Maarten

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ich bin Maarten, 43 Jahre alt, verheiratet, 1 Sohn, Niederländer, Berufsschullehrer, Autor von Herr Lehrer, haben Sie Angst vor uns. (Meine unfreiwillige Konfrontationstherapie). Ich leide unter Sozialphobie und vor allem unter der Überzeugung für andere Menschen unangenehmes Gesellschaft zu sein. Ich versuche das zu verstehen
und zu ändern und habe mich deswegen hier angemeldet.

Maarten

31.08.2013 12:17 • 08.09.2013 #1


29 Antworten ↓


sydney

sydney


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Hallo Maarten,

wie schaffst Du denn Deinen Alltag als Berufsschullehrer mit einer Sozialphobie ?

31.08.2013 13:48 • #2


pax


Herzlich willkommen hier im Forum Maarten

31.08.2013 14:06 • #3


Maarten


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Am Montag ist es am schwersten, weil ich dann aus der Übung bin. Der Weg zur Arbeit ist schwer. Ich versuche dann nicht zu denken an was mich erwartet. Sobald ich die erste Schüler begegne, und mich unterhalte, und mich nicht länger auf mich und meine Gedanken/Ängste konzentriere aber auf den Stoff, den ich den Schülern beibringen möchte geht es. Letzte Woche war mein Hosenschlitz auf. Es wurde bemerkt. Ich wurde feuerrot. Aber ich habe mich auf den Unterrichtsstoff gestürzt und die Sache ignoriert. Es hilft mir zu wissen dass Schüler ein unglaubliches kurzes Kurzzeitgedächtnis haben und Peinlichkeiten innerhalb von wenigen Minuten vergessen und dass die Schüler ein noch schlechteres Selbstbild haben und sie mich lieben weil ich eben trottelig, sozial unbeholfen und schüchter bin. Ich habe gelernt dazu zu stehen, und nicht länger darauf zu hoffen oder von mir zu verlangen das zu ändern. Ich kann nicht sein, der ich nicht bin. Wie §$%& das manchmal auch ist.

Maarten

31.08.2013 14:27 • #4


sydney

sydney


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Zitat:
und sie mich lieben weil ich eben trottelig, sozial unbeholfen und schüchter bin.


Warum denkst Du denn das sie denken oder Dich so sehen? Meinst nicht auch, wenn sie Dich so sehen würden, dass Du es dann als Lehrer sehr schwer mit ihnen hättest? Jugendliche sind da gnadenlos und wie es so heraus lese, habe ich das Gefühl das sie Dich gut annehmen und dir folgen...oder habe ich was falsch verstanden?

Zitat:
Ich habe gelernt dazu zu stehen, und nicht länger darauf zu hoffen oder von mir zu verlangen das zu ändern. Ich kann nicht sein, der ich nicht bin.


Wer bist Du denn und was kannst Du nicht sein was Du nicht bist? Du sagst Du hast gelernt dazu zu stehen und verlangst von Dir nicht das zu ändern...im nächsten Satz sagst Du wider rum Du kannst nicht der sein der Du sein möchtest! Finde den Fehler Ich finde das widerspricht sich enorm!

Du kannst alles was Du möchtest davon ist erstmal aus zu gehen! Jetzt frag Dich erst mal was Du von Dir möchtest

31.08.2013 16:56 • #5


Maarten


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Was ich möchte. Ich möchte keine Angst für meine Mitmenschen haben. Ich möchten keine Angst haben abgelehnt zu werden.
Ich möchte von mir überzeugt sein. Ich möchte Menschen anfassen wenn ich sie begrüße, ohne Angst zu haben dass sie meine Berührungen verabscheuen.
Und ohne das sie genau diese Angst in meinen Augen sehen.
Ich verstehe mich auch nicht. Menschen mögen mich. Aber trotzdem, und das schon über 43 Jahre, denke ich das sie sich für mich ekeln.
Das hindert mir, weil es lähmt mir wenn ich auf Menschen zugehen möchte. Ich habe die Angst nicht bei meinen Freunden, oder Frau.
Die wissen nicht mal das ich so denke. Die Angst ist unrealistisch. ich kann sie trotzdem nicht abschütteln.
Ich habe gelernt diese Angst beiseite zu schieben wenn ich unterrichte. Ich drehe ein Knopf um. Aber das kostet Kraft. ich muss den Knopf festhalten
sonst dreht sie sich wieder zurück.
Ich neige übrigens auch zu Zwangsstörungen, so es wird wohl etwas in meinem Kopf sein das nicht genau stimmt.
Ich bin nicht die Einzige in meiner Familie, der so empfindet. Meine Mutter traut sich nicht mal in Geschäfte. Und ganz traurig: sie hat keine Freundinnen außer meiner Schwester
und glaubt nicht mal das ihre Kinder sie aufrichtig mögen.
Manchmal denke ich auch, das vielleicht alle Menschen so empfinden wie ich, es nur besser verstecken.

Maarten

31.08.2013 17:18 • #6


Fee*72

Fee*72


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Hallo Maarten...willkommen hier,,

Ich habe gelernt diese Angst beiseite zu schieben wenn ich unterrichte. Ich drehe ein Knopf um. Aber das kostet Kraft. ich muss den Knopf festhalten
sonst dreht sie sich wieder zurück.

das klingt sehr anstrengend..kann mich da auch ein teil wiederfinden...da man es mir auch nich immer ansieht,nur ich weis oder fühle das die Angst da ist...
wir müssen akzeptieren,das die Angst ein Teil von uns ist und nichts schlimmes ist,so meine Thera,dann wirds vlt irgendwann besser..nur wann?

Berichte mal wie heute dein Tag war..

lg
Fee

02.09.2013 07:52 • #7


Maarten


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Danke, die Nachfrage. Im Moment habe ich auch Probleme mit Blutdruckschwankungen und Herzstolpern (nicht eingebildet), und bin dadurch weniger konzentriert. Ich bin jetzt so weit das ich meine Schüler Bescheid sage, wenn ich mich nicht gut fühle. Die sind dann lieb und bringen mir Tee.
Ich habe im U-Bahn geübt mit keine negative Gedanken zulassen, als ich unerwartet mit Freunden meines
Sohnes konfrontiert wurde, die mich auch sehr nervös machen. Ich habe mich gefragt. Bringen meine negative Gedanken über mich, mich weiter? Antwort: Nein. Frage: was jetzt? Antwort: Ein wenig small-Tal versuchen.
Da hat Stefan Raab dann nachgeholfen. Aber Kraft kostete es. Und danach habe ich mich über mich geschämt, weil ich immer noch so nervös und ungeübt in soziale Kontakte bin wie ein Achtzehnjähriger. Morgen gehe ich zehn Minute früher los.

Maarten

02.09.2013 20:11 • #8


sydney

sydney


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Hallo Maarten,

aber Du hast die Situation gut gemeistert! Das ist doch ein toller Erfolg!
Wie hast Du Dich gefühlt als Du Dich selber gefragt hast, ob Dir die neg. Gedanken grad was bringen? Bei mir bekommen die Dinge dann eine ganz andere Bewertung! und small Talk
war doch scheinbar die optimale Lösung in dem Moment
Bitte schäm Dich nicht, wo für denn auch...deine Gedanken sieht doch eh keiner....
Ich find es gut wie Du es gemacht hast!

02.09.2013 20:24 • #9


sydney

sydney


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Zitat:
Ich bin jetzt so weit das ich meine Schüler Bescheid sage, wenn ich mich nicht gut fühle. Die sind dann lieb und bringen mir Tee.


noch mal zum Anfang ....siehst Du Deine Schüler mögen Dich! Sonst würden Sie dies alles nicht tun, sie sehen Dich nicht als Trottel! Diese Gedanken kannst Du dann mal gleich in den Mülleimer stopfen

02.09.2013 20:27 • #10


Dani0712


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Hallo...

ich bin auch neu hier und hoffe, dass ich durch dieses Forum mir zusätzliche Hilfe holen kann um besser an meinen Problemen zu arbeiten.
Ich heisse Dani, bin 34 Jahre alt, verheiratet und Mutter von 2 Kindern(3 und 6 Jahre alt)
Ich bin Angstpatientin (Agoraphobie mit Panikattacken, Erwartungsängsten und generalisierter Angst), weites Spektrum, ich weiß

Wirklich zu schaffen, bzw bemerkbar machte sich das alles vor gut einem Jahr.
Seidem war ich bei einer Verhaltenstherapeutin, war aber wohl nicht die "Richtige" und 5 Wochen voll und teilstationär in einer Klinik.

Ab nächsten Monat habe ich eine neue Therapeutin und hoffe, dass es endlich vorwärts geht....

03.09.2013 15:21 • #11


Maarten


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Jaah, Sie lieben mich, denke ich, weil ich mich nicht für etwas besseres halte. Das sind sie
nicht gewöhnt von ihren Lehrern oder Mitmenschen. Das ist der Vorteil von mein mangelndes
Selbstbewusstsein. Die meisten sind Leidensgenossen. Haben auch Angst zu sprechen, und
Angst vor ihren Mitschülern. Bei mir stoßen sie da natürlich auf Verständnis.

Maarten

03.09.2013 21:10 • #12


Marc


da hast du dir ja den perfekten beruf für eine Konfrontationstherapie ausgesucht

06.09.2013 16:41 • #13


Maarten


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Ich habe es mir nicht freiwillig ausgewählt. Ich hatte Schulden und mir drohte die Arbeitslosigkeit.
Aber es war gut. Mit 20 war ich extrem schüchtern. Ich habe studiert, Freunde gewonnen und meine
Schüchternheit besiegt. Dachte ich. Aber als ich Journalist wurde und 15 Jahre nur noch Onlinekontakte hatte,
war ich wieder zurück wo ich angefangen hatte. Gerade wenn man den Kontakt mit Menschen
scheut, darf man die Übung nicht verlieren, habe ich bemerkt. Deswegen bleibe ich Berufsschullehrer.
Wie schwer mir den morgendlichen Schulweg auch fällt.
Und was machst du?

06.09.2013 17:34 • #14


schneematsch


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Huhu! Willkommen im Forum!

Ich habe da gleich mal eine Frage an dich: Ist der Beruf des Lehrers wirklich so schwer mit sozialer Phobie?

Als Lehrer weiß man doch viel mehr als die Schüler. Außerdem sind Schüler nur Kinder oder Jugendliche. Da sollte sich die SP doch in Grenzen halten, weil das alles Selbstbewusstsein schafft. So zumindest meine Theorie. Ich spiele auch mit dem Gedanken vielleicht Lehrer zu werden.

Liebe Grüße
Schneematsch

06.09.2013 17:49 • #15


Schlaflose

Schlaflose


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Ich war auch Lehrerin mit Sozialer Phobie/ängstlicher vermeidender Persönlichkeitsstörung. Aber nach 20 Jahren des sich Konfrontierens und Quälens konnte ich nicht mehr. Bei mir hat sich das vom ersten Tag an mit extremen Schlafstörungen gerächt. Ich hatte während der Zeit mehrere Therapien und einen 8-wöchigen Rehaaufenthalt. Die letzen 3 Jahre hatte ich einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen und habe den Beruf schließlich aufgegeben. Seitdem geht es mir prima.

06.09.2013 18:08 • #16


Maarten


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Hallo Schneematch. Woher die Name. Fühlst du dich so?

Ich unterrichte Erwachsenen. Die sind nicht so schlimm wie Kinder. Dafür hätte ich noch viel mehr Angst. Die sind so
unkontrollierbar und habe überhaupt kein Mitleid mit einem. Man kann als Lehrer nie alles wissen, aber Schüler können alles fragen.
Erst habe ich immer schrecklichen Angst gehabt das sie entdecken wie wenig ich eigentlich weiß, vor allem weil meine
Kollegen viel mehr wissen und viel erfahrener sind und die Schüler viel mehr Praxiswissen haben. Aber jetzt weiß ich genug, um auch mal sagen zu können: Ich kann deine Frage nicht beantworten. Ohne das sie gleich denken ich sei nichts wert. Ich denke auch das Wissen viel wichtiger ist als pädagogische Fähigkeiten. Es gibt einem Selbstsicherheit. Erklären kann ich auch gut, weil ich gut mahlen kann. Und meine Arbeitsblätter sind inzwischen top. Nur kann ich keine spannende Vorträge abhalten, und dabei auch noch Menschen angucken. Und bei mir ist es auch ziemlich unruhig, weil ich die Neigung habe mich auf die vorderste Bänke zu konzentrieren und leise sprechen. Aber die Schüler mögen mich. Das ist mein Glück. Und ich bin Mann und Sie sind Frauen mit Helfersyndrom (Altenpfleger). Das ist auch mein Glück. Auch wenn ich immer noch nicht gut weiß wie ich ein Thema/Stunde
ankündigen soll. Es koste viel Energie Lehrer zu sein, aber man kommt auch viel zurück, finde ich.

Maarten

06.09.2013 18:16 • #17


Maarten


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20 Jahre durchgehalten? Respekt! Was war für dich am schlimmsten?

Maarten

06.09.2013 18:47 • #18


gernsorglos


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Hi Marten,
ich selbst mache gerade erste Schritte in der Erwachsenenbildung und kenne das zu gut oder besser gesagt ganz aktuell. Hab ich das richtig verstanden? Du hast darüber ein Buch geschrieben würde ich echt spannende finden.
Ich weiß noch nicht wie lanf´ge ich das machen kann, denn kurz davor habe ich nicht nur Ängsten zu schafen, sondern auch mit körperlichen Symptomen. Es macht grundsätzlich Spass, aber ich brauch lange bis ich rein komme und meine Ruhe finde.

06.09.2013 23:19 • #19


MrsAngst

MrsAngst


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Ich muss sagen ich hätte mich gefreut einen lehrer zu haben mit ängsten.
Ich leide an anderen ängsten wie du, angst vor krankheiten, aber es wäre dennoch schön gewesen.
Ich denke junge erwachsene, sind nicht immer einfach aber das sind keine kinder mehr und die kennen ja reale probleme (bin selber erst knapp 20)
ich finde es sehr gut, dass du dich den ängsten stellst! Das ist gut! Auch das du ein buch geschrieben jast! Es beweist sehr viel kampfgeist.
ich denke du bist viel stärker als du denkst, halte dir das immer vor augen.
Du schaffst es junge leute zu unterrichten und prägst sie damit positiv.
alles gute
.

06.09.2013 23:41 • #20




Dr. Reinhard Pichler

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