehler zu machen, sind ja eher normal für eine junge Frau.

Für Dich gilt es deshalb, zu verinnerlichen, also Dir selbst immer wieder zu sagen.
Es ist nicht schlimm, wenn ich Fehler mache. Dies gehört zum Leben dazu.
Alle Menschen machen ständig mehr oder weniger große Fehler.
Vieles kann man danach korrigieren, wenn es erforderlich ist.
Anderes lässt man einfach so stehen, wie man es unvollkommen gesagt hatte.

Zitat:
Wie soll ich jemals vor Kommilitonen reden, vor dem Professor, vor den Prüfern, die meinen Unterricht
unter die Lupe nehmen.


Steckt hier nicht der Kern Deiner Angst?
Du wirst nie vollkommen sein. Das brauchen wir Menschen auch gar nicht.
Gib anderen Erwachsenen das von Deinen Kenntnissen rüber, was Du drauf hast.
Das reicht dann sowohl im privaten, als auch im beruflichen Bereich aus.

Viele Grüße

Bernhard

14.09.2019 11:08 • x 1 #10


MarsWind


49
1
33
Naja, Du hast Dich ja jetzt eh schon festgelegt, wenn Du sagst "So oder so werde ich den Weg gehen und Lehramt studieren". Ergo kann ich Dir nur kurz meine Erfahrungen schildern und Du schaust dann, was Du damit anfangen kannst .

Ich habe Lehramt fertig studiert und mich wirklich durch alle Sachen gequält. Ich war immer froh, wenn Unterrichtsstunden in den Praktika klappten oder ich ein Referat durch hatte. Leider kam bei mir aber irgendwann zum Ende des Studiums hin die Erkenntnis, dass ich im Ref. und später als Lehrer kein Limit mehr habe, also nicht mehr sagen kann "ah, ich hab die zwei Wochen Praktikum und Unterricht geschafft, jetzt geht es wieder gemütlich ins Seminar", sondern dann muss ich liefern und das dann über Jahre hinweg. Da wurde mir auch erst klar, dass ich das persönlich nicht schaffe.

Schon meine Kommilitonen, die wirklich eine gefestigte Persönlichkeit ausstrahlen, haben häufig Probleme, die Klasse überhaupt ruhig zu bekommen. Hinzu kommen die anderen Schwierigkeiten, wie z.B. differenziertes Lernmaterial erstellen und wirklich alle Kinder in die Klassengemeinschaft integrieren. Dann wären da noch die Eltern, die schon an uns Praktikanten was auszusetzen hatten.

Hier also mein Tipp: Sobald Du merkst, dass Lehramt doch nichts für Dich ist, dann überlege Dir sofort Alternativen. Wenn Du erst im 1. oder 2. Bachelorsemester bist, dann kannst Du ja leicht wechseln. Bist Du bereits kurz vor dem ersten Abschluss, dann mach Praktika und baue Dir irgendwie ein Netzwerk auf! Das ist sehr wichtig, wenn Du einen Alternativjob später bekommen möchtest. Durch meine Ängste habe ich all da nicht getan und stehe nun zwar mit einem 1er Masterabschluss da, aber ich habe nach über einem Jahr Suche immer noch keinen passenden Job für mich gefunden.

25.09.2019 11:36 • #11


Lillibeth

Lillibeth


324
11
183
Warum muss es denn das Lehramt sein? Da muss man wirklich Nerven wie Drahtseile haben. Und hier sind oft die Kollegen und Eltern schlimmer als die Kinder . Du könntest auch als Sozialarbeiterin einen guten Job macht in dieser Richtung machen. Es gibt so viele Fortbildungen. Allerdings wärst Du hier flexibler und nicht auf die Schule fixiert. Do könntest trotzdem in einer Schule arbeiten oder in einer Klinik, Freizeiteinrichtung, Beratungsstelle etc.

25.09.2019 12:29 • #12



Dr. Reinhard Pichler


Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag