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J
Hallo zusammen,

ich möchte mal mein Problem beschreiben:
Ich leide nun seit fast 6 Jahren an einer entweder Essstörung oder Sozialen Phobie. Alles begann in meiner ersten Beziehung, wichtig dabei zu sagen ist, das die Person damit nichts zu tun hat. Ich hatte auch davor keinerlei Probleme damit, aber als ich das erste mal bei ihr schlief, saß ich natürlich auch beim Abendessen dabei. Davor wurde mir übel, kalt und ich musste Zittern. Seit dem habe ich es vermieden, mit ihr bzw mit ihnen essen zu gehen/ bei ihr zuschlafen, was zur Folge auch die Beziehung beendet hat. Ich hatte danach auch Beziehungen, da war es aber nicht besser. Anfangs war es nur in der Beziehung so, inzwischen ist es sogar bei Freunden und Familie so. Allerdings werde ich nicht mehr ganz so zitterrig und Kalt wird mir auch nicht mehr. Es ist eher so: Mein Bauch hat Hunger, aber mein Kopf/ Mund kann und möchte nichts essen. Fühlt sich an, als wäre mir in dem Moment leicht übel, dass ist aber nicht das gleiche Gefühl wie Übelkeit, schwer zu beschreiben. Bei der Arbeit im Pausenraum kann ich normal essen, genauso wie Zuhause vor meiner Familie, verlassen wir allerdings das Haus/Arbeit zum essen, ist bei mir wieder Schluss. Das nervt mich.! Ich ging auch schon zum Arzt, der hat mich Untersucht, alles okay. Das Resultat der Arztes war: ,,Ich solle mich nicht so anstellen, und einfach Essen Ja, für ihn leichter gesagt, als für mich getan. Was mir aber dagegen schon geholfen hat, was natürlich keine Lösung ist, war der Alk., man hat halt vor dem essen auf Partys was getrunken, so war ich nicht mehr angespannt, und konnte normal essen. Das ist aber und soll für mich keine Lösung sein. Also wenn mir Jemand Tipps hat, und das gleiche Erfahren hat, der solle sich bitte hier melden. Ich Würde mich Riesig freuen. Mit 19 Jahre beeinträchtigt das echt oft mein Leben, fast jede Tag.

17.06.2024 20:07 • 20.06.2024 #1


11 Antworten ↓


Krylla
Ich habe was Ähnliches durch und manchmal holt es mich noch ein. Ebenfalls Sozialphobie.

Ich bin sowieso angespannt, wenn ich draußen unterwegs bin.
Sobald es dann Essen gibt, ist mein Appetit nur noch halb so groß und Spaß hab ich auch keinen.
Da ich gerne weiß wieso, habe ich mich beobachtet und bei mir, vermute ich, liegt es tatsächlich daran, dass mein Nacken und Hals einfach so angespannt sind, dass es wortwörtlich schwer ist Dinge zu schlucken. Es ist irgendwie unangenehm und dazu bin ich sowieso wegen den Menschen um mich herum angespannt und durch Corona setzt das Essen in Räumen dann manchmal noch einen oben drauf.
Aber ich habe auch bemerkt, dass das nicht bei jedem Essen gilt. Fleisch und alles, das deftig ist und viel zu kauen, das ging schwer. Aber mit Salat und einfacher Kost gab es keine Probleme. Also habe ich mich erst einmal daran gehalten.
Nachdem ich dann eine neue Freundin gefunden hatte, die ich nur selten sehen konnte und wenn, wir uns außerhalb trafen, damit beide ungefähr die selbe Anfahrt haben, konnte ich das so dann Stück für Stück üben und es ging mit der Zeit (bestimmt ein Jahr und jeden Monat min. einmal geübt) immer besser.
Das Schlucken ist leichter und ich esse nicht mehr nur Salat, was so gesehen aber auch kein Beinbruch ist, da Salat immerhin gesund ist und ich ja nicht jeden Tag außerhalb essen bin. Suppen funktionieren übrigens auch super und Reisgerichte. Von Fleisch bin ich sowieso kein Fan, aber das funktioniert auch, wenn mich da auch allgemein schnell der Appetit verlässt.
Ich esse nun also immer noch nicht unbedingt Großes und Deftiges, aber ich kann es an guten Tagen. Da ich aber kein Problem darin sehe, dass ich außerhalb gerne Salat oder so esse, wenn es nicht anders geht, hat mir das auch den Druck genommen, was wohl auch zur Besserung beigetragen hat.

Ansonsten wäre eine Verhaltenstherapie möglich, solltest du die Sozialphobie diagnostiziert haben. An eine Essstörung denke ich nicht, da du, nach dem was ich hier lese, ein normales Verhältnis zum Essen hast und eher die Situation, in der du Essen musst, dich belastet.
Ansonsten: Es zum Teil auch einfach annehmen. Gucken, was man gut Essen kann und das dann nehmen, bis der Körper merkt, dass alles gut ist. Auch, weil du dann mit dem Problem arbeitest und nicht nur dagegen. Quasi ein sanftes dagegen angehen. Desto mehr Druck, desto schwerer kann es manches machen.

17.06.2024 20:30 • #2


A


Essen in der Öffentlichkeit nicht möglich!

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Krylla
Wenn du es nicht alleine schaffst und merkst, dass es eher schlimmer wird, wäre es sinnvoll bei einem Psychiater vorstellig zu werden und das mit diesem Mal zu bereden.
Dieser kann dir dann auch mögliche Diagnosen geben, wenn du welche möchtest, mit welchen du dann die Therapien beantragen kannst, wenn du das möchtest.

