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Hallo, ich leide schon immer an sozialer Phobie. Besonders stark ist bei mir die Angst, jemanden abzulehnen und dass derjenige sauer auf mich ist. Auch habe ich sehr schnell Schuldgefühle oder fühle mich zu irgendwas verpflichtet, was ich selbst eigentlich gar nicht will.
Das äußert sich sogar in Beziehungen. Ich bin schon öfter Beziehungen eingegangen, die ich eigentlich von Anfang an nicht wollte. Ich konnte mich von dem anderen nicht abgrenzen und der Kontakt wurde immer enger (weil ich auch sonst fast niemanden habe), etwas Richtung Abhängigkeit, und irgendwann fühlte ich mich dann dazu verpflichtet. Oft habe ich Schuldgefühle und denke, ich bin dem anderen eine Beziehung schuldig, weil er sich so um mich bemüht hat oder manchmal auch aufdringlich ist und nicht locker lässt. Dadurch, dass ich so schüchtern bin und mich nicht gut behaupten kann, verleite ich andere vielleicht auch dazu, immer weiter zu versuchen.

Eigentlich sage ich mir selbst und auch dem anderen von Anfang an sage, dass ich nicht will. Nicht schon wieder eine Beziehung, die eigentlich von Anfang an nicht passt.. Aber dann gerate ich doch wieder in so eine Konstellation und komme kaum raus aufgrund meiner Schuldgefühle, Angst, den anderen abzulehnen oder dass der andere sauer ist.

Ich will es immer allen Leuten recht machen. Mir tut es auch leid, wenn sich jemand immer wieder bemüht.. Aber ich suche eigentlich nur einen guten Freund und nicht schon wieder eine offizielle Beziehung. Ich traue mich kaum anderen zu erzählen, dass ich wieder in einer Beziehung bin, obwohl eigentlich sogar von außen klar ist, dass wir nicht wirklich zusammenpassen.

Ich schäme mich auch sehr für mein Verhalten. Dadurch schade ich ja auch dem anderen, wenn er mit mir zusammen ist, obwohl ich zu keinem Zeitpunkt wirklich überzeugt davon bin.

Kann mir jemand helfen?
Ich kenne viele Betroffene mit sozialer Phobie, habe aber noch nie gehört, dass jemand Angst hat, Annäherungen abzulehnen und Beziehungen eingeht, obwohl er selbst nicht will. Ich denke, es liegt an meinem geringen Selbstwertgefühl und der Überzeugung, ich dürfte nicht selber aussuchen, mit wem ich zusammen bin. Und vielleicht wegen meiner Erziehung (ich durfte nicht widersprechen und, wenn doch, war meine Mutter oft total sauer). Ich kann einfach nicht konsequent vermitteln, dass ich nicht will. Ich wünsche mir so sehr, mal länger allein zu sein und dann selbst zu überlegen und zu schauen, mit wem ich gern zusammen sein möchte.

Vielen Dank fürs Lesen

08.05.2018 09:36 • 14.05.2018 x 1 #1


13 Antworten ↓


FeuerWasser
Zitat von Lea1990:
Dadurch, dass ich so schüchtern bin und mich nicht gut behaupten kann, verleite ich andere vielleicht auch dazu, immer weiter zu versuchen.

Auf jeden Fall bringst du dich damit selbst in eine Position wo du leicht ausnutzbar und angreifbar bist. Du kannst es nicht jedem Recht machen und viel wichtiger ist es doch
das du es dir im Leben selbst recht machst. Keiner wird sich bei dir bedanken weil du dich aufopferst und zu allem Ja und Amen sagst. Das was du damit erreichst, ist, dass dein
Umfeld den Respekt vor dir verliert wenn du keine Grenzen aufzeigst und für dich selbst einstehst.

Du hast nur einen Blick auf das Außengeschehen aber nicht für dich selbst. Ich würde dir anraten eine Psychotherapie zu machen.

08.05.2018 10:09 • x 2 #2



Beziehungen, Abhängigkeit, Angst Nein zu sagen

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Jan_
Hallo Lea,

soziale Phobie heißt häufig Angst vor (schlechter) Bewertung durch andere.

Sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse nicht ernst zu nehmen ist ein Mechanismus es dem anderen 'recht' zu machen. Vermeidung von jeglicher Art von Konfrontation.
Das passt sehr gut zur sozialen Phobie. Auch wenn du noch nichts von ähnlichen Fällen gehört hast gibt es diesen Zusammenhang auf jeden Fall.

Du schilderst auch wo du es wohl erlernt hast - durch deine Mutter.
Wenn es einmal erlernt ist, in den eigenen Grundannahmen und Verhaltensweisen gefestigt ist, dann ist das natürlich schwer wieder zu ändern.
Aber durchaus möglich! Es braucht aber Zeit und Energie. Sicher auch mit Rückschlägen. Aber es kann Stück für Stück besser werden!

Wichtig ist, dass du dich selbst und deine Bedürfnisse zunehmend ernster nimmst, und aus Eigenverantwortung heraus auch für dich selbst eintrittst und handelst.

Eine wichtige Erkenntnis dabei ist: Du wirst nie alle Konflikte vermeiden können.
Es gibt auch Menschen die einfach nicht zusammen passen. Oder sich einfach so nicht ausstehen können - auch wenn keiner der beiden etwas dafür kann.

Wenn du beispielsweise bemerkst dass du im Gespräch mit anderen Personen deine Interessen und Bedürfnisse nicht gut vertreten kannst, und dich leicht überreden lässt, dann kann es helfen Dinge aufzuschreiben. Wenn du dir vorher Gedanken machst, und ja offensichtlich schon klare Vorstellungen hast was das Richtige wäre, dann gilt es nur noch dies ggf. so zu äußern und dem entsprechend zu handeln.

Auch wenn du dabei andere und dich selbst verletzt, wenn du dir vorher überlegt hast dass das das richtige ist, dann musst du es 'nach Plan' durchziehen. Vorab eine Abmachung mit dir treffen, das durch zu ziehen. Und dann dabei zu bleiben.
Egal wie unschön es wird.

Schlechte Zeiten und Konflikte gehen vorbei. Die sind nicht immer präsent.
Manchmal muss man durch Konflikte hindurch um das richtige zu erreichen.

Auch wenn dir das ungeheure Angst macht, weil du es früher so erfahren hast.
Heute bist du nicht mehr in einer Abhängigkeit zu deiner Mutter. Heute bist du erwachsen. Heute kannst und musst du für dich selbst einstehen.
Eigenverantwortung übernehmen.

Wenn du einen Konflikt befürchtest, dann kommst du sicherlich direkt in die Gefühlsebene der Vergangenheit.
Früher konntest du, in einer Abhängigkeitssituation, nicht für dich einstehen.
Heute ist das anders. Heute bist du nicht mehr in Abhängigkeit.
Mache dir immer bewusst was die 'alte Gefühlswelt', die 'Vergangenheit' ist, und was die eigentlich passenden Gefühle heute sind.

Natürlich sind Konflikte immer unangenehm. Aber beispielsweise eine Einladung abzulehnen sollte heute, als selbstbestimmter Erwachsener, ja keine negativen Gefühle auslösen.
Sondern im Gegenteil sogar positive. Für sich selbst zu sorgen sollte positiv behaftet sein.

Leider gibt es keine einfache oder schnelle Lösung für Veränderung.
Aber mit der Zeit und in Schritten kannst du etwas verändern.
Du scheinst ja schon sehr klare Vorstellungen zu haben was du im Moment bräuchtest, welche Veränderungen. Das ist schon sehr gut.
Jetzt gilt es 'nur' noch dafür einzustehen.

Du bist nicht für das Wohlbefinden der anderen verantwortlich.
Wenn du etwas ablehnst, dann kannst du es noch begründen wenn du magst, aber dann *muss* der andere das akzeptieren - mit oder ohne Verständnis.

Und wenn der andere Macht gegenüber dir ausübt - beispielsweise indem er aufrechnet was er für dich getan hat, oder auf die Beziehungsebene geht und dich auf dieser anspricht wenn du eigentlich klare rationale Gründe genannt hast, dann kannst, darfst und musst du das als unfairen Angriff werten und auch gerne mal pampig reagieren.
Wer da Macht gegenüber dir ausübt versucht dich aus zu nutzen - bewusst oder unbewusst. (Kompromiss wäre hier noch ein positiver Begriff.) Da ist der Konflikt schon voll im Gange, und es ist explizit nicht *deine* Aufgabe diesen Konflikt zu vermeiden oder zu lösen.
Deine Aufgabe ist es in erster Linie [nur] für dich selbst zu sorgen. (Das kann ich alles so extrem sagen weil du ja ohnehin ins gegenteilige Extrem tendierst. )

Ich wünsche dir viel Erfolg und alles Gute

Gruß
Jan

08.05.2018 19:44 • x 3 #3


Danke für eure Antworten. Eine Therapie möchte ich eigentlich schon länger (noch mal) machen. Mir ist das Thema aber auch unangenehm. Ich komme mir immer furchtbar naiv oder wie eine Schl.... vor, weil ich Beziehungen hatte, die ich gefühlsmäßig eigentlich gar nicht aus Überzeugung wollte.

Ich habe oft schlechte Träume. Ich träume, ich wäre noch mit irgendeinem früheren Ex-Freund zusammen und denke, dass ich danach doch schon mit wem anders zusammen war.. Alles erscheint mir so wahllos, so als habe ich mich von anderen immer nur aussuchen lassen, ohne zu fragen, was ich selbst will.

Ich bin auch furchtbar naiv. Wenn jemand mir gesagt hat, er will nur einen einzigen Kaffee zusammen trinken, dann würde er mich endlich in Ruhe lassen, habe ich das gemacht und geglaubt, obwohl doch eigentlich klar ist, dass ich mich dadurch viel mehr in alles verstricke. Ich habe an diesem Abend 10x Nein zu der Einladung gesagt, aber als sich derjenige in meinen Weg stellte und zum 11. Mal fragte, konnte ich nicht mehr und habe nachgegeben...

Ich schäme mich einfach für alles. Für meine Naivität, für meinen fehlenden Respekt vor mir selbst, dass ich schon so viele Beziehungen hatte.. ich würde fast alles am liebsten rückgängig machen. Ich kann mir das auch einfach selber nicht verzeihen. Oft habe ich mir geschworen, auf keinen Fall lässt du dich auf eine Beziehung ein.. Aber dann erzählt mir der andere z.B., er hätte seinen Bekannten erzählt, er wäre mit mir zusammen, obwohl wir das nicht ausgemacht haben.. Und dann fühle ich mich schuldig und verpflichtet, das mitzumachen, weil sich andere ja schon für ihn gefreut haben und ich ihn nicht enttäuschen möchte.

08.05.2018 23:05 • #4


Jan_
Du brauchst dich nicht schlecht wegen deiner Vergangenheit fühlen.

Du bist so geworden und hast so gehandelt aus Veranlagungen und erlernten Grundannahmen und Erfahrungen heraus.
Du hast aus guten Gründen so gehandelt.

Und du musst lernen das zunehmend und schließlich radikal zu Akzeptieren.
Die Vergangenheit ist vorbei. Sich mit ihr zu beschäftigen, insbesondere im negativen, bringt dir heute nichts positives.

Du musst sie nicht gut heißen, aber akzeptieren können. Als das was sie ist. Vergangenheit.

Du sagst bzgl. Therapie das Thema sei es unangenehm. Aber eine Therapie gibt ja einen sicheren Rahmen in dem du dich öffnen kannst.
Passender Therapeut vorausgesetzt.
Und mit dem öffnen und offener damit umgehen kannst du es auch eher an dir selbst akzeptieren. Deine Probleme sind nicht du. Du hast sie zwar, aber sie machen dich nicht aus.
Du kannst und wirst diese angehen und zunehmend abbauen. Sie als Teil von dir und Teil deiner Vergangenheit sehen, aber dann nicht mehr als das einzige oder dominierende deiner Persönlichkeit.

Dass dich bei deinen Schilderungen auch schlechte Träume quälen kann ich mir gut vorstellen.
Diese lassen sich wohl niemals ganz verhindern. Aber wahrscheinlich wird es besser wenn zu zunehmend mehr das Gefühl hast für dich selbst einzutreten.

Zitat von Lea1990:
Ich habe an diesem Abend 10x Nein zu der Einladung gesagt, aber als sich derjenige in meinen Weg stellte und zum 11. Mal fragte, konnte ich nicht mehr und habe nachgegeben...


Drei mal ist schon zu viel.
Nach dem zweiten Nein würde ich einfach gar nicht mehr reagieren. Das ist unfair und rücksichtslos von der anderen Person.
Danach irgendwann würde ich das ansprechen, dass das so nicht geht. Und wenn es ein zweites Mal vorkommt würde ich Kontakt mit dieser Person vermeiden.
Auch so ein Ärgernis, auf so eine Person, kann man doch gut verzichten.

Zitat von Lea1990:
er hätte seinen Bekannten erzählt, er wäre mit mir zusammen, obwohl wir das nicht ausgemacht haben.. Und dann fühle ich mich schuldig und verpflichtet, das mitzumachen, weil sich andere ja schon für ihn gefreut haben und ich ihn nicht enttäuschen möchte.


Na da ziehst du die Rücksichtslosen aber auch an/hast du Pech gehabt. Das geht ja mal überhaupt nicht.
Da übt der andere Macht auf dich aus, und du ignorierst deinen Selbstwert und deine Selbstbestimmung und folgst dem.
Gesund wäre natürlich das genaue Gegenteil. Wenn überhaupt eine Trotzreaktion darauf, daraufhin mehr Abstand zu suchen.

Du sagst du versuchst es allen recht zu machen. Aber hast du Interesse an solchen sozialen Beziehungen?
An Leuten die so rücksichtlos und unfair sind?
Erkennst du dass du die vielleicht eher los werden solltest als sie noch zu fördern, und dir selbst zu schaden?
Auf solche Beziehungen kann man gut verzichten.

Du hast klare Ziele und Vorstellungen wie es besser sein könnte. Das ist doch super.
Du weißt wo deine Probleme liegen. Dafür brauchst du dich nicht schämen.
Auch Rückschläge wird es immer geben.
Und es ist ein hartes Stück Arbeit.

Vielleicht solltest du auch erst mal komplett ins andere Extrem, und eigentlich zu fast allem prinzipiell nein sagen.
Um dir dann nach 3-4 Monaten mal anzusehen was sich geändert hat, und dir zu überlegen zu was du wieder ja sagen möchtest.

Alternativ kann ich dir empfehlen zusätzlich oder stattdessen dir eine Regel zu machen nach dem Motto nach jedem mal ja/zu sagen sagst du zwei mal nein/ab.
Und ein Nein bleibt dann natürlich als eines endgültig stehen.

Wenn du es dir selbst zu einer Regel machst und mit dir selbst vielleicht auch einen schriftlichen Vertrag machst, dann kannst du diesem vielleicht eher folgen und weichst nicht so schnell davon ab?

In jedem Fall kommst du nicht darum herum es einfach zu tun. Auch wenn Veränderung immer anstrengend ist.
Es einfach auszuprobieren, immer wieder, zu experimentieren, und Dinge anders zu tun als man sie früher getan hat. Einen neuen Weg.

Gefühle sind unser unser System für schnelle Handlungsempfehlungen. Unsere intuitiven Handlungen sind energieeffizient, weil sie kein Nachdenken benötigen.
Beides ist jetzt nicht so wie wir es gerne hätten, und du musst Energie aufwenden diese Strategien umzulernen.
Das dich immer wieder dafür zu entscheiden den Handlungsimpulsen/Handlungsempfehlungen nicht zu folgen, sondern dich bewusst anders zu entscheiden.
Auf Fragen nicht mehr direkt zu antworten, sondern dir die Zeit zu nehmen und dich immer erst bewusst zu fragen - will ich das, oder kann ich das mit mir selbst vereinbaren, so dass es mir trotzdem weiterhin gut geht. Oder brauche ich Zeit darüber nach zu denken. Denn Keine Frage muss man wirklich direkt beantworten. Und sowohl die intuitiven Handlungsimpulse willst du umlernen, als auch den Einfluss der anderen Person abschwächen. Und das geht am besten mit sich die Zeit und gegebenenfalls den Abstand zu suchen, Gedanken zu machen und dann eine Entscheidung zu treffen. Im Zweifel nach einer 1:2 Regel oder einer "im Zweifel immer nein" Regel.

Gruß
Jan

08.05.2018 23:38 • x 2 #5


FeuerWasser
Zitat von Lea1990:
Ich habe an diesem Abend 10x Nein zu der Einladung gesagt, aber als sich derjenige in meinen Weg stellte und zum 11. Mal fragte, konnte ich nicht mehr und habe nachgegeben...

Das ist zB eine Situation wo ich genau einmal maximal zweimal Nein sage und wenn das übergangen wird gibts ne Ansage. Man muss nicht unhöflich werden aber bestimmt auftreten.

Du brauchst dich dafür nicht zu schämen aber musst/solltest anerkennen, dass du in der Hinsicht Schwierigkeiten hast die behoben werden sollten um ein besseres oder erstrebenswerteres Leben zu führen. Nicht Nein sagen können das bezieht sich bestimmt nicht nur auf die Partnerschaftsebene sondern auf alle Bereiche des täglichen Lebens. Manche können im Job Leuten schwer Bitten abschlagen, andere knicken bei Verwandten oder Freunden ein, die ständig Wünsche und Aufträge an sie herantragen. Es ist wichtig, dass man diese Situationen analysiert und auflöst. Das kannst du entweder in Form einer Psychotherapie machen oder du belegst alternativ einen Rhetorikkurs

08.05.2018 23:46 • x 1 #6


Das mit dem immer oder erst mal Nein sagen, muss ich auf jeden Fall umsetzen..
Ich weiß nicht, ob ich gerade immer an rücksichtslose Männer geraten bin. Ich habe auch Angst, mich als Opfer darzustellen. Mit meiner unsicheren Art und dass ich nicht so stark Grenzen setzen kann, habe ich die anderen sicher auch irgendwie provoziert weiterzumachen. Es ist natürlich auch in anderen Lebensbereichen so, aber bei Beziehungen frisst mich diese Selbstaufgabe am meisten auf.

Das Problem ist, dass ich im Moment wieder in so einer Konstellation bin, die durch aufdringliches Verhalten und nach mehreren Ablehnungen meinerseits entstanden ist. Derjenige ist mir ein paar Mal in Zug/Bus und fast bis nach Hause gefolgt, obwohl ich das nicht wollte. Ich hatte ihm mehrmals gesagt, er soll den Zug, der in meine Richtung fährt, verlassen, aber er ist immer wieder eingestiegen. Ich war so verzweifelt, dass ich ihm sogar gesagt habe, ich rufe die Polizei. Leider habe ich mich nach einiger Zeit und nach einigen mitleidserregenden Mails von ihm wieder mit ihm getroffen. Ich denke, weil ich in dem Moment sehr viele Probleme und sonst fast niemanden zum Reden hatte. Eigentlich ist derjenige auch sehr nett und hilfsbereit, aber ich will und wollte nie mit ihm zusammen sein. Ich erzähle niemandem von ihm, weil ich mich so dafür schäme, dass ich mich wieder auf jemanden eingelassen habe, mit dem ich gar nicht wirklich zusammen sein will.

Ich habe jetzt sogar schon Kontakt mit Bekannten von mir reduziert oder abgebrochen, weil ich Angst habe, davon zu erzählen. Ich kann nicht sagen: Ach übrigens, ich bin seit ein paar Monaten mit jemandem zusammen, mit dem ich aber gar nicht zusammen sein will..?

Ich sage ihm selbst zwar oft, ich will das nicht (mehr) und das Kennenlernen hat mich schon gestört, aber ich schaffe nie den Absprung. Er ist auch sauer, weil ich früher was von Polizei zu ihm gesagt habe, dann bekomme ich auch Schuldgefühle, dass ich was Schlimmes gemacht habe. Und ihn stört natürlich auch, dass ich anderen nichts von ihm erzähle. Er liebt mich sehr, ich bin seine erste und für ihn hoffentlich letzte Freundin. Ich habe ihm öfter gesagt, ich liebe ihn nicht, ich mag ihn nur, ich möchte ihn nicht treffen. Aber wenn ich mein Handy ausschalte oder nicht reagiere, bekomme ich nach spätestens einer Stunde extreme Schuldgefühle und Angst, weil ich nicht weiß, was bei dem anderen passiert. Außerdem denke ich, dass ich ihm die Enttäuschung nicht antun kann und selbst schuld bin und viel früher bei Nein hätte bleiben müssen. Es zerstört einfach alles in meinem Leben. Aus Angst, davon zu erzählen, Kontaktabbruch mit anderen, für eine Beziehung, die ich eigentlich selbst nicht will.

Er macht mir auch Vorwürfe, dass ich ja schon mit so vielen Männern zusammen war, die angeblich überhaupt nicht zu mir passen. Dabei bin ich genau aus den gleichen Gründen auch mit ihm zusammen.

Ich schaffe es einfach nicht allein da rauszukommen. Auf einen Therapieplatz in meiner Nähe müsste ich mehrere Monate warten bzw. zuletzt haben mir alle zurückgeschrieben, dass sie auch niemanden mehr auf die Warteliste aufnehmen.

09.05.2018 10:03 • #7


Jan_
Lebt ihr denn zusammen?
Kommst du nicht an ihm vorbei? Oder könntest du ihn auch meiden?

Zitat von Lea1990:
Er ist auch sauer, weil ich früher was von Polizei zu ihm gesagt habe, dann bekomme ich auch Schuldgefühle, dass ich was Schlimmes gemacht habe.

Also so wie du das schilderst wäre Polizei wegen Stalking absolut berechtigt gewesen. Wenn du klar nein sagst, und Abstand möchtest, und er dann trotzdem so Druck ausübt und nicht reagiert, dann ist das krankhaft. Seinerseits.

Dass du da bisher leider nicht stark bleiben kannst ist natürlich schei. für dich.

Zitat von Lea1990:
Aber wenn ich mein Handy ausschalte oder nicht reagiere, bekomme ich nach spätestens einer Stunde extreme Schuldgefühle und Angst, weil ich nicht weiß, was bei dem anderen passiert.


Das musst du aushalten lernen. Genau das ist doch eine super Übung.
Wenn es möglich ist weil nichts ansteht, dann kündige es an, dass du soweit okay bist aber du einen Tag komplette Ruhe brauchst, und dann machst du das Handy komplett aus.
Wenn wer klingelt machst du nicht auf. Besonders gut wäre natürlich du unternimmst was, um auch ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen.

Und auf jeden Fall werden diese Gefühle und Gedanken kommen, wie du sie bereits kennst. Aber immer wenn diese kommen, dann erkennst du sie, nimmst sie erst einmal wohlwollend an als das was sie sind (dass diese kommen ist normal und okay; wichtig ist dass sie nicht zu stark sind und dich einschränken/dir nicht gut sind/nicht zur Situation passen), und dann bewertest du sie als unpassend, die anderen sind nicht deine Aufgabe, es ist ein Tag für dich, du tust das für dich, es gibt gerade nichts wichtigeres. Die Gefühle sind zwar verständlich, aber passen nicht zur Situation. Ein einfacher Gedanke wäre passend; die ungeheure Stärke ist deine Vergangenheit, dein "zweites emotionales Netz", das nicht die aktuelle Situation im Fokus hat, sondern deine Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Du hast keine Verantwortung dafür wie andere auf deine Abgrenzung reagieren. Du musst für dich selbst sorgen. Wenn die anderen unfair reagieren, dann solltest du mehr Distanz suchen.

Zitat von Lea1990:
Außerdem denke ich, dass ich ihm die Enttäuschung nicht antun kann und selbst schuld bin und viel früher bei Nein hätte bleiben müssen.


Du hast mehrmals und deutlich nein gesagt.
Das Problem ist; der andere hat nicht respektvoll und gesund reagiert, und du konntest nicht durchhalten.
Mach dich nicht selbst als Person dafür verantwortlich. Es ist eine ungeheuer blöde Situation die halt so passiert ist - aus guten Gründen.

Und niemand ist an seine früheren Entscheidungen und Aussagen gebunden.
Du hast nein gesagt, und dich dann doch darauf eingelassen. Aber genau so gut kannst du dich wieder um entscheiden, und wieder Abstand suchen.
Das ist dein gutes Recht!

Zitat von Lea1990:
Es zerstört einfach alles in meinem Leben. Aus Angst, davon zu erzählen, Kontaktabbruch mit anderen, für eine Beziehung, die ich eigentlich selbst nicht will.


Das ist natürlich schei..
Aber es ist gut dass du das alles erkennst und so klar siehst.

Du musst natürlich nicht davon erzählen.
Aber es darf auf keinen Fall dein Leben so negativ beeinflussen.

Du brauchst und darfst dich nicht für deine Situation schämen.
Das ist eine Schwäche die du hast und die du kennst, und unfaire und respektlose Personen können dich da ausnutzen. Und durch blöde Geschehnisse bist du halt wieder in so einer blöden Situation.
Du konntest es leider nicht verhindern weil du nicht stark genug warst, aber du bist nicht allein verantwortlich für diese Situation.

Immer wenn du das Gefühl hast die Scham hindert dich daran etwas zu tun, gerade dann solltest du es tun.
Entgegengesetztes Handeln, entgegengesetztes denken und entgegengesetzte Körperhaltung.

Wie lange seid ihr jetzt schon 'zusammen'?
Wie häufig seht ihr euch?
Unternimmst du noch andere Dinge?

Glaubst du denn du könntest dich mal abgrenzen und komplett heraus nehmen aus dieser Situation? Wenigstens zeitweise?
Könntest du mal prinzipiell eine Woche zu allem nein sagen? Im Wissen dies für dich zu tun, und dass das wichtig und notwendig ist?

10.05.2018 01:20 • x 1 #8


Das geht jetzt seit einigen Monaten.

Ich habe immer total Angst, dass uns unterwegs jemand zusammen sieht. Bekannte oder Kollegen von mir würden sicher sofort von außen sehen, dass irgendwas nicht stimmt oder ich eigentlich gar nicht richtig zu ihm stehe. Und das wäre mir unheimlich peinlich. Ich möchte nicht, dass andere merken, dass ich mich nicht durchsetzen kann und so schwach und abhängig bin.

In der Anfangszeit hatte ich 3 Bekannten mal erzählt, es gibt jemanden, der Interesse an mir hat und mir hinterherläuft, und ich habe gefragt, was ich dagegen machen könnte. Danach habe ich nie mehr darüber gesprochen. Es wäre mir einfach total peinlich zu sagen, dass ich jetzt weiter mit ihm zusammen bin, zumal ich ja schon mal negativ darüber berichtet habe und die sicher nicht im Traum daran denken, dass ich mich darauf eingelassen habe. Ich habe Angst, dass sie dann denken, dass man einfach nichts ernstnehmen kann, was ich mache oder sage, wenn ich so gravierende Probleme habe, Nein zu sagen.

Wir treffen uns sehr oft. Einfach weil ich auch Angst habe, dass er sonst enttäuscht oder sauer ist. Er hat auch psychische Probleme und was Richtung soziale Angst. Das verbindet uns halt irgendwie. Ihm ist alleine allerdings oft langweilig und, wenn es nach ihm ginge, würde er mich die ganze Zeit treffen wollen. Wenn ich denn (ganz selten mal) jemand Bekanntes von mir getroffen habe, war er wie auf heißen Kohlen und wartete, dass ich fertig bin. Ich habe immer das Gefühl, er kann sich selbst nicht beschäftigen, während ich auch gern mal allein was am Tag mache oder allein in die Stadt gehe. Wobei ich ihn auch etwas verstehen kann, weil es sicher auch sehr blöd für ihn ist, wenn ich Freunde treffe, denen aber nicht von ihm erzähle. Wer ist schon glücklich, wenn der Partner einen verheimlicht?

Für mich ist das wie ein Teufelskreis. Ich kann aus Scham anderen nicht davon erzählen, schon gar nicht so weit im Nachhinein. Dadurch kann mir auch niemand zur Seite stehen. Wobei das auch alles nicht so die allerbesten Freunde sind, sondern eher Bekannte. Dann denke ich wiederum, es ist richtig, dass ich anderen nicht davon erzähle.

Er ist auch kein schlechter Mensch. Er ist superhilfsbereit, richtet sich (abgesehen von seinem Wunsch, mich oft zu treffen) fast immer nach mir und meinen Wünschen. Aber ich wollte eigentlich von Anfang an nie diesen Schritt zu einem richtigen Zusammensein.

Die einzige Möglichkeit da rauszukommen ist für mich oft nur einen unschönen Streit anzufangen, wo er selbst dann auch beleidigt ist und vielleicht keine Lust mehr hat.. Nur wenn er dann irgendwann wieder versöhnlich ankommt, schaffe ich es nicht weiter Abstand zu halten.. Ich kann das alles irgendwie nicht normal/vernünftig klären bzw. gebe zu schnell nach.

11.05.2018 14:39 • #9


Jan_
Sie das was du hast als Krankheit.
Das ist nicht das was dich ausmacht. Deine Probleme Nein zu sagen sind dir bewusst. Du hast kaum Kontrolle darüber, beziehungsweise kannst immer wenn du lang genug bearbetiet wirst umgestimmt werden.
Aber das darf dir keiner übel nehmen. Diese Krankheit ist nicht was dich aus macht. Sie bestimmt aktuell viel über dein Leben, aber nicht alles.
Dass du nicht nein sagen kannst und teilweise fremd bestimmt bist sagt nichts darüber aus ob man dich ernst nehmen kann oder nicht. Dir ist das ja sehr bewusst, und wenn man dich irgendetwas fragen würde kannst du ernst zu nehmende Antworten geben - das hat ja dann nichts mit nicht nein sagen können zu tun.

Du triffst dich mit ihm aus Angst dass er enttäuscht oder sauer wird.
Du tust das ausschließlich ihm zu liebe, für ihn.
Du tust das auf kosten deiner Selbst. Es bringt dich in einen ungeheuren innerlichen Unfrieden, Zwiespalt und Belastung.

Die Frage die du dir stellen musst ist: Bist du verantwortlich für ihn?
Ist es das wert?

Darüber hinaus ist das in jedem Fall keine gesunde Beziehung seinerseits. Für ihn bist du sicherlich das ein und alles und er ist ohnehin nicht stabil. Und das heißt: Empfindlich, Eifersucht, etc etc. Das anfängliche Stalking schon bevor eine Beziehung da war zeugt ja schon von eine ungeheuren ungesunden Wahrnehmung und Handlung.
Diese Gefahr darf man nicht verschweigen. Denn insbesondere wenn du dich jetzt von ihm trennst, dann wird das möglicherweise oder wahrscheinlich noch schlimme Folgen, Konflikte und so weiter nach sich ziehen.
Und trotzdem ist die Alternative nicht weniger schlimm - denn du bist gefangen in einer Beziehung die du nicht willst. Es geht dir nicht gut. Und er kann eventuell noch viel mehr Kontrolle über dich gewinnen.
Und da musst du unbedingt raus. Und wenn nötig, mit Unterlassungsklage und Annäherungsverbot.
Letzteres wäre vielleicht auch das direkte Mittel der Wahr - schließlich gibt es eine Stalking Vorgeschichte und du kennst deine Schwäche und möchtest und vielleicht musst Konfrontation diesbezüglich vermeiden. Du musst ein Statement abgeben und das muss so stehen bleiben.

Du kommst hier nicht ohne Konflikt und ohne scheinbar unschönes Ende heraus! Aber das muss sein.
Du musst dich dazu entschließen und dann dazu zwingen für dich selbst zu sorgen und das durch zu ziehen! Verantwortung für dich selbst zu übernehmen, und zwar explizit unter völliger Ignoranz anderen gegenüber.

Du darfst jetzt nicht auf andere achten. Du musst erst einmal nur noch und ausschließlich auf dich selbst achten. Komme was wolle, egal was das für andere heißt, egal was die sich vielleicht antun oder wie schlecht es ihnen geht, du musst auf nur noch dich selbst achten und tun und durchziehen was du brauchst und dir gut tut.

Erst wenn du in diesem Extrem eine ganze Zeit verweilt bist, geübt hast nein zu sagen, auf dich zu achten, und zu erleben dass es dir damit besser geht, erst dann kannst du dir überlegen wie viel du auch wieder auf andere achten möchtest.
Aber bis dahin musst du kategorisch, immer wenn dir ein Gedanke kommt was mit anderen ist, diesen Gedanken korrigieren: Es geht jetzt um mich! Ich muss mich neu erfinden! Ich muss nur und alleine für mich selbst sorgen! Ich muss mich um keine Konsequenzen scheren oder kümmern!

Und wenn dir jemand etwas einreden möchte, auch dann musst du sagen: Stopp! Ich muss jetzt für mich selbst sorgen, ich verlasse diese Situation, ich muss nichts für andere tun. Ganz im Gegenteil, ich muss für mich selbst sorgen. Ich muss mich nur auf mich konzentrieren. Ich muss nur für mich handeln.

Das alles entgegen deiner Intuition. Das heißt das ist und wird nicht einfach. Das wird nicht schön, denn 'die Anderen' werden dir einreden, versuchen ein schlechtes Gewissen zu machen, versuchen Macht über dich aus zu üben.
Aber das muss sein. Und jede Person die dies versuchst musst du sofort auf Abstand setzen. Kontakt vermeiden. Denn momentan bist du dem nicht gewachsen.

Jeder Gedanke der dir kommt der versucht dir deine Situation und widerstrebenden Aktionen zu rechtfertigen musst du als schädlich ansehen.
Dass er hilfsbereit ist, nett, was auch immer - alles egal. Darum geht es hier nicht. Es geht darum dass du tun musst was gut für dich ist.
Und in der jetzigen Situation heißt das Nein sagen und Abstand gewinnen.

Eine Sparlösung nach dem Motto einen Streit provozieren gibt es nicht.
Du musst die anstrengende, dir widerstrebende Lösung wählen. Du musst dich klar äußern und geben, du musst eine klare Linie ziehen.
Und du musst keine Rücksicht nehmen.

Als Vorschlag:
Du musst einen Brief schreiben in dem du deine Unzufriedenheit äußerst, deinen Zwiespalt, und dass du jetzt für dich sorgen musst. Und das heißt Kontakt beenden.
Und du musst seine Kontaktdaten blockieren, Telefonnummer, email, etc. Und du musst gerichtlich/polizeilich ein Annäherungsverbot erwirken, damit klar ist: Hier ist eine Grenze, und die darf nicht überschritten werden.

Das alles widerstrebt dir. Denn du willst keinen Konflikt, und dass es keinem schlecht geht. Aber das ist schlicht nicht möglich.
Es wird ihm schlecht gehen, aber das ist sein Problem. Er hat die Beziehung schon ungesund begonnen und muss lernen damit (anders) umzugehen.
Genauso wie du. Du musst lernen für dich zu sorgen. Und mit deiner Anfälligkeit heißt das: Nur für dich. Ausschließlich für dich.
Immer wen ein anderer Gedanke kommt: Korrigieren. Dir selbst sagen: Es geht jetzt um mich. Ich muss lernen mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Für mich Verantwortung zu übernehmen.

Und das heißt anderen Leuten vor den Kopf zu stoßen. Der vermeintlich einfache Weg ist nur kurzfristig einfach.
Die Beziehung einzugehen vermeidet den Konflikt und das Gegängel. Aber mittlerweile bist du eine Gefangene und es breitet sich aus in andere Lebensbereiche. Es quält dich.
Das heißt mittel und langfristig war es eben nicht eine 'einfache' oder gute Lösung.

Und genauso musst du jede neue Überlegung bewerten. Kurzfristige Konfliktvermeidung geht immer auf Kosten deiner eigenen Bedürfnisse und des Selbstwertes.
Und da du nicht gut einschätzen kannst was du verkraftest, und keine Grenzen ziehen kannst, musst du sie eben konsequent im anderen Extrem suchen. Bis du in diesem Extrem etwas Erfahrung gesammelt hast - vielleicht ein Jahr - vielleicht 10.

Ich hoffe wirklich du kannst das tun.
Ich versuche sehr energisch zu formulieren. Ich will wirklich deutlich machen dass das sein muss, um dich dazu zu bringen es zu tun.
Ich weiß das ist sehr schwer und widerstrebt aller Intuition. Aber die ist ja momentan das Problem. Es gibt nur einen Ausweg. Und der ist genau so schwer, wenn nicht schwerer, wie die aktuellen Qualen. Aber das muss sein. Denn dieser schwere Weg kann deine Situation ändern. Dich verändern. Dir zukünftig Kraft geben.

Liebe Grüße
Jan

/e:
Ich habe noch Ergänzungen:

Es gibt keinen 'richtigen Zeitpunkt' dafür.
Jede Begründung die du findest es auf zu schieben ist Selbstsabotage.

Du brauchst dich nicht dafür zu schämen. Es ist nichts falsch an dir.
Du hast Probleme, eine Krankheit. Diese ist dir sehr bewusst.
Es ist nicht wie du es dir wünschen würdest. Das ist nichts zum schämen.

11.05.2018 15:33 • x 1 #10


Burberry
Hallöchen, obwohl schon viel Sinnvolles gesagt wurde, möchte ich auch meinen Senf dazugeben

Es ist sehr gut, dass du den Missstand selbst erkannt hast und ihn nicht als normalen Zustand annimmst. Das ist der erste Schritt. Der nächste lautet nun: Handeln. Wie? Alte Muster durchbrechen. Eine Therapie kann Wunder wirken

Ich habe auch ein Problem damit, mich abzugrenzen. Ich habe manchmal das Gefühl, mich selbst zu verlieren, keinen eigenen Charakter zu haben, wenn mir Personen zu nahe kommen. Ich mache eine Gesprächstherapie. Hat jemand trotzdem einen Tipp für ein Umdenken?

13.05.2018 09:00 • #11


Jan_
Hallo Burberry,

sich zunehmend angewöhnen nicht immer direkt zu antworten, sondern immer zuerst zu überprüfen: Wie geht es mir damit? Was will ich eigentlich? Kann ich das verkraften? Tue ich das für den anderen und ist es trotzdem okay für mich?
Wenn man es nicht direkt entscheiden kann, dann darf und muss man Bedenkzeit einfordern. Es gibt wenig was man sofort entscheiden muss. (Trotzdem sollte man da natürlich nicht in eine Entscheidungslosigkeit rutschen die einen einen größeren Zeitraum belastet )

Die Gedanken und Gefühle, die alten Muster als Handlungsvorschläge betrachten. Es sind nur Vorschläge, die unser Organismus als 'schnelle' vermeintlich gute Lösung vorschlägt.
Nach dieser muss man aber nicht handeln. Es können gute Vorschläge sein, oder schlechte. Und bei letzteren handelt man nach einer Überprüfung/Überlegung dann lieber anders.

Häufig ist nicht nein sagen zu können Vermeidung von Konflikten. Vermeidung an zu ecken, auf zu fallen, dem anderen nicht zu gefallen.
Es ist wichtig zu erkennen dass sich Konflikte nie komplett vermeiden lassen, manchmal sogar notwendig sind. Und wenn sie auftreten lassen die sich auch gut überstehen. Konflikte sind nur Momentaufnahmen. Und dem anderen immer und komplett Gefallen muss man auch nicht. Insbesondere nicht wenn es auf Kosten des eigenen Selbstwertes geht.

13.05.2018 10:03 • x 1 #12


Burberry
@Jan_ : Danke für deine ausführliche Antwort. Ich schließe daraus, dass du dich viel mit dem Thema befasst hast. Hast du ähnliche Schwierigkeiten?

Ich bin nicht immer ein Ja-Sager. Manchmal ist es das komplette Gegenteil: ich äußere etwas Gegensätzliches, nur um eine Art Gleichgewicht in der Unterhaltung herbeizuführen. Aber auch da bin ich mir unsicher, ob ich das aus Überzeugung sage, oder eben nur aus dem genannten Grund. Ich tue mich manchmal schwer, bei mir zu bleiben. Kennst du das?

13.05.2018 14:03 • #13


Jan_
Das wird wohl so stimmen, dass ich mich da viel mit befasst habe.
Aber nicht speziell oder ausschließlich mit Nein sagen.

Ich habe manchmal Probleme meine Bedürfnisse zu erkennen, anzuerkennen oder dann Dinge zu verweigern/abzusagen.
Wobei ich durch Rückzug/Vermeidung die Berührungspunkte eher auch reduziert habe

Wenn du es nicht aus Überzeugung sagst sondern nur als Gegenstück, und es als Resultat trotzdem etwas gutes für dich selbst und deinen Selbstwert und Selbstfürsorge ist, dann ist es ja etwas positives.
Wenn es nur ein Gegenstück ist das dir aber nichts bringt oder sogar noch Nachteile, dann ist das natürlich nicht förderlich.
Mehr lässt sich da so allgemein glaube ich auch nicht zu sagen
Selbst etwas gegenteiliges zu initiieren kenne ich eher nicht.
Wenn man veranlagt ist es anderen immer recht machen und bevorzugt behandeln zu wollen ist man natürlich schnell beim anderen, und mehr als bei sich selbst. Da muss man sich an trainieren immer auch sich selbst zu überprüfen/an zu prüfen bevor man eine Schnellschuss Antwort gibt.
Würde ich bei mir aber auch eher nicht/selten sehen. Ich tue (gerne) Dinge für andere, es belastet mich aber auch wenig.

14.05.2018 22:32 • x 2 #14



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