17.06.2024 20:36 • x 1 #3


J
Danke für die Antwort. Ja, dass mit Salat, Reis und Suppen habe ich auch schon probiert, und hat auch einigermaßen gut funktioniert. Wie hat deine Freundin reagiert, also du ihr das erzählt hast?

17.06.2024 20:53 • #4


Krylla
@JuMox04
Ich habe es nie jemanden erzählt, wenn ich ehrlich bin.
Aber sie wussten allgemein, dass ich draußen sehr unsicher bin. Daher spielte es vielleicht keine Rolle, wo man mir da sowieso dann gegenüber geduldig war.
Ich denke aber schon, dass es etwas leichter fällt, wenn das Umfeld davon weiß. Es nimmt nach mal den Druck raus, dass man genauso schnell wie die anderen essen muss.
Am Ende muss man es allein abwägen, wem und ob man es sagen will.

Bei mir wissen es eigentlich nur meine Eltern, da es mich, wenn es mir nicht gut, auch mal am Abend zuhause einholt.
Da ich aber gerne mal merkwürdige Probleme habe, wussten sie, wie man darauf reagiert und geben mir die Zeit, die ich dann auch mal brauche für eine Mahlzeit. Aktuell sitzen sie dann einfach noch bei mir am Esstisch, bis ich fertig bin. Das ist echt lieb.

Ah, was noch einfach für mich zu essen ist: Pommes oder eigentlich fast alles, was man mit der Hand essen kann.
Meine Theorie dazu wäre, dass man einfach so damit beschäftigt ist, die Hand zum Essen zu verwenden und einfach auch es zu fühlen (wo man eigentlich Besteck nutzt und damit nie mit Essen in Kontakt kommt), dass es mich persönlich dann auch manchmal genug ablenkt. Außerdem macht es Spaß.

17.06.2024 21:05 • #5


J
@Krylla Alles klar, danke fürs Antworten, und danke, dass du dir die Zeit genommen hast!

17.06.2024 21:18 • #6


Reconquista
Lieber JuMox04,
du armer, das ist ja heftig. Mich würde interessieren, welche Gedanken dir durch den Kopf gehen, wenn du in der Öffentlichkeit oder bei fremden Menschen essen willst und es dann zu der Blockade kommt. Oder gibt es da keine Gedanken und nur eine körperliche Reaktion?

PS: Willkommen im Forum!

17.06.2024 21:35 • #7


Ferrum
Ich habe damit nicht wirklich Probleme, weiß aber als jemand, der soziale Phobie hat, dass das ein sehr typisches Symptom ist. Dein Hausarzt hat offenbar dafür kein Verständnis und deshalb empfehle ich ebenfalls, bei einem Psychiater vorstellig zu werden. Eventuell kann dir durch eine Therapie geholfen werden.

Hier kannst du Punkte sammeln (weiter unten): https://web.archive.org/web/20120225223...de/a11.htm

18.06.2024 11:15 • #8


Schlaflose
Zitat von Ferrum:
aber als jemand, der soziale Phobie hat, dass das ein sehr typisches Symptom ist.

Bei mir leider nicht. Ich kann trotz sozialer Phobie immer und überall essen, was natürlich in einem ständigen Kampf mit Übergewicht resultiert. Bei Gemeinschaftsveranstaltungen von der Arbeit aus o.ä. gehe ich extra nur wegen dem Essen hin, das es da immer gibt. Für mich ist das Reden in Gesellschaft das große Problem. Solange ich am Essen bin, brauche ich nicht zu reden Uns meistens mache ich direkt nach dem Essen die Biege

18.06.2024 14:32 • x 1 #9


Ferrum
@Schlaflose So eine bist du also !

18.06.2024 15:16 • #10


J
@Reconquista
Hey, sorry für die späte Antwort. Wenn mal ein Gedanke kommt, dann der das der Mensch mich darauf bewertet wie ich esse, jedoch passiert das nur sehr selten. Ganz oft kommt es ohne ein Gedanke.

20.06.2024 19:32 • #11


Reconquista
Lieber JuMox04, das klingt danach, dass du Angst davor hast, von anderen schlecht beurteilt zu werden und, dass sich die Reaktion schon länger automatisiert hat (gar kein Gedanke mehr dabei, es läuft von selbst ab). Es kann gut sein, dass du früher wirklich einmal oder mehrmals schlecht gemacht worden bist und verletzt warst und nicht wusstest, wie du darauf reagieren sollst - und dich dann nur noch schlecht gefühlt hast. Das würde bei jedem etwas auslösen. Wut, Angst, Peinlichkeit und so weiter. Ich glaube, wenn du das Thema beleuchtest, dass du diese heftige innerliche Abwehr-Reaktion wieder loswirst. Essen ist etwas persönliches und soziales und wenn man eine Unsicherheit oder Verletzung in sich trägt, ist es absolut verständlich, wenn man nur alleine oder mit Menschen, bei denen man sich hundertprozentig wohlfühlt und keinerlei Bedenken hat, essen will. Du brauchst ein stärkeres Vertrauen und Selbstsicherheit in dir. Das muss aufgebaut werden. Es ist wie eine Pflanze gießen und düngen.
LG

20.06.2024 23:57 • x 2 #12


